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von Maline    erstellt: 08.07.2010    letztes Update: 08.07.2010    Geschichte, Humor / P12    (fertiggestellt)
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Disclaimer: aut. Übersetzung von homeric – Gotcha!


Für alle, die immer noch auf das nächste Kapitel des "Feenkinds" warten. Es tut mir schrecklich leid!!!


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Hinterhalt




„Das ist schon das dritte Mal diese Woche.“ meinte Galahad skeptisch. „Wenn er so weiter macht, gibt es bald keine einzige Frau mehr, die er noch nicht hatte…“

Gawains Augen folgten Lancelot, der soeben die Heu- und Futterscheune verließ und sich gähnend streckte und rekelte. Mit einer säuerlichen Miene nickte Gawain zustimmend: „Mir würde es ja wirklich nichts ausmachen, aber er ist einfach so…“

„Ein eitler Gockel? Ein eitler selbstgefälliger Gockel?“ Galahad wäre noch viel weniger Freundliches eingefallen, mit dem er Lancelot gern betitelt hätte.

Derweil küsste Lancelot das hübsche blutjunge Mädchen zum Abschied, das ihm aus dem Heuschuppen gefolgt war. Galahad erkannte in ihr das junge Ding, das erst vor wenigen Tagen neu in der Taverne angefangen hatten.
Als das blondgelockte Mädchen sich endgültig von Lancelot riss und ihren Weg suchte, erklang ein vernehmliches Klatschen, als Lancelot seine Hand ein letztes Mal auf ihr wunderbar gerundetes Gesäß sausen ließ.
Mit einem hohen Kichern richtete sich das Mädchen die Träger ihres Kleides, ehe sie mit hochrotem Kopf davon stolperte.

Lancelot hatte derweil seine beiden Waffenbrüder entdeckt und schlenderte betont gelassen zu beiden herüber.
„Na ihr zwei?“ Lancelots Augen schweiften über Galahad und Gawain, während ein überheblicher Ausdruck in seine Miene trat. „Hockt ihr schon wieder ganz alleine hier herum? Langsam mache ich mir wirklich Sorgen um euch, wisst ihr das? Es gibt da doch wohl nicht etwas, was ihr mir sagen wollt?“

„Nicht das ich wüsste.“ entgegnete Gawain hochmütig und warf sich das Haar zurück. „Manche von uns sind einfach wählerisch, mit wem sie das Lager teilen. Nicht jeder kann, wie du, die Moral eines räudigen und dauergeilen Straßenkaters haben. Kanntest du überhaupt den Namen des armen Dings?“

„Natürlich. Sie hieß Ari…“ Lancelot hielt inne und runzelte kurz die Stirn. „Adriane? Ariana? Wie auch immer: Auf jeden Fall war wie ein nettes Mädchen. Nur als kleiner Tipp für euch zwei keuschen Jungfrauen.”

„Irgendwann, Lancelot, wirst du dich in verdammt tiefe Schwierigkeiten bringen.“ Galahad schüttelte abwertend den Kopf. „Was wäre es doch für eine Schande, wenn du abertausende Kämpfe gegen blutrünstige Pikten überleben würdest, nur um in Endeffekt von einem eifersüchtigen Ehemann hinterrücks erschlagen zu werden.“

Lancelot lachte laut auf: „Oh komm schon. Wieso bist du auf einmal eingeschnappt wie eine eifersüchtige Ehefrau? Wenn du ein bisschen Hilfe brauchst, dann hättest du es mir nur sagen müssen. Ich könnte bei ein paar Mädchen ein gutes Wort für dich einlegen – und sie eventuell dazu überreden, sich mit dir einzulassen.“

„Ich kann jederzeit eine Frau kriegen, wenn ich will.“ schnappte Galahad gereizt. „Dafür brauche ich deine Hilfe sicherlich nicht!“

„Natürlich kannst du das.” entgegnete Lancelot mit einem viel zu breitem Lächeln im Gesicht, ehe er Galahad auf die Schulter klopfte, als wäre dieser nichts weiter als ein bockiges Kind. „Ich bin mir sicher, wenn du endlich mal eine dazu gebracht hast, mit dir das Lager zu teilen, wird alles wie am Schnürchen laufen.“

Galahad verschluckte sich vor Wut: „Was?! Du…du…ich bin nicht…“

„Ignorier ihn einfach, Galahad.“ fuhr Gawain augenblicklich dazwischen und legte dem aufgebrachten Galahad beruhigend eine Hand auf die Schulter, ehe er Lancelot einen vernichtenden Blick zuwarf. „Dieser eitle Bastard versucht doch nur, dir auf der Nase herum zu tanzen. Nur weil er alles bespringt wie ein hirnloser Straßenköter, heißt das nicht dass das auch für den Rest von uns gilt.“

