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Autor: halfJack
Reviews 1 bis 18 (von 18 insgesamt):
19.12.2020 | 22:25 Uhr
Das ist meine Lieblings-Fanfiction in Verbindung mit "Zwischen den Zeilen". Noch niemand hat für mich L und Light überzeugender in einer Geschichte darstellen können, geschweige denn eine derartig intime Beziehung zwischen beiden. Ich wünschte du hättest noch einige Kapitel geschrieben, damit ich besser damit hätte abschließen können, denn manchmal träume ich noch von dieser Geschichte. Du musstest uns ja unbedingt diese Kostprobe von einer Fortsetzung geben, nicht wahr? Insgesamt habe ich beide Teile bestimmt schon zehn mal gelesen-- ich würde alles dafür geben eine Fortsetzung lesen zu können. Hätte mich interessiert, was weiter hätte geschehen können. Nunja, danke jedenfalls für alles bisher Geschriebene von dir. Ich werde weiterhin verfolgen, was du veröffentlichst, denn du hast wirklich Talent und unglaublich viel Zeit und Aufwand in deine Geschichten investiert. Hoffentlich können das noch mehr Leute entdecken.
21.10.2018 | 20:02 Uhr
Ich denke, dass ich mir genug Zeit gelassen habe, genug Abstand habe, auf neue Gedanken kommen kann.
Natürlich ist das erst einmal schwierig, weil wir viele Themen schon angeschnitten, aber sie nicht sehr ausführlich diskutiert haben; die Übergänge sind fließend zwischen der Gefahr, mich zu wiederholen und dem Weglassen von etwas, das noch erwähnt werden müsste. Aber sei es drum.

Das Erste, das ich erwähnen möchte, ist der ausgeleierte Schlüpfergummi: Ryuuk bezeichnet Demegawas "erweiterten" Horizont als lediglich ausgeleiert. Das hat natürlich eine gewisse Ironie, weil Demegawa vor allem erst einmal sehr engstirnig ist. Aber mehr noch - diese Worte an Light zu richten, dessen Horizont ja gerade künstlich eingeschränkt ist, erscheint mir ein Seitenhieb in Richtung L, der Light quasi wehrlos gemacht, seiner Waffen beraubt hat. Es erinnert mich fast an eine andere Fanfiction, die ich einmal las, in der Light L unter Drogen setzte, damit er einfacher zu handhaben und angenehm fügsam ist (nicht SO). Obwohl Light hier im eigentlichen Sinne bei Verstand ist, empfinde ich Ls Vorgehen dennoch gleichzeitig als Verrat und Selbstbetrug.
Im gesamten Kapitel befindet sich Light in einer sehr passiven Position, oft ist er abwesend oder tief in Gedanken versunken - im Gegensatz zu einem eigentlichen, "wahren" Ich ist er nun ein Objekt, kein Subjekt, es wird etwas mit ihm gemacht, anstelle einer Tätigkeit, die von ihm ausgeht. (Das kennt man sonst nur aus P18Slash-Geschichten ...) Dass L Kira in diese Position bringt empfinde ich als ausgesprochen gefährliches Spiel, denn letztendlich sieht der planmäßige Ablauf ja Kiras Rückkehr vor, der sich für diese Demütigung sicher wird rächen wollen.

L lässt ihn quasi schutzlos zurück; hinter ihm droht Ryuuk mit Lights Tod, und so launenhaft wie er ist, könnte das durchaus auch passieren. Und Light hat nicht einmal ein Chance, dieses drohende Unheil auch nur zu bemerken. Wegen dieser Unkontrollierbarkeit wirkt Ryuuk auf mich sehr bedrohlich; ein bisschen ist es, wie im wirklichen Leben. Gerade sitzt man noch auf der Couch und sieht sich das Gezanke bei Anne Will an, während hinter einem schon der Knochenmann steht und die Sense schwingt. Ryuuk und Misa wirken beide wie unliebsame Anhängsel. Geschwüre, die an Stellen sitzen, wo man sie nicht herausscheiden kann, weil man sonst lebenswichtige Organe verletzen würde.

Zeitgleich allerdings habe ich auch Mitleid mit L. An dieser einen Stelle fragt er sich: "Seit wann ging es nicht mehr um Gerechtigkeit? Wann hatte sich der Kira-Fall in dieses Monstrum verwandelt? Wann waren die Menschen zu dem mutiert, was sie heute von sich zeigten?" Gleich darauf nimmt er seinen Gedankengang als konzeptlos wahr, aber für mich ist das noch mehr. Seit wann es nicht mehr um Gerechtigkeit ging? Wann ging es je darum? Wann der Kira-Fall zum Monstrum wurde? Wer oder was ist hier eigentlich monströs? Die Menschen? Denkt L noch über die graue Masse des Studiopublikums nach? Ich glaube kaum. L versucht sich daran, die Zeit zurückzudrehen, zu dem Zeitpunkt, als Light aus der Isolationshaft kam. Es klingt nach einer ironischen Fassung der Sehnsucht nach der "guten alten Zeit":
"Vielleicht kann ich dir etwas von diesem Sommer zurückgeben." Dabei kann man nicht nur nicht die Zeit zurückdrehen. Die Situation damals war schon ein für beide Seiten frustrierendes, unbalanciertes Halbgleichgewicht. "Wir haben kaum noch Leute", sagt der Kapitän in den leeren Schiffsfluren, während er die flüchtenden Ratten betrachtet. Niemand ist mehr dort, alles zerfällt.
L steht da wie ein vergessener Zauberkünstler auf der Bühne, vor dessen Augen sein Publikum schon längst den Saal verlassen hat. Nur noch Misa und Light sitzen da und sind kurz davor, die Tricks zu durchschauen, klatschen fleißig, um das Fehlen der anderen wettzumachen.
Beim Korrigieren habe ich schon mal angemerkt, dass mir das Feuerwerk eigentümlich vorkommt. L würde etwas derartig Abwegiges nicht völlig absichtslos machen. Kontaktiert er mit einem Signal ein Back-up-Team? Oder will ich einfach nur, dass L einen Plan hat? Oder bin ich paranoid?

Die eindeutig traurigste Szene in dem Teil, in dem Light der PoV ist, ist das Verlöschen der Wunderkerze. Ich mag den Verlauf des Gespräches und sein Ende sehr. Es wirkt wie ein Gespräch mit einem Alzheimer-Patienten. Der Abschnitt, den die zwei zuletzt ansprachen; dass alle Menschen Masken tragen, erinnert mich an Jungs Persona-Theorie. Am deprimierendsten ist ja dabei, das wir unsere Maske je nachdem wechseln, mit wem wir sprechen und uns so versuchen, einander anzugleichen, um dem anderen zu gefallen. Wir mögen andere am meisten, wenn sie uns ähneln. Wenn sie sich uns anbiedern.
Damit verwand ist auch Jungs Konzept zum kollektiven Unterbewusstsein, das die anonymen Guy-Fawkes-Masken-Träger berührt. Ein gemeinsam geteiltes Wissen, das nicht aus persönlichen Erfahrungen gespeist ist, sondern quasi im Raum wabert - Kiras Gerechtigkeit könnte diesen Stand erreicht haben, gemeinsam mit Mythen, Sagen und religiösen Vorstellungen. Und vielleicht spinne ich auch nur und meine freudschen Assoziationen haben mich ganz weit fortgetragen in den Großstadt voller Fassaden aus Beton und Neonlicht, gefüllt mit einer süßen Masse wie ... Pudding.

Antwort von halfJack am 14.11.2018 | 17:22 Uhr
Wenn ich selbst als Korrekturleser mich mit einem Text beschäftige, dann stehe ich ebenfalls vor der Frage, wie ich mit einer Rückmeldung umgehe. Sage ich sofort, was ich inhaltlich denke, fasse das alles zusammen wie für einen Kommentar? Aber dann brauche ich später nichts mehr als Kommentar zu schreiben. Oder behalte ich das alles für mich, gehe möglichst distanziert auf die Formalia ein und bringe meine ganzen Gedanken dann später im Kommentar? Diese Gradwanderung ist nicht ganz einfach, weil man selbst als Korrekturleser, insofern man auf inhaltliche Lücken aufmerksam macht, auch automatisch etwas über die Wirkung des Kapitels mitteilen wird. Die Meinung wandelt sich langsam, je mehr Zeit vergeht. Manches erscheint obsolet. Ergibt es dann noch Sinn, das zu erwähnen? Teilweise denkt man nicht einmal mehr darüber nach, ob ein Detail erwähnt werden soll oder nicht, weil man es bereits so durchdachte oder als selbstverständlich empfindet, dass es einem als Rückmeldung komplett entfällt.
Wenn ich mich auf der anderen Seite als Autor mit einem Kapitel tage- oder wochenlang beschäftige, dann verliere ich so sehr den Bezug dazu und irgendwie fast auch die Freude daran, dass mich eine Rückmeldung zeitweise gar nicht mehr interessiert. Ich will es gar nicht mehr wissen, erwarte es nicht und bin, sobald ich doch ein Review bekomme, in pessimistischen Gedankenzirkeln gefangen. Das klingt wahrscheinlich bescheuert, aber überhaupt keine Rückmeldung zu bekommen ist ein bisschen wie eine Schonfrist. Doch sei's drum, Schluss mit dem Gejammer.

Kommen wir zu Demegawas ausgeleiertem Horizont. Demegawa ist für mich vor allem jemand, der sich durch nicht vorhandene Moralvorstellungen auszeichnet, also ist der ausgeleierte Horizont in erster Linie in seiner dehnbaren Moral zu finden. Dass so jemand ein Anhänger Kiras ist, scheint mir interessant und abstoßend zugleich. Aber die eigenen Anhänger kann man sich leider nicht aussuchen. Unabhängig von der Idee sind es solche Leute, die für mich das Ideal von Kira beschmutzen und zum Scheitern bringen können. Oftmals hätte ich mir in der Serie mehr die Darstellung von positiven Auswirkungen und sympathischen Personen gewünscht, die Kira nicht als das vermeintlich leicht für den Leser identifizierbare Übel hinstellen. Trotzdem bleibt es ein Fakt, dass Kira von vielen derartigen Seiten missbraucht werden kann. Ich hoffe, dass ich diesen Aspekt im Laufe der Zeit mehr herausarbeiten kann. Darin sehe ich jedenfalls eine ähnliche Gefahr wie in Anonymous, wenn eine Masse kaum etwas anderes verbindet als eine Maske.

Deine folgenden Ausführungen habe ich mit viel Interesse und Erleichterung gelesen. Ich möchte das Verhältnis zwischen L und Light noch immer innig und vertrauensvoll darstellen, zumindest dem Anschein nach. Es ist nach meinem Gefühl keineswegs schlechter geworden, aber es soll sich trotzdem irgendwie falsch anfühlen. Ein bisschen unangenehm. Und unverständlich. Wie das Feuerwerk. Ob es einen Sinn hat, was L da tut? Steckt ein Plan dahinter? Oder ist das nur ein weiteres Beispiel, dass er seine Handlungen selbst nicht versteht oder auf unbeholfene Weise tatsächlich versucht, etwas für Light zu tun? Ehrlich gesagt mag ich solche tragikomischen Einlagen, die absolut keinen Sinn zu ergeben scheinen.

Trotz all meiner unsinnigen Ausführungen hier im ersten Absatz und meinem kaum vorhandenen Eingehen auf einige genannte Punkte von dir, habe ich mich wie immer sehr gefreut. ;A;
Tut mir leid, dass ich nur so spärlich darauf reagieren kann. Ich werde mich auch in Zukunft bemühen. Vielen Dank für deine Worte...
BreakMySoul (anonymer Benutzer)
09.09.2017 | 17:35 Uhr
Hallo noch einmal ^^

Auch in die Fortsetzung musste ich gestern noch reinschauen… Weil mich das Ende einfach so bewegt hatte, dass ich unbedingt wissen MUSSTE wie es weitergeht. Lights Träume seiner Hinrichtungen empfand ich als sehr gelungen. Sein Gespräch mit L, als er noch Kira war ebenso, genauso wie die erste Begegnung der beiden, als Light seine Erinnerungen aufgegeben hat.
Auch hier ist dein Schreibstil einfach unbeschreiblich und deine Darstellung von Light und L hervorragend. Ich liebe es, wie du die beiden schreibst. Dein Verständnis oder deine Interpretation von ihnen ist so wahnsinnig gut und du schaffst es einfach hervorragend, die zwei aufs Papier zu bringen. Jeden Satz, Jede Handlung wirken auf mich so real…

Es interessiert mich wahnsinnig, wie diese Geschichte weitergeht, ob Light seine Erinnerungen zurückerhält und wie diese Szene aussehen wird. Wird er darauf alleine kommen? Wird er sie wieder haben wollen? Wie wird das letzte Gespräch aussehen, dass ‚Light‘ mit L hat, bevor er wieder zu Kira wird? Kann L Light vor Kira retten? Wird einer der beiden sterben? Und wie soll Ryuk davon überzeugt werden, nicht Wataris und Lights Namen (und unter Umständen auch Ls) in sein DN zu tragen, wie er es Light zu Beginn versprochen – und demnach wahrscheinlich auch Watari – hat?

Ich hoffe sehr, dass du dich dazu entschließen wirst, diese Geschichte weiterzuschreiben und du Motivation genug finden kannst, das zu tun. Mit einem Blick auf das letzte Upload-Datum allerdings, schwindet meine Hoffnung ein wenig… Nichts desto Trotz hoffe ich sehr, dass du an dieser Geschichte weiterschreiben wirst. Die Idee dahinter finde ich brillant und zu sehen, wie L und Light weiter an Fällen arbeiten… diese Vorstellung ist einfach wahnsinnig toll.

Mit den besten Wünschen (und ganz viel Motivation sendend), die aller <3-lichsten Grüße,
Break

Antwort von halfJack am 13.09.2018 | 17:01 Uhr
Hi, Break.

