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von Mona Potter    erstellt: 12.07.2010    letztes Update: 07.12.2010    Geschichte, Allgemein / P12    (abgebrochen)
Hallo meine Lieben,
hier kommt das nächste Kapitel, aber vorher möchte ich noch ilona57, weissmagiger und SearchForMyself für ihre lieben Reviews danken! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Vielleicht bekomm ich ja auch bei diesem Kapitel wieder das ein oder andere *liebguck* =)
So, jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

~~~~

Am nächsten Morgen stieg Harry, der nicht gerade sehr gut geschlafen hatte, die Treppen hinunter, in der Absicht, in die Küche zu gehen, als er Fetzen einer Konversation aufschnappte:
„…Ich sage es Ihnen… Er macht schon viel zu lange nichts mehr, er hat noch nicht einmal versucht, seine Todesser zu befreien, die wir letzten Juni im Ministerium gefangen haben. Wir sollten misstrauisch sein…“

Harry, der spürte, dass die Unterhaltung schon fast zu Ende war und der nicht entdeckt werden wollte, ging nun endgültig in die Küche hinunter.

Dort fand er Lupin (sollte er ihn nun Lupin oder Remus nennen?) vor einer dampfenden Tasse.

„Guten Morgen, Lupin, haben Sie… hast du gut geschlafen?“ Er wusste wirklich nicht, wie er ihn anreden sollte!

„Harry, wir kennen uns jetzt seit zwei Jahren, bald drei. Du kannst mich wirklich duzen und Remus nennen. Anderenfalls fühle ich mich wirklich sehr alt“, meinte er, wobei er ihn anlächelte.

„Also, was willst du trinken? Ich habe heiße Schokolade oder Kaffee, falls du den lieber magst. Zu Essen gibt es Toasts, aber ich wusste nicht, was du gerne drauf hast, also hab ich einfach Marmelade, Honig und dieses schwarze Zeug gekauft…“ Remus nahm das Glas zur Hand und las… „Ah, ja, Nutella.“

Harry freute sich, wie viel Mühe Remus sich gegeben hat, um ihm eine Freude zu bereiten. Er war wirklich gerührt und um ihn nicht zu enttäuschen, nahm er unter Remus’ zweifelhaftem Blick die Marmelade, den Honig und die Nutella, alle zusammen.

„Willst du auch mal kosten?“

„Ähm… nein, oder, ach was soll’s, ja, ich probier es… mmh, das geht, ich hab schon schlimmeres gegessen.“

Harry musste loslachen, was Remus sichtlich erfreute.

„Also, wann beginnen wir mit dem Training?“, fragte Harry jetzt.

„Gleich nach dem Essen werden Dumbledore und ich dir erklären, wie wir es schaffen, mehr Zeit zu gewinnen, um dir so viele Sachen in so kurzer Zeit wie möglich beizubringen.“

Remus hatte sehr mysteriös gesprochen.

Harry beeilte sich also fertig zu werden und folgte anschließend Dumbledore und Remus in ein Zimmer, das er noch nie zuvor gesehen hatte.

'Seltsam, dass ich dieses Zimmer noch nie gesehen habe, wo ich doch eigentlich das Haus hier langsam gut genug kennen sollte!'

Dumbledore begann: „Harry, ich muss dir einige Regeln erklären, die du respektieren musst, um dich zu verbessern…“

'Es wäre ja auch zu schön gewesen! Noch mehr Regeln, gibt es denn nichts außer Regeln im Leben? Hoffentlich wird er bald fertig, ich will endlich anfangen!'

Harry war wirklich begierig danach, mehr zu lernen, er wollte unbedingt Voldemorts Level erreichen, besonders seit er die Prophezeiung gehört hatte, aber er wollte auch mächtig genug werden, um Bellatrix zu vernichten, die ihm seinen Paten genommen hatte, der für ihn einem Vater ähnlich gewesen war.

