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Autor: Karolina
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
18.05.2020 | 23:29 Uhr
Tagchen,

ehrlich gesagt schreibe ich gerade nur, um zu prokrastinieren, daher verzeih bitte, wenn ich nicht allzu konkret auf den Inhalt eingehe.
Ich gehe insbesondere auf einige stilistische Mängel ein, da mir diese neben dem Fehler im Titel besonders ins Auge gestochen sind.

Zum Titel deiner Fanficion, ich weiß nicht, ob das „Projekt 20“ einen besonderen Zweck erfüllt, wenn es fester Bestandteil ist, soll es mich nicht jucken, anderenfalls ist es schon alleine der Melodik wegen besser, diesen Teil zu streichen. Das „All“ im Titel ist allerdings wirklich falsch und sollte durch ein „Everything“ ersetzt werden. „All“ wird für Generalisierungen benutzt, in deinem Titel generalisierst du jedoch nichts, sondern implizierst, dass viele verschiedene Dinge möglich sind. Daher ist „Everything“ an dieser Stelle richtig. Alles ist möglich – doch die Möglichkeiten werden nicht verallgemeinert.
Genauso kannst du den ersten Satz deiner Kurzbeschreibung streichen. Die Information ist für die Leser nicht vonnöten. Der Plot ist mit zwei knappen Sätzen zwar gut dargelegt, aber denk daran, dass die Kurzbeschreibung dafür da ist, dem Leser deine Geschichte schmackhaft zu machen und ihn zu locken. Wenn ich das jetzt lese, habe ich den Plot des Animes vor Augen, nur das ein Mädel mehr dabei ist. Dabei ist es doch wahrscheinlich, dass sich der Plot wandelt, neue Konflikte entstehen und und und. Etwas ausschreiben ist also immer möglich, ob mit der Untermalung eines Subplots und rhetorischen Fragen – alles ist möglich.
Dass dein Charakter aus Japan stammt und Alexandra Axis heißt, ist jedoch – rein logisch betrachtet – nicht sehr wahrscheinlich. Aber gut, da will ich mich dran aufhängen, wollte es nur erwähnt haben.

Nun gut, damit zur eigentlichen Geschichte.
Bei der ersten Zeile des Prologs wollte ich schon wieder wegklicken, ganz ehrlich.
Anstatt ein „*boom*“ in den Text reinzuhauen, kannst du doch beschreiben, was passiert. Die erste Zeile kann vielleicht in einem Manga oder Comic zur Untermalung stehen, Stichwort Onomatopöie. Aber da wir uns hier in einem Fließtext befinden, hat diese Verwendung einer Lautmalerei hier nichts verloren. Viel angenehmer ist es auszuschreiben, was geschieht, das verleiht deinem Text direkt ein ganz anderes Flair und einen guten, melodischen Einstieg.

Dies als konkretes Beispiel; weiterhin sind mir zwei ganz gravierende generelle Dinge aufgefallen. Erstes wäre, dass du aus verschiedenen Perspektiven schreibst. Das ist an sich vollkommen in Ordnung, allerdings erfährt der Leser an keiner Stelle, aus welcher Sicht gerade erzählt wird. Das ist sehr verwirrend, sich erst selbst aus dem Text erschließen zu müssen, aus welcher Perspektive man gerade auf die Geschichte blickt. In einigen Kapiteln hast du auch mitten im Text die Perspektive gewechselt und dies nirgendwo erwähnt, beispielsweise in Kapitel zehn. Das ist wie gesagt sehr verwirrend und lädt nicht unbedingt zum Weiterlesen ein. Nicht, dass man erst herausfinden muss, aus wessen Sicht das Kapitel beginnt, nun muss man auch mitten im Text ohne Vorwarnung umspringen. Von Vorteil für den Leser wäre es also, die Perspektive vorher zu erwähnen.
An dieser Stelle würde ich jedoch gerne eine Anregung mitgeben: Wenn du in einer Szene auf verschiedene spezifische Aspekte eingehen willst, die jedoch die Gedankenwelt verschiedener Charaktere betreffen und du nur für diese Betonung die Perspektive wechselst, dann frage dich an dieser Stelle, wie sinnvoll und ob es überhaupt sinnvoll ist, dafür verschiedene Perspektiven anzugeben. Vielleicht wäre es auch eine Alternative, einen personellen Erzähler zu wählen, der die Gefühlswelten beider Charaktere beschreibt. Damit hast du es einfacher in der Beschreibung und der Leser fühlt sich nicht von den Perspektivenwechseln im Text erschlagen.

