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von Stinkstiefel
erstellt: 04.06.2011
letztes Update: 17.02.2012
Geschichte, Allgemein / P16
(pausiert)
Catherine Langford hatte sich einen Platz im Halbschatten ausgesucht. und trank einen Kaffee Latte mir Camarell-Amaretto-Aroma. Eins musste man den New Yorkern lassen. Wenn sie keine natürlichen Bedürfnisse mehr stillen konnten, verstanden sie sich sehr gut darauf, künstliche Bedürfnisse zu erwecken. Sie zum Beispiel hatte das Caramell-Amaretto-Aroma richtig lieben gelernt. Und er hatte ihr Interesse dafür geweckt, auch die anderen Aromen einmal auszuprobieren.
Sie seufzte und warf einen Blick auf die Uhr. Er war spät. Hatte er etwa entgegen ihres Rats ein Taxi genommen, anstatt die U-Bahn? So unsicher war New Yorks Untergrund nun auch wieder nicht. Allerdings war er ein sehr konservativer Mann und hielt es durchaus für standesgemäß, mit nicht mehr als vier Leuten gefahren zu werden, anstatt mit vierhundert.
Die Tür öffnete sich etwa fünf Minuten später, um einen hochgeschossenen kräftigen Mann einzulassen, der einen furchtbar verknitterten grauen Anzug ohne Binder trug. An den Füßen waren weiße Turnschuhe, die schon ziemlich ausgetreten waren. Der Mann orientierte sich kurz, dann trat er an den Tisch der älteren Dame heran. "Catherine."
Er beugte sich zu ihr herab und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, während er sie umarmte. "Ich freue mich, dich zu sehen."
"Du bist spät, Alex", tadelte sie den großen Mann.
Doktor Alexander Kaiser setzte sich ihr gegenüber und grinste sie breit an. Sofort spürte Doktor Langford, dass sie ihrem Schützling - wieder einmal - nicht böse sein konnte. Sie seufzte als Zeichen dafür, dass er vom Haken war. Aber eine Erklärung hätte sie doch gerne gehabt.
"Entschuldige bitte, Catherine, aber der Flug aus Deutschland hatte Verspätung. Und dann war die U-Bahn gesperrt, weil sich ausgerechnet dann, wenn ich mal den Zug nehmen will, einer auf die Schienen geworfen hat. Die ganze Strecke war stillgelegt, also habe ich ein Taxi genommen. Tja, und jetzt bin ich hier. Ein Wunder, dass es nur eine Stunde ist."
"Um Ausreden warst du noch nie verlegen, Alex", tadelte Doktor Langford.
Sie musste lächeln. "Aber nun erzähl mal. Wie ist es dir in Deutschland ergangen?"
"Ich war auf dem Mond", platzte es aus ihm heraus. "Stell dir das mal vor, auf dem Mond. Der erste Zivilist, der den Erdtrabanten betritt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sich das angeführt hat."
"Doktor Alexander Kaiser, wirst du wohl ernsthaft mit mir reden", tadelte sie ihn lächelnd.
"Schon gut", erwiderte Kaiser mit einem entwaffendem Grinsen. "Ich arbeite im Moment für den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Du kannst dir vorstellen, dass ich da als Ägyptologe nicht viel zu tun habe. Im Moment verteidige ich die Statue der Nofretete gegen die ägyptischen Ansprüche und habe viel mit Anwälten zu tun. Aber das füllt bestenfalls zwei, drei Tage im Monat, und den Rest der Zeit kann ich mich um meine Forschungen kümmern. Ich arbeite an zwei neuen Büchern. Eines davon will ich mit Doktor Jackson schreiben."
"Doktor Jackson schon wieder? Alex, das finde ich nicht gut. Der Mann hat zwar mit Summa cum Laude an der Chicagoer Universität promoviert, aber viele seiner Ideen und Theorien unterscheiden sich nicht gerade von denen eines Verschwörungstheoretikers."
"Ich weiß", sagte Kaiser nickend. "Und das macht sie ja so interessant für mich."
"Ach komm, Alex, du willst mir doch nicht erzählen, dass du seine These teilst, nach der die Pyramiden viel älter sind als wir derzeit wissen, und dass die Hieroglyphen jener Epoche gefälscht wurden, um das zu vertuschen?"
