Meine Lippen wie Blut

von Schotti
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P12 Slash
28.05.2011
27.10.2013
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Meine Lippen wie Blut








Die Geschichte einer Kämpferin.




Das Auto rauschte über den langen Kiesweg, der gesäumt wurde von sämtlichen gärtnerischen Kunstwerken, die sich wie prachtvolle Statuen rechts und links erhoben. Ich schenkte ihnen keine Beachtung, mein Blick war verächtlich auf den Biden gerichtet, während ich trotzig wie ein kleines Kind die Arme vor der Brust verschränkte.
„Leyla, jetzt sei doch mal ein wenig zugänglich! Die Academy Black ist bei weitem nicht so schlimm wie du denkst“, versuchte es mein alleinerziehender Vater verzweifelt zum zehnten Mal während der Autofahrt. Er hatte es wirklich nicht leicht. Viel gefragter Geschäftsmann, ein richtiger Workaholic, Frauenschwarm, Vampir und dazu ein ungewolltes Kind, das von der Mutter abgestoßen wurde nachdem mit 13 Jahren meine Verwandlung in einen Vampir eintrat. Obwohl Vampire und Menschen friedlich zusammen lebten, waren wir für manche Menschen dennoch eine abstoßende Kreatur.
„Lieber würde ich mich umbringen als auf diese etepetete Schule zu gehen“, meinte ich mit kühler, dunkler Stimme. „Schätzchen du kannst dich nicht umbringen als Vampir. Du bist doch mittlerweile 18 und müsstest das wissen.“ „Na toll, noch ein Nachteil“, grummelte ich wütend vor mich hin, während ich dann doch mal einen Blick nach draußen wagte.

Vor uns erhob sich ein riesiges Schloss aus sandfarbenen Steinen in dem Himmel empor wie ein goldener Palast. Wäre ich nicht so dickköpfig, wäre ich sicherlich unglaublich beeindruckt gewesen. Das Anwesend war so riesig, dass ich nur gerade mal ein Drittel erblicken konnte. Außerhalb der riesigen Burg, die als Internat zur Ausbildung von Vampiren und gleichzeitige Schule für Sterbliche genutzt wurde, befanden sich mehrere Sportplätze und ein einladender See mit klarem blauem Wasser, gesäumt von im Wind wehenden Trauerweiden. Obwohl alles so unglaublich schön war, kotzte es mich mächtig an.

Der Wagen hielt vor dem großen Eingangstor der Schule. Mein Vater stieg aus und schritt zum Kofferraum, um meinen roten Koffer, auf dem sämtliche Sticker klebten, heraus zu holen. Als er bemerkte, dass ich keine Anstalten machte auszusteigen, seufzte er und klopfte verzweifelt gegen meine Fensterscheibe.
„Leyla bitte. Du tust uns beiden keinen Gefallen wenn du so bockig bist. Du musst auf diese Academy um deine Fähigkeiten zu entdecken und zu formen, damit im Leben als Vampir zurechtkommst.“
„Ich komme auch so zurecht!“, blaffte ich und blickte ihn herausfordernd an. Obwohl mein Vater, da er ein Vampir war, überaus perfekt aussah, war sein Gesicht von tiefer Verzweiflung durchzogen. Ich war mir sicher, dass so das Gesicht eines Elternteils aussah, dass kurz davor stand zum Jugendamt zu gehen und dringende Hilfe anzufordern.
Ratlos öffnete mein Vater einfach die Tür, beugte sich über mich und löste meinen Sicherheitsgurkt. „Hey! Lass das!“, protestierte ich, sodass er sich wieder aufrichtete. Er fuhr sich durch die perfekt gegelten Haare und richtete seinen Anzug. „Wenn du nicht rauskommst, dann kommt der Direktor eben zu dir. Und das wird nicht nur für mich peinlich sein.“

