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Autor: Anthea
Reviews 1 bis 2 (von 2 insgesamt):
Alnibian (anonymer Benutzer)
09.12.2017 | 08:29 Uhr
"Diesmal werde ich nicht wiedergeboren."

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Während die Jahre sich wechseln wächst die uralte Eiche weiter - ein Vorgang, der so langsam ist, dass kein menschliches Auge ihn verfolgen könnte. Der Baum war bereits alt als Bosparan fiel, reckte sich bereits dem Himmel entgegen als der gierige Blick des Güldenen Drachen über Aventurien schweifte und die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen: Die Äste sind gewaltig, machtvoll, gekrümmt, die Rinde teilweise eingerissen und so abgewetzt, dass sie das Mondlicht hier und dort silberfarben zurückwirft.

Und immer wartet der aus Licht geborene kleine Wächter dieses Ortes, wandert entlang der dieser Tage fast kahlen Zweige und lauscht auf das was war und das, was sein wird. Irgendwo in unbestimmter Ferne ist das Kind, verborgen auch vor seinem Blick durch den letzten Zauber des dunklen Elfen - aber er sieht die Ausläufer ihrer Gegenwart, wie Wellenschlag, der den Teich erschüttert, auch wenn der eigentliche Quell unsichtbar bleiben muss.

Er wartet. Und wie das Ticken einer ganz eigenwilligen Uhr erinnern ihn die Besuche der Fey daran, dass erneut ein Jahr verstrichen ist.

Antwort von Anthea am 12.12.2017 | 23:08 Uhr
Es liegt Schnee im Wald und auf der Lichtung, wie an jenem Tag vor zwanzig Jahren, als sie damals hier her kam, um von ihm Abschied zu nehmen. Leise bewegt sie sich entlang der letzten Bäume, ist im Einklang mit dem Wald. Mit einem traurigen Lächeln tritt sie an den uralten Baum heran, legt die Hand an die raue Borke.

„Sanya iama…“, grüßt sie den vertrauten Baum gleichermaßen, wie die Erinnerung an den großen, dunklen Elfen, die hier unter der Eiche so lebendig ist, wie nirgendwo sonst.
Jedes Jahr kommt sie am gleichen Tag hier her, verbringt die Nacht bei der Eiche, egal wie weit sie ihr Weg fortgeführt hat, egal welche Gefahren sie überwinden mußte, um zurückzukehren. Die Welt, in der sie lebt, hat sich verändert, aber auch die Halbelfe hat sich verändert. Sie ist nicht mehr das unbeschwerte Mädchen, das vor so vielen Jahren einen der mächtigen Alten geliebt hat – zu viel hat sie in den dunklen Jahren danach gesehen. Eine einzelne graue Strähne zieht sich von ihrer rechten Schläfe durch ihr kastanienbraunes Haar, das sie immer noch lang trägt, im Nacken zusammengebunden.

Ein letztes Mal streichen ihre Finger sanft über die Borke, fühlen das Leben des Baumes, ehe sie sich auf das wie immer von Schnee verschont gebliebene Fleckchen Moos setzt, sich an die Eiche lehnt. „Zwanzig Jahre…“ ihre Stimme ist so leise, daß sie im Rascheln der letzten verbliebenen Blätter untergehen mag. Sie zieht die Beine an, wickelt sich fester in ihren schweren Umhang, lehnt den Kopf gegen den mächtigen Stamm und blickt in den sternenklaren Himmel. Sie kann kaum glauben, daß bereits zwanzig Jahre vergangen sind, denn wenn sie hier an diesem Ort ist, und ihr Herz öffnet, alle Erinnerungen zuläßt, dann ist es wie an jenem Tag, als sie ihre blinde Flucht vor dem Schmerz zum ersten Mal hier her geführt hatte.
Manchmal meint sie, die Gegenwart eines Wesens zu erahnen, das nicht von ihr bemerkt werden möchte, aber diese Empfindung ist so wage, daß sie es sich verbietet, dieser weiter nachzuspüren. So ist es auch in dieser Nacht. Also schließt sie die Augen, lehnt sich noch ein wenig fester an den mächtigen Baum, und erlaubt ihren Erinnerungen aus den Tiefen ihres Geistes emporzusteigen…
14.08.2014 | 19:29 Uhr
Hey,
diese Kurzgeschichte hat mir wirklich gut gefallen.

Super wie du das erzählt hast

lg Malgalad
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