Autor: Kailyn
Reviews 1 bis 8 (von 8 insgesamt):
20.08.2014 | 23:22 Uhr
zu Kapitel 7
Hallo,

normalerweise bin ich niemand der Reviews schreibt aber bei diesem Text muss ich mich äußern.

Ich ziehe den Hut für diese fantastische Abhandlung und zolle dir den allerhöchsten Respekt für deine Fähigkeit, das Ganze auch noch so neutral und tolerant zu betrachten.

Ich selber bin mit Hunden groß geworden, u.a. ausgebildete Schäferhunde die zur Bewachung von Gewerbe da waren (Nur Nachts, tagsüber ganz normal ins Familienleben intgriert) und bin ein kleiner Fan von Martin Rütter, auch wenn es eher seine Betrachtung und Charakterisierung von Hundemenschen betrifft. Ein großer Fan bin ich von seinem Kommentar zu den Listenhunden.

Aber das ist hier nicht Thema, nochmals "Hut ab" und ich freue mich auf weitere Teile

VG Maike
03.04.2014 | 13:46 Uhr
zu Kapitel 6
Ich kann mich Barghest nur anschließen :) Toller Beitrag, auch wenn er noch nicht fertig ist.
Er regt dazu an, auch das eigene Verhalten seinem Hund gegenüber immer wieder neu zu betrachten. Wo hat man wie reagiert. Und auch mediales Material zu hinterfragen (sollte man ja immer).

Durch den engen Kontakt zu anderen Hundeführern aus dem jagdlichen Bereich kommt mir da ja schon einiges unter. Sehr viel alte Schule und erschreckend wie wenige dieser Leute die Beschwichtigungszeichen ihrer Hunde erkennen. Nein, ich habe mir im Hundeführerkurs wenig Freunde gemacht :)

Ich bin sehr gespannt auf die noch kommenden Themen :)

Grüßle, Eselchen
Jericho1811 (anonymer Benutzer)
31.08.2014 | 08:24 Uhr
zu Kapitel 5
Hallo zusammen,

also die Ausarbeitung an sich ist wirklich sehr ordentlich und doch halte ich manche Ansichten für befremdlich.

Cesar Milans Methoden, in einem Land wenn man sich auf die Dokumentation "Earthlings" beziehen darf - das Gaskammern bei Strassenhunden einsetzt, in Brennpunktgebieten "Hundekämpfe" als Gangbelustigung durchgeführt werden und zig tausend Hunde eingeschläfert werden oder sogar erschossen denke ich das Cesar Milan Pionierarbeit leistet zum Thema Tierschutz und vor allen Dingen den Amerikanern das THema viel Näher ans Herz legt als bisher dagewesenes.

Wenn ich recht informiert bin und das habe ich aus geeigneter QUelle ist Belgien doch das Land was die meisten Preise und Auszeichnungen erhält was Hundeerziehung betrifft. Seltsam das dort immer mit diesem Elektrohalsband gearbeitet wird. Da ich auch kein Freund von dieser Art Erziehung bin, hab ich mich mal mit entsprechenden Personen unterhalten. So z B mit jemand von der Hundestaffel der belg. Polize Hier wurde mir ein Argument entgegengesetzt was ich nachvollziehen kann...Wenn der Hund im Jagdttriebmodus einem Flüchtigen hinterherrennt und dieser beispielsweise Richtung Bahnhosgleise oder AUtobahnen läuft, wird der Hund auch zu einer Gefahr für andere Bürger. Ohne den Einsatz eines Elektrosignals das ihn stoppt nicht weiterzulaufen kann ihn nichts aufhalten gerade auf distanz den Flüchtigen zu stellen. Wenn man ihn dort nicht schützt, könnte er selbst überfahren werden oder es sogar zu großen Unfällen kommen. Dies nur mal als Extrembeispiel...

