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von Severus-Snape    erstellt: 08.08.2010    letztes Update: 28.12.2011    Geschichte, Romanze / P18 Slash    (in Arbeit)
Die Wunden des Krieges

So, liebe Leser, hier ist nun eine neue Story, die mir schon lange im Kopf rumgespukt hat.Wie immer betone ich, dass Die Figuren dieser Story JK Rowling gehören und ich mit dieser Story kein Geld verdiene. Ich wünsche euch wie immer viel spass beim Lesen und freue mich über eure Reviews!

Harry stand wie betäubt in Dumbledores Büro und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Gerade eben hatte er in dem Denkarium seines toten Mentors die Erinnerungen gesehen, die ihm Severus Snape in der heulenden Hütte überlassen hatte.

Jetzt wo er die Wahrheit kannte, sah er vieles mit anderen Augen. Er wusste nun, dass Snape nie ein Verräter gewesen war und ihm bis zuletzt beigestanden hatte.

Flehend sah er zu dem Bild von Albus Dumbledore, aber sein Rahmen war leer, er war ganz alleine.

Er schluckte und versuchte nun nicht mehr seine Tränen zurückzuhalten. Er schämte sich entsetzlich dafür, wie er über Snape gedacht hatte und wie er ihn behandelt hatte.

Immer noch hatte er das Bild vor sich, das sich ihm geboten hatte, Snape blutüberströmt und röchelnd auf dem Boden liegend.

Plötzlich kam Harry ein Gedanke. Was wenn Snape noch lebte?

Er hatte sich nicht versichert, dass er wirklich tot war.

Harry durchfuhr ein eisiger Schreck, er durfte ihn nicht im Stich lassen, Snape hatte das auch nie getan!

Wie der Blitz drehte er sich herum und rannte nach unten und aus dem Schloss hinaus.

Er hörte nicht, wie alle ihm zujubelten und er merkte nicht,dass viele versuchten ihn auf zu halten, er wollte nur noch zu seinem Lehrer und ihm helfen.

Harry begriff jetzt, dass Snape immer seine schützende Hand über ihn gehalten hatte und seine Gefühle für ihn waren nun ganz andere als noch vor ein paar Stunden.

Snape hatte seine Mutter geliebt und seinen Vater gehasst, er konnte nun verstehen, warum das so gewesen war.

Er sah seinen Vater jetzt nicht mehr nur als Held. Das, was er und Sirius Snape angetan hatten, war für ihn unverzeihlich.

Harry rannte so schnell er konnte wieder zurück in die heulende Hütte, wo er Snape zurückgelassen hatte. Stolpernd hastete er die Stufen hinauf und stürzte zu der am Boden liegenden Gestalt seines Lehrers.

Harry sah schockiert auf die Blutlache, die immer noch zu wachsen schien. Verzweifelt versuchte er die Blutung zu stillen, während er Snape verzweifelt ansprach.

Es vergingen mehrere Minuten bis Harry begriff, dass seine Mühen vergeblich waren, Severus Snape war tot und Harry würde ihm nie mehr sagen können, wie leid ihm alles tat und wie viel Unrecht er ihm getan hatte.

Tiefer Kummer ergriff von ihm Besitz und er klammerte sich verzweifelt an den toten Körper. Liebevoll strich er ihm die schwarzen Haare glatt, die wirr in seinem Gesicht lagen, während er immer noch auf ihn einsprach.

Unter Tränen flehte er ihn immer wieder an, seine Augen zu öffnen und ihn anzusehen, er wollte einfach nicht wahr haben, dass es zu spät war.

Immer mehr wurde ihm bewusst, was er verloren hatte und sein Körper wurde von Weinkrämpfen geschüttelt.

Er hatte gerade den letzten erwachsenen Menschen verloren, der ihn je beschützt hatte und er bereute, dass er nie versucht hatte mit Snape zu reden, jetzt war es zu spät dafür.

Nie hatte er versucht, die Missverständnisse die zwischen ihnen gestanden hatten zu klären.

Harry fühlte sich so entsetzlich wie noch nie in seinem Leben.

Der Preis für seinen Sieg über Voldemort war zu hoch gewesen. Der Verlust seines Lehrers zerriss ihn innerlich.

Nie hätte er es für möglich gehalten, dass er noch mehr Trauer empfinden konnte als bei dem Tod von Sirius.

Harry hatte keine Ahnung wie lange er neben Snape gekniet und seinen Kopf gehalten hatte, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. Mit tränenüberströmtem Gesicht drehte Harry sich um und blickte in das Gesicht einer besorgten und verwirrten Minerva Mc Gonnagall.

Die Direktorin konnte kaum glauben, was sie sah.

