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Alucard schlurfte erschöpft zu seiner Herrin hoch. Er hatte es geschafft. Iskariot war vernichtet. Seine Herrin wird hoffentlich zufrieden sein und nicht viel von seinem Zustand mitbekommen.

Seine Hände brannten, das Siegel entzog ihm seine Kräfte und er spürte wie der Schmerz langsam seine Arme hochkroch.

Als er bei Lady Integra anklopfte und dort auch noch Walter und Seras antraf, zupfte er seine Ärmel zurecht. Er wollte nicht, dass sie sahen, wie merkwürdige Zeichen seine Arme hochkrochen. Doch leider sah Seras das und innerlich verfluchte er sich, sie so zu trainieren, dass ihr alles auffiel. Sogar mit welcher Lady Pip am vorherigen Abend aus war.

Alucard erstattete Bericht.

„Zielobjekt eliminiert, erfolgreich. Hat leider etwas gedauert. Partielle Freisetzung erfolgreich beendet.“

Sir Hellsing und Walter fiel es Gott sei Dank kaum auf, aber Alucard wusste, dass Seras seine Müdigkeit aus seiner Stimme raus hören würde. Verdammt.

„Nun gut, Alucard. Dann solltest du dich ausruhen. Ich habe keine weiteren Meldungen über irgendwelche Schritte der Vampire. Die machen wohl auch Pause. Walter bringt dir gleich dein Abendessen.“ sprach das Oberhaupt der Hellsings.

Alucard war zu erschöpft um ihre Gedanken zu lesen. Er musste jedoch auf die übliche Art verschwinden um nicht aufzufallen.

„Ist gut Herrin“, waren seine letzten Worte und er verließ das Zimmer durch den Fußboden.

Er wusste nicht, dass jeder im Raum (wirklich jeder) bemerkt hatte, dass etwas mit ihm nicht stimmte.

In seinem Refugium angekommen, brach der geschwächte Vampir zusammen und versuchte wenigstens zu seinem Sarg zu gelangen. Er fiel erschöpft zu Boden und zog sich ein Stückchen weiter. Doch er bekam das unweigerliche Gefühl, dass der Raum sich drehte und alles wurde um ihn schwarz. Er kämpfte nicht mehr dagegen an und ließ sich in die warme Umarmung der Dunkelheit ein.

Seras, Walter und Sir Hellsing traten in sein Schlafzimmer ein und sahen schockiert, wie der wahre Unsterbliche auf dem Boden lag ohne Bewusstsein. Seras drehte ihn sofort um und nahm ihm die Sonnenbrille (die eh schon schief hing) ab. Den Hut fanden sie hinter einem Stuhlbein. Doch das war jetzt nicht so wichtig.

Lady Integra und Seras beugten sich über Alucard. Seras strich ihm über sein erschöpftes Gesicht und Lady Integra warf einen nervösen Blick auf seine Handschuhe.

Die Insignien darauf haben angefangen rot zu leuchten. Alucard stöhnte und schien sich vor Schmerzen zu winden.

Walter hob den Deckel von seinem Sarg an und Seras setzte sich hinein. Integra und Walter trugen Alucard zu ihr und legten ihn so ab, dass er an Seras‘ Oberkörper angelehnt war.

„Alucard! Wach auf!“ befahl Integra, musterte trotzdem nervös die Insignien auf Alucards Handschuhe. Sie leuchteten jetzt sogar noch stärker und Rauchschwaden bildeten sich von den Händen bis über seinem gesamten Unterarm.

Alucard wachte keuchend auf und riss dabei die Augen auf. Der Schmerz musste grauenvoll sein. Er hätte beinahe aufgeschrien und Seras drückte ihn an sich in der Hoffnung ihn so beruhigen zu können. Tatsächlich wirkte sich ihre Gegenwart positiv auf Alucards Befinden aus.

Integra zog ihm mit raschen Bewegungen die Handschuhe aus. Da sahen sie das Schlammassel. Das starke Siegel hatte sich auf die Handflächen des Vampirs gefressen und merkwürdigerweise war der Bann seine Unterarme hochgeklettert.

„Walter bring sofort kaltes Wasser oder Eis hierher.“ Lady Integra hob den Blick und sah ihren ebenfalls entsetzten Butler an, der sich sofort auf den Weg machte. Es dauerte nicht lange und er kam mit einem Eimer Eis und ein paar Tüchern wieder. Integra und Seras haben derweil Alucard dem Mantel ausgezogen. Seras diente immer noch als Stütze und während sie ihrem Meister die Schleife von oben aufband, mussten beide lächeln wie sie sich dabei anstellte.

Dann öffneten sie Alucards Hemd und Seras hob seinen Oberkörper wieder an um ihm auch dieses Kleidungsstück zu entziehen.

Was sie sahen war noch furchtbarer. Obwohl der Vampir jahrelang im Hause der Hellsings gedient hatte und irgendwie immer da war, hatte sich keiner gefragt, warum er ihnen diente. Irgendetwas in der Vergangenheit des alten Vampirs müsste das Schlüsselerlebnis sein.

Integra dachte sofort daran wie sie ihn gefunden hatte und auch die Worte ihres Vaters kamen ihr wieder in den Sinn. Was sie am meisten verstörte war der Gedanke an die Erinnerungen die sie durchströmt hatten als sie die Klinke seiner Zellentür berührt hatte.

Warum stand er am Eingang des Hellsinghauses? Was wurde mit ihm gemacht? Wieso hatte er diese Handschuhe an? Und was noch wichtiger ist – wieso schwächte es ihn auf einmal, statt ihn nur zu bannen?

Seras sah zum schmerzhaft verzogenen Gesicht ihres Meisters. Es machte sie nicht nur traurig ihn so zu sehen. Es wunderte sie geradezu. Er zeigte hier immerhin eine Seite, die er niemanden offenbarte.

„Alucard. Alucard! Wach auf!“ befahl Integra im strengen Ton. Der Befehl tat seine Wirkung. Der mitgenommene Vampir öffnete seine Augen und sah zu seiner Herrin hoch. „Was ist das auf deinen Händen? W-warum brennt es sich in deine Haut ein? Und was ist das hier alles?“

Integra zeigte auf merkwürdige Narben die alle irgendwelche Symbole sein mussten. Dazu noch das Cromwell-Symbol welches auf seinem Bauch eingebrannt zu sein schien, in der Größe seiner Handaußenflächen. Das Siegel umschloss seinen Bauchnabel. Die Narbe an seiner Brust war jedoch das schlimmste. Es sah aus als wäre ein harter Gegenstand mit brutaler Gewalt dort eingerammt worden. Mit sehr viel Gewalt. Und diese Narbe ist wie die Symbole nicht verheilt.

Seras, Integra und Walter beobachteten Alucards Gesicht, doch dieser versuchte plötzlich aufzustehen und machte Anstalten aus dem Sarg zu steigen. Seras erschrak. Dieselbe Narbe, die sie vorne gesehen haben, war auch hier hinten. Dieses Teil was ihn durchstoßen hatte, musste durch seinen gesamten Körper durchgegangen sein.

Alucard war mit seinen Beinen schon außerhalb des Sarges, doch Seras hielt ihn fest.

„Meister. Meister, ihr müsst euch ausruhen. Ihr dürft nicht...“ doch bevor die junge Vampirin weitersprechen konnte, fingen die Zeichen auf Alucards Händen und auf seinem Bauch an zu glühen. Alucard stürzte zu Boden und nahm eine fötale Haltung ein. Alle drei waren nötig um ihn aus seiner verkrampften Haltung rauszuholen.

„Wir bringen ihn nach oben. Das wäre besser.“ Alle hörten auf Walter und mit Mühe und viel Zeit trugen sie Alucard, der wieder sein Bewusstsein verloren hatte, in ein Gästezimmer. Als sie ihn absetzten nahm er jedoch wieder eine fötale Haltung ein. Seras hatte genug. Sie deckte kurzerhand ihren Meister zu, der sie im Schlaf packte und zu sich zog. Sofort legte sie die Arme um ihn. Das war auch neu.

