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So, hier ist der neue Prolog, bearbeitet von meiner wundervollen *schleim ^^*
Beta-Readerin Hellawes :D
Hoffe, er gefällt euch :D
Lgchen
Medusa
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Vollidioten! Wütend pfefferte ich einen einzelnen Stein auf dem ansonsten aus weichem Sand bestehenden Weg in den nächsten Busch.

Die hatten doch alle gar keine Ahnung! Machen sich erst über mich lustig, dass ich eine Hochstaplerin bin.
Dass ich mich für etwas Besseres, für etwas Besonderes halte.

Dass ich lügen würde, um anders zu sein.
Aber wenn sie verzweifelt sind, sind sie plötzlich nett zu mir, wollen natürlich, dass ich ihnen die Karten lege, ihnen eine bessere Zukunft voraussage.

Bitter lachte ich auf. Aber wehe, es ist nicht das, was sie sich erträumen! Dann bin ich wieder die Hexe und an allem Schuld.

Hexe…manchmal fühlte es sich wirklich wie eine Hexenjagd an, vor allem, wenn sich eine Düstere Weissagung bewahrheitet hatte.
Wie gestern Abend.

Ich konnte doch nichts dafür, dass Annas Patenonkel, zu dem sie in zwei Wochen ziehen sollte, bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Ja, die Karten hatten mal wieder Recht, aber ich hatte doch niemanden verflucht!

Und Emilia, unsere Erzieherin, hatte mal wieder nur zugesehen, als die Anderen an meinen Haaren zogen, mich kratzten und bespuckten.
Da habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten und bin weggerannt.
Zum Strand.

Dort konnte ich beim Rauschen der Wellen wieder beruhigen und sogar etwas Schlaf finden.
Die Nacht hatte mich wie jedes Mal beschützt.

Aber nun war die Nacht vorbei und die Morgensonne lies meine Haare blutrot erleuchten.
Und ich durfte wieder ins Waisenhaus zurückkehren zu den Zicken und Kratzbürsten, den Verhöhnungen und Verspottungen.

Wie ich das doch liebte. Manchmal wünschte ich mir wirklich, dass dieses verdammte Haus in die Luft fliegen würde und…

Ich vernahm ein leises Zischen. Verwirrt sah ich auf. Ich lebte hier schon seit ich denken konnte, aber eine Schlange hatte ich noch nie gesehen.
Aber da stand sie nun in einiger Entfernung auf dem Sandweg.

Ja, sie stand. So gut wie eine Frau mit einem Schlangenleib eben stehen kann.
Ich schluckte. Okay, das war eine sehr krasse Halluzination.

Ich wusste ja, dass Schlafmangel auf Dauer ungesund ist, aber so etwas…Aber ich beschloss vernünftig zu bleiben, einfach die Augen zu schließen und wenn ich sie wieder öffnen würde, dann…verdammt sie stand noch immer da, mit geschlossenen Augen, als ob sie sich konzentrieren müsste.

Wieder zischte sie, aber nun begann sie sich in Bewegung zu setzen. Und zwar in meine Richtung. Immer schneller. Tja, wie es aussah würde ich mit Vernunft nicht mehr weit kommen.

Ich spürte, wie sich mein Atem von selbst beschleunigte, Adrenalin durch meinen Körper gepumpt wurde und meine Beine vollständig autonom anfingen in die entgegengesetzte Richtung zu laufen.

Aber leider bemerkte ich, dass sich so ein Schlangenleib ganz schon schnell bewegen kann und obwohl ich den Sprint meines Lebens hinlegte, näherte sich das ekelhafte Zischen immer mehr.

,,Hey!“, rief währenddessen eine Stimme, ,,Hier her!“ Zwar hätte ich mich in der Tat gerne umgedreht, um zu schauen, wer mir da freiwillig zu Hilfe kommen wollte, in Anbetracht der Tatsache, dass ich jedoch wieder ein recht nahes Zischen vernahm, beschloss ich Prioritäten zu setzen und nicht als Schlangenfutter zu enden, sondern noch einmal mein Tempo zu erhöhen.Also rannte ich weiter, aber anstatt, dass die Stimme sich entfernte, kam sie seltsamerweise immer näher.

Aber all das brachte mir rein gar nichts, denn auf einmal zog jemand so heftig an meinem Ärmel, dass ich mit einem erstickten Aufschrei auf den sandigen Boden plumpste.

Ich wollte schon mit meinem Leben abschließen, mich damit abfinden, von herrlich spitzen Reißzähnen zerfleischt zu werden und innerlich den Verantwortlichen für meinen Sturz verfluchen, als mich eben jener mit beiden Händen grob an der Taille packte und in die kniehohen Binsen zerrte, die auf beiden Seiten des Weges wuchsen.

,,Hey, was erlaubst du dir eigentlich?“, empörte ich mich gereizt und versuchte mich aufzusetzen.
Doch mein Retter, ein dunkelhaariger Junge vielleicht 16 oder 17 Jahren, drückte mich, statt mir zu antworten, wieder zu Boden und legte einen Finger auf meine Lippen.