Extrem ist das richtige Wort bei dem ich an Cesar anknüpfen will. Meist handelt es sich bei Cesars Fällen um sogar aggressive Hunde mit denen sich hier niemand abgeben würde. Ich finde falsch zu sagen das ein Hund ein Leben lang gehemmt werden muss wenn es um den Schutz vor Einschläferung geht. Man könnte eher sagen das einen Zeitraum lang, Methoden entwickelt werden die später nicht mehr notwendig sind um den Hunden ein neues Leben zu gewähren und nicht länger als Notwendig. Wenn hier jemand etwas falsch macht, dann wird er ebenfalls dafür bestraft. So übernimmt er die Methode aus der TIerwelt. Diese ist entgegen der theoretischen Verhaltensforschung wohl nicht zu verkennen und vor allen Dingen funktioniert es in der Praxis. Ich habe soviele Folgen von Cesar gesehen, das ich zumindest keine übertriebene Gewalt feststellen konnte. Auch das E-Band wird nur sehr selten eingesetzt und ist mir richtiger BEdienung auch nicht wirklich schmerzhaft. Das Resozialiesieren ist nach meiner Meinung wertvoller für ein lebendes Wesen als der TOd. Der elektrische Weidezaun wird auch nicht kritisiiert.

Ich glaube Cesar Milan sogar und traue ihm zu das er andere Methoden anwenden würde wenn in seinem Land nicht derart drastisch gegen die Vierbeiner bei Fehlverhalten vorgegangen würde. Ich würde hier gerne mal jemand sehen der es besser macht und sich damit auch noch in die Öffentlichkeit begibt um sich dauernd unter die Lupe legen zu lassen.

Ganz schlimm und das gilt jetzt nicht für hier ist diese krankhafte Hetze ohne Anerkennung das sich der Mann mit seinem Leben den TIeren widmet und das als Migrant. Diese Arbeit würden hier die wenigsten machen wollen und selbst dabei noch 30 Hunde bei sich zu Hause versorgen. Fehlerlos ist Cesar bestimmt nicht, doch ist er meiner Meinung nach tierlieber als die meisten seiner Kritiker und die können ja auch mal selbiges Publik machen und ihre Methoden der Welt nahe bringen. Nicht zur Erziehung sondern zur Resozialisierung. Das wird einfach zu oft vergessen zu erwähnen bei all den Korrekturen die man ihm entgegenbrettert

Antwort von Kailyn am 01.09.2014 | 13:23:26 Uhr
Hallo,

bis zu welchem Kapitel hast du die Abhandlung gelesen? Einige deiner Argumente werden bereits angeführt und schlüssig zerschlagen.

1. Das Argument, die Hunde würden ansonsten getötet.
Das stimmt nicht (zwangsläufig). Es gibt nirgendwo einen stichhaltigen Beweis, dass Cesar Millan Hunde vor dem Tod gerettet hat. Im Gegenteil, sehr oft handelt es sich um Hunde aus dem Tierschutz, die vertraglich bedingt in die entsprechende Tierschutzeinrichtung zurückgegeben werden müssen. Sie dürfen gar nicht an ein Tierheim ausgehändigt und dort getötet werden.
Weiterhin handelt es sich zum größten Teil auch um Hunde, die in nicht geeignetem Umfeld gehalten werden - zum Beispiel Huskys in winzigen Wohnungen (mit faulen Besitzern) und dergleichen. So gesehen also keine Problemhunde an sich, sondern Hunde, die unter geeigneten Umständen keine der vorher gezeigten, problematischen Verhaltensweisen zeigen würden.
Cesar Millan bewahrt Hunde nicht vor dem Tod, wenn er sie im Gegenzug misshandelt und so riskiert, dass sie sich irgendwann wehren, beißen und dann erst recht eingeschläfert werden. Dies bringt mich auf den Hinweis, sich die Staffeln von Dog Whisperer komplett anzusehen. In jeder Staffel gibt es mehrere Hunde, bei denen Cesar Millan später darauf hinweist, dass die Hunde eben doch eingeschläfert wurden (bitte dafür die Original-Folgen sehen, die Folgen auf Sixx sind geschnitten), zum Beispiel, weil sie später Menschen gebissen haben.
Erst kürzlich ließ Cesar Millan eine ihm anvertraute Deutsche Dogge, von der er wusste, dass sie problematisch ist, ohne jede Sicherung frei laufen. Sie trug weder Maulkorb, noch eine Leine. Die Dogge biss einen Nachbarn ins Krankenhaus. Nach amerikanischem Recht darf die Dogge eingeschläfert werden und das, obwohl sie sich zum Zeitpunkt des Übergriffs in Cesar Millans Hand befand. Millan hat den Tod des Tieres riskiert, indem er verantwortungslos gehandelt hat (der Vorfall ist dokumentiert und keine Behauptung).
Die Hündin "Holly", die in einer Folge der Show gezeigt wird, wurde von ihm übernommen. Seit geraumer Zeit gibt es Hinweise darauf, dass sie in Millans Obhut einen Mitarbeiter ins Gesicht biss, weil dieser (unter Millans Anleitung) Trainingsmethoden, die auf negativer Verstärkung beruhen, angewandt hat. Cesar Millan hat angeblich die Einschläferung von Holly bewilligt. Auf Fragen zum Sachverhalt äußern sich weder Millan, noch sein Management.

