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von Pandora02    erstellt: 23.03.2011    letztes Update: 19.06.2011    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (fertiggestellt)
Titel: Déjà vu
Pairing: Clark / Lex
Rating: NC-17
Spoiler: kleine für Staffel 1 und 2
Warnung: öhm…
Inhalt: Lex hat eine Überraschung für Clark, und Clark sieht am Ende Sterne -  Old-School-Clex

A/N:
Das könnte jetzt ausarten...
Soll es aber nicht. Drum in kurz: Diese Story ist alt. Keine Ahnung, warum ich sie nie zuvor gepostet habe. Muss irgendwie untergegangen sein.
Warnung I: Diese Story ist lang. Aber zum Glück ist sie fertig geschrieben.
Warnung II: Vielleicht ist diese Story ZU LANG, zu redselig...
Ich hab sie irgendwo zwischen dem „Schulprojekt“ und „Unterwegs“ geschrieben - das ist jetzt auf alle Fälle mehr als 5 Jahre her. Inzwischen würde ich garantiert einiges kürzen, aber, ganz ehrlich, ich hab keine Lust dazu. Meine Muse scheint gerade eben versuchsweise zu mir zurückgekehrt zu sein, und ich lasse sie lieber bei neuen Sachen mitreden, als an so altem Kram werkeln.

Also... Wer Zeit und Muße hat, sich darauf einzulassen, wird mit diversem sinnvollen (oder sinnfreien) Clex-Sex belohnt, hehehe... eingebettet in jeweils ´ne Prise Humor, Teenage-Angst, griechische Mythologie mit Subtext und schüchternem Geflirte - kurz: Alltag in Smallville, und quasi Canon für die ersten 2 Staffeln.

„If wishes were horses, I’d need a fucking meadow!“


~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~ ~ ~ o ~ ~


1
Von Träumern und Terriern

Clark Kent öffnete die Augen.

Ein wenig nur. Und schloss sie sofort wieder, wohlig seufzend. Er wollte noch nicht aus der kuscheligen Geborgenheit der Traumwelt in die harte Realität geworfen werden.

Es war so schön, einfach nur im Halbschlaf liegen zu bleiben, Gedanken an Schule oder Arbeit auf der Farm noch eine Weile hinauszuschieben. So schön, die warmen, weichen Kissen um sich zu spüren. So schön...
Nein, noch nicht aufwachen, schlaf weiter, Clark. Genieß die Dunkelheit, ignorier die durch die Samtvorhänge lugenden Sonnenstrahlen. Träume einfach noch ein wenig weiter... Huh? Moment mal! Seit wann habe ich samtene Vorhänge vor meinem Fenster ?

Und er war wach.
Schlug die Augen erneut auf.
Hielt den Atem an.

Wach, und spürte trotzdem noch die Wärme, die Geborgenheit, die weichen Kissen, den Arm, der sich von hinten um ihn schlang.

Clark entspannte. Lächelte.

Richtig. Er war in der Realität. Und die war viel schöner als jeder Traum sein konnte, fühlte sich viel wunderbarer an. Um keinen Preis würde er sie gegen alle kuscheligen Träume der Welt eintauschen wollen. Jetzt vollständig wach, schloss er wieder seine Augen und nahm alle anderen Sinneseindrücke so bewusst auf, wie er nur konnte.

Die sanfte Kühle der seidenen Laken gegen seine Haut, die Hand auf seiner Brust, die seinen Herzschlag zu erfühlen schien, ein warmer, regelmäßiger Atemhauch, der seinen Nacken kitzelte. Der Gedanke an die Lippen, die seine Haut dort fast berührten, Lippen, die ihn vor nicht allzu langer Zeit dort, und nicht nur dort, berührt hatten, ließ einen Schauer durch seinen Körper fahren. Clark atmete tief ein.

Er spürte eine Veränderung, ahnte sie eher. Jemand ohne seine Fähigkeiten hätte die Erhöhung der Atemfrequenz kaum bemerkt. Weiche Lippen auf seinem Nacken bestätigten, dass er nicht mehr als einziger wach war.