Harry kniete neben Severus Snape, der tot auf dem Boden lag, und weinte bitterlich um ihn.

„Kommen Sie Potter, Sie können nichts mehr für ihn tun“ versuchte sie ihn behutsam zum Mitkommen zu bewegen, aber Harry schüttelte nur trotzig den Kopf.

„Nein, ich lasse ihn nicht hier, wir werden ihn mitnehmen nach Hogwarts, wo er hingehört „beharrte er.

Minerva Mc Gonnagall sah ihn ungläubig an.“Er ist ein Verräter und Mörder“ sagte sie.

Harry schüttelte energisch den Kopf“ Nein, das ist er nicht, ich kenne die Wahrheit“ erwiderte er.

„Nun gut Potter, wie Sie wollen“ gab sie nach und zauberte eine Bahre herbei. Sie wollte Harry nicht noch mehr aufregen, er hatte genug hinter sich und für gewöhnlich hatte er gute Gründe, wenn er etwas tat.

Harry ließ ihn vorsichtig schweben und legte ihn behutsam auf der Bahre ab.

Mit einem Schlenker der Direktorin setzte sich die Bahre langsam in Bewegung. Harry ließ kein Auge von ihr und ließ Snapes Hand nicht los.

Schweigend kehrten sie ins Schloss zurück. Als Harry mit der Direktorin das Schloss betrat, erklang lauter Jubel und die Anwesenden klatschten Beifall.

Alles verstummte schlagartig als sie sahen wer auf der Trage lag, die neben Harry schwebte und ungläubiges Getuschel machte sich breit.

Harry sagte kein Wort und ging neben der Bahre her in den Korridor, der zum Lehrerzimmer führte.

Er sah nur schemenhaft die anderen Toten, die hier aufgebahrt waren, kein Todesser war darunter, die hatte man draußen am Waldrand abgelegt.

Sie hatten das Ende der Reihe erreicht und die Direktorin beendete den Zauber und ließ die Bahre behutsam auf dem Boden nieder.

„Ich bleibe hier bei ihm“ sagte Harry leise und ließ sich neben Snape nieder. Seufzend akzeptierte sie seinen Wunsch, sie spürte, dass die jetzt nicht an ihn herankam.

Harry rief einen  Hauselfen und bat um Wasser, Kerzen und Decken. Der Hauself gehorchte und brachte Harry die gewünschten Sachen. Zitternd begann Harry Snape von seinem Blut zu befreien.

Ganz behutsam wusch er ihn, bis er wieder ansehnlicher war. Er hätte es auch anders tun können, aber das wollte er nicht. Das war das Mindeste, was er für ihn noch tun konnte und musste. Seine Kleidung reinigte er mit einem Zauber und ordnete sie gewissenhaft.

Seinen aufgerissenen Hals bedeckte er mit einem Tuch, das er ihm vorsichtig um den Nacken legte. Zufrieden besah er sich seine Arbeit und faltete Snape die Hände, bevor er ihn sorgsam zudeckte und die Kerzen anzündete.

Erst jetzt sah Harry sich genauer um und bemerkte die vielen anderen Toten. Er erschrak, als er die Familie Weasely in einer Ecke versammelt entdeckte. Er hatte nicht daran gedacht, dass auch sie einen Verlust zu beklagen hatten.

Mit weichen Knien stand Harry auf, um zu ihnen zu gehen, auch er wollte sich von Fred verabschieden und die ganze Familie war immer gut zu ihm gewesen.

Harry brachte kein Wort hervor, aber die Blicke der Familienmitglieder sagten ihm, dass sie verstanden.

Nach wenigen Minuten ging Harry wieder zurück, er wollte Snape nicht zu lange alleine lassen.

Geschockt bemerkte er erst jetzt den toten Lupin und seine Frau Thonks, auch der kleine Colin Crevee hatte im Kampf den Tod gefunden, offenbar hatte er sich heimlich in das Schloss zurück geschlichen. Harry spürte erneut einen dicken Klos im Hals, nun war er wirklich ganz alleine!

Harry nahm wieder seinen Platz ein, als erneut Minerva Mc Gonnagall erschien und versuchte ihn dazu zu bewegen wenigstens etwas zu essen. Harry schüttelte den Kopf, er würde Snape nicht alleine lassen, er wollte bis zu seinem Begräbnis bei ihm bleiben und die Totenwache halten.

„Potter, wie stellen Sie sich das vor?“ fragte sie Direktorin.“Was ist geschehen?“

Stockend erzählte Harry ihr was in der heulenden Hütte geschehen war.“Er ist kein Verräter und kein Mörder, er hat ein würdiges Begräbnis hier in Hogwarts verdient, genauso wie Dumbledore“

Die Direktorin sah ihn sprachlos an. Harry brach nun wieder völlig zusammen und schlug hemmungslos weinend die Hände vor sein Gesicht.