Walter und Integra zogen sich erst mal zurück, da es schon sehr spät für sie war. Doch Seras war ein Geschöpf der Nacht und hielt es nicht lange aus die Augen zuzumachen. Sie strich ihrem Herrn unbewusst durch die Haare. Dieser fing auch noch an zu schnurren und drückte sein Gesicht an ihren Hals. Anscheinend hatte er für einen kurzen Moment Ruhe.

Sie wachte die ganze Nacht über ihn und bekam am nächsten Morgen noch mit, wie Walter die Vorhänge zuzog, damit kein Sonnenlicht hereinscheinen konnte.

Integra betrat den Raum, wie immer im Männerverschnitt und hatte ein paar Bücher zur Hand.

„Vielleicht finden wir hier eine Lösung“, sagte sie recht überzeugt klingend. Seras jedoch schloss die Augen, ihren Meister immer noch im Arm haltend und schlief tief und fest ein. Integra und Walter ließen sie schlafen. Integra blätterte durch die Aufzeichnungen ihres Vorfahren. Es war kaum die Rede von dem Midian, der gerade in den Armen seiner Draculina schlief.

Dann entdeckte sie ein Buch welches für sie das richtige sein musste. Der Titel war schon viel versprechend: Experiment Graf Vlad III Tepes Draculae. War das vielleicht der richtige Name Alucards? Dieser zeigte seinen entblößten Rücken seiner Herrin, da die Decke dort etwas weggerutscht war und diese konnte nun ebenfalls die Narbe erkennen, die schon Seras gesehen hatte: Als wenn ihn etwas durchbohrt und dort rausgekommen wäre.

Integra las sich durch die Aufzeichnungen. Sie versuchte es zumindest. Diese Bücher waren steinalt und die Schrift verblichen. Nach sechs Seiten wusste sie, so ging es nicht weiter.

Sie verließ den Raum und traf im Gang auf Walter, der sie plötzlich anlächelte.

„Was gibt es Walter?“ fragte sie irritiert, was den Butler denn so vergnügte.

„Sir Hellsing, wieso habe ich Eimer voll Eis und Tücher runtergetragen, wenn sie sie nicht zu benutzen gedenken?“ fragte der Butler verschmitzt.



Die Sonne ging unter und Alucard wachte als erster auf. Er sah sich um und merkte, dass er in Seras‘ Armen lag. Das störte ihn nicht und er musste zugeben, dass es auch ein schönes Gefühl war mitunter. Während sie schlief betrachtete er ihr Gesicht. Sie sah aus wie ein gefallener Engel. Ihre Haare hingen ihr ins Gesicht und ihr Mund war leicht geöffnet. Während sie schlief schien sie zu träumen, ihr wunderschön geschwungener Mund war zu einem Lächeln verzogen. Er kam ihrem Gesicht näher und versuchte sich dabei alles an ihr einzuprägen: Augenbrauen, Nase, Wangenknochen, Ohrläppchen, Ohrspitze, Stirn (faltenfrei). Dann ließ er seine Augen auf ihre Lippen senken und stellte sich die Frage, ob er sie küssen durfte, wie sie sich anfühlen würde, welche Gefühle ihn durchfließen würden.

Er kam ihr immer näher. Sie schlief weiterhin tief und fest. Doch dann machte das Siegel ihm einen Strich durch die Rechnung. Es fing an zu brennen auf seinem Bauch und der Schmerz saß so tief, dass er anfing zu schreien, viel zu überrascht von diesem schmerzhaften Schub.

Seras wachte dadurch auf und sah auf den Rücken ihres Meisters der sich wieder eingerollt hatte. Sie streichelte ihm über die Verletzung, die auf seinem Rücken prangte. Das schien ihn zu beruhigen und als er spürte wie ihre Hände über seine Hüfte zu seinem Bauch wanderten, atmete er beruhigt auf. Seras setzte sich auf und drehte ihn vorsichtig um. Alucard sah zu ihr hoch und merkte, wie Besorgnis ihre Gedanken einnahmen. Sie rief nach Walter, der sofort mit Lady Integra hereinkam, wieder mit einem Eimer, diesmal voll Wasser (das Eis war geschmolzen) und ein paar Tüchern. Seras nahm ein Tuch und ließ es ins Wasser gleiten. Dann wrang sie es aus und legte es Alucard auf dem Bauch, wo das Zeichen glühte. Dies schien ihn zu erleichtern und er murmelte leise ein ‚Danke‘. Seras hatte es jedoch gehört.

Integra ließ nun ihre Stimme verlauten: „Es wird Zeit. Alucard ich möchte wissen, was mit dir los ist. Du bist doch sonst nicht so. Hat es mit dem Siegel zu tun? Und warum brannte mein Vorfahr dir das gleiche auf deinen Bauch ein? Ich dachte er hätte nur Handschuhe für dich erschaffen.“

Alucard antwortete: „Das war ja auch nicht dein Vorfahr, sondern seine Leute.“ Dies erstaunte Integra. Walter sah geschockt aus und Seras – tja Seras hatte keine Ahnung was besprochen wurde. Sie sah ihren Meister fragend an, der sie müde anlächelte.

Dann bekam er wieder einen Schub und Seras hielt ihn fest. Er warf sich hin und her, verwandelte sich in den Dämonenhund und wollte vom Bett springen, doch Seras hielt ihn auf. Sie warf sich auf ihn und begrub das Tier unter ihr. Sie zerwühlten das Bett, warfen einige Kissen runter und die Krallen des Hundes zerstörten das Bettlaken. Seras flüsterte dem Hund sanfte Worte ins Ohr und strich ihm die zitternden Flanken entlang während es ein Jaulen von sich hören ließ und dann anfing zu winseln. Als es sich wieder beruhigt hatte, kam Walter wieder herein, der etwas Blut mitbrachte. Keiner hatte bemerkt, dass er raus gegangen war. Naja, bei ihm nicht weiter verwunderlich.

Seras hatte dafür gesorgt, dass Alucard sich beruhigte. Er verwandelte sich erschöpft zurück. Sofort wurde ihm eine Blutkonserve an die Lippen gehalten und er trank alles was er kriegen konnte. Integra sah verzweifelt dem ganzen zu. Sie konnte gar nichts machen. Das war ihrem Midian vorher noch nie passiert.



Alucard machte die Augen auf und merkte, dass alles um ihn herum verschwommen war. Er lag auf den Rücken und konnte sich kaum bewegen. Etwas Nasses lag auf seiner Stirn, auf seinem Bauch und seinen Händen und er konnte nicht sagen ob es kalt oder heiß war. Er lag mit dem Kopf auf etwas sehr bequemen und als er den Kopf ein wenig nach oben hob konnte er ebenfalls verschwommen Seras erkennen. Diese strich ihm durchs Haar und er genoss diese Berührung sehr. Dann hörte er Integras Stimme: „Was haben sie nur mit dir gemacht Alucard? Und warum ist es ausgerechnet heute so schlimm?“

Alucard brauchte nicht lange um zu antworten: „Es ist jetzt schon lange her seit Abraham van Hellsing mich besiegt hat.“ Seine Stimme glich einem Flüstern und die anderen verstummten. Alucard erhob sich, merkte wie die Tücher von ihm rutschten und drehte sich so, dass er Seras ansehen konnte. Sie sah zu ihm zurück. Er legte sanft eine Hand an ihre Wange und streichelte sie. Seras entspannte sich bei seiner Berührung und dann fragte Alucard sie ganz leise: „Vertraust du mir?“ Seras hob den Kopf. Sie war leicht irritiert durch seine Frage und dann nickte sie. Alucard kam ihren Hals näher und legte seine Lippen auf ihre Halsschlagader. Walter wurde rot und hätte am liebsten den Raum verlassen. Integra wollte schreien und Alucard von Seras runterziehen, doch Seras hielt beide auf und sagte: „Ich verstehe.“

Danach umarmte sie Alucards Kopf und flüsterte zärtlich: „Tu es.“ Dann versenkte Alucard seine Zähne in ihren Hals.