Ich überlegte einige Sekunden bis ich schließlich, in Betracht dieser schlimmen Blamage, aus dem Auto stieg. „Das ist Erpressung!“, zischte ich, während ich das triumphierende Grinsen meines Vaters gnädig ignorierte. „Wieso muss eigentlich ausgerechnet mich die Verwandlung zu einem Vampir treffen?“, fragte ich eher mich selber als meinen Vater, während mein Koffer über den unwegsamen Kies hinter mir her holperte.  „Es verwandelt sich doch nur etwa eins von 30 Kindern, die von einem Vampir und einem Sterblichen gezeugt werden und dies sind meistens nur Jungs, weil sie die passenden Chromosomen besitzen. Weibliche Vampire sind doch eher selten.“
Mein Dad grinste. „Du bist wohl doch männlicher als wir alle dachten.“ Ich boxte ihn leicht in die Seite und bestrafte ihn nun mit Schweigen.

Der Innenhof der Burg war unglaublich groß. Ich konnte gerade noch so das Ende erkennen, an dem die Burg wieder anfing. Aber nicht nur der Innenhof, alles wirkte riesig, verzwickt und durcheinander. Säulengänge türmten sich links und rechts auf, riesige Korridore gesäumt von schweren Holztüren mit goldenen polierten Scharnieren und graziöse Skulpturen.
„Bonzenschule“, grummelte ich hingegen meiner Schweigeregel. „Für meine Tochter doch nur das Beste“, lächelte mein Vater mit seinem perfekten weißen Grinsen.

Ich hatte mich kaum einmal um meine eigene Achse gedreht um das Anwesen zu begutachten, als auch schon der Direktor der Schule, Mr. Spencer auf uns zukam. Ein großer hagerer Mann, mit perfekter Frisur und perfekt sitzendem Anzug. Ein verdammter Vampir eben. Sein Lächeln war eben so weiß wie das meines Vaters, als er uns freundlich die Hand reichte. Auch bei ihm standen die Eckzähne, wie bei allen Vampiren, kaum merklich heraus und schienen am Ende spitzer als gewöhnlich.
„Es freut mich sehr Sie, Mr. Cruz und insbesondere Sie, Leyla, eine seltene weibliche Vampirin, im Namen der Academy Black begrüßen zu dürfen.“
Ich verdrehte die Augen und spürte, wie mir mein Vater unbemerkt auf den Fuß trat. „Uns freut es ebenfalls. Es ist eine Ehre, dass meine Tochter eine so angesehene Schule wie die Eurige besuchen darf“, antwortete mein Vater mit seiner mir wohl bekannten Business-Stimme, mit der er alles erreichte, ehe ich ein unangebrachtes und überaus unhöfliches Kommentar über die geleierte Floskel bringen konnte. Mr. Spencer antwortete mit einem freundlichen Nicken.
„Wenn sie mir nun folgen mögen. Während Mr. Cruz und ich die formellen Angelegenheiten erledigen, werden Sie Leyla von einem Schüler der Night Class durch das Schloss geführt“, erläuterte der Schulleiter mit kühler, distanzierter Stimme, aus der seine Autorität förmlich zu sprühen schien.

Schon nach wenigen Metern Wanderschaft erreichten wir eine große Tür, an der ein goldenes Schild mit eingravierter Schrift prangte. „Direktorat“, konnte ich lesen. Mr. Spencer öffnete die Tür und machte eine auffordernde Geste, der mein Vater und ich nachkamen. Das riesige, mit teuren vermutlich handgeschnitzten schwarzen Möbeln ausgestattete Büro, verdeutlichte in seiner Gesamtheit nochmals wie reich, mächtig und einflussreich die Schule war. Der Raum war in den Farben Schwarz, Weiß und Gold gehalten und wirkte so imposant, dass es mich fast zu erschlagen schien. In dem hinteren Teil des Raumes standen mehrere mit schwarzem Leder bezogene Stühle, auf dem ein Junge saß.

