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Autor: Susanne Christie
Fandom: Andromeda     
Pairing: Telemachus Rhade/Dylan Hunt
Summary: Dylan Hunt fürchtet die unvermeidliche Begegnung mit Telemachus Rhade unter vier Augen, denn Telemachus sieht aus wie Gaheris, jener Mann, den Dylan heimlich liebte und der ihn, statt seine Gefühle zu erwidern, ins Unglück stürzte.
Disclaimer: Sämtliche Rechte und finanziellen Gewinne an den von mir in dieser Geschichte benutzten Charakteren liegen bei deren Erfindern und Copyrightinhabern.
A/N: amaranthine attraction = unvergängliche Anziehungskraft, unvergängliches Hingezogensein



Amaranthine Attraction



Dylan Hunt fühlte sein Herz bis in seinen Hals hinauf schlagen, als er Telemachus Rhade zum ersten Mal, seit der Nietzscheaner an Bord gekommen war, unter vier Augen in seinem Quartier empfing.

Der Captain der Andromeda Ascendant fürchtete sich vor diesem Augenblick, gleichzeitig war er sich der Unvermeidlichkeit dieser Begegnung bewusst. Er konnte kein neues Crewmitglied aufnehmen, ohne ein gründliches Gespräch zu führen, allein das Protokoll verlangte dies.

Und nun kam Rhade in seiner vollen Größe herein, und Dylans Herz schlug so heftig, wie er es sich für diese Begegnung ausgemalt hatte, und sein Mund war genauso trocken wie in seiner Fantasie.

Es war wie damals. Bevor die Andromeda ins Schwarze Loch gedriftet war und sich alles verändert hatte.

Es war wie mit Gaheris. Das Herzklopfen, die trockene Kehle, das kaum zu beherrschende, innere Begehren.

Telemachus Rhade war eine genetische Kopie von Gaheris, und auch wenn sich seine Persönlichkeit in einigen Bereichen von jener seines Vorgängers unterschied, so wirkte es auf Dylan dennoch, als sei Gaheris zurückgekehrt.

Telemachus Rhade hatte eine umgängliche, sanfte Art, die ihn zusätzlich zu seinem guten Aussehen liebenswert machte.

Dylan erhob sich, und er erwiderte höflich den militärischen Gruß, mit dem Rhade ihm seinen Respekt erwies.

"Rühren!" befahl Dylan unmittelbar danach, denn der gezeigte Drill war ihm eher peinlich.

Dylan Hunt gehörte zu den Raumschiffkapitänen, die einen lockeren Umgang mit ihren Offizieren pflegten, solange das Protokoll trotzdem befolgt wurde.

"Danke, Captain. Und danke für Ihre Zeit." Rhade entspannte sich und ließ die Schultern sinken, doch seine dunklen Augen fuhren fort, Dylan auf eine Weise zu mustern, die keineswegs dafür sorgte, dass sich Dylan’s heftig klopfendes Herz beruhigte.

Ja, es war genau wie damals mit Gaheris.

Auch damals hatte sein Herz jedesmal verrückt gespielt, wenn er Gaheris gegenüberstand. Wenn er nachts wachgelegen und sich vorgestellt hatte, Gaheris Rhade würde ihn umarmen, seine glühende Zunge zwischen seine Lippen schieben, ihm die Hose öffnen, und dann.......

Dylan schluckte. Die Vision war hartnäckig und ließ sich nur schwer zurückdrängen. Er ging um seinen Schreibtisch herum in der Hoffnung, die körperliche Bewegung würde seine Gedanken in vernünftige Bahnen lenken.

Als er eine Armlänge vor Rhade stehenblieb, um den anderen Mann anzuschauen, schlug sein Herz jedoch so schwer, dass Dylan fürchtete, es wäre zu hören.

"Nun, Rhade. Haben Sie eine Entscheidung getroffen hinsichtlich dessen, ob Sie an Bord bleiben wollen?"

Telemachus Rhade drückte den Rücken durch und stand dadurch noch aufrechter. "Jawohl, Sir."

Dylan schüttelte den Kopf und wedelte mit der Hand. "Vergessen Sie diesen Captain und diesen Sir. Dylan genügt vollkommen."

Rhade zeigte ein wohldosiertes Lächeln. "In Ordnung. Dylan. Ein schöner Name, übrigens. Sehr klangvoll. Nicht so sperrig wie Telemachus."

Die Trockenheit in seiner Kehle nahm zu, und Dylan musste sich kurz räuspern, um wieder sprechen zu können. "Oh, danke. Ich....... fühle mich geschmeichelt."