Eine Ewigkeit hat es nun gedauert. Es tut mir leid, dass es bei mir immer nicht so schnell vorangeht. Abgesehen von privaten Turbulenzen hatte ich mir ab einem bestimmten Punkt in den Kopf gesetzt, erst die Überarbeitung zu beenden, damit ich das nicht wirklich noch Jahre im Hinterkopf haben muss. Das heißt allerdings nicht, dass es jetzt schneller vorangeht. ^^;
Es ist gut zu hören, dass du bislang die Charaktere noch getreu empfindest. Da ich mich nun ohne die Orientierungshilfe des Originals bewege, macht es mir schon Sorgen, ob ich dabei nicht zu sehr abdrifte. Darum bin ich froh, dass "Zwischen den Zeilen" in sich abgeschlossen ist. Falls man meine Fortsetzung misslungen findet, kann man sie noch immer ignorieren. Diese Gewissheit finde ich äußerst beruhigend. Wenn du dir etwas anderes auf all deine Fragen ausmalst, dann erhalte dir diese Vorstellung. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Ideen der Leser in völlig andere Richtungen entwickeln als meine eigenen.
Auf eine deiner Fragen kann ich jedoch eine Antwort geben: Ryuk meinte anfangs, zwischen dem Todesgott, der das Death Note in die Menschenwelt brachte, und der Person, die es zuerst berührte, würde ein Vertrag geschlossen werden, demzufolge der Todesgott am Ende den Namen dieses Menschen aufschreibt. Es geht um die erste Person, die das Death Note erwirbt. Ausgenommen davon wären also Misa, die es zwischenzeitlich besaß, und im speziellen Fall hier auch Watari.
An Motivation mangelt es mir beim Weiterschreiben übrigens nicht. ^^

Ich danke dir sehr für deinen Kommentar und dass du das alles bis hierhin gelesen hast.
07.08.2015 | 20:22 Uhr
Toller Schreibstil, echt!! *-*
Ich war echt begeistert, als ich diese tolle FF las und bin es immer noch♥
Ich hoffe, du schreibst sie irgendwann weiter, ich kann es kaum noch abwarten!!
Ruezaki (anonymer Benutzer)
31.07.2015 | 20:38 Uhr
Hi :)

Ich bin jetzt schon begeistert von dieser FF. Ich hoffe inständig, dass du sie weiterschreibst *__*!!!
Ich habe dir bereits ein Kommentar in "Zwischen die Zeilen" gelassen.
Auch bei dieser FF bemerkt man finde ich sofort deinen tollen Schreibstil, diese Gewandtheit, mit der du deine Sätze formulierst. Ich wünschte ich könnte es- aber ich bleibe lieber beim Visuellen. Aufjedenfall sehr SEHR gelungen, sowie "Zwischen die Zeilen" eben auch! Ich liebe die Szene, wo Light in der Zelle sitzt und versucht sich Ls Berührungen zu entziehen, es scheint so ..ja wie soll man sagen.. verzweifelt und doch eisern. Wie er anschließend das Gedächtnis ans Death Note verliert und L nur durch eine Lüge mit ihm weiterarbeiten kann. Mein Gott das ist so spannend ich hoffe wirklich, dass es einmal weitergeht!!! Auch hier vielen Dank, dass du so eine fantastische Geschichte mit uns teilst. <3

Alles Liebe,
Annette
02.06.2015 | 14:14 Uhr
Tadaima.

Das Gute daran, dass ich diese Antwort verschleppt habe, ist dass ich in der Zwischenzeit das Ganze noch zwei Mal gelesen habe und daher den Gesamtkontext besser vor Augen. Immerhin habe ich ja eine gute Ausrede, was ich gemacht habe.

Trotz des Endsatzes des vorangegangenen Kapitels war mir am Anfang von "Im Tau von Lethes Flut" nicht klar, dass Light schon seinen Besitzanspruch abgegeben hat. Das kann daran liegen, dass ich mir nicht sicher bin, wie L ihn dazu überredet hat, und das würde mich durchaus interessieren.
Ist dir bewusst, dass du mich aufmerksam machst, wie einen Fuchs? Mittlerweile lese ich jeden kleinen Satz und werde paranoid. Egal ob ich Noris Abschnitt lese und bezüglich "ihres neuen kleinen Schatzes" sofort an das Death Note denke, oder in diesem Kapitel Aiber und Wedy erwähnt werden, und ich mir gleich den Kopf zerbreche, was da wohl in 20 Kapiteln für ein Unheil über uns hereinbrechen wird, wenn die Zwei ihren wie auch immer gearteten Auftrag ausgeführt haben.
Der Absatz über den Käfig lässt mich wegen seiner Zweideutigkeit etwas ratlos zurück - sicher ist Light für L kostbarer als Higuchi, aber kurz zuvor war von Kira die Rede - ist damit auch gemeint, Light sei bedrückender als Kira? Im Zusammenspiel mit den später folgenden Ereignissen dieses Kapitels wird natürlich klar, was L vorhat - Light die Tatsachen erkunden zu lassen, ohne die Katze aus dem Sack (ergo den Kira aus dem Light ^^ ) zu lassen. Das ist eine scheinbar logische Schlussfolgerung von Ls Wunsch, beide haben zu wollen, birgt aber natürlich auch unumkehrbare Gefahren. Er spielt mit Lights Psyche, und während Kiras Gedanken quasi "gelöscht" werden können wie bei einer Videokassette, ist ein Fehler beim Beschreiben von Lights Gedanken wie bei einer CD unumkehrbar. Wenn man also Light als Produkt von Ls Manipulationen sieht, ist das angestrebte Endergebnis sehr fragil.
Das ist meine Schlussfolgerung. Und die regt mich ziemlich auf, weil L hier versucht, sich den perfekten Light zurechtzubasteln als wäre er ein Frankenstein-Monster, dem er besser nicht, wie in der allerersten Verfilmung von damals, versehentlich das falsche Gehirn einpflanzt. Wenn man jemanden liebt hat mein kein Recht dazu, ihn nach den eigenen Wünschen verbiegen zu wollen (Wobei das böse Wort natürlich unausgesprochen im Raum schwebt.). Meiner Meinung nach hätte L mit Kira Vorlieb nehmen müssen, ob es ihm gefällt, oder nicht.

Ich wüsste gern näher, was dieses Mal in Lights Kopf vorgeht. Was glaubt er, ohne vollständige Erinnerungen, was ihn in diese Lage gebracht hat? Erinnert er sich an sein Geständnis? Wenn ja, was glaubt er, weshalb er es gemacht hat? Durch dieses Hin und Her müssen seine Erinnerungen mittlerweile ein völliges Chaos sein. Ls Possenspiel macht es nicht besser. Zuerst habe ich geglaubt, L würde nicht mehr auf Lights Unschuldsbeteuerungen eingehen, aber plötzlich... ändert sich das. Das irritiert mich. Warum tut er das nicht gleich von Anfang an? Warum gibt er nicht gleich von Anfang an vor, dass er die Möglichkeit in Betracht zieht, es gäbe einen anderen Kira? Ich gehe davon aus, dass er nicht weiß, was er von Lights Erinnerungen zu erwarten hat - genau wie ich. Dieser Umschwung war übrigens jedes Mal am schmerzhaftesten zu lesen, dieses potemkinsche Dorf in Form angeblicher Ermittlungen, das er für Light aufbaut, erinnert mich an einen Alzheimerpatienten, dem man nicht mehr widerspricht, weil es ohnehin keinen Nutzen hat, weshalb der Pfleger für ein paar Minuten so tut, als sei er der längst verstorbene Sohn, ehe das Kartenhaus in Form von Erinnerungen von selbst zusammenbricht. Besonders schlimm ist es bei Lights vollkommener Verwirrung, als L das Heft erwähnt, und er vorgibt, sich zu erinnern, obwohl beide wissen, dass das weit von den Tatsachen entfernt ist. Und dann diese Sache mit einem angeblichen... Bann? Fluch? Den man mit dem Heft ausüben kann... Es fehlt nur noch ein Einhorn, dessen Haar den Fluch auflösen kann. -.- Das ganze ist Lights einfach nicht würdig.
Ich habe Mitleid mit Light, der mir in diesem Moment so einsam und verwirrt vorkommt und einfach nicht wissen kann, dass er nach Strich und Faden verarscht wird.
L benutzt Konfusion. Es ist sehr effektiv.

Wie kommt L überhaupt darauf, dass, sobald Light sich selbst auf die Schliche gekommen ist, er nicht auch ohne seinen Besitzanspruch wieder zu Kira wird? Ohne das Death Note zu berühren? Schließlich glaubt L daran, dass Kira fest in Light verwurzelt ist, das war schließlich der ganze Sinn und Zweck der ersten Hälfte von ZdZ, und er wiederholt es ja auch in diesem Kapitel noch einmal explizit (am Rande: Danke, dass ich jetzt das Wort "Pentimenti" kenne - man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu...).
Sogar Dorian Grey bekommt einen metaphorischen Gastauftritt - sieh mich lächeln, am anderen Ende der Welt.

Randomthought zum Abschluss -> Ich bin übrigens nicht sehr glücklich über den Namen Asahi (klar, ich weiß, der ist nicht auf deinem Mist gewachsen). Ich kann nicht umhin, an Bier zu denken. Spricht wohl eher gegen mich als den Namen, ich könnte immerhin auch an eine Zeitung denken.

Ittekimasu.

Antwort von halfJack am 13.09.2018 | 15:28 Uhr
Okaeri.

Ja gut, ein bisschen verschleppt habe ich meine Antwort nun ebenfalls, aber die drei Jahre ...
Es ist wirklich schwierig, hierauf zu antworten, ohne etwas zu verraten oder mit Erklärungen zu weit zu gehen. Im Folgenden versuche ich es mal mit einem Eiertanz.

Dass es in diesem Kapitel nicht ganz klar wird, dass Light seine Erinnerungen bereits aufgegeben hat, empfinde ich nicht gerade als positiv. Ich weiß nicht, ob ich dieses Problem lösen kann, habe es allerdings mit einem kurzen Absatz versucht, der hoffentlich nicht zu reingeworfen wirkt. Mehr Möglichkeiten, das deutlich zu machen, sehe ich im Augenblick nicht.
Ursprünglich sollte das Ende des vorigen Kapitels ausreichen, nämlich diese Aussage, dass Light seinen Stolz wegwerfen solle. Mit dem Auslassen der tatsächlichen Situation wollte ich ein wenig das Empfinden von Light herstellen, mitten in dieser Lage aufzuwachen. Allerdings heißt das nicht, dass es diese Szene zwischen den beiden Kapiteln, also den Moment des Aufgebens, nicht gibt. Vielleicht existiert er ja. Vielleicht.
Das Überreden hat L eigentlich schon am Ende von "Zwischen den Zeilen" und in ihrem letzten Gespräch als L und Kira vorgenommen. L könnte das Heft auch verbrennen, damit hätte Light überhaupt keine Chance mehr, seine Erinnerungen zurückzuerhalten. Das ist zwar Erpressung, die durchaus funktioniert, aber sicherlich spielt auch Lights desolater Zustand mit hinein, dass er sich seinem Schicksal einfach ergibt. Falls das denn alles war, was dort zwischen ihnen passierte. Falls. (Damit spiele ich jetzt aber nicht auf die Massen an Outtakes an. Obwohl das vermutlich auch funktioniert hätte. Ich sehe es regelrecht vor mir, wie sich Light weigert, das Besitzrecht aufzugeben, und wie L daraufhin meint, dann würde er ihn eben so lange festhalten, bis er sich bereit erklärt. Dann folgen Situationen mit Russisch Brot und Eiscreme, bis irgendwann ... okay, das eskaliert jetzt.)
L versucht mit seinem Balanceakt in der Tat etwas Bedrückendes und Gefährliches. "Frankenstein-Monster" und "unumkehrbare Gefahr" ist genau das richtige Stichwort dafür. Ich bin positiv überrascht, dass das jetzt schon so deutlich wird. Aber mehr will ich dazu noch nicht sagen. Was in Lights Kopf vorgeht, muss noch ein wenig warten. Eigentlich auch, was in Ls Kopf vorgeht.
Eigentlich habe ich überlegt, ob ich wenigstens die Frage beantworte, warum L nicht sofort auf Lights Unschuldsbeteuerungen eingeht, aber wahrscheinlich lasse ich das auch lieber die Geschichte selbst beantworten. Wenn ich jetzt erkläre, was der Text nicht von allein rüberbringt, dann habe ich etwas falsch gemacht. Deine Vermutung ist jedenfalls schon korrekt. Die Beschreibung dieser Situation als potemkinsches Dorf finde ich extrem passend. Wenn es mir nicht wie geklaut vorkäme, hätte ich dieses Bild selbst gern eingebaut.

Meine Reviewantwort fällt leider kurz und ziemlich nutzlos aus. Tja, shou ga nai und so. Es hatte einen Grund, warum ich das so lange vor mir hergeschoben habe, weil du mit deinen Gedanken das Kommende gut im Blick hast. Manchmal ist das, was hier als Gefahr mitschwingt, aber vielleicht genau das, worauf es L abgesehen hat.

Itterasshai.
13.04.2015 | 19:40 Uhr
Oh Gott, es ist ja schon eine ganze Weile her, seit das letzte Kapitel kam, also weiß ich gar nicht mehr, worum es überhaupt ging …

Deshalb bin ich dankbar für deine kurze Zusammenfassung einiger bisheriger Geschehnisse, wenn mir auch zuerst nicht klar war, dass Light sein Gedächtnis verloren hat und deshalb so unschuldig wirkt. Ls Frage, wie es ihm ginge, war so oder so sinnlos, weil die Antwort offensichtlich ist, aber irgendwie muss man wohl ein Gespräch starten. Ein großes Lob dafür, dass man hier unwillkürlich auf der Seite Lights ist, obwohl man es besser weiß! Er selbst scheint nichts davon zu ahnen, dass er Kira ist … wobei es natürlich ein interessanter Plot Twist wäre, wenn er in dieser Fanfiktion tatsächlich nicht Kira wäre, denn so, wie du Light beschreibst, scheint es wirklich unglaublich, dass er irgendwann zum kaltherzigen Kira wurde. (Die Sätze „Light war weder ein Gott noch ein Teufel. Er war einfach nur ein Mensch.“ erinnern mich im Übrigen an Fullmetal Alchemist, falls du das kennst.)

Zwar hätte ich es Light nicht gestattet, befreit zu werden, aber L wird hoffentlich wissen, was er tut und die Vorteile von Lights Kombinationsgabe nutzen. Ich kann nicht fassen, wie knallhart er Light eine Lügengeschichte von einem anderen Kira auftischt xD (Ihren Blickkontakt, als sie sich die Hand geben, kann man leicht als romantisch interpretieren.) Mir gefällt es, dass er Kiras eigene Lügen benutzt: Dass dieser den Verdacht absichtlich auf Light gelenkt hat, weil er für L der perfekte Täter ist. Dadurch wird das Deduzieren für uns Leser kompliziert, weil die Lügen so gut als Tatsachen hingestellt werden, dass man selbst noch mal überlegen muss, was nun eigentlich stimmt - und das gefällt mir!