Gespannt lauschten wir, wie sich ein schwerer Schlangenleib in erstaunlichem Tempo an uns vorbeischlängelte. Einige Momente herrschte Ruhe. Aber dann hatte ich mich wieder aus meiner Schockstarre gelöst und konnte nicht die Klappe halten.

,,Was zur Hölle war das?“, wisperte ich immer noch entsetzt.
,,Das war eine skythische Dracana.“, erklärte er.
,,Dracana?“

,,Ja, Dracana und jetzt komm, wir müssen dich hier wegbringen.“
Er lauschte noch einen Moment, um sich zu vergewissern, dass die Schlangenfrau nicht in der Nähe war, stand daraufhin auf, klopfte den Staub von seiner Kleidung und reichte mir seine Hand.

Skeptisch blickte ich ihn an, als ob ich damit rechnen müsste wieder auf den Boden zu plumpsen, lies mir aber doch noch aufhelfen.
Etwas missmutig musterte ich ihn.

Er hatte tiefschwarze Haare und so dunkle Augen, dass ich meinte gar keine Ende zu sehen.
Er erinnerte mich ein bisschen an eine männliche Ausgabe von Schneewittchen, den seine Haut war  hell, dennoch nicht blass und seine sinnlichen Lippen waren blutrot.

Er sah unwahrscheinlich gut aus. Leider. „Wenn du damit fertig bist mich zu begaffen, können wir dann los?“

Erzürnt und ein wenig ertappt zog ich meine Augenbrauen zusammen. ,,Zum einem habe ich dich nicht bewundert, wie du es anscheinend gerne hättest, weil es dafür auch überhaupt keine Grund gibt, und zum anderen habe ich überhaupt nicht vor mit der mitzukommen!“, giftete ich ihn an.

Er grinste schelmisch, als hätte er mich nur allzu gut durchschaut.

„Ach tatsächlich? Und was machst du, wenn die Dracana zurückkommt? Willst du wieder wie ein kleines, hilfloses Kind vor ihr weglaufen und schließlich doch von ihr gefangen werden? Oder stellst du dich ihr törichterweise in den Weg, um sie zu bekämpfen? Mit was für einer Waffe denn? Deiner kleinen Tasche da?“, fragte er und wies auf meine Umhängetasche. „ Weißt du was sie machen würde? Sie würde ihren Schlangenschwanz um deinen hübschen Körper wickeln und dann so lange drücken, bis alle deine Knochen wie Glas zerbrochen wären und deine inneren Organe nur noch Brei wären.“

Inzwischen war jede Erheiterung aus seiner Stimme gewichen, seine Gesichtsmuskeln waren verhärtet und er strahlte eine seltsame Dunkelheit aus. Ich bildete mir sogar ein, dass der Boden unter uns etwas bebte, aber war gerade dabei in seinen unendlich tiefen Seelenspiegeln zu versinken, bis…

„ Könntest du gütigsterweise meine Hand los lassen und MICH nicht so begaffen?“, bemerkte ich trocken.

Wie von einer Tarantel gestochen lies er mich los. „Also kommst du jetzt? Ich bin nicht den ganzen Weg hier hergekommen, nachdem ein Sucher dich entdeckt hat, nur um mit leeren Händen zurück zu kehren.“
,,Aber…ich kann jetzt nicht einfach mit dir kommen“, wand ich mich, ,,Ich meine, was soll ich Emilia sagen?“

„Himmel, wer ist schon wieder Emilia?“, seufzte er.
Ehrlich gesagt konnte ich gut auf sein geheucheltes Mitleid verzichten, wenn er erfahren würde, dass ich mein ganzes Leben schon in einem Waisenhaus verbracht hatte.

Diese Reaktion hatte ich schon oft genug abbekommen, wenn Pärchen zu uns kamen, um eventuell ein Kind zu adoptieren. Aber am Ende wurden natürlich immer andere Kinder ausgewählt, die „normal“ waren, unter keiner Rechtschreibschwäche und Hyperaktivität litten.

,,Sie…sie passt auf mich auf“, meinte ich, was genau genommen keine Lüge war, da dies schließlich ihre Aufgabe war.

„Okay, weißt du was? Ich gebe auf. Bleib hier bei deiner geliebten Emilia und werde zu Schlangenfutter, wenn das dein Wunsch ist, ich habe keine Lust auf dieses Theater hier.“

Mein Retter wandte sich zum Gehen.„Warte einen Moment!“ Ich griff zu meiner Umhängetasche und ertaste durch den Stoff hindurch meine wichtigsten und einzigen Habseligkeiten, mein Tarotdeck sowie ein paar andere Dinge, deren persönlichen Wert andere gar nicht begreifen könnten.

Der Junge hielt inne. „Ich…ich komme mit dir.“
 
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