Auch interessant ist, dass ihm immer wieder "Pionierarbeit" im Bezug auf Listenhunde zugesprochen wird. In einem Statement von ihm heißt es: "First of all, pit bulls are dogs first. They're not wild animals; they're domestic dogs like any other domestic dog."
Ein anderes Zitat von ihm lautet aber: "Yeah, but this is a different breed... the power that comes behind bull dog, pit bull, Presa Canario, the fighting breeds - They have an extra boost, they can go into a zone, they don't feel the pain anymore. He is using the bulldog in him, which is way too powerful, so we have to "make him dog" so we can actually create the limits. So if you're trying to create submission in a fighting breed, it's not going to happen. They would rather die than surrender. If you add pain, it only infuriates them... To them pain is that adrenaline rush, they are looking forward to that, they are addicted to it... That's why they are such great fighters."
Dorit Feddersen-Petersen ist weltweit anerkannte Expertin und Sachverständige für Listenhunderassen. Ihre Erkenntnisse widerspricht Millan in seinem letzten Zitat vehement (und sicherlich auch ein Großteil der Halter dieser Rassen - ich selbst habe einen Pitbullmischling).

Die einzige Pionierarbeit, die Cesar Millan gerade in Amerika geleistet hat und die ich ihm nicht absprechen will, ist:

- Adopt, don't shop. Aufklärungsarbeit zu sogenannten Puppy Mills, Pet Shops und Hinterhofzüchtern.
- Hunde sind Hunde, keine Menschen.
- Hunde brauchen Auslauf (exercise) und klare Regeln (discipline). Diese Komponenten sollten nicht unter (falscher) Zuneigung und Vermenschlichung leiden.
- Menschen sollten den Hund bekommen, den sie brauchen, nicht den, den sie wollen (im Bezug drauf, sich den richtigen Hund für die eigenen Lebensumstände zu suchen. Wer einen Husky kauft und sportfaul ist, macht einen Fehler).


2. Das immer wiederkehrende Argument, die Hunde in Cesars Show seien besonders aggressiv.
Noch einmal: NEIN. Es handelt sich um 0815-Fälle, deren angebliche Aggressionen immens aufgebauscht werden. Durch Filmtricks, durch Cesars Behauptungen und auch durch Provokation. Es ist kein Geheimnis, dass viele der Hunde lange gereizt wurden, bis sie für die Kamera das entsprechend aggressive Verhalten gezeigt haben. Dies belegen Augenzeugenberichte von Kunden aus der Show, aber es gibt auch Folgen, in denen man das sehen kann. Als Beispiel noch einmal der blonde Mischlingsrüde, den Cesar für sein eigenes Rudel gekauft hat und den er an einem Stachelhalsband an einem Rottweiler vorbeiführte und das so lange immer wieder, bis der Rottweiler schließlich ausrastete. Viele Hunde, die früher von Millan trainiert wurden und bei denen seine Methoden nicht das gewünschte Ergebnis gezeigt haben, werden heute von Trainern wie Victoria Stilwell erfolgreich und positiv trainiert. Sehr viele Promis, die früher Millans Aushängeschild waren, darunter unter anderem Oprah Winfrey, Eva Mendes oder Anne Hathaway, haben sich ebenfalls von Millan losgesagt und trainieren heute unter der Anleitung von Tamar Geller, ebenfalls durch Positive Reinforcement.
Durch das Wissen über operante Konditionierung nach Skinner und den aktuellen, neurobiologischen Erkenntnissen sollte zudem bekannt sein, dass durch negativen Stress ausgelöste Synapsenblockaden ein Lernen durch positive Strafe und negative Verstärkung stark erschwert, beziehungsweise teilweise sogar völlig gehemmt wird. Diese beiden Quadranten haben ihre Daseinsberechtigung höchstens in Extremsituationen (zum Beispiel wenn ein Hund ein Kind beißt oder dergleichen), wenn es darum geht, jetzt und gleich Individuen vor Schaden zu bewahren, im Traingsprozess selbst haben sie jedoch nichts zu suchen.