Zum Zweiten sind mir deine Dialoge aufgefallen. Diese folgen immer demselben Schema und wirken durch den Chat-Stil sehr undynamisch. Teilweise muss sich der Leser erschließen, wer gerade spricht und während eines Dialoges finden kaum Aktionen oder Interaktionen statt. Mit ein paar Begleitsätzen und Beschreibungen, was die jeweiligen Charaktere gerade tun, wirkt der Dialog gleich viel lebhafter und viel eher zum Rest des Textes zugehörig.
Damit zusammenhängend kann ich auch gerade generell etwas zum Schreibstil anmerken: Du verwendest extrem viele alleinstehende Hauptsätze, sodass es auch dem beschreibenden Text an der Dynamik mangelt; mit Hauptsätzen alleine reißt man halt nichts Großes. Dir bieten sich so viele Möglichkeiten, gewandter zu formulieren.
Ich würde dir an der Stelle raten, einfach mal auszutesten, welche Möglichkeiten es gibt, wie du Sätze sinnvoll miteinander verbindest, wie du den Text dadurch aktiver gestaltest und welche Strukturen welche Atmosphäre erzeugen (sollen).
Auch ein Betaleser kann dabei behilflich sein, am besten einen, der auch genauso gute Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse hat, denn auch in diesen Bereichen sind Mängel vorhanden. Bei Weitem nicht so gravierend, wie in anderen Werken, aber ein paar sind da und die können wirklich schnell ausgehebelt werden.

Des Weiteren bin ich an einer bestimmten Passage im ersten Kapitel hängen geblieben:
„Neugierig schaue ich an Zora vorbei. Acht Leute stehen da unten. Ein rothaariges Mädchen, eine blauhaarige Frau und ein grünhaariges Mädchen. Die Grünhaarige hat ihren männlichen Gegenpart. Das sind Zwillinge. Ich wollte auch immer einen Zwilling haben. Bei ihnen stehen noch ein Officer und ein Orangehaariger. Seine Sprengstofffrisur fasziniert mich. Die anderen beiden kenne ich.“
Ich weiß, dass es verdammt verlockend sein kann, Figuren anhand ihrer Haarfarben zu beschreiben, gerade im Manga- und Animebereich, aber es ist ziemlich unvorteilhaft und in die Länge gezogen, alle Figuren so zu beschreiben und dann auch noch alle auf einmal. Zumal „Die xy-haarige“ überhaupt nicht melodisch klingt, eher erzwungen und als hätten die Charaktere außer ihrer Haarfarbe nichts, das sie ausmacht. Dein OC kennt die Charaktere in diesem Szenario noch nicht, dennoch hast du die Möglichkeit, dich geschickter auszudrücken, als alle Farben des Regenbogens zu benennen. Zwei Frauen, eineiige Zwillinge und ein Punk mit wilder Frisur tun es in diesem Fall auch.

Nun gut, inhaltlich sind mir (beim groben Drüberschauen) auch eher generelle Dinge aufgefallen, die ich einmal anmerken möchte.
Dein OC spricht extrem viel über Spanier, Engländer und Franzosen und zieht auch Vergleiche. An einigen Stellen mag es vielleicht eine gute Pointe sein, jedoch immer wieder darauf zu verweisen, dass die Gute interkulturell belesen ist und vermeintlich schlau daherredet, ist nervtötend. Spätestens beim dritten Mal weiß auch der letzte Depp, dass sie in Europa war und ab dann wird es für den Leser äußerst uninteressant.
Für den nächsten Punkt beziehe ich mich nochmals auf ein konkretes Beispiel:
„Dazu muss ich aber aus den 3000 Fotos erst 36 auswählen. Ich bin selber etwas schockiert über mich. Sage und schreibe 1000 Fotos habe ich in jedem Land gemacht. Davon ist nicht eines einfaches Rumknippsen. Ich habe zwar den ein oder anderen Ort zehn bis zwanzig mal fotografiert für den perfekten Moment, aber trotzdem. Dafür werde ich mir einen Tag Zeit geben. Die restlichen fünf Tage werde ich zum bearbeiten nutzen.“
Solche Passagen stehen des Öfteren im Text. Passagen, in denen dein OC oder andere Figuren ihren Alltag oder Erlebnisse bis ins kleinste Detail ausführlich erzählen. Ist ja wirklich schön, dass jeder Charakter sein eigenes Leben hat, aus 1000 Fotos genau 36 auswählen muss, wie in der Realität auch, aber auch das ist für deine Geschichte vollkommen unnütz. Das trägt nichts zum Plot oder zu einem Subplot bei. Du kannst knapp erwähnen, dass wer mit seiner Arbeit beschäftigt ist, weiter hinausschwimmt, läuft, fährt oder was auch immer, aber alles auf die Anzahl genau zu beschreiben ist eher eine Last für Autor und Leser. Du musst nichts bis ins kleinste Detail erzählen, das im Grunde eine komplett unnütze Information ist, mach es dir einfacher und erwähne das grob. Das ist auch definitiv leserfreundlicher.