Seras umarmte immer noch seinen Kopf und Alucard legte ebenfalls seine Arme um sie. Dann fiel die kleine Vampirin nach hinten und nahm ihn dabei mit sich. Integra und Walter sahen ihnen gebannt zu und konnten sich nicht davon fortbewegen. Sie merkten, dass Alucard nicht von Seras trank. Aber irgendetwas geschah.



Seras öffnete die Augen und sah sich einem dunklen Himmel und einem infernoartigen Feuer entgegen. Die Flammen umspielten den Körper eines Mannes, dessen Gesicht leicht ausgezehrt wirkte. Er starrte in die Flammen, als könne die drohende Gefahr verbrannt zu werden ihm nichts anhaben. Er hatte altertümliche Kleidung an, trug einen Bart und sein dichtes Haar wehte leicht im Wind, der das Knistern des Feuers verstärkte. Er wirkte wie ein Herrscher oder ein Feldherr.

Plötzlich änderte sich die Gestalt, wurde kleiner, der Bart verschwand, die Kleidung wurde heller. Seras sah einen kleinen Jungen, etwa im Alter von zehn bis dreizehn Jahren. Jemand legte seine Arme von hinten um sie und sie ließ es zu. Sie hörte Alucards Stimme, der ihr erklärte: „Das war ich.“

Seras versuchte zu atmen, doch es gelang ihr nicht. Sie versuchte die Arme zu bewegen es klappte nicht. Sie versuchte sich zu umdrehen, sie wollte nicht.

Das Bild verschwamm vor ihren Augen und veränderte sich und sie befanden sich in einem langen Gang. Auf jeder Seite standen Wächter mit langen Sperren und krummen Schwertern, die sie an der Hüfte trugen. Alucard drehte Seras und sie sah einen korpulenten Mann in orientalischer Kleidung auf sich zukommen. Sein Bauch schwabbelte grauenvoll und von seinem Gesicht konnte man nur seine kräftigen Zähne erkennen. Er schien etwas oder jemanden hinter sich herzuziehen. Alucard zog sie etwas mit sich, damit sie ihn von der Seite sah und Seras erschrak fürchterlich, als sie sah, was er hinter sich herzog, es war der kleine Alucard. Er hatte den Blick gen Boden gerichtet und schien sich überhaupt nicht dafür zu interessieren, dass er an den Haaren gezogen wird oder wo er hingebracht wurde. Er war gefesselt und sein Gesicht zeigte, dass er sich irgendwie aufgegeben hatte.

Der Mann ging weiter und die Szene änderte sich. Sie waren in einem Zimmer wo ein Bett stand. Der Junge wurde auf dieses Bett geworfen und Seras konnte sehen wie er etwas verlor. Das schien der Junge auch zu bemerken. Er griff danach als würde sein Leben davon abhängen. Dann wurden ihm die Kleider von diesem Mann zerrissen und Seras drehte sich um und vergrub ihr Gesicht an Alucards Schulter, der die ganze Zeit hinter ihr gestanden hatte. Er war immer noch oberkörperfrei, aber das war Seras egal. Sie sah wie sich sein Gesicht verdunkelte und er senkte ebenfalls den Blick. Seras umarmte ihn und zog seinen Kopf zu ihr runter. Sie flüsterte leise die Worte: „Was haben sie dir nur angetan?“

Alucard drehte sie wieder um und sie sah nicht den kleinen Jungen, der von diesem Herrscher missbraucht wird sondern einen erwachsenen Alucard der in aller Ruhe sein Mahl zu sich nahm während um ihn herum Menschen gepfählt wurden. Sie erschrak. So war er damals. Er war ein grauenvolles sadistisches Monster. Doch als sie daran denken musste, was ihm als Kind widerfahren war, wusste sie, dass es für ihn die einzige Chance war am Leben zu bleiben ohne verrückt zu werden. Er kam einem Monster nahe, versteckte alle Emotionen und zeigte nur sein Gesicht als Pfähler. Als Sadist. Als Graf Vlad III Tepes.

Die Szene änderte sich wieder und sie sah Alucard in Ketten gelegt in einem großen Saal. Es sah aus, als würde man gerade ein Urteil über ihn fällen. Sie sah zu Alucard der den Kopf senkte und reumütig zu Boden blickte. Ganz anders als der Blick den dieser Alucard hatte. Er sah genauso aus wie der kleine Junge, dem man schreckliche Sachen angetan hatte und der sich nur an seinem Kreuz festhalten konnte. Er blickte nicht auf, als diese Männer sein Todesurteil aussprachen: „Ihr seid ein Monster und ein Mörder, Graf Vlad III Tepes Draculae. Ihr ermordetet Eure eigenen Leute. Ihr ermordetet unsere Leute. Ihr ließet Hunderte von Menschen sterben zu Eurem eigenen Vergnügen. Es wird Zeit Eurem schändlichen Leben ein Ende zu bereiten. Im Blute Eurer, durch Eure Hand gestorbenen Soldaten werdet ihr Euer eigenes Ende finden. Möget Ihr in der Hölle schmoren. Henker!“

Alucards Kopf wurde hochgezogen. Sie legten ihm einen Kragen um, der drei Löcher besaß. Das Loch in der Mitte war größer und musste für den Hals sein. Die anderen beiden Löcher an den Seiten waren für die Handgelenke. Sie legten es ihm um und banden ein Seil daran. Der Henker zerrte ihn mit und er fiel fast zu Boden woraufhin die anderen lachten. Er jedoch stand wieder auf und ließ sich weiterziehen.

Seras befand sich mit Alucard, der immer noch merkwürdig bedrückt auf den Boden sah, auf einem grauenvollen Schlachtfeld. Überall lagen die Leichen tapferer Soldaten die für einen grauenvollen Herren in den Tod geschickt wurden. Der Henker warf ihn in eine Blutpfütze, wo er mit dem Gesicht voran hineinfiel. Seras und Alucard konnten ihn gut von der Seite her sehen. Er hatte immer noch diesen lethargischen Ausdruck im Gesicht. Wieder legte Alucard seine Arme um sie doch dieses Mal langsam, wie als wenn er erst um Erlaubnis fragen wollte. Seras konnte ahnen wieso. Sie kannte nun sein wahres Ich, das was er als Herrscher eines Landes getan hatte, welche grauenvolle Angewohnheit er gehegt hatte. Doch sie nahm seine Arme und legte sie um sie. Er legte sein Kinn auf ihrer Schulter ab und Seras hob den Arm um ihm am Kopf zu streicheln. Er ließ es zu wie sie es zuließ.

In der Realität

„Wie lang soll das noch dauern?“ fragte Integra ungeduldig. Sie war sauer, da sie nicht wusste, aber ahnte was die beiden gerade praktizierten.

„Lady Integra, Sie müssen sich geduldigen. Wenn Alucard Seras gerade wirklich zeigt was in seinem Leben passiert ist, was ich durchaus nicht bezweifle, dann kann das schon wegen seiner langen Lebensspanne dauern.“ Walter hatte es sich nicht nehmen lassen in einem der weichen Sessel im Gästezimmer Platz zu nehmen. Integra tat es ihm gleich und beobachtete weiterhin die Beiden mit einem nervösen Gesichtsausdruck. Zeigte Alucard Seras etwa ALLES woran er sich erinnern konnte?

Zurück in der Erinnerung

Der Henker lachte grausam und hob seine Axt an: „Stirb Vlad der Pfähler. Vlad das Monster. Vlad, an den sich spätere Generationen niemand mehr erinnern wird!“ Während er sprach sah der frühere Alucard zum Blut seiner Soldaten runter, die sich unter ihm zu einer kleinen Pfütze gesammelt hatte. Seras sah wie er langsam und zögerlich seine Zunge runter gleiten ließ und sie erschrak. Er wollte im Angesicht des Todes das Blut seiner Männer trinken? Sie hielt sich an ihrem Alucard fest und konnte fast nicht glauben was sie sah. Seine Zunge erreichte im selben Moment die Pfütze als der Henker seine Axt runter gleiten lassen wollte. Sie konnte noch sehen wie Alucards Kreuz von seiner Kette runter hing. Dann zerbrach das Kreuz und ein schreckliches Geräusch erfüllte die Luft. Alucard lag geköpft im Blut seiner Soldaten und der Henker drehte sich lachend um und wollte gehen.

