Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
26.02.2015 | 15:56 Uhr
zu Kapitel 2
Ich geb´s zu, ein echter Fan des Maddrax-Universums werde ich wohl nicht, auch nicht nach einem Blick ins Maddarx-Wikia.
Unter anderem weil ich dort den Artikel über die Hydree gelesen habe und die ganze Sache mit der Tantrondrüse und Fleisch nicht einmal so klingt als würde es Sinn machen.
Wenn Hydree/Hydriten Fleisch tatsächlich abreißen/kauen (also auch das passende Gebiss haben, mit stumpfen Malhlzähnen allein würden sie ziemlich hilflos auf dem Fleisch herumkatschen) und verdauen (anstatt es sofort wieder auszukotzen, weil ihnen die passenden Enzyme in Magen und Darm fehlen) können ist das ein klarer Beleg dafür dass sie von Natur aus Omnivoren sind, was mehr Sinn machen würde, da praktisch alle Tierarten mit höherer Intelligenz (einschließlich Schweine, Schimpansen, Raben und Kea-Papageien) tierisches Protein zu sich nehmen.
Was die ganze Sache mit der Tantrondrüse wiederum zu evolutionstechnischem Unsinn macht, so als würden Menschen durch den Verzehr von Früchten oder Getreide automatisch eine Abhängigkeit danach entwickeln und zu doofen Brutalos mutieren.

Aber genug davon, kommen wir zu deiner Geschichte.
Die Idee eines Mensch/Hydrit-Hybriden als Außenseiter zwischen zwei Völkern ist nicht schlecht (habe keine Ahnung ob das in den Maddrax-Heften schon mal vorkam) und würde durchaus Stoff für weitere Geschichten liefern.
Sehr loben muss ich die Tatsache, dass auch die meisten Hydriden, ungeachtet ihrer ach so überlegenen Intelligenz und Friedfertigkeit ebenfalls rassistische Vorurteile gegen den Jungen haben und ziemlich rüde mit der Nase darauf gestoßen werden müssen.
Und die Tatsache dass der Konflikt zwischen Menschen und Taratzen nicht ganz einseitig ist, sondern sich beide Seite schlichtweg als Jagdbeute betrachten.
Nur muss ich sagen, dass mir hier etwas die Perspektive der Menschen fehlt, die mir zu sehr nach den "Grunzender Zottelbarbar"-Klischees gezeichnet sind. Etwa dass sie zwar in Fellen rumlaufen, dafür aber offenbar Schwerter haben (die Gewinnung von Bronze und Eisen aus Erz sowie die Herstellung von Schwerten daraus war sehr zeit -und arbeitsaufwendig und erforderte darüber hinaus schon eine bestimmte technologische Entwicklungsstufe; zur Hochzeit des Römischen Reiches etwa waren in germanischen "Barbaricum" Schwerter eine teure Rarität, weil das wenige selbst proudzierte Eisen meist nur für Speerspitzen und Axtköpfe ausreichte), ohne Behausung auf der Lichtung pennen (menschliche Kulturen brauchten immer einer Art von Unterschlupf gegen Wind, Kälte, Sonnenstrahlung und Regen, selbst wenn es nur Höhlen waren; Nomandenkulturen nutzen damals wie heute Zelte, Jurten oder Laubhütten), so doof sind dass sie noch ewig mit ihrer Jagdbeute herumspielen bis die Lupa kommen und scheinbar nur aus kampffähigen Männern bestehen (menschliche Gemeinschaften haben eigentlich immer Frauen, Kinder, Alte und Invalide; selbst größere Gruppen von Banditen und Gesetzlose in früheren Zeiten hatten in ihren Hauptlagern Frauen und Kinder, welche dort die vielen notwendigen Alltagsarbeiten verrichteten; ganze zu schweigen von den in die Jahre gekommenen und kampfversehrten Mitgliedern); so dass ihre Vernichtung durch die Taratzen am Ende nicht so schlimm wirken soll.
Dennoch eine gute Grundidee, aus der sich sicher noch ein paar intressenate Geschichten herausholen ließen, vielleicht mit einem etwas ausgewogenerem Blick auf die verschiedenen Kulturen.

Antwort von Meteoritenfreak am 27.02.2015 | 15:46 Uhr
Danke für dein Review.