Seine Hand legte sich über die Hand auf seiner Brust. Drückte sie gegen sich. Antwortend, erwachend, streckten sich lange Finger auf seiner Haut, pressten sich fester gegen Clark. Fingerspitzen fuhren über die harte Linie seines Schlüsselbeinknochens.
Clark drehte sich in der Umarmung um. Die Finger ruhten nun zwischen seinen Schulterblättern

Clark lächelte.

Flüsterte.

„Morgen, Lex. Tut mir leid, wenn ich dich geweckt hab’.“

Als Antwort presste Lex seine Lippen auf die von Clark.

„Lass mich keine Sekunde länger hiervon verschlafen.“

Ein Kuss.

So lang, so sanft, so warm.

Ein Kuss, der tiefer wurde, je länger er dauerte. Lex leckte erst über die halbgeöffneten Lippen, bevor seine Zunge langsam das Innere von Clarks Mund erforschte. Er legte seine Hand in Clarks Nacken und zog ihn damit fester an sich heran, zog ihn halb auf sich, den Kuss nicht unterbrechend.

Lex’ Hand glitt langsam Clarks Seite hinunter und blieb auf der Hüfte liegen. Leichter Druck genügte, um Clark wieder auf den Rücken zu drehen. Clark stöhnte auf, als Lex ein Bein über ihn schwang und sich, auf Knie und Hände gestützt, über ihn beugte. Einige Sekunden lang hielten blaue Augen dunklere fest, bevor Lex sich zu einem Kuss auf die Unterarme niederließ. Seine Hand fuhr durch dichtes Haar.

Lex’ Mund heiß und feucht auf seinem, konnte Clark keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur Lex und dieses unglaubliche Gefühl beherrschten sein Inneres, das ihn glauben machte, er schwebte, lange bevor er es tatsächlich tat.

Lex’ Finger verschränkten sich in seinen. Der kahlköpfige Mann drückte Clarks Arme über dessen Kopf in das Laken. Clark bekam die Gelegenheit zu atmen, als Lex von seinem Mund abließ und stattdessen einen Kuss unter seinem Kinn platzierte. Er küsste sich zu einem Ohr hinauf, verweilte dort kurz, um sich wieder Clarks Hals zu widmen.

Er gab Clarks Hände frei und strich langsam mit seinen Fingern über die muskulösen Arme abwärts, als er seine Küsse ebenfalls tiefer gleiten ließ. Ein Schüsselbein, die kleine Einbuchtung unterhalb der Kehle, dann glitt er ein wenig tiefer und leckte einmal mit der flachen Zunge die Linie des Brustbeins hinauf.

Clark bäumte sich leicht auf, als sich die heißen Lippen um eine Brustwarze schlossen und daran saugten. Die federleichten Berührungen von Fingerspitzen hinterließen eine Gänsehaut.

Lex sah zu ihm auf. Silbrige Augen, die glitzerten. Und Lex lächelte.

Dann schienen seine Hände, seine Lippen, plötzlich überall auf Clarks Haut zu sein.

Clark zitterte unter weit ausgestreckten Fingern. Unter Handflächen, die jeden Zentimeter seiner Haut zu erfassen schienen. Hände, die nun fester die Konturen von Muskeln und Knochen nachzogen, die zugriffen und festhielten. Gleichzeitig bewegte sich Lex’ Mund küssend, streichelnd, leckend weiter abwärts, verweilte am Bauchnabel, um die Zunge kurz einzutauchen, und kam endlich zu Clarks wartendem Penis.

Clark keuchte.

Aus halbgeschlossenen Lidern sah er zu, wie Lex den Mund etwas öffnete und sich seinem harten Schwanz näherte. Lippen berührten federleicht die Spitze, in einem viel zu zärtlichen Kuss. Clark krallte seine Hände in das Laken.

Lex lag nun zwischen seinen Beinen, die Hände auf Clarks Schenkeln. Sie glitten über die Innenseiten zu den Kniekehlen, Finger kreisten dort, bewegten sich wieder hinauf.

