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Geschichte: Fanfiktion
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von little-green-fairy
erstellt: 02.09.2010
letztes Update: 05.04.2012
Geschichte, Thriller / P18 Slash
(in Arbeit)
Weil ich mich darüber so gefreut hab, hab ich mich auch gleich mal hingesetzt und das nächste Kapitel für euch fertig gestellt.
Ich hoffe es gefällt euch genauso gut wie das erste und ihr bleibt mir treu =)
Die Reviewantworten findet ihr übrigens direkt unter euren Kommentaren.
Danke nochmal und viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!!
Willkommen in der Hölle
Toms nächste Aufgabe war immerhin schon mal anspruchsvoller als das Zellenputzen. Er durfte jetzt am Telefon sitzen und Notrufe entgegennehmen. Naja, wirklich viele Notfälle kamen heute nicht rein… Eine junge Frau hatte sich darüber beschwert, dass ihr Ex-Freund angeblich ihr Haus belagern würde und ein anderer Anruf kam von einer senilen alten Witwe, die ihre Uhr verlegt hatte. Nach 3 Minuten des Gesprächs wusste sie selbst nicht mehr warum sie eigentlich angerufen hatte. Trotzdem beschwerte sich Tom nicht. Er war sich sicher, wenn er es doch täte, würde Officer Bäcker ihn mit Sicherheit wieder irgendwelche Zellen putzen lassen. Also hielt er lieber den Mund.
An den unheimlichen Häftling von heute Mittag dachte er den ganzen Tag nicht mehr. Zumindest bis zum Abend, als sich schließlich alle zum Gehen fertig machten. Die vier Neuen waren in ihrer Umkleide versammelt, um die Uniformen wieder gegen ihre normale Straßenkleidung einzutauschen.
„Hatte einer von euch heute irgendwas Interessantes zu tun? Ich nämlich nicht“, beschwerte sich Georg während er auf den Bank saß und sich den Nacken massierte.
„Sie durfte die Gefangenen reinführen, die vom Hof kamen“, antwortete Tom und deutete auf die Rothaarige, die daraufhin stolz nickte.
Georg sah sie staunend an. Der Neid stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. „Und wie war es? Waren die alle verrückt und haben mit den Knöcheln geknackt wenn du sie angeschaut hast?“
„Wir sind hier nicht in einem Film, Georg“, sagte der Blonde in der Runde und schüttelte den Kopf. Tom wusste mittlerweile, dass er Gustav hieß. Toms Meinung nach war er von ihnen allen noch am ehesten für den Job als Polizist geeignet.
„Ja… aber trotzdem.“
„Eigentlich waren sie ganz okay“, sagte das Mädchen jetzt und löste dabei ihren Pferdeschwanz. „Ich glaub die mit denen ich heute was zu tun hatte waren keine Mörder oder so… Wahrscheinlich nur trunkene Fahrer oder Taschendiebe.“ Nachdem sie kurz ihre Haare aufgeschüttelt hatte, fing sie damit an sich die hellblaue Bluse aufzuknöpfen und diese abzustreifen. Es schien sie nicht sonderlich zu stören, dass gerade vier Männer mit ihr im Raum waren. „Ich mein, wenn die wirklich gefährlich gewesen wären, hätten sie doch bestimmt mehr Wachen mitgenommen, oder?“
Und warum hatte der eine dann zwei Schlösser an der Tür? Fragte sich Tom sofort. Für einen betrunkenen Fahrer oder einen Dieb wäre das ja wohl ein bisschen übertrieben.
„Trotzdem…“, setzte Georg wieder an und Tom musste sich ein Lachen verkneifen als er sah, dass Georgs Blick gerade auf etwas ganz anderes gerichtet war als die Augen des Mädchens. „Das ist immer noch besser als ihnen Essen zu bringen und den ganzen Tag Kontrollgänge durch die Flure zu machen.“
„Wem sagst du das“, stimmte Gustav zu und beugt seinen Arm.
„Einer von ihnen war aber irgendwie unheimlich“, sagte das Mädchen wieder und zog sich ihren Pulli über den Körper, was von Georg enttäuscht beobachtet wurde. „Er hat mich die ganze Zeit so komisch von unten her durch seine Haare hindurch angestarrt. Am Ende hätte ich ihn fast geschlagen.“
815.
„Es war aber nicht 815, oder?“ fragte Georg mit einer eigenartig tiefen und belustigt klingenden Stimme, so als würde er gerade eine Gruselgeschichte erzählen.