„Jetzt bist du Futter für die Wölfe du Hund.“ Er merkte nicht wie sich hinter ihm ein Schatten aufbaute. Dann schien er ein grauenvolles Lachen zu hören. Er drehte sich um und schrie sich bald die Seele aus dem Leib.

Seras sah mit aufgerissenen Augen, wie der Schatten immer größer wurde und ihren Herrn in seiner Geburtsstunde als ewig lebender Untoter zeigt – als erster Vampir, der überhaupt existiert hatte. Graf Dracula war geboren. Und er hatte Hunger. Der Henker versuchte verzweifelt wegzurennen. Doch er kam nicht weit. Der Graf gelangte durch schnelle Wege zu seiner Beute und verschlang sie.

Dann wurde es dunkel. Seras spürte wie Alucard seine Arme von ihr löste. Sie drehte sich um und sah in sein Gesicht. Dann sagte er ernst: „Das war ich. Das bin ich. Und das werde ich immer sein. Egal wie die Geschichte sich ändert oder wie alt ich werde. Das was du gesehen hast, werde immer ich sein und ich will dir nicht zeigen welche Grausamkeiten ich als Vampir mehrere Jahrhunderte lang praktiziert habe. Deswegen springen wir zu dem Zeitpunkt wo mich Integras Vorfahre besiegt hat. Wenn du das siehst wirst du endlich verstehen warum ich dieses hier tragen musste.“ Er deutete auf das Symbol auf seinen Bauch. „Und warum ich diese Narben habe, ohne, dass sie je verheilt sind.“ Er deutete auf die Narbe auf seiner Brust. Seras kam ihm näher und Alucard sah zu ihr herunter. Sie drückte ihren Kopf an seine Brust. Ihre Stirn lag genau da, wo jetzt diese schrecklichen Wunden prangten. Sie sah bald zu ihm hoch und sah in sein leicht angespanntes Gesicht und hob die Hand um ihm über die Wange zu streicheln.

„Egal was passiert ist, egal was war“, fing sie an und merkte wie Alucard zu schlucken begann, „ich kenne dich so wie du jetzt bist und das ist mir wichtiger als die 500 langen Jahre die du erlebt hast, bevor du mir die Lunge zerschossen hast.“

Beide lächelten und Alucard drehte sie wieder um. Seras sah sich um und befand sich auf einen Friedhof. Sie sah einen Mann, der genauso gekleidet war wie Alucard heute, wenn er zum Einsatz ging, nur dass die Sonnenbrille und der Hut fehlten. Neben ihm lag ein Mann, der mit dem Gesicht zur Erde lag und der sich nicht regte. Doch Seras interessierte es nicht wer der Mann war, der neben Abraham van Hellsing lag. Es interessierte sie eher, was mit dem erschöpften Wesen war, dass an einem Grabstein angelehnt lag und sich ebenfalls kaum regte. Der alte Vorfahr Integras hob einen alten Holzstab und Seras wurde sich bewusst, was er da anhob. Es war ein Pflock. Er zielte und stieß zu – direkt in Alucards Herz, welcher Blut spuckte und seine Augen öffnete. Seras ging näher, bemerkte kaum, dass Alucard zurückblieb. Sie wollte verstehen was der Mann da tat, warum er das tat und was er sagte.

Sie lauschte dem Gespräch der beiden, die schon sehr bald Diener und Herr sein werden.

„Ich...ich wurde...besiegt“, flüsterte der gepfählte Graf Dracula. Seras erkannte wie eine Träne aus Blut seine Wange hinunterglitt. Er sah aus wie jemand, der nicht mehr konnte, der etwas verloren hatte, welches er nie wieder erlangen würde.

„Ja, Ihr wurdet besiegt, Graf. Dies ist nicht mehr der Albtraum, den Ihr dargestellt habt. Eure Burg wurde geplündert und eure Diener vernichtet.“ Seras bemerkte den ruhigen Ton, den Integras Vorfahre in diesen Sätzen aussprach. Er klang als würde er mit dem geschwächten Vampir eine simple Sachlage klären. „Und das Mädchen Jonathan Harkers ist in Sicherheit“, Seras sah zu dem alten Mann hinüber und erschrak, welche Kälte sich bei der Erwähnung dieser Frau in seine Stimme legte. „Sie wird niemals Euer sein, Graf. So wie die vielen vor ihr. Sie ist gerettet und kann endlich mit ihrem Mann glücklich werden.“ Dracula lauschte den Worten und sah mit jeder Sekunde die verstreicht, geschwächter aus. Es erinnerte sie an den Ausdruck damals, als er als Kind missbraucht und als Massenmörder hingerichtet wurde.

Plötzlich erhob der alte Mann seinen Arm und Seras fragte sich erst was er vorhatte. Doch dann ließ er ihn auf den Pflock der aus dem Grafen raus ragte niedersausen und stieß ihn somit tiefer in den geschundenen Körper des Vampirs, der seine Augen aufriss und aufschrie vor Schmerz. Er fiel noch mehr zurück und wurde von van Hellsing am Kragen gepackt, welcher auf ihn einschrie: „Nun besitzt Ihr gar nichts mehr. Ihr miserabler Untoten-König. Ihr besitzt nichts. Ihr seid nichts.“ Seras bemerkte wie die Erinnerung verschwamm und sie konnte in alldem nur noch die grausame und kalte Stimme van Hellsings hören als er schrie: „Nichts!“

Sie suchte Alucard welcher sie nicht ansah.

„Das war also der Grund? Er besiegte dich und beschimpfte dich und du trittst in seine Dienste?“ fragte sie stark erschüttert von dem was sie gesehen hatte. Doch er schüttelte den Kopf. Noch immer sah er sie nicht an. Seras wollte noch etwas sagen, als sich wieder eine neue Erinnerung auftat.

Sie erschrak fürchterlich. Alucard oder Graf Dracula, wie er vielleicht noch so geheißen hatte, saß in einem Käfig der extrem eng war und mit geweihtem Silber bestückt. Der Vampir darin hatte sich so klein wie nur möglich gemacht und hielt seinen Kopf gesenkt. Er sah nicht aus wie ein mächtiger Vampir, sondern eher wie ein kleiner Junge und Seras hätte am liebsten den Käfig geöffnet um ihn raus zulassen. Plötzlich trat eine Frau herein. Sie trug ein viktorianisches Kleid in grüner Farbe und sah etwas sich schreckhaft im Raum um. Dann ging sie auf den Käfig zu, wo der Vampir saß, der ihr das Leben schwer gemacht hatte und das ihres Ehemannes. Seras war sich sicher, dass dies Harkers Frau sein müsste.

„Graf?“ fragte sie zaghaft und behielt den Blick auf Dracula gerichtet. Dieser sah nicht auf und zog sich mehr zusammen. Er wollte sich umdrehen als er einen bestimmten Geruch wahrnahm. Er sah nun doch zu Mrs. Harker auf, die ihm eine Schüssel mit einer, Seras‘ bekannten, roten Flüssigkeit enthielt. Es war Blut. Er sah mit einem irritierten Gesichtsausdruck zu ihr auf und sah sie fragend an.

„Wollt Ihr nicht?“ fragte sie dieses Mal lächelnd und er griff nach der Schüssel, die sie ihm durch eine Durchreiche im Käfig gab. Kaum hatte er die Schüssel ergriffen trank er mit kräftigen Zügen diese aus und seufzte erleichtert. Er musste schon eine Weile nichts getrunken haben.

„Wie geht es Euch heute, Graf?“ fragte Mrs. Harker lächelnd und mit einem Mal weniger zaghaft. Anscheinend hatte sie sehr viel Mut.

„B...Besser“, nuschelte Dracula und sah wieder zu Boden. Anscheinend wollte er ihr strahlendes Gesicht nicht sehen. Es war als würde es ihm schmerzen.

