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Autor: KaitoTemari
Review 1 bis 1 (von 1 insgesamt):
04.07.2010 | 14:13 Uhr
Hm, darf ich fragen, ob das deine erste FF ist? Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Aber von der ganzen Art wirkt das irgendwie so.

Aber, wie dem auch sei, auf zum eigentlichen Thema, dem OS:
Die Idee finde ich niedlich und es lohnt sich auf jeden Fall sie in Angriff zu nehmen. Es ist schön zu sehen, wie jemand versucht, sich mit den Charakteren auseinanderzusetzen. Und wir wissen ja nun wirklich noch nicht, wie die sich nun angefreundet haben.
Leider ist die Umsetzung nicht unbedingt ideal. Der Oneshot hat da ein paar Schwächen.

Aber fangen wir erst mal mit etwas Positivem an: Erzähltempus. Da hast du dich jetzt ja für Präsens entschieden und du hast es geschafft, das einwandfrei durchzuziehen. Soweit ich gesehen habe, bist du nicht einmal in die Vergangenheitsform abgerutscht. Und das passiert ja nun wirklich vielen. Also gut gemacht.

Leider beißt sich aber das Erzähltempus ein wenig mit dem Erzählstil. Meiner Meinung nach. Und das ist ein Punkt, wo ich ins Grübeln komme. Ich bin mir nämlich absolut nicht sicher, ob du diese Erzählweise absichtlich gewählt hast oder ob sie eher noch auf Unerfahrenheit beruht.
Du beschränkst dich in deiner Erzählung nämlich nur auf Handlungsaufzählungen: Erst passiert das, dann das und dann folgt jenes, etc. Beschreibungen jeglicher Art sind nur minimalistisch eingestreut. Bei den Charakteren setzt du darauf, dass die Leser sie kennen, sie werden nicht vorgestellt – nun gut bei einer FF ist diese Annahme wohl auch berechtigt. Na ja, worauf ich hinaus wollte: Insgesamt gewinnt der Erzählstil fast schon die Eigenschaft einer Märchenerzählung. Also man könnte sich fast vorstellen, dass eine Mutter diese Geschichte ihren Kindern zum hundersten Mal erzählt und diese deswegen damit vertraut sind und die ganzen Kleinigkeit nicht wirklich missen. Wie gesagt, passt das Tempus hier nicht ganz so gut dazu, da man für eine klassische Märchenerzählung doch eher die Vergangenheit erwarten würde.

Und noch einen Nachteil bringt diese Erzählweise mit, vor allem in Kombination mit der Kürze des OS. Er verliert leider an Tiefe. Der Leser wird nie wirklich eingeladen richtig in die Geschichte einzutauchen. Die ganze Erzählung bleibt an der Oberfläche, die Handlung findet viel zu schnell statt und wirkt von daher auch leicht unrealistisch.
Zum Beispiel die Stelle, wo Sherry ins Zimmer kommt und Break auffordert aufzutauen. Das wirkt irgendwie gezwungen. Sherry scheint einfach mal dort hingestellt worden zu sein, sie wirkt hineingezwängt.
Oder wenn du am Anfang sagst, Break sei traurig und denke an die Vergangenheit. Du nennst es einfach nur als Tatsache. Der Leser hat in diesem Moment keine Chance sich mit Break zu identifizieren. Zeig ihm doch, woran Break genau denkt, wie er sich wirklich fühlt, wie seine Umgebung in dem Moment auf ihn wirkt, usw. Ich meine, denkt er zum Beispiel an die Beisetzung, die er erlebt hat oder wie er sich mit dem Chain verbündet hat. Oder daran, wie durch sein eingreifen, die Vergangenheit geändert wurde und wie sie hätte sein können.
Selbiges gilt für den Moment, als er sich an die Tochter seines damaligen Meisters erinnert und beschließt Sharon zu retten. Zieh doch einen Vergleich zwischen den beiden Mädchen. Oder lass Break in diesem Moment eben jene Tochter statt Sharon sehen. Oder gib ihm nach dem Kampf einen Augenbick Zeit darüber nachzudenken, warum er auf einmal so gehandelt hat.
Lass uns Leser mehr teilhaben an den Gedanken und Gefühlen deiner Figuren.

Dann das Ende: Ich weiß ehrlich nicht, warum du das gemacht hast. Unabhängig davon, ob der Wille des Abyss nun wirklich so frei durch die Gegend spazieren kann oder nicht, warum setzt du sie darein. Aus der Sicht eines Lesers, der Pandora Hearts nicht kennt, würde man vielleicht annehmen, sie sei die Tochter des ehemaligen Meisters. Das wäre das Naheliegendste. Jemand der Pandora Hearts kennt, erkennt den Willen natürlich und kann spekulieren, warum sie da ist. Ich würde sagen, sie hat den Chain geschickt, um Break zu helfen, sich in seiner neuen Zeit wieder mit jemandem anzufreunden. Aber ich sehe nicht wirklich, warum. Denkt sie, dass helfe ihr Break zu halten, damit er seinen Teil der Abmachung hält? Hat sie einen gewissen Narren an ihm gefressen? Mag sie ihn und hilft ihm deswegen?
Die ganze Gestaltung des Endes verwirrt den Pandora Hearts Kenner mehr als einen, der den Manga nicht kennt. Vor allem da du zuvor die Handlung geschlossen hast mit dem Beschluss, wieder ins Haus zu gehen. Durch den Willen öffnest du das Ganze wieder, aber nicht so, dass man sagen würde, es ist ein sinnvolles offenes Ende. Es verwirrt einfach nur. So wie du es hier gewählt hast, würde es nur etwas bringen, wenn die Geschichte weiter fortgeführt würde. Wenn später geklärt würde, was der Wille dort macht, welchen Einfluss er auf Break nimmt, etc.
Wenn du sie hättest reinbringen wollen, wäre ein Perspektivenwechsel von Break weg und zum Willen des Abyss hin besser gewesen. Wenn du also geschrieben hättest, wie sie da hinter dem Baum steht und die Szene beobachtet, vielleicht mit kurzen Gedanken dazu.

So letzter Punkt: Sicherlich eine Streitfrage, aber ich bin leider nicht wirklich glücklich mit der Wortwahl „Trump“ und „Master“. Warum nimmst du hier die englischen Begriffe? Sicher „Chain“ ist auch englisch, aber hier könnte ich es noch als „Fachbegriff“ ansehen, da ich nicht weiß, ob ich „Kette“ für diese Wesen wirklich bevorzugen würde – wahrscheinlich eher nicht.
Aber „Trump“ und „Master“ könntest du ohne weiteres als „Trumpf“ und „Meister“ wiedergeben, was für mich auch den natürlicheren Klang hätte.
Aber gut, das ist wohl, wie gesagt, Ansichtssache.

Liebe Grüße,
Isamenot
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