Das Mädchen zögerte kurz. „Doch war es.“
Alle außer Tom hoben bei der Antwort sofort ihre Köpfe und schauten zu der Rothaarigen.
„Was?“ fragte Georg stirnrunzelnd. „Ich dachte 815 ist in der geschlossenen Abteilung. Lassen die ihn jetzt einfach frei zwischen den anderen Gefangenen rumlaufen oder was?“
Das Mädchen zuckte nur mit den Schultern und verstand offensichtlich nicht wo das Problem lag.
„Was ist denn mit diesem 815?“ fragte Tom und war somit jetzt derjenige, der alle Blicke auf sich zog.
„…Er weiß nicht wer 815 ist.“ stellte Georg ungläubig fest. „Welcher angehende Polizist hat bitte noch nichts vom Gefangenen 815 gehört?“
Tom kam sich blöd vor, hob aber nur die Schultern. „Sie weiß es auch nicht“, verteidigte er sich und deutete dabei wieder auf die Rothaarige.
„Ich komm von einer Polizeischule in England. Woher sollte ich bitte irgendwas darüber wissen?“ Hob sie sofort abwehrend die Hände.
„Oh man“, sagte Georg. „Dann muss ich euch arme, unwissende Seelen wohl mal aufklären, was?“ Er hustete und seine Stimme wechselte wieder in eine erzählende Tonlage. „Der Gefangene 815 ist eine richtige Legende hier in der Umgebung. Angeblich weiß jede Polizeistation in ganz Deutschland über ihn Bescheid. Man will dadurch absichern dass er nicht weit kommen kann, sollte er mal versuchen auszubrechen. Ausschließlich unsere Polizeistation hat aber wohl die genauen Informationen darüber warum er eigentlich einsitzt… Trotzdem ist überall bekannt, dass der Kerl ein Psychopath ist. Bevor er hier ins Gefängnis kam war er in der Klapse, nach ner Weile wurde er dann aber hierher gebracht. Anscheinend sind die Leute in der Irrenanstalt nicht mit ihm klar gekommen. “
Die andern Vier hörten ihm alle gespannt zu und warteten bis er weitersprach.
„Am Anfang war er noch nicht in der geschlossenen Abteilung. Sie mussten ihn dann aber nach unten verlegen. Er kam in Einzelhaft nachdem er einen der Polizeibeamten angegriffen und seinen Zimmerpartner fast umgebracht hatte. Angeblich hat er versucht ihn im Schlaf mit seinem Kissen zu ersticken. Jedenfalls war er seitdem in der Geschlossenen und ich dachte eigentlich das wär er auch jetzt noch. Es heißt, er ist gefährlich und jeder der nichts mit ihm zu tun haben muss, soll sich bloß vor ihm fernhalten. Bleibt weg von ihm, Leute. Ich werde das auf jeden Fall so machen.“ Er schüttelte sich kurz und sah dann wieder zu seinen Vier Zuhörern auf.
Tom zog die Stirn in Falten. Diese zierliche Person sollte so gefährlich sein? Das kam ihm irgendwie absurd vor. Andererseits hatte er ja selbst die dunklen Augen des Gefangenen und den unheimlichen Ausdruck in ihnen gesehen, so dass er die Geschichten fast schon glauben konnte.
„Wie alt ist er eigentlich?“ fragte das Mädchen. „Er sah noch gar nicht so alt aus.“
„Er ist so um die 20“, antwortete Gustav
„Genau wie ich“, murmelte Tom leise vor sich hin. „Wie kann man mit 20 Jahren zu einem Mörder werden?“
„Tja, wenn ich das wüsste“, sagte Georg. „Ich glaub manche Menschen sind eben einfach verrückt. Wie ich gehört hab soll die Einzelhaft ihn sogar noch ein Stück weit wahnsinniger gemacht haben.“
***
Der nächste Tag ging genauso langsam vorüber wie auch schon der vorherige. Toms Aufgabe war es mal wieder die Anrufe entgegenzunehmen, wobei heute sogar ein richtiger Notfall dabei war. Bei einer alten Frau wurde eingebrochen. Als dann alle anderen ausrückten um das Haus zu durchsuchen, durfte Tom nicht mitgehen. Er musste ja dableiben um ‘das Telefon zu bewachen’.
“Blöde Schnepfe”, murmelte er mit Blick auf den Schreibtisch von Officer Bäcker, während er sich mit seinem Schreibtischstuhl im Kreis drehte. Er langweilte sich. Das hier war eine Kleinstadt, wo sowieso nie mehr als ein paar Anrufe pro Tag eingingen.