Postapokalyptische Sciencefiction ist wohl nicht ganz dein Geschmack. Aber gerade wenn dich Kulturen und ihre Entwicklungen interessieren, wäre "Maddrax" genau was für dich. Die Handlung besteht nicht nur aus "Barbaren vs. mutierte Riesenmonster". Dort wo die meisten Daa´muren-Kristalle heruntergingen, war auch die Verdummung (und Brutalität) der Menschen am stärksten ausgeprägt. Rund um den Kratersee herum sind noch viele Barbaren in der Altsteinzeit. In Südeuropa, Südasien und Amerika haben sich schon kulturelle Entwicklungen ergeben, die zu sowas ähnliches wie die Stadtstaaten und Königreiche im Altertum wurden. In Afrika sind die Menschen schon zwischen der Renaissance und dem beginnenden, Viktorianischen Zeitalter. Und in der (nun zu einem Drittel eisfreien) Antarktis, wo kaum Daa´muren-Kristalle niedergingen, sind die Leute technologisch schon am Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gibt da sogar schon eine Frauenbewegung und eine Miniversion des Kalten Krieges.^^ Zwei der vier Ministaaten wollten schon die Todesstrafe abschaffen, als bösartige Hydriten Monsterraubfische die an Land leben können, in Genlabors gezüchtet und einfach auf die arglosen Menschen losgelassen haben.

Was die Tantrondrüse angeht: Sie bringt den fleischfressenden Hydree/Hydriten/Mendriten (und ja, alle drei haben auch so ein Gebiss wie Venom und Carnage, nur ohne die extrem lange Zunge^^; wird in der Geschichte auch erwähnt) immer mehr auf die "dunkle Seite"; oder verstärkt die aggressiven und niederen Triebe in ihm, wie du es wohl ausdrücken würdest. Die Intelligenz wird dadurch kaum beeinflußt. In dem Artikel kam das wohl nicht so rüber, dazu müsste man die Hefte gelesen haben, aber die aggressiven und primitiven Hydree waren einfach so von dem Fleischgenuss berauscht, das sie das zum Zentrum ihrer Kultur machten. Weitere technologische und/oder kulturelle Entwicklung war ihnen nicht wichtig, sie waren schlichtweg die ersten Steinzeit-Patriarchen des Sonnensystems.^^ Ähnlich ist es auch bei den Predatoren aus "Alien vs. Predator".

Aber schlussendlich ist "Maddrax" ja ein phantastisches Universum, und da finde ich es nicht allzuschlimm, wenn die Logik mal liegenbleibt. Da kann man sich genauso fragen, warum Bruce Banner durch eine massive Gammaverstrahlung Superkräfte bekommen hat, und nicht Krebs; warum in "Star Wars" selbst insektoide Spezies ohne Probleme die Menschensprache beherrschen, ihre Sprechfähigkeit wird sich ja evolutionär ganz anders entwickelt haben; oder warum Außerirdische wie Clark Kent, Doctor Who und Marvel-Thor sich optisch kaum von Menschen unterscheiden, obwohl sie auf einem ganz anderen Planeten geboren wurden, auf dem es eine völlig andere Evolution gegeben hat.

Nun aber zur Geschichte. Danke für dein Lob. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, die Kultur der Hydriten da genauer auszuarbeiten, und ihren sehr diskriminierenden Blick auf die Menschen. Zugegeben, die Hydriten sind schon eine gute Spur friedlicher als Menschen, aber Eifersucht, Intrigen, Egoismus, Diskriminierung, etc. sind ihnen ebensowenig fremd, wie den ach so primitiven Menschen. Tatsächlich gab es schon vereinzelt Mendriten in den Heften, aber sie hatten fast durchgehend (wenn auch nicht immer beabsichtigt) die Rolle von Antagonisten. Desweiteren kommt es nur sehr selten vor, dass sich ein Mensch und ein Hydrit ineinander verlieben und ein Kind bekommen, sodass auch das eine schöne Abwechslung ist.

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Stimmt, bei den Barbaren habe ich schon ziemlich geschludert und einiges außer acht gelassen. Ich wollte aber einfach mal die Perspektive der Taratzen besser einbringen. Im Gegensatz zu den eher früheren Heften, tauchen Taratzen in den neueren Heften fast durchgehend nur noch als 0815-Monster auf, die gleich einen der Protagonisten zerfleischen wollen, ohne vorher auch nur im Geringsten provoziert worden zu sein. In den älteren Heften war der Speziesismus zwischen Menschen und Taratzen deutlicher ausgeprägt, als der Rassismus unter den Menschen. Wirklich, in einem der Hefte die in Amerika (vielmehr Meeraka) spielen, haben sich zuerst weiße, schwarze und asiatische Amerikaner einen regelrechten Bandenkrieg geliefert, und sich gegenseitig rassistisch angemacht. Als dann aber der Blutgeruch der ersten Verletzten und Toten ein Rudel Taratzen angelockt hat, hieß es unter den rassistischen Menschen ganz speziesistisch "Wir alle gegen die Taratzen." Leider tauchen selbst in der Handlung nur drei "gute" Taratzen auf, die den Protagonisten helfen. Und da wollte ich mal eine Geschichte schreiben, in der sie keine bösartigen Monster sind; jedenfalls auch nicht mehr als die Menschen, wenn nicht sogar weniger.

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