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Reviews 26 bis 50 (von 82 insgesamt):
10.06.2014 | 18:58 Uhr
Oh, wir sind wieder in Berlin! Schade eigentlich, ich wäre noch gerne ein wenig in dem wunderschönen Ambiente von Benjamins Garten verweilt. Aber das ist eben weder Christophs noch Phillips Welt.

Die erste Begegnung zwischen Moritz und Christoph. Phillip scheint es ungeheuer wichtig zu sein, dass sein Freund aus Kindertagen seinen neuen, endlich festen Freund kennenlernt und akzeptiert. Er hat sich offensichtlich im Vorfeld ausführlich Gedanken gemacht, in welcher Situation ein Zusammentreffen zwischen den beiden am besten verlaufen wird. Er hat einen Rahmen gewählt, in dem sich Christoph heimisch und sicher fühlen kann und in dem, zumindest aus Phillips Sicht, Christophs Qualitäten am besten zum Vorschein kommen. Dennoch verläuft es nicht so, wie Phillip es sich gewünscht hat. Moritz kann seine Vorurteile nicht überwinden (das erinnert an die Szene in „Phillips Bilder“) und was noch schlimmer ist , er scheint Seth den Vorzug zu geben, indem er unter anderem daran erinnert, was Seth vor zwei Jahren für Phillip getan hat, indem er die beiden Freunde wieder zusammengeführt hat. Es muss sehr enttäuschend für Phillip sein, dass sein Freund, den er seit der Kindheit kennt, nicht nachempfinden kann, wie verletzend Seth' Unverbindlichkeit war. Und dann bringt Moritz auch noch Phillips Vater ins Spiel und macht deutlich, wie abstoßend er die Vorstellung findet, z. B. eine wesentlich ältere Frau seinem eigenen Vater als Schwiegertochter vorstellen zu müssen. Phillip ist verletzt und reagiert mit Trotz und Überempfindlichkeit auf alles, was Moritz im Folgenden sagt. Christoph scheint ein feines Gespür für die Stimmung und das, was sich zwischen Phillip und Moritz abspielt, zu haben. Bewusst stellt er sich an Phillips Seite und macht unmissverständlich klar, was die beiden miteinander haben und was sie verbindet. Dass er Moritz damit ein wenig in Verlegenheit bringt, zaubert ein Lächeln in Phillips Gesicht. Sehr schön!

Am Abend betrachtet Phillip das Foto, das Benjamin von ihm und Christoph gemacht hat. Dass er daraufhin seinen Vater anruft, um diesem von Christoph zu erzählen und ein Zusammentreffen zu vereinbaren, zeigt den Stellenwert, den dieses Bild einnimmt. Auch im nächsten Kapitel wird es noch einmal erwähnt, um zu zeigen, dass es auch für Christoph eine besondere Bedeutung hat. Das Kapitel endet mit Phillips Zuversicht. Hoffentlich wird er von seinem Vater nicht enttäuscht. Aber vielleicht kann Evelyn da ausgleichend wirken. Anscheinend gibt es auch vonseiten des Vaters etwas, das mit Evelyn zu tun hat und das er Phillip erzählen (oder beichten?) muss. Ich bin gespannt, was es ist. Ich hatte zuerst genau wie Munro die Vermutung, dass Evelyn schwanger ist, aber dafür ist sie wohl zu alt.

Liebe Grüße
aus dem tropischen Deutschland
10.06.2014 | 18:43 Uhr
Liebe Jana,

ich bin ein wenig in Verzug mit meinen Reviews, aber das lange Pfingstwochenende hat es trotz Hitze ermöglicht diesbezüglich etwas aufzuholen ;)

Die Nacht scheint Phillips Zweifel und Christophs Zurückhaltung verscheucht zu haben. Kein Seth steht jetzt mehr zwischen den beiden, weder real noch gedanklich. Und so können sie den Sex genießen, obwohl der Ort und vor allem das Bett in gewisser Weise belastet sind mit Erinnerungen bzw. Vorstellungen in Bezug auf den anderen Mann, der da noch im Hintergrund existiert. Aber Phillip hat sich entschieden und Christoph hat anscheinend seine Unsicherheit, was Phillips ungeteilte Zuwendung angeht, überwunden, so dass jetzt nur ihr Zusammensein zählt. Ein paar klärende Worte nach dem Sex scheinen zwar noch notwendig, aber eigentlich hat sich dieses Thema wohl erledigt.

Der restliche Tag verläuft in schöner Harmonie. Christoph lässt sich aufs Barfußlaufen ein und wird dafür mit einem besonders sinnlichen Kuss belohnt. Und Phillip hat nicht mehr das Gefühl, dass Christoph nicht richtig in dieses Umfeld passt. Es entsteht etwas Neues: Christoph und Phillip in Benjamins Garten, nicht in der Hängematte (!). Benjamin hält diesen Moment mit der Kamera fest, ein Moment, der viel mehr bedeutet als nur das Äußere, das auf dem Foto zu sehen sein wird.

Bei dem Ausflug zum See fühlt Phillip noch einmal einen Anflug von Unsicherheit. Wieder das alte Thema mit Christophs Alter. Aber Christoph steht zu seinem nicht mehr jugendlichen Körper, was der Leser ja bereits schon in der Spiegelszene erfahren hat. Er hat keine Probleme, sich nackt zu präsentieren. Die Probleme liegen allein bei Phillip. Er wartet ängstlich darauf, dass von den anderen beiden Männern evtl. irgendein Zeichen kommt, dass sie Christophs Körper vielleicht abschätzig betrachten. Dies ist zum Glück nicht der Fall und so kann der Tag in Harmonie und emotionaler Nähe enden. Ein Stückchen von dem Glück, das sein könnte, wird sichtbar.

Was in Bezug auf Phillips Probleme mit Christophs Alter immer wieder auffällt, ist, dass es Phillip selber eigentlich nicht stört, dass Christoph soviel älter ist. Aber er hat Angst vor dem Naserümpfen des sozialen Umfelds. Vor allem die Menschen, die ihm wichtig sind, könnten ihn damit sehr verletzen und das macht ihn unsicher. Immer wieder muss er sich vergewissern, dass die anderen ihre Beziehung nicht verurteilen. Dass gerade Seth in diese Schwachstelle mit gnadenloser Härte hineingeschlagen hat, zeigt einmal mehr, dass er eigentlich nichts von Phillip weiß oder wahrnimmt oder es ihm einfach gleichgültig ist.
10.06.2014 | 15:23 Uhr
Hi,
schön, dass es so schnell weitergeht. Es liest sich eigentlich recht nett aber warum habe ich ein komisches Gefühl.
Irgendwie fehlt die Leichtigkeit, besonders beim Sex.
Lg chryed
10.06.2014 | 11:26 Uhr
Moin Jana,

das Bild im Regal zeigt die neue Vertrautheit. Mir gefällt, dass es das Foto von der Wiese ist, dort wo sie in Phillips Vergangenheit ihr Leben als Paar probiert haben. Wie dieses Foto zeigt, hat es geklappt, das entspannte Miteinander.
Noch ist es fremd. Genauso fremd wie Ausgehen als Paar.

Paare gleichen Alters, aus gleichen Lebensräumen, gleichen Bildungskreisen, gleichen Kulturen, gleichen Familienverhältnissen haben es vielleicht leichter miteinander auch stumm zu kommunizieren. Aber wo bleibt da die Herausforderung? Wo bleibt es spannend?
Du zeigst sehr eindrücklich all die kleinen Stolpersteine, die sie überwinden können, wenn sie denn wollen. Da kann ein schlichtes Jackett eine Annäherung sein, aber genauso ein unüberwindbares Hindernis.
Vieles kann auch falsch interpretiert werden, offene Gespräche sind vonnöten. Treue hat kaum etwas mit Alter zu tun, wie auch das Beispiel Seths gezeigt hat, auch jüngere Männer lieben ihre Unabhängigkeit. Solche Fragen müssen geklärt werden. Sehr interessant, das Gespräch über HIV, Christoph hat einen anderen Erfahrungshintergrund. Du bist wie immer sehr sensibel mit den thematisch beleuchteten Aspekten, sei es der Besuch beim Vater, das Aufeinandertreffen mit den Freunden im Restaurant, die HIV Problematik, die Unsicherheit Phillips, über seine sexuellen Wünsche zu sprechen.

