Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Drama / Kunterbunt
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Zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit probiere ich mich wieder im Prosabereich ... Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob dieser Text gelungen ist; verwirrend ist er schätzungsweise allemal - aber das soll er auch sein. Für ehrliche Rückmeldung wäre ich sehr dankbar!
Viel Spaß beim Lesen!


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K u n t e r b u n t







Es ist ein bisschen wie Fliegen, verstehst du?”

Er streckt die Arme aus, um es zu verdeutlichen und lehnt sich so weit über die Brüstung, dass ich Herzrasen bekomme und hinterher springen möchte.

Und er lacht.

Sein Lachen erinnert mich an dichten Nieselregen.
Es ist lang anhaltend, rauschend und leise und mein Herz untermalt es mit einem holprigen Rhythmus.
Es schlägt immer schneller, weil er in seinem eigenen Lachen zu ertrinken droht.

Es ist eine typische Sommernacht. Lauwarm, eine kühle, frische Brise und ein trockener Boden, der sich nach dem Sommerregen verzehrt und doch nur von einem leisen Nieselregenlachen benetzt wird.
Die Straße, die den Berg hinaufführt, ist menschenleer, der Asphalt brüchig.
Der grauschwarze Stein strahlt noch einen Hauch der Hitze aus, mit der er sich den ganzen Tag lang voll gesogen zu haben scheint.

Langsam verstummt sein Lachen.
Mit verkrampften Händen klammert er sich an der Brüstung fest.

“Wie fliegen..”, Seine Stimme verliert sich in der lauwarmen Luft.

“Du bist doch noch nie geflogen…”, murmle ich leise, umschließe mit den Armen seine Mitte und lehne mich an seinen Rücken.
Um ihn fest zu halten.
Oder um mitgerissen zu werden.
Ich kann den Unterschied nicht mehr erkennen.

Als ich ihm einen Kuss zwischen die Schulterblätter drücke, stößt er mich grob von sich und klettert über die Absperrung.

Ich taumle zurück und falle in den Dreck.
Mein Atem ist zu flach und ich beiße mir beim Aufschlagen die Unterlippe auf.

Der Geruch von staubiger Erde und verdorrtem Gras steigt mir in die Nase. Stachelige Halme kitzeln meine nackten Arme.
Mein Herz stolpert, der holprige Rhythmus verendet jämmerlich, und sein Gesicht zieht in meinen Gedanken weite Kreise, während ich Blut schmecke.

Alles.

Alles dreht sich nur um ihn. Ich nehme kaum wahr, dass mir der Kopf schmerzt und mein Handgelenk pocht. Hektisch richte ich mich auf, suche panisch seine Augen, die sich in meine bohren.

“Woher willst du das wissen, Theresa? Du kannst das nicht wissen!”

Wut durchzieht seinen Blick in einem abstrakten Muster, voller matter Schlieren, bunter Farben und einem Strudel aus nasser Tinte, von all den verwischten Worten, die er nicht mehr schreiben wird.

Seine Stimme ist sanft und gleichzeitig hart und brüchig.
So fremd, dass sie mir Angst macht.

Er macht mir in letzter Zeit ständig Angst, weil ich glaube, ihn nicht mehr zu kennen. Weil er mir das Gefühl gibt, ihn nicht mehr zu kennen.

Der Mond scheint hell, hat sich auf seine Schulter gelegt - und ich habe Angst, dass wir das Gleichgewicht verlieren.

Die Nacht wäscht alle Farben aus.
Nur sein Blick, sein Blick hält sie alle gefangen, erzählt mir, wie das Blau aussieht, das Rot, das Braun, das Gelb, die Farbe von fallenden Blättern und matten Sonnenstrahlen.

“Ich liebe dich.”, sage ich leise.
Der Wind spielt mit meinen Haaren und trägt die Worte fort, wirr flattern sie durch die Nachtluft, verbinden sich mit den winzigen Blutstropfen, die ich auf meiner Lippe schmecken kann.

“Ich will deine Liebe nicht!”, sagt sein Blick und gleichzeitig streckt er die Arme nach mir aus, zieht mich an sich.
Seine Hände packen unsanft mein Gesicht, mein Körper wird fest an seinen gepresst, bevor er mich grob küsst.