3. Cesar übernimmt Methoden aus der Tierwelt.
Das tut er nicht, beziehungsweise kaum. Tiere erziehen sich nicht ausschließlich über Strafe. Die sozialen Verbände von beispielsweise Wölfen beinhalten ein absolutes Minimum an Strafen. Rangordnungskämpfe kommen so gut wie nie vor und wenn, dann ausschließlich zwischen nicht-verwandten Tieren. Das Rudel selbst ist ein Familienverband. Wölfe sind äußerst kooperative, kaum aggressive Tiere.
Hunde bilden ohne den Menschen nur lose Verbände. Regeln sind fluktuativ und nicht klar abgesteckt.
Von Natürlichkeit kann aber keine Rede sein, wenn Hunde gewürgt, getreten, mit Stachelhalsbändern oder Stromhalsbändern bestraft werden und sogar Stromfußmatten zum Einsatz kommen. Das haben Tiere in der Natur alles nicht. Cesar benutzt keine Methoden aus der Tierwelt, er verwendet Starkzwangmittel. Tiere benutzen keine Starkzwangmittel. Er vergleicht Hunde außerdem mit Wölfen und kennt nur Wölfe aus Gehegehaltung.
Natürlich funktioniert Strafe. Natürlich fuktioniert es, wenn wir ein Lebewesen einschüchtern, ihm körperlichen oder seelischen Schaden androhen. Das Tier macht dadurch aber keinen Lernprozess durch und es ist die Frage, ob wir die Retourkutsche vertragen, sollte sie kommen. Denn wir gefährden nicht nur uns und das Tier, sondern auch Dritte. Wie viele Kinder wurden Opfer eines Hundebisses, weil Eltern die Kommunikation ihrer Hunde (zum Beispiel Knurren) durch Strafe gehemmt haben und verlangten, dass ein Hund sich immer alles gefallen lassen und kuschen muss? Es gibt Hunde, die sehr leicht zu beeindrucken sind. Und es gibt Hunde, die das nicht sind. Wer seinen Hund im normalen Training, so wie Cesar, buchstäblich zu Boden ringen und mit ihm körperlich kämpfen muss, hat ganz grundlegende Dinge nicht verstanden und zeigt sehr klar seine Inkompetenz. Hat er das schon einmal bei einem 90-Kilo-Owtscharka gemacht, dem er körperlich klar unterlegen wäre?

4. So viele Folgen gesehen.
Nicht genug. ;)

Hast du das Kapitel über Shadow bereits gelesen (verlinktes Video inklusive)? Er stand vor dem Ersticken. Ich werde dir in den nächsten Tagen, wenn du möchtest, eine große Sammlung Videos zukommen lassen. Ich habe einige Kollegen, die ungeschnittene Videos von Cesar Millan im Internet sammeln, da diese seit einiger Zeit immer wieder von seinem Management gelöscht werden.

5. Das Stromhalsband tut nicht weh.
Ich gehe davon aus, dass du es bereits selbst bei dir ausprobiert hast? Das Fell schützt Hunde nicht, das E-Halsband hat ja zwei Stiftkontakte für direkten Hautkontakt.
Im Internet existieren sehr viele Humanexperimente, welche die Arbeit von positiver Verstärkung und Bestrafung durch Elektroschocks miteinander vergleichen. Hier eines davon: https://www.youtube.com/watch?v=yQAayRtXkwE
Für weitere würde ich dich bitten, selbst etwas zu recherchieren. Zum Stromhalsband existieren auch wissenschaftliche Abhandlungen. Und bitte vergiss nicht: Hier in Deutschland ist die Verwendung von Elektroschockhalsbändern im Tiertraining verboten! Ganz egal, ob man mit Niedrigstrom arbeitet.

Btw: Ich bin auch kein Freund von elektrischen Weidezäunen.

5. Bitte vergleiche Diensthunde nicht mit normalen Haushunden. Die Anforderungen sind gänzlich anders. Hier in Deutschland werden auch Diensthunde ohne Stromhalsbänder geführt. Auch Jagdhunde dürfen keine Stromhalsbänder tragen.