„Warum nur musste er sterben, ich muss ihm doch noch so viel sagen!“ „Ich weiß nicht, ob das möglich sein wird Potter…“ begann sie zweifelnd und erschüttert wegen Harrys Zustand.

Harry fuhr wütend dazwischen. „Ich lasse nicht zu, dass er mit den anderen Todessern irgendwo verscharrt wird!“ brüllte Harry.

Mc Gonnagall schüttelte hilflos den Kopf, sie begriff nicht, was mit Harry geschehen war. Ratlos ging sie wieder zurück zu den anderen und beschloss mit Kingsley zu reden.

Kingsley war der neue Zaubereiminister, es oblag ihm zu entscheiden, was mit Snapes Leichnam geschehen sollte. Harry harrte die ganze Nacht bei ihm aus, selbst Hermine und Ron konnten ihn nicht davon abbringen.

Harry spürte, wie die Kälte immer mehr in Snapes toten Körper kroch, es hatte so etwas Endgültiges an sich.

Früh am nächsten Morgen erschien Kingsley in Begleitung von Madame Pomfrey, neben ihm schwebte ein Sarg.

Harry schlucke schwer, gleich würde er für immer Abschied von Snape nehmen müssen, dann würde er ihn nie wieder sehen. Er wusste, dass er hier nicht länger liegen bleiben konnte.

Kingsley schockierte Harrys Anblick sehr, aber er versuchte sich nicht anmerken zu lassen. Minerva hatte ihm voller Sorge von Harrys Verhalten berichtet.

„Wie geht es dir Harry?“ fragte er mit seiner tiefen Stimme. Harry antwortete nicht, sondern sah ihn nur an und dann wieder zu Snape, so als würde das alles erklären.

„Willst du mir nicht erzählen was passiert ist? Fragte er ruhig.

Harry nickte schwer und beschloss offen zu ihm zu sein. Kingsley war immer fair zu ihm und allen anderen gewesen, Harry hoffte, dass er ihn verstehen würde.

Kingsley nickte Madame  Pomfrey zu und bat sie einen Moment draußen zu warten.

Fast flüsternd begann Harry ihm alles zu erzählen. Bevor er ihm von der Erinnerung erzählte die Snape ihm gegeben hatte, musste Kingsley ihm schwören, niemand anderem je davon zu erzählen.

Kingsley nickte und Harry erzählte ihm nun auch den Rest der Geschichte.

Während der Erzählung kam seine Verzweiflung wieder hoch und er brach erneut in Tränen aus. Kingsley sah ihn mitfühlend und verständnisvoll an.

Er dachte eine ganze Weile nach, bevor er zu sprechen begann. Harry reagierte geschockt und empört, als Kingsley seine Bitte Snape hier in Hogwarts bestatten zu lassen ablehnte.

„Er hat mich und Hogwarts mit seinem Leben beschützt“ schrie er wütend“ Das lasse ich nicht zu!“

Es folgte ein heftiges Wortgefecht mit dem neuen Oberhaupt der Zaubererschaft. Schließlich blieb Kingsley nichts anderes übrig als Harry nach zu geben. Trotz allem konnte er Harrys Schuldgefühle gegenüber Snape nicht so recht nachvollziehen.

Harry zitterte immer noch vor Erregung, als nun Madame Pomfrey zurückkehrte und Snape ein letztes Mal begutachtete. Harry ließ Snape schweben und legte ihn behutsam in den Sarg.

Er hatte die ganze Nacht mit sich gerungen, so gerne hätte er ein persönliches Andenken von Snape gehabt, aber nun aber legte er ihm seinen Zauberstab und ein Bild seiner Mutter unter die gefalteten Hände und ordnete nochmals seine Kleider.

Kingsley ließ ihn still gewähren und beobachtete mit einer Mischung aus Rührung und Unglauben sein Tun.

Ein letztes Mal strich er ihm über sein Gesicht, so als wolle er sich jede Einzelheit einprägen, dann schloss er den Sarg und Kingsley versiegelte ihn. Minerva Mc Gonnagall war leise hinzugetreten und Kingsley setzte sie in Kenntnis darüber, was er beschlossen hatte.

„Aber das kannst du doch…..“ begann die Direktorin, aber Harrys eisiger Blick brachte sie zum Schweigen.

Harry machte es rasend, dass niemand anerkannte, was Snape für Hogwarts getan hatte. Zornig verteidigte er erneut seinen Standpunkt. Er merkte, dass die Direktorin keineswegs überzeugt war, aber sie musste Kingsleys Entscheidung respektieren.