Du hast dich in die Problematik dieser leider immer noch unkonventionellen Konstellation der Beziehung so gut hineingekniet, dass ich manchmal die Leichtigkeit des Miteinanders noch vermisse, die unbeschwerte Verliebtheit, die doch auch da sein muss.
Christoph bemerkt zum Schluss sehr richtig: >Phillip ist nicht unreif nur jung.<
Und das ist doch toll. Oder?
Das gilt es doch zu genießen mit jeder Faser des Seins!
Ob Phillip es so sehen kann: Christoph ist nicht alt, nur reifer?
Das wäre dann auch zu genießen.
(Da nimmt man doch das tolle Jackett einfach lächelnd mit nach Hause und freut sich einen Ast über das schöne Stück, oder?)
Aber so weit sind sie wohl noch nicht.

Munro
02.06.2014 | 10:57 Uhr
Moin Jana,

sie sind also wieder in Berlin und dort gehören sie zusammen auch hin.
Alles andere scheint mir Urlaub zu sein und eine Wiese voller schöner Erinnerungen, die darf man ab und zu einmal auspacken, aber Berlin steht als Synonym für gemeinsame Zukunft.

Hier in Berlin ist Christoph zu Hause, obgleich er nicht viel Profil zeigt in diesem Kapitel, strahlt er eine große Sicherheit aus. Wäre Moritz nicht da, wären Philipp und Christoph ein ideales Paar, welches gemeinsam an der Ausstellung arbeitet.

Ach, mir fällt hier tatsächlich dieses alte unsägliche Zitat ein: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Total veraltet eigentlich.
Aber wie das so ist mit den Eigentlich-Aussagen, etwas ist immer.
Moritz ist konservativ! Anders ist es nicht zu erklären.
Er müsste das Glück sehen, er müsste die Attraktivität Christophs sehen, er müsste sehen, wie gut sie miteinander harmonieren. Als Freund müsste er mit Phillips Augen sehen können.
Auch müsste er gesehen haben, dass Phillip immer wieder von Seth enttäuscht wurde.
Nun sarkastisch gesehen, muss ich wohl froh sein, dass er Phillips Homosexualität akzeptiert hat.
Die Frage nach dem Vater ist ein Tiefschlag.

Phillip traut sich, den Vater anzurufen und er bleibt auch beharrlich an seinem Thema. Mich drängt sich ja die Frage auf, wie alt oder jung Evelyn ist. Wurde es schon einmal erwähnt?
Alter Kerl mit junger Frau ist das besser? Besonders dann, wenn man der ältere Mann ist und nicht die Mutter der jüngeren Frau? Ich bin schon wieder sarkastisch, sollte ich lieber lassen.

Wäre wirklich schön, wenn Eltern, bevor sie kritteln, fragen könnten, ob das Kind glücklich ist!
Glücklichsein wäre ein guter Maßstab um ungewohnte Beziehungen einzuschätzen.

Phillip in Berlin ist ein anderer Phillip als Phillip auf der Wiese, umso beeindruckender ist, dass dieses Foto so gelungen ist. Christioph macht auch auf der Wiese eine bella figura, Phillip lächelt entspannt. Also auch Christoph zusammen mit Phillip auf dieser erinnerungsschweren Wiese geben ein gutes Bild. Vielleicht ist es Zeit, neue Erinnerungen zu schaffen.

Ich hatte wieder die Freude, zwischen den Zeilen lesen zu dürfen. Danke dafür.

Fußnote zu Evelyn: ist sie schwanger? Dann gäbe das Gestammel des Vaters einen Sinn.

LG
Munro

Antwort von BenjaminsGarten am 02.06.2014 | 20:24 Uhr
Kurz für alle - das ist eine Info aus Phillips Bilder - sorry. Evelyn ist die neue Lebensgefährtin des Vaters, etwa gleichalt wie dieser (also so alt wie Christoph). Und ja, da ist noch was im Busch, was der Vater auch nicht gleich so rausrückt ... sehr gut aufgepasst ;-)

PN folgt
LG Jana
01.06.2014 | 21:37 Uhr
hat er sich also endlich ein Herz gefasst. Das ist gut, auch wenn sein Vater nicht einverstanden sein sollte, ist es doch das richtige Signal, dass er es ernst meint mit seinen Gefühlen für Christoph. Gut! Das wird auch für Christoph selbst ein wichtiges und richtiges Zeichen sein, denn im Grunde gehen ja beide das Risiko des sich gegenseitigen Einlassens ein. Mit allen Vorteilen, mit aller Liebe aber auch eben mit der Gefahr des Scheiterns. Christoph ist sich der Gefahr durch seine höhere Lebenserfahrung eventuell noch bewusster. Und egal woran es scheitern könnte...die Kommentare würden auf jeden Fall sein: klar bei dem Altersunterschied! Selbst wenn es damit gar nicht zusammen hängen sollte. Ich drücke den beiden auf jeden Fall alle Daumen, sie sind süß zusammen und ich hab jedesmal einen kleinen "Hach-mach-Moment"...danke dafür...ich liebe diese Momente nämlich!

Liebe Grüße

calypso
29.05.2014 | 00:09 Uhr
Moin Jana,

Phillip verführt Christoph und dieser hat es so gewollt, siehe die Kondome in erreichbarer Nähe.
Es scheint alles sehr leidenschaftlich zu sein, sehr innig und doch: ist es ein Indiz, wenn Christoph sich selber zum Höhepunkt bringen muss?
Auch die Frage nach Seth noch mitten im Afterglow ist nicht gerade feinfühlig.
Allerdings gibt es auch die anderen Momente, das glückliche Lächeln Phillips, die ungestüme Lautstärke beim Sex; Phillip, der die Attraktivität Christophs wahrnimmt.
Es ist wieder ein Kapitel, welches eher aus der Sicht Phillips erzählt wird.
Christoph erscheint mir immer noch fremd hier: die nackten Füße nur für Phillip? Die Jeans, die hier tatsächlich schon overdressed wirkt. Das Foto auf der Wiese, nicht in der Hängematte.
Schwimmen: Phillip scheint so unsicher, ob Christoph sich wohl auszieht.

Ist Christoph nicht der smarte Galerist, erfahren und etabliert, der Mann, der Phillip einfach so küsste und der überaus sicher in allen Situationen wirkte?
Hier wird er plötzlich rot, hier wirkt er unsicher, hier wird er immer wieder von Phillip beobachtet, nicht gerade argwöhnisch, aber doch genau.
Nun Christoph punktet, mit nackten Füßen und mit nacktem Körper und zur Belohnung schwimmt Phillip zu ihm und sie küssen sich.
Nein, das Problem ist nicht Christoph.
Aber Phillip tastet sich noch vorwärts, in kleinen Schritten. Noch ist da keine Leichtigkeit, keine Unbeschwertheit.
Es ist eine leise Geschichte, es ist auch eine leise Liebe.
Und noch weiß ich nicht, ob sie Phillip genügen kann.
Nicht jede Liebe beginnt in einem Sommersturm, manche Lieben entwickeln sich sehr behutsam wie eine Wiese im sanften Sommerregen.
Es ist eine Frage der Liebe.