„Dank Fudge habe ich…“

Harry stöhnte. Er wollte nichts mit Fudge zu tun haben, ganz besonders wollte er ihm nichts schulden, nach allem, was er getan hatte, nach all diesen Lügen und Demütigungen, die er hatte ertragen müssen. Er wollte nicht einmal mehr seinen Namen hören müssen und dennoch…

„…einen Zeitumkehrer bekommen…“

Harry unterbrach ihn rücksichtslos: „Wirklich? Wie der, den Hermine in unserem dritten Jahr hatte?“

„Ja, genau so einen. Du weißt, dass Fudge nun alles tun würde, um sich zu entschuldigen, also hat er nicht viele Fragen gestellt. Eine Umdrehung bringt dich eine Stunde in die Vergangenheit. Ich muss dir dennoch ins Gedächtnis rufen, dass du nicht gesehen werden darfst. Du kennst die Risiken. Miss Granger hat damit gut umzugehen gelernt. Ich hoffe, du nimmst die Angelegenheit genauso ernst wie sie.“

„Ja, Professor, ich werde sehr ernst sein.“

„Daran habe ich keine Sekunde gezweifelt. Okay, möge das Training beginnen. Heute wirst du den Morgen mit Remus und mir verbringen. Da die anderen Mitglieder des Ordens auf Mission sind, wirst du zwei Stunden parallel haben. Verstanden?“

Harry nickte. Er schloss sich also mit Remus für drei Stunden intensiven Trainings Verteidigung gegen die dunklen Künste in einem Raum ein.

„Ich hoffe, dass du nicht alles, was ich dir im dritten Jahr beigebracht habe, vergessen hast?“, begann er.

Remus war in seinem dritten Jahr sein Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste gewesen und das war bei weitem das beste Jahr gewesen, zusammen mit dem vierten Jahr. Abgesehen davon, dass Moody nicht Moody gewesen war, hatte er auch in diesem Jahr vieles gelernt.

„Nein, ich habe nichts vergessen.“

„Hast du immer noch Angst vor Dementoren? Nein, lass dich nicht ärgern“, fügte Remus hinzu, als ihn ein viel sagender Blick von Harry traf. „Natürlich nicht. Aber ich habe dennoch für meine Zwecke einen Irrwicht mitgebracht und ich wollte einfach einmal überprüfen, dass du den Spruch auch noch vor einem Dementor anwenden kannst.“

Einen Moment lang hatte Harry Angst gehabt, Remus könnte glauben, dass er absolut nichts mehr konnte. Er musste ihm unbedingt das Gegenteil beweisen.

„Versuchen wir’s“, sagte Harry.

„Bereit?“ Lupin öffnete den kleinen Schrank, der sich so leicht bewegte, dass es Harry zuvor gar nicht aufgefallen war.

Er nickte, doch er war sich nicht ganz sicher, ob er wirklich schon bereit war.

'Und wenn es kein Dementor ist, der aus dem Schrank kommt? Dann würde ich mich vor Remus ganz schön blamieren! Und angenommen es ist ein Dementor, dann habe ich davor vielleicht nicht mehr ganz so viel Angst wie im dritten Jahr. Ganz ruhig, ich weiß doch, wie man einen Dementor zurückhält. Und wenn ich es diesmal nicht schaffe? Es stimmt, dass ich den Spruch schon lange nicht mehr angewendet habe. Komm schon, denk an etwas Fröhliches. Aber was? Mein glücklichster Gedanke war, bei Sirius leben zu dürfen, aber das ist jetzt unmöglich!'

Harry war nun weniger bereit denn je. Er begann, sich der Hoffnungslosigkeit hinzugeben.

'Nun komm schon, ich muss mich am Kragen reißen, ich darf vor Remus nicht versagen. Wenn er sieht, dass ich nicht hart genug arbeite, kann ich das Training vergessen und damit auch meine Rache an Voldemort und das steht außer Frage.'

Harry versuchte, einen glücklichen Moment zu finden, aber er musste sich beeilen.

'Warum nicht der Tag, an dem Cho mich geküsst hat? Nein, das ist nicht stark genug, glaube ich. Das letzte Jahr war nicht gerade eines meiner glücklichsten, daran habe ich glaube ich keine gute Erinnerung. Ah ja! Die Verteidigungsgruppe, die ich gegründet habe! Ich war so stolz! Dumbledores Armee!'

Genau in dem Moment befreite Remus den Irrwicht, der sich direkt vor Harry aufbaute, um sich dann plötzlich zu verwandeln…

Harry fühlte, wie seine Eingeweide sich zusammenzogen, aber anstatt der Schreie seiner Mutter, die er für gewöhnlich hörte, kamen Sirius’ Schreie. Oder, um genau zu sein, Harrys eigene Schreie, die verzweifelt nach seinem Paten riefen. Harry sah von neuem die Szene von Sirius’ Tod. Von dieser Vision vollkommen verunsichert, versuchte er nicht einmal, den Dementor zurückzudrängen. Lupin, der sah, dass Harry in keinster Weise reagierte, war es schließlich, der den Irrwicht in den Schrank zurückschickte. Er nahm Harry in seine Arme und dieser war nahe daran, ohnmächtig zu werden.