Kingsley nickte Harry noch einmal zu und ließ ihn dann alleine. Ich muss noch ein paar Gefangene nach Askaban bringen“ sagte er.  Harry verharrte noch einen Moment, dann drehte er sich um, um hinaus zu gehen, er hatte eine genaue Vorstellung davon, wo er Snape begraben wollte.

Als er hoch sah, stockte ihm einen Moment der Atem, als er Draco Malfoy entdeckte, der zögernd auf ihn zu kam. Erneut stieg Zorn in ihm hoch. „Was willst du, Malfoy“ fragte er böse.

Draco zuckte sichtbar zurück und blieb stehen. Sein Blick ging zu dem Sarg.

Harry kam drohend auf ihn zu und zückte seinen Zauberstab.“Verschwinde Malfoy, sonst kannst du was erleben“ drohte er. Draco schluckte und sah Harry zum ersten Mal in seinem Leben eingeschüchtert an. Harrys Ton verriet ihm, dass er es ernst meinte und ihm blieb nichts anderes übrig als zu tun, was Harry verlangte.

Traurig senkte er den Kopf und ging wieder zurück zu Kingsley, der auf ihn wartete. Harry folgte ihnen nach einer kleinen Weile. Er konnte gerade noch sehen wie Kingsley mit mehreren Gefangenen, unter anderem Lucius Malfoy, der in Ketten gelegt war und Draco das Schlossgelände verließ. Harry dachte nicht weiter darüber nach, er hatte noch einiges zu tun.

Zum ersten Mal wurde ihm bewusst, dass er schon längere Zeit nicht mehr geschlafen hatte, aber er verdrängte den Gedanken und holte sich einen Spaten. Wie bei Dobby wollte er die Grube eigenhändig ausheben. Viele Schüler beobachteten Harry kopfschüttelnd, aber niemand wagte etwas zu sagen.

Ron und Hermine versuchten erneut mit Harry zu sprechen, was in einem heftigen Streit endete. Harry war tief enttäuscht, dass noch nicht einmal seine besten Freunde ihn verstanden.

Es war bereits Abend, als Harry endlich fertig war. Müde ging er zum Schloss zurück,

Snape sollte noch heute bestattet werden. Er erwartete nicht, dass jemand außer ihm Snape die letzte Ehre geben würde.

Kingsley erwartete ihn und auch Minerva Mc Gonnagall war erschienen.

Harry strich behutsam mit der Hand über den lackschwarzen Sargdeckel und die kleine Gruppe setzte sich langsam in Bewegung.

Harry entdeckte, dass auch Professor Slughorn gekommen war, um sich anzuschließen. In einem kleinen Abstand folgten alle Harry zu der Stelle, die er für die letzte Ruhestätte ausgesucht hatte.

Harrys Knie waren so weich, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, er war mit seiner körperlichen und mentalen Kraft am Ende, trotzdem wollte er Snape nicht ohne ein paar Worte gesprochen zu haben bestatten.

Leise dankte er ihm für seine Hilfe und dafür, dass er Hogwarts immer beschützt hatte. Minerva Mc Gonnagalls Miene wurde säuerlich, aber sie sagte nichts.

Nachdem Harry geendet hatte, wollte er damit beginnen die Erde wieder in die Grube zu schaufeln, aber Kingsley legte behutsam seine Hand auf seine Schulter.

„Das reicht jetzt Harry, das übernehme ich jetzt!“ sagte er bestimmt.

Harry nickte nur, weil er wirklich mit seinen Kräften am Ende war. Kingsley hob den Zauberstab und sprach leise ein paar Worte. Die Erde füllte sich wieder in die Grube und ein ordentlicher kleiner Hügel blieb zurück.

„Du musst dich ausruhen Harry, bitte!“ sagte Kingsley, Harry nickte stumm und machte sich auf den Rückweg zum Schloss, die anderen folgten ihm schweigend.

Im Schloss angekommen schlug Harry keineswegs den Weg in den Gryffindor Turm ein, sondern er ging in Richtung Kerker, da wo Snapes Zuhause gewesen war.

Minerva Mc Gonnagall wollte protestieren, aber Kingsley hob dir Hand. „Lass ihn Minerva, er muss darüber erst noch hinwegkommen.

Harry schleppte sich mühsam hinunter in die Kerker, er wusste, dass Snape seine Räume versiegelt hatte, aber nun nach seinem Tod würden sie für jeden offenstehen. Harry wollte das mit allen Mitteln verhindern, er wollte seine Sachen in Ehren halten.

Wie erwartet brauchte Harry keinen Zauber um die Tür zu öffnen, die zu Snapes Büro und zu seinen Privaträumen führten.