Seras begutachtete Mrs. Harker genauer. Sie war eine wunderschöne Frau und hatte ein Gesicht wie ein Engel, welcher vom Himmel gefallen war. Doch im Gegensatz zu den andern Engländern der viktorianischen Zeit war ihr Haar kürzer und von einem Braun welches dem Blond näher war. Aber es war braun.

Seras sah zu Alucard der nur Augen für seine Draculina hatte. So als wollte er dies nicht sehen. Sie zog ihn an sich ran und stellte sich hinter ihm. Dann umarmte sie ihn und lehnte ihre Stirn an seinen Rücken.

„Du hast diese Frau geliebt, nicht wahr Alucard?“ Seras stellte diese Frage mit einem Lächeln, welches sie auch behielt als sie hochsah um sein Nicken zu sehen, denn er schien unfähig zu antworten. „Wie war sie?“

Das fragte sie während Mrs. Harker weiterhin ein Gespräch mit dem im Käfig sitzenden Vampir führte vor ihren Augen. Doch der etwas wehmütige Vampir zu dessen Seite sie sich nun stellte war ihr wichtiger.

„Sie war außergewöhnlich. Es gibt kaum eine andere Frau zur damaligen Zeit, zu welcher ich mich mehr hingezogen fühlte als Wilhelmina Murray, nach der Hochzeit Mina Harker. Sie war ein Engel den die Erde hinab zog und gleich nachdem ich sie sah, verspürte ich eine Sehnsucht wie sie noch nie in mir aufflammte. Zur damaligen Zeit hatte ich bereits zwei Draculinas in meinen Diensten. Doch um es dir zu sagen, mit denen war das Feuer schnell erloschen. Mina war die verbotene Frucht und ich tat alles um sie zu meiner zu machen. Doch wie du gesehen hast, hatte das Schicksal, falls es eins geben sollte eine bessere Zukunft für sie geplant; mit ihrem Mann Jonathan Harker als Mensch und nicht mit mir als meine Vampirin. Doch was mich am meisten verstörte war die Zeit nachdem ich von van Hellsing geschwächt und gebannt wurde. Sie war freundlich zu mir wie jetzt, trotz des Wissens was ich ihrer damaligen besten Freundin antat. Was ich ihr antat und ihrem Mann. Sie wollte nicht, dass ich sehr litt und brachte mir Essen und redete mit mir. Ich glaube ich habe damals wirklich einen Engel getroffen. Einen Engel der jemand anderes gehörte. Der nicht mir gehörte. Der bis zu seinem eigenen Tod ein liebevolles Wesen war, welches heller strahlte als die Sonne.“

Seras war erstaunt. Sie war nicht eifersüchtig oder neidisch. Sie war erstaunt. Ihr Meister hatte diese Frau damals wirklich geliebt. Und nun? Sie sah zu Mina Harker und Dracula, die eine redete, der andere schwieg und sie konnte sehen in seinem Blick, dass es ihm trotzdem besser ging. Dass dieses Gespräch eine Erholung war und sein zerrissenes Herz, auch wenn es tot und durchbohrt war, zusammenhielt.

Wieder verschwamm alles. Seras und Alucard befanden sich nun in einem Kellergewölbe. Seras erkannte diesen Raum zwar nicht, doch sie wusste, dass sie im Hellsings-Anwesen waren. Sie sah wie der Graf auf eine Platte geschnallt wurde. Er war am Oberkörper ohne Bekleidung und hatte nur seine Hosen an. Seine Schuhe fehlten auch. Seine Arme wurden über ihn geschnallt. Seine Füße wurden gefesselt. Dann trat van Hellsing aus dem Schatten.

„Wir werden sehen wie viel sie aushalten, Graf“, er sprach sachlich und kalt, wie Integra. Dann nickte er einem Mann zu, den Alucard ihr als Arthur Holmwood vorstellte. „Verzeichnen Sie bitte alles Seward. Ich möchte, dass Sie jedes kleinste Detail aufzeigen.“

Der Mann namens Seward nickte ebenfalls. Er hatte ein Klemmbrett in den Händen. Seras bemerkte, dass von diesen beiden Männern kaum was zu erkennen war. Ihre Gesichter lagen im Schatten und nur ihre Hände waren zu sehen.

Seras sah mit grauen zu wie sie ihn mit Quecksilber übergossen. Dracula schrie und zerrte an seinen Fesseln. Seras hörte seine Gedanken: ‚Mach, dass es aufhört. Mach, dass es aufhört. Oh Bitte mach, dass es aufhört.‘

Sie sah voller Grauen auf Alucard der ebenfalls hinsah und sagte: „Das haben sie sehr oft an mir praktiziert. Bis ich aufhörte zu schreien.“ Seras kam ihm näher und strich ihm über den Rücken.

Dann beobachtete sie eine Reihe weiterer Experimente.

Sie pfählten ihn, schossen an ihm ihre Magazine leer, setzten ihn der Sonne aus bis er teils immun war, legten ein Kreuz aus Silber auf seinen Körper welches bis zu seinen Füßen reichte.

Ab und zu hörte sie wie er schrie, wie er seinen Schmerzenslaut nicht aufhalten konnte oder sah sein malträtiertes Fleisch, wie es zum damaligen Zeitpunkt nur langsam verheilte. Dann wurde er abgeschnallt und von den Assistenten des Oberhaupts der Hellsings weggetragen wurde.

Er wurde nicht mehr in einen Käfig gesperrt, aber einen Sarg besaß er immer noch nicht. Er wurde in einem dunklen Raum angekettet und sie ließen ihn so wie er war allein.

Die Erinnerung wechselte in Seras altbekannter Weise und sie sah ihn an seinen Armen aufgehängt auf dem Boden knien. Sein Gesicht war gen Boden gerichtet und sein Körper zeigte immer noch Wunden. Er hatte wohl lange kein Blut mehr getrunken und dies beeinträchtigte seine Kräfte zur Selbstheilung.

Die Tür öffnete sich und der menschliche Engel kam herein gefolgt von Sir Hellsing der lächelnd zusah wie sie das frühere Monster abkettete. Er wäre zu Boden gefallen, doch Sir Hellsing fing ihn auf. Dracula wollte sich wegstoßen. Doch er konnte sich kaum noch bewegen. Sie haben es geschafft. Er hatte keine Kraft mehr.

„Mina, hältst du ihn bitte kurz?“ fragte der alte Mann höflich und weniger kalt. Mrs. Harker tat wie geheißen und stützte den Grafen der sich nicht auf den Beinen halten konnte. Sir Hellsing zog sich den Mantel aus und legte ihn Alucard um. Dieser hob erschöpft den Kopf und versuchte das Geschehen zu verstehen. Doch er schien es nicht zu können. Mina und Sir Hellsing legten jeweils einen Arm des Grafen um ihre Schultern und stützten ihn, während sie ihm raushalfen. Dabei musste Integras Vorfahr seine Knie leicht einknicken, denn Mrs. Harker war um einiges kleiner als er. Sie brachten ihn in ein anderes Labor in welchem ein Bett stand. Dort legten sie ihn hinein und Sir Hellsing ging zu einem Schrank. Seras erkannte, dass er Blut rausnahm. Es war flüssig und nicht in einem der Verpackungen wie sie sie heute kannte. Integras Vorfahr hob den Kopf des armen Vampirs an und legte das Fläschchen an seine Lippen. Er trank gierig und ließ dann müde den Kopf sinken. Dann schien er einzuschlafen. Sie zogen ihm den Mantel aus und Mina deckte den Vampir zu.

Seras war erstaunt. War auch der Hass des alten Mannes verraucht? Oder hatte Mina auf ihn eingeredet?

„Das frage ich mich noch heute“, meinte Alucard der diese Erinnerung scheinbar mochte, da sie nicht mit Schmerzen verbunden schien. Seras lächelte. Auch sie mochte die Erinnerung, denn es zeigte, dass der alte Mann trotz allem nicht ganz so kalt war wie er immer zeigte. Genauso wie ihre Chefin.