Und ich klammre mich an ihm fest, spüre die kalte Stahlbrüstung zwischen uns, atme ihn ein, um ihn für immer bei mir haben zu können und niemals los lassen zu müssen.

Seine Haut ist viel zu warm, ich taste jeden einzelnen Zentimeter davon ab, kralle mich fest, streiche durch sein schmutziges Haar. Versuche, den Moment zu konservieren, ihn in meinem Herzen einzubrennen.

Der Kuss ist hässlich.
Er lässt meine Lippen brennend und pochend zurück und hat meine Worte verbrannt.

Bitte!”, flüstere ich mit geschlossenen Augen, als ich nur noch seinen Atem spüren kann, der warm und weich vor meinem Gesicht hängt.

Seine Hände fühlen sich kalt an auf meinen pochenden Schläfen, seine Fingernägel werden rote Schlieren auf meinen Wangen hinterlassen.

Ich reiße die Augen auf und betrachte ihn fasziniert, während er meine Haut mit seinen Mustern verziert.

“Es ist wie fliegen, Resa!”, nur ein Hauch.
Sein Gesicht noch viel zu nah, jeder Atemzug ein Kuss, der über meine Lippen streicht.

Und er klingt so traurig, so traurig und so zerrissen, als hätte jemand seine Stimme zerfetzt.

“Es ist doch wie fliegen, Resa!”

Sein wunderschönes Lächeln gibt der Welt ihre Farben zurück. Malt mein Leben bunt an, brennt sich tief in meinen Verstand. Ich sehe blutrot, meeresblau, grasgrün und nachtschwarz.

Für einen zerbrechlichen Augenblick ist er wieder vollständig und ganz.

Als hätte jemand all die Scherben aufgesammelt und sie wie ein graziles Mosaikspiel zusammengesetzt.

Als hätte es nie einen Scherbenjungen gegeben.

Zu spät fällt mir auf, dass der Ausdruck seiner Augen grau geblieben ist.
Nicht graubunt, sondern farblos und grau, nebelrauchgrau.
Als hätte er sich aufgelöst.

Und dann gibt es tatsächlich keine Scherben mehr.
Es gibt auch keinen Scherbenjungen mehr.
Es gibt keinen rasenden Herzschlag, keinen holprigen Rhythmus, der sein Nieselregenlachen untermalt.

Das Lächeln lodert noch lichterloh brennend auf seinen Lippen, als er fällt, da bin ich mir ganz sicher.
Vor langer Zeit einmal, haben sie es ihm aus dem Gesicht geschnitten und vor seinen Augen in der himmelblauen Luft zerfetzt.
Kurz darauf gingen die Farben verloren.

Es gibt diese Momente, sie passieren, kurz bevor die Zeit zerbricht und sich in einem abstrakten Mosaikspiel wieder zusammensetzt. Sie sind wunderschön und schrecklich zugleich.

Er fliegt und sieht dabei schrecklich schön aus.
Die ganze Welt hätte ihn sehen müssen, so schön ist er.
Die Arme weit ausgebreitet, wie Flügel, und der Wind scheint ihn fast zu tragen.
Selbst der Mond ist von seinen Schultern gesprungen und schaut ihm hinterher.

Und wir beide sind gefangen von seiner Schönheit.
Vollkommen und perfekt scheint der Moment. Die Sekunden werden unendlich lang gezogen, bis sie schließlich zerbersten und all die verlorene Zeit freigeben, die wie eine Welle über mir zusammenschlägt.

Plötzlich ist meine Welt ein Strudel aus all den verlorenen Farben, die er in seinem Blick gefangen gehalten hat und ich ertrinke in ihnen, während mir jemand sein gestohlenes Lächeln auf mein Herz tätowiert.

Und dann sind seine Farben mein Schmerz, sein Lächeln mein Untergang.

Und meine Trauer wird nie still und schön sein, sie wird ohrenbetäubend laut und krächzend und hässlich bleiben. Und hysterisch. Von theatralischen Tränen untermalt und verrückt, verrückt, verrückt. Verdammt verrückt, weil das Gefühl Nie Wieder in meinen Gedanken leere Kreise zieht, ohne meinen Verstand auch nur zu streifen.

Ob sein Blick noch immer farblos ist?

Wie sich fliegen wohl anfühlt?


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[Rückmeldung wäre wundervoll! (: ]
 
 
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