Harry sah sich kurz in dem Büro um, alles sah so aus, als würde sein Lehrer gleich wieder kommen. Vor der Tür zu Snapes Privaträumen verharrte er einen Moment, er hatte diese Räume noch nie betreten und wusste nicht, was ihn erwarten würde.

Zögernd drückte er die Klinke nach unten und trat ein.

Zu seiner Überraschung empfing ihn ein zwar spärlich, aber gemütlich eingerichteter Wohnraum, aber er war zu erschöpft, um Einzelheiten zu bemerken. Müde schleppte er sich zur nächsten Tür, wo er das Schlafzimmer vermutete. Seine Ahnung trog ihn nicht.

Als er die Tür geöffnet hatte, schnappte er überrascht nach Luft, ein großes bequemes Bett mit weichen Kissen luden zum schlafen ein.

Harry warf noch einen kurzen Blick in das angrenzende Bad, das keine Wünsche offen ließ, dann entkleidete er sich und ließ sich in das einladende Bett fallen.

Sein Kopf hatte kaum das Kissen berührt, da fiel er schon in einen tiefen festen Schlaf.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er geschlafen hatte, als er blinzelnd die Augen öffnete. Zunächst wusste er nicht, wo er war und was geschehen war, bis ihm bewusst wurde, wo er war. Seine Hände krallen sich verzweifelt in die weichen Kissen und er schloss die Augen, als ihn die Erinnerung an die vergangenen Tage bewusst wurde.

Erneut bahnten sich Tränen den Weg aus seinen Augen und Harry wusste zunächst selber nicht einmal genau warum, bis er etwas bewusst registrierte.

Sein Gesicht hatte er tief in die Kissen vergraben und bemerkte, dass alles noch nach seinem verstorbenen Mentor roch. Der Geruch war keineswegs unangenehm. Harry war Snape nie so nahe gekommen, um zu wissen, wie er gerochen hatte. Das, was er jetzt wahrnahm, war so intensiv, als hätte Snape eben noch hier gelegen.

Harry wünschte sich in diesem Moment nichts mehr, als diesen Geruch konservieren zu können. Harry hatte noch keinen Drang aufzustehen, er kuschelte sich tiefer in das Bett hinein und ließ alles auf sich wirken.

Langsam glitten seine Augen durch den Raum und nahmen nun Einzelheiten wahr. Harry fiel auf, dass nichts herum lag, alles war ordentlich und sauber. Schließlich siegte doch die Neugier und Harry stand auf, um ins Bad zu gehen.

Er fand eine riesige Eckbadewanne vor, ebenso wie eine geräumige Dusche und ein großes Waschbecken.

Als er das Bad betreten hatte, hatten sich automatisch viele Kerzen selbst entzündet, die überall herumstanden und das Band nun in ein warmes Licht tauchten. Harry war mehr als angenehm überrascht, soviel Stil hätte er Snape nicht zugetraut.

Harry ging zurück in das Wohnzimmer und sah sich auch hier genauer um. An einer Wand standen Dutzende von Büchern.

Harry entdeckte Bücher, die er noch nie gesehen hatte. Bücher über Zaubertränke und Kräuter, sogar Bücher über dunkle Magie entdeckte er und fragte sich, ob Dumbledore wohl davon gewusst hatte. Ihm wurde bewusst, dass hier ein wahrer Schatz an Wissen lagerte.

Harry sah zu dem Kamin und entdeckte darüber ein riesiges Bild, dessen Rahmen aber leer war. Er hoffte sehr, dass es ein Porträt von Snape war, und dass er bald kommen würde, damit er mit ihm sprechen konnte.

Zuletzt blieb sein Blick an einem bequemen Schaukelstuhl und einem kleinen Tischchen haften, die unweit neben dem Kamin standen.

Harry ging weiter zu der nächsten Tür, wo er einen Moment zögerte.

Er scheute sich ein wenig davor Snapes Büro zu betreten, das tat am meisten weh. Schließlich gab er sich jedoch einen Ruck und betrat den Raum, in dem er so oft hatte nachsitzen müssen.

Damals hatte er diesen Raum und alles darin gehasst, aber jetzt bedauerte er, dass er nie mehr bei Snape nachsitzen würde.

Beinah ehrfürchtig trat er zu dem Stuhl und strich behutsam über die Lehne.

Als er auf den Schreibtisch sah, stutzte er plötzlich, da lag ein Buch, das ihm bekannt vorkam. Harry traute seinen Augen nicht, dort lag Snapes Schulbuch, das er verloren geglaubt hatte.

