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Kapitel Eins
Prolog: Ewigkeiten eines Moments

Sanft und sicher legten sich mit einem Mal ihre zwei Hände um mein Gesicht, während ein Lächeln über ihre Züge huschte, welches so hinreißend war, dass es sich auf meinen Lippen legte, und sich in den Augen widerspiegelte. Ein Moment, von dem ich hoffte, dass die Zeit ihre viel zu schnell rasende Zeiger stoppte, damit genau dieser wunderbare Moment verharrte; Ewig dauerte.
Warmer, seichter Arten streichelte meine Wange, mein Herz setzte einen Schlag aus, um in nächster Sekunde doppelt so schnell, und unkontrolliert in meiner Brust auf und ab zu hüpfen, als ihr feines Gesicht meinen wieder Zentimeter für Zentimeter näher kam, eine Haaresbreite trennte meine Lippen von den ihren. Ein letzter Blick musterte ihr Gesicht, verharrte einen Moment bei den strahlenden, blauen Augen meines Gegenübers, ehe die Augenlider schloss, und mich vor lehnte. In einen innigen Kuss.
Samt umschmiegten ihre Lippen meine, legten sich um sie, eine schützende Wärme; während  sich in meiner Magenmitte ein seltsames Kribbeln ausbreitete. Unangenehm was es nicht, doch was war fremdartig und neu, und dennoch hatte ich den Drang, das Gefühl, welches mit dem Klopfen meines Herzens aufkeimte, nie mehr herzugeben. Nie mehr.
Ein süßer Geschmack legte sich ein meinen Mund, meine Hand tastete nach ihrer, die auf meiner Wange ruhte,  vorsichtig legte ich sie weg, und verschränkt meine Finger mit ihren, und spürte leichten Druck an meiner Hand. Bitte, oh, bitte, lass diesen Moment nicht mehr Enden.
Doch als wäre es doch meinen Gedanken beschrien, fühlte ich, wie die Wärme sich zurück zog, und sie den Kuss löste, meine Wangen glühten, ich konnte beinahe selbst zusehen, wie meine Gesichtsfarbe sich die von meinem Kostüm anpasste. Mir kroch ein dunkler werdendes Rot ins Gesicht, was Dinah mit einen kessen Grinsen kommentierte. „Du siehst süß aus, wenn du errötest.“ grinste sie, obwohl sie selbst einen leichten Hauch von Rosa auf den Wangen trug, aber das, nun, Kompliment hatte unwillkürlich dir Folge, dass ich jetzt auch noch peinlich berührt errötete. Kontraproduktiv.

Meine Augen hatten sich in den bildschönen, blauen des Speisewagens verloren. Unbeschreiblich schön, wie konnte ein Waggon solche, sagenhaft durchdringend blaue Augen haben? Aber nicht nur meine Augen hatten sich in den blauen Seelenspiegeln Dinah's verloren. Hin und weg war ich, ja, ihr schon regelrecht verfallen. Zu meiner Freudigen Überraschung erwiderte sie meinen tiefen, verfallenen Blick, mit leicht verlegenen Lächeln wandte ich mich ab, und merkte zum ersten Mal, an diesem Abend, dass mittlerweile schon mehr als die Hälfte von Ashley's Gästen den Weg zu deren trauten Heim gefunden haben. Ist mir ganz und gar nicht aufgefallen, aber, so nebenbei, was interessierten sie mich auch? Ich sah wieder zu Dinah, versuchte, nicht dahinzuschmelzen, bei den liebevollen Blick, der in ihren Augen war. Der mir gewidmet war. Ein ehrliches Lächeln tat sich bei mir auf, pures, flüssiges Glück schien durch meine Adern zu fließen. Ich war glücklich. Wahrlich eine Seltenheit. Ich beschloss, es zu genießen, so lange es noch andauerte. So lange ich dieses Glück mit -ich betonte es gedanklich mit einem Lächeln- meiner Dinah teilte.