6. Cesar Millan hatte in einer Zusammenarbeit mit Ian Dunbar die Gelegenheit, sich über positives Training mit "Red Zone Hunden" zu überzeugen. Millan hat auch eingeräumt, dass positives Training selbst bei aggressiven Hunden wunderbar funktioniert (Ian Dunbar arbeitet seit Jahrzehnten in Amerika mit Hunden). Er hat sich trotzdem dazu entschieden, straforientiert zu arbeiten. Der größte Katalysator dahinter sind traurigerweise NICHT die legalen Massentötungen von Tierheimhunden, sondern die schlichte Geilheit der Menschen nach Sensationen. Cesar Millans Show ist nur aus einem Grund derart erfolgreich: Sie wurde konzipiert und ist maßgeschneidert für Hollywoodunterhaltung. Es ist keine seriöse Show zum Thema Hundetraining oder Hundeverhalten. NG hat das Konzept der Sendung und einige vorgedrehte Folgen an Verhaltensforscher und Kynologen (zB Luescher) zur Bewertung geschickt, bevor die Show auf Sendung ging. ALLE Kynologen haben NG dringend davon abgeraten, die Show auszustrahlen. NG hat es dennoch gemacht. Und die Menschen nehmen die Show im wissenschaftlichen Kontext ernst, weil NG normalerweise für genau das steht: Gut recherchierte, fundierte Wissenschaft.

7. Beispiele für öffentliche Trainer, die es sogar wesentlich besser machen (und mit genau denselben Problemhunden arbeiten):

- Victoria Stilwell: Arbeitet mit Positive Reinforcement sowohl in England, als auch in Amerika.
- Tamar Geller: Arbeitet mit Positive Reinforcement in Amerika, unter anderem mit Prominenten und Kunden, die davor bei Millan waren.
- Nando Brown: Arbeitet mit Positive Reinforcement, sehr viel mit reaktiven Rassen wie Malinois aus Leistungszucht.
- Zak George: Arbeitet mit Positive Reinforcement, hat einen immens wachsenden Youtube-Kanal.

Das sind natürlich nur einige und nur die prominentesten, da internationale Beispiele. Ein Beispiel für deutschsprachige Trainingskollektive wären der BHV, Animal Learn oder Cumcane.

8. Nationalitäten sollten bei einer wissenschaftlichen Beurteilung keine Rolle spielen. Das tun sie bei mir auch nicht. Weder bekommt Millan von mir Pluspunkte, noch Minuspunkte, nur weil er ein Migrant ist. Sich um Tiere zu kümmern macht einen auch erstmal nicht unbedingt zu einem Tierschützer. In Schlacht- und Mastbetrieben wird sich ja auch um Tiere gekümmert. Das WIE ist das Ausschlaggebende.
Millan unterstelle ich keine schlechten Absichten. Im Gegenteil, ich glaube, der Mann liebt Hunde wirklich sehr. Leider hat der Mann aber keine Intentionen, sich fortzubilden. Was er tut, basiert auf den reinen Erfahrungen, die er auf der Farm seines Großvaters vor fast 30 Jahren gemacht hat.
Bitte gib dich nicht der Illusion hin, Millan würde sich selbst um seine Hunde kümmern. Effektiv kümmert er sich nur um einen - um Junior, den er auch auf Tournee mit dabei hat. Die Hunde in seinem Psychology Center werden von Mitarbeitern betreut und tragen flächendeckend Stromhalsbänder.