Er fragte sich, wie es hier hergekommen war. Er hatte geglaubt, dass es ein Raub der Flammen geworden war, aber Snape musste es sich irgendwie zurückgeholt haben.

Harry klappte es auf, kein Zweifel, es war das gleiche Buch, welches ihm im Unterricht so oft geholfen hatte.

Liebevoll drückte er das Buch an seine Brust, dass er es wieder hatte, war wie ein Wunder und ein unerwartetes Geschenk. Harry legte es wieder an seinen Platz zurück und ging unter die Dusche. Als er fertig war, fühlte er sich etwas besser und überlegte nach oben zu gehen, um etwas zu essen.

Er sah auf seine Uhr, wenn er Glück hatte, bekam er noch etwas vom Mittagessen ab. Sicher hatten andere genauso wie er lange geschlafen und kamen erst jetzt zum Essen.

Als er Snapes Räume verließ, versiegelte er sie sorgfältig, niemand sollte ohne sein Wissen diese Räume betreten dürfen, er hatte schon gestern beschlossen dort wohnen zu bleiben, es zog ihn nicht in den Gryffindor Turm zurück. Die Ruhe, die in den Kerkern herrschte, kam ihm nun gerade recht, er musste über so vieles nachdenken.

Als Harry die große Halle betrat, verstummten alle Gespräche und alle Köpfe fuhren zu ihm herum. Harry war diese Reaktion nicht fremd, deshalb kümmerte er sich nicht darum.

Er entdeckte seine Freunde, die gemeinsam mit der Familie Weasley und anderen Phönixkämpfern am Gryffindortisch saßen und setzte sich zu ihnen.

Mrs. Weasley fragte sofort voller Sorge, wie es ihm ginge. Harry antwortete sehr einsilbig und alle sahen sich wiederum besorgt an. Niemand kam mit der plötzlichen Trauer Harrys um Snape zurecht.

Als Harry gegessen hatte, erhob er sich nach einem kurzen Gruß und ging nach draußen, er wollte nach Snapes Grabstätte sehen und sie herrichten. Harry ging umher und suchte nach Steinen, mit denen er das Grab umranden konnte. Als er fertig war, besah er sich zufrieden sein Werk.

Er hob seinen Zauberstab und zauberte einen Grabstein herbei und ließ ihn an die richtige Stelle schweben.

Harry hatte schon die ganze Zeit verzweifelt überlegt, was er auf den Stein schreiben sollte, um Snape gerecht zu werden, dann fiel ihm etwas ein.

„Hier liegt ein Held des Krieges“

„Mut und Tapferkeit eines Gryffindors waren mit der List und Treue eines Slytherins in dir vereint“

„Hogwarts und ich verdanken dir alles“

„Ich werde dich nie vergessen“

Harry



Mit goldener Schrift ließ er seinen Namen und den Todestag und den Text darunter erscheinen.

Die Wahl der Blumen war Harry nicht schwergefallen. Mit einem Schwenk erschienen jede Menge Lilien in verschiedenen Farben. Er drehte sich um, als er Schritte hinter sich vernahm. Hermine kam langsam auf ihn zu und besah sich, was Harry vollbracht hatte.

„Das ist sehr schön Harry…aber“ begann sie vorsichtig. „Was aber?“ fragte Harry aufgebracht. Hermine zuckte ein klein wenig zurück. „Harry was ist bloß los mit dir?“ fragte sie.

„Er ist tot und das sollte er nicht sein, er am allerwenigsten, das ist los „brüllte er.

„Harry, er hat uns alle verraten.“ begann Hermine wieder.“Das hat er nicht, ich kenne die Wahrheit!“

Zornig erklärte er Hermine, was er in Snapes Erinnerungen gesehen hatte. Sie schüttelte ungläubig den Kopf.“Wenn das stimmt, dann hat er es verdient hier begraben zu werden, aber dich trifft keine Schuld an seinem Tod“ versuchte Hermine zu erklären.

Harry schüttelte verzweifelt den Kopf“ Darum geht es nicht Hermine, ich kann ihm nie dafür danken und mich bei ihm entschuldigen, ich kann nie mehr etwas für ihn tun!“ sagte er mit bebender Stimme.

Hermine sah ihn sprachlos an. Harry sah immer noch Unverständnis in ihrem Gesicht, er hatte gehofft, dass wenigstens sie ihn verstehen würde. Wütend stapfte er zurück zum Schloss. Als er am Portal ankam, bemerkte er Kingsley der offensichtlich auf ihn wartete.

„Wie geht es dir Harry?“ fragte er. Statt einer Antwort fragte Harry „Wieso versteht mich niemand? Kingsley sah ihn besänftigend an.