Als Harry die Augen wieder öffnete, fühlte er sich unfähig und war verzweifelt über sein Versagen.

„Ich habe ihn gesehen, Remus, ich habe ihn gesehen!“

„Ich weiß, dass du deinen Vater siehst, Harry, aber das war nicht das erste Mal. Warum hast du nicht reagiert…“

Er beendete seinen Satz nicht, als er sah, dass der Junge den Kopf schüttelte.

„Ich habe Sirius’ Tod gesehen. Ich habe es noch einmal gesehen.“ Die Tränen hörten nicht auf. Harry versuchte, sich vor Remus unter Kontrolle zu bringen, aber die Tränen waren unkontrollierbar.

'Meine Güte, ich verstehe, er hat Sirius’ Tod noch einmal miterlebt. Das hat ihm gerade noch gefehlt. Bravo, Remus das hast du gut hingekriegt, du bist wirklich schlimmer, als James!'

„Das ist meine Schuld, Harry, es tut mir leid, ich hätte wirklich nicht…“

„Nein, das macht nichts, Remus, ich will es noch einmal versuchen.“

Harry war fest entschlossen, es diesmal zu schaffen. Er musste diese Prüfung einfach bestehen, er musste Bellatrix dafür, was sie getan hatte, zahlen lassen, und Voldemort auch. Und dafür musste er zunächst einmal mit Sirius’ Tod umgehen können.

„Bist du dir sicher, Harry? Ich meine, wir können auch mit etwas anderem anfangen, ich wollte sowieso noch…“

„Nein, ich will es noch einmal versuchen.“

Als Remus Harrys Entschlossenheit in dessen Augen sah, schritt er einmal mehr zum Schrank. Er war wirklich stolz auf Harry, er wusste, dass dieser niemals aufgeben würde und so öffnete er den Schrank zum zweiten Mal.

Der Irrwicht ging auf die erste Person los, die er sah und so verwandelte er sich vor Harry erneut in den Dementor.

Harry spürte dieselbe eisige Kälte und erlebte von neuem Sirius’ Tod mit, doch diesmal war er darauf vorbereitet.

„Expecto patronum!“ Ein silberner Strahl schoss aus seinem Zauberstab hervor und einen Moment später erschien Krone vor ihm.

'Ich habe wirklich einen ganz außergewöhnlichen Patronus, ich spüre nicht einmal mehr die Anwesenheit des Dementors.'

Der Irrwicht wandte sich nun Remus zu, da er vor Krone in Panik zu geraten schien, und verwandelte sich in einen Mond. Lupin drängte den Irrwicht in den Schrank zurück und wandte sich grinsend dann Harry zu.

„Sehr gut, Harry, ich bin wirklich stolz auf dich. Dein Patronus ist dir perfekt gelungen. Du weißt, dass man den Spruch erst frühestens in der siebten Klasse lernt! Du wirst den anderen weit voraus sein!“ Remus zwinkerte ihm schelmisch zu.


'Ich hoffe wirklich, den anderen voraus zu sein, das nächste Mal, wenn ich ihm gegenüber stehe, will ich bereit sein.'

Lupin brachte ihm dann noch einen neuen Spruch bei, der es ihm erlaubte, sich gegen mächtigere Zauber zu schützen.

„Du kennst sicherlich den Schutzzauber, nehme ich an?“

„Ähm… ich kenne den Zauber Protego, aber… na ja, letztes Jahr hatten wir nicht wirklich Verteidigung gegen die dunklen Künste, also… ich glaube, ich kenne ihn nicht.“

„Schade, er ist wirklich sehr nützlich, du wirst ihn schnell beherrschen. Der Schutzzauber ist ziemlich einfach, du musst am Anfang nur sehr stark daran denken, welche Art von Schutzschild du heraufbeschwören willst, dann konzentrierst du dich darauf und sagst die Formel scutum. Das ist nicht sehr schwer, schau her. Ich denke an den Schild, das mich beschützt und… scutum…“

Vor Harrys erstaunten Augen schossen violette Strahlen aus Remus’ Zauberstab hervor und formten eine Art kleine Barriere vor ihm, die aus einem durchsichtigen Lila bestand.