„Graf?“ fragte van Hellsing höflich. Der schläfrige Vampir öffnete seine Augen. „Ich muss Euch einfach fragen: Ihr seid in meinen Diensten und ich weiß, dass Ihr bald Eure Kräfte zurückerlangen werdet. Deshalb muss ich Euch fragen: Seid Ihr freiwillig hierhergekommen oder seht Ihr euch mehr als jemand, der entführt wurde?“

„Ich...ich bin...freiwillig hier“, antwortete der Graf immer noch geschwächt. „Aber...wenn ich meine...Kräfte wiedererlange, könnt...Ihr mir dann noch vertrauen?“

Abraham van Hellsing lächelte und hob ein paar Handschuhe hervor. „Ich denke hiermit könnten wir den Weg des Vertrauens sichern, meint Ihr nicht auch?“ Er nahm die Hände des Vampirs und zog sie ihm an, während er fragend zu ihm hochsah. Dann lächelte der alte Mann und bat ihn aufzustehen. Der Graf hatte nicht mal eine Hose an und Seras wurde leicht rot als sie das sah. Sie konzentrierte sich auf sein Gesicht.

„Hier“, sagte Sir Hellsing. „Dies ist deine Kleidung. Du kannst dich zwar nicht erkälten, aber ich denke Mina sollte dich nicht immer so sehen. Sie ist immer noch wütend bei dem Gedanken, dass der Holzpflock noch in deinem Herzen steckt.“

Seras bemerkte wie sie aufschreckte. Das Teil war immer noch in seinem Herzen drin? Sie bemerkte nebenbei, dass Hellsing anfing den Grafen zu duzen, aber das schien keinen zu stören. Sie ging auf ihren Alucard zu, der sie beobachtet hatte wie sie reagieren würde. Sie legte die Hände auf seine Wunde und erschrak. Eine kleine Erhebung und dazu noch eine, die hart wie Holz war, erklärte ihr: Das Teil war immer noch in ihn drin!

„Sir? Wäre es nicht besser es herauszuziehen?“ fragte Dracula mit ein wenig Abstand. Er merkte, dass er geduzt wurde. Doch es schien ihm egal. Als hätte er nichts Besseres verdient.

„Nein, mein Freund. Erst wenn das Bannsiegel zu brennen beginnt, können wir uns deinetwegen sicher sein.“

Seras und Alucard sahen auf. Das musste er all die Jahre vergessen haben.

Wieder verschwamm alles und sie sahen wie Dracula mit Gewalt auf den Tisch geschnallt wurde. Der einst so mächtige Vampir wehrte sich bald nicht mehr. Anscheinend fühlte er sich schuldig und ließ es über sich ergehen.

Seras sah wie Holmwood aus dem Schatten trat. Alucard musste schon längere Zeit bei den Hellsings sein, denn er war ein Mann mit schütterem Haar und grauen kalten Augen. Die sich nun auf den Vampir vor ihnen richteten.

Er hatte ein kleines Brandeisen in Form des Cromwell-Symbols in den Händen und nun besprachen sie, wer es ihm einbrennen durfte.

Alle entschieden, dass Arthur es tun durfte, begründet durch den Tod seiner Verlobten durch die Hände des Grafen.

Sie drückten es ihm auf den Bauch und entlockten dem alten Vampir einen kurzen Aufschrei des Schmerzes. Dann nahm Seward einige Messer und überreichte Holmwood eins. Er wollte auch Harker eins geben, doch dieser lehnte schockiert über das zutun seiner Leute ab. Er sagte nichts. Doch aus irgendeinem Grund wollte er nicht weiter an dieser Quälerei teilnehmen. Als wäre es Strafe genug, das Siegel auf die Haut des Grafen zu brennen. Seward und Holmwood ritzten irgendwelche Zeichen, die Seras noch nie gesehen hatte außer bei ihrem jetzigen Alucard, in die blasse Haut des ruhigen Vampirs. Der ließ es geschehen, stöhnte nur ab und zu, wenn es besonders schmerzte. Diese Narben verschwanden nicht und Seras sah das teuflische Grinsen auf den Gesichtern der beiden Männer. Als Seward auch noch zu sprechen begann kletterten Schauer ihren Rücken hinunter:

„Diese Zeichen werden niemals verheilen, die Messer die dies einritzten sind geheiligt worden.“

Nach seinen Worten sprang die Tür auf und ein wütender van Hellsing und eine schockierte Mina Harker traten ein.

„Wie könnt ihr nur?“ schrie der Engel, durch Schrecken und Schmerzen berauscht und sie rannte auf den Tisch zu, stieß die anderen weg und begann den zur Decke starrenden Vampir abzuschnallen. Dabei fragte sie zärtlich: „Graf? Graf, könnt Ihr mich hören?“

Hellsing scholte währenddessen seine Leute: „Ich habe extra Handschuhe angefertigt und ihr musstet eure ungestillten Rachegelüste an ihm loswerden indem ihr es ihm einbrennt und ihm die heiligen Zeichen der Alchemisten ins Fleisch schneidet?“

Holmwood war ebenfalls außer sich vor Zorn, in seinem Handeln gestört worden zu sein. Er sprach mit donnernder Stimme: „Er hat es verdient. Er nahm mir Lucy. MEINE LUCY! Und Sie? Sie nehmen ihn hier auch noch auf? Er tötete Lucy. Er ist auch für Quincys Tod verantwortlich und Sie nehmen ihn hier auf und halten ihn als zahmes Haustier! Sie werden es eines Tages bereu...“ Weiter kam er nicht, denn Mina schlug ihm so hart ins Gesicht, dass er fiel und von seinem Freund Seward auf gefangen werden musste.

Alle standen da wie geschockt. Nur der Graf lag immer noch auf dem Tisch. Er starrte immer noch an die Decke und es schien so als könne er die anderen nicht hören. Der Engel sah zornig auf Arthur Holmwood, der sich erschrocken die Wange hielt. Mina sprach nun mit ruhiger Stimme: „Wie könnt ihr alle nur, auch du Jonathan, auf die Idee kommen, dass Rache etwas bringen würde? Er ist seit einiger Zeit hier und hat sich gefügt. Hat er euch jemals angegriffen in letzter Zeit? Hat er irgendetwas gemacht was euer Handeln jetzt, nach so langer Zeit begründen könnte? Ich habe ihm verziehen. Er kämpft für unsere Sache. Er steht unter dem Bann von Sir Hellsing und ihr habt nichts als Rache im Kopf.“ Ihre Wut schien die Männer zur Verzweiflung zu treiben. Seward und Holmwood ließen die Messer fallen und gingen betrübt aus den Raum. Nur Harker blieb stehen. Er hatte nicht wirklich bei der Sache mitgemacht. Auch wenn es ihn befriedigt hatte ihn so leiden zu sehen. Mina sah ihrem Mann zornentbrannt entgegen. Doch dann änderte sich ihr Ausdruck in Enttäuschung: „Jonathan? Es ist solange her. Warum?“

„Mrs. Harker, er wollte die beiden anderen aufhalten, aber er fand kein Gehör bei ihnen und sie taten es trotzdem“, sagte der Graf leise, immer noch an die Decke starrend. Seine Worte trieften in Seras Ohren vor Lügen. Doch Mina sah ihren Ehemann erstaunt an. Wenn Harker überrascht war, so versteckte er dies gut. Die beiden lagen bald Arm in Arm und Mina vergab ihrem Ehemann. Dracula sah immer noch zur Decke als Sir Hellsing zu ihm schritt und ihn vom Tisch zog. Er lehnte ihn gegen diesen und nahm sich den Mantel wie schon mal von den Schultern. Er legte sie dem Vampir um und verließ mit ihm den Raum, um das Ehepaar in Ruhe zu lassen.

Die Erinnerung änderte sich für eine Weile in ein undurchdringliches Nichts und Seras sah zu Alucard. Sie war erstaunt darüber, dass er gelogen hatte um die Ehe der Beiden zu retten.

„Das habe ich nur getan um Mina weiterhin so glücklich zu sehen, wie sie es vor diesem Vorfall war. Ich wollte nicht, dass sie schlecht von ihrem Ehemann denkt.“ Wieder klang es recht wehmütig und Seras nahm ihn in die Arme. Sie wollte ihn nicht so sehen. So traurig und verlassen. Er löste sich bald von ihr.