„Komm Harry, wir gehen ein Stück“ sagte er und legte Harry den Arm um die Schultern. Ergeben folgte ihm Harry auf die weitläufigen Ländereien von Hogwarts.

„Harry, wir alle brauchen Zeit das alles zu verarbeiten, du am allermeisten. Es wird lange dauern bis die Spuren von dem was passiert ist beseitigt sind“ sagte er und wies zu einem auf Hagrids Hütte und dann auf das Schloss.

Harry nickte verstehend und leicht beschämt.

In seiner Trauer um Snape hatte er die furchtbaren Zerstörungen um ihn herum überhaupt nicht wahrgenommen.

„Wir hoffen, dass wir die Schule in einem Monat wieder öffnen können. Wir werden den Schülern, die durch den Krieg verhindert waren, oder aus Angst von ihren Eltern nicht geschickt wurden ermöglichen das Schuljahr zu wiederholen.“ Harry sah ihn an.

„Das gilt insbesondere für euch Harry, ihr solltet euren Abschluss machen“

Harry schluckte“ ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch kann“ sagte er leise.

„Als ich die Schule verließ, um zu tun, was ich tun musste, hatte ich die Absicht nie mehr wieder zu kommen“ Kingsley nickte.

„Harry denke noch einmal darüber nach, ich bin mir sicher, weder Professor Dumbledore und schon gar nicht Severus würden wollen, dass du ohne Abschluss die Schule verlässt, nachdem was du mir erzählt hast“

Harry senkte die Augen, er wusste nicht, ob er die Schule ohne Snape ertragen würde, alles hier erinnerte an ihn.“Ich denke darüber nach“ versprach Harry. Kingsley nickte erfreut.

„Da ist noch etwas Harry, ich wollte dich bitten in den nächsten Tagen bei mir eine umfassende Aussage zu machen.“ Harry sah ihn fragend an.“Ich muss wissen, was unter anderem passiert ist, als du in Gefangenschaft warst und während des Kampfes gegen die Todesser.“

Er zögerte einen Moment“ Es geht dabei hauptsächlich um die Rolle von Draco Malfoy“

Harrys Gesichtszüge verhärteten sich“ Was ist mit Malfoy?“ fragte er. „Es geht darum wie wir ihn bestrafen sollen“ erwiderte Kingsley bedächtig.“Du kennst ihn schon sehr lange, deshalb frage ich dich.“

„Er war noch minderjährig, als er das dunkle Mal bekam und ich wüsste gerne ein wenig mehr über ihn, bevor ich ein Urteil über ihn fällen lasse.“ Harry nickte langsam. „Ich werde kommen!“ versprach er.

Kingsley nickte und wollte gehen, aber Harry hielt ihn zurück. „Er bekommt ein Bild im Schulleiterbüro, nicht wahr? fragte Harry. Kingsley senkte ein wenig verlegen den Kopf.

„Harry das liegt nicht in meiner Hand, das muss der Schulrat entscheiden, aber ich werde sehen, was ich für dich tun kann.“

Harry wollte wieder aufbrausen, aber Kingsley hob die Hand. „Ich kenne deinen Standpunkt Harry, bitte gib mir ein wenig Zeit“ Harry nickte, mehr konnte er nicht erwarten.

Er beschloss mit Minerva Mc Gonnagall zu sprechen, er musste die Direktorin unbedingt überzeugen. Harry beschloss das Ganze auf den nächsten Tag zu verschieben, er war immer noch recht müde.

Er ging in die große Halle, um noch etwas zu essen, er war froh, dass so gut wie niemand hier war. Als er fertig gegessen hatte, sah er seine Direktorin auf sich zu kommen.

„Potter, weshalb waren Sie gestern Nacht nicht im Gryffindorturm?“ fragte sie.

Harry hatte sich seine Antwort bereits zurechtgelegt.“Es ist noch keine Schule und ich würde lieber in Professor Snapes Räumen bleiben, ich fühle mich dort sehr wohl!“ entgegnete er leise.

„Potter wollen Sie sich nicht einmal aussprechen?“ fragte sie. Harry sah sie nicht unfreundlich an, er wusste, dass er auch ihr viel zu verdanken hatte und er hatte großen Respekt vor ihr.

„Was hat Professor Snape zu Ihnen gesagt?“ fragte sie. „Er konnte nicht mehr sprechen“ sagte er leise…..“Und das was ich in seinen Erinnerungen gesehen habe ist privat.“

Sie runzelte leicht die Stirn und Harry fuhr fort.“Professor Snape war ein Held, wir alle haben uns in ihm getäuscht. Er war nie ein Verräter, das ist alles, was ich Ihnen sagen kann. Fragen Sie Professor Dumbledore, wenn Sie mir nicht glauben“.