Schon seltsam, Light zu sehen, wie er sich ernsthaft um seine eigene Sicherheit bezüglich seines Namens sorgt! Wenn Light nicht diesen panischen Hauch in seiner Stimme hätte, würde ich das glatt witzig finden. Hat „Asahi“ eigentlich eine spezielle Bedeutung? Spontan assoziiere ich den Namen mit niemanden, aber bestimmt hast du dir etwas dabei gedacht. Wie auch immer, ich bin irgendwie froh, dass L Light zunächst nicht die Wahrheit sagen will und bin gespannt, wie sich das noch entwickelt!

Liebe Grüße,
Tatjana

Antwort von halfJack am 14.04.2015 | 19:38 Uhr
Ja, es ist lange her. Bei Zwischen den Zeilen gab es nach dem "halben Ende" ebenfalls eine längere Pause, aber ich glaube, sie dauerte vielleicht drei Monate, nicht ein halbes Jahr. Zwar wollte ich wiederum ein wenig Distanz schaffen, um mich von Kira-Light wieder auf den unschuldigen Light einzustellen, doch eine solche Zeitspanne war eigentlich nicht geplant. Ich hoffe, man findet wieder hinein.

Ursprünglich wollte ich den Augenblick beschreiben, in dem Light sein Gedächtnis verliert, allerdings halte ich die Fantasie des Lesers für besser als meine eigenen Worte. Man wird ein bisschen hineingeworfen, das stimmt. Der eigentliche Hinweis, dass Light seine Erinnerungen aufgibt bzw. aufgegeben hat, kam bereits in der letzten Aussage von L im vorigen Kapitel. Dort sagt er sinngemäß: "Es ist Zeit, deinen nutzlosen Stolz wegzuwerfen." Damit spielt er auf den vereinbarten Code zwischen Light und Ryuk an, als Light zum ersten Mal in der Zelle saß und nach einer Woche freiwillig seine Erinnerungen verlor. Da sich L die Videoaufnahmen am Ende von Zwischen den Zeilen wiederholt anschaute und die Veränderung in Light bemerkte, war es nicht schwer für ihn, zu erkennen, was mit "Stolz wegwerfen" eigentlich gemeint war: nämlich das Besitzrecht am Death Note aufzugeben.

Fullmetal Alchemist kenne ich vom Namen her, aber gesehen/gelesen habe ich es nie; ich weiß leider nicht einmal, worum es geht. Mir sprachen schon ein paar Leute Empfehlungen dazu aus, gleichfalls begleitet von Assoziationen, die ein paar meiner Formulierungen auslösten. Ich glaube, ich sollte mir das wirklich mal zu Gemüte führen, langsam bin ich neugierig. :)

Richtig frei ist Light nicht, allein die elektronische Fußfessel zeigt deutlich, dass er weiterhin unter Ls Kontrolle steht. Außerdem kann er sich als Toter ohnehin nicht sonderlich frei bewegen. Solange er in Japan ist, könnte er von allen möglichen Leuten erkannt werden. Zum Zweiten hat er keine Identität mehr, keinen Ausweis, kein Geld, keinen staatlichen Schutz. Im Prinzip könnte ihn jetzt jeder schadlos umbringen, weil Light ohnehin schon tot ist. Es ist ein gefährliches Spiel, das L da spielt, aber als Kind aus Wammys Haus weiß er, wie man aus einem Menschen einen Unbekannten macht. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass sich Light vollkommen in Ls Hand befindet.

Nun zu Lights Namen. Den habe ich mir wie immer nicht ausgedacht, sondern aus dem Manga entnommen. Als L die Taskforce bildete, ließ er für jeden Polizisten einen gefälschten Polizeiausweis anfertigen. Soichiro bekam hierbei den Namen "Asahi". Im vierten Band, Seite 15, stößt Light zu ihnen und erfährt von den Fakenamen, mit denen sie sich fortan anreden sollen, und schließt demnach für sich selbst, dass er also "Asahi Light" heißen würde. L zieht es jedoch vor, ihn in Zukunft "Light-kun" zu nennen. Es ist das erste Mal, dass er das tut.
Die Schriftzeichen für "Asahi" (朝日) bedeuten "Morgensonne". Ich finde diesen Namen ungemein passend, weil er im Widerspruch steht zu seinem Vornamen "Tsuki/Light" (月), welcher "Mond" bedeutet. Dieser Name zeigt quasi seine Ambivalenz an sich, wie ein Zusammenschluss aus der gutmütigen und bösen Seite seiner Persönlichkeit.
Warum Light seinen Namen überhaupt zur Sprache bringt, möchte ich nicht festlegen. Möglicherweise treffen Ls Mutmaßungen zu, dass Light mit seiner derzeitigen Schuld nicht den Namen seiner Familie beschmutzen möchte oder dass er sich als davon befreit empfindet. Die naheliegendste Erklärung, das hast du richtig erkannt, kommt L noch nicht einmal in den Sinn: dass sich Light nämlich einfach nur vor Kira schützen möchte. L weiß, dass Light Kira ist und ihn nicht zu fürchten braucht, er tischt ihm sogar selbst diese ganzen Lügen auf. Dennoch entgeht ihm, dass Light ihm diese Lügen schließlich glaubt und dass er zurzeit, auch wenn L die beiden Teile seiner Persönlichkeit gedanklich niemals voneinander trennt, eben nicht Kira ist.

Vielen, vielen Dank wie stets für deinen Kommentar!
26.01.2015 | 22:51 Uhr
Hey, ich gebe jetzt mal meine Meinung zu dem Ganzen ab.
Du solltest vorher aber noch wissen dass ich mich hiermit auch auf den ersten Teil der Geschichte beziehe. Da ich alles auf einmal gelesen habe, und danach gleich auf die Fortsetzung geklickt habe, hinterlasse ich mein Review jetzt hier - ich hoffe du verzeihst mir das.

Ich muss sagen, dass die Fanfiktion einen mehr als faszinierenden Schreibstil hat, was vermutlich auch an der häufig stattfindenden Darstellung des Zwischenmenschlichen von L und Light liegt. Rein Logisch betrachtet musst du schon bei dem Schreiben eines einzigen Kapitels einen enormen Denk- und auch Arbeitsprozess bewältigen, wie man z. B. an den vielen Zitaten und philosophieren über unterschiedlichste Weisheiten und Theorien sehen kann, und allein dafür hast du schon meine größte Hochachtung erlangt. Im Gegensatz zu manchen anderen Autoren hier habe ich kaum bis keine Rechtschreibfehler bemerkt, und auch Grammatik- oder Satzbaufehler sind, meinem Erachten nach, nicht vorhanden. (Ich kann natürlich etwas übersehen haben.) Die Charakterdarstellung ist gut getroffen, obgleich ich ein paar Handlungen auch als übereilt ansah.

Es muss allerdings auch erwähnt werden, dass vor allem FFs mit komplexeren Inhalten wie diverse Weisheiten und Theorien verschiedenster Philosophen und Wissenschaftler meistens nur schwerlich sofort verständlich sind, was meist bei den Konversationen zwischen L und Light zutage kam. Man darf davon ausgehen dass sich in einem Fandoms wie diesem vielleicht nicht mehr die jüngsten der hier anwesenden Leser befinden, aber das Schreib-Niveau dieser FF ist zweifellos so hoch, dass sie nicht unter jene fällt, die man mal schnell nebenbei liest.

Mir ist durchaus klar, dass, wenn man nicht allzu 'OOC' schreiben möchte zwangsläufig realitäts-(oder anime-) nahe Gespräche einbauen muss, die in diesem Fall eben auf so hohem Niveau stattfinden, aber solange man nicht bewusst sich eben diese Stellen auch durchließt, vermutlich viele irgendwie wichtigen Sachen übergeht. (Als Anmerkung, eben diese ungewöhnliche Art eine 'Beziehung' zu beschreiben macht die FF so interessant für mich.)

Leider muss ich zugeben dass ich manche Wörter einfach nicht verstehe. (Was aber vermutlich an meinem Alter liegt, ich bin gerade mal Acht-Klässlerin.)
Du hast mit zunehmendem Verlauf der Geschichte mehr als gut durchdachte Hintergrundstory aufgestellt, und es dabei trotzdem geschafft noch immer wirklichkeitsnah zu schreiben.

In der Fortsetzung, fand ich vor allem in Kapitel 4 die nachträgliche Anmerkung welcher Spruch von wem stammt nützlich. Wenn man selbst die meisten dieser Weisheiten noch nie gehört hat ist es immer gut zu wissen welche jetzt von wem kommt.

Ich werde vermutlich erst wieder ein Review abgeben wenn diese Geschichte zu Ende ist – was hoffentlich noch lange dauern wird. Abgesehen davon wünsche ich dir alles Gute was Motivation zum Schreiben, Zeit und ähnliches angeht. Und noch etwas. Hättest du dein Alter nicht erwähnt, hätte ich dir vermutlich ein höheres zugeteilt. Einfach aus dem Fakt heraus, dass deine ganze Art zu schreiben so aufwendig, komplex und mit Wissen verbunden ist.

Viele Grüße,
Whateveryousay(Mein Profil-Name, der mir gerade ziemlich lächerlich vorkommt.)

Antwort von halfJack am 19.02.2015 | 01:37 Uhr
Meinen aufrichtigen Dank dafür, dass du diese Geschichte gelesen und kommentiert hast. Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, um darauf zu reagieren.

Mir kommt es im Nachhinein auch so vor, als wären ein paar Handlungen in ZdZ nicht ganz ersichtlich dargestellt. Später ist man immer schlauer, doch ich müsste die halbe Geschichte über den Haufen werfen, wollte ich alles verbessern, was mir jetzt nicht mehr gefällt. So geht es mir fast immer. Wenn ich irgendwann mit der Überarbeitung fertig wäre, würde ich vermutlich wieder von vorn anfangen. Es ist ein Teufelskreis im Kampf gegen die eigene Unzufriedenheit. Ich versuche mich dann stets mit der Gewissheit vom Ende des ersten Teils zu beruhigen: Perfekt kann es niemals sein.
Handlungen und Unterhaltungen hätten oft deutlicher sein müssen. Gedanken und Schlussfolgerungen sind nicht immer so nachvollziehbar, wie sie mir selbst beim Schreiben vorkamen. Man weiß als Autor, was gemeint ist, worauf die Anspielungen abzielen und welche Konsequenzen sie für die Figuren haben müssen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich damit Gefahr laufe, den Leser zu langweilen und regelrecht zum Überfliegen einzuladen. Das hat mich mitunter dazu verleitet, die Gespräche zu kürzen, Inhalte auf das Wichtigste herunterzubrechen, auch wenn es oft nicht den Anschein macht. Es sollte außerdem interpretierbar bleiben, damit man sich selbst den Zusammenhang überlegen kann, ohne eine Meinung aufgezwungen zu bekommen. Dummerweise ist mir nun klar, dass eine solche Herangehensweise eigentlich halbgar ist. Wenn man sich als Leser schon auf die Gespräche einlässt, dann dürfen sie ruhig ausführlich sein und sollten die Zusammenhänge allein deutlich machen. Sonst wirken sie aus dem Kontext gerissen. Ich hoffe, dass ich zumindest das im Laufe der Zeit bereinigen und verbessern kann.

Es hat mich überrascht, dass du noch so jung bist. In der achten Klasse, da war ich 13. Du klangst älter, auch wenn ich derartiges immer schlecht einschätzen kann. Doch wie gesagt, Klugheit ist nicht im Alter, sondern im Kopf. Alles auf Anhieb zu verstehen ist ohnehin nicht nötig oder möglich. Im Anime hat Soichiro mal zu L gesagt, er frage sich, was in dessen Kopf vorginge. L meinte hierauf, das wüsste er ja nicht einmal selbst. Jeder kann das wahrscheinlich ab und zu nachempfinden. Ich habe immer gehofft, mit 24/7 für Wiederlesbarkeit zu sorgen. Man muss sich das hier natürlich nicht mehrfach antun, aber ich wollte wenigstens, dass manches beim mehrfachen Lesen trotzdem noch interessant ist, dass man neue Verknüpfungen entdeckt und sich der Sinn nach und nach besser erschließt. Ich selbst muss mich mit meinen Gedanken auch häufiger beschäftigen, um überhaupt zu verstehen, was ich denke. *lach*

Danke für den Hinweis, dass die Anmerkung im letzten Kapitel nützlich war. Ich habe mir überlegt, die Anmerkungen an den Schluss zu stellen und dabei vielleicht sogar mit richtigen Fußnoten zu arbeiten, also mit Nummern im Text. Letztere Idee lasse ich allerdings wieder fallen, weil das den Lesefluss unterbrechen würde, denke ich. Manchmal sähe ein Kapitel dann vermutlich aus wie eine wissenschaftliche Abhandlung, das muss nun wirklich nicht sein. Doch wenigstens will ich in Zukunft genauer aufdröseln, worauf ich mich bei welchen Inhalten beziehe. Das wird demnach beibehalten.

Würde mich freuen, wenn du am Ball bleibst. Ich freue mich über jeden, der diese Geschichte liest, ob mit Rückmeldung oder ohne. :)
09.10.2014 | 00:58 Uhr
Ich versuche diesesmal zusammenfassen, wie der Prolog und die ersten drei Kapitel insgesamt, alle hintereinander gelesen, auf mich wirken. Insofern ist es ganz gut, dass es schon ewig her ist, dass ich mich blicken lasse, weil ich sozusagen frisch und wenig vorbelastet ans Werk gehen kann.
Sehe ich mir alle Abschnitte insgesamt an wirken sie auf mich sehr nahe an der Konzeption der Serie. Alle wichtigen Elemente sind dabei: Eine Person, die alleingelassen ist mir ihren Gedanken, das Leben der Ermittler, Feilschen mit den Shinegami und natürlich Wortgefechte zwischen Light und Ryuuzaki. Dabei hältst du, so wie es jetzt angeordnet ist, auch einen gewissen Spannungsbogen ein. Die zweite und dritte Hinrichtungsszene gefallen mir getrennt von der ersten deutlich besser, weil die Dauer des Martyriums, oder zumindest die gefühlte Dauer, auf diese Weise unterstrichen wird.
Die erste Szene bietet eine Hook, weil man nicht ganz sicher ist, was es mit der Hinrichtung auf sich hat. Dennoch werden die meisten, die ZdZ gelesen haben, wissen wollen, wie Ryuuzaki mit Light verfahren wird, und warten darauf. Nach dem Haken flacht die Spannungskurve erst einmal ein wenig ab, was du nutzt, um wichtige Informationen zu vermitteln. Beim wiederholten Lesen festigt sich mein Verdacht, dass Nori das Death Note von Misa bekommen haben könnte. Anfangs war ich nicht sicher, ob sie in Kapitel zwei wieder aufbricht, um sich umzubringen, oder, etwas zu unternehmen. Jetzt bin ich fast sicher, dass sie etwas unternehmen wird. Warum sonst schenkst du ihr diese Aufmerksamkeit? Warum sonst wird im Gespräch zwischen L und Ryuk so darauf gedrungen, dass Ryuk ihm nicht sagen wird, wer der neue Besitzer ist? Außerdem passt es auch zu Misa, so etwas ihren Freundinnen aufzubürden, schließlich ist sie ähnlich mit ihrer Freundin beim Thema Videobänder verfahren. Ich bin gespannt, ob ich recht behalten werde.
Ich habe diesee Woche noch mal den Anime angesehen und dieses mal sogar verstärkt auf Barakooki und Nori geachtet. Die Art objektiver Berichterstattung, die du im zweiten Kapitel ansprichst, treffen von den bisher gezeigten medialen Persönlichkeiten noch am ehesten auf ihn zu, also ist es schon richtig, seinen Namen zu nennen, um ihn von den anderen abzugrenzen.