„Harry, versuche zum Beispiel, irgendeinen Fluch auf mich zu schicken.“

„Petrificus Totalus!“ Aber anstatt Remus zu erreichen, prallte der Fluch an dem Schutzschild ab.

„Finite Incantatem.“ Der Schutzschild löste sich wieder auf. „Siehst du, es ist ein rein defensiver Spruch, aber wenn du einen mächtigeren Schutzschild kreierst, dann kann er sogar Entwaffnungszaubern standhalten oder sogar ein paar anderen Streichen von James. Das war manchmal sehr nützlich für mich.“

Harry und Remus lachten zusammen. Harry mochte es, wenn Remus von seinen Eltern erzählte, von den Rumtreibern und den Streichen, die sie damals gespielt hatten.

„Niemandem ist es je gelungen, euren Streichen zu entkommen?“

„Oh nein! Wir waren zu stark“, sagte er in Gedanken versunken, was Harry zum Grinsen brachte. „Aber manchmal hatten selbst wir so unsere Schwierigkeiten. Sagen wir, gewisse Schüler waren leichter dran zu kriegen, als andere.“

„Und niemand hat je versucht, eure Streiche… na ja… auf euch zurückzuführen?“

„Oh doch! Aber es war so selten, dass Streiche an uns funktionierten… Allein ein Schüler hat uns wirklich Probleme bereitet. Was waren wir jung und doof.“

Harry grinste.

„Okay, los jetzt, von den Erinnerungen zurück an die Arbeit.“

Harry schaffte es nicht beim ersten Mal, aber nach vier Versuchen beherrschte er den Spruch ohne weitere Probleme, außer dass sein Schutzschild noch ein bisschen klein war.

Harry arbeitet noch eine gute Stunde, bevor er den Schild perfekt beherrschte.

„Das ist gut, Harry, ich wusste, dass du es schnell lernen würdest. Dieser Spruch wird den Fünftklässlern beigebracht und die Schüler schaffen ihn meistens innerhalb eines Monats. Selbst die Rumtreiber haben dafür eine Woche gebraucht, damit hast du uns bei Weitem geschlagen, Harry.“

Harry war zufrieden, er wusste wie sehr die Rumtreiber gelobt wurden, so gute Schüler gewesen zu sein. Das gab ihm einen gewissen Stolz.

„Gut, jetzt werden wir an einem etwas mächtigeren Schutzschildzauber arbeiten. Im Prinzip ist es dasselbe, dass du nun schon kannst, aber die Formel ist ein wenig anders und auch etwas schwieriger. Ich erwarte nicht, dass du sie heute schon beherrschst.“

Harry wollte Remus beeindrucken. Er wollte diesen Spruch unbedingt schaffen, er musste ihn schaffen.

„Wie lautet die Formel?“

„Ah ja, natürlich… die Formel heißt tueor scutum.“

Sobald er diese Worte ausgesprochen hatte, kamen dieselben violetten Funken aus seinem Zauberstab und formten einen Schutzschild um Remus herum.

„Okay, versuch einen Entwaffnungszauber.“

„Expelliarmus!“ Der Fluch wurde von dem Schild gänzlich abgeblockt. Harry interessierte sich wirklich für diesen Schildzauber, er könnte bestimmt sehr nützlich sein.

„Aber kann er auch die Unverzeihlichen Flüche abblocken?“

„Oh nein, Harry! Den Unverzeihlichen Flüchen kann man sehr schwer überhaupt etwas entgegensetzen und bei dem Avada Kedavra Fluch ist das sogar unmöglich, ebenso wie bei dem Cruciatus-Fluch. Man muss den Schmerz zu ertragen verstehen und niemals dem Feind zeigen, dass man leidet, darüber würde er sich zu sehr freuen. Du musst immer ausdruckslos bleiben, aber Snape wird dir das beibringen. Versuche jetzt auch einmal den Schildzauber.“

Harry gehorchte und konzentrierte sich so gut wie möglich.

„Tueor scutum!“ Funken sprühten aus Harrys Zauberstab und umgaben ihn, aber nicht gänzlich.

„Wie sieht man den Unterschied zwischen dem normalen Schutzschild und dem mächtigeren?“

„Das ist eine ausgezeichnete Frage, Harry, du allein weißt, ob er mächtig genug ist, oder nicht. Ich werde versuchen, dich zu entwaffnen. Expelliarmus.“

Harrys Zauberstab bewegte sich ein wenig in seiner Hand, doch Harry konnte ihn zurückhalten.