Lex hob seine Augen, hielt einen Moment lang Clarks Blick fest, bevor er seinen Kopf senkte  und den Penis ganz in sich aufnahm. Sofort begann er mit einem raschen Auf-und-Ab-Rhythmus, dessen Intensität Clark darum kämpfen ließ, die Augen geöffnet zu lassen. Er wollte seinen Freund sehen, obwohl die heißen Wellen, die sich von den Lenden in alle Fasern seines Körpers ausbreiteten, jede bewusste Handlung, jeden Gedanken so gut wie ausschlossen.

Er stöhnte, keuchte Lex’ Namen, und schaffte es irgendwie, diesen faszinierenden Anblick aufzunehmen. Der kleine Teil seines Gehirns, der noch halbwegs denken konnte, rief ihn dazu auf, so etwas wie Momentaufnahmen zu speichern. Wie Photos. Die er immer wieder zur Erinnerung würde herausholen können.

Lex, dessen Haut so hell war, so seidig und glatt und köstlich.
Lex, der ihm das unglaubliche Gefühl gab, fliegen zu können.
Lex, der hingebungsvoll an seinem Schwanz lutschte.

Dann kam er. Plötzlich und hart. Clark war sicher, dass er aufschrie, obwohl er nichts hörte. Wie durch einen Wattenebel merkte er, dass Lex ihn in seinem Mund behielt, weiter leckte, während der Orgasmus Clarks letzte Kontrolle nahm und ihn dazu zwang, letztlich doch die Augen zu schließen.

Als die Wellen verebbten, und Clarks Atemzüge regelmäßiger wurden, streckte er eine Hand aus und ließ die Finger träge über Lex’ Kopf streichen. Er wollte diese Haut immer und überall berühren, war süchtig danach. Er ließ die Hand über die glatte Kopfhaut in Lex’ Nacken gleiten, bevor er mit den Knöcheln über das Kinn wieder nach vorn fuhr. Ein Finger strich über die feuchte Unterlippe, über die Wange, hinter das Ohr. Lex’ Kopf wand sich fast wie der einer Katze, die gekrault wurde. Begegnete jeder Bewegung von Clarks Hand und lehnte sich in die Berührung.

Schnurrte Lex, oder waren Clarks Sinne noch immer im Taumel gefangen?

„Gott, Lex... Das hier sollte niemals enden...“

~ ~ o ~ ~

„Niema-- aahaaah!!!

Clark schlug die Augen auf und landete unsanft auf der Matratze seines Bettes. Der Rahmen ächzte, hielt aber Stand, da Jonathan Kent vor einigen Monaten eine verstärkende Stahlkonstruktion hinzugefügt hatte, nachdem die Abstürze, die unweigerlich Clarks nächtlichen Levitationen folgten, das dritte Bett zu Feuerholz verarbeitet hatten.

Einige Sekunden der Benommenheit, der wohlig warmen Verwirrung, in denen Clark das Kissen in seiner Umarmung näher an sich drückte. Was? Kissen?! Dann, ganz plötzlich, war er wach. Wach, in seinem eigenen Zimmer und in der Realität, aber nicht gänzlich zufrieden mit dieser.

Ein resigniertes Seufzen entrang sich seiner Kehle.

„Nicht schon wieder....“

Schon wieder würde er sein Bettlaken und die Boxershorts selbst waschen und darum beten, dass seine Mutter es nicht merkte oder zumindest so dezent wäre, es nicht zu erwähnen. Gott, die Pubertät war so peinlich!

Dann blitzte das zweite schon wieder in seinen Gedanken auf. Gefolgt vom dritten.

Schon wieder ein Traum.

Schon wieder dieser Traum.

In der Regel verblassen Träume, sobald man eine Zeitlang wach ist und seine Gedanken der realen Welt zuwendet, aber Clark konnte sich noch an jede Einzelheit dieses Traumes erinnern. Nicht nur das. Er konnte sich auch an jede Einzelheit der anderen Träume erinnern. All der anderen Träume, in denen ein gewisser bester Freund von ihm die Hauptrolle spielte.

Lex.