Es ist phantastisch, wenn es einer Autorin gelingt, so facettenreich zu schreiben mit gezielten wohldosierten Worten. Die sachlichen Sätze sind verwirrend wie deine Protagonisten sich fühlen.
Es lohnt sich, jedes deiner Sätze langsam im Munde zergehen zu lassen und jede Stimmung ganz langsam nachzufühlen.
Es ist mir, als ob ich liegend in der Hängematte deinen Protagonisten wehmütig zuschaue und nicht sicher bin, ob mir immer gefällt, was ich sehe. Doch, der sensende junge Mann gefällt mir, er ruht in sich selbst und hat sein Glück schon gefunden.

Danke
Munro
26.05.2014 | 14:00 Uhr
Wenn hier ein neues Kapitel angezeigt wird, ist bei mir gespannte Erwartung angesagt. Dieser Tage war es endlich wieder einmal so weit. Die Seth-Frage ist nun endlich geklärt, nun ist noch das "Schwiegervater"-Ding auf die Reihe zu bekommen. Mein Schwiegersohn ist so alt wie ich. Begeistert war ich nicht, als meine Tochter das zur Tagesordnung machte. Das dazu.
Was mir aufgefallen ist, Phillip scheint bis auf wenige Ausnahmen der aktive Part dieser Beziehung zu sein, ER küsst und forciert die "anderen Dinge" ;). Ist das so, oder passt da sich Christoph im Moment nur an? Nun, er ist Galerist, muss auf die Menschen zu gehen, was er ja auch tut, ist attraktiv, lebenserfahren und Phillip ist jung, kreativ, wohl auch intelligent und neugierig. Also gut, ich bleibe gespannt. blackpine
25.05.2014 | 11:57 Uhr
Hi,
Danke für das Kapitel.
Ist Christoph wirklich so entspannt? Ich würde mir mehr Gedanken darüber machen. Auch für Phillip schien sich das ja sehr schnell erledigt zu haben. Hmm.....Ruhe vor dem Sturm?
Lg chryed
19.05.2014 | 20:20 Uhr
Hi,
eine tolle Geschichte. Mit vielen Optionen und Möglichkeiten. Ich mag es, wenn nicht alles so schwarz/Weiß gezeichnet ist.
Hoffe, es geht bald weiter.
Lg chryed

Antwort von BenjaminsGarten am 20.05.2014 | 14:28 Uhr
Hallo und danke für Deinen Kommentar! Schön, wenn sich auch mal jemand neues zu Wort meldet. Am Wochenende geht es weiter, verprochen.
Liebe Grüße
Jana
12.05.2014 | 23:45 Uhr
Bei diesem Kapitel war ich wieder einmal begeistert von deinem Talent, mit wenigen gezielten Worten genau das einzufangen und auszudrücken, was sich zwischen den Figuren oder auch in ihrem Inneren abspielt. Jede Formulierung, jede Geste und jedes Detail vermitteln dem Leser (häufig zwischen den Zeilen), welche zwischenmenschlichen Dramen ablaufen. Ein Satz wie z. B. „Der wandte sich ihm nicht zu. Aber auch nicht ab“ spiegelt Christophs emotionale Verfassung sehr anschaulich wider.
Gerade weil alles so unspektakulär, fast distanziert beschrieben wird, kann man das Gefühlschaos, in das Seths plötzliches Erscheinen Phillip, aber auch Christoph stürzt, besonders gut nachvollziehen. Für mich stimmt in diesem Kapitel einfach alles. Jedes Wort, das die Figuren miteinander wechseln, die Räume, in denen sie sich zwischen Nähe und Distanz bewegen, die Blicke, die sie sich zuwerfen oder die sie verstohlen auf etwas richten, ja selbst der bewölkte Himmel und die abgekühlte Temperatur, alles spiegelt wider, was sich zwischen Phillip, Christoph und Seth abspielt.

Nach der anfänglichen Hochstimmung, die Phillip nach der Ankunft in Benjamins Haus und Garten empfindet, zeigt sich nun wieder seine Unsicherheit in Bezug auf Christophs Alter. Er braucht die Rückversicherung durch Benjamin, dass sie nicht wie „Vater und Sohn“ wirken. Und dann kommt die Erinnerung an Seth und die Zeit, in der sie sich kennen lernten, die Phillip sehr intensiv erlebt hat und die für seine Entwicklung eine entscheidende Rolle spielte. Plötzlich schleicht sich das Gefühl ein, dass Christoph ein wenig fremd in dieser Welt ist, die er sonst mit Seth geteilt hat. Lange bevor Seth mitten in der Nacht physisch wirklich im Raum steht, in dem Christoph und Phillip schlafen, steht er bereits als Gedanke zwischen den beiden Männern und sorgt für eine Distanz, die beide eigentlich nicht wollen, aber gegen die sie machtlos sind und die sie nicht überbrücken können.

Die Auseinandersetzung zwischen Phillip und Seth gibt sowohl Einblicke in Seths Charakter als auch in Phillips emotionale Zerrissenheit. Man merkt, dass Phillip sich immer noch zu dem jungen Mann mit den Dreadlocks hingezogen fühlt und dass ihn immer noch etwas an ihn bindet oder mit ihm verbindet, und wenn es nur die Erinnerung an eine betörende Sommerliebe ist. Die Antwort, die Phillip auf Christophs Frage „Ist es dir schwer gefallen?“ gibt, klingt nicht sehr überzeugend. Man hat eher das Gefühl, als versuche Phillip sich hier selbst etwas einzureden. Der Zusatz „eigentlich“ deutet an, dass es eben doch schwer war, mit Seth Schluss zu machen, vor allem, weil dieser so „verdammt attraktiv“ aussah und die körperliche Nähe unter dem Baum, bei der Hängematte (!), so verführerisch wirkte. Nur mit Mühe scheint Phillip hier der Versuchung widerstehen zu können, indem er an Christoph denkt und seinen Blick zum Haus, also von Seth weg richtet.
Auch wenn Seth sich zurückzieht, hat man doch das Gefühl, dass dieses Kapitel für Phillip noch nicht abgeschlossen ist. Ich bin gespannt, ob am Morgen wieder die ersehnte Nähe zwischen Christoph und Phillip entstehen kann. Ich wünsche es beiden von Herzen.

Liebe Jana, ich danke dir für dieses faszinierende Kapitel, mit dem du uns so tiefe Einblicke in Phillips Verfassung gegeben hast!
05.05.2014 | 13:56 Uhr
Hey,

und wieder ein wohldurchdachtes Kapitel.
Deutlich spürbar die innere Zerrissenheit von Philipp.
Es war gut, Christoph mit in diesen Garten zu nehmen und der kommt dort ja auch wunderbar zurecht und kann die dörfliche Idylle samt der Ruhe genießen.
Nur Philipps Gedanken driften auch ab, mit Seth hätte er hier glücklich sein können, wenn Seth gewollt hätte. Nun darf er hier mit Christoph glücklich sein, doch es fühlt sich fremd an.
Hier mag er auch fragen, ob sie Vater/Sohn Wirkung haben, es ist bezeichnend, dass er sich für die Antwort bedankt. Armer unsicherer Philipp immer noch.
Ach, unbeschwerte Sommer mit Seth lassen sich nicht noch einmal wiederholen. Fast kommt mir Philipp vor wie alle Erwachsene wenn sie Kindheitserinnerungen nachhängen, hier Erinnerungen an die erste Liebe.
Aber auch Christoph lässt sich nicht so einfach austauschen. Gestern Seth in diesem Bett, heute er, da kann ich verstehen, dass Christoph eine Nacht braucht, kein Sex aber Nähe gebend.