„Soll ich dir zeigen was weitaus schlimmer für mich war, als all das davor?“ Seras nickte und drehte sich um.

Die Szene wechselte und Alucard saß wieder in diesem engen Käfig. Er war dieses Mal jedoch besser bekleidet, was Seras positiv wertete. Doch er schien auf etwas zu warten. Etwas was ihn nervös machte. Da öffnete sich die Tür und van Hellsing trat gebückt ein. Das Alter hatte Spuren an ihm hinterlassen. Alucard sah aufmerksam auf.

Er fragte: „Wie geht es ihr?“ Seras war sich sofort bewusst, dass es sich um Mina handeln musste. War ihr etwas geschehen? Sie drehte sich zu ihrem Alucard um und sah erschrocken und mit einer bösen Vorahnung in seine Augen. Er bestätigte ihre Vorahnung mit einem Nicken.

„Sie will ein letztes Mal noch dich sehen, Graf“, sagte van Hellsing zu dem Vampir der im Käfig saß. Dieser blickte ihn irritiert an.

„A-a-aber...warum denn mich?“ fragte er mit Erstaunen in der Stimme welches ihn stottern ließ.

„Seit dem Verlust Sewards, Holmwoods und Harkers, ihres geliebten Ehemannes bist du für sie da gewesen und hast dich nicht an ihr vergriffen und sie zu der deinen gemacht ohne meinen Befehl, der dich abhalten könnte. Sie sieht in dir ihren letzten Freund. Und deswegen bringe ich dich jetzt zu ihr. Aber wehe Graf! Solltest du sie zu deiner Draculina machen, werde ich dich töten!“ Bei diesen Worten richtete sich das Oberhaupt der Hellsings zu seiner vollen Größe auf und man sah ihm die Macht an, die er über den Vampir im Käfig hatte.

Er öffnete die Tür und half ihm heraus ohne, dass der Graf sich an das silberbestückte Gestell verbrannte.

Wieder wechselte die Szene und Seras befand sich in einem wunderschönen Zimmer. Es war mitten in der Nacht. Das Kaminfeuer war eine wahre Wonne und die Frau die im Bett schlief glich genau der Frau, die sich Jahre zuvor für den Mann eingesetzt hatte, der die Hölle auf Erden bereitet hatte für viele Menschen und die mit ihm geredet hatte, während er in einem viel zu engen Käfig saß und sich kaum bewegen konnte. Nur mit dem Unterschied, dass das Alter seine Spuren hinterlassen hatte.

Dracula trat allein ein und sah auf das engelsgleiche Wesen auf dem Bett. Er trat vorsichtig heran, wollte sie nicht wecken und betrachtete ihr schlafendes Gesicht. Doch Mina schien seine Ankunft gespürt zu haben. Sie öffnete die Augen und sah lächelnd zu ihm auf. Sie streckte die Hand aus und er nahm sie sofort. Man merkte ihm an, dass er Abstand gewinnen wollte. Doch Mina ließ es nicht zu und zog ihn zu sich heran. Sie streichelte ihm übers Gesicht: Über sein Kinn, seine Lippen, seine Wangen, Wangenknochen, Nasenbein, Stirn. Der Vampir genoss richtig die Berührung, Seras sah es ihm an. Wieder legten sich Arme um sie während sie und ihr Alucard Wilhelmina Harker beim Sterben zusahen. Diese streichelte dem Grafen die Haare aus dem Gesicht. Dieser ließ es geschehen.

Dann sah Seras etwas was sie verwunderte. Mina zog seinen Kopf runter und erst könnte man meinen sie wolle ihn küssen, doch dann legte sie seinen Kopf auf ihre Brust und streichelte ihn weiter. Ihre raue Stimme fragte leise: „Verwandelst du dich ein letztes Mal für mich in diesen Hund?“

Er tat es. Bald lag ein großer schwarzer Hund bei ihr und sie kraulte und streichelte ihn. Sie ließ ihre Finger seinen Rücken entlanglaufen und redete mit ihm über belanglose Dinge: das Wetter, die Probleme der Katholiken und Protestanten, dem Vatikan, die Bildausstellung in der letzten Saison,...

Bald war der Gesprächsstoff aus und Sir Hellsing trat herein.

„Abraham. Schön dich zu sehen“, sagte Mina erfreut und mit einer Müdigkeit, die Seras noch nie gehört hatte. Selbst Integra klang um zwei Uhr morgens wacher.

„Mina, der Graf ist doch kein Haustier“, sagte Sir Hellsing lächelnd. Es schien ihn nicht im Geringsten zu stören, dass sein Hausvampir in Gestalt eines großen Hundes im Bett der Witwe Harker lag. Besagter Hund bewegte kurz den Schwanz um zu zeigen, dass er wusste, dass sein Herr im Raum war.

„Abraham, ich muss dich um etwas bitten“, sagte Mina immer noch mit dieser Müdigkeit und Seras gewann den Eindruck, dass sie immer schwächer wurde. „Ich habe einen Namen für den Grafen gefunden. Er meinte einmal zu mir, dass er kein Graf mehr wäre und es überflüssig sei, ihn als solches zu bezeichnen.“

„Mina. Ich wäre sehr einverstanden. Egal was du für einen Vorschlag hast.“ Sir Hellsing sah ernst drein und Seras war sich bewusst, dass er sein Versprechen halten würde.

„Nenne ihn Alucard. Der Name passt besser wie kein anderer und ich habe ihn gefragt ob er damit einverstanden wäre. Es ist wichtig für mich, dass du dies tust.“ Während sie sprach fielen ihr immer öfter die Augen zu. Der Hund begann zu winseln und ihre Finger abzulecken. Trotz seines erschreckenden Aussehens schien er einen beruhigenden Einfluss auf Mina zu machen welche leise lachte, als sie das sanfte kitzeln seiner Zunge spürte. Seras lächelte kurz. Doch Tränen entstiegen ihren Augen als sie zusehen musste wie Alucards große Liebe und Namensgeberin in den Schlaf des Todes entglitt. Sir Hellsing bewahrte traurig seine Miene und schien eher auf den Mann zu starren, der weinend bei ihr saß. Er ging auf den Grafen zu, legte eine Hand auf seine Schulter und sagte: „Komm‘ Alucard.“ Dieser ließ sich mitziehen und Seras sah wie die Tränen rauschten und blutig seine Wangen runter flossen.

Wieder wurde alles schwarz um sie Beide und Seras rannte zu Alucard und weinte sich die Seele aus dem Leib. Diese Mina war wirklich einer der seltensten und reinsten Menschen die es auf Erden gegeben hatte. Und es zerriss ihr das Herz bei dem Gedanken an Alucards größten Verlust.

In der Realität

Integra wischte Seras die Tränen weg, die ihr die Wangen runter flossen. Dabei war sie sanft, wollte sie sie doch nicht wecken. Der Zustand hielt jetzt schon drei Stunden an. Sie hoffte den Grund zu erfahren, warum die kleine Vampirin weinte, während sie und Alucard die Erinnerungen durchsahen.

In der Erinnerung

Ein alter Mann, welcher wohl Integras Vater war, saß am Schreibtisch und schien auf etwas oder besser jemanden zu warten. Seras sah zu Alucard, der ihr mit einem Kopfnicken bestätigte wer dies war. Der Alucard aus der Erinnerung trat in alter Manier durch die Wand. Er trug Kleidung wie zu der Zeit, in der er Integra diente und Seras fiel wieder die Ähnlichkeit zu der Kleidung Sir Hellsings auf. Er wollte eigentlich etwas sagen, doch das Familienoberhaupt schnitt ihm das Wort ab:

„200 Menschen, Alucard. 200 Menschen. Und du willst mir glauben machen, dass sie alle zu Ghouls geworden sind?“

„Ja, Herr. Ihr wollt mir nicht glauben. Aber dem ist so.“ Dieser Alucard war nichts im Vergleich zu dem aus der Zeit Abraham van Hellsings. Vor diesem hatte er Respekt gezeigt. Vor dem jetzigen empfand er nur Pflichtgefühl. Und wie es aussah Abscheu.

