Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
 
»
von Klein-Lilith    erstellt: 20.07.2010    letztes Update: 29.12.2010    Geschichte, Abenteuer / P12    (fertiggestellt)
Die alte Dame wusste gar nicht, wie ihr geschah. Plötzlich lag da etwas vor ihren Füßen. Es war schwarz wie der Schatten, der den Kegel der Straßenlaterne umhüllte. Die Alte bückte sich vorsichtig und besah sich das Etwas, das vor ihre Füße gefallen war. Es bewegte sich noch schwach, dann ertönte ein schmerzerfülltes Stöhnen und zwei Arme hievten den Körper hoch, an dem sie hingen. Die Frau schrie erschrocken und tippelte etwas zurück. Blut. Das Gesicht war verschmiert und die dunkelrote Flüssigkeit rann aus tiefen Schnittwunden. Die Frau erkannte einen jungen Mann unter den Verletzungen. Der Mann kippte auf die Seite und atmete stockend. „Was ist los mit Ihnen, junger Herr?“, fragte die Alte mit ihrer schwachen Stimme leise. Die Augenlider, die zuvor geschlossen waren, flatterten und zwei tiefrote Augen starrten sie wirr an. Wieder stieß sie einen Schrei aus und wich weiter zurück.
„Ich … ich werde Ihnen Hi-Hilfe holen, junger Herr. Ja, ich bestelle sofort einen Krankenwagen. Machen Sie sich keine Sorgen, das wird schon wieder. Ich wohne gleich um die Ecke“, stotterte die Alte, verließ den Schwerverletzten und den Lichtkreis. Die roten Augen brannten sich in ihr Gedächtnis. Doch es war wichtig, einen Krankenwagen zu holen. Sie bog um die Ecke – und hatte alles vergessen.

Er lag im Sterben. Er blutete aus seinen zahlreichen Wunden, die sich über Gesicht, Arme und Oberkörper zogen. Und dieser Schmerz! So hatte er es noch nie erlebt, in seinem ganzen unendlichen Leben nicht. Sein Herz stach in der Brust. Er fasste sich an deine Wunde am Bauch, die schlimmste Verletzung, die er hatte. Er fasste in dickes, schwarzes Blut. Gut, dass die Alte von vorhin keinen Verdacht geschöpft hatte. Der Schmerz! Er drückte seine Hände gegen den Bauch und brüllte, brüllte so laut, dass die ganze Stadt den Atem anhielt. Doch in der verlassenen Gasse konnte ihn keiner finden. Hier würde der Ort sein, an dem er starb. Er hatte es sich schöner vorgestellt. Und schmerzloser. Sein Atem verlangsamte sich allmählich und das Blut, das noch in seinem Körper war, pochte in seinen Ohren.
Und da hörte er sie. Diese melodische Stimme.
„Kleiner Dämon, schwarz wie die Nacht,
keiner rettet dich
bist hilflos und schwach.
Kleiner Dämon, bös und verquer,
alle hassen dich
ich lieb dich – sehr.“
Das Lied, das seine Kindheit begleitet hatte. Seine Mutter hatte es ihm immer vorgesungen, als er schreiend aus dem Schlaf gewacht war. Er sah sich so weit um, wie er seinen Kopf bewegen konnte. „Mutter?“, flüsterte er schwach.
„Nicht wirklich.“ Die Stimme von vorher. Sie kam von oben. Er ließ sich auf den Rücken fallen und sah an der Laterne vorbei zum samtschwarzen Himmel. Eine helle Gestalt schwebte auf ihn zu. Sie wurde immer größer und irgendwann berührten die nackten Füße den Fußgängerweg. Da stand sie über ihm und grinste ihn an.
„Wer … wer bist du?“, hauchte er und sah die junge Frau mit den blonden Haaren an. Sie trug ein helles Leinenkleid, das ihr bis zu den zierlichen Knien reichte. An ihrer Hand funkelte ein schwarzer Ring.
„Deine letzte Rettung würde ich sagen, Dämon“, sagte sie neckisch und kniete sich hin, um seinen Bauch zu inspizieren.
„Etwas wie ich hat kein Recht, hier zu leben. Deshalb muss ich nun auch hinüber, ins Jenseits“, krächzte er, es fiel ihm schwer, die Worte herauszupressen. Langsam wurde sein Körper taub.
„Aber für dich ist es noch zu früh, mein Freund“, meinte die Frau, stand auf und hielt ihm ihre Hand hin. „Komm. Ich nehme dich mit und werde dich heilen.“
Wieso er seine Hand ausstreckte um die des Mädchens zu fassen, wusste er lange Zeit nicht. Aber er wusste, dass er diese Rettung bitter nötig hatte.
 
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311