Seth im Schlafzimmer. Mir ist nicht so recht klar, wie Seth tickt. Er scheint beleidigt und in seiner Eitelkeit gekränkt zu sein, ansonsten ist kaum zu erklären, warum er Christoph beleidigt und Philipp gleich mit. Fast könnte man meinen, dass er bei einem jüngeren Kerl gerne mit ins Bett gehüpft wäre.
Wahrscheinlicher ist, dass Seth Philipp hier an diesem Ort für sich behalten will und ansonsten beide tun und lassen können, was sie wollen. Nettes Arrangement für bindungsunwillige Männer, die sich alle Möglichkeiten offen lassen wollen.
Blöd nur, wenn einer von beiden damit nicht glücklich wird und dessen Partner sich dann auch noch Treue wünscht. Alles kann man nicht haben.

Eigentlich hat Philipp keine Probleme damit, mit Seth Schluss zu machen. Eigentlich wäre es auch schön gewesen, einen Christoph für das Stadtleben zu haben und einen Seth für das Landleben ab und zu. Beides geht aber nicht. Philipp hat sich entschlossen und nun ist es an ihnen beiden, eine gemeinsame Basis zu schaffen, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Liebe kann Arbeit bedeuten, die sich letztendlich lohnt, weil Liebe mehr sein kann, als ein flüchtiges Abenteuer eines Sommers.
Ein wenig Wehmut wird bleiben, die Erinnerung an den Dreadlocks kann Philipp niemand nehmen.
Mal schauen, wie der Morgen beginnt.

Ob Seth vielleicht doch bereit ist um Philipp zu kämpfen? Ich wage zu zweifeln.
Genauso wie ich noch immer zweifle, ob Philipp bereit ist, sich ganz auf Christoph einzulassen.
Es bleiben zwei Hürden: kann Philipp sich ganz von Seth lösen und kann er Christoph ganz und gar akzeptieren. Oder ist der Altersunterschied nur vorgeschoben, weil Philipp immer noch Christoph mit Seth vergleicht und ihm ansonsten nichts einfallen könnte, was gegen Christoph spricht. Nun hat es auch noch gerade Seth sehr herabwürdigend angesprochen. Was wird das mit Philipp machen?
Es war in der Stimmung sehr zweischneidig, es lag die Erwartung in der Luft, der nächste Morgen wird eventuell einiges entscheiden können. Da dieser Ort für Philipp so viele positive Erinnerungen insgesamt birgt, sollte er nicht zu einem Ort werden, den die beiden zukünftig gemeinsam meiden müssen.

Munro
23.04.2014 | 17:59 Uhr
Hey,

nun habe ich bedauert, die Vorgeschichte nicht zu kennen.
Sicherlich hätte ich mich über alte Bekannte freuen können.
So fühlte ich mich wie Christoph, alles fremd und sehr anders.
"Idyllisch" bezeichnet er die Szenerie, "schön" sagt Philipp.
Idyllisch klingt nach Distanz, so spricht man im Urlaub über fremde Orte, die zwar sehr gefallen, aber noch nicht zu eigenen Orten wurden.
Für Philipp ist es ein schöner Ort, vertraut und heimatlich.

Genau wie die Menschen, sie werden sehr vertraut begrüßt mit einem Kuss auf den Mund.
Aber auch Christoph bekommt eine Umarmung.

Also ich würde sagen, Christoph schlägt sich wacker.
Aber, nein kein Aber, er ist halt fremd.
Es dauert seine Zeit um sich hier wohl fühlen zu können.
Es ist eindeutig Philipps Welt, seine Heimat, sein Wohlfühlterrain.

Als Christoph das Zimmer als schön bezeichnet, wird er misstrauisch gemustert.
Ich empfinde den Ort schon auch als schön ...und als heimelig.
Das Atelier aus dem vorherigen Kapitel war wohl eher stylish.
Schönheit hat viele Facetten, schön ist der barfüßige Mann an der Sense gelehnt ebenso wie die Fotos, die Philipp von Christoph gemacht hat.
Man muss nur hinsehen wollen.

Ich finde die zwei letzten Kapitel in ihrer konträren Wirkung sehr gelungen so nacheinander gestellt.
Wir bleiben auch hier bei ungewöhnlichen künstlerischen Menschen mit einem individuellen Lebensstil. Das freut mich und im realen Leben würde ich gerne pendeln wollen zwischen diesen Orten, einmal voller Sehnsucht und ein anderes Mal von der Kreativität getrieben.
Bier aus der Flasche und Rotwein aus dem Decanter, beides ist schön. Ob Philipp und Christoph es auch so empfinden können?
Es gelingt dir, für mich sehr überzeugend, neben den hervorragenden Dialogen auch das Lokalkolorit deutlich stimmungsvoll rüber zubringen. In diesem Kapitel für mich sogar als Sehnsuchtsort. Reich mir die Sense, ich gehe schon mal zur geheimnisvollen Wiese.

Nun sie werden im nächsten Kapitel auch noch dort sein, schön!

Munro

Gruß an marstraveller:
Ich sehe gerade jetzt, auch sie/er hat "idyllisch" und "schön" ähnlich reviewt. Schön! :-)
19.04.2014 | 13:40 Uhr
Oh, endlich wieder „daheim“ in Benjamins Garten! Man merkt in jeder Geste und jeder Äußerung, wie wohl Phillip sich hier fühlt und wie viel ihm Benjamin und David bedeuten. Deshalb wirkt er wahrscheinlich auch so entspannt, weil er weiß, dass er hier immer willkommen ist, und er scheint sich auch sicher zu sein, dass seine beiden Freunde Christoph akzeptieren werden.

Sehr gelungen finde ich, dass man beim Lesen das Gefühl hat, sowohl das kleine Haus mit dem Garten als auch seine Bewohner durch Christophs Perspektive wahrzunehmen, der ja alles zum ersten Mal sieht. Erzähltechnisch ist das sicher dem Umstand zu verdanken, dass dem Leser, der die anderen beiden Bücher nicht kennt, die Kulisse angemessen beschrieben werden soll. Aber indem man Christophs Perspektive einnimmt, merkt man auch, was in ihm vorgeht. Er wirkt etwas distanziert, vielleicht auch unsicher. Er blickt von außen auf die Szene und empfindet nicht die innere Verbundenheit mit dem Garten, dem Haus und seinen Bewohnern wie Phillip. Dieser findet alles „schön“, während Christoph das Ambiente als „idyllisch“ bezeichnet. Dieser Begriff impliziert für mich trotz seiner positiven Konnotation eine gewisse emotionale Distanz. Was man als „Idylle“ erlebt, ist einem eigentlich fremd.

Während Christoph die äußere Umgebung noch als idyllisch bezeichnen kann, fallen ihm bei der Führung durch das kleine Haus die „scheußlichen braunen Fliesen“ sowie der „vorsintflutliche“ Boiler im Bad und die karge Einrichtung der beiden kleinen Schlafzimmer auf. Benjamin spürt die Diskrepanz, die zwischen der Welt des Galeristen und seinem eigenen, einfachen Lebensstil besteht, und wirkt sehr verunsichert in Bezug auf Christophs Urteil. Er glaubt, sich rechtfertigen zu müssen, dass der Boiler nicht richtig funktioniert und dass „alles noch sehr einfach“ ist. Zum Glück hat er das Backup von Phillip, der mit diesem Leben das „Gefühl von Freiheit“ verbindet und Benjamin darin bestärkt, auch vor dem vielleicht einschüchternd wirkenden Galeristen aus der Hauptstadt zuzugeben, dass er dieses einfache Leben liebt.

Die Schönheit dieses Lebens und der gesamten Kulisse erschließt sich jemandem wie Christoph erst auf „den zweiten Blick“, genauso wie die Attraktivität von Benjamin, die in Berlin keine Chance hätte, wahrgenommen zu werden, sondern in den grellen Farben und der Reizüberflutung der Unterhaltungsmetropole untergehen würde. Man merkt, dass Christoph ein Großstadtmensch ist, dass er aber durchaus in der Lage ist, diesen „zweiten Blick“ zu entwickeln, mit dem man die Schönheit der Natur und der „natürlichen“ Menschen sehen kann. Es wird deutlich, dass Christoph sich um Phillips willen auf diese andere Perspektive einlässt, dass er das Bier auch aus der Flasche trinken kann und sich nicht vollkommen „fehl am Platz fühlen“ muss.