„Du solltest aufpassen was du sagst.“
Tom schnappte erschrocken nach Luft und fiel fast von seinem Stuhl. Er griff nach der Schreibtischkante, um den Stuhl anzuhalten und drehte sich dann so, dass er den Mann, der Türrahmen stand, ausfindig machen konnte. Er war ungefähr in seinem Alter und hatte gebleichtes blondes Haar, das er mit etwas Haar Gel nach Hinten gestrichen hatte. Der Blonde schlüpfte aus seiner Jacke und hängte sie an den dafür vorgesehenen Haken.
„Was?“ fragte Tom schließlich, immer noch mit vor Schreck klopfendem Herzen. Er hasste es wenn man ihn ohne Vorwarnung so erschreckte. Er bekam dabei jedes Mal einen halben Herzinfarkt. Du bist ja echt ein toller Polizist, dachte er sich selbst und schlug sich gedanklich gegen die Stirn.
„Ich sagte“, setzte der Blonde wieder an und hatte dabei ein kleines Grinsen auf den Lippen. „Du solltest aufpassen was du über deinen Vorgesetzten sagst. Sonst hört es nochmal jemand Falsches.“
„Tja, außer mir ist zur Zeit aber niemand hier“, verteidigte sich Tom.
Der Blonde stutze kurz und kam dann zu Tom an den Schreibtisch. „Ich nehme an du bist einer von den Neuen?“
Tom nickte.
„Klasse.“ Der Blonde strahlte ihn an und streckte ihm die Hand entgegen. „Andreas Klein, aber du kannst mich auch einfach nur Andreas nennen.“
Tom nahm die Hand und schüttelte sie kurz. „Tom Kaulitz.“
„Willkommen in der Hölle, Tom.“ Sagte Andreas und zwinkerte ihm zu. Als Tom die Stirn runzelte fing der andere an zu lachen. „Dieser Ort bedeutet entweder Spaß für dich oder Folter.“
„Ich glaub den Folter-Teil hab ich schon kennengelernt“, murmelte Tom und fuhr sich durch die Dreads. „Ist die Frau denn immer so… ich mein, macht sie immer alles so…“
Andreas nickte. „Wie schon gesagt: Willkommen in der Hölle.“
Tom lehnte sich seufzend in seinem Stuhl zurück.
Der Blonde zog sich einen Stuhl vom Nachbartisch heran und setzte sich breitbeinig darauf. Die Arme legte er dabei auf der Lehne ab und musterte Tom einmal genau. „Wie gefällt es dir denn bisher? Also, mal abgesehen von dem Drachen und ihren Foltermethoden.“
Tom musste lachen. „Der Drache?“
„So nennen wir sie hier alle“, kicherte Andreas. „Also los, sprich dich aus.“
Tom rollte unauffällig mit den Augen. Warum musste der Kerl denn so gesprächig sein? „Ich hab bis jetzt noch nicht wirklich was Interessantes gemacht. Ich bin ja auch erst eineinhalb Tage hier.“
„Hast du denn unsre Jungs schon getroffen?“
„Jungs?“
„Die Gefangenen.“
„Oh.“ Anscheinend musste Tom erst noch lernen wie man hier sprach. „Nicht wirklich, ich hab nur ein paar von ihnen gestern mal kurz gesehen, als sie vom Hof reingeführt wurden.“
Andreas nickte verstehend und gähnte dann einmal bevor er wieder anfing zu sprechen. „Welche waren es denn? Sie sind ja alle sehr unterschiedlich. Manche von ihnen sind sogar echt nett.“
„Uhm.“ Tom kratzte sich am Kopf. „Die vom vierten und fünften Stock, glaub ich.“ Er war sich nicht sicher, ob Andreas vielleicht eine genauere Antwort von ihm erwartete.
Sofort wurde sein Gegenüber still und ein merkwürdiger Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.
„Was ist los?“ fragte Tom stirnrunzelnd und unterdrückte dann seufzend den Drang schon wieder mit den Augen zu rollen. „Sag mir bitte nicht, dass es was mit diesem Gefangenen 815 zu tun hat.“
Andreas wurde noch blasser. „Du weißt es? Oh, naja, natürlich weißt du es. Ich meine, du weißt natürlich nicht alles, aber…“
Er schweifte ab und Tom seufzte erneut.
„Was hat er denn getan?“ fragte er schließlich. „Komm schon, was kann denn bitte so schlimm an dem Typ sein, dass du noch nicht mal über ihn reden willst?“ Mittlerweile war er mehr als nur ein bisschen neugierig und versuchte den Blick des Blonden einzufangen, um mehr zu erfahren.
