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von Judesie    erstellt: 15.08.2010    letztes Update: 15.08.2010    Geschichte, Allgemein / P12 Slash    (fertiggestellt)
Angelehnt an die gleichnamige Folge "Memory Loss".
* * * * *

"Halt die Klappe, wir sind immer noch nicht schwul!"
Doch Jons Begeisterung hat anscheinend keine Grenzen - sein Wahnsinn übrigens auch nicht.
Das Schlimme an unserer Situation ist: ich kann mich an gar nichts erinnern.
Was auch daran liegt, dass wir diesen bescheuerten Test mitgemacht haben, nur für eine Hand voll Dollar. Zum ersten Mal zweifel ich an unserer Tätigkeit als Testhuren für Testico. Vielleicht soll ich mir einen vernünftigten Job suchen? Eine Frau? Diese heiraten und viele Kinder zeugen? Vielleicht würde ich dann aus dieser Hölle kommen...?
Und ich möchte mein Gedächtnis wieder erlangen!
Es hieß, wir müssen alles nachstellen, was wir vor unserer Schandtat gemacht haben - und das haben wir, sogar richtig deutlich.
Nuggets, so heißt dieser nette Nachbar von uns, hat uns sehr auf die Sprünge geholfen.
1. Jon und ich sind ein Paar, 2. wir haben den Beischlaf vor Freunden und Verwandten vollzogen, 3. wir sind verlobt.