Beiläufig schweifte mein Blick über die Uhr; und blieb erschrocken haften. Ganz wie es aussah, hatte ich bei ihr sämtliches Zeitgefühl verloren, aber was spielte Zeit jetzt noch eine Rolle in meinem Leben? Zeit war für mich unwichtig, unnütz geworden, sie war lediglich das einzige, was mir sagte, dass all dies nicht einfach nur ein Traum war. Den schönsten, den ich träumen durfte. Ironischer weise jedoch, war es wieder die Zeit, die drängte uns wieder zu trennen, leicht deprimiert drehte ich meinen Kopf wieder zu ihr um – ich musste mir auf die Unterlippe beißen, um nicht aufzulachen.
Ihr Kinn war auf die Brust gesunken, ihr Augen entspannt geschlossen,  zwischen der dröhnenden Musik, und den Gemurmel der noch verbleibenden Gäste, war ein ein leises Schnarchen seitens Dinah zu vernehmen. Nein, wie süß.
Meine Hand zuckte vor, ich wollte sie mit seligen Lächeln aufwecken, als mir ein Gedanke kam. Ein Gedanke, des das Glück als auch mein Lächeln einfrieren ließ, und erstarren. Starlight, nein. Warum, warum dachte ich erst jetzt daran? Warum?
Sollte Greaseball je erfahren, dass ich seine Ex geküsst habe, sollte er auch nur ahnen, was zwischen mir und Dinah lief, so bin ich reif für den Schrottplatz. Eine kurze Vergewisserung, dass er nicht doch noch anwesend war, Schreck lass nach, er war schon gegangen. Was aber nicht hieß, dass er nicht nochmal zurück kommen konnte. Leichte Panik breitete sich anstelle des Kribbelns in dem Magengegend, ich musste hier weg. Und zwar schleunigst.
Behutsam versuchte ich sie wach zu rütteln, langsam begann sie sich verträumt zu regen, und blinzelte mich verschlafen an. Wie weggeblasen waren mit einen Mal meine Sorgen, na ja, zumindest für einen Moment, nichts desto trotz setzte ich alles daran, mir nichts anmerken zu lassen.
„Meinst du nicht, wir sollten so langsam zu unseren Depots dümplen, hm?“ schlug ich vor, nüchtern, als wäre es völlig normal, als wenn mich kein Diesel der mich um fast zwei Köpfe überragte sorgfältig nach allen Regeln der Kunst zu Kleinholz verarbeiten würde.
„Schon?“ wollte sie leise lachend wissen, „aber ich bin doch gar nicht...müde.“ Das letzte Wort ging in einem Herzhaften Gähnen untern. Nein, natürlich nicht. „Du bist eingeschlafen.“ warf ich ein, worauf sie ein müdes Lächeln über ihre Lippen brachte, mich verbesserte „Ich war entspannt.“ „Entspannt, soso.“ grinste ich, und fuhr fort. „Geschnarcht hast du!“ Ihr Lachen ertönte, als sie abermals versuchte, mein Vorschlag abzulehnen. „Dann war ich eben sehr sehr entspannt.“ kicherte sie leise, und hakte sich bei meinem Arm unter. „Bringst du mich denn auch ins Bett?“ fragte sie, und zog mich mit raus, atmete erleichtert aus, und säuselte „Ich werde dich auf Händen tragen.“

Dunkel zog sich der nächtliche Himmel über die Gleise, keine Wolke stellte sich den funkelnden Sternen in den Weg, doch selbst der noch so strahlendste Stern war kein Vergleich zu dem Blau in den Seelenspiegeln des Speisewaggons. So ein wundersam, mir vertrautes Blau. Wie gemalt. Stille kehrte auf die Gleise, während wir ruhig, Still den Schienensträngen folgten, die Musik verklang in der Ferne, verschluckt von der Stille. Nur der Wind, flüsternd, lies die holzigen Finger der Bäume ein leises Rascheln von sich geben, ehe sich die Nacht, die Dunkelheit sich wieder in Ruhe legte. Insgeheim dankte ich ihr dafür, dass sie meine roten Wangen verdreckte, die jedes mal, wenn ich -unauffällig- zu Dinah sah, welche selig vor sich hin lächelnd  auf die Gleise achtete, nur noch einen Hauch roter Farbe zu legten. Eine scheußliche Eigenschaft von mir.
„Caboose...magst du mich?“ Durchbrach es das Schweigen, mit erhobener Augenbraue, schaute ich ihr ein wenig perplex entgegen...ob dieser Frage. Sie verwunderte mich. „Nein.“ kam es prompt von mir, trist, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Erschrocken wich sie von mir, ein feuchter Schimmer legte sich in  ihrer Augen, welches sie; man sah es ihr an, mit Blinzeln versuchte zu unterdrücken. So hatte ich das nicht gewollt, aber meine Antwort entsprach der Wahrheit...
Enttäuschung entsprang ihrer Miene, traurig drehte sie ihr wunderschönes Gesicht weg, ich glaub, ich war zu weit gegangen. Nach kurzen zögern legte ich meinen Arm um die Schultern des Waggons, hauchte, leise und zärtlich in ihr Ohr „Ich mag dich nicht, Dinah, ich liebe dich.“ Innerhalb eines Sekundenbruchteils hellte ihre Miene wieder auf, freudig hüpften ihre Augen zu den meinen, ruhten einen Augenblick, ehe sie sie niederschlug, sich allerdings kurz darauf auf die Stopper stellte, um mir einen flüchtigen, und doch so sanften Kuss auf meine Wangen zu hauchen. „Ich...ich dich auch.“

