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Vorbereitung:

Ich hatte zum Zeitpunkt unserer Reise erst seit einem knappen Jahr meinen Führerschein, dementsprechend aufgeregt war ich das ich nun mit dem VW-Bus (T4 California) zu einer kleinen Europareise zusammen mit meiner Freundin aufbrechen würde.

Einige Monate im Voraus hatten wir unsere Route grob festgelegt und uns das dazugehörige Kartenmaterial besorgt. Hierbei war mir der ADAC eine sehr große Hilfe. Es ist nur zu empfehlen sich ein so genanntes „Tourset“ zu besorgen. Es beinhaltet alle Karten sowie die wichtigsten Stadtpläne. Außerdem wertvolle Hinweise zu den Verkehrsregeln im jeweiligen Land. Einen Campingplatzführer hatten wir bereits (später stellte sich heraus das wir ihn kaum benötigten). Der ADAC besorgte uns auch alle nötigen Unterlagen wie die Greencard der Versicherung, einige Bescheinigungen (da das Auto ja nicht mir gehörte) und kümmerte sich um alle nötigen Versicherungen.

Unser „Bulli“ und ich waren Camping erprobt durch viele Turnieraufenthalte, trotzdem bekamen meine Freundin und ich noch eine Grundeinweisung:

Wie wechsele ich die Gasflaschen?
Wie lasse ich das Abwasser ab?
Wie schalte ich den Kühlschrank ein/aus?
Wie stellt man das Klappdach auf?
Wie baut man die Betten auf?

Am 30. Juli war großer Packtag, alles wurde noch einmal durchgegangen und die letzten Einweisungen erfolgten. Der Kühlschrank sollte erst einen Tag vor Abfahrt, also am 1. August gefüllt werden (zusätzlich noch der Geburtstag der Schwester meiner Freundin was noch zusätzlich für Komplikationen sorgte).


1.     Tag: R(h)einfall und Insel Mainau

Am 2. August ging es endlich los. Um 3 Uhr nachts verabschiedeten wir uns von unseren Familien und brachen (meine Freundin noch reichlich verkatert) in unser Abenteuer auf. Unser Navi funktionierte noch und wir fuhren 10 Stunden runter in die Schweiz. Es war die längste Strecke die ich bis dahin gefahren war und relativ schnell machten sich bei mir Rückenschmerzen bemerkbar. Wir wollten aber erst durch die großen Autobahnkreuze durch, so dass unsere erste (und einzige) Rast erst kurz hinter Frankfurt stattfand. Unsere belegten Brote wurden frierend im leichten Niesleregen verspeist und eine Pinkelpause eingelegt (wie sollten wir noch das Sanifairsystem vermissen).

Kurz nach eins erreichten wir Schaffhausen, wo wir uns einen Campingplatz reserviert hatten. Allerdings hatte dieser gerade Mittagspause  und wir fuhren auf einen nahe gelegenen Parkplatz um zum Ersten mal zu kochen. Wie es nicht anders sein konnte ging die Gasflasche vom Herd leer und ich musste sie wechseln. Natürlich fing es an zu regnen und wir fragten uns schon ob es wirklich eine so gute Idee war wie wir anfangs dachten.

Nach ungefähr einer Stunde konnten wir auf unseren Campingplatz. Eine sehr gepflegte Anlage direkt am Rhein. Trotz meiner Müdigkeit vom fahren, schnappten wir uns nocheinmal unseren Bulli und fuhren zur „Blumeninsel“ Mainau. Wir hatten uns keine Vignette besorgt, weil wir nur ein „kleines“ Stück Schweiz mitnehmen wollten, so fuhren wir über irgendwelche holprigen Feldwege und mein Herzschlag erhöhte sich deutlich als wir einen besonders steile Pfad runter mussten, so dass Bulli am Ende fasst aufsaß. Nach fast einer halben Stunde kamen wir jedoch glücklich an.

Es war der Wahnsinn, ich kann nur jedem empfehlen sich diese einmal anzusehen. Eine wunderschöne Insel mit unglaublichen Blumen in einer atemberaubenden Farbenvielfalt.

Auf Mainau gibt es jedoch nicht nur Blumen, sondern auch einen Kinderspielplat, Teiche und ein Schmetterlingshaus.

Der Spielplatz:
Auch wenn Spielplätze ja eigentlich für Kinder sind, hat dieser uns so fasziniert, dass wir ihn unbedingt ausprobieren konnten. Man konnte mit einem Floß über ein kleines Teichsystem fahren und einen Sinnespfad entlang gehen. Es ist alles sehr gut durchdacht und man sieht die Liebe zum Detail. Die Pflanzen kamen auch hier nicht zu kurz, es gibt ganze durch Sträucher überdachte Wege und Baumhöhlen. Im Endeffekt hatte wir mindestens genauso viel Spaß wie kleinere Besucher, wahrscheinlich sogar noch mehr, denn keines der Kinder spielte so intensiv mit den Wasserschrauben wie wir.