Schon wieder Lex.

Auf der Bettkante sitzend, versuchte Clark, seine Gedanken zu ordnen, den Traum als nichts als ein Hirngespinst abzutun. Es nützte nichts. Wie immer. Das Bild von Lex blieb. Lex’ Lippen auf seiner Haut, seine Finger auf Lex’ Haut. Nicht dass dies eine unangenehme Vorstellung war, jetzt da er nicht mehr träumte. Clark dachte nicht zum ersten Mal im wachen Zustand darüber nach. Im Grunde war ihm seit geraumer Zeit ziemlich klar, was er von den Träumen hielt. Er mochte sie. So unangenehm auch manchmal das Aufwachen war, er liebte diese sinnlichen Träume von Lex. Auch wenn er das bisher noch nicht einmal seinem Spiegelbild gegenüber laut gesagt hatte.

Das Problem war die Realität. Es ließ sich nicht vermeiden, dass er manchmal an diese Träume dachte, wenn er mit Lex zusammen war. Was ihn im betreffenden Moment zu einem miserablen Gesprächspartner machte.

Ein Klopfen an der Tür unterbrach abrupt die morgendlichen Gedanken. Mysteriöserweise wurden seine Überlegungen immer unterbrochen, bevor er zu einer Entscheidung, einer Einsicht oder zu was auch immer gelangen konnte.

„Clark? Bist du wach? Lex ist am Telefon.“

Er versuchte, sein plötzlich schneller klopfendes Herz zu ignorieren.

Clark öffnete die Tür, murmelte ein „Morgen Mom“ und nahm den Hörer entgegen, ohne Martha Kent direkt anzusehen, weil er fürchtete, die Spuren seines jüngsten Schwebe-Erlebnisses standen ihm noch allzu deutlich ins Gesicht geschrieben. Für alle Fälle hatte er sich in seine Bettdecke eingewickelt.

„Hallo?“ Clark rieb sich die noch schläfrigen Augen.

„Morgen Clark. Gut geträumt?“

„--“

WAS?!

Clarks Wangen färbten sich rot. Konnte er?! Nein, er konnte nicht. Reiß dich zusammen! Das ist eine ganz normale Frage. Sei einfach froh, dass er dich nicht sehen kann!

„Clark, was ist? Schläfst du noch?“

Clark, sprich. Du weiß doch, wie das geht? Das Gehirn machte hilfreiche Vorschläge an die Motorik, nur mit der Umsetzung haperte es.

„Ich kann auch später anrufen, wenn du...“

„Ähmm... nein.“ Clark musste sich räuspern. „Nein, schon OK. Wird Zeit, dass ich unter die Dusche komme und richtig wach werde.“

„Ja, kaltes Wasser wirkt manchmal Wunder.“

Du sagst es, Kumpel.

„Äh... ja. Was gibt’s, Lex? Wieso bist du so früh schon auf?“

Besser. Lass ihn von sich reden.

„Clark, ich möchte dich um einen kleinen Gefallen bitten. Ich treffe mich in zwei Stunden mit Chloe im Talon, wegen dieses Interviews, und -“

Nun war Clark abgelenkt. Und beeindruckt. Chloe versuchte seit einer halben Ewigkeit, Lex erneut zu einem Interview zu bewegen, nachdem der erste Versuch von Einbrechern im Schloss vereitelt worden war. Der Sturz aus dem Fenster schien Chloes Hartnäckigkeit jedoch nicht gemindert zu haben. Diesmal hatte Lex anscheinend keine Ausreden zur Hand. Andererseits könnte er natürlich auch aus dem Talon ganz plötzlich, ganz unauffällig abberufen werden.