Ich bedauerte, dass ihr kleines, gemütlich aussehendes Depot in der Nähe lagt, so dauerte die schmiegsame Fahrt über den in der Dunkelheit gehüllten Schienen nur gefühlte Augenblicke, letztendlich standen wir direkt vor der Tür, sie mit rosa Teint auf den Wangen, und bei mir war nicht das Gegenteil der Fall. „Gute Nacht, Schlaf' schön, Dinah.“ waren meine letzten gewisperten Worte, ich riss mich zusammen, und tippte kurz mit meinen Lippen auf ihren. Wollte unsere Lippen direkt wieder lösen, doch eine warme Hand, die sich in meinen Nacken krallte, drückte mich fester, intensiver gegen ihre weichen Lippen, mein Mund war im ersten Moment eher aus Überraschung ein Spalt breit offen gelassen, sie spaltete ihn mit ihrer Zunge, vorsichtig Tastend jedoch gänzlich. Mein Herz ging in einen heftigen Trommel auf, Blut pulsierte heftigst in meinen Körper, während ihr warmer Atem in meinen Mund strömte, einen den süßlichen Geschmack wieder hinterließ.
Momente, die Ewigkeiten zu dauern schien, wo die Zeit erneut einfror, die Zeiger stoppte, verstrichen trotz allem zu schnell, waren schon vorbei, bevor sie begonnen haben. Mögen sie noch so lange andauern- nie könnte es genug sein. Ich lies mich Fallen, gab mich ihr völlig hin, lies die Sinne benebeln, mich treiben in einer Woge auf schwereloser Hingabe, als-
Spürbar löste sie wieder die Lippen, bedeutete zu meinem Bedauern das Ende des innigen Kusses.
„Gute Nacht, mein  CB.“ gehauchte Worte, die ich verschwommen ihrer Stimme zuordnen konnte, vernahm, darauf das leise Hallen der Tür, welche ruckartig zugeschlagen Wurde. Mein CB...

Vollkommen vernebelt, verblüfft, und immer noch mit einem leichten Unglaube, dass sich all dies an jenen Abend zugetragen hatte, schleppte ich mich zu meinem Depot- mein Depot, das heißt soviel wie Güterwagendepot, was widerum, logischer weise, soviel heißt, dass ich es mit den Güterwagen teilen darf. Ein einzelnes Depot als Bremser ist natürlich eine Unmöglichkeit, versteht sich. Aber mit den Hopper, Flat Top und dem Nervenbündel Dustin zusammen leben zu müssen, ist genauso eine Unmöglichkeit. Wenn man nicht Nerven aus Drahtseilen bestitzt.
Meine Taktik, dem Chaos im Depot zu entfliehen: Ich geh ihnen so gut wie möglich aus den Weg. Hat so weit auch immer geklappt, und ich hoffte inständig, dass das auch heute der Fall war.