Es macht mich irre, nicht zu wissen, ob das jetzt nun die Wahrheit ist oder nicht. Denn... mal im ernst, schwul fühle ich mich ganz und gar nicht.
"Natürlich sind wir das, Pete." Er greift meine Hand und drückt sie sanft. Okay, er ist sich anscheinend ganz sicher dabei.
Erst will ich meine Hand aus seiner ziehen, da ich mich unwohl fühle, dass er mich so anfasst. Aber er hat mich ja auch schon woanders angefasst.
Also ist diese Berührung sogesehen gar nicht schlimm.
"Woher willst du das wissen? Wir haben keinerlei Hinweise! Nur so ein dämliches Foto auf dem wir beide zusehen sind."
Ich seufze schwer auf und mir wird schwindelig. Mich macht dieser Zustand fertig. Selbst unsere Namen mussten wir erst mal erforschen!
Die anderen Dinge, das ich Jude bin und kein Biker - dafür anscheinend einen Fetisch für Männer in Lederbekleidung hege - mussten wir ebenfalls erst mal herausfinden. Es nervt einfach nur noch und mir ist wirklich zum heulen zumute.
"Das reicht doch, Peter."
Er zieht mich zu sich hin auf die Couch und platziert mich direkt auf seinen Schoß. Mein Kopf wird rot, ich will hier weg.
Unsere Wohnung sieht schrecklich aus. Jon konnte sich sofort mit den Gedanken, das wir beide ein Paar sind, anfreunden.
Alleine diese Bude war ja ein deutlicher Hinweis in seinen Augen.
Zwei Jungesellen um die 30, keine Kinder, nicht verheiratet und keinelei Indizien für eine Frau. Nichts, nada, niente.
Ich nicke ergeben und versuche ein schiefes Lächeln. Wohl ist mir immer noch nicht.
"Jetzt komm'." Seine warmen Hände legen sich um meinen Bauch, der warme Atem streift meinen Nacken und er streicht liebevoll durch meine lockigen Haare.
Den Sex den wir hatten - welcher auch sehr, sehr dilletantisch war - konnte mich nicht überzeugen. Aber so langsam fing ich damit an es zu akzeptieren.
Auch wenn für Jon keinerlei Gefühle da waren. Ich meine, eigentlich müsste doch das Herz klopfen, oder? Und man müsste sich verliebt ansehen... total auf Wolke sieben schweben? Nichts von alledem herrschte in mir. Vielleicht kommt dies ja noch.
"Jon...? Wie fühlst du dich dabei?"
"Wobei?" Dieser elende Bastard, er wagt es auch noch so zu fragen...
"Hierbei. Du betatscht mich!"
Er lacht auf und seine helle Stimme hallt in meinen Ohren, sie vibriert an meinem Trommelfell. Ich mag seine Stimme, das steht fest.
"Ich fühle mich gut. Wir sind ein Paar, da muss es sich gut anfühlen." Ach wirklich!? Ich spanne meinen Körper an, denkt er überhaupt mal nach?
Wir tuen so als wären wir etwas, was wir vielleicht gar nicht sind...
Eigentlich könnte ich jetzt getrost aufstehen, meine Jacke nehmen und mich auf die Suche nach meinem vorherigen Leben machen.
Vielleicht sollte ich bei Testico mal aufkreuzen und denen gehörig die Meinung sagen?
Wunderbar, diese Sache mit dem "ihr müsst nur das nachahmen, was ihr vorher getan habt". Wie soll das bitteschön gehen, wenn man keinerlei Erinnerungen mehr hat? Und die Menschen in deiner Umgebung dir nicht helfen? Oder wenn sie es mal tun, muss man sich auch noch die Frage stellen, ob das wahr ist oder nicht?
Es macht einen fertig. Und ich bin es - seit genau einer Woche schon.
Ohne es wirklich zu wollen, kullern ersten Tränen über meine Wange. Ich komme mir so dämlich vor, indem ich meine Lippen fest aufeinander presse halte ich mich wenigstens beim Schluchzen zurück. Hastig wische ich die Tränen mit dem Ärmel meines Pullovers weg.
"Und wie ist es bei dir?"
Er hat meinen kleinen emotionalen Aussetzer nicht mitbekommen, perfekt.
"Es ist komisch, ungewohnt und es fühlt sich nicht richtig an.", presse ich hervor und stehe ruckartig auf.
Dämlicher Jon, dämliches Testico...!
Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.
Genervt von der Situation verziehe ich mich in unser Schlafzimmer und werfe mich auf das Bett, mein Gesicht ins Kissen gepresst. Heiße Tränen der blanken Wut, die sich mittlerweile auf Gott und die Welt bezieht, landen in dem weichen Kissen.
Draußen regnet es, einzelne Tropfen scheppern gegen die Scheibe und es ist richtig windig. Der Wind bläst um die Häuserecken und es hört sich echt beängstigend an. Also wird es mit dem rausgehen auch nichts.
Die Zimmertür geht auf, da ich sie vorher lautstark zugeschlagen habe und Jon kommt in den Raum hinein. Die Matratze unter mir gibt ein wenig nach und ich merke wie ich mit meinen Beinen etwas heruntergehe. Es knartscht, ein warmer Leib lässt sich neben mich fallen. Dennoch werde ich garantiert nicht von dem Kissen aufsehen, denn meinen Plan, mich zu ersticken, ist noch nicht vollendet. Und eigentlich will ich mich dabei auch nicht stören lassen.
"Was willst du!?" Ich versuche so zickig wie möglich zu klingen, was durch den Gegenstand an meinem Mund nicht gerade gelingt. Mich lässt seine Hand auf meinem Schulterblatt scharf einatmen, sofern dies überhaupt geht. "Dich vor deinem Suizid retten." Er klingt ungewohnt ernst und durchaus besorgt. Bis jetzt habe ich ihn nur vollkommen affektiert reden hören mit seiner hellen, fast kreischenden Stimme. Außerdem scheint diese Situation nicht sonderlich bizarr zu wirken oder gar kindlich-pubertär, wie die Szenarien vorher. Nein, sie wirkte erwachsen und tiefgründiger.
Von dieser Sache überrumpelt hebe ich meinen Kopf aus dem Kissen und blicke Jon direkt in seine blauen, strahlenden Augen. Das ich geweint habe, muss er mir einfach ansehen können. Meine erste Reaktion war ein hastiges Schnappen nach frischer Luft, ich bekam außerdem gleich den Duft von seinem billigen, aber sehr gut riechenden Parfüm in die Nase. Zum ersten Mal nehme ich diesen Menschen neben mir wirklich wahr, nicht nur als lästigen Mitbewohner, sondern als ernsthafte Persönlichkeit. Und mir sind bislang noch nicht mal seine wunderschönen Grüb...was zum Teufel denke ich da?
Er scheint meine Gedankengänge verfolgen zu können, denn er seufzt schwer auf und rollt sich auf den Rücken.
"Lass die Hand bitte dort." Seine warme Hand war weg, Kälte flog sofort über die Stelle. Ich mag Kälte nicht.
Jon lächelt versonnen, er hat schöne Lippen, und legt sie wieder auf mein Schulterblatt nieder. Die Welt könnte jetzt untergehen, jedenfalls ist sie nah dran dieser Aufforderung nachzugehen, und es würde mich nicht stören.
Wir schweigen in uns hinein. Ich fühle mich seltsam erwachsen. Anscheinend bin ich mehr als nur ein jüdischer Freak der auf den Pharma-Strich geht und versuchen muss, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, was aber nicht gelingt.
"Ronald?" Er hat seine Lider aufeinander gelegt und atmet ruhig, ich meine jede Hebung und Senkung des Brustkorbes fühlen zu können, auch wenn wir nicht direkt nebeneinander liegen. Und zum ersten Mal sage ich auch seinen vollständigen Namen, komisch.
Ich stütze mich auf, lehne mich genau mit dem Gesicht über seins, wenn auch sehr umständlich. Mein Atem muss ihn die Augen öffnen lassen, da ich ganz zaghaft gegen seine Lider puste. Nach einigen Augenblicken macht er es auch schließlich und sieht mich mit verklärtem Blick an. Nicht lange zögernd presse ich meine Lippen auf die seinen. Es dauert nur ganz kurz.
"Ich glaube, ich kann mich mittlerweile damit abfinden.", sage ich letztendlich, lasse mich auf seinen Brustkorb sacken.

Auch wenn ich bis heute nicht weiß, ob ich wirklich homosexuell bin - scheiß' drauf! Ich bin glücklich mit ihm.
Und meinem vorherigen Leben trauer' ich nicht nach. Denn vieles ist so geblieben wie es anscheinend vorher auch war.
Wir sind immer noch dieselben Pharma-Huren. Nur, dass wir schwule Pharma-Huren sind.
 
 
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