Ls Lage im Hinblick auf Ryuk erscheint mir zunehmend hoffnungslos(er). Eigentlich möchte er Light inklusive seiner Erinnerungen. Aber die hat Light nur, wenn das Death Note in seinem Besitz ist. Und Ryuk wird Light töten, wenn er gefangen ist und nichts Spannendes unternimmt. Egal was Ryuuzaki unternimmt... Irgendwann wird Ryuk langweilig werden. Da er sich aber niemals in dieselbe Lage bringen lassen würde wie Rem, zu töten um einen Menschen zu retten, ist er unsterblich. Damit wird er bis zum endgültigen Ende dieser Geschichte wie ein Damoklesschwert über Light und Ryuuzaki hängen, außer letzterer gibt sich mit einem braven, erinnerungslosen... Hündchen-Light zufrieden.
Mit etwas Abstand und intensivem Kopfzerbrechen über das Thema finde ich Ls Aussage darüber, dass er Light am Leben ließe, weil er nur auf diese Weise Buße tun könne, besonders abstrus. Hatte er nicht in einem lange vergangenen Gespräch mit Light einhellig verlauten lassen, die Todesstrafe sei keine Bestrafung, sondern wegen der Abschreckung nötig? Das Argument, die Todesstrafe wäre für Light nicht Strafe genug ist also dann noch doppelt scheinheilig.

Ich würde gerne noch einmal auf einen Gedankenbrösel von L eingehen, nämlich diesen hier:
>>Die bedeutenden Schrittmacher unserer Geschichte öffnen mit ihren Denkanstößen Türen, durch die sie selbst nicht gehen. Rousseau bereitete den Weg für die Französische Revolution, Marx zur Russischen, Nietzsche zur faschistischen. Sie alle würden sich aber in der extremen Verkehrung ihrer Idee nicht wiedererkannt haben. Auch Kira wird sich dereinst wundern, was seine Anhänger aus ihm machen werden... oder was er selbst aus sich macht. <<
Bedeutet diese Aussage, dass L Kira in die Reihe Rousseau, Marx und Nietzsche einordnet, und nicht in dir Reihe Robespierre, Stalin und Hitler? Spricht er Kira damit Schaffenskraft zu und Destruktivität ab? Das ist ein sehr radikaler Schritt.

Erst dieses mal ist mir dein schöner Abschlusssatz ins Auge gesprungen, wahrscheinlich einfach, weil mir die entsprechende Szene einfach sehr viel näher ist. Jetzt dürfte auch Light klar sein, was da auf ihn zukommt, und vor allem, dass Ryuuzaki seinen kleinen Code durchschaut hat. Sehr clever von dir.
Ich frage mich wirklich, was er wohl mit Hündchen-Light vorhat. Im Sinne von: Was kann man mit ihm anfangen? Ich hoffe, die Frage ist nicht allzu boshaft formuliert.

Antwort von halfJack am 19.02.2015 | 00:58 Uhr
Auch wenn meine Antwort jetzt Ewigkeiten auf sich warten ließ, bin ich dir unendlich dankbar für deine Rückmeldung und Hilfe. Ich hoffe, du kannst dir trotz der Plumpheit meiner Worte denken, wie viel mir das bedeutet.

Nach langer Pause habe ich mir ebenfalls alle Kapitel bis hierher noch einmal durchgelesen und damit gehadert, ob wirklich verständlich ist, was ich ausdrücken möchte; dass das alles nicht der Realität entspricht, sondern nur in Lights Kopf stattfindet. Niemand weiß etwas von dem Martyrium, das ihm sein eigener Verstand antut, und er selbst erkennt es erst gegen Ende. Daher fand ich es, um seine geistige Verfassung beim Lesen besser nachvollziehen zu können, unangebracht, alles übergenau aufzulösen und zum Beispiel Verwirrungen zu klären, indem ich deutlicher darauf hinweise, dass seit ZdZ kaum Zeit vergangen ist.

Zu Nori schreibe ich vorerst nichts, aber du hast auf jeden Fall die beiden Lesarten erkannt, die ich in den Raum stellen wollte. Gehört sie zu den Kira-Anhängern, die sich aus Verzweiflung in den Tod stürzen? Oder hat sie aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Misa etwas mit dem verschwundenen Death Note zu tun? Beides sind angebrachte Vermutungen. Es wird sich zeigen, ob einer dieser Verdachtsmomente zutrifft. Sie soll zwar vermitteln, dass es auch Menschen gibt, die mit Kiras Verschwinden nicht die "Rückkehr" des Guten, sondern des Bösen verbinden, aber bei dieser unbedeutenden Stellvertreterrolle bleibt es vielleicht nicht.

Übrigens werde ich in Zukunft "Ryuzaki" schreiben. Ich habe überlegt, ob ich die Verlängerung der Silben belasse oder zum Beispiel einen Strich über die langen Vokale schreibe, wie das bei uns in übersetzten Romanen relativ geläufig ist. Allerdings müsste ich dann bei allen Namen darauf achten (Soichiro etc.) oder sogar bei Städten (Tokyo etc.), was unnötiger Zeitaufwand wäre, den ich besser für andere Dinge nutze. Nur aus Gewohnheit bei "Ryuuzaki" zu bleiben und einzig bei ihm einen Unterschied zu machen, kommt mir unsinnig vor.
Zum Zweiten heißt der Nachrichtensprecher tatsächlich Tanakabara Koki. Das war ein Übersetzungsfehler in der ersten Auflage des Manga. (Ich weiß nicht, ob das später korrigiert wurde, aber in der deutschen Synchronisation des Anime sagen sie es richtig.) "Tanaka" und "Koki" sind zwar beides sehr geläufige Nach- bzw. Vornamen, von daher passte das "bara" bei beiden nicht ganz, aber es lässt sich anhand der Bedeutung besser dem Familiennamen zuordnen. Zudem hört man es in der japanischen Synchronisation des Anime durch die Betonung heraus, wie die einzelnen Zeichen zugeordnet werden müssen. Zum Glück eine banale Sache weniger, über die ich mir den Kopf zerbrechen muss.

Deinen Aussagen zu Ryuk kann ich nur uneingeschränkt beipflichten. Wie man es auch dreht und wendet, die Sache kann nicht gut ausgehen. Ryuk wird ein Damoklesschwert bleiben, bis der Faden reißt.

Nun zu deiner Frage, ob Kira eher zu Rousseau, Marx und Nietzsche oder zu Robespierre, Stalin und Hitler gerechnet werden sollte. Diese Betrachtungsweise finde ich sehr interessant und würde denken, dass L ersteres in der Idee Kiras sieht, zweites hingegen in seinem Handeln. Es wäre quasi die Gegenüberstellung von Gesetzbuch und Polizei, Vorschrift und Auslegung. Entartet ist beispielsweise, wie Demegawa als Vertreter Kiras auftritt; entartet ist auch, in welche Richtung Mikami irgendwann tendierte; doch nichts spricht dagegen, die Entartung der Idee sogar in Kira persönlich zu sehen, darum weist L darauf hin, was Kira selbst vielleicht irgendwann aus sich macht. Eigentlich könnte man auch die Idee in Light sehen und seine Entartung in Kira.

Äußerst erfreut bin ich darüber, dass du den Hinweis im Schlusssatz erkannt hast. Der fällt einem natürlich nur auf, wenn einem die Szene, als Light seine Erinnerungen erstmals aufgibt, gerade präsent ist, zumal es von seinem Satz unterschiedliche Versionen gibt, "falscher" oder "nutloser" Stolz, "ablegen" oder "wegwerfen". Ich habe lange überlegt, welche Formulierung ich benutzen soll. Nun ja, der Sinn darin bleibt letztlich derselbe.

Edit: Über vier Monate später, aber wenigstens genau zur selben Zeit geantwortet. Wenn das nicht Schicksal ist.
15.09.2014 | 21:39 Uhr
Und da bin ich wieder, dieses Mal mit dem Review zu Kapitel 4!

Ich muss wirklich betonen, dass du Lights Situation hervorragend beschreibst! Diese ständigen Hinrichtungen, die einen irgendwann aufgeben lassen; die Schmerzen, die niemals aufhören; die Angst vor jedem Besuch, weil dieser in einer weiteren Hinrichtung resultieren könnte; das alles zerrt unglaublich an den Nerven und ich bewundere unwillkürlich, dass Lights Geist immer noch nicht gebrochen ist.

Im letzten Kapitel haben wir ja erfahren, dass L Light besuchen wollte, weshalb es keine Überraschung ist, ihn jetzt zu sehen. Was mich jedoch erschrocken hat, war seine Unsicherheit, die ich eher von Light erwartet hätte. Schließlich ist es hier L, der Macht hat – was lässt ihn also unsicher werden? Lights Anwesenheit?
Noch mehr verwirrt hat mich Lights Frage, warum L ihn verschont habe. Ähm. Sich permanent einer Hinrichtung zu unterziehen, die einen halb, aber absichtlich nicht ganz tötet, nenne ich nicht gerade „verschonen“ o_o Lights gegenwärtiges Schicksal finde ich weitaus schlimmer als einen einfachen Tod, weshalb ich nicht verstehe, warum Light sich verschont fühlt; ist für ihn ein Leben in Folter dem schnellen Tod vorzuziehen?

Wunderbar ironisch fand ich Lights Idealvorstellung seines Sieges, die exakt dem entspricht, was tatsächlich geschah *nervös lacht* In AU-Geschichten liebe ich es ja, wenn solche Hinweise auf das Original eingebaut werden und ich hoffe, dass noch weitere folgen werden!
L ist wirklich gut, nicht nur Light, sondern auch mich aus dem Konzept zu bringen. Er will Light wirklich und vollkommen verstehen, nicht wahr? Deshalb fragt er ihn nach dem Grund, warum er überhaupt mit dem Morden begann.
Die Symbolik von parallelen Linien, die sich niemals kreuzen, aber sich auch niemals voneinander entfernen können, hat mir sehr gefallen! Überhaupt diese untrennbare Verbindung zwischen L und Light … es ist sehr IC, dass Light sie zu seinem Vorteil nutzen will. Jedoch verstehe ich nicht ganz, warum er Ls Frage tatsächlich beantwortet? Erhofft er sich dadurch, zu entkommen? Ist es schlicht eine Antwort, die harmlos mit anderen geteilt werden kann? Warum erzählt er überhaupt von seinem ersten unabsichtlichen Mord statt vom ersten, der mit voller Absicht geschah? (So hätte ich Ls Frage nämlich interpretiert.)
Schön finde ich, dass Light Ls eigene Fragen gegen ihn verwendet, wie am Beispiel der Polizei, der das Death Note hätte übergeben werden können. Lights Charakter hast du wirklich wunderbar getroffen, aber das ist wohl keine Überraschung ;-) Er glaubt, dass das, was er getan hat, richtig ist und ihm käme nie in den Sinn, sich selbst anzuzweifeln.

Währenddessen gibt es weiterhin wunderbare Ironie: Lights Überzeugung, Kiras Ideale würden niemals von seinen Anhängern verfälscht werden. Wir wissen alle, dass er damit falsch liegt, weil im Manga von Mikami irgendwann Leute ermordet wurden, die laut Kira keine Verbrecher waren; jedoch mag ich es, dass Light hier nicht an so eine Zukunft glaubt.
Etwas, womit Light wohl recht hat, ist, dass L, wäre er an Lights Stelle gewesen, das Death Note benutzt hätte; Lights Argumente sind nicht von der Hand zu weisen und L ist sich ihrer Logik gewiss bewusst. Wir werden vermutlich nie erfahren, ob Light recht hat, aber trotz Ls Worten (die Metapher mit den Blumen, deren Tod niemals den Frühling aufhalten wird, war sehr schön) glaube ich daran.
Keine einzige Sekunde habe ich geglaubt, dass L Lights Vorschlag, sich auf dessen Seite zu stellen, annehmen würde. Die beiden haben Gemeinsamkeiten, ja; auch L hat kaltblütig Menschen ans Messer geliefert. Aber er ist nicht Kira, er hat nicht dieselben Moralvorstellungen, wie er ihm auch selbst erklärt. Dass L Light dazu in seinem Griff gefangen genommen hat, hat allerdings die Angst in mir geweckt, weil ich mich besorgt fragte, was er vorhat. Hier muss ich ihm auch zum ersten Mal widersprechen: Er meint, dass er als Sieger entscheiden würde, was gerecht ist. Nun, die Geschichte wird größtenteils von den Siegern geschrieben – doch heißt das nicht, dass das ein erwünschtes Verhalten wäre. Ls Worte klingen so, als würde er glauben, dass das Konzept 'Sieger = Gerechtigkeit' gut wäre. Laut diesem Prinzip hätte er im Manga im Moment seines Todes glauben müssen, dass Light gerecht wäre und irgendwie bezweifle ich, dass dem der Fall war …

Angespannt warte ich auf das nächste Kapitel. Noch weiß ich nicht, wohin die FF überhaupt steuern wird, aber ich werde es wohl früh genug herausfinden. Liebe Grüße!
Tatjana

Antwort von halfJack am 19.09.2014 | 14:40 Uhr
Dein Kommentar zum vierten Kapitel ist sogar noch länger als der vorige. o_o
Danke dafür und entschuldige bitte die etwas verzögerte Antwort.