Auf leisen Rollen begab ich mich, möglichst darauf bedacht, geräusche jeglicher Art zu vermeiden, während ich die Tür aufschloss, und herreintrat. Stille. Soweit so gut. Mit leisen klicken warf ich diese wieder zu, und verharrte einen Atemzug lang regunglos. Stille. Gut. Die sind am Schlafen, versicherte ich mir, huschte die Treppen empor, und kaum, nachdem ich in meinen Zimmer stand, seufzte ich erleichtert. Glücklich. Dinah. Ich hatte sie geküsst, ich hatte...das heftige Hämmern meines Herzens bestätigte mir, dass es richtig war. Es fühlte sich jedenfalls so an. Ach was, es muss richtig sein.
Zufrieden lies ich mich auf mein Bett fallen, sank in der viel zu weichen Matratze. Nichts, gar nichts, konnte mir diesen Moment zerstören- fast nichts, kaum hatte ich mich ins Traumland begben wollen, sprang auch schon prompt das Licht an, und ich musste einige male blinzeln, ehe sich mein Augenlich an der plötzlichen Helligkeit gewöhnt hatte. Drei mal -haha, Ironie- wer da vor mir stand, belustigt gackernd.
"Hey, Leute, seht doch mal, wer da ist!" verkündete der blaue Kastenwagen lautstark "Oh, CB; unser Weiberheld!" Gab der zweite der Dreien als Antwort. "biste noch nicht mit ihr in die Kiste gehüpft?!" ergänzte Hopper 3. Die letzen, für die ich jetzt einen Nerv hatte. Ich rollte mit den Augen, während die beiden einen High-five austauschen, doch, ich stockte, als sich mit verständnisvoller Tonlage Ersterer zu Wort meldete. "Ach, kommt, lasst ihn in Ruhe." Mein Blick, und den seiner beiden Brüder hatte sich verblüfft zu ihm gewandt, worauf er eine Ergänzung anhängte "Der Gute ist verliebt, vergesst das nicht, sonst verletz ihr noch seine Gefüüüüühleeee." dudelte er, wobei sein Satz ein wenig unverständlich wurde, ob der Lachkrämpfe, die dazuwischen kamen. Haha, wirklich witzig, echt. "Sehr erwachsen." gab ich meinen Kommentar dazu, wurde aber, schlicht und einfach, irgnoriert. "Ach, man, stell dich nicht so an, war doch nur'n Joke." meinte der gelbe Kasten wagen, darauf  bestätigte der Hopper 3 nickend "Genau, sieh's nicht so eng." "Ja, immerhin, es tut uns auch schon irgendwie leid." murmelte der Blaue. Leid? Wie Leid? Was Tat ihnen Leid? Meine Miene war ein gigantisches Fragezeichen, hob ich verwundert meinen Blick zu ihm, und richtete mich auf. "Wie? Was tut dir leid?" wollte ich wissen, ein gemurmeltes "Nicht...mehr so wichtig." Das war doch nun ser kurios. "Jetzt sprich endlich!" rief ich,  langsam ein wenig gereizt. Sie müssten mittlerweile wissen, das Geduld nie eine sträke von mir war. Und erst  Recht nicht, wenn man in Rätseln sprach. Doch nach genaueren Mustern von dem Gesichtszügen, fiel mir auf, dass nicht nur er mit einem mal ein wenig Zerknirscht aussahen. Was hatten sie ausgefressen?, fragte ich mich, aber da kam auch schon die leicht gestotterte Antwort "Nun ja, meinst du...also...Bist du denn sicher, dass Dinah dich nur abschlabbert hat, weil sie...nun ja scharf auf Greaseball ist?"
Es dauerte. Es dauerte, bis mir klar wurde, was er mir veruscht hatten weis zu machen. Synapsen knüpften sich an Synapsen, ein hochkomplizierter Hochgang in meinen Hirn sorgte dafür, dass endlich in mein Bewusstsein sickerte, mich die Fassung verlieren lies. Was zum Starlight fiel ihnen ein? "WAS?" polterte ich durch das komplette Depot, nahm keinerlei Rücksicht darauf, das Dustin und Flat Top in ihren Betten am Schlafen sind -jetzt sicherlich nicht mehr. "Ich...Seid ihr....Das ist doch wohl...Als wenn....!" Ständig fing ich einen neuen Satz an, hatte ihn kurz darauf wieder abbgebrochen. Um logisch zu denken war ich einfach zu sehr in Rage. Das...Das konnte nicht sein! Konnte es nicht. Ich lass mir doch nicht von einen dahergelaufener Frachtwagen mein Glück mit Dinah zerstören, ich...mir fehlten wirklich die Worte und konnte sie einfach nur fassungslos anstarren. "Wir meinten nur..." "Haut ab, und wagt es euch nicht, noch ein einziges Wort über inah zu sprechen!!" rief ich energisch dazwischen. Das wirkte. Nach einigen gemurmelten "Nacht." der dreien, schlateten freundlicher weise das Licht noch aus, und zockelten ab.

Vollkommen Fassungslos lies ich mich träge auf mein Bett fallen, hob gedankenverloren meine Kappe vom Kopf, legte die Schuterpolster, und die Schoner zu einem Haufen neben meinen Bett. Während in meinen Kopf die Gedanken rauschten, in viel zu hoher Zahl, als könnte man keinen länger als für eine Sekundenbruchteil wahrnehmen. Doch ein Gedanke verfolgte mich, immer und immer wieder, bis letztendlich der Schlaf mich einholte, und mich in einer unruhigen Nacht hüllte.

Ist es die Wahrheit?
 
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