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von Kianah    erstellt: 22.05.2011    letztes Update: 23.05.2011    Geschichte, Mystery / P16    (fertiggestellt)
Wings of Change



Castiel sah auf die verängstigten Menschen vor sich und spürte das starke, stetige Pulsieren Millionen von Seelen in seinem Innern. Weder die Winchesters noch Bobby waren seinem Befehl nachgekommen und der Blick des ehemaligen Engels verhärtete sich.

„Ich werde mich nicht noch einmal wiederholen. Kniet nieder vor mir, eurem Herrn, und bekennt eure Liebe oder ich werde euch zerstören.“

Langsam, wie in Zeitlupe, fielen Bobby und Sam auf die Knie, die entsetzten Gesichter immer noch auf ihn fixiert. Castiel warf den beiden einen selbstzufriedenen Blick zu. Dann wanderten seine Augen zu Dean, der noch immer wie versteinert vor ihm stand.

„Cass,- du  musst damit aufhören.- Diese Seelen verdrehn dir das Hirn! Merkst du nicht, was diese Kraft mit dir anstellt?“

Deans Stimme klang angespannt und Castiel spürte die Angst des Winchesters, was ihn mit einer gewissen Genugtuung erfüllte.

„Ich merke es.“ er hob seine Hand und ließ Dean auf die Knie fallen. „Sie macht mich allmächtig.“

Dean versuchte wieder auf die Beine zu kommen, kam jedoch gegen Castiels Macht nicht an.

„Das ist doch wahnsinnig, Cass.“ keuchte Dean und gab es schließlich auf gegen Castiels unsichtbare Fesseln anzukämpfen.

„Zeige deinem neuen Gott den angemessenen Respekt oder du wirst es bereuen.“ entgegnete er ruhig.

„Hörst du eigentlich was du da sagst?! Du bist nicht Gott. Und was willst du denn überhaupt für ein Gott sein? Ein Gott der nur durch Drohungen und Gewalt das bekommt was er will?“

Castiel schwieg eine Weile. Wie töricht Dean doch war, zu glauben er könne ihm einen Vortrag über Moral halten. Es war wohl an der Zeit seinem ehemaligen Schützling eine Lektion in Sachen Respekt zu erteilen. Castiel wandte sich zu Sam.

„Mir missfällt, dass du mich eben mit dem Engelsschwert töten wolltest, Sam.“  entgegnete Castiel kalt.

„Castiel, ich bitte dich, tu das nicht.“ sagte Sam mit nervöser Stimme und sah ihn eindringlich an.

Castiel öffnete die rechte Hand und Sams Kopf drehte sich um hundertachtzig Grad. Der leblose Körper fiel sofort zur Seite und blieb regungslos liegen. Dean und Bobby keuchten laut auf.

„Ich werde kein Gott sein, bei dem man sich nicht sicher ist, ob er überhaupt existiert. Ich werde ein Gott sein, der nicht nur tatenlos bei allem zusieht und abwartet was geschieht.“ sagte Castiel entschlossen.

Dean und Bobby starrten ihn entsetzt an und warfen sich einen kurzen, beunruhigten Blick zu.

„Du bist kein Gott, Cass,- du benimmst wie,- wie Lucifer...“ In Deans Augen wurden feucht und seine Stimme klang zittrig.

„Ist das so?“ entgegnete Castiel geringschätzig.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er, wie sich Bobby erheben wollte.

„Wer hat dir erlaubt aufzustehen?“ fragte er mit schneidender Stimme.

Bobby fuhr zusammen und im nächsten Moment hatte auch sein Kopf sich um sich selbst gedreht und der Mann fiel regungslos zu Boden. Castiel grinste Dean höhnisch an und löste ihn von seinen unsichtbaren Fesseln, die ihn am Boden hielten. Aber Dean rührte sich nicht von der Stelle. Seine Tränen wurden weniger. Langsam erhob er sich, so dass er nun auf Augenhöhe mit Castiel stand.

„Worauf wartest du? Offensichtlich liegt dir nichts mehr an mir. Also töte mich.“  sagte er trocken.

Castiel betrachtete Dean einige Sekunden, ohne jedoch irgendeine Regung erkennen zu lassen. Dean schien es offensichtlich ernst zu meinen.

„LOS, TÖTE MICH CASTIEL!“

Castiel zuckte zusammen. In seinem Innern hatte sich gerade etwas schmerzhaft verkrampft. Es war das erste mal seit sehr sehr langer Zeit, dass Dean ihn bei seinem richtigen Namen genannt hatte.

„Ich werde dich nicht töten, denn ohne dich wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Du sollst sehen wie das Reich, das ich erschaffen werde, aussehen wird.“

„Ich wollte nie, dass du zu einem größenwahnsinnigen Godzilla mutierst! Und dein Reich kannst du dir sonst wo hinstecken, denn glaub mir, niemand wird dir mehr zur Seite stehen, wenn du so weiter machst!“

Castiel hatte keine Ahnung wer oder was Godzilla genau war und ein kleiner Teil von ihm ärgerte sich, dass Dean immer noch die Frechheit besaß, Begriffe zu verwenden, mit denen er nicht vertraut war.