Resozialisierung setzt voraus, dass das Individuum asozial, sprich untauglich oder unempfänglich für allgemeine soziale Interaktionen und soziale Regeln ist. Ein simples Fehlverhalten braucht keine Resozialisation. "Resozialisation" klingt nur schön und soll zweifelhafte Praktiken rechtfertigen. Ein asozialer Hund gliedert sich nicht von allein in eine soziale Gruppe ein und passt sich auch nicht deren Regeln an. Hunde, die eine Resozialisation brauchen, sind in der Regel Hunde, die im Alltag komplett untragbar und gefährlich sind - Hunde, die man nicht im Haus halten und nicht spazieren führen kann, die man oft noch nichtmal anfassen kann, die unberechenbar auf individuelle Reize reagieren. Hunde, die beispielsweise über Jahre hinweg auf einer Anlage gehalten wurde, in Zwingern oder die Streuner waren. Oder die sogar gezielt sozial verkrüppelt wurden (Hundekämpfe, etc).
Hunde, die hier und da ein paar Probleme haben - Bellen, Stubenunreinheit, an der Leine ziehen, Sachen zerstören, individuelle Aggressionen - sind nicht automatisch asozial und brauchen eine Resozialisierung. Von "Rehabilitierung", von der Millan gerne spricht, kann man auch nur sprechen, wenn der Hund davor krank war.
Erziehung, Beziehung, Dressur, Resozialisierung, Rehabilitierung - das sind Begriffe, die man nicht durcheinander werfen sollte.

LG, Kailyn
JMS (anonymer Benutzer)
22.09.2014 | 18:52 Uhr
zu Kapitel 1
Diese umfangreichen Betrachtungen mit der hierfuer notwendigen Konzentration zu lesen, stellt durchaus eine Anstrengung dar - aber diese lohnt sich !

Was mich beim Studieren des Aufsatzes sehr beeindruckt hat, sind insbesondere zwei Dinge:

(1) Die in mehrerer Hinsicht streng wissenschaftliche Herangehensweise, und daraus folgend
(2) die Gabe, bei der Bewertung der Handlungen Millans nicht Gefuehle sondern Sachlichkeit in den Vordergrund zu stellen - bis hin zur Aeusserung eines gewissen Verstaendnisses fuer Millan als jemanden, der durchaus glaubt, Gutes zu tun.

Ohne Beschoenigung muss ich als Leser dieser Betrachtungen zugeben, dass mir spaetestens (!) bei den Ausfuehrungen zu Shadow jegliches Verstaendnis fuer die Arbeitsweise von Millan abhanden gekommen ist: Meine Stimmung entwickelte sich von Erstaunen zu Unglaeubigkeit, wechselte dann zu Wut, und muendete schliesslich in eine Traurigkeit, welche keinen Boden mehr zu kennen schien ...

Wo auch immer mir Befuerworter der "Methode Millan" begegnen werden, so werde ich solche auf diesen Aufsatz verweisen.

Ich bedanke mich sehr fuer Ihre Arbeit, welche hoffentlich noch vielen Hunden und ihren Haltern ermoeglichen wird, einen gesunden Umgang miteinander zu fuehren, welcher zum Wohle des Tieres und des Menschen gereicht.

Mit den allerbesten Gruessen,


John Michael Sucker
Babenhausen (Hessen)

Antwort von Kailyn am 24.09.2014 | 00:53:04 Uhr
Hallo,

vielen lieben Dank. :)
Ich werde mir weiterhin Mühe geben, so objektiv und sachlich wie möglich zu bleiben.

LG, Kailyn
14.05.2014 | 14:39 Uhr
zu Kapitel 1
Hallo,

C.M. ist ja immer so eine Sache. Seit meiner Geburt haben wir/ habe ich Hunde. Da wir auf dem Land gelebt haben, sind wir mit unseren ersten 6 Kandidaten (sie lebten nicht alle gleichzeitig bei uns^^), nie in einer Hundeschule gegangen und großartig Fachbücher wurden auch nie gewälzt. Probleme gab es nie, auch wenn es nicht die "einfachsten" Rassekombinationen waren. Zu meinem Studium habe ich mir einen eigenen Hund gekauft, und bin in die Stadt gezogen und zum ersten Mal in meinem Leben mit dem "Hundetrainerwahn" konfrontiert worden. Meine Fresse, was gibt es da für Kriege auf den Hundewiesen und keiner weicht auch nur eine Handbreit von seiner Überzeugung ab!

Deswegen möchte ich dir besonders danken, dass du es geschafft hast, einen höflichen und respektvollen Ton zu behalten - Hut ab, ich hätte das mit Sicherheit nicht geschafft! Zum ersten Mal habe ich von ihm gehört, als mir bei meinem Hund zu einer "harten" Hand geraten wurde (der Knirps war da man gerade 11 Wochen alt) und ich bin ehrlich gesagt nie über die ersten drei Folgen hinausgekommen, manche Sachen muss man sich vielleicht einfach nicht antun.