„Ich bin wirklich beeindruckt, dass es dir beim ersten Mal gelungen ist. Du musst aber dennoch weiter üben, bis er dich ganz umhüllt.“

Nach eineinhalb Stunden harter Arbeit, konnte Harry auch diesen Spruch.

„Okay, das reicht für heute. Vergiss nicht, dass du Okklumentik bei Professor Dumbledore hast. Drehe den Zeitumkehrer drei Mal, aber mache das außerhalb dieses Zimmers, sonst begegnest du dir selbst, da wir vor drei Stunden hier angefangen haben.“

Harry ging also in den Korridor, drehte den Zeitumkehrer drei Mal herum, alles um ihn herum löste sich auf und er fand sich Dumbledore gegenüber wieder, der gerade eben aus dem Verteidigung gegen die dunklen Künste Zimmer trat.

„Ah, Harry! Nun, wie war deine erste Stunde?“, fragte Dumbledore.

„Oh, sehr gut.“

„Folge mir, Harry, wir gehen in das Büro.“

Das Büro war schon wieder ein Zimmer, welches Harry noch nicht kannte. Wer hätte schon gedacht, dass dieses Haus noch so viele unbekannte Zimmer barg?

'Jetzt verstehe ich, warum Sirius sich in den ganzen Geheimgängen von Hogwarts so gut auskannte, er war es von daheim so gewohnt!'

Das Büro war ein ganz einfaches, wenig möbliertes Zimmer. Es besaß lediglich zwei Sessel und einen einfachen Schreibtisch. In der linken Ecke bemerkte Harry einen kleinen Sekretär und in der hinteren rechten Ecke war ein Schrank, der viele alte Bücher enthielt, wenn man nach dem Zustand der Einbände ging.

„Nun gut, im letzten Jahr hat dich Professor Snape Okklumentik gelehrt, dieses Jahr werde ich diese Aufgabe aus gewissen Gründen übernehmen. Du musst dich wirklich sehr stark konzentrieren, Harry, du musst wirklich wollen, dass niemand liest, was in deinem Kopf vorgeht.“

Harry hatte bereits im letzten Jahr auf schmerzliche Art verstanden, warum dies so wichtig war. Er hatte von der Mysteriumsabteilung geträumt und dieser Traum hatte Sirius Tod herbeigeführt. Nein, er wollte nicht, dass diese Träume wieder begannen. Er wollte definitiv seinen Geist gegenüber Voldemort verschlossen halten.

„Aber Professor, wird meine Narbe weniger schmerzen, wenn ich Voldemort davon abhalte, in meinen Geist einzudringen?“

„Ich fürchte nein, Voldemort wird nicht länger frei in deinen Gedanken lesen können, aber das hält ihn nicht davon ab, Gefühle wie Wutanfälle zu haben, das sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge.“

Harry war etwas enttäuscht. Wenn er nur ein Mittel finden würde, den Schmerz seiner Narbe einzudämmen, den er jedes Mal verspürte, wenn Voldemort etwas empfand.

„Gut, beginnen wir. Bist du bereit, Harry?

Harry stand aus dem Sessel auf, in dem er sich zuvor niedergelassen hatte und konzentrierte sich darauf, seinen Geist zu verschließen.

„Eins… zwei… drei… Legilimens.“

Harry hatte sich auf einen Schmerz gefasst gemacht, so wie es immer bei Snape der Fall gewesen war, doch dieses Mal war es weniger schmerzvoll. Er bemerkte, dass er seine Erinnerungen ein weiteres Mal besuchte.


Der Ort kam ihm vertraut vor. Es war die Grundschule, eine recht einfach aussehende Schule. Alle Schüler schienen sich zu freuen und ihren Spaß zu haben.

Man bemerkte jedoch einen kleinen Jungen, der ganz allein war, der keine Freude empfand und keine Freunde hatte. Das Aussehen des Jungen war erschütternd: Er trug eine zwei Nummern zu große Jeans, die er mit einer Hand halten musste, damit sie nicht herunterrutschte, und einen grauen Pullover, der genauso groß wie die Hose und noch dazu ausgewaschen war. Der kleine Junge schien nicht traurig zu sein aufgrund seiner Lage. Er akzeptierte sie vielmehr, obgleich er kaum älter als sieben Jahre alt sein konnte.

