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Autor: Lucy Steele
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt) für Kapitel 1:
03.07.2015 | 23:08 Uhr
Liebe Lucy,

ein großes Lob möchte ich dir ausssprechen. Wunderbare, amüsante, bewegende und unterhaltsame Geschichte, die ich gern gelesen habe und gerne wieder lesen werde. Die Geschichte lebt sehr von der Dynamik zwischen deinen Charakteren, die hervorragend gezeichnet sind in aller Kürze.

Sprachlich bist du zwar eher in der Neuzeit verhaftet, vor allem auch mit den Schimpfworten, die deine Mascha da loslässt (wobei sie sich das Scherenschleifermundwerk so ähnlich auch während der sieben Jahre auf der Straße angeeignet haben kann). Trotzdem bekommen deine Figuren vor allem in den Dialogen ihre Konturen und ihre Greifbarkeit. Diese Dialoge sind schreiberisch wirklich deine große Stärke: Flüssig, lebendig und aggressiv bauen sich da Wortwechsel auf, zeigen sich in harschen Worten die eigentlichen Gefühle der Charaktere. Die Gespräche zwischen dem Schwarzen Müller und seiner Mascha sind sehr lebensnah, es ist nicht nur Sachebene, es sind sehr persönliche Gespräche mit mehreren Ebenen, die mir beim Lesen wirklich deutlich im Ohr waren. Sich den Tonfall der Figuren beim Lesen vorstellen zu können ist schon Luxus. Deine Mascha ist wunderbar und absolut erfrischend zu lesen. Eine starke Frau, erwachsen, deren Geschichte aus ihren Handlungen spricht, ihr resoluter Charakter passt hier hervorragend, gleichzeitig hat sie eine sanfte, weiche, einfühlsame Seite, die sie nicht offen zeigt, die aber stark in ihren Gedanken und in ihrem Handeln durchkommt, wenn sie sich selber maßregelt, hinterfragt, besinnt. Toller Charakter, sehr sympathisch und nachvollziehbar. Auch ihre Rolle als Hebamme, als Pflegerin und Dienerin des Lebens im Kontrast zu der des Müllers, dem Knecht des Todes, finde ich sehr passend.

Dein Schwarzer Müller... ich mag ihn ja selber sehr gern, den alten Hund. Ich find es sehr schön, was du aus den Informationen aus dem Buch gemacht hast und ich freue mich unglaublich, dass er einmal nicht nur der Teufel und Leuteschinder ist, dass er bei dir eine Geschichte bekommt, dass er bei dir seinen Jirko wiedersehen darf und dass er soetwas wie Erlösung finden darf. Du gehst sehr ehrlich und sehr menschlich mit den Charakteren um. Wie er auf Mascha reagiert, passt gut zur Preußlerschen Figur, aber er ist sehr viel weicher bei dir. Schön finde ich, wie offen du ihn zeigst, wie offen er auch Mascha sein Leid zeigt. Ich finde das sehr berührend.
An einigen Stellen ist er mir etwas zu unstet, im einen Moment der grantige Meister, im anderen Moment verletzlich und angreifbar, ohne dass man den Übergang merkt.

Eigenwillig fand ich, wie spärlich du die Umgebung und die Handlungsorte einbeziehst, wie wenig du äußerliches - auch bei den Charakteren - beschreibst. Der Kopf füllt die Bühne zwar mit Leben, aber ein bisschen mehr Futter wäre manchmal schön. Die Zeit, in der die Erzählung spielt, wird leider kaum deutlich. Dagegen finde ich die unverbrämte Klarheit des Handlungsverlaufs angenehm zu lesen, keine großen Schlenker oder Schnörkel, die nicht aufgelöst werden, du konzentrierst dich auf deinen Erzählstrang und daraus erwächst eine spannend zu lesende Geschichte.

Besonders möchte ich aber das Kapitel 12 noch hervorheben. Ach... ich hab schon zu viel schlechten Sex gelesen, zu viel billiges Gevögel, zu viel hochverschnörkelte Liebemacherei, sodass mich selten eine körperliche Szene begeistern kann. Dieses Kapitel aber tut es. Das ist großartig geschrieben. Echt und rau und kantig, der Geruch von Schweiß und echte Körperlichkeit, echtes Zueinanderfinden ist erlaubt bei dir, ohne Peinlichkeit. Ich finde das wunderbar beschrieben, wie Mascha ihren Widerstand völlig aufgibt und den Müller in seiner Gebrochenheit einfach annimmt wie er ist, ihn liebt wie er ist. Du hast es in der Anmerkung ja geschrieben, dass dieses Kapitel der Schlüssel zur Geschichte ist... und so ist es. Das ist der große Wendepunkt, an dem Mascha nicht mit Worten, aber mit ihrem ganzen Selbst sagt: Ja, dich will ich und du bist es wert, dafür zu leiden.

Der Krabatlose Krabat... das unauffällige Einweben der Originalgeschichte ist dir plausibel gelungen. Ein wenig störe ich mich aber an der Figur des Juro... da gibt es nicht wirklich eine Verbindung. Dass er am Ende derjenige ist, der die wirkliche Geschichte des Schwarzen Müllers weitererzählt ist eine schöne Idee, aber es fehlt der gewachsene Zusammenhang dazu.

Also... eine wunderbare Geschichte. Danke dafür!! Und gerne noch ein bisschen mehr davon.

Die Anspielung auf die Sage vom Wendenkönig. Ach ich freu mich drüber. Ich liebe die Sage und ihre Bezüge zum Krabat-Stoff. Danke fürs Einarbeiten.

Beste Grüße und weiter so,
tausendschön
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