Die Anspannung, die aufgrund einer gewissen Unsicherheit zwischen Benjamin und Christoph herrscht, ist deutlich spürbar. Christophs Unsicherheit entspringt sicher dem Bewusstsein, dass es Phillip sehr viel bedeutet, dass diese beiden Welten sich miteinander anfreunden oder zumindest einander akzeptieren. Phillip dagegen scheint vollkommen gelöst und glücklich zu sein, die Menschen, die er liebt, um sich zu haben, und das in einer Umgebung, die für ihn Freiheit bedeutet. Die Ankunft von David, dessen wunderbare Ausstrahlung auch von Christoph sofort wahrgenommen wird, trägt noch einmal zur Auflockerung der Atmosphäre und zur allgemeinen Entspannung bei.

Phillips Äußerung, die den Abschluss dieses Kapitels bildet, ist zwar auf den ersten Blick „anzüglich“ gemeint, könnte aber im übertragenen Sinn auch auf die Beziehung zwischen Phillip und Christoph bzw. auf Phillips Unsicherheit in Bezug auf den Altersunterschied bezogen werden.
[Liebe Jana, vielleicht könntest du aus diesem Satz einen Titel für das Buch basteln, wenn du den Arbeitstitel verwerfen musst, weil du den Begriff Liebe da nicht drin haben willst. Der Titel könnte dann darauf anspielen, was wirklich zählt (in der Liebe, in einer Beziehung, im Leben etc.).]

Ich bin gespannt, wie der nächste Tag verläuft, wenn Seth ins Spiel kommt.
B-H-Bartsch (anonymer Benutzer)
16.04.2014 | 19:54 Uhr
ich finde die Beiden wirken das erst mal wirklich entspannt. Aber das wird sich wohl noch ändern wenn Seth morgen ins Spiel kommt. Na mal sehen, wie es weiter geht. Ich freue mich, das sie jeden Falls endlicch ihren Weg zueinander gefunden haben.

LG Und frohe Ostern

Bettina
leila (anonymer Benutzer)
16.04.2014 | 15:43 Uhr
Ich hab etwas länger gebraucht, um mich an deinen Schreibstil zu gewöhnen (ich bin wohl nicht so gut darin, zwischen den Zeilen zu lesen), aber mittlerweile mag ich ihn sehr.
Dieses Kapitel mag ich besonders gern. Phillip wirkt hier sehr gelöst, frei.
(Und das Kapitel hat Lust gemacht auf "Benjamins Gärten" - ich habe geschmunzelt, als ich es bei amazon gesucht hab und Benjamin Blümchen als Gärtner aufgetaucht ist).

Antwort von BenjaminsGarten am 19.04.2014 | 10:19 Uhr
Hallo Leila, Danke für Deine Review!
Ja, Phillip fühlt sich sehr wohl an diesem Ort. Okay, mein Stil in dieser Geschichte ist eigentlich schon mehr Mainstream als sonst. Schön, dass Du Dich damit anfreunden konntest.
Wenn das Kapitel Lust auf Benjamins Gärten macht, ist die Mission ja erfüllt ;-) Das sind Sachen, die man erst später merkt, Suchergebnisse: Benjamin Blümchen - und bei "Phillips Bilder" tauchen in der Suche Phillips-Geräte und eine Seite mit Promi-Bildern auf.
Liebe Grüße von Jana
14.04.2014 | 12:00 Uhr
Hallo,

ich verfolge die Geschichte schon seit ein paar Monaten und will nun auch mal meinen Senf dazu geben.
Zuerst bin ich auf die Geschichte gestoßen, als ich in einer nächtlichen Aktion das Archiv nach Prosa Slash Geschichten durchforstet habe, bei denen das Liebespaar einen gehörigen Altersunterschied hat. Zu meiner Entteuschung war die Ausbeute eher mager. (Über Vorschläge von anderen Geschichten wäre ich sehr dankbar) Umso mehr war ich begeistert als ich über diese Geschichte gestolpert bin. Nichts ist so schön wie eine Geschichte die sprachlich einwandfrei geschrieben ist. Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken den Schreibprozess mit uns zu teilen und somit kostenlos den Zugang zu einem Qualitativ hochwetigen Lesevergnügen zu ermöglichen.

Über das Inhaltliche: Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass mir das Pairing gefällt. Ich freue mich schon sehr auf die Reaktion der Freunde und insbesondere der Familie. Ich finde die Sexszenen weder zu lang, noch zu kurz. Sie sind nicht übertrieben, sondern vermitteln eine gewisse Normalität (das ist positiv gemeint). Die Nebengeschichte mit dem Lesbischen Paar ist überhaupt nicht mein Ding. Trotzdem ist sie durch die gute Schreibweise und die schönen Ideen gut zu lesen und passt ins Gesammtbild. Zu Details die mir beim lesen aufgefallen sind kann ich nichts schreiben, da ich erst alles auf einmal gelesen habe und jetzt die neuen Kapitel immer verschlinge. Somit sind Anmerkungen und Kommentare die mir durch den Kopf gingen verloren gegangen, weil ich extrem schreibfaul bin.Mir schmerzen jetzt schon wieder die Finger, da ich alles auf meinem Händy tippe :) Mein Review ist mehr Geschwafel als konstruktive Kritik. Das tut mir leid, ist aber typisch für mich. Ich freue mich schon darauf die Geschichte als richtiges Buch in der Hand zu halten. Es ist ein tolles Gefühl nicht bloß auf einen Bildschirm zu starren, sondern solch ein "Nieschenprodukt" in der Hand zu halten. (Meine erste lieblings Fanfiktion habe ich damals ausgedruckt). Ich sollte jetzt besser zum Ende kommen, da eh nichts produktives mehr rumkommt. Insgesammt kann ich nur sagen: weiter so ich will mehr!!!!

Liebe Grüße

Dr Troy
12.04.2014 | 16:52 Uhr
Oh, hier macht Phillip aber einen gewaltigen Schritt vorwärts! Wenn er Christoph seinen engsten Freunden vorstellen möchte, scheint es ihm wirklich ernst zu sein. Mutig! Dass Phillip noch zögert, seinen Freund auch seinem Vater vorzustellen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ein zwangloses Treffen und gemeinsam verbrachte Zeit mit Freunden ist doch etwas ganz anderes als das offizielle Vorstellen des Partners gegenüber den eigenen Eltern. Warum soll Phillip für diesen Schritt nicht noch ein wenig Zeit brauchen, immerhin sind sie gerade erst wieder seit ein paar Tagen ein Paar. Ich finde, Christoph reagiert hier auf Phillips zurückhaltende Haltung zu empfindlich, was allerdings nur davon zeugt, dass sein Vertrauen in die Beziehung durch die zuvor geäußerten Zweifel seines jungen Freundes und das Schlussmachen durch Phillip immer noch erschüttert ist.

Es gefälllt mir, dass dieses Kapitel zeigt, dass der Schritt aufeinander zu auch für Eva und Anna nicht ganz einfach ist, und ich freue mich, dass die Atmosphäre des kleinen Picknicks in dem Atelier offensichtlich dazu beiträgt, die letzten Schranken, die zwischen den beiden stehen, zu überbrücken. Amüsant wirkte in dieser Konstellation Phillips Bemerkung „Das kann doch nicht so schwer sein“. Wenn man bedenkt, wie schwer es ihm gefallen ist, sich für Christoph zu entscheiden (und ich denke, der Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen), sollte man meinen, dass er die Schwierigkeiten, die Anna und Eva haben, gut nachvollziehen kann. Christoph scheint die gleichen Gedanken zu haben, wenn er über Phillips Bemerkung schmunzeln muss.