„Hey, Harry!“ Ein großer Junge kam auf ihn zu und begann, ihn anzurempeln. Harry stolperte ein paar Schritte nach hinten und fiel zu Boden. Er sah dem Jungen in die Augen.

Dieser lachte nur.

Man konnte kein Anzeichen von Hass in Harrys Augen erkennen, nur Unverständnis was das Benehmen des anderen Jungen betraf.

Plötzlich erschien ein zweiter Junge, ebenfalls recht groß für sein Alter, aber mindestens doppelt so dick, Dudley!

„Nicolas, was machst du zusammen mit dieser Missgeburt?“, fragte Dudley.

„Nichts, ich amüsiere mich nur ein bisschen.“

Alle anderen Jungen, die zusammen mit Dudley angekommen waren, brachen in ein irres Lachen aus.

Harry rappelte sich wieder auf und begann, in die andere Richtung davon zu gehen.

„Harry, geh doch noch nicht weg, wir fangen doch gerade erst an, uns zu amüsieren!“ Aber Harry hörte nicht mehr den Hänseleien der anderen Jungen zu.

„Du brauchst erst gar nicht versuchen, Freunde zu finden, Harry, ich werde immer dafür sorgen, dass du alleine bleibst“, rief Dudley ihm hinterher. Die anderen Jungen begannen von Neuem mit ihrem fiesen Lachen.

Harry kam wieder zu sich. Dumbledore hatte von sich aus den Spruch aufgehoben, anders als Snape, der Harry stets an seine Grenzen hatte gehen lassen, bis er nicht mehr konnte.

„Ich sehe, dass du mir nicht allzu viel Widerstand geleistet hast, Harry, du musst dich ein wenig mehr konzentrieren.“

Dumbledore kommentierte die Szene, die er eben gesehen hatte, mit keiner Silbe und Harry dankte ihm innerlich dafür. Sein Leben vor diesem war einzig von Einsamkeit und Beleidigungen von Seiten Dudley und dessen Freunden geprägt gewesen.

„Bist du diesmal bereit, Harry?“

Harry nickte. Dieses Mal würde er es schaffen! Er schloss seinen Geist.

„ Eins… zwei… drei Legilimens.“

Harry konzentrierte sich sehr stark. Zum Anfang klappte es auch ganz gut, immerhin sah er diesmal keine Bilder vor sich. Er konzentrierte sich auch weiterhin, aber es wurde sehr schwierig, weshalb seine Konzentration ein klein wenig nachließ.

Er verstand seinen Fehler erst, als er von Neuem alte Erinnerungen vor sich sah.

Es war sehr früher Morgen, aber der junge, fünfjährige Harry schlief nicht mehr. Er wartete darauf, dass seine Tante seinen Schrank öffnete, damit er hinausgehen konnte.

Er wusste, dass diese nicht vor sieben Uhr kommen würde und es war erst etwa fünf.

Was sollte er machen, solange er wartete ? Er schaltete seine kleine Lampe an und setzte seine Brille auf die Nase. Er begann, die Tür zu beobachten, während er auf seine Tante wartete. Doch zu seinem größten Erstaunen öffnete sich diese von ganz alleine. Petunia musste sie nicht richtig geschlossen haben.

Er verließ seinen Schrank und ging in die Küche. Er hatte Recht, es war erst fünf Uhr dreißig morgens. Er hatte eben erst im Kindergarten gelernt, die Uhr zu lesen.

Er ging in den Salon und betrachtete die Fotos, die überall aufgehängt waren.

Plötzlich hörte er jemanden hinter sich. Er fuhr herum und fand sich vor einer wütenden Petunia wieder. Ängstlich wartete er ab.

„Was machst du zu dieser Zeit außerhalb seines Schrankes? Wie bist du überhaupt rausgekommen?“

„Ich… ich… weiß… nicht, die ist ganz von alleine aufgegangen, wie durch…“

„Magie existiert nicht!“ Sie hatte dies mit einem bestimmten Tonfall gesagt, aber nicht so laut, dass das ganze Haus aufwachte. Sie gab Harry eine deftige Ohrfeige und schob ihn in den Schrank zurück, womit sie dessen Tür zuschlug und abschloss.

Diesmal war es Harry, der Dumbledore aus seinen Gedanken vertrieben hatte.