Das Schmetterlingshaus:
Nicht nur frei fliegende Schmetterlinge und Vögel sind hier zu bestaunen sondern auch außergewöhnliche Wasserpflanzen und Orchideen. Zusätzlich kann man die Schmetterlinge bzw. Raupen und Puppen in unterschiedlichen Stadien bewundern. Wenn man sich sehr still verhielt setzen die Tiere sich sogar auf die Hände. Ein tolles Erlebnis, was uns auch wieder mit dem Wetter, es nieselte immer noch, versöhnte.

Irgendwo auf der Insel waren Schuhe aufgehängt, so ganz konnten wir nicht nachvollziehen, was die da verloren hatten, ich wusste doch schon immer das die Bayern eine Schaden haben (Ja, die Insel Mainau gehört zu Deutschland)


Am Campingplatz angekommen machte sich eine Hochstimmung breit und wir waren viel zu aufgedreht um ans Ausruhen zu denken, kurzerhand schnappten wir uns unsere Fahrräder und fuhren Richtung Rheinfall. Auf dem Weg dahin (in der Gegend um Schaffhausen sind alle Wege fahrradfahrerfreundlich und sehr gut beschildert) lernten wir „Flachlandtiroler“ erst einmal was es heißt eine 20% hohe Steigung hinauszufahren. Wir verfluchten erst unsere Entscheidung sportlich zu sein und nicht das Auto zu nehmen, allerdings hätten wir dann wohl nie einen wunderschönen kleinen Wasserfall entdeckt (später zu ihm mehr) und auch nicht die Quelle eines kleinen Flusses, welche wir erst einmal hinaufkletterten (schon wieder warf man uns merkwürdige Blicke zu; komisch eigentlich). Wenn man also ein Fahrrad hat oder gut zu Fuß ist sollte man sich auf jeden Fall die kleinen Wege entlang trauen, oftmals ist es dort viel schöner als an den großen „Touristenpunkten“.

Nach einiger Zeit kamen wir am Rheinfall an –dem größten Wasserfall Europas- an:
Breite: 150 Meter
Höhe: 23 Meter
Alter: ca. 15'000 Jahre

Man konnte das Tosen und Rauschen schon von weitem hören. Es gibt dort zwei ausgewiesene Wege, man sollte versuchen beide wahrzunehmen, einer führt auf eine Brücke hinter den Wasserfall und man sieht von dort aus die unglaubliche Geschwindigkeit und Kraft des Wassers. Wir spazierten auf die Brücke und trauten unseren Augen kaum, als wir sahen das auf einem großen Felsen in der Mitte tatsächlich Leute standen.

Der andere führt zu einem Fähranleger. Wir staunten nicht als wir sahen wie eine etwas klapprige Fähre, welche die Besucher auf einen Felsen in der Mitte des Rheinfalls brachte. Ohne lang zu zögern lösten wir zwei Tickets und stiegen wagemutig in die Fähre. Das kleine Schiffchen war überladen und man musste nur den Arm über die Relig hängen lassen um ihn ins Wasser zu tauchen. Zum Glück hielt die Fähre mehr als sie versprach. Ohne die geringsten Probleme fuhr sie mitten auf den Rheinfall zu und legte in der Mitte am Steilfelsen an. Wir stiegen aus (eine wackelige Angelegenheit) und kamen trockenen Fußes an Land.  Nun begann der Aufstieg, nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir oben angekommen uns standen Mitten im Wasserfall. Das Wasser spritzte hoch und manchmal hatten wir den Eindruck als könnte man Gesichter im Wasser erkennen. Wir verstanden warum es so viele Legenden über Wassergeister gibt, hatte man doch das Gefühl als würden Stimmen von tief unten zu einem hochdringen. Beeindruckt fuhren wir mit der kleinen Fähre zurück und machten uns auf den Heimweg.

Auf dem Rückweg machten wir einmal halt, das Wetter hatte sich gebessert und quer über den Rhein spannte sich ein gewaltiger Regenbogen. Wir kletterten näher ans Ufer heran und betrachteten das Schauspiel. Beim Klettern hatten wir einen weiteren Miniwasserfall entdeckt, kaum einen Meter hoch mit glasklarem Wasser ohne viel zu überlegen stiegen wir hinein und nahmen unser erstes Bad im Rhein (dummerweise mit Klamotten).

Endlich am Bullie angekommen hängten wir unsere Klamotten auf und gingen recht bald schlafen. Ein genialer erster Tag!!!
 
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