Im nächsten Kapitel geht es also zu Benjamin und David. Juchu! Ich freue mich wahnsinnig auf das Wiedersehen mit diesem absolut liebenswerten Traumpaar und den wunderschönen Schauplatz „Benjamins Garten“. Ich sehe Phillip schon barfuß durch das hohe Gras schreiten und die schönsten Fotos von Christoph schießen. Ob die beiden wohl in der Hängematte landen? Aber wahrscheinlich ist diese für Phillip zu stark mit Erinnerungen an Seth besetzt.

Eine kleine kritische Anmerkung habe ich zu diesem Kapitel. Ich liebe es, dass du bei den Dialogen vieles nur andeutest oder unausgesprochen lässt, um die Zurückhaltung der Figuren auszudrücken, die (noch) nicht alles preisgeben wollen, sondern ihre Gefühle und Gedanken teilweise voreinander verbergen möchten. Aber in diesem Kapitel gab es ein paar Äußerungen, die bei mir den Lesefluss erschwerten, weil mir nicht ganz klar wurde, welche Implikationen bei den Formulierungen nun wirklich mitschwingen sollten.

Zu deinen Fragen am Ende des Kapitels:

Der von dir gewählte Titel gefällt mir gut, auch wenn es natürlich nicht nur eine Frage der Liebe, sondern auch des Mutes und des Rückgrates ist, sich gegen gesellschaftliche Konventionen und die eigenen verinnerlichten Vorstellungen von einer Liebesbeziehung zu stellen, seine Liebe gleichsam nach außen hin zu behaupten.

Auf dem Cover könnte ich mir eine Mischung aus künstlerischen Fotografien (die vielleicht Phillips Projekt zum Thema Männlichkeit widerspiegeln) und Aufnahmen von einem Park oder einer parkähnlichen Umgebung vorstellen, weil die Spaziergänge im Park immer eine besondere Intimität zwischen Christoph und Phillip geschaffen haben.

LG

Claudia
09.04.2014 | 16:25 Uhr
Hey,

weißt du, ich freue mich auf das Zusammentreffen mit Benjamin und David und auch auf Philipps Vater. Ich möchte Philipp erleben in seinem angestammten Umfeld. Ich möchte wissen, wer Teil seiner Sozialisation war.
Das ist für mich immens von Bedeutung, um die Situation hier in diesem Kapitel in Ansätzen beurteilen zu können. Für mich ist die Figur Philipps völlig neu, da ich keine vorherigen Bücher gelesen habe.

Philipp ist Künstler, Student und scheint sich in dieser Künstler Szene völlig sicher zu bewegen.
Es ist natürlich ein bestimmter Kreis, der sich hier im Atelier trifft. Fast gleicht es einem Interieur-Stillleben, wie sie dort stylisch beisammen hocken mit dem Picknickkorb, Wein und Weintrauben, die Fotos effektvoll drappiert.
Auch die zwei Frauen passen zum Ensemble, sexuelle Freiheit genießend und ich will wetten, sie würden als Paar auffallen nicht weil sie zusammen sind, sondern auch aufgrund ihres Bekleidungsstils. Ein Hauch der Bohème durchweht das Studio, hier passt auch der Altersunterschied hervorragend dazu.
Es ist okay, auch wenn ich hier ein Bild der künstlerischen Avantgarde vor Augen habe. Christoph hat sich etabliert in einem gehobenen Niveau.
Auch Philipp passt hier hinein, er wird als Fotograf keinem Mainstream folgen, sondern revolutionäre neue Ideen verwirklichen, zumindest hoffe ich das.

Nur woher kommt er? Wird seine Art vorher zu leben, mit seinem jetzigen Leben kollidieren?
Warum ist er Fotograf und Künstler geworden?
Sind seine Freunde hier zu integrieren, sind sie ihm wie wichtig?
Hoffnungsfroh klingt Philipps Überlegung, als er über seinen Vater nachdenkt im Kontext zu Anna und Eva. >“So ist mein Vater nicht” <

Ach, ich habe dieses Kapitel genossen, wäre gerne bei der Vernissage dabei mit einem Gläschen Champagner oder einem Sektchen. Bin allerdings sehr gespannt auf das Zusammentreffen auch mit Seth.

Munro
amel (anonymer Benutzer)
08.04.2014 | 17:21 Uhr
Hallo Jana,
das freut mich sehr, dass du es aus Buch rausbringst. Den Titel würde ich so lassen. Mir gefällt er sehr, genau wie deine Geschichte. Ich freu mich schon die Geschichte im Ganzen als Buch zu lesen.

Also fleißig weiter so.

Angela
28.03.2014 | 11:36 Uhr
Hey Jana,

wow, alles schon gesagt. Ich darf mich wohlig zurücklehnen und mich der Vorreview anschließen.

Vielleicht zusätzlich noch ein wenig meine persönliche Sicht gefällig?
Ja? Okay:

Nun, jetzt ist es also Wolfgang, der den Altersunterschied anspricht, doch Christian ist nicht geschockt und als Philipp mit ein wenig Verspätung contra gibt zu Wolfgang, da wird Christian direkt ein klitzeklein wenig ordinär. Das hat Wolfgang verdient. Ja, durch diese Äußerung weiß Wolfgang nun auch sehr genau, dass Philipp nicht das devote kleine Spielzeug von Christian ist.

Also an Christian wird es definitiv nicht liegen, wenn diese Beziehung keine Chance bekommt.
Christian ist sich in allem sehr sicher, er steht zu seinem Alter und er steht zu Philipp.
Richtig, man muss nicht alles machen, was der Partner macht, aber ab und zu aus seiner Perspektive die Welt sehen, ist wichtig. Oder wie hier, den glucksenden Bach im Berggarten.
Übrigens macht dies direkt Laune, die Herrenhäuser Gärten zu besuchen, denn auch das ist Hannover!

Ein Kuss von Philipp auf einem öffentlichen Bahnsteig bringt Christoph ein wenig aus der Spur.
Na, zum Glück nur Christoph und nicht den einfahrenden Zug. ;)
Philipp nun musst du dich entscheiden, oder hast du das schon?

Munro
24.03.2014 | 18:32 Uhr
So ein schönes Kapitel, in dem die Harmonie zwischen Phillip und Christoph im Mittelpunkt steht, ohne dass die Problemfelder komplett ausgeblendet werden!