Ls vermeintliche Unsicherheit ist eher Trauer, Bedauern und Bitterkeit. Der Plan von ZdZ hätte auf verschiedene Weise einen positiven Ausgang nehmen können, indem Kira überführt wird. Dabei hätten allerdings sowohl L als auch Light sterben können. Dass sie beide überlebten, ist ein insgesamt glücklicher Umstand, der diesen Ausgang fast zu einem Idealfall werden lässt. Dazu fehlte eigentlich nur noch das zweite Death Note. Trotzdem, auch unter all diesen glimpflich verlaufenden Gegebenheiten, wusste L, dass Light nicht automatisch "kuriert" sein würde, und selbst wenn, wäre das nicht mehr wirklich Light. L wusste, dass Light ihn mehr oder weniger hassen und es nicht mehr wie vorher weitergehen würde. Hier spielen noch ein paar andere Aspekte eine Rolle, die ich jetzt noch nicht offenbaren möchte. Fakt ist jedenfalls, dass es keinen Idealfall gibt. Es wird immer an irgendeiner Stelle etwas fehlen. Jeder Kompromiss fordert Abstriche und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Ich glaube nicht, dass L einen Grund hat, sich über einen absoluten Sieg zu freuen. Ihre Situation scheint in Bezug auf ihre Beziehung eher aussichtslos und verfahren.

Es stimmt, L will Light verstehen. Er will aus dessen Mund hören, wie dieser seine Taten vor sich selbst rechtfertigt. Beider Argumente sind durchaus schlüssig. Zudem wollte L ein solches Gespräch führen, um sich über seine folgenden Entscheidungen noch einmal im Klaren zu werden. Die ungestellte Frage zwischen den Aussagen hat Light durchaus erkannt, weil die beiden über alles andere bereits zur Genüge sprachen. Wie aber das Death Note zu Light kam, in welcher Lage er es dann tatsächlich benutzte, das ist etwas, das L nicht deduzieren kann. Darum hat Light ihm erzählt, dass er das Heft auf dem Schulhof fand, es zuerst für einen Witz hielt und letztlich dennoch verwendete.
Lights ersten Mord, der mit voller Absicht geschah, kennen wir als Leser eigentlich gar nicht, weil das sein dritter Mord sein müsste. Jener, mit dem er gezielt die Tötung von Verbrechern anfing, nachdem er deduziert hatte, dass das Heft echt ist. Falls du also von Lights zweitem Mord sprichst, dann ist es klar, dass er diesen L gegenüber nicht erwähnt. Shibuimaru Takuo hieß sein zweites Opfer, glaube ich. Dieser hatte "nur" ein Mädchen sexuell belästigt. Er war nicht so böse, um ihn wirklich zu töten - das dachte Light sogar selbst. Er hat ihn lediglich getötet, weil er herausfinden wollte, ob das Heft funktioniert. Auf mich machte es nicht den Eindruck, als sei dieses ganze Ereignis geplant gewesen. Die Umstände waren nur gerade günstig und Light hat meines Erachtens nach wie vor nicht an die Echtheit des Heftes geglaubt. Besonders heroisch war dieser zweite Mord also nicht, er hat Light überhaupt erst in seine Sinnkrise gestürzt und ihn binnen einer Woche grundlegend verändert. Man könnte diesen zweiten Mord - denn der erste hat bei weitem nicht so viel ausgelöst - demnach als Trauma ansehen. Ich habe L sagen lassen, er wolle wissen, wieso Light mit dem Morden angefangen hat, und nicht, wieso er damit nicht mehr aufhören konnte. Diese Antwort kennen nämlich beide bereits: Hätte Light nach den ersten zwei Morden aufgehört, wären es Verbrechen geblieben und er selbst wäre bloß ein böser Mensch gewesen. So aber wandelte er seine Taten in die Strafe des Himmels, machte aus ihnen etwas Gutes und erklärte sich selbst zur Gerechtigkeit. Nur aus diesem Grund, weil Kira (nicht mehr Light) mit den Hinrichtungen (nicht Ermordungen) weitermachte, hatten diese ersten zwei Opfer überhaupt einen Sinn. Töte einen und du bist ein Mörder. Töte Tausende und du bist ein Herrscher.
Selbstverständlich will Light darüber nicht reden. Sonst klängen seine folgenden Handlungen wie Rechtfertigungen.
Light antwortet übrigens auf Ls Frage, weil er sich einerseits eben rechtfertigen und andererseits L von der Richtigkeit seines Tuns überzeugen und auf seine Seite holen will.

Ich bezweifle, dass L im Moment seines Todes dachte, dass Light/Kira gerecht sei. So war das auch gar nicht gemeint. Selbst wenn L und Kira darüber, dass der Sieger über die Gerechtigkeit entscheidet, ähnlich denken, zäumen sie das Pferd völlig unterschiedlich auf. Für Light bedeutet Gerechtigkeit etwas. Es ist für ihn auf idealistische Weise ein absoluter Wert. Für L hingegen ist es nur eine Zuschreibung, die jeder individuell fällt. Wenn er sagt, er sei die Gerechtigkeit, dann nicht deshalb, weil er sich für gerecht hält, sondern weil er siegesgewiss ist. Genauso meint er, die Gerechtigkeit würde immer siegen, weil er speziell auf diesen Fall bezogen Kiras Welt für unhaltbar hält; irgendwann wird sich schon zeigen, wie wenig dieses Ideal Bestand haben kann. Im Moment seines Todes denkt L noch etwas, das niemals geklärt wurde und von dem Ohba meinte, der Redakteur hätte das so interpretiert: "Jetzt habe ich verloren, aber meine Nachfolger werden dich besiegen." Irgendetwas in der Richtung könnte ich mir auch vorstellen. Ls Tod bedeutet nicht Kiras vollständigen Sieg und somit auch nicht, dass L davon ausgehen muss, Kira sei im Recht. Diese Interpretation der Gerechtigkeit beziehe ich nicht nur auf Ls Skrupellosigkeit und die Illegalität mancher seiner Methoden, sondern auch darauf, was er in einem der Extrakapitel sagt, in welchem sich Near an Ls einstige Worte erinnert, die er an die Kinder von Wammys richtete. Sinngemäß habe ich diese Erklärung von L übernommen; Fälle aufzuklären wäre nur sein Hobby und am Rechtssystem gemessen habe er schon viele Verbrechen begangen, um sein Ziel zu erreichen. Einen Satz übersetzte ich nicht, der das am deutlichsten zeigt: "It's no justice at all." Anders als bei Light darf man daher bei L nicht erwarten, dass für ihn Gerechtigkeit die letzte Instanz sei.
14.09.2014 | 16:18 Uhr
Endlich komme ich dazu, hier zu reviewen! Hier erst mal das Review zu Kapitel 3; der Kommentar zu Kapitel 4 folgt dann vermutlich morgen.

Bereits der Anfang ist sehr fesselnd; durch indirekte Rede wird uns mitgeteilt, dass Kira die Todesstrafe erwartet, während er selbst immer noch darauf beharrt, ein Gott und Erlöser zu sein. Alles in indirekter Rede, aber trotzdem fühle ich die Spannung: Wie sie ihn wieder und wieder foltern, mit unterschiedlichen Mitteln. Oh Gott. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass irgendjemand zu seiner Rettung kommt bzw. er sich selbst rettet, weil meiner Meinung nach niemand einen tausendfachen Tod verdient hat, aber es kam niemand.

L scheint sich gar nicht mit Kira zu beschäftigen, sondern konzentriert sich stattdessen auf das versteckte Death Note – ich bin froh, dass er Probleme damit hat, Ryuk zu überzeugen, alles andere wäre zu bequem gewesen. Habe ich es richtig verstanden, dass er das Heft aus dem simplen Grund will, es nicht in andere Hände fallen zu lassen? Misa ist ihm offenkundig egal …
Nicht jedoch Rems Information, dass Erinnerungen irgendwann komplett verschwinden. Oh, verdammt, L wird diese Information kaum einfach so hinnehmen, ohne etwas mit ihr anzufangen. Ein spontaner Gedanke war, dass er Light der Erinnerungen berauben möchte, aber wie könnte er das tun? Light wird sein Besitzrecht kaum sechs Mal aufgeben.
Seine weiteren Fragen sind ein wenig komplizierter, aber ich verstehe, was er meint und mich interessiert es auch: Würde er selbst seine Erinnerungen verlieren, wenn er, ohne das Death Note benutzt zu haben, es weitergibt? Wie man schnell sieht, fragt L nicht nur aus purem Interesse: Er geht durch Watari sicher, dass er seine Erinnerungen behält.
Sehr erschrocken hat mich, dass Light sich in einem Zustand befindet, in dem er alles, was ihm jemand bezüglich des Death Notes sagt, vergisst. Es wäre grausam von L, das zu nutzen, aber es war zu erwarten. Nun möchte er also Light dazu bringen, sein Besitzrecht aufzugeben … ich frage mich, ob und wie er das wohl schaffen wird.

Das nächste Kapitel reviewe ich wie gesagt wahrscheinlich morgen :-)
Liebe Grüße,
Tatjana

Antwort von halfJack am 17.09.2014 | 19:05 Uhr
Hallo, Tatjana, du liebe treue Seele! Wie stets danke ich dir vielmals für deine Rückmeldung. *verbeug*

Ich bemühe mich, auf deine Fragen zu antworten, ohne viel vorwegzunehmen. Einiges wird sich vielleicht noch klären, anderes habe ich womöglich zu subtil gesetzt und der Rest ist Interpretationssache. Ähnlich wie im Prolog besteht wohl noch immer eine weitestgehend auf die Realität umgemünzte Lesart dieser ganzen Todesszenen, falls ich dich da nicht falsch verstanden habe. Sollte ich deine Worte hierzu richtig auffassen, so habe ich diese Möglichkeit der Interpretation jedenfalls nicht in Betracht gezogen. Für mich war von Beginn an klar, dass Light kurz nach seiner Überführung in eine Art Gefängniszelle im Hauptquartier gebracht werden würde, damit L sich in der Zwischenzeit mit den Todesgöttern kurzschließen konnte. Die Dauer dieses Aufenthalts ist nicht sonderlich lang, schließlich ist noch immer der fünfte November - derselbe Tag, an dem "Zwischen den Zeilen" in den letzten Kapiteln zur Aufklärung kam. Wie auch Ryuk lediglich eine bewusste Imagination seines widersprüchlichen Denkens war, so ist es allein Lights Verstand, der ihm diese Todesszenarien vorgaukelt. Vielleicht eine Art unterbewusster Selbstbestrafung oder überhaupt eine durch seine Niederlage hervorgerufene psychische Reaktion. Denn das stimmt durchaus, dass Light den Sieger automatisch für denjenigen hält, dessen Theorie sich bewahrheitet und der von der Gesellschaft anerkannt wird. Im Umkehrschluss ist er als Besiegter demnach im Unrecht. Es ist nicht einfach für ihn, das alles zu ertragen, zumal er kein guter Verlierer ist. Wann sollte er das auch gelernt haben? Er hat so gut wie immer alles erreicht, was er wollte.

Was nun L anbelangt: gerade durch das Gespräch mit den Todesgöttern beschäftigt er sich meines Erachtens mit Kira bzw. Light. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber keine andere logische Anordnung der Ereignisse bzw. Perspektiven in den ersten Kapiteln von "Jenseits verkehrter Wahrheit" gefunden. Es mag sicherlich so wirken, als bliebe L relativ unberührt, das ist allerdings durch mehrere Faktoren bedingt. Erstens ist die Szene aus Rems Sicht geschrieben. Das musste sein, weil ich noch einige Sachverhalte der Überführung erklären wollte, die am Ende von "Zwischen den Zeilen" nicht gepasst hätten. Nur Rem weiß darüber Bescheid, zudem ist das ihr vorerst letzter Auftritt. Sie kann nicht mehr allzu lange verweilen, weil Ryuk ein Death Note benötigt, um in der Menschenwelt bleiben zu dürfen, und das funktioniert nur, indem Light sein Death Note aufgibt, es an Rem zurückgeht und diese es an Ryuk weiterreicht, wodurch sie selbst in die Welt der Todesgötter heimkehren muss. Zweitens interessiert sich Rem nicht sonderlich für L. Sie kann ihn schlichtweg nicht leiden, darum sind ihr seine mimischen und gestischen Zeugnisse, die etwas über sein Innenleben verraten, relativ egal, wenngleich sie trotzdem ein paar Unsicherheiten bei ihm feststellen kann. Drittens ist L nicht gerade der extrovertierte Typ. Man merkt ihm seine Emotionen von außen kaum an, wenn man nicht explizit darauf achtet.
L erwartet wahrscheinlich nicht, dass er Ryuk irgendwelche Informationen entlocken kann. Er denkt sich nur, probieren schadet ja nicht. Vielleicht weiß Ryuk ja wirklich nichts. Das wird sich später zeigen.

Das Heft möchte L in erster Linie finden, weil es zum Abschluss des Falles gehört. Es ist nicht gut, wenn so eine gefährliche Waffe irgendwo in der Weltgeschichte herumgeistert. Hinzu kommt, dass Light behauptete, er habe noch einen Plan in der Hinterhand, der L früher oder später das Leben kosten würde. L weiß nicht, ob das bloß ein Bluff war, darum möchte er das Death Note, an das dieser Plan, sollte er tatsächlich existieren, offensichtlich geknüpft ist, unbedingt so schnell wie möglich aus dem Verkehr ziehen.
Shiyu-Minjia (anonymer Benutzer)
28.08.2014 | 18:19 Uhr
Mehe,
ich hinterlass dir leider kein so langes Review, weil das einfach nicht meine Stärke ist, sry^^. Ich find das du alles sehr schön beschreibst udn auch das Lights Mutter die Wahrheit nicht erfahren soll, find ich gut. Ich hoffe du schreibst schnell weiter
LG Shiyu
31.05.2014 | 12:17 Uhr
Obwohl dieses Kapitel dominiert wird vor dem, was du Aizawa beschreiben lässt - vor dem Abgrund des Nichts, der sich vor einem auftut, wenn die Aufgabe erledigt ist - ist das hier ein Kapitel, dass mich merkwürdigerweise hat durchatmen lassen.
"Zwischen den Zeilen" war irgendwie klaustrophobisch und eng, ich glaube, du hast es selbst auch mal im Text erwähnt, so dass ein Beginn mit diesen Perspektiven frisch wirkt. Apropos Perspektiven - die klare Beibehaltung innerhalb der Absätze ist dir hier absolut gelungen (ich werde wohl jetzt ein Auge darauf haben).
Die Rückkehr ist das Thema des Kapitels, und die Perspektiven von Kitamura, Aizawa und Soichiro beinhalten diese Rükkehr nicht nur, wie beleuchten auch Anfang, Mitte und Ende einer Heimkehr. Kitamura plant es, Aizawa kommt gerade nach Hause, Soichiro ist schon Zuhause angekommen und seine Gedanken beschäftigen sich vor allem mit dem, was danach kommt.
Auch Nori kehrt nach Hause zurück, aber sie passt nicht in diesen Dreiklang.
Das ist irgendwie auch logisch, denn sich passt auch auf keine andere Art hinein. Sie ist die einzige, die nicht Polizistin ist, die nicht gegen Kira war, die einzige von diesen Vieren, die nicht auch froh ist, dass es nun ein (wenn auch bitteres) Ende genommen hat. Ob nun beabsichtigt oder nicht, das formale Herausstechen aus der Klammer passt also auch inhaltlich für Noris Part. Eventuell hätte ich sie an deiner Stelle sogar an das Ende gestellt, aber ich verstehe, dass du dort lieber Soichiro hattest. Nori verweist auf das, was geschehen wird, während Soichiros Aufgabe eher in der Bewältigung der Vergangenheit liegt.
Dass du die verschiedenen Ermittler hier in den Mittelpunkt stellst, erinnert mich an den Teil des Mangas, während die Ermittler die Yotsuba-Group jagen, und in dem Matsuda, Aizawa und Soichiro in eigenen Folgen im Zentrum standen, in Kitamuras Gedanken greifst du sogar die "Schwanz einziehen"-Formulierung von Soichiro wieder auf, was nur logisch ist. Dieses ganze Element passt wunderbar zur Stimmung des Original.

