Autor: Franchemoi
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
24.06.2016 | 20:31 Uhr
zu Kapitel 1
Alle Achtung!
Zuerst war ich etwas skeptisch, da sich der Monolog in eine für den durch seine Untätigkeit und sein Leiden bestimmten Samsa zu optimistische Richtung bewegte. Es sind anfangs die normalen Überlegungen eines nachdenklichen Menschen, erst später entwickelt sich das Wesen der Verzweiflung und der letzte Versuch, sich aus der hoffnungslosen Lage zu befreien - Samsa an sich ist ein zwar vorsichtiger und zögerlicher, doch keineswegs verzweifelter Mensch, bis er eines Tages als Käfer aufwacht und sein Leben langsam in die Brüche geht. Dieses Einfinden in die neue Situation, das Zerbrechen der Vergangenheit und damit der Träume für die Zukunft wie die Ausbildung der Schwester wird eindrucksvoll beschrieben.
Samsa verfällt innerlich immer weiter, seine Gedanken nehmen die neue körperliche Gestalt an, sein Geist bewegt sich vorsichtig, doch auch fatal unumgänglich auf die letzte Wahrheit und seinen vollkommene Resignation zu. Immer wieder weicht er aus, hofft vergeblich auf eine Rettung, will sich nicht in sein offensichtliches Schicksal ergeben. Er verstrickt sich in Widersprüche, findet keinen akzeptablen Ausweg, fängt von vorn, von einem neuen Ansatz an, seine Gedanken umkreisen immer wieder dieses eine Thema, ohne sich an die doch so simple Antwort zu wagen. Paradox, dass dieser schüchterne, pflichtbewusste Mann die Kraft besitzt, noch so lang auszuhalten, die vernichtende Wahrheit von sich zu stoßen.
Doch er kann sich nicht mehr ändern. Ich stelle mir vor, dass diese finale Einsicht im Moment seines Todes ereilt, nein, der Auslöser für ihn ist. Alle haben ihn verlassen, er ist allein; allein mit diesem großen imaginären Gedanken, der im Raum steht. Er hat nichts mehr außer diesem einen Weg. Die Büchse der Pandora für seinen geschwächten Geist. Er nimmt sie an und entschwindet durch diese letzte Tür.
Dein Werk ist wirklich eindrucksvoll. Wenn man versucht, zu begreifen, findet man zu viel, um alles zu verarbeiten, so viele streitige Gedanken, die doch eine Essenz bilden. Samsa hat mit seinem Körper auch sein Leben verloren.
Liebe Grüße
Sajet

Antwort von Franchemoi am 12.07.2016 | 23:08:30 Uhr
Ui, was ein großartiges Feedback zu diesem alten Text, den ich schon fast wieder vergessen hatte! Vielen Dank, das hat mich sehr gefreut - und fasst ja auch alles noch einmal sehr präzise zusammen. :)
Der Text ist ursprünglich für die Bühne geschrieben, als poetischer Vortrag auf einem Kafka-Abend.
Aktuelles Zeug von mir gibt es übrigens hier: http://franchemoi.worpdress.com
Danke und lieben Gruß
Franchemoi
11.09.2014 | 21:24 Uhr
zu Kapitel 1
Hallo Franchemoi.
Ich mag dein Gedicht.
Es ist sehr lang, aber ich denke es fasst gut zusammen, was Kaffka ausdrücken wollte.
Erstmal Respekt, dass du es schaffst zu diesem Thema ein Gedicht zu schreiben, vorallem weil es so lang ist.
Ich mag es wie du deine Gedichte schreibst.
Dieser wirkt wie ein innerer Monolog, die das lyrische Ich führt.
Dabei bringst du gut die gefühle und die Gedanken rüber.
Auch die Strukturierung lässt das gedicht sehr gut lesen, obwohl es lang ist.
Ebenso gefällt es mir, wie du viele Fragen in diesem Gedicht stellst, auch Fragen die das lyrische Ich schwer oder gar nicht beantworten kann.
Diese Fragen laden den Leser ein, nachzudenken über das erzählte und sich selbst gedanken über das Leben zu machen.
Man erkennt auch, dass es an das gedicht von Kaffka angelehnt ist.
Alles im allem ist es finde ich dir sehr gut gelungen :)
Viele liebe grüße
dein Eulenfreak