Ich denke dass der ganze Milan-Hype auch der neuen "Mentalität" geschuldet ist, so viele Menschen "identifizieren" sich über ihre Hunde, dass der Vierbeiner noch besser gehorchen, noch exotischer aussehen und noch respektvoller sein muss. zu dem gefällt es einigen auch einfach ganz gut, auf die "Softies" von der postivien Verstärkung herabzusehen. (Genau wie die "positiveverstärkerfraktion" sehr schnell mit Tierquälerschreien zur Hand ist)

Ich hoffe das es weiter geht und bin vor allem auf deine Exkurse zu Rütter gespannt.


Liebe Grüße



Ley und ihr Vierbeiniges "Monster"
13.03.2017 | 16:29 Uhr
zur Geschichte
Hallo, Kailyn,
ich habe überlegt, warum Caesar Millan bei National-Geographic auftreten darf, obwohl NG seriös und wissenschaftlich ist:
Wenn Hunde als potentiell aggressiv, schwierig zu behandeln und gefährlich dargestellt werden,
dann führt das möglicherweise dazu, daß weniger Leute Hunde mal eben als Schmusetier für ihre Kinder zu Weihnachten kaufen.
Das wäre ein sehr positiver Effekt.
Ich weiß nicht, ob es dazu Statistiken gibt, es ist nur ein Gedanke.
Viele Grüße,
Maja
11.09.2014 | 17:24 Uhr
zur Geschichte
Huhu,
tolle Arbeit! Vollgepackt mit Statements und Gegenüberstellungen, daher auch anstrengend zu lesen. Aber es ist die Mühe wirklich wert.
Ich würde gern auf viele Dinge eingehen, aber das wäre eine Arbeit, die vom Aufwand Deiner gleichkäme. - Bin doch etwas zu faul. (-:
Wenn ich ganz ehrlich sein darf, habe ich aber auch etwas vermisst, nämlich Dich selbst. Heißt: Ich hätte gern Sätze gelesen, die etwa mit
"Ich habe oft erlebt, dass..." anfangen. Eigene Erfahrung schätze ich höher ein als den Verweis auf Versuche, die nicht völlig transparent sind.*
Und höher als all diese seltsamen Weisheiten, die -wie auch immer- ihren Weg in den Status der Wahrheit gefunden haben.**

*Beispiel: Beim Versuch mit dem Futternapf und NEIN+Gartenschlauch als beste Lösung weiß ich nicht WER das Nein ausspricht. Welche Beziehung
hat der Befehlende zum Hund? Ich kann eine Situation erst bewerten, wenn die Beziehungspfeile bekannt sind. Gleichzeitig erschwert das den Vergleich mit einem "beziehungslosen" Versuch, etwa mit einem "anonymen" Elektroschocker und Versuchen, bei denen eine vertraute Person plötzlich Schmerzen zufügt, usw. - Solange ich nicht alle Komponenten kenne, bin ich einfach nicht bereit, die Ergebnisse auf gleicher Ebene zu bewerten. Es passieren eben zu viele "Schnellschüsse".

**Beispiel: dass der Mensch immer vorne geht, zuerst die Treppe hoch steigt, Nahrung aufnimmt,....., weil Rudelführer das so tun und der gemeine Hund sonst größenwahnsinnig würde. - Diese Ansichten rühren m.E. von einer völligen Unterschätzung des Hundes.
Vorne gehen: in unsicherem Gelände(Fremdrevier,...) kann man das durchaus beobachten. Aber auf der heimischen Spielwiese mit freier Sicht preschen auch die Welpen vor oder jeder andere Hund. Ich würde deshalb eher darauf bauen, dass sich der Hund an die Erfordernisse anpasst und
nicht Regeln um der Regeln Willen befolgt.
Treppe steigen dito.
Nahrungsaufnahme: Woher sollen denn die "tollen" Erkenntnisse bloß stammen? Bei Hunden geht es für alle um die selbe erlegte Beute, bzw. um den selben Napf. Als Mensch sitze ich am Tisch vor dem Teller, der Hund auf dem Boden vor dem Napf. Es ist nur noch krank, wenn man sagt, der Hund dürfe seinen Napf erst nach dem Abendessen bekommen, weil er sonst großkotzig würde. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es nicht so ist. Damit versaue ich den Hund nicht. Wer "Kompetenzprobleme" mit seinem Hund hat, macht woanders was falsch, und zwar ganz gewaltig. - Schön, dass Du Dich ebenfalls gegen diese "Wahrheiten" aussprichst.