Dass Kitamura sich von den Ereignissen aufgerieben fühlt, besonders, weil er nahezu versucht hat sich zu zerreißen um sein eigenens Gerechtigkeitsempfinden mit der Bürokratie und den Interessen der Politiker übereinzubringen, ist absolut glaubwürdig und hochwahrscheinlich, genau wie seine Entscheidung, den Posten an Soichiro abzugeben, da beide das gleiche Gerechtigkeitsideal zu teilen scheinen - nur dass Soichiro eben die Möglichkeit einer Entscheidugn hatte, die Kitamura nie hatte, sodass Ktiamura seine eigene Integrität wahrscheinlich unter die Soichiros einordnent, obwohl im doch die eigenen Zwangslage bewusst ist. In diesem Zusammenhang gefiel mir die Samurai-Frisur am besten, das da es seine Einstellung deutlich gemacht hat, obwohl es nur eine kleine Äußerlichkeit ist.
Darüberhinaus findet sich in diesem Abschnitt ein wenig Exposition, wobei auch ich L's Entscheidung einer solchen halben Veröffentlichung in Frage stelle und gespannt bin, wie du es begründen wirst. Ein mögliches Ergebnis deutet sich ja in Nori bereits an, und das ist ja nicht unbedingt wünschenswert.

Aizawas Part beginnt mit einem Aufruhr! Naja, nicht wirklich, du behauptest, da wäre ein Aufruhr im Präsidium, aber außerhalb von den ehemaligen Sonderermittlern kann ich ihn nicht recht spüren - worin äußert sich dieser Aufruhr?
Merkwürdigerweise hat mir der Gedanke gefallen, dass Aizawa, Mogi und Matsuda, vielleicht auch Ide, noch in die Karaokebar gehen. Ohne Matsudas wirklich schmerzliche Bemerkung hätte es vielleicht ein wenig geholfen eine Nromalität vorzutäuschen, die allen gutgetan hätte.
Über Matsudas Fehleinschätzung was Misa angeht habe ich so ebenfalls mal wieder nicht nachgedacht. Besonders für ihn, der Misa besonders ins Herz geschlossen hatte, muss die Tatsache, dass sie nicht nur die Mörderin von unbekannten Straftätern, sondern eben auch eines Kollegen und Freundes ist, ungemein schrecklich sein, auch, weil er schon wieder, einmal mehr, die eigene Urteilskraft und Fähigkeiten in Frage stellen muss.
Die ganze Kommunikation unter den Ermittlern wirkt irgendwie verstört und autistisch. Alle wirken gleichzeitig unbeholfen wie auch hilflos. In Aizawas Gedanken scheint Light eine Persona non grata geworden zu sein. Solange ich nicht daran denke, kann es mir nichts tun. Solange der Zahn nicht wehtut, muss ich damit nicht zum Zahnarzt, dass wird schon wieder.
Eriko hast du gut eingefangen. Mir gefällt diese Art Frau zwar nicht, die höflich beiseite gucken, wenn ihrem Mann die Tränen in den Augen stehen, aber ich halte es für glaubwürdig und in den Kontext passend.

Dass Light von Kira getötet wurde, empfinde ich nicht einmal als eine verkehrte Wahrheit, nur eher als eine blumig umschriebene Wahrheit. Einverleibt wäre natürlich passender, aber wie wollte man so eine Wortwahl Sachiko erklären? Und: Titledropping! Ich schätze, dass wird in anderen Variationen noch häufiger vorkommen.

Ich bin nach diesem Kapitel wirklich gespannt, ob es noch weitere aus diesen Perspektiven geben wird. Bei Kitamura kann ich es mir kaum vorstellen, und auch bei den anderen weiß ich nicht, wie du es einbinden willst, aber allein die Wahl und Zusammenstellung des Kapitels an sich hat mich schon überrascht, also ist alles möglich.

Antwort von halfJack am 31.05.2014 | 21:37 Uhr
Durchatmen? Es ist doch noch gar nichts passiert. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich mich mit den ersten beiden Kapiteln (bzw. dem Prolog und dem ersten Kapitel) doch noch mal eingehender befassen muss. Wie wäre es, wenn du mein Betaleser wirst, dann muss ich im Nachhinein nicht ständig hier und da etwas ändern, nachdem ich bereits hochgeladen habe? ^^

Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto wichtiger finde ich es, diese ganze Geschichte in zwei Teilen zu erzählen, die sich formal und atmosphärisch voneinander unterscheiden. Die Erzählweise des ersten Teils von 24/7 ist eng mit dem Original verknüpft, der Erzählstil sollte dem Einblick in die Gedanken jedes Einzelnen aus dem Original gleichen - darüber haben wir ja schon gesprochen - und trotzdem bezog sich das meiste, abgesehen von diesen winzigen Abweichungen, auf Light und L. "Klaustrophobisch und eng" ist eine Umschreibung, die perfekt zu dem passt, was ich vermitteln wollte, nicht nur wegen Lights Gefangenschaft, sondern auch wegen der Tatsache, dass sich L gleichfalls immer hinter seinen Mauern und Monitoren verbirgt. Von nun an wird, zumindest nach meiner Vorstellung, viel passieren. Sie sind nicht mehr eingeschlossen und wenn ich jetzt mein Augenmerk auf eine Person richte, dann werde ich ihr auch mehr Aufmerksamkeit widmen. Für mich fühlt sich das gleichfalls ein bisschen wie ein Befreiungsschlag an. (Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du tatsächlich ein bisschen ein Auge darauf hast, dass ich mich nicht bei den Perspektiven verhasple. Ist nicht gerade einfach, nachdem ich es so lange anders gewohnt war. Vermutlich wird mich das nicht von meinen im Präsens formulierten Gemeinplätzen abhalten, zu denen ich mich stellenweise immer mal wieder hinreißen lasse, wenn du verstehst, was ich meine.)

Das mit der Rückkehr hast du gut erkannt und mein kleines Problemkind Nori natürlich auch. Ich war sogar überrascht, dass dir die verschiedenen Teile des Heimkehrens aufgefallen sind, der angekündigte Aufbruch, der Weg nach Hause bzw. das Ankommen und das bereits daheim angekommen sein. Mit Nori habe ich viel gehadert und sie in diese Teile des Heimkehrens zu integrieren versucht. Die Szene mit ihr ist für mich persönlich wichtig, aber ich habe sie ständig mal dorthin, mal dahin geschoben und finde diesen Part inhaltlich eigentlich auch am Ende des Kapitels am besten, zumal Nori heimkommt und sofort wieder aufbricht, womit ein neuer Aspekt auftaucht. Aber diese Szene an den Schluss zu stellen wäre einfach kein guter Abschluss gewesen. Ich finde, zum Schluss muss einfach Soichiro stehen, zumal erst hier am Ende zum ersten Mal Lights Name fallen sollte. (Obwohl ich mich jetzt wieder frage, ob Nori am Ende nicht doch besser wäre, allerdings rückt sie das stark ins Zentrum.) Im Prolog ist Light nur Kira und im Verlauf des gesamten ersten Kapitels - das hast du ebenfalls richtig erkannt - stellt er den unbenannten düsteren Fleck auf der Welt dar, eine Persona non grata, Du-weißt-schon-wer, der, dessen Name nicht genannt werden darf.
Thematisch verweist die Rückkehr natürlich darauf, dass die alten Verhältnisse vermeintlich wiederhergestellt sind. Aus Noris Perspektive allerdings ist es eine Rückkehr des Bösen, was zeigen soll, dass man sich nicht dazu verleiten lassen sollte, Kiras Verschwinden nur auf eine Weise zu interpretieren. Kira-Anhängern fällt das natürlich nicht schwer, aber laut zahlreicher Umfragen ist klar, dass die meisten Fans von Death Note eben doch nicht auf Kiras Seite stehen und seine Niederlage als Sieg des Guten ansehen. Es schien mir wichtig, ins Bewusstsein zu rufen, dass es nicht allen so geht. Nori ist hierfür ein Stellvertreter, jemand, der für alle stehen könnte, dennoch wollte ich mir für ihre Rolle nicht einfach irgendjemanden ausdenken. Ich hoffe, dass ihr Auftauchen nicht zu sehr irritiert. Ursprünglich habe ich bei den Nachrichten am Anfang sogar den Sprecher sich als Barakoki vorstellen lassen, aber dann befürchtete ich wiederum, es würde auch ihn zu sehr ins Zentrum rücken, sodass man sich als Leser fragt, was der jetzt dort zu suchen hat.
Was vielleicht nebensächlich oder nur für mich ersichtlich ist: mit Rückkehr ist auch gemeint, dass die Handlung einen Schritt zurückgeht, quasi in die Vergangenheit reist, zu der Zeit zwischen dem letzten Kapitel und dem Epilog des Vorgängers.

Irgendwie fallen sie alle in ihrer Einstellung zu Kira aus dem Muster des schlichten Gegners heraus. Kitamura hat nur noch dem Schein nach den Kampf gegen Kira aufrecht gehalten. Aizawa kämpfte zwar leidenschaftlich gegen Kira, musste sich zwischenzeitlich allerdings gegen sein Gerechtigkeitsempfinden, zum Teil für seine Prinzipien und auf ganzer Linie für seine Familie entscheiden. Soichiro ist eigentlich derjenige, der am meisten gegen Kira ist, den größten Kampfgeist ohne Rücksicht auf Verluste besaß, dem Kira im Endeffekt aber eigentlich am nächsten steht und der meines Erachtens darunter am meisten zu leiden hat. Matsuda hingegen ist zwar ein Polizist, aber bezeichnete sich im Manga selbst als schwach und nahm manchmal eine Position ein, die eher einem Kira-Befürworter gleicht. Ich würde ihn also ähnlich wie Nori in der Tat als solchen bezeichnen. Als er plötzlich mitten im Satz abbricht, denkt er einerseits natürlich an die Tatsache, dass Light Kira ist, aber auch an die Situation vor Kiras Erscheinen. Es wird so sein wie zuvor. Die Schwachen werden wieder unterdrückt. Man kann in diesem Moment zwar nicht in Matsudas Kopf schauen, doch er zweifelt daran, ob man dadurch, dass der Fall abgeschlossen ist, auch gleichzeitig sagen kann, das Gute habe gesiegt.

Ich fand es schade, dass Kitamura im Original einfach so verschwand. Ohba meinte bei einem Interview, es seien einige Sachen geplant gewesen, gerade zur Erklärung der Nebencharaktere, die letztlich aus dem Storyboard gestrichen wurden, weil sie die Dynamik gehemmt hätten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kitamuras Abtritt eine dieser Handlungen gewesen sein könnte, denn in der ersten Hälfte kommt er gar nicht mal selten vor. In How-to-read steht, er sei eigentlich "kein schlechter Mensch" und ich frage mich, wie man so eine Vermutung überhaupt haben kann. Ich mochte Kitamura. Wieder ein typisches Beispiel für die im Anime weggelassenen Pausen, über die wir sprachen, denn im Manga hat er manchmal wirklich mit sich gekämpft und ich glaube, dass Soichiro das sogar deutlich gesehen und deshalb nie wirklich verurteilt hat.

Übrigens stelle ich mir vor, dass Matsuda und Mogi das tatsächlich tun, dass sie an diesem Abend irgendwo in einer kleinen Bar sind - nicht in so einem modernen Hochhaus, wo man sich einzelne Zellen mieten kann - und dann singt Matsuda wimmernd diverse herzzerreißende Popsongs, während Mogi stocksteif neben ein paar alten Damen sitzt, die gemeinsam mit ihm dem schiefen Gesang zuhören, alles in ein diffuses Licht von bunten, alten Lichterketten gehüllt. Es könnte ein Stück Normalität sein, aber eine traurige Normalität.
29.05.2014 | 21:36 Uhr
Guten Abend!

Schön, dass es wieder so schnell ein neues Kapitel gibt! Der Nachrichtenbeginn war sehr professionell geschrieben und hat uns Leser gleich über die neuen Verhältnisse informiert. Dass daraufhin eine Diskussion unter den Polizisten, inklusive Lights Vater folgt, erinnert mich stark an den ersten Band, als wir dort auch eine Besprechung zu lesen bekamen – eine mögliche Inspiration? ;-)

Nun, die Situation unter den Polizisten hast du sehr realistisch dargestellt: Dass sie wütend auf L sind, weil der ihnen keine Informationen gibt, kann ich sehr gut nachvollziehen. Besonders sticht die Charakterisierung Kitamuras ins Auge, an den ich mich nur verschwommen erinnern kann, den du aber bereits in dieser kleinen Szene durch nette Details zu einem lebendigen Charakter gemacht hast – gerade im Angesicht der Tatsache, dass Kitamura aufgrund seines Ruhestands wohl nicht mehr auftreten wird, ist das eine ungewöhnliche Leistung! Kitamura wirkte für mich sehr sympathisch und ich konnte seine Sichtweise sehr gut verstehen.