„Wie hat sie dich rumgekriegt? Erpresst sie dich?“

Ein leichtes Lachen erklang am anderen Ende. „Könnte man so sagen. Sie meinte, wenn ich nicht endlich einwillige und ihre Fragen persönlich beantworte, müsste sie wohl oder übel auf das zurückgreifen, was man so sagt und hört.“

„Und aus Chloes Mund klingt das bedrohlich, nicht wahr?“

„In der Tat. Ich werde für Miss Sullivan also gleich höflich meinen eigenen Pressesprecher mimen, ihr ein paar Firmendaten nennen, und würde es begrüßen, wenn du dich dazu gesellst. Chloes Ehrgeiz in allen Ehren, doch ich habe den leisen Verdacht, deine Anwesenheit könnte sie ein wenig ablenken.“

Aha. Das Ablenkungsmanöver war also schon geplant. Natürlich. Lex überließ nichts dem Zufall.

„Lex, das glaubst du doch nicht wirklich? Chloe ist als Reporterin wie ein Terrier.“

„Könnte sein. Trotzdem wissen wir beide, dass Chloe immer noch mehr als nur ein wenig an dir liegt, Clark, aber...“

Langsam wurde es Clark zu viel. Sein unwilliges Grummeln ließ Lex innehalten. Es war früh am Morgen, er hatte noch nicht gefrühstückt, noch nicht einmal geduscht, der Traum lungerte noch in seinem Hinterkopf herum, und jetzt fing Lex auch noch mit Chloes angeblichen Gefühlen für ihn an. Die Clark natürlich nicht entgangen waren, die er aber gekonnt zu ignorieren versuchte. OK, mehr oder weniger gekonnt. Immerhin war ein Meister im Verdrängen. Er seufzte.

„Aber das ist jetzt nicht der Punkt, wollte ich sagen“, lenkte Lex geschickt ein. „Nun, was sagst du?“

„Ich soll Chloe also ablenken.“

„Sei einfach nur da, OK? Wir trinken Kaffee, plaudern etwas, und schon ist die vereinbarte Stunde vorbei.“

„Ich weiß nicht recht. Ich sollte eigentlich Dad helfen.“

„Es sind doch Ferien. Du kannst ihm später helfen. Ich werde dich auch nicht lange beanspruchen. Oder, hm, ist es etwas Unaufschiebbares auf der Farm? Entschuldige, ich sollte nicht so aufdringlich sein.“

„Hm... nein, das ist es eigentlich nicht, nur...“

Clark fragte sich selbst, warum er überhaupt zögerte. Immerhin war Chloe seine beste Freundin.

„Ich wäre dir etwas schuldig, Clark.“ Lex sprach langsamer, schien jedes Wort einzeln zu betonen.

Clark setzte zu einer Antwort an, atmete schon ein, doch Lex kam ihm zuvor: „Bitte...?“

Was war das? Hatte Lex gerade gebettelt? Lex Luthor? Clark versuchte, sich das zum flehenden Ton passende Gesicht vorzustellen, was nicht einfach war. Sein Freund musste verzweifelter sein, als er gedacht hatte. Aus irgendeinem Grund musste Clark grinsen.

„OK Lex. Wann soll ich da sein?“

Eigentlich hätte ich ihn noch zappeln lassen sollen ... Clark gestand sich ein, dass ihm der Gedanke Spaß machte.

„Oh, ich treffe mich um neun Uhr mit Chloe. Gib uns eine halbe Stunde. Das dürfte genügen.“

„Alles klar. Ich versuche, es rechtzeitig zu schaffen.“

Clark konnte die Erleichterung am anderen Ende förmlich hören. Er grinste immer noch angesichts seines reichen, überlegenen Freundes, der regelmäßig hartgesottene Geschäftsleute zur Schnecke machte, während ihn ein Interview für eine Schülerzeitung mit einer Nachwuchsreporterin nervös werden ließ.

„Hey Lex?“

„Ja?“

„Mach dir keine allzu großen Sorgen. So bissig ist Chloe gar nicht. Du wirst es überleben. Und wenn nicht, helfe ich ihr, einen angemessenen Nachruf schreiben.“

Ein Schnauben. „Sehr witzig, Clark. Und jetzt sieh zu, dass du unter die Dusche kommst.“

„OK, bis dann.“

~ ~ o ~ ~

Richtig, die Dusche. Dann Frühstück und Eltern. Danach Chloe und Lex. Es war nicht so, dass er sich noch nie mit den beiden im Talon getroffen hätte, aber der Gedanke verursachte Clark gerade ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Warum sollte er nervös deswegen sein? Beste Freundin, bester Freund, Kaffee. Nichts Ungewöhnliches. Nun, es war wahrscheinlich Lex’ Andeutung, dass Chloe ihn eben nicht nur als besten Kumpel sah. Andererseits hatten sie sich nach der Katastrophe am Abend des Abschlussballs darauf geeinigt, dass es besser sei, nur Freunde zu bleiben.