„Gut, du machst Fortschritte, Harry. Wir können jeder Zeit aufhören, wenn du dich zu müde fühlst oder wenn du zu sehr darunter leidest, deine Erinnerungen sehen zu müssen, weißt du? Zum Anfang hast du deinen Geist schon wirklich gut geschlossen.“

„Ja, aber das hat mich ziemlich ermüdet, ich wollte nur ein wenig ausspannen…“

„Das ist schon in Ordnung. Ich denke, wenn wir ein wenig mehr trainieren, wirst du es schon noch schaffen.“

So versuchten sie es noch drei weitere Male, bis Harry endgültig nicht mehr konnte.

„Okay, das reicht für heute. Wir haben unsere drei Stunden ohnehin schon erreicht. Du kannst das Büro verlassen Harry. Aber gehe nicht am Verteidigungszimmer vorbei, ich glaube, du bist gerade dabei, den Zeitumkehrer zu benutzen.“

Harry nickte stumm. Er ging in sein Zimmer zurück, um sich ein wenig zu erholen und eine Dusche zu nehmen.

Mittag war schon vorüber und Harry hatte Hunger. So beschloss er, in die Küche zu gehen, um etwas zu essen. Dort fand er Remus, der mit Mad-Eye Moody in eine Unterhaltung verstrickt war.

„Nun, Harry, Lupin sagt mir, dass du den mächtigen Schildzauber schon am ersten Tag gekonnt hast. Ich bin neugierig: Du willst Auror werden, oder?“

„Ja, das würde ich gerne. Professor McGonagall hat mir letztes Jahr in dieser Hinsicht Mut gemacht, aber ich glaube, das war eher, um Umbridge etwas entgegenzusetzen.“

„Ich denke, du hättest alle Fähigkeiten dazu, vor allem wenn du Abwehrzauber so schnell beherrschst.“

„Aber…“ Harry traute sich nicht die Frage zu stellen, die ihm seit dem Training mit Remus im Kopf herum spukte. „Werde ich auch die Unverzeihlichen Flüche lernen?“

Remus schien von dieser Frage, im Gegensatz zu Moody, mehr als erstaunt.

„Nein, Harry, du wirst diese Flüche niemals lernen. Willst du dich auf das Niveau der Todesser herablassen, die nichts anderes als Folterflüche beherrschen?“ Lupin hatte in hartem Tonfall gesprochen und Harry hatte sofort verstanden, dass er diese Frage nie hätte stellen dürfen.

„Nein… aber wie soll ich sie denn dann dafür bezahlen lassen?“ Er dachte an Bellatrix und daran, wie er Sirius rächen würde. Obwohl er es nicht direkt aussprach, wusste Remus genau, wovon er redete.

„Weißt du, Harry, dein Training soll in erster Linie dafür da sein, damit du dich gut zu verteidigen weißt, nicht um anzugreifen.“

Harry fühlte sich leer. Er wollte gerade etwas erwidern, als Remus fortfuhr: „Jedenfalls im Moment. Aber die Unverzeihlichen Flüche darfst du unter keinen Umständen anwenden, das hieße, sich auf ihr Niveau herabzulassen. Du kannst sie auf eine ganz andere Art sogar noch mehr leiden lassen, Harry, ohne die Unverzeihlichen Flüche zu beherrschen.“

Harry fragte sich, wie man sie noch mehr leiden lassen konnte.

„Aber wie?“

„Es ist eigentlich ganz einfach, Harry, indem man sie daran hindert, ihre Ziele zu erreichen. Voldemort wird sie bestrafen.“

Nach dem Essen ging Harry in sein Zimmer, ohne zu wissen, was er nun tun sollte.

'Warum versuche ich nicht einfach noch einmal den Schutzschild? Remus wird zufrieden sein, wenn ich ihn ganz beherrsche.'

Aber Harry konnte den Zauber schon fast gänzlich, weshalb er nur noch eine Viertelstunde brauchte, bis er ihn perfekt ausführen konnte. Jedes Mal, wenn er seinen Schild um sich herum heraufbeschworen hatte, fühlte er sich beschützt, so wie wenn sein Patronus auftauchte. Er wusste einfach, dass der Schild nun perfekt war.

Nach einigen weiteren Übungen, seinen Geist zu schließen, beschloss er, Dumbledore fragen zu gehen, wann er seine nächsten Stunden hatte.
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