Die Art, wie Christoph den schlafenden Phillip am Sonntagmorgen betrachtet, macht deutlich, wie tief die Gefühle mittlerweile sind, die er für den Studenten empfindet. Bei den Gedanken über sein Spiegelbild, die sich Christoph während seiner Morgentoilette aufdrängen, hat mir besonders gut gefallen, wie du mit wenigen Worten dem Leser vermittelst, dass Christoph zwar die Anzeichen seines Alters sehr wohl registriert, diese aber, abgesehen von der Gesichtscreme, die er benutzt, nicht wegretuschieren will, sondern mit seiner Erscheinung vollkommen zufrieden ist. Und so können die Sticheleien von Wolfgang, die dieser bei ihrem zufälligen Treffen im Park äußert, Christoph auch nicht wirklich tangieren. Das Zusammensein mit Phillip fühlt sich für ihn einfach nur „großartig“ und richtig an. Dieses Mal sind die Verständigung, Harmonie und Nähe zwischen Phillip und Christoph so stark, dass kein Störenfried von außen mit seinen Bemerkungen in Bezug auf den Altersunterschied dieses Band zerreißen kann. Die Stabilität dieses neuen Bandes hat vielleicht auch damit zu tun, dass es die beiden nicht starr aneinanderkettet, sondern flexibel ist und ihnen ihren eigenen Raum lässt, die Möglichkeit, das Eigene nicht aufzugeben und dennoch den anderen wahrzunehmen und zu schätzen. Das wird in der Parkepisode wunderschön veranschaulicht. Christoph fühlt sich zwischenzeitlich vielleicht etwas „vergessen“, als Phillip sich ganz dem Fotografieren hingibt, und er folgt ihm auch nicht barfuß auf die Blumenwiese, weil das einfach nicht sein Ding ist, aber er ist mit seinem Blick und, noch wichtiger, seinem Herzen, die ganze Zeit bei seinem jungen Freund. Sehr aufschlussreich finde ich in diesem Zusammenhang die Formulierung „Christoph ging auch in die Hocke, um Phillips Perspektive nachzuvollziehen.“ Auch wenn es zunächst nur um die Blickrichtung auf das Objekt geht, das Phillip gerade fotografiert, so ist hier doch letztlich eine symbolische Handlung zu sehen, die Christophs Fähigkeit veranschaulicht, die Welt einmal mit Phillips Augen wahrzunehmen. Und für Christoph eröffnet sich dadurch der Blick für die Schönheit der Umgebung. Dadurch entsteht eine Vertrautheit des Augenblicks, die eine besondere Nähe zwischen den beiden Männern schafft, welche wiederum in einem innigen Kuss ihren Ausdruck findet.
Dass die besondere Verbindung auch von Phillip spürbar ist, zeigt seine Reaktion, als Wolfgang auftaucht. Als habe er sofort gemerkt, dass Christoph hier angegriffen wird, stellt er sich zu seinem Freund, diesmal allerdings nicht, um seine Besitzansprüche gegenüber dem Konkurrenten geltend zu machen, sondern um seinen Freund zu unterstützen, an seiner Seite zu stehen und zu zeigen, dass er zu ihm steht.
Der Abschied auf dem Bahnsteig macht deutlich, dass die beiden ihrem Ziel einen großen Schritt näher gekommen sind. Phillips rücksichtsvolles Angebot, mit Christoph noch länger auf dessen Bahn zu warten, sowie die offene Art, wie er sich von seinem Freund verabschiedet, machen deutlich, dass die 98 Prozent, mit denen Phillip sich zuvor für Christoph entschieden hat, offensichtlich immer noch gültig sind.
Diese Erkenntnis bringt Christoph ein wenig „aus der Spur“ und den Leser zum Schmunzeln.

Ein gelungener Abschluss eines wunderbaren Kapitels!
19.03.2014 | 16:45 Uhr
Hey,

diesmal sind beide sehr offen miteinander. Philipp ist ungleich sensibler. Er ist bereit, sich zu öffnen. Na, erst einmal zu sieben von zehn. Aber er kann sich selbst reflektierend ausdrücken, er sieht seine Eifersucht und auch seine Selbstzweifel. Eine Äußerung kann nur dann ins Innerste treffen, wenn bereits leise Zweifel gesät sind. So ist es ihm mit dem Kellner ergangen.

Ja, in der Theorie ist das alles vernünftig zu regeln, Christoph mit einem intelligenten Mann, Philipp mit einem jüngeren Partner, so wie es eben am einfachsten ist.
In der Praxis spricht das Herz mit und es ist gut, wenn Christoph ihm zu sagen getraut, dass es eben „nicht so toll ist“, wenn Philipp Schluss macht.

Sie passen gut zusammen, haben gleiche Interessen, Philipp kann sehr ernsthaft sein und Christoph hat mit ihm einen zwar jungen, aber einen Partner auf Augenhöhe gefunden. Du beschreibst sehr eindrücklich das Wesentliche ihrer Beziehung und auch die Zweifel Philipps kann ich gut nachvollziehen. Er würde die Lockerheit des Zusammenseins noch vorziehen, aber andererseits will er Christoph auch nicht mehr teilen. Christoph allerdings will die Sicherheit einer Beziehung, auch das ist verständlich. 98 Prozent klingen schon mal gut, zumal sie darüber spaßen und lachen können gemeinsam.

Ich mag das, wenn sie so ernsthaft und sensibel, so offen und auch selbstkritisch miteinander reden.
Über den Sex brauchen wir nie zu reden, da verstehen sie sich blind, da sind keine Altersunterschiede feststellbar. Das ist auch gut so. Denn ich glaube, Sexprobleme wären der absolute Beziehungskiller, würden Vorurteile schnell bestätigen.

Aber davon ist nichts zu spüren, im Gegenteil, Philipp genießt den erfahrenen Mann, der auch bereit ist, sich ihm hinzugeben. Na, also, klappt doch zu 100 Prozent. ;)

Munro
17.03.2014 | 22:54 Uhr
Junge, Junge, das Kapitel war heiß und gleichzeitig unheimlich einfühlsam. Ich konnte Christophs Angst und gleichzeitig seine Hoffnung gut nachvollziehen. Mh...liegt vielleicht daran, dass ich selbst in Christophs Alter bin. Da kann ich gut mitfühlen.
Ich finde es total süß wie du Phillip beschreibst. Sein ...ich will dich, aber es macht mir Angst... aber ich will auch nicht, dass jemand anderes dich will.
Ja, ja die Eifersucht. Hier hat sie nicht zwei Personen getrennt, sondern sie zusammen geführt.
Ich hoffe nur, Phillip kriegt nicht wieder Bedenken, das wäre für Christoph schrecklich.
Daumen drück...

gerne gelesen und freue mich auf mehr

liebe Grüße

calypso
17.03.2014 | 18:33 Uhr
Liebe Jana,

ich habe in den letzten Wochen nie die Zeit gefunden, um zu den neuen Kapiteln einen Kommentar zu schreiben. Das will ich heute nachholen. Da seit meinem letzten Review sehr viel zwischen Phillip und Christoph geschehen ist, wird mein Kommentar entsprechend ausführlich ausfallen, weil ich gerne auf die gesamte Entwicklung seit dem 17. Kapitel eingehen möchte. Ich hoffe, es ist hier überhaupt möglich, einen längeren Text zu verfassen. Naja, ich werde es sehen.

Dass die Entscheidung, ihre Beziehung zu beenden, sowohl von Phillip als auch von Christoph eigentlich nicht gewollt war, wird in den beiden Kapiteln nach dem „Knall“ sehr schön veranschaulicht. Und dass letztlich jeweils die eigene Unsicherheit der Grund für das Zerwürfnis war, wirkt realistisch und passt zu den Figuren, wie sie sich bisher präsentiert haben.
Die Fotosession ist die erste Annäherung danach und zeigt das vorsichtige Austesten des neuen Terrains „Freundschaft“, das die beiden nun betreten haben. Wieder einmal zeigt sich, dass sich Phillip beim Fotografieren am besten entspannen und öffnen kann. Er macht Christoph verhaltene Komplimente und offenbart ihm damit, dass er ihn immer noch attraktiv findet, was Christoph zu der Feststellung verleitet, Phillip wisse nicht, was er wolle.
Während der ganzen Begegnung ist die Spannung zwischen den beiden fast in jeder Handlung und jedem Satz spürbar. Es wirkt einerseits amüsant, wie die beiden umeinander herumschleichen, andererseits aber auch irgendwie traurig, weil sie die Chance, die sich ihnen bietet, nicht ergreifen.
Schließlich ist es dann Christoph, der (zumindest für den Leser, - Phillip erscheint nicht ganz so helle) deutlich macht, dass er noch nicht aufgeben will, dass er vielleicht um Phillip und um das, was sie hatten oder haben könnten, kämpfen wird. Phillip ist durch Christophs Vorschlag, das Wochenende zusammen in Hannover zu verbringen, verwirrt, spürt auch zunächst den Impuls, abzulehnen, lässt sich aber dann doch darauf ein, nachdem er sich innerlich davon „überzeugt“ hat, dass dies nur „ein Freundschaftsangebot“ sei. So naiv kann Phillip eigentlich nicht sein, um nicht die wirklichen Absichten hinter Christophs Vorschlag zu erkennen, aber er möchte gerne glauben, dass dieses Wochenende ganz unverbindlich ist und ihm somit keine Entscheidung abverlangt wird, die er zum jetzigen Zeitpunkt sowieso nicht fällen kann oder möchte.