„Du bist kein Gott und du wirst es auch niemals sein!“ fuhr ihn Dean erneut zornig an.

Castiel kam sich unendlich verraten vor, war verletzt und enttäuscht. Mit anschwellendem Zorn schlug der ehemalige Engel Dean hart auf die Wange, so dass dieser einige Meter zur Seite flog. Dean spuckte Blut und lachte bitter.

„Was soll das? Ich habe niemanden mehr. Ich habe Ben und Lisa verloren. Ich habe Sam und Bobby verloren und ich bin dabei dich zu verlieren. Ich bin müde, Castiel. Ich,- ich will einfach nicht mehr. Wenn du meinst die Welt zu unterjochen, dann tu es. Aber ich will es nicht sehen und ich will nicht gegen dich kämpfen müssen. Also bring es verdammt nochmal zu Ende.“

Die Worte hinterließen ein unbehagliches Echo in der nun folgenden Stille. Wieso konnte er diesen schwächlichen Menschen nicht einfach aus den Weg räumen. Was scherte es ihn denn, ob dieser Mann lebte oder starb. Immerhin war er nun der neue Gott und hatte sich mit Wichtigerem zu beschäftigen.

„Ich brauch dich schon lange nicht mehr, Dean! Niemanden von euch! Ich besitze genug Kraft, um Himmel und Hölle zu beherrschen!“

„Ich weiß... Ich brauche dich.“ sagte Dean erschöpft.

Ein stechender Schmerz durchfuhr Castiels Körper. In seinen Eingeweiden begann sich eine schreckliche Gier zu winden, die versuchte den Schmerz zu betäuben. Er wusste, dass diese Gier von den Seelen ausging, denn er hatte sie von dem Moment an gespürt, als die erste Seele in seinen Körper übergegangen war. Und nun war er sich sicher. Der Rest seines Verstandes hing an einem seidenen Faden. Castiel spürte, dass seine Hände leicht zitterten und er versuchte sie unter Kontrolle zu bringen.

„Cass, du gehörst zur Familie. Du hast gesagt, dass du genauso fühlst. Ich bitte dich, verhalte dich auch wie ein Bruder.“

Castiel presste die Lippen zusammen und kämpfte gegen den schmerzhaften Kampf, der in seinem Innern stattfand. Ein Teil von ihm forderte energisch den Tod des Winchesters, ein anderer Teil jedoch klammerte sich an Deans Worte wie ein Ertrinkender an einem Tau, während die Gier an ihm zerrte wie ein Mahlstrom.
Erschrocken spürte er plötzlich Deans Hand auf seiner Schulter. Castiel sah auf. In Deans Gesicht trat etwas fürchterlich Gequältes und seine Augen waren von erneuten Tränen gerötet.

„Cass, komm zurück. Du bist immer noch ein Teil unserer kleinen Patchworkfamilie.“

Castiels zeitweilig betäubtes Gehirn schien wieder zu erwachen. Er war sich immer noch nicht sicher was das Richtige war und in seinem Innern schien nach wie vor alles an seinen Eingeweiden zu zerren. Doch plötzlich war ihm, als würde eine unsichtbare Macht in seinen Körper gleiten. Wie von Geisterhand bewegten sich seine Beine in Richtung Sam. Er beugte sich zu ihm nieder und holte ihn zurück ins Leben. Ohne auf eine Reaktion von Sam zu warten ging er zu Bobby und holte auch ihn wieder zurück.
Castiel verstand nicht, was mit ihm geschah, er konnte seinen Körper nicht mehr kontrollieren. Er ging an Dean vorbei, hob die Hand und an der Wand vor ihm öffnete sich das Tor zum Fegefeuer. Castiel fragte sich, wie das sein konnte. Es war unmöglich ein Tor zu einer anderen Dimension ohne irgendwelche Hilfsmittel zu öffnen. Im nächsten Moment wurden tausende von Dämonen durch das Tor gesogen. Das Pulsieren der Seelen in seinem Innern wurde stärker. Plözlich konnte Castiel nichts außer einem blendend weißen Licht sehen. Er fühlte, wie all die Kraft, all die Millionen von Seelen aus ihm raus strömten.
Dann verschwand das Licht, das Tor verschloss sich und auch die seltsame Macht verließ seinen Körper. Bevor Castiel wusste wie ihm geschah, kippte er nach vorn und stürzte auf den Boden. Für einen Moment lang fühlte sich sein Körper wunderbar befreit von all der Macht an, doch dann überkam ihn eine neue Schwere. Von Grauen erfüllt wurde ihm schlagartig bewusst, was er getan hatte. Seine Eingeweide brannten vor Schuldgefühlen. Er hatte seine Freunde verraten, er hatte seine Brüder und Schwestern verraten, er hatte Gott verraten und er hatte sich selbst verraten. Und er hatte es nicht alleine geschafft sich von seinem Wahn zu befreien, denn er war sich nun sicher, wer seinen Körper geführt hatte.
An seinen inneren Augenwinkel spürte er ein Stechen und Brennen. War das möglich? War er inzwischen so menschlich geworden, dass er weinen musste? Castiel versuchte sich aufzurichten, doch dann ließ er sich wieder auf die Seite fallen. Was hatte es denn für einen Sinn aufzustehen. Nach all dem, was er getan hatte, war es wohl am besten wenn er bis in alle Ewigkeiten hier liegen blieb.

