Rest in peace * Mystrade

erstellt: 28.11.2013 aktualisiert: 20.12.2013
Kapitel: 13 Wörter: 26604 55 Reviews
Geschichte, Romanze (fertiggestellt) / P16 Slash
So ihr lieben Leser, eine kurze Zwischeninfo:

Ich werde gleich das 7. Kapitel posten. Insgesamt sind es 13 Kapitel. Wie ich schon schrieb, möchte ich sehr gern bis zum 24. durch sein, ich hoffe, es geht euch nicht zu schnell. Die Abschnitte sind aber allerdings nicht übermäßig lang, finde ich. Ich sehe, dass ihr auch recht zügig lest und möchte mich mal an dieser Stelle für die vielen, tollen RVs bedanken. Habe irgendwie gar nicht damit gerechnet, dass ihr alle so fleissig Feedback gebt. Umso schöner!

Mal kurz was zum nahenden Ende:
Ich habe versucht ein möglichst versöhnliches Ende zu schreiben. Keine Ahnung, ob es mir gelungen ist. Es sollte einigermaßen realistisch und normal sein. Guuuuut, bis auf eine winzige Ausnahme, doch ich hoffe, das vergebt ihr mir. Ich mag einfach keine Enden, die man isst, hinterschluckt und vergisst. Deshalb meine Warnung: es wird ein Nachgeschmack bleiben ;)
So, nun ...weiter gehts:


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Der Morgen begann grauenvoll.
Ab 4:46 lag Mycroft wach, hatte damit zu kämpfen seine Hände hinter dem Kopf verschränkt zu lassen und in die Dunkelheit zu starren. Als er seine körperliche Erregung im Griff hatte und gerade wieder weg dösen wollte, klingelte sein Handy. Fisher!
„Er ist noch nicht da, Mister Holmes.“, meldete sein Mitarbeiter pflichtbewusst und Mycroft kostete es alles an Selbstbeherrschung, um ihn nicht anzubrüllen. Er hatte ja selbst schuld.
„Gut. Bis auf meinen Wiederruf brauchen Sie mich ab sofort nicht mehr über das Erscheinen des Inspectors unterrichten. Sonst gilt meine Weisung weiterhin. Verstanden?!“ sagte er mit unterdrücktem Ärger in die kalte Dunkelheit.
„Ja Sir.“, vernahm er Fishers kleinlaute Zustimmung.
Solche Idioten, dachte er erbost, bekam aber den Verdacht nicht los, dass ihn Fisher absichtlich um diese Zeit angerufen hatte. Er sollte ihn feuern.

Wieder lag er wach und fröstelnd da und wartete auf den beginnenden Morgen. Dass er in einen unruhigen Traum abgerutscht war, merkte er erst, als das Telefon erneut klingelte und er mit klopfendem Herzen und erneuter Erektion wach wurde. Diesmal war es sein Gast von letzter Nacht.
„Guten Morgen Mycroft. Wir hatten gestern keine Uhrzeit vereinbart. Ist es dir 7 Uhr recht? Oder ist das zu spät? Ich kann auch jetzt schon kommen?“ Greg klang wach und gut gelaunt, ganz im Gegensatz zu Mycroft, dem sich schon bei dem Gedanken, durch den Park zu joggen der Magen umkrempelte.
„Um 7 Uhr ist in Ordnung.“, sagte er tonlos und verzog das Gesicht als hätte er in eine Zitrone gebissen.
„Du liegst doch nicht etwa noch im Bett?“ Er hörte genau das Lächeln in der Stimme des Polizisten und gern wäre ihm eine spontane, witzige Antwort eingefallen.
Leider sagt er nur: „Bis gleich.“ und legte auf.
Was hatte er sich nur dabei gedacht? War es wirklich so wichtig, welches Geheimnis Lestrade und Sherlock verband? Viel zu lange dachte er noch darüber nach und kam zu dem Ergebnis: dass es durchaus wichtig war. Sehr sogar.