Kaiser lachte leise und bestellte sich einen grünen Tee. "Ich sehe, du hast dich mit Dannie-Boy beschäftigt."
Verlegen sah die ältere Frau zur Seite. "Ein wenig zumindest. Ich habe ihn für ein Regierungsprojekt ins Auge gefasst, das ich gerade betreue, aber wieder verworfen."
Kaiser nickte verstehend. "Ist vielleicht auch besser so. Er ist noch nicht soweit. Brillanter Geist, der Junge, tolle Kombinationsgabe. Aber er braucht noch Reife. Oder anders ausgedrückt, ein paar Rückschläge. Und dann muss er lernen, sich wieder auf die eigenen Füße zu kämpfen."
"Danke für deine Einschätzung, Alex." Nachdenklich nestelte sie am Griff ihrer Tasse. "Weißt du, Alex, dieses Regierungsprojekt, an dem ich arbeite, hat sich als Herausforderung erwiesen. Ich könnte deine Hilfe gebrauchen. Denkst du, du kannst dich vom Bundestag eine Zeitlang beurlauben lassen? Es könnte sehr interessant werden."
Kaiser runzelte die Stirn. "Ist es eilig?"
"Ich gebe zu, wir stecken fest. Aber ich bin nicht mehr die Jüngste, und ich würde doch gerne zu meinen Lebzeiten sehen, dass wir Erfolg haben."
"Wie lange kannst du warten, Catherine? Ich meine, ich stecke wirklich gerade bis zum Hals in meiner Schreibarbeit und habe zwei Deathlines, die unaufhaltsam näher kommen."
"Ich kann dir den Posten maximal bis '94 offen halten, Alex. Dann muss ich Ergebnisse liefern."
Kaiser pfiff anerkennend. "Das sind fünf Jahre. Also, entweder ist das Projekt nicht wichtig, oder es ist so verdammt wichtig, dass das Militär auch einen längeren Forschungszeitraum in Kauf nimmt."
"Das Militär lässt uns da freie Hand."
"Aha, wusste ich es doch. Nur die Lametta-Typen können es sich leisten, auf den Faktor Zeit zu verzichten. Du willst mich zum amerikanischen Militär schleppen? Welches Interesse hat es an Ägyptologie, Catherine?"
"Kein besonderes Interesse. Es sorgt vor allem für den Nachschub und den Schutz, sollte er nötig werden." Sie sah kurz zur Seite. "Du weißt schon, wir verdächtigen nicht erst seit gestern, dass nicht wenige der Artefakte aus den neuentdeckten älteren Gräbern unter Biohazard fallen. Bei manchen Fundgruppen müssen wir unter besonderen Bedingungen und Überwachungen arbeiten."
"Ja, das leuchtet ein", log Kaiser. "Aber ehrlich gesagt habe ich meine Dosis Militär gerade bis zur Schmerzgrenze. Ich habe nicht wirklich Interesse, mich schon wieder von Sternchen auf der Schulter herum scheuchen zu lassen."
"Denkst du, dass du in vier, fünf Jahren anders darüber denken wirst?"
"Wer weiß? Vielleicht. Möglicherweise. Ich... Meine Arbeit ist gerade hochinteressant, und sie bringt mir Interesse aus höchsten politischen Kreisen ein. Und wenn ich dabei versage, die Nofretete zu verteidigen, wird das Interesse sehr negativ umschlagen, Catherine."
"Ich verstehe. Glaubst du, du kriegst es hin, mich ab jetzt einmal pro Jahr zu besuchen, damit wir über die Sache reden können, Alex?"
"Natürlich Catherine. Du hast mich ausgebildet. Du hast mich zu dem gemacht, was ich bin." Er zwinkerte ihr zu. "Für mich bist du eine große Schwester, das weißt du doch."
"Oooooh, du elender Schmeichler", tadelte sie ihn mit gespieltem Ernst. "Und du weißt, dass du bei mir Zuhause immer willkommen bist."
"Natürlich weiß ich das, Catherine." Er nippte an seinem Tee. "Entschuldige, wenn ich vorerst nicht in die USA umziehen kann. Europa gefällt mir einfach zu gut."