„Nun, was soll ich dazu sagen?“ Lancelot grinste zufrieden. „Manche Männer sind einfach…vitaler als andere. Ich bin mir sicher, wenn ihr zwei ein bisschen älter seid, werdet ihr verstehen von was ich spreche.“
Er gähnte abermals ausgelassen und wandte sich mit einem beiläufigen Winken ab. „Wenn mich jemand sucht: ich bin im Bett. Es sind immer sie Stillen, die in Wirklichkeit alles von dir abverlangen. Dieser blondgelockte Engel entpuppte sich als wirklich ungezogene…aber was rede ich da? Ich möchte eure jungfräulichen Ohren nicht mit derlei Unrat beschmutzen.“

Und schon schritt er davon, während Galahad vor Wut purpurrot angelaufen war und Gawain ihn nur mit viel Mühe davon abhalten konnte, hinter Lancelot her zu rennen, um ihm den Hals umzudrehen.

„Schluss. Das ist endgültig genug…“ grollte Gawain, als Lancelot bereits außer Sichtweite war. „Irgendjemand muss etwas unternehmen, bevor ich mich gezwungen sehe, ihm meine Axt in seinen eitlen Arsch zu rammen.“

„Ja.“ Galahads Miene sah so finster aus, wie Gawain ihn selten erlebt hatte. „Wir brauchen einen Plan.“

„Ärger mit Lancelot?“ Wie aus dem Boden gewachsen stand Vanora vor den beiden Rittern. Sie hatte die gesamte Unterhaltung verfolgt und konnte ihre Belustigung kaum verbergen.

„Eher mit seiner aufgeblasenen Meinung.“ Gawain sah verbissen auf. „Jemand muss diesem eitlen Bastard einen Dämpfer verpassen. Oder von mir aus auch zwei.“

Vanora betrachtete die zwei mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich stimme euch beiden vollkommen zu. Zwei meiner Mädchen haben bereits die Taverne verlassen, weil er ihnen ständig nachstellte. Kurzum gesagt: ich denke ich hätte da bereits eine Idee.“

Sie beugte sich mit Verschwörermiene zu den beiden Rittern hinab und erläuterte ihnen ihren Plan. Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, konnten beide Männer ihr Lachen nicht mehr halten.
In schallendes Gelächter ausbrechend, schlug sich Galahad auf den Schenkel: „Das wird genial! Vanora, ich weiß nicht, wie wir dir das vergelten können. Wenn wir mit Lancelot fertig sind, dann wird er nicht einmal mehr wissen, wie rum er sein verdammtes Schwert anfassen soll.“
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Wie an so vielen Abenden zuvor, versammelten sich die Ritter nach einem langen Tag in der Taverne. Ihre kostbare Freizeit verbrachten sie nur zu gerne mit Würfelspielen, ausgelassenem Zechen und einem gelegentlichen Faustkampf.
Als Galahad und Gawain gemeinsam die Taverne betraten, nickte Vanora ihnen bereits lächelnd entgegen. Für den Hauch eines Augenblicks zwinkerte sie ihnen verschwörerisch zu.
Die beiden erwiderten ihre Geste, ehe sie sich zu Dagonet, Lancelot, Tristan und Bors gesellten, die an einem Tisch ein halbherziges Würfelspiel ausfochten.
„Wurde auch Zeit, dass ihr zwei endlich aufkreuzt.“ knurrte Bors unwirsch und schob ihnen zwei Humpen zu. „Tristan nimmt uns alle aus. Schon wieder.“
Mit einem Grinsen traten beide dem Spiel bei.

Während des Abends hatten sie wie so oft über die Vorzüge Sarmatiens geschwärmt, ein oder zwei römische Offiziere zur Weisglut getrieben und die letzten Schlachten Revue passieren lassen, bis ihnen schließlich das Ale ausgegangen war.

„Vanora!“ Bors lehnte sich gefährlich weit auf seinem Stuhl zurück und hielt Ausschau nach seiner Geliebten. „Wir brauchen hier Nachschub, Liebling.“

„Schon auf dem Weg.“ Vanora, ausnahmsweise einmal nicht schwanger, stellte das Tablett auf ihrem Tisch ab und wank dem jungen Barmädchen zu, das bis dato jeden ihrer Schritte verfolgt hatte.
Bereits zu Anfang des Abends hatte Gawain beobachtet, wie Vanora mit ihr die Köpfe zusammen gestreckt hatte und in die Richtung ihres Tisches gedeutet hatte.
Der Plan konnte also beginnen.

Das dunkelhaarige Mädchen kam sofort heran, um Vanora zu helfen. In der Ecke, in der Lancelot, Gawain und Galahad saßen, verweilte sie einen Herzschlag länger.

„Kann ich den Herren noch etwas bringen? Etwas für euch tun?“ Sie lächelte und warf Lancelot unter ihren langen Wimpern einen glänzenden Blick zu.