Auf dem ersten Blick war mir bewusst, dass er ein Vampir war. Aber selbst für einen Vampiren war er unglaublich gut aussehend. Er trug eine lässige helle Jeans, darüber ein weißes Hemd, dessen Kragen aufgestellt war und das auf den Schultern jeweils zwei schwarze Streifen und an der Brust das Wappen der Schule aufwies. Die obersten Knöpfe waren geöffnet, welches seinen sportlichen muskulösen Körper nochmals betonte und einen kleinen Teil davon schon fast neckisch zur Schau stellte. Seine Haare waren dunkelbraun, schon fast schwarz und hingen ihm ins Gesicht, da er zu Boden sah. In seinen Händen hielt er etwas, mit dem er zu spielen schien. Es sah aus wie eine Kette mit einem Diamantenanhänger, allerdings konnte ich es nicht genau erkennen, da er den Gegenstand schnell in seine Hosentasche verschwinden ließ und aufblickte, als wir den Raum betraten. Seine Augen waren braun, doch sie schienen von hellbraunen, ja schon fast orangenen bis roten Streifen durchzogen zu werden, je nachdem wie das Licht auf die Iris traf.
Ich kniff die Augen zusammen und musterte ihn, als er aufstand. Er strahlte zugleich Autorität, Macht und unüberwindbare Überlegenheit aus, die mich umzuhauen schien.

„Jayko das ist Leyla unsere neue Schülerin. Ich-“
„Sie sprachen doch von einem Schüler“, fuhr er dem Schulleiter dazwischen, während sein Blick über mich glitt. Mit seinem unhöflichen Verhalten erinnerte er mich doch tatsächlich ein bisschen an mich selber.
Der Schulleiter überging seine Unhöflichkeit und fuhr ungeachtet fort: „Ich bitte dich ihr das Anwesend zu zeigen und anschließend in ihr Zimmer zu führen. Ich bin mir sicher, dass sie nach der langen Fahrt bei Tageslicht viel Schlaf benötigt.“

Jayko nickte lediglich und kam auf mich zu, während mein Vater und Mr. Spencer den Weg zum massiven Schreibtisch einschlugen. Stumm folgte ich ihm aus dem Direktorat, ohne einen Blick zurück auf meinen Vater zu werfen. Ich wartete geduldig, ob er sich neben der namentlichen Vorstellung des Direktors nun auch noch selber vorstellen wollte, doch er blieb stumm.
„Wenigstens den Koffer hättest du mir als Gentleman abnehmen können“, grummelte ich schließlich, immer noch schlecht gelaunt. Er blieb abrupt stehen und drehte sich zu mir rum. Sein Blick war provokant und herausfordern, sodass ich überlegte schnell einen Rückzug zu machen, doch ehe ich es mich versah war er bereits bei mir und hatte nach der Halterung meines Kofferns gegriffen. Ohne ein weiteres Wort führte er seinen Weg fort, meinen Koffer hinter sich her ziehend als wäre er ein Fliegengewicht. Es dauerte eine Weile bis ich realisiert hatte was soeben vor sich gegangen war. Ich folgte ihm mit schnellen hastigen Schritten.

„Also rechts von dir siehst du…“, begann er, seine Stimme dunkel und rau.
„Lassen wir das, wir müssen und doch schon beide genug quälen. Bring mich bitte einfach zu meinem Zimmer. Ich finde mich auch so zurecht“, fiel ich ihm erschöpft ins Wort. Jayko drehte sich nochmals zu mir um und warf mir diesmal einen kühlen, aber deutlich neugierigeren Blick zu.
„Na gut. Aber erschreck dich nicht. Es sind fast alle Bewohner der Night Class, darunter alle Bewohner des House Of Moon, unserer Wohngemeinschaft, extra bei Tage aufgestanden um dich zu begrüßen.“
„Es gibt viel schlimmeres, das mich erschrecken könnte.“
„Na ja“, fuhr Jayko mit nachdenklicher Stimme fort, während er seinen Blick wieder nach vorne richtete: „Wir sind alle Jungs.“

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