Der Nietzscheaner schwieg noch einen kurzen Moment, bevor er fortfuhr. "Ich würde gerne an Bord bleiben, wenn Sie gestatten. Ich fühle mich sehr wohl auf der Andromeda. Und ich freue mich darauf, von Ihnen zu lernen."

"Gut." Dylan’s Blick war wohlwollend. "Möchten Sie als Gast hier sein, oder wollen Sie mit uns zusammenarbeiten?"

"Ich würde gerne mitarbeiten. Mich in die Crew integrieren. Ich habe viele Jahre auf Raumschiffen gedient. Ich empfehle mich als gut ausgebildeten und loyalen Offizier."

"Es ist Ihnen klar, dass die Andromeda ein Kriegsschiff ist und Sie während der Erfüllung Ihrer Aufgaben in Lebensgefahr geraten und möglicherweise umkommen können?"

Rhade nickte nachdrücklich. "Darüber bin ich mir voll bewusst. Jedoch gefällt mir die Idee eines wiedererrichteten Commonwealth, und ich würde mich gern in diesen Dienst stellen. So wie Sie es tun."

Dylan senkte den Kopf. Er ertrug den Blick in diese wunderschönen, dunklen Augen einfach nicht mehr.

Es waren Gaheris’ Augen, und Dylan sah seine gesamte Vergangenheit darin. Jene Vergangenheit, die ihm abhanden gekommen war am Rande des Schwarzen Lochs.

Und was noch viel schlimmer war: Dylan sah das gleiche Begehren wie bei Gaheris in diesen Augen.

Gaheris Rhade hatte sich zweifellos zu Dylan hingezogen gefühlt, es jedoch nie offen zu erkennen gegeben. In seinen Augen jedoch war es immer zu lesen gewesen.

Dylan hatte das Schicksal förmlich angefleht, hatte gebetet, Gaheris möge sich überwinden und den Anfang machen.

Geschehen war es nie.

Statt dessen waren Gaheris’ Sicherungen durchgebrannt. Er hatte das Commonwealth verraten, und, als wäre das allein nicht schlimm genug gewesen, Dylan zu töten versucht. Den Mann, den er doch eigentlich liebte und mit dem er am liebsten ins Bett gegangen wäre!

Und nun stand Telemachus Rhade vor ihm, wirkte wie der leibhaftig auferstandene Gaheris und brachte Dylan’s Gefühle auf die gleiche Weise durcheinander wie einst sein entfernter Verwandter.

"Es tut mir leid, wenn Sie mein Aussehen verwirrt oder gar....... in Verlegenheit bringt", sagte Rhade sanft, worauf Dylan sich zwang, ihn wieder anzublicken. "Ich weiß, was Ihnen mein Vorfahr angetan hat, und ich entschuldige mich für die unrühmlichen Taten von Gaheris in aller Aufrichtigkeit bei Ihnen."

"Das ist sehr aufmerksam, Rhade", versicherte Dylan, froh darum, dass sich seine Stimme trotz der Trockenheit in seinem Hals halbwegs normal anhörte. "Ich schätze Ihre Höflichkeit, allerdings brauchen Sie sich für die Taten Ihres Vorfahren nicht zu verantworten. Sie sind eine eigenständige Persönlichkeit."

Telemachus Rhade wirkte erleichtert. "Ich bin froh, dass Sie mich auf diese Weise sehen und mir eine Chance geben. Die Chance, es besser zu machen. Besser als Gaheris, und auch besser als mein nietzscheanischer Vorgänger hier an Bord."

Dylan nickte müde. Tyr’s Weggang hatte er mittlerweile verkraftet. Es war ihm ohnehin zu anstrengend gewesen, ständig ein Auge auf den eigenwilligen Nietzscheaner haben zu müssen. Genau wie der Rest der Crew hatte Dylan Tyr nie wirklich vertraut.

Vielleicht hatte gerade dieses ihm von der Crew entgegengebrachte Misstrauen dazu beigetragen, dass Tyr schließlich abtrünnig geworden war, doch Dylan hatte beschlossen, sich dahingehend nicht ewig Vorwürfe zu machen. Tyr Anasazi war ein freies Wesen, und er hatte sich entschieden, die Andromeda zu verlassen. Das musste Dylan genügen, um damit fertigzuwerden.

"Ich bin überzeugt, dass Sie es besser können als alle Ihre Vorgänger", sagte Dylan, um sein Vertrauen in Telemachus’ Person zu bekunden, und er reichte ihm die Hand. "Willkommen an Bord!"

"Vielen Dank!" Rhade erwiderte den herzlichen und festen Handgruß. "Stets zu Ihren Diensten."