Andreas stand von seinem Stuhl auf und drehte Tom den Rücken zu. „Lass dich einfach nicht in die Sache reinziehen, okay? Rede gar nicht erst mit ihm.“ er atmete geräuschvoll aus. „Lass ihm einfach das Essen da und geh. Schau ihn gar nicht erst an.“
Toms Stirnfalte wurde nur noch tiefer bei dem was er da hörte. „Du klingst ja als hättest du Angst vor ihm.“
„Das ist es nicht“, erwiderte Andreas daraufhin mit unsicherer Stimme. „Hör einfach auf mir Fragen zu stellen.“
„Aber…“
„Nein!“
Damit stampfte Andreas auch schon davon und verschwand hinter einer Tür mit der Aufschrift ‘Buero‘. Tom konnte hören wie er die Tür hinter sich abschloss. Vermutlich weil er befürchtete, dass Tom ihm sonst folgen würde.
Damit hatte Andreas es nun endgültig geschafft seine Neugierde bezüglich des Gefangenen zu wecken.
*
Der Rest der Polizeitruppe kam eine Stunde später auch endlich wieder auf dem Präsidium an und Tom freute es zu hören, dass der Einbruch sich als eine doch nicht so spannende Angelegenheit entpuppt hatte. Als die Polizei beim Haus ankam stellte sich heraus, dass es sich bei dem Einbrecher um den Sohn der alten Frau handelte. Er hatte seinen Schlüssel vergessen und musste deshalb die Scheibe an der Wohnungstür einschlagen, um in das Haus zu gelangen.
Tom hat es sich nicht nehmen lassen Georg und Gustav diese Entwicklung des Falles immer wieder unter die Nase zu reiben, weil die beiden ja ach so aufgeregt über ihren ersten richtigen Fall gewesen waren.
„Ich hab gehört du hast dir ne Freundin geangelt, Georg.“ Sagte Tom mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht und bezog sich dabei auf die alte Frau, die laut Sophie, der Rothaarigen, einen Narren an ihm gefressen hatte. Er klopfte Georg auf den Rücken. „Freut mich für dich.“
Georg rollte nur mit den Augen. „Ich wette mein Tag war bei Weitem interessanter als deiner.“
Sie saßen alle im Pausenraum. In einer Stunde würde ihre Schicht zu Ende sein und momentan gab es nichts zu tun. „Das was wir heute gemacht haben, kann ja nur spannender gewesen sein, als ein paar Anrufe zu beantworten.“
Tom schaute ihn finster an. „Wenigstens wurde ich nicht von ner 80-jährigen angegraben.“ Grinste er dann wieder und lehnte sich zurück.
„Ich wurde überhaupt nicht angegraben“, rief Georg sofort aus du versuchte sich zu verteidigen. Sophie, Gustav und Frank, der Schüchternste von ihnen, fingen an zu kichern. „Außerdem ist sie nicht 80“, sprach Georg beleidigt weiter. „Sie ist erst 73.“
Tom lachte laut auf. „Wie auch immer, du Aufreißer.“
Georg zeigte ihm den Mittelfinger, war aber nicht ernsthaft beleidigt von seinen Worten.
„Übrigens“, fing Tom dann wieder an zu reden. „Ich denke ich werde morgen Abend auch nochmal hierbleiben… Es gibt da was das ich machen will.
Sophie zog eine Augenbraue hoch. „Du willst dich echt freiwillig melden hier zu bleiben? Warum denn? Was hast du denn vor?“
Tom zuckte mit den Schultern. „Ist was Persönliches.“ In Wahrheit allerdings hatte er geplant sich in den vierten Stock hoch zu schleichen, um vielleicht einen kurzen Blick auf den Gefangenen 815 werfen zu können. Vielleicht konnte er sich ja sogar mit ihm unterhalten. Er brannte darauf die Geschichte des zierlichen Häftlings zu erfahren. Warum war er hier und was machte ihn so gefährlich? Andreas hatte ihm gesagt er solle sich von ihm fernhalten. Tom jedoch war in solchen Dingen schon immer wie ein rebellischer Teenager gewesen; wenn ihm etwas verboten wurde, wurde es umso interessanter für ihn es doch zu tun.
„Okay“, sagte Sophie und warf ihm einen komischen Blick zu. „Dann sollten wir uns wohl bei dir bedanken.“
Tom lächelte einfach nur. Ganz egal was die anderen morgen machen würden, seine Aufgabe für den nächsten Tag würde dieses Mal mit Sicherheit die interessantere sein.
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