Die nächste Szene, die aus der Sicht Aizawas erzählt wird, war ebenfalls bemerkenswert. Aizawa verließ das Polizeiteam ja, um sich um seine Familie zu kümmern, da eignet er sich gut als Sichtcharakter, finde ich. Seine Unterhaltung mit Matsuda war humorvoll und traurig zugleich, wenn man daran denkt, dass die fröhliche Fassade Matsudas nur gespielt sein könnte - ob wir dessen Sicht auch mal lesen? Auch ich kann übrigens – wider besseren Wissens? – nicht glauben, dass der Kira-Fall tatsächlich abgeschlossen sein soll, es ist so unwirklich.

Die Fröhlichkeit findet durch das Erwähnen von Ukita ja schnell ihr Ende. Kira mag besiegt sein, aber Opfer hat es gekostet. Aus der Perspektive Matsudas, der Misa, Ukitas Mörderin, mochte, habe ich es noch gar nicht betrachtet und muss sagen, dass ich sie sehr faszinierend finde! Doch trotz dieser traurigen Gedanken muss ich zugeben, dass ich die Niedergeschlagenheit Aizawas nicht richtig spüre, weil es für mich überhaupt nicht so wirkt, als würde die Welt im Chaos versinken …

Bezüglich Nori danke ich dir für die Information im Anhang – ich wusste zwar, dass Misa eine Freundin hat, aber ihr Name war mir entfallen. Ihre Fassungslosigkeit hast du fantastisch porträtiert, ihren festen Glauben an Misa, ihre Angst – und was ich eben nicht fühlte, fühle ich jetzt: Kira mag besiegt sein, aber das heißt nicht, dass es allen gefällt und es heißt auch nicht, dass die Welt in Ordnung ist.

Die letzte Szene war wie die Noris kurz, aber sie hat gereicht, um die Gefühle Soichiros den Lesern nahe zu bringen. Light ist tot, Light war Kira – doch um seiner Familie willen lügt Soichiro. Die Trauer um den verlorenen Sohn wird bei Frau und Tochter bleiben, aber sie wird nicht durch die Wahrheit überschattet. Meiner Meinung nach war es die richtige Entscheidung; manchmal sind Lügen besser als die Wahrheit.

Gespannt darauf, wie es jetzt wohl weiter gehen wird, warte ich auf das nächste Kapitel :-)
Liebe Grüße!
Tatjana

Antwort von halfJack am 31.05.2014 | 16:53 Uhr
Hallo, Tatjana.

Gewöhne dich bitte nicht daran, bei mir kann man sich leider nicht auf kontinuierliche Updates verlassen, aber das weißt du ja.

Der Beginn mit den Nachrichten ist nicht sonderlich innovativ, fürchte ich, aber es schien mir die beste Lösung zu sein, um die momentane Situation zu vermitteln und gleichzeitig an das Original anzuknüpfen. Das gesamte erste Kapitel sollte sich nach Death Note anfühlen, daher geht es hier viel um Nebencharaktere, die meines Erachtens in der Serie immer eine Menge Raum eingenommen haben, doch man hätte die doppelte Länge benötigt, um die Geschichte jedes einzelnen zu erzählen, außerdem hätte das der Dynamik der Haupthandlung geschadet. Jedenfalls besitze ich jetzt, im Gegensatz zum ersten Teil von 24/7, genügend Spielraum, um die Ereignisse so fortzuführen, wie ich sie mir ausgedacht habe. Kitamura ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich hierbei trotzdem die Gelegenheit nutzen möchte, um Dinge aufzugreifen, die sich hinter den Kulissen abgespielt haben könnten. Es gibt durchaus einige Szenen zu Kitamura, dennoch glaube ich, dass er - wie er bei dir auch nur einen verschwommenen Eindruck hinterließ - nicht sehr prägnant in Erinnerung geblieben ist. Nach Ls Tod wird er im Original nirgends mehr erwähnt und seinen Posten übernimmt Soichiro. Man weiß nicht, ob sie gemeinsam diese Stellung einnehmen, ob Kitamura versetzt oder suspendiert wurde, ob er gekündigt hat oder was auch immer. Ich wollte gern klären, was mit ihm geschehen sein könnte.

Es gab keine bestimmte Szene, an der ich mich zum Schreiben dieser ganzen Situationen orientierte, höchstens die Zeit während Yotsuba, nicht nur die Gespräche zwischen Soichiro und Kitamura, sondern auch der zwischenzeitliche Austritt Aizawas. Wobei ich an dessen Part im ersten Kapitel wohl noch arbeiten muss. Mal sehen, ob mir hierzu etwas einfällt. Danke für den Hinweis. Problematisch hieran ist, dass ich nicht erklären kann/möchte, was Aizawa zu diesen Empfindungen nötigt, weil ich dann Light erwähnen müsste. Den wiederum habe ich im Prolog ausschließlich Kira genannt und nenne ihn erst im letzten Absatz mit Soichiro explizit beim Namen. In der Situation mit Aizawa wollte ich das bewusst noch nicht tun, aber es gibt sicher ein paar andere Möglichkeiten, dessen Part ein bisschen besser zu gestalten.

Das Ermittlerteam hat nach Ls Tod im Original die ganze Welt darüber belogen, dass dieser noch leben würde. Was macht da schon diese kleine Lüge oder Halbwahrheit, die Soichiro seiner Familie erzählen muss? Am Ende des zweiten Realfilms hat er genau das getan, seiner Familie erzählt, Kira habe Light getötet. L fragte ihn vorher sogar noch, ob Soichiro diese "offizielle" Version wirklich beibehalten möchte und L entschuldigte sich sogar dafür, dass er Light nicht hatte retten können. Als Soichiro und Sayu schließlich durch den Schnee nach Hause gingen und darüber sprachen, dass nach Kiras Verschwinden alles wieder so sei wie zuvor, und Soichiro seine Tochter nach ihrer Meinung zu Kira fragte, meinte sie aufgelöst: "Er hat Light getötet!" Soichiro entscheidet sich - im Film dem Anschein nach überraschend emotionslos - für diese Lüge oder halbe Wahrheit. Wozu soll er seiner Familie auch etwas anderes erzählen? Wem wäre damit geholfen? Ich glaube wirklich, dass manche Lügen besser sind als die Wahrheit.

Vielen herzlichen Dank, wie immer, für deine hilfreiche Rückmeldung.
21.05.2014 | 19:47 Uhr
Hey liebe halfJack :)
wie du ja vielleicht noch weißt, hab ich auch schon den Vorgänger gelesen (bzw. verschlungen) und ich war so unsagbar glücklich, als ich gesehen habe, dass nun die dort angekündigte Fortsetzung da ist.
Und eigentlich, jetzt komm ich mir ein bisschen doof vor, kann ich dir auch gar nicht viel anderes sagen, was nicht bereits von meinen lieben Vorkommentatoren erwähnt wurde (zumindest was ich so flüchtig überfolgen habe), also entschuldige bitte *lieb schau*, wenn sich das Ganze jetzt noch mal bei mir wiederholt. ^^ Der Einstieg, also die ersten zwei Sätze: „Wie der Blätter Geschlecht, so ist auch das der Menschen. All die linierten Seiten des Todes, besudelt mit zahllosen Namen, wurden vom Herbstwind verweht wie das Laub des heutigen Tages.“, haben’s mir direkt angetan. In Gedanken hab ich diese Zeilen ausgeschnitten, eingerahmt und an die Wand gehängt. Ich liebe es.
Es passt übrigens auch, dass wir uns im November befinden. Dieser Monat hat meiner Meinung nach etwas trübes, kaltes, unklares – der farbenfrohe, lauwarme Herbst ist weg, der Winter aber noch nicht ganz da, so irgendetwas dazwischen.
Bei der nachfolgenden Hinrichtungsszene ist es mir eiskalt den Rücken heruntergelaufen. Es muss schrecklich sein: Das ewige Warten auf den Tod, aber auch der Moment der Tötung (und dann noch Drosselhängung – grausam), und die Stelle *schluck* hast du verdammt gut beschrieben. Du hast mich vollständig abgeholt und in die Szene hineingesetzt, als würde das mit Kira tatsächlich vor meinen Augen passieren, obwohl ich irgendwie geahnt hatte bzw. wusste, dass es sowas wie ein Traum sein musste. Jedenfalls fand ich den Prolog sehr gelungen, hab persönlich absolut nichts vermisst, und bin total gespannt, wie es weitergeht. Ich freue mich schon auf ein neues Kapitel, ganz gleich, wie lange ich darauf warten muss.
Bis dann und liebe Grüße
Lumi

Antwort von halfJack am 23.05.2014 | 18:14 Uhr
Hallo Lumi,

natürlich weiß ich noch, wer du bist. So viele Leser habe ich nun nicht, dass ich mich nicht an fast jeden erinnern könnte. ^^

Eigentlich hoffte ich, man würde nicht allzu verwirrt sein und den Sprung in die Vergangenheit erkennen, denn im Prolog schildere ich eine Szene, die noch vor dem Epilog des vorigen Teils spielt. Einerseits passiert das hier also mehr oder weniger wirklich. Light, eingesperrt in eine Zelle, erfährt als Albtraum seine eigene Hinrichtung. Für mich stellt das eine erste Katharsis (also quasi eine durch die Illusion der Todesstrafe vollzogene Reinigung) dar, wie das Fegefeuer, das man durchlebt, bevor man sich vor dem Jüngsten Gericht für seine Vergehen verantworten muss. Light soll schließlich Buße tun, deshalb ist meines Erachtens gleich zu Beginn eine Darstellung all seiner abgründigen Gedanken und eine erste innere Bestrafung vonnöten. Sein eigener Verstand kann ihn mehr strafen als irgendjemand sonst.

Es wird, wie schon angekündigt, bei dieser Fortsetzung leider wieder länger mit den Updates dauern. Hier geht es mir wie beim Vorgänger: ich habe seitenweise Konzept und bereits komplett fertiggestellte Kapitel, aber bis dorthin muss ich erst mal kommen. Wahrscheinlich werde ich erst gegen Ende alles in einem Rutsch und zügig fertigstellen können. Lustigerweise schrieb ich einige der kommenden Szenen bereits, als ich noch an "Zwischen den Zeilen" arbeitete, was ein wenig merkwürdig war, weil ich mich dort noch voll und ganz emotional auf Ls Ableben eingestellt habe. Der Prolog hier sollte eine Ähnlichkeit zum mittlerweile hinzugefügten Prolog des ersten Teils aufweisen und gleichzeitig eine Anlehnung an Ls vermeintlichen Tod darstellen, den ich ebenfalls schilderte, als geschehe er tatsächlich. Denn so interpretiere ich beider Standpunkt zum eigenen Ableben. L, der mit seinen Gedanken bei der Erkenntnis über die Richtigkeit seines Verdachts ist, ohne offensichtliche Furcht vor dem eigenen Tod zu haben. Und Light, der seinen Tod nicht akzeptiert, Widerwillen zeigt und immer noch davon ausgeht, er sei unsterblich.
20.05.2014 | 22:10 Uhr
Da bin ich wieder, schon wieder. Ich hoffe, du gruselst dich nicht allzusehr davor, zukünftig zu jedem deiner Kapitel meine Gedanken hören zu müssen. Mir käme es wie eine Strafe vor.
Ich muss gestehen, dass ich beinahe das unheimliche Gefühl habe, dass du einen direkten Zugang zu meinen schlimmsten Ängsten hast. Ich habe dir über "Grab in dir" geschrieben, dass das Lebendig-Begraben-Werden eine meiner schlimmsten Ängste ist, wenn auch eine irrationale, die zweite und letzte in dieser Kategorie ist die Todesstrafe. Ich schätze, es liegt an ihrer kalt-bürokratischen Natur, die ich nicht mit dem höchstpersönlichen und emotionalen Moment des Sterbens, vielmehr des Getötet-Werdens, übereinbringen kann und die mich daher so sehr abstößt. Wie immer habe ich mir auch meine Vorrednerinen durchgelesen, allerdings verstehe ich diesen Prolog, so vollkommen ohne den künftigen Zusammenhang, als genau eben dieses Warten, das dort vermisst wird. Dadurch, dass ich die Vorgeschichte gelesen habe war mir natürlich klar, dass es sich bei dem Beschriebenen nicht um die Wirklichkeit, sondern um eine Fantasie oder einen Traum handeln muss, der aber durch dieses Wissen nicht an Schrecken verliert, auch weil die Detailliertheit der Darstellung mich dann doch für einige Momente hat zweifeln lassen.
Wie genau sich das an die Vorgeschichte anschließt, ist mir noch nicht ganz klar, aber ich bin geduldig und vertraue dir.
Die Konsequenz von Lights Überheblichkeit ist wirklich erstaunlich. Selbst die Tatsache, dass die Hinrichtung durch eine Drosselhängung stattfindet (was für eine Grausamkeit) wirkt, als glaube er selbst in diesem Augenblick noch an sein Überleben. Das ist wahrhaft krankhaft. Es ist keine Hoffnung, das wäre ja menschlicher, er ist tatsächlich in dem Moment von seiner Unsterblichkeit überzeugt, die er irgendwie vollkommen fehlinterpretiert. Er ist ja vielleicht unsterblich, weil die Menschen für immer von ihm sprechen und sein Ideal weitertragen werden, wie wir es im Epilog des Mangas sehen, aber das geht ja nicht einher micht dem Nicht-Sterben-Können im physiologischen Sinne. Sonst ist er doch so klug, warum nur vergisst er dann, dass wir Unsterblich werden können erst durch unser Ableben?

Mir gefiel der Einstieg; nicht nur der erste Satz mit dem allgegenwärtigen Thema der Vergänglichkeit, sondern auch, dass du das hässlichste Geschicht Kiras noch mal beschworen hast, dass L am Ende von "Zwischen den Zeilen" hat sehen wollen. Hätten wir einen Einstieg mit dem halben, kiralosen Light, dann hätte man es fast vergessen können.
Das Grauen der Hinrichtung hast du übrigens weniger schlimm beschrieben, als es möglich gewesen wäre. Ich persönlich bin darüber ausgesprochen froh, da das meine Nerven wohl sehr, sehr strapaziert hätte.
Das Was-ist-hier-nur-los-Gefühl bleibt natürlich dennoch am Ende, aber ein bisschen Spannung tut ja auch immer gut. So kann dir immer jemand schreiben: Schreib schnell weiter.