Auch in Hannover schwebt das Unausgesprochene ständig zwischen Christoph und Phillip, aber beide vermeiden das Gespräch über das eigentlich Offensichtliche, den wahren Zweck oder zumindest die Möglichkeiten dieses gemeinsamen Wochenendes. Phillip wird zwar schon auf der Hinfahrt klar, dass der Besuch der Ausstellung, der ja als „Grund“ oder eher als Alibi für die gemeinsame Reise im Raum steht, auch ohne Übernachtung möglich gewesen wäre, aber er vermeidet es, aus dieser Tatsache die notwendigen Schlüsse zu ziehen, und nur zu gerne tun beide Männer so, als wählten sie das Doppelzimmer „nur“, weil es billiger ist als zwei Einzelzimmer. Haha!
Das Gespräch im Zimmer erinnert an die Worte, die während der Fotosession gefallen sind. Phillip macht Christoph Komplimente in Bezug auf sein Aussehen, lässt unterschwellig jedoch auch das Thema miteinfließen, das für ihn das zentrale Problem darstellt: Christophs Alter. Christoph registriert die Andeutungen, die in Phillips Äußerungen mitschwingen, erkennt aber noch nicht das eigentliche Problem, das dahinter liegt. Und noch zieht sich Phillip immer ins Schweigen zurück, sobald das Gespräch zu nah an seine Gefühle heranführt. Immer noch hat man beim Lesen das Gefühl, dass die beiden sich vorsichtig umkreisen und ängstlich darauf bedacht sind, ihre wahren Emotionen nicht preiszugeben. Obwohl deutlich wird, dass sie beide das Bedürfnis nach mehr Nähe haben, halten sie sorgsam Abstand, was besonders in der Szene deutlich wird, als Phillip Christophs Narbe auf dem Rücken berühren möchte, dies jedoch nicht tut, weil Christoph „zu weit weg“ sitzt.

Hatte das kurze Gespräch im Hotelzimmer das zentrale Problem, das Phillip mit Christoph hat, nämlich den Altersunterschied, umkreist, so zeigt der Restaurantbesuch einen anderen Aspekt auf, der scheinbar (zumindest aus Phillips Perspektive) zwischen den beiden Männern steht: das extrem weit voneinander entfernt liegende soziale Milieu. Ich kann Phillips Unbehagen sehr gut nachvollziehen, wenn er sich mit seinen Chucks und dem einfachen T-Shirt in dem vornehmen Ambiente einfach fehl am Platz fühlt. Für ihn ist die Situation wieder ein Zeichen dafür, dass Christoph und er zwei unterschiedlichen Welten angehören, und es ist auch verständlich, dass er ein wenig verärgert ist, dass Christoph ihn dieser Situation, in der er sich wie ein Stricher fühlt, der von seinem „Sugar-Daddy“ ausgeführt wird, aussetzt. Für den Leser wird hier noch einmal eine weitere Schwierigkeit deutlich, die mit dem Altersunterschied verbunden ist: Phillip wird sich zumindest in den nächsten Jahren in Christophs Welt des wohlhabenden Galeristen genausowenig heimisch fühlen wie Christoph auf einer Studentenparty. Beide würden aber gerne auch diesen Bereich ihres Lebens mit einem Partner teilen. Wunsch und Realität scheinen hier unüberbrückbar auseinanderzuklaffen. Der Satz, den Anna Phillip in dem Gespräch kurz nach seiner Trennung von Christoph mitgeteilt hat („Eine Person kann nicht für alles im Leben zuständig sein.“) ist da nur ein schwacher Trost.
Christoph empfindet Phillips Kleidung offensichtlich nicht als unangemessen und kann die Aufregung seines Freundes nicht ganz verstehen. Hier zeigt sich seine größere Souveränität und Selbstsicherheit. Wer so lange in Künstlerkreisen verkehrt hat, hat wahrscheinlich gelernt, sich darüber hinwegzusetzen, was andere denken. Und wieder wird deutlich, dass das genau Phillips Problem ist. Genauso wie es ihm den Boden unter den Füßen entzogen hat, als der Kellner in dem Café dachte, er sei Christophs Sohn, so ist für ihn die Vorstellung unerträglich, dass der Kellner oder andere Restaurantbesucher annehmen könnten, er sei Christophs „Stricher“ oder zumindest jemand, der sich von dem Älteren aushalten lässt. Dass Phillip hier letztlich seine eigenen Ängste und Normvorstellungen auf andere projiziert, wird in der nachfolgenden Reaktion des Kellners deutlich, die zeigt, dass Phillip das Verhalten des Mannes zuvor wahrscheinlich vollkommen falsch interpretiert hatte.
Glücklicherweise finden Christoph und Phillip einen Weg, aus der angespannten Situation herauszukommen. Das befreiende Lachen über Phillips „Entspannungsübung“ bricht das Eis und sie können sich auf einer Ebene begegnen, auf der keiner der beiden seine Haltung und Einstellung verleugnen muss. Phillip kann zugeben, dass das Essen „wirklich lecker“ ist und gleichzeitig zum Ausdruck bringen, dass man von einer solchen Gourmetküche nicht satt wird. Und Christoph kann mit einem Augenzwinkern einen anschließenden Besuch bei McDonald's versprechen.
Da der Abend offensichtlich für die Freunde sehr entspannt endet, ist Phillips Bedürfnis nach körperlicher Nähe am anderen Morgen nur konsequent. Dass Christoph für diesen Fall so gut vorgesorgt hat, macht natürlich nur allzu deutlich, was er sich von dem gemeinsamen Wochenende erhofft hat. Umso mehr trifft es ihn, als Phillip nach dem Sex schnell wieder eine Grenze zieht, indem er betont, dass dies ja nur Freundschaftssex gewesen sei. Christoph zieht sich daraufhin zurück, was Phillip zunächst nicht richtig einordnen kann. Phillips Reaktion wirkt hier wieder recht naiv. Ihm müsste eigentlich klar sein, dass er mit Christophs Gefühlen spielt, und so ist es auch nur konsequent, wenn Christoph von ihm fordert: „Werde dir endlich klar …!“

In dem Streitgespräch, das sich im Museumscafé entwickelt, nachdem Phillip zuvor mit seinem Kuss den vermeintlichen Konkurrenten abschrecken und Christoph als zu ihm gehörig markieren wollte, kommt es endlich zu einer Aussprache, die das zentrale Problem angeht, an dem Phillip zu nagen hat, den Altersunterschied. Und Christoph macht deutlich, dass er sich als Grundlage für eine Beziehung eine klare Entscheidung von Phillip wünscht. Dass Phillip diese Entscheidung für Christoph daran festmacht, dass er das Gefühl von Eifersucht verspürt und Christoph auf keine Fall einem anderen Mann überlassen will, wirkt nicht wirklich überzeugend. Eifersucht ist kein Indiz oder Gradmesser für Liebe. Nach der Aussprache und der erneuten körperlichen Annäherung, die zwischen Christoph und Phillip stattfindet, meint der Jüngere in Bezug auf seine Gefühle für den Älteren mehr Sicherheit gewonnen zu haben. Phillips Geständnis „Ich will dich“ während des Sex' wird von Christoph als positive Entscheidung für ihn gewertet, aber beim Leser bleibt der Zweifel, ob dies wirklich eine neue Basis für die beiden darstellt.

Ich bin gespannt, ob Phillip bei seiner 9,5-Entscheidung bleiben kann oder ob ihn die nächste kleine Unannehmlichkeit wieder den Schwanz einziehen lässt.

Liebe Grüße

Claudia
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