Dylan lächelte gequält. "Geht es nicht etwas weniger förmlich?"

Telemachus Rhade atmete tief aus und ließ die Schultern dabei entspannt sinken. "Okay, Dylan. Ich werde mir Mühe geben."

Die beiden Männer sahen einander in die Augen, und mit einem Mal schien die Zeit stehenzubleiben.

Dylan fühlte die verlorene Vergangenheit in sich. Die Momente, wenn er Gaheris auf die gleiche Weise gegenübergestanden hatte wie nun Telemachus. Das Hoffen, das Flehen darum, der ersehnte magische Moment möge eintreten.

Dylan stand reglos da, die Augen, groß und blau, auf seinen neuen Offizier und Freund gerichtet, unfähig zur kleinsten Bewegung.

Das Schicksal hatte ihn einmal wieder in der Hand, benutzte ihn als Spielball, ließ ihn fühlen, wie ausgeliefert er manchen Situationen war. Er war der Captain eines Kriegsschiffes, gewohnt, Befehle zu geben und Entscheidungen zu treffen, aber es gab Situationen in seinem Leben, da versagte sein Selbstbewusstsein einfach.

Telemachus Rhade stand ebenso reglos. Der Blick aus den dunkelbraunen Augen vertiefte sich.

Die Augen kamen näher, hypnotisierten Dylan.

Ein wohlgeformter Mund, umgeben von einem kurzen, gepflegten Bart. Sinnliche, begehrende Lippen in einem Gesicht, das Wohlwollen und Sympathie ausdrückte, näherten sich und trafen auf Dylan’s.

Eine allzu süße Berührung, aufgeladen mit der Magie allen Begehrens, das mit Gaheris Rhade im Ereignishorizont verschwunden war und dennoch nie aufgehört hatte, zu existieren.

Der Kuß war hauchzart und gleichzeitig stark wie ein Stromschlag, er verzückte Dylan und lähmte ihn noch mehr, wie der Biss einer hochgiftigen Schlange. Nur, dass es diesmal kein Gift war. Es war nicht Gaheris, der ihn küsste. Und es war nicht Tyr mit seinem ewigen Misstrauen. Nicht alle Nietzscheaner waren ihm übel gesonnen.

Erst als seine Lippen den Kontakt verloren, bemerkte Dylan, dass er die Augen geschlossen hielt. Er öffnete sie und schaute in das gepflegte, ansehnliche Gesicht des Mannes, der Gaheris’ Erbe anzutreten gedachte und soeben bewiesen hatte, dass er das mit allem tun wollte, was dazugehörte. Auch mit dem, wozu Gaheris nie den Mut gefunden hatte.

Dylan schaute Telemachus an, nach wie vor unfähig, zu sprechen.

"Du bist doch nicht etwa überrascht, Dylan", sagte Rhade leise, und seine Stimme und seine Haltung hatten jede Förmlichkeit verloren.

Er war jetzt einfach nur Telemachus Rhade, ein ungemein attraktiver, sympathischer Nietzscheaner, mit offenbar tiefen Gefühlen für Dylan.

Gefühlen, die er auszudrücken und auszuleben gedachte.

"Ich weiß, was Du für Gaheris empfunden hast, Dylan. Niemand hat es mir gesagt. Ich weiß es einfach. Ich trage Gaheris’ genetische Informationen in mir."

In der Pause, die zwischen seinen Worten entstand, fasste Rhade nach Dylans Nacken, und er legte seine Hand zärtlich darum. "Und was Gaheris für Dich empfunden hat ist das gleiche, was ich empfinde."

Dylan Hunt konnte kaum glauben, was er hörte. Ein dreihundert Jahre alter Traum wurde Wirklichkeit!

Dylan kämpfte darum, wenigstens eine schwache Stimme zu finden. "Rhade, ich....... Ich habe keine Ahnung, was ich........ sagen soll........"

"Dann sag’ nichts, Dylan. Lass’ uns einfach tun, wonach wir uns verzehren."

Telemachus Rhade umfing Dylans Gesicht mit beiden Händen, und er wiederholte den Kuss, diesmal lange und kraftvoll, bis sie beide keuchten und die Luft knisterte, erfüllt von sich aufbauender Wollust.

Wie von selbst fanden Rhades Hände die Verschlüsse an Dylan’s Uniformoberteil und rissen sie mit einer Geschwindigkeit auf, als müsste er Dylan dringend von über drei Jahrhunderten verzweifelten Wartens und Hoffens erlösen.

Und in gewisser Weise stimmte das ja auch.


ENDE
by Susanne Christie 2011/2012
 
 
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