Das werde ich tun, Potter“ sagte sie und wollte schon gehen als Harry leise fortfuhr.“Ich werde mir nie verzeihen, dass ich ihm nicht vertraut habe und so ungerecht zu ihm war.“Erstaunt drehte sich die Direktorin wieder um.

„Er bekommt sein Porträt im Schulleiterbüro, nicht wahr?“ fragte er.

„Das ist nicht Ihr Ernst Potter, oder?“ fragte sie. Harry wurde wütend. „Er war Direktor, wie alle anderen auch und er hat er mehr verdient als jeder andere. Er hat Hogwarts mit seinem Leben beschützt!“ brüllte er.

Minerva hatte Mühe ihre Fassung zu wahren, Harry war der Einzige, dem sie so einen Ton ihr gegenüber gestattete.“Das wird sich noch herausstellen, ich werde mit Albus sprechen“ sagte sie mit leicht bebender Stimme und verließ die große Halle.

Harry ging traurig wieder nach draußen, er wollte Snape noch „Gute Nacht „sagen.

Minerva Mc Gonnagall suchte umgehend ihr Büro auf und sah auf das leere Porträt von Albus Dumbledore.

Sie rief die anderen Porträts zu Hilfe und bat sie nach dem Schulleiter zu suchen.

„Ich muss unbedingt mit Albus sprechen“ sagte sie und rang sie Hände. Sie brauchte nicht lange zu warten, da erschien Albus Dumbledore in seinem Porträt.

„Hallo Minerva, was gibt es denn so Dringendes?“ fragte er. „Ich war im Ministerium und im St. Mungos, um mich nach den Stand der Dinge zu erkundigen.“ sagte er heiter, verstummte aber sofort, als er Minervas ernste Miene sah.

Aufgeregt begann sie zu berichten, was in den letzten Stunden geschehen war. Der Direktor hörte aufmerksam zu.“Albus, ich muss die Wahrheit wissen!“ verlangte sie.

„Es ist wahr, was Harry sagt, Minerva“ sagte er nur. Die Direktorin sah ihn geschockt an.“Der arme Severus, ich freue mich darüber, dass er sich so sehr für ihn einsetzt“ sagte der alte Mann milde.

Mit Bedacht erzählte er ihr, was damals auf dem Astronomieturm geschehen war. Als er geendet hatte,suchte die Direktorin den Halt ihres Schreibtisches.

“Nun gut Albus, wie du willst, aber ich mache mir große Sorgen um den Jungen, er verkraftet das alles nicht, befürchte ich.“ Kümmere dich um ihn, aber lass ihm vorläufig ein wenig seinen Willen.“ Sie nickte und wünschte ihrem Vorgänger eine ruhige Nacht.

Harry saß noch lange an Snapes Grab und hielt leise Zwiesprache mit ihm. Erst als ihm kalt wurde, ging er langsam ins Schloss zurück. Als er Snapes Räume betrat, sah er hoffnungsvoll zu seinem Porträt hinauf und stellte wiederum enttäuscht fest, dass es leer war.

Harry dachte an Kreacher  seinen Hauselfen und stellte erschrocken fest, dass er ihn ganz vergessen hatte. Er hoffte, dass er die Kämpfe heil überstanden hatte.

Harry rief den Elfen und zu seiner großen Erleichterung erschien er sofort.

Kreacher verbeuge sich tief. „Kreacher ist froh, den Master unversehrt zu sehen „ strahlte er. Harry lächelte ein wenig.“Ich bin froh, dass dir nichts geschehen ist“ sagte er und erklärte dem Elfen, warum er damals nicht in das Haus seines Paten zurückgekehrt war.

Der Elf nickte“ Kreacher weiß alles und ist dem Master nicht böse. Kann Kreacher etwas für den Master tun? Fragte er eifrig. „Ich würde gerne baden“ sagte Harry. Der Elf nickte und sauste sofort ins Bad um Wasser einzulassen, dann verschwand er und holte dicke flauschige Handtücher und einen weichen Bademantel.

Harry nickte dankbar und stieg in das heiße Wasser. Das Wasser war wohltuend und entspannte ihn. Wie immer glitten seine Gedanken zu dem, der wohl schon oft in dieser Wanne gelegen hatte. Er seufzte und fragte sich, wie lange es dauern würde, bis der Schmerz in seinem Inneren nachlassen würde. Als Harry zu Bett ging, sah er wie so oft schon auf das leere Porträt hinauf und sagte leise Gute Nacht.



So, das war das erste Kap und ich hoffe, es hat euch gefallen, ich erwarte gespannt eure hoffentlich zahlreichen Reviews

LG

Sev
 
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