Chloe schien sich damit abgefunden zu haben, dass er Lana nicht vergessen konnte. Dass er sie anscheinend nicht vergessen konnte. Er hatte es aus gewissen Gründen nie darauf angelegt, seine Gefühlswelt öffentlich zu machen. Lana war eine Art Schutzschild für ihn geworden.
Möglicherweise arbeitete dieser Schutzschild in beide Richtungen. Niemand machte sich Gedanken über Clarks Innenleben, da Lana und er praktisch zusammengehörten. Trotz Whitney, als er noch da gewesen war. Trotz miserablen Timings. Trotz der Tatsache, dass sie unerreichbar war und irgendwie auch blieb. Aber seit geraumer Zeit dämmerte es Clark, dass er diese Illusion vielleicht auch für sich selbst so lange aufrechterhalten hatte.

Er bemerkte nicht zum ersten Mal, dass er für Lana inzwischen nicht mehr als Freundschaft empfand, und dass es so in Ordnung war. Er war so daran gewöhnt gewesen, seine Gedanken, und sein Teleskop, in heimlichen Minuten bei seiner hübschen Nachbarin weilen zu lassen, dass er es auch jetzt noch hin und wieder tat. Was er nicht jedes Mal bewusst registrierte, war die Tatsache, dass immer, wenn ihn die Themen Lana und Chloe und Beziehungen beschäftigten, er automatisch auch an Lex dachte...

Das heiße Wasser tat gut. So entspannend, beruhigend. Er könnte beinahe wieder einschlafen.
Nein, das ging nicht, er hatte etwas vor! Clark nahm das Shampoo, wusch sich energisch die Haare und rieb seinen ganzen Körper mit nach Lavendel duftender Seife ein. Er mochte diesen Duft. Fragte sich, ob Lex ihn wohl bemerken würde.

Ups... Wo kam dieser Gedanke her? Er war beinahe erschreckend. Beinahe...

Lex hatte immer einen typischen Geruch an sich. Er konnte es nicht definieren. Eine Mischung aus süß und würzig, aber ein so feiner Hauch nur, dass man ihn kaum wahrnahm. Clark musste an warmen Honig denken... an den Geschmack von dunkler Schokolade... an scharfe Gewürze, die einem die Tränen in die Augen treiben, wenn man seine Nase zu tief hereinsteckt... Lex’ Haut war in seinem Traum auch wie Honig gewesen. Warm und seidig... mmmh... und seine Lippen so...

Clark stellte die Dusche kalt.

~ ~ o ~ ~

Frisch gewaschen, in Jeans, T-Shirt und Turnschuhe geschlüpft, ging er hinunter, wo seine Eltern in der Küche rumorten. Clarks Vater kam gerade zur Tür herein und streifte die Arbeitshandschuhe ab.

„Morgen Mom. Morgen Dad.“ Er sah seinen Vater an, Schuldbewusstsein drängte sich auf. „Du warst schon draußen? Tut mir leid, ich hab verschlafen...“

Jonathan Kent blickte seinen Sohn scheinbar entrüstet an. „Weißt du, wie spät es ist, Junge? Das Vieh füttert -“

„Füttert sich nicht von selbst. Ja, ich weiß“, fiel Clark zerknirscht ein.

Martha zwinkerte ihren Sohn an, während sie einen Teller mit dampfenden Pfannkuchen auf den Tisch stellte. „Glaub bloß nicht, dass wir dich die ganzen Ferien verschlafen lassen. Genieß es dies eine Mal besser. Und jetzt an den Tisch mit euch. Stopp, Schatz, zuerst die Hände waschen.“ Jonathan gehorchte.