Entschlossen stand er auf und stellte erschrocken fest, dass er keine entsprechende Kleidung hatte, um durch den Park zu joggen. In der hintersten Ecke fand er schließlich etwas, das aussah wie  … nein! Oder doch?
Missmutig und angewidert zog er sich an und vermied es in den Spiegel zu sehen. Gleichzeitig mit seiner Verkleidung hatte er eine einfache schwarze Mütze gefunden und darüber freute er sich fast, denn wenn er die aufhatte, würde ihn garantiert keiner erkennen. Es war verrückt und eine Erniedrigung ohne Gleichen. Trotzdem flatterte es in seinem Magen, als es fünf Minuten vor 7 läutete.
Auch Greg trug eine Mütze, schließlich war es kalt. Aber er sah in seinem dunkelblauen Polizeitrainigsanzug alles andere als lächerlich aus. Im Gegenteil!
Die braunen Augen blitzten belustigt und Mycroft kam ihm zuvor:
„Kein Wort!“, presste er warnend heraus und Greg zog mit einer Geste den Reißverschluss vor seinem Mund zu. Dabei grinste er wieder so breit, dass seine Lippe gleich an mehreren Stellen aufriss.
Um nicht auf den Mund des Polizisten zu starren, sah Mycroft an ihm vorbei und sein Herz rutschte definitiv in die Hose ohne Taschen. Unweit des Eingangstores war ein riesiger, grauer, struppiger Hund am Baum angebunden und wartete offensichtlich auf sein Herrchen. Entsetzt sah er zu Greg, der deutete auf seinen Mund, zuckte die Schultern und gab komische Laute von sich.
Mycroft verdrehte die Augen und Greg sagte, nachdem er kurz gelacht hatte:
„Das ist Barabas. Ein irischer Wolfshund. Tolles Tier, oder?“
„Nein.“
„Doch, ist er. Er ist aus einer Championzucht und angekört. Ich könnte ihn theoretisch …“
„Nein zum Joggen!“, sagte Mycroft und blieb wie angewurzelt in der Tür stehen.
Irritiert sah ihn der Polizist an, dann lachte er wieder.
„Verstehe! Keine Angst, Barbie ist sehr lieb und wen er einmal in sein großes Herz geschlossen hat, dem ist er ein Freund fürs Leben.“
Skeptisch sah Mycroft erst zum Hund, dann zum Herrchen und versuchte seine Angst zu bekämpfen. Es war nicht diese Art Hysterie, die er bei seinen Panikattacken hatte. Es war eher eine gesunde Vorsicht vor Dingen, die er nicht kontrollieren konnte. Und Hunde gehörten eindeutig in diese Kategorie.

„Los, Mycroft!“
Der Polizist nahm kurz entschlossen seine Hand. Sie war warm, stark und hielt seine kalte Hand unnachgiebig fest, als er ihn hinter sich her in Richtung des riesigen Tiers zerrte.
Mycroft versuchte einigermaßen würdevoll auszusehen, als Lestrade ihn losließ, um seinen Hund vom Baum loszubinden. Dabei war unübersehbar, dass er in seinem hellgrauen Aufzug alles andere als majestätisch aussah, wie er es normalerweise gern gehabt hätte.
Seit Sherlock nicht mehr im Land war, ging es mit ihm eindeutig bergab. Jeden Tag schneller!
Blitzartig wich er einen Schritt zurück, als der Hund näher kam, um zu schnüffeln.
„Ich lasse ihn links neben mir laufen. Wenn du rechts läufst, kommt ihr euch nicht in die Quere.“, legte Greg fest und Mycroft stimmte still zu und lief gehorsam an Gregs rechter Seite. Selbstverständlich fiel ihm auf, dass er es nicht war, der die Regeln festlegte, doch irgendwie störte ihn das gerade nicht so sehr. Verantwortlich dafür war seine Angst vor dem Tier, die Kälte, die ihn zittern ließ und eine gewisse Nachgiebigkeit, die vielleicht an der Sonne lag, die sich gerade zeigte oder an Greg, der ihn warm und aufmunternd anlächelte.
In gemäßigtem Tempo liefen sie eine kleinere Runde, bei der Mycroft schon das Gefühl hatte, er würde gleich seine Lunge aushusten müssen. Netterweise verlor der Inspector kein Wort über seinen katastrophalen Konditionszustand, sondern trottete gemächlich neben ihm her. Später machte er den Hund los, der auf Abstand immer auf der linken Seite lief, hin und wieder aber stehen blieb, um das Bein zu heben oder zu schnüffeln, immer unter dem kritisch-furchtsamen Blick eines Mycroft Holmes.