„Cass, alles klar bei dir?“ fragte Dean plötzlich dicht neben ihn mit besorgter Stimme.

Castiel antwortete nicht und sah auch nicht auf. Was für eine dämliche Frage! Gar nichts war klar bei ihm.

„Willst du bis zum Ende deines Lebens da liegen bleiben?“ fragte Sam nach einer Weile, ebenfalls besorgt.

„Du weißt, dass du unsterblich bist, Cass?“ erklang Deans Stimme wieder.

Castiel atmete lange und ruhig aus und schloss die Augen.

„Früher oder später wird schon jemand kommen und mich töten.“ murmelte Castiel mit schwerer Stimme.

„Castiel du einfältiger Vollidiot,-“ Bobby packte ihn grob unter den Schultern und zog ihn auf die Beine, sodass er nun gezwungen war den Winchesters und Bobby in die Gesichter zu sehen. „Reiß dich gefälligst zusammen! Jeder macht mal Fehler. Nur haben sie bei dem Einen eben mehr Auswirkungen als bei dem Anderen.“

„Dadurch fühle ich mich nicht besser, Bobby.“

„Die Hauptsache ist doch, dass du am Ende das Richtige getan hast.“ sagte Sam und versuchte offenbar aufmunternd zu klingen.

„Nein, das war nicht ich.“ entgegnete Castiel trocken.

„Was meinst du?“ hakte Dean nach.

„Ich glaube es war Gott, der mich dazu gebracht hat die Seelen zurückzugeben.- Ich hatte nicht die Kraft...“ ein erstickendes Gefühl würgte das Ende des Satzes ab und Castiel presste abermals die Lippen aufeinander.

„Cass, ich hab gesehen wie du gegen das, was dich an diese Seelen gebunden hat, gekämpft hast. Du hast es versucht. Du lässt uns nicht wieder fallen, ich vertraue dir.“ sagte Dean ernst.

Einen Augenblick verharrte Castiel reglos, dann nickte er, sagte aber nichts weiter. Das Stechen in seinen Augenwinkeln war wieder da und er sah blinzelnd zur Decke.

„Es tut mir Leid.“ sagte Castiel schließlich und versuchte so vernehmlich wie möglich zu klingen.

„Was hällst du davon, wenn du mir verzeihst, dass ich dich vorhin töten wollte und ich verzeih dir, dass du mich getötet hast. Ich mein, es ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal gewesen, dass ich gestorben bin. Ich schätze mit der Zeit gewöhnt man sich irgendwie daran.“ meinte Sam geschäftlich.

„Das Selbe gilt für mich.“ warf Bobby ein.

Castiel sah die beiden an und würgte mühsam ein „Ja.“ heraus. Sam und Bobby lächelten dann umarmten sie ihn abwechselnd und Castiel war erstaunt, dass auch sie mit den Tränen zu kämpfen schienen. Dann wandte er sich Dean zu und es fühlte sich an, als würde ein dicker Backstein in seinen Magen plumpsen.

„Dean, ich-“

„Aah, lass stecken. Ich bin einfach froh, dass wir wieder komplett sind.“

Castiel konnte es nicht fassen. Nach all dem was er getan hatte, betrachtete Dean ihn immer noch als Mitglied seiner Familie. Etwas Feuchtes lief seine Wangen hinunter und er wischte die Tränen hastig mit dem Handrücken weg.
Dann spürte er die feste Umarmung von Dean und er erwiderte sie.

„Willkommen zurück.“ sagte Dean mit zittriger Stimme.

„Danke.“

Sie lösten ihre Umarmung. Dean wischte sich kurz über die Augen räusperte sich stark und sagte: „Was hällst du davon, wenn du von deinen Engelsgeschäften ne kleine Auszeit nimmst und bei uns bleibst, Cass?“

„Ich nehme mir gerne eine Auszeit.“ sagte Castiel und fühlte, wie ein Teil der Lasten in seinem Innern von ihm fiel.

„Cool, ich schätze wir können alle mal Urlaub gebrauchen.“ sagte Dean und die vier Männer gingen ins Freie zum Impala. //der hier noch heil ist^^//

Beim Öffnen des Wagens hielt Sam kurz inne.

„Dean, wenn du von Urlaub sprichst, meinst du dann Urlaub im Sinne von Strand, Cocktails und Frauen oder Urlaub im Sinne von Dämonenjagden.“

„Wie ich unser Glück kenne, treffen wir unterwegs mit Sicherheit auf ein paar Monster, aber hey, es soll ja schließlich nicht langweilig werden.“ damit setzte sich Dean in den Impala und schmiss den Motor an.


Ende
 
 
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