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von Klein-Lilith    erstellt: 20.07.2010    letztes Update: 29.12.2010    Geschichte, Abenteuer / P12    (fertiggestellt)
Behutsam tuschte sie sich die Wimpern auf, bis sie lang und verführerisch waren. Dann kam der Lippenstift an die Reihe. Keinen Patzer machen. Zuletzt puderte sie sich noch die Wangen und die Stirn. Zufrieden sah sie das Gesamtwerk an. Ihre leichte Hochsteckfrisur saß vollkommen. Kein einzelnes ihrer langen, blonden Haare hing auch nur herab. Durch den ovalen, großen Spiegel sah sie, dass Shadow hinter ihr an der Wand stand. Sein Gesicht war nicht beleuchtet; nur die Lampe am Schminktisch war an, aber sie konnte aus seiner Körperhaltung schließen, dass er alles andere als froh war.
„Schick siehst du aus“, sagte sie, stand auf und grinste ihn süffisant an.
Er näherte sich ihr und jetzt sah sie auch sein Gesicht. Es strotzte nur so vor Widerstreben.
„Müssen wir das wirklich durchziehen?“, fragte er zaghaft.
„So sieht’s aus. Und außerdem siehst du gar nicht so schlimm aus im Anzug. Könntest du öfter tragen.“ Er trug einen nachtschwarzen Anzug und ein milchigweißes Hemd. Außerdem hing eine blutrote Krawatte schief an seinem blassen Hals. Sie war ganz und gar nicht mit einem Krawattenknoten zugebunden.
„Ich will nicht zu diesem Dinä oder was auch immer das ist.“
Sie ging zu ihm und band seine Krawatte richtig. „Wir gehen zu einer Gala-Vorstellung. Und wenn es nach dir ginge, würdest du in deine schwarzen Klamotten schlüpfen und deine springenden Stiefel anziehen.“ Schließlich steckte sie die Krawatte in seinen Frack und klopfte ihm auf die Brust. „Du siehst umwerfend aus.“
„Und du darfst nicht vergessen, was ich bin.“ Anscheinend schien ihm ihr Gesicht – und überhaupt sie selbst – viel zu nahe zu sein, deshalb rückte er etwas ab. „Ich werde sicher verachtet.“
„Solange du ‚Lily Pain und Begleitung’ bist, ist alles in Ordnung, Shadow, wir müssten nur deine roten Strähnen…“ Lily strich ihm vorsichtig über die streng zurückgegelten, schwarzen Haare, zwischen denen die roten Strähnchen geradezu aufleuchteten.
„Lil, du weißt genau, dass die meine Identität sind“, sagte er abwehrend und hielt ihre Hand fest.
„Ich tu doch gar nichts“, meinte Lily unschuldig und machte einen Schmollmund.
„Natürlich tust du was, du willst meine Strähnen färben mit deinen Schatten, aber ich spür das. Es ziept.“
„Mist, verdammter“ Sie zog ihre Hand zurück und wirbelte wieder zum Spiegel. „Die verdammten Strähnen lässt du wenigstens für diesen Abend schwarz, sonst fällt alles ins Wasser, kapiert?“ Ihr strenger Unterton hatte den verführerischen niedergestreckt und die Herrschaft wieder eingenommen. Lily wartete, bis Shadows Spiegelbild widerstrebend nickte, dann legte sie sich zufrieden ein goldenes Kettchen um den Hals. „Perfekt“, schnurrte sie, nahm das Handtäschchen, steckte ihr schwarzen Ring hinein und schlüpfte in ihre Stöckelschuhe, die wundervoll mit ihrem unauffälligen, bordeauxroten Kleid harmonierten.
„Nur du siehst hier umwerfend aus.“ Plötzlich stand Shadow hinter Lily und schlang beide Arme um ihre schmale Taille.
„Wenn du dich einschmeicheln willst, hast du Pech gehabt. Jetzt nicht mehr“ Lily schnippte seine Hände weg und ging ihm voran aus der Vier-Sterne-Suite.
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