„Du hast schon wieder deine Kräfte eingesetzt. Du hast die Siegel aufgehoben und ein ganzes Dorf zerstört. Das war nicht Ziel zur Erfüllung des Auftrags, sondern deine elende Mordgier.“

Alucard grinste und fing bald darauf an zu lachen. Es schien ihn zu amüsieren was Sir Hellsing ihm entgegenwarf.

„Es reicht Alucard. Es reicht mir. Es steht mir bis hier oben mit deinem Sadismus. Ich werde meinen Vater nie verstehen, wie er auf die Idee kommen konnte, dich nicht zu töten, sondern zu zähmen. Es ist ihm kräftig misslungen!“

Wieder schmunzelte Alucard. Er nahm diesen Mann nicht ernst. Doch Seras erkannte den Unterschied zu seinem Verhalten gegenüber Integra. Integra erlebte immer noch Respekt von ihm und er war auch an ihrer Seite geblieben, als der Vorfall mit dieser Vampirin vorüber war und sie im Sterben lag. Doch dieser Mann hatte in seinen Augen nichts getan, was ihm dazu brachte Respekt zu zeigen.

Plötzlich hob Sir Hellsing etwas an. Alucards Gesichtsausdruck änderte sich von verwirrt zu erkennen und zu schockiert. Es sah für Seras allerdings nur aus wie ein Haufen Gurte die von etwas hingen, dass wie eine Zwangsjacke aussah.

Er verschwand durch den Fußboden und die Szene veränderte sich. Alucard stand vor dem Ausgang der Hellsings. Er war von Soldaten umzingelt, die ihre Waffen auf ihn richteten und jede Sekunde schießen könnten. Als sie das Feuer eröffneten merkte Seras jedoch, dass es nichts nützte, denn der Untoten-König war unverwundbar. Er lachte grauenerregend und riss einem Mann den Kopf ab. Dann zerfetzte er eine ganze Reihe von Soldaten mit einem Schlag und biss einem davon in den Hals. Hätte er sich nicht zu viel Zeit beim Trinken gelassen, hätte er es vielleicht noch geschafft. Doch das Anwesen der Hellsings sollte er niemals verlassen können.

Integras Vaterstand am Treppengeländer und sagte mit erhobener Stimme: „Bannsiegel 1, 2 und 3 verstärken. Entziehe ihm die Kraft die der Unsterbliche sein eigen nennt.“ Alucard schien sich plötzlich nicht mehr bewegen zu können. Die Siegel auf seinen Handschuhen begannen zu leuchten. Sir Hellsing ging langsam die Treppe hinunter und auf ihn zu. Dann zog er ihm den Mantel aus und zog an der Schleife, die zu Boden fiel. Der Vampir konnte sich immer noch nicht bewegen geschweige denn sprechen. Seras sah nur ein verkrampftes Grinsen. Sir Hellsing legte ihm die Zwangsjacke mühelos über. Die Gurte legten sich automatisch um ihn. Sofort versuchte sich Alucard zu befreien und seiner ‚Zwangsjacke‘ zu entkommen. Seras sah zu wie ihr Meister zu Boden fiel und Sir Hellsing befahl den restlichen Männern, Alucard zu packen. Die Männer taten es nicht gerade freiwillig. Dann ging Sir Hellsing voraus und die Männer folgten ihm, mit dem Vampir im Schlepptau.

Die Szene wechselte sich wieder und Seras befand sich in einem schmalen Durchgang. Grauen erfüllte sie. Es war der Weg zu einer Zelle in welcher Alucard früher an Ketten von der Decke hinunter gehangen hatte. Die Männer warfen ihn hinein und stellten sich hinter Sir Hellsing, der zornig auf den Hausvampir hinunter blickte.

„Ich bin wirklich enttäuscht von dir Alucard.“ Hellsing sprach mit jener kalten Stimme die schon sein Vorgänger sein Eigen nannte. „Du wirst nun lange schlafen können. Ich bin sicher du bist derselben Meinung wie ich, dass du deine Lektion noch nicht gelernt hast. Eines Tages wirst du verstehen was es heißt, etwas beschützen zu wollen. Doch ich werde dies wohl nie erleben können.“

Ein teuflisches Grinsen entblößte Alucards Zähne, bevor sich die Tür schloss. Anscheinend teilt er nicht Sir Hellsings Meinung.

„Es wird Zeit. Du hast alles Wichtige gesehen. Wie Integra mich befreit hat, hab ich dir ja schon mal erzählt, oder?“ Seras nickte. Trotz der vielen Bilder, die an ihr vorübergezogen waren, fühlte sie sich nicht bedröppelt oder müde.

Doch eine Frage brannte auf ihrer Zunge.

„Meister? Wie lange ist es her, dass Ihr...“ wollte sie ansetzen. Doch Alucard unterbrach sie grinsend.

„Nachdem was du über mich erfahren hast und gesehen hast, wäre es mir lieber wenn du mich duzen und Alucard nennen würdest, Seras. Das würde vollkommen ausreichen.“ Er grinste und Seras fand es ansteckend. Doch dann fiel ihr wieder ihre Frage ein:

„Wie lange ist es her, dass du dich mit diesen Erinnerungen beschäftigt hast, Alucard?“

Er senkte betrübt den Kopf und antwortete: „Seit Mina gestorben ist, nicht mehr.“

Dann verschwamm wieder alles und Seras merkte wie sie in die Realität gezogen wurde. Alucard nahm sanft seine Zähne aus ihrem Hals und leckte über die Wunde, damit sie schnell verheilte. Er war sehr zärtlich dabei und Seras streichelte ihm durchs Haar während er dies tat.

Integra und Walter, die Beide eingeschlafen waren merkten kaum was davon. Erst als sie das Rascheln von Laken hörten, erwachten Integra.

„Seras! Alucard! Na Gott sei Dank. Das hat gedauert. Wieso konnte das n...hmpf“, Seras war schnell aufgestanden und deutete auf Walter, der immer noch den Schlaf der Gerechten schlief. Sie deckten ihn zu und verließen gemeinsam den Raum.

In Integras Büro berichteten sie alles was nötig ist um Alucards Problem zu beheben. Doch über Mina wurde kein Wort gesprochen. Seras merkte, dass Alucard ihr diesbezüglich dankbar war.

Plötzlich bekam er wieder einen Schub. Er rutschte vom Stuhl und gen Boden. Seras wusste was zu tun war. Sie drehte ihn auf den Rücken und warte bis er sich etwas beruhigt war. Dann flüsterte sie im sanften Ton: „Vertraust du mir?“

Alucard wusste was sie vorhatte und Seras hob den Arm. Sie zielte und fragte Integra währenddessen: „Könnten sie ihn festhalten, bitte? Das wird jetzt sehr wehtun.“

Integra verstand und hielt Alucards Beine fest. Seras zielte genau und ließ ihre Hand mit den Fingerspitzen voran in sein Brustbein eintauschen wo der Holzpflock noch immer sein Herz durchbohrte. Alucard drückte den Rücken durch und stöhnte, aber schrie nicht was Seras die Sache vereinfachte.

Sie bekam den Pflock zu fassen und nahm die Spitze in ihre Hand, dann zog sie mit aller Kraft das geheiligte Stück Holz aus dem Herzen ihres Meisters. Als sein Herz frei war, entspannte er sich. Die Wunde blutete stark und Seras drückte ihren Kopf darauf und begann sie zu säubern mit ihrer Zunge.

Integra kam sich plötzlich fehl am Platz vor und ließ die Beiden allein. Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, hob Alucard den Kopf an und sah seiner Draculina zu, wie sie sein Blut trank, während sie seine Brustwunde sauber leckte. Er ließ den Kopf wieder nach hinten fallen und genoss das Gefühl welches entstand, als seine Draculina von ihm trank. Ihm war als würde er schweben und das Erdreich hinter sich zurücklassen.

Seras kam zu ihm hoch der Mund blutig und trotz allem sah sie für ihn wunderschön aus. Alucard konnte nicht anders. Er packte sie am Hinterkopf zog sie zu sich runter und küsste sie zärtlich.
 
 
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