Er merkte auch durchaus, dass Gregs Fitnesszustand bedeutend besser war und er schneller und länger hätte laufen können. Trotzdem brachte er Mycroft nach 15 Minuten nach Hause und sagte nur:
„Na das ging doch schon mal ganz gut und hat Spaß gemacht, oder?“ Er ignorierte Mycrofts rotes Gesicht und dessen Keuchen und klopft ihm nur auf die Schulter.
„Spaß ist was anderes.“, konnte sich Mycroft seinen Kommentar leider nicht verkneifen.
„Du weißt was Spaß ist?“, neckte ihn Lestrade nun ganz eindeutig und tätschelte seinem Hund liebevoll den Kopf.
„Natürlich!“, erwiderte Mycroft überheblich. Woran lag es nur, dass er sich gerade bei einer dicken Lüge ertappte?
„Ach ja?“, bohrte Lestrade nach und wartete auf eine Erklärung. Mycroft schluckte und fühlte sich ertappt. Was sollte er jetzt sagen? Dass er es als Spaß empfand in der Badewanne zu liegen, sich sauber rein und vollkommen und zu fühlen, dabei Gedichte zu lesen, die von grauenhaften Seelenzuständen anderer Menschen berichteten und sich dabei als unverwundbar und erhaben zu bewundern? Undenkbar.
„Ähm … so ein Winterspaziergang durch den Schnee kann doch ganz nett sein.“
Er klang erschreckend unsicher und hoffte, dass es dem Inspector nicht allzu sehr auffiel. „Barbie“ bellte plötzlich und Mycroft zuckte zusammen und wich gleichzeitig zwei Schritte in sein Haus zurück.

Der Mann vor ihm sah ihn ein wenig nachdenklich an, zu ernst, Mycrofts Meinung nach.
„Ich kenne eine nette Gegend Richtung Cambridge. War schon lange nicht mehr da. Vielleicht liegt da schon ein wenig mehr Schnee. Hättest du ….“
Er brach plötzlich ab und räusperte sich verlegen. Mycroft sah ihn halb entsetzt, halb neugierig an und wollte plötzlich unbedingt, dass er weitersprach.
„Ja?“, half er ihm.
„Hättest du Lust in den nächsten Tag mit uns ….“ Greg schaut zu Barbie und der blickte schwanzwedelnd zu ihm hoch, als würde er alles verstehen.
„ … dort spazieren zu gehen?“
Ein „Nein“ wurde in Mycrofts Mund immer dicker und fast hätte er es ausgespuckt, denn plötzlich wusste er nicht mehr, was er hier eigentlich tat. War er verrückt geworden? Ließ er sich hier gerade auf ein merkwürdiges Spiel ein? Ein emotionales Spiel, von dem er nicht viel wusste. Und das was er wusste, machte ihm Angst und verursachte Schuldgefühle.
Die braunen Augen ruhten ein wenig ängstlich auf seinem Gesicht und er konnte es nicht über sich bringen nein zu sagen.
„Ja gern.“, sagte er ausdruckslos. Dann fügte er schnell an.
„Ich muss jetzt …“
„Ja, klar. Wir telefonieren.“, sagte Greg schnell, ebenso verlegen wie er selbst. Der Polizist winkte kurz zum Abschied und Mycroft stand noch lange mit klopfendem Herzen und leerem Kopf hinter der Tür und versuchte zu verstehen, was ihm gerade widerfuhr.

Ein Date. Hatte er etwa ein verfluchtes Date?
An diesem Abend vergaß Mycroft fast anzurufen, um sich nach seinen Schützlingen zu erkundigen.