Antwort von halfJack am 21.05.2014 | 13:57 Uhr
Eine Strafe, hm? Könnte zum Teil hinkommen, andererseits grusele ich mich nicht, sondern freue mich über jede deiner Reflektionen. Das einzig Strafende sind meine Zweifel und Unsicherheiten.
Einiges habe ich bereits den Vorrednern geantwortet, darum wäre es blöd, wenn ich wie eine Kuh meine Gedanken wiederkäue und dir vor die Füße spucke. Ich finde es schon mal krass, dass du dir die Mühe machst, mir eine Rückmeldung auf so ein kurzes Stück Text zu geben, das bislang noch dazu fast gar nichts aussagt. Mir würde es nichts ausmachen, würdest du dir erst mal ein paar Kapitel ansparen und dann lesen. Für mich ist es nur hilfreich, sofort zu wissen, welche Gedanken eine Szene auslöst und ob ich vielleicht in der nächsten auf etwas, das vorher nicht ganz klar geworden ist, näher eingehen und es erklären soll.

Die Todesstrafe. Hier ist es Erhängen, weil das in Japan praktiziert wird. Aber am schlimmsten finde ich komischerweise die Vorstellung der Todesspritze. Mehrere Kolben, die mit einem sanften Geräusch nach unten gleiten, eine Injektion davon tödlich und dieses flüssige Etwas, das ungefährlich erscheinend in den Körper eindringt. Angsteinjagende Vorstellung. Obwohl wohl am schrecklichsten ist, wenn die Angehörigen der Opfer, also diejenigen, die einen tot sehen wollen, der Hinrichtung beiwohnen dürfen. Das ist meiner Meinung nach am erniedrigendsten, direkt vor deren Augen zu sterben.
Es stimmt, die Hinrichtung hätte ich grauenvoller beschreiben können, zumal ich so etwas sehr gern schreibe, aber das käme mir wie unnötige, unpassende Effekthascherei vor.
20.05.2014 | 07:08 Uhr
Hallo!

Wie bereits die Vorreviewerin würde ich gerne wissen, ob/was diese FF mit „[24/7] Zwischen den Zeilen“ zu tun hat ^^ So oder so lese ich sie natürlich sehr gerne!

Der erste Satz „Wie der Blätter Geschlecht, so ist auch das der Menschen“ hat sehr zum Weiterlesen angeleitet, weil man (oder zumindest ich) sofort wissen will, was genau damit ausgedrückt werden soll. Dem nachfolgenden Satz zu schließen, soll damit gesagt werden, dass das Leben der Menschen ebenso leicht vergehen kann wie ein Blatt, das von seinem Zweig gerissen wird. Wie wahr, wie wahr ...

In den nachfolgenden Absätzen hast du Lights Gedankenvorstellungen hervorragend herausgearbeitet, wie er die meisten Menschen als Abschaum und sich selbst als Gott betrachtet. Umso mehr hat mich der Satz „Denn die Todesgötter verrieten ihn und statt seiner gewann L den Kampf“ überrascht, weil ich nach den Ausführungen über die menschliche Gesellschaft zunächst einmal erwartet hätte, dass Light gewinnt und außerdem, dass der Gewinn vielleicht noch gar nicht feststeht. Nun, auf jeden Fall wird dafür schnell klar, dass du hier eine „Was wäre, wenn …?“-Geschichte schreibst, was eine Idee ist, die mir immer sehr gefällt!

Wie auch die Vorreviewerin schon sagte, stelle ich es mir schrecklich vor, auf die Todesstrafe zu warten. Es kann jederzeit passieren und doch wartet man viel zu lange. Dieses Warten muss einen wahnsinnig machen. Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass dieses Warten, das beinahe schlimmer ist als die Todesstrafe selbst, näher geschildert worden wäre, als gleich zum Tag der Hinrichtung zu springen. Zwar war auch dieser so spannend beschrieben, dass ich mir unwillkürlich gewünscht habe, dass Light entkommt, aber wäre vorher auch das Warten beschrieben worden, wäre die Szene sicher noch spannender gewesen ;-) Oder ist Lights Überzeugung, unsterblich zu sein, tatsächlich so groß, dass er keine Angst verspürt?

Und dann – wie die Hinrichtung einfach mal durchgeführt wird und Light am Leben zappelt! O__O Gott, das war sehr spannend beschrieben, vor allem durch Lights Reaktionen nach dem Fallen. Ein wenig betrogen kam ich mir deshalb vor, als sich das alles nur als Traum herausstellte … so, wie es aussieht, wird die Todesstrafe dann eben jetzt (bzw. im nächsten Kapitel) durchgeführt, aber man weiß als Leser ziemlich sicher, dass sie nicht so ablaufen wird im Traum. Mal schauen, was du daraus machst …

Liebe Grüße,
Tatjana

Antwort von halfJack am 21.05.2014 | 13:26 Uhr
Oje. Das habe ich wieder hervorragend hinbekommen. Einen Anfang geschrieben, mit dem man nichts anfangen kann.
Mittlerweile steht im Kommentar oben der Hinweis, dass es sich um die Fortsetzung handelt, aber ich verstehe natürlich, dass dieser Prolog bis zu diesem Punkt verwirrend klingt. Vor dem Hochladen habe ich ihn erst einer Person zu lesen gegeben, die wusste, dass es sich um den zweiten Teil von 24/7 handelt, und bei ihr hat das keinerlei Verwirrung gestiftet. Deshalb war ich zuversichtlich und dachte, man würde das ohne Hinweis sofort schon allein am Titel erkennen. Sorry. ^^°

"Wie der Blätter Geschlecht, so ist auch das der Menschen." Das ist ein abgewandeltes Zitat aus der "Ilias" (oder "Odyssee"?) von Homer. Je nach Übersetzung verändert sich dieser Satz natürlich, aber ich behielt ihn in dieser Formulierung im Gedächtnis. Vielleicht war das die erste Erwähnung eines solchen Vergleiches, aber ich würde nicht auf ein einziges Werk verweisen, da ich weiß, dass sich davon über die Jahrhunderte zig Variationen entwickelt haben. Es geht in der Tat um die Flüchtigkeit des menschlichen Daseins. So schnell sie dem Zweig entwachsen, so schnell verwehen sie auch. Gerade diese Metaphorik wollte ich verwenden, weil "Blätter" gleichzeitig ein Synonym für die Seiten des Death Notes sein können.

Der zu Anfang erwähnte fünfte Tag im November verändert sich während des gesamten Prologs nicht. Ich springe demnach in der Zeit ein wenig in die Vergangenheit und das, was im Epilog von "Zwischen den Zeilen" passierte, ist hier noch nicht geschehen. Deshalb kann ich schwerlich eine lange Wartezeit in der Todeszelle beschreiben, weil diese gar nicht stattfindet und Light nur einer kurzen Wahnvorstellung erlegen ist. Einige andere Überlegungen habe ich unten bei der Antwort auf deine Vorreviewerin formuliert. Bevor ich mich wiederhole, verweise ich lieber darauf. Wäre das hier ein One-Shot und kein Prolog, dann auf jeden Fall. Eine ellenlange Beschreibung des Wartens würde meines Erachtens aber zu sehr an den Prolog von "Zwischen den Zeilen" erinnern, was übrigens Absicht ist, dass die Situation in beiden Anfängen einander ähnelt. Lang und breit auf verschiedene Hinrichtungen oder eben die Warterei einzugehen wäre als Prolog meines Erachtens jedoch ein Fehlgriff, zwar interessant zu lesen, aber das Augenmerk würde damit vom eigentlichen Thema abgelenkt werden. Deswegen habe ich mich recht schnell dagegen entschieden, sonst würde man sich nur fragen, inwiefern der Prolog dem Rest zuträglich ist oder ob er nicht einfach nur übertrieben abschrecken und dem Leser Angst einflößen soll.

Im nächsten und übernächsten Kapitel sollte sich das alles klären, hoffe ich.
Danke für dein Review, du bist immer so schnell und ausführlich und bleibst stets am Ball, selbst wenn ich mal monatelang nichts von mir hören ließ. o.o
BlackGengar (anonymer Benutzer)
20.05.2014 | 00:27 Uhr
Hallo halfJack,

vor ein paar Tagen habe ich Death Note wieder für mich entdeckt. In dem Zusammenhang habe ich mich heute(!) mit der Todesstrafe in Japan auseinandergesetzt. Was ein Zufall, dass du ausgerechnet jetzt anfängst diese Story hier zu posten!

Besonders grausam finde ich in dem Zusammenhang, dass die Verurteilten oft Jahre lang sozial isoliert auf ihre Hinrichtung warten müssen und häufig erst kurz vorher davon erfahren. So müssen sie eventuell über Jahre in permanenter Todesangst leben. Kiras/ Lights Traum von seiner Hinrichtung bietet einen sehr interessanten Zugang zu dieser Problematik. Häufig hat man bei den Autoren hier das Gefühl, dass sie sich nicht besonders intensiv mit dem Umfeld, in dem die Ausgangsgeschichte spielt, auseinandergesetzt haben. Diese FFs müssen deswegen nicht schlecht sein. Umso erfrischender ist es aber, etwas von jemandem zu lesen, der/die sich offensichtlich gut informiert hat.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und was du aus dieser Ausgangssituation machst!

Zwei Fragen an dich:
1) Ich muss gestehen, dass mir Walt Whitman unbekannt ist. Wer war/ ist das und woher stammt das Zitat?
2) Was hat diese Story mit deiner andern FF "[24/7] Zwischen den Zeilen" zu tun?

Viele Grüße
Kati

Antwort von halfJack am 21.05.2014 | 04:27 Uhr
Hallo BlackGengar und vielen Dank für deinen Kommentar, auch wenn ich offenbar Verwirrung gestiftet habe und nun Gefahr laufe, dich mit meiner Antwort und der Aussicht auf das Kommende zu enttäuschen.

Mit der Todesstrafe in Japan habe ich mich bereits vor mehreren Monaten auseinandergesetzt; es ist ein genauso interessantes wie grausames Thema, aber meines Erachtens gehört es zu Death Note einfach dazu, weil L gleich mit seiner Ansprache im Fernsehen beim ersten Aufeinandertreffen mit Kira diesem prophezeite, ihn zum Schafott zu führen. So wie ich das sehen, war das natürlich nur eine übertriebene Provokation, weil sich L lediglich für den Fall und dessen Lösung interessiert und keinesfalls die Rolle der Exekutive übernehmen möchte.
Einige Menschen nehmen die Todesstrafe womöglich als rückschrittlich wahr und fragen sich, wie die USA oder auch Japan sie noch praktizieren können. Andererseits ist es in Hinblick auf die absolute Disziplin der Japaner gar nicht so verwunderlich. Auch die japanische Polizei geht mit Delinquenten nicht gerade pfleglich um, wohingegen ein Vollzugsbeamter bei uns in Deutschland schon längst eine Klage wegen Handgreiflichkeit am Hals hätte.
Okay, bevor ich nun weiterschreibe, komme ich erst einmal zu dem Punkt, bei dem ich befürchte, dich enttäuschen zu müssen: diese Geschichte wird nämlich nicht davon handelnd, wie sich Light im Todestrakt befindet. Das halte ich ohnehin für unwahrscheinlich. Ryuk hat ihm angekündigt, er würde Light aufschreiben, wenn dessen Zeit gekommen ist, also sobald er verloren hat. Er würde sich nicht ewig damit aufhalten, bei ihm bleiben zu müssen, bis das Urteil vollstreckt wird. Zum Zweiten würde Kira nicht nach japanischem, sondern nach Völkerstrafrecht verurteilt werden, demnach müsste Interpol darüber entscheiden, nicht die NPA. Die Vorstellung der Todesstrafe in Japan finde ich furchtbar, weshalb ich mich für sie entschied, zumal Light selbst Japaner ist. Aber gibt es bei einer Tötung überhaupt ein "menschlich" oder weniger "furchtbar"? Das Resultat ist schließlich dasselbe und es ist in jedem Fall schrecklich. Ich habe anfangs mit dem Gedanken gespielt, Light immer wieder hochschrecken und zur nächsten Hinrichtung führen zu lassen, elektrischer Stuhl, Gaskammer, besonders die Giftspritze hätte mich gereizt. Ich schweife ab... es wäre bestimmt interessant, eine solche Geschichte zu schreiben, doch das hier ist nur ein Prolog für eine alternative Version, in der Light im Kampf gegen L nicht gewinnt. Der Rest wird sich im nächsten und übernächsten Kapitel klären. Falls dich das dann nicht mehr interessiert, weil es nicht deinen Erwartungen/Hoffnungen entspricht, dann danke ich dir trotzdem sehr für deine jetzige Stellungnahme.

Zu deinen Fragen:
1) Walt Whitman ist einer meiner Lieblingsdichter und das will schon etwas heißen, weil ich Gedichtbände sehr gern lese und er neben Charles Baudelaire und Paul Celan ganz oben bei meinen Favoriten mitspielt. Er ist ein amerikanischer Lyriker des 19. Jahrhunderts. Das Zitat stammt aus seinem Hauptwerk "Grashalme (Leaves of Grass)". Ich kenne Whitman seit dem Film/Buch "Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society)". Mir ist letztens erst überraschenderweise eine Fernsehwerbung aufgefallen, in der ein Tonausschnitt dieses Films eingespielt wurde, ebenfalls ein Zitat aus einem Whitman-Gedicht, von dem ich eine Zeile besonders mag, die ich mal aus meiner Erinnerung wiederzugeben versuche: "Was nützt dieses Leben? Damit das Spiel der Mächte weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst."
2) Mit "Zwischen den Zeilen" hat diese Fanfiction so viel zu tun, dass dies hier die Fortsetzung und jenes die Hinleitung zur hiesigen Situation ist. Der Schwerpunkt ist allerdings unterschiedlich. In "Zwischen den Zeilen" habe ich die Gefangenschaft mit den Handschellen aufgegriffen, immerhin werden im Original zwei Monate von einer Seite auf die andere unter den Tisch fallen gelassen. Dafür passiert dort nicht sonderlich viel, stellenweise ist es fast schon eine wissenschaftliche oder ethische Abhandlung und erst zum Schluss kommt es zu einem Umbruch. Sicher ist das nicht der einzige Inhalt, aber ich kann nicht einschätzen, inwiefern das entnervend sein könnte. "Jenseits verkehrter Wahrheit" weicht hingegen vom Original ab und wird einige Krimi- und Thrillerelemente enthalten. Dennoch setze ich darauf, dass man es davon unabhängig verstehen kann. Hoffe ich zumindest.

Dein Review hat mir jedenfalls gezeigt, wie man diesen Text wahrnimmt, wenn man den Zusammenhang zum Vorgänger nicht kennt. Ein Einblick, der für mich wirklich hilfreich ist.
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