Zuletzt ist mir aufgefallen, dass der eigentliche Plot, der nun mal der des Canons ist, durch die Umstände, den OC und der schriftlichen Ausarbeitung vollkommen in den Hintergrund gerät. Der rote Faden ist erkennbar, doch hier extrem platt getreten durch den Subplot. Du kannst eine Romanze einbauen, das ist kein Problem, auch sehr vordergründig, aber der eigentliche Plot darf dadurch nicht in Vergessenheit geraten.
Konkret beleuchte ich mal den Handlungsstrang des Geisterwalds. Ruka ist verschwunden und das Team beginnt die Suche.
Dort ist ein kleines Mädchen in einem Wald verschwunden.
Romanze hin oder her, alle Charaktere reagieren ziemlich abgestumpft auf diese Nachricht, sind kaum erschüttert und der OC rückt wieder in den Mittelpunkt, weil Liebe und so.
In dieser Situation ist keine Zeit, den Schwarm liebevoll zu wecken, zu schmunzeln oder für irgendwelche erotischen Anspielungen. Ist an dieser Stelle einfach fehl am Platz und lässt den eigentlichen Handlungsverlauf ziemlich beiläufig und langweilig erscheinen.
Wenn die Romanze ein Hauptthema sein soll, kein Problem, wie gesagt. Aber die Gewichtung zum eigentlichen roten Faden muss stimmen, andernfalls ist es doch sinnbefreit, ihn überhaupt zu haben.

Den roten Faden generell zu behalten und weiter zu verfolgen kann ziemlich schwierig sein, gerade wenn man eine gewisse Zeit aus der eigenen Geschichte raus ist, da spreche ich aus Erfahrung. Den Plot einmal aufzuschreiben, die Ideen zu notieren und zu konkretisieren kann an der Stelle helfen. Du findest dich schneller ein, kannst besser schreiben und stresst dich selbst nicht so sehr mit der Geschichte.

Also gut, das sind ein paar Dinge, die ich loswerden wollte. Wie so oft mecker ich viel und gerne, was aber nicht bedeutet, dass ich die Geschichte nicht schätze. Der grobe Plan scheint doch zu stehen, mit ein paar Ausbesserungen kannst du da sicher noch viel herausholen.

LG Karyu

Antwort von Karolina am 19.05.2020 | 09:42 Uhr
Liebe Karyu-chan!

Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Kommentar. Meine Antwort wird bei weitem nicht so ausführlich ausfallen.
Wie ich es dem Kapitel 9 voran gestellt habe, kann gerne jemand die Geschichte vollenden. Für mich ist zu viel Zeit vergangen, in der ich nicht daran arbeitete um diese Geschichte noch beenden zu können oder in irgendeiner Weise zu verbessern.
Ich wunder mich manchmal selber was mein Gehirn da fabriziert hat XD
Insgesamt sind es 38 Kapitel.
Ach und noch zu dem Namen. Axis (C2) ist der zweite Halswirbel, der zusammen mit dem ersten Halswirbel Atlas (C1) einen Komplex bildet.

Ich wünsche dir eine wunderschöne kurze Woche!

Viele Grüße Karolina

PS: Falls das sonst noch jemand mitliest und dieser jemand tatsächlich Lust hat Beta-Leser zu werden für meine anderen Fanfiction, kann die Person sich gerne bei mir melden. Das würde dann natürlich auch anders herum funktionieren.
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