Bei einem typischen Kent-Frühstück vergaß Clark die seltsamen Gedanken. Milch, Cornflakes und Pfannkuchen mit schmelzenden Schokoladen-Flocken stillten seinen Bärenhunger. Es wurde gescherzt, gelacht und besprochen, was an Arbeit anlag.

Als sie das Geschirr zusammenräumten, fragte Martha: „Was wollte Lex eigentlich schon so früh von dir?“

„Oh, er hat Angst. Ich soll ihn vor Chloe retten“, meinte Clark, immer noch kauend.

Martha hob schmunzelnd die Mundwinkel. Jonathan runzelte die Stirn.

„Im Ernst. Chloe hat ihn dazu überredet, ihr ein Interview zu geben. Jetzt hat er wohl kalte Füße bekommen.“

„Er wird wissen, warum.“ Jonathan lachte leicht. „Chloe glaubt nicht ernsthaft, dass ein Luthor ihr die reine Wahrheit erzählt?“

„Dad, das ist unfair. Lex lügt doch nicht.“

Die Antwort darauf war nur ein Schnauben. Jonathan verließ die Küche, während Martha heißes Wasser ins Spülbecken ließ.

Clark blieb am Tisch sitzen; eine Hand um sein Milchglas geschlossen, starrte er abwesend in die weiße Flüssigkeit. Er kannte Jonathans Meinung über Lex, über die Luthors im Allgemeinen. Aber Clark fiel etwas anderes auf. Hielt sein Vater ihn für zu naiv für diese Welt? Nun, in Anbetracht der Tatsache, dass dies im Grunde gar nicht seine Welt war, war das ein fast witziger Gedanke. Doch Clark stoppte ihn, bevor er deprimierend wurde. Er dachte oft über seine Herkunft nach, seitdem seine Eltern ihm eröffnet hatten, wie er zu ihnen gekommen war. Da dies aber so gut wie immer zu einer nicht besonders fröhlichen Stimmung führte, hatte er ein wenig die Verdrängungstaktik geübt. Manchmal funktionierte sie sogar... Der gute alte Freud wäre stolz auf ihn. Ein Paradebeispiel.

Doch was das „naiv“ anging, war er es vielleicht wirklich? Lex war sein Freund. In geschäftlichen Angelegenheiten war er zweifellos kaum unfreundlicher als ein ausgewachsener Hai, aber Business und Freundschaft waren zwei unterschiedliche Dinge. Oder nicht? Clark hatte keinen Grund, anzunehmen, dass Lex nicht meinte, was er über ihre Freundschaft sagte.
Gut, es gab da ein paar Situationen... aber da waren jedes Mal Meteoriten involviert gewesen. Unter ihrem Einfluss verhielt sich niemand normal.
Nein, in dieser Sache sah sein Dad die Dinge falsch, nicht er. Lex hatte zwar denselben Nachnamen wie Lionel, aber das hieß nicht, dass er auch alles andere geerbt hatte. Clark atmete tief durch und trank die Milch. Als er aufblickte, begegnete er dem aufmerksamen Blick seiner Mutter.

„Kann ich das Glas spülen, Schatz?“

Er stand auf und gab es ihr. Hatte dabei das Gefühl, seine Mutter war jedem seiner Gedanken gefolgt. Sie kannte ihn besser als jeder andere.

„Soll ich dir noch helfen, Mom?“

Martha lächelte. „Danke, ist nicht nötig. Geh nur und rette Lex das Leben.“

„Sag ihm bloß nie, dass ich es euch so erzählt habe.“

Clark war schon an der Tür, als seine Mutter fragte, ob er zum Mittagessen zurück sei.

„Ja, hm, ich meine, ich weiß nicht.“ Er hatte noch nicht darüber nachgedacht, was er an dem Tag tun wollte.

„Wenn du etwas unternehmen willst, tu du es ruhig, Clark. Aber sei zum Abendessen zurück, ja?“

„OK, Mom. Machs gut.“

~~

tbc.
 
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