"Hm. Denkst du, ich sollte Doktor Jackson wieder auf die Liste setzen?"
"Daniel?" Für einen Moment wirkte Kaiser erschrocken. Er beugte sich leicht vor. "Also, im Moment ist das wirklich eine Scheiß Idee. Ich meine, Doktor Jordan soll mit ihm gebrochen haben, weil Daniel einmal in Erwägung gezogen hat, dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut worden sind. Außerdem, mein Projektleiter hat Interesse an ihm, wenn er sich die Hörner abgestoßen hat und wieder bei Sinnen ist. Mach dir also um ihn keine Sorgen. Irgendwann nehme ich ihn schon bei mir auf."
Langford stockte. "Hat er das gesagt? Dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut wurden?"
"Er hat mich deswegen angerufen und mich nach meiner Meinung gefragt. Er sagte, er hätte einen Hinweis darauf gefunden, dass dieser Schweizer von Däniken doch nicht ganz Unrecht hat, und dass die altägyptischen Götter womöglich tatsächlich Außerirdische einer präastronautischen Hochkultur waren. Aber ich frage dich, was wollten die dann auf der Erde? Also, Buchautoren haben die sicherlich nicht gesucht. Nein, der Junge muss erst mal wieder vernünftig werden. Dann kann man mit ihm arbeiten."
"Nanu, warum bemühst du dich gerade so, Doktor Jackson so uninteressant zu machen?", fragte Doktor Langford amüsiert.
"Wie gesagt, ich würde ihn in mittlerer Zukunft selbst anwerben", antwortete Kaiser.
"Mit welcher Begründung?"
Der deutsche Ägyptologe lachte. "Weil sich mein Buch, bei dem er Co-Autor ist, am Besten verkauft hat. Ich bin nur sooo weit an der deutschen Bestsellerliste vorbei geschrappt."
"Und den Erfolg willst du wiederholen?"
"Ja, das würde ich gerne. Wie ich schon sagte, zum Schreiben habe ich gerade viel Zeit, und es macht mir viel Spaß", lachte Kaiser.
"Okay, Alex. Ich werde dich die nächsten Jahre immer mal wieder bitten, in mein Projekt einzutreten, wenn es dir Recht ist. Aber irgendwann hat selbst das Militär keine Geduld mehr, und ich muss einen anderen finden."
"Damit bin ich einverstanden, und das verstehe ich auch. Und dieser Ersatz soll Daniel sein?"
"Ich weiß es noch nicht. Es gibt nicht viele Ägyptologen von deinem und meinem Kaliber auf der Welt, die auch noch für Amerika zu arbeiten bereit sind. Das Doktor Jackson glaubt, dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut wurden, ist natürlich nicht so schön. Solche Thesen sollte er eurem von Däniken überlassen. Aber er hat da durchaus etwas, was für ihn spricht."
Misstrauisch äugte Kaiser seine Mentorin über den Rand seiner Tasse an. "Und das wäre?"
"Die Tatsache, dass du ihm so sehr vertraust, dass du mit ihm Bücher schreibst."
"Oh." Er faltete die Hände ineinander. "Hör mal, Catherine, Daniel betreffend. Ich habe wirklich, wirklich großes Interesse daran, mit ihm zusammen zu arbeiten und..."
"Alex. Es ist in Ordnung. Wir werden sehen, ob er sich für mein Projekt eignet. Dafür bin ich durchaus bereit, ihn ein paar Jahre zu beobachten. Und dann schauen wir einfach, wer von uns schneller ist. Kannst du damit leben?"
"Mir bleibt ja wohl nichts anderes übrig." Er nickte resignierend. "Aber wie ich schon sagte, lass ihm noch Zeit. Bisher fiel ihm alles in den Schoß. Das Aufstehen muss er noch lernen."
"Ich werde das im Hinterkopf behalten", erwiderte sie lächelnd. "Und, wie sieht es ansonsten aus? Hast du denn schon wieder eine neue Beziehung? Ich meine, ich fand Arina wirklich interessant und attraktiv..."
"Catherine...", tadelte Doktor Kaiser.
"Hast du denn wenigstens einen Hund?"
"Catherine..."
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