Kleine Geschichte zu *:
Ich wurde schon mit ernstem Blick angesehen, als ich erzählte, wie ich mit meinem Hund spazieren gehe. Zuerst gehe ich auf die Straße, stelle die Sicherheit fest, und dann folgt der Hund. Wenn ich heim komme, schleuse ich erst den Hund durchs Tor und verlasse die Straße als letzter. Und genau jene zweite Handlung wurde seeehr skeptisch gesehn.
Nur mein Hund kommt super damit klar, weil er nicht weiß, dass irgendwo geschrieben steht, ich müsste immer zuerst durch alle Tore gehen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Menschen nicht mehr Willens sind, die Augen auf zu machen und sich lieber Bücher rein schieben.
Die Medienindustrie versorgt diese Menschen dann mit Material, siehe C.M..
-The show goes on!
Von Millan habe ich nur wenige Zeilen gelesen und Diskussionen über seine Texte verfolgt. Das hat mir gereicht. Bücherlose Erfahrungsmenschen ohne dogmatische Fremdprägung fanden den auch nicht so besonders.

Schreib mal wieder was zu dem Thema.
-Und nochmals besten Dank für Deinen wirklich tollen Text!
me

Antwort von Kailyn am 16.09.2014 | 11:28:22 Uhr
Hallo,

vielen Dank für deine Meinung. :)
Mit meiner eigenen Meinung gehe ich für den Anfang noch etwas verhalten um. Ich habe natürlich eine Meinung, möchte diese aber lieber separat abhandeln. Ich würde die Abhandlung gerne in die Hauptthemen Cesar Millan, Martin Rütter, Maike Maja Nowak, Victoria Stilwell, Moderne Kynologie und Eigene Erfahrungen gliedern, mit einem abschließenden Plädoyer.

LG, Kailyn
29.01.2014 | 17:53 Uhr
zur Geschichte
Hallo :D
Ich will eigentlich nicht viel sagen, außer. Danke.
Danke für deine Objektivität, deine Erklärungen, die wahrscheinlich sogar jemand versteht, der keinen Hund hat und für die wirklich ausführlichen Analysen.
Besonders Shadows Geschichte hat mich sehr berührt, obwohl ich mir nicht das Video angesehen habe.
Hatte schon beim Lesen Tränen in den Augen und das hat mir gereicht.
Also, nochmal ein dankeschön. Es ist meiner Meinung nach, perfekt.

Lg.
Barghest

Antwort von Kailyn am 29.01.2014 | 21:39:18 Uhr
Hallo,

danke für das Kompliment und deine Worte. :)
Wenn es um eine Pro-Contra-Diskussion geht, halte ich die Menschen natürlich schon in der Regel an, sich das gezeigte Videomaterial wirklich anzusehen. Theoretisch könnte ich ja auch lügen. ;)
Außerdem nimmt jeder Mensch Situationen anders wahr und stützt sich dabei auf das eigene Wissen, die eigenen Empfindungen. Ich selbst habe mir Shadows Video mittlerweile so oft angesehen, dass es ein weiteres Mal nun auch nicht mehr sein muss. Ich habe alles gesagt, was ich zu Shadow zu sagen habe, alles andere wäre zerkochter Brei. Ich hoffe nur, dass Shadows Geschichte Hundebesitzer darauf aufmerksam macht, wie unglaublich gefährlich diese Würgehalsbänder und -leinen in den Händen von Menschen sind, die damit nicht umgehen können und sie dazu benutzen, ihren Hund zu würgen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich vor sechs Jahren, als ich nur sehr wenig über Hunde wusste, selber zum Kettenwürger gegriffen habe, um das Ziehen an der Leine zu unterbinden. Das führte zu einer vorübergehenden Kehlkopfspastik des Hundes und beim Tierarzt wurde mir eingehend erklärt, warum Würgen das Ziehen nicht unterbindet und warum dieses Hilfsmittel so gefährlich ist, wenn man es zum Zweck des Würgens oder zum Zufügen von Schmerzen einsetzt. Die Kette landete anschließend im Müll und ich habe mich furchtbar geschämt.

LG, Kailyn