„Oh ich könnte mir da schon etwas vorstellen.“ Lancelot ließ seine Augen über ihre ansehnliche Gestalt wandern. „Warum setzt du dich nicht ein wenig zu uns? Hier neben mir wäre noch ein Plätzchen frei.“

„Oh, ich befürchte das geht nicht.“ erwiderte sie mit einem verführerischen Lächeln. „Ich muss arbeiten.“
Sie nahm das leere Tablett wieder auf, ehe sie auch Galahad einen verführerischen Augenaufschlag schenkte. „Aber in ein paar Stunden bin ich fertig. Wenn es nicht zu große Umstände bereiten würde, dann würde ich es durchaus schätzen, wenn mich einer von euch nach Hause begleiten würde. Die Straßen sind zu unsicher für eine Frau um diese Urzeit.“

„Natürlich.“ Galahad erwiderte ihr Lächeln. „Du hast vollkommen recht, so vorsichtig zu sein. Ich würde mich geehrt fühlen, dich zu begleiten.“

Lancelots Augen hatten sich gefährlich verengt, während sein Blick zwischen Galahad und dem Mädchen hin und her glitt. „Ich bin der Erfahrenere von uns beiden. Vielleicht wäre es ratsamer, wenn ich die junge Dame begleiten würde.“

„Das ist zu viel der Ehre.“ Das Mädchen machte einen tiefen Knicks, wobei wie zufällig ein wenig zu viel ihres Dekoltees zu erhaschen war. „Ihr seid beide zu freundlich. Nun muss ich aber los.“

Sie lächelte ein letztes Mal, nahm ihr Tablett wieder auf und eilte zurück zu Vanora, die bereits mit einem neuen Tablett wartete.
Alle anwesenden Augenpaare folgten ihren schwingenden Hüften. Mit Ausnahme von Tristan und Dagonet, die scheinbar abwesend in eine andere Richtung starrten.

„Ich glaube, ich gefall ihr.“ Galahad grinste siegessicher in seinen Humpen hinein, während seine Augen Lancelot suchten.
Tatsächlich lief dessen Miene in just diesem Moment zart rot an. „Du? Ihr? Gefallen? Pah!” Lancelot machte eine wegwerfende Bewegung. „Ich war es doch, den sie förmlich in ihr Bett eingeladen hat.”

„Seltsamerweise hat sie aber mich die ganze Zeit angestarrt und nicht dich.“ entgegnete der jüngere Ritter gefährlich ruhig.

Lancelot, der wahrlich schon ein wenig angetrunken war, kam schwankend auf die Beine. „Und wieso sollte sie so einen jungen Milchbart wie dich wollen, wenn sie jemanden wie mich haben kann? Nur weil du noch nie eine nackte Frau gesehen hast, kannst du dir nicht…“

„Was sagst du da?“ Galahad war weitaus schneller auf den Beinen als Lancelot und beugte sich gefährlich zu ihm hinüber. Im selben Augenblick schoss Dagonets Hand zu seinem Arm und zerrte den Jüngeren wieder auf seinen Sitz.

„Um der Götter Willen…“ grollte er beinahe lautlos. „Ist es euch nicht genug, den Pikten die Köpfe einzuschlagen? Klärt diesen Streit, aber nicht indem ihr einander die Kehlen durchschneidet.“

„In Ordnung.“ Galahad wandte trotzig sein Kinn ab.

„Wie wäre es mit einem Wetttrinken?“ warf Gawain dazwischen. „Derjenige, der zum Schluss steht, kann sich das Mädchen holen.“

Es dauerte nur einen Herzschlag, in dem Galahad und Lancelot blitzende Blicke austauschten, ehe beide zustimmend brummten.

„Also gut. Ich hole euch euer Ale und während ich weg bin, versucht euch nicht die Köpfe abzureißen.“ Mit einem letzten Nicken erhob sich Gawain und schlenderte zu dem Barmädchen, das den Streit vom Zaun gebrochen hatte.
Mit Verschwörermiene lehnte er sich zu ihr hinüber und flüsterte beinahe lautlos: „Alles fertig?“

Sie nickte und schob ihm zwei riesige Kannen zu: „In der mit dem kaputten Griff ist verwässertes Ale, in der anderen unter anderem ein guter Schuss Brandwein. Der arme Kerl wird morgen den schlimmsten Kater seines Lebens haben.“

„Das wird die kleinste, seiner Sorgen sein.“ entgegnete Gawain grinsend und schnippte dem Mädchen eine Münze zu.
Als er mit den beiden Kannen zu ihrem Tisch zurückkehrte, reichte er die mit dem kaputten Griff an Galahad, während er die andere Lancelot zuschob. „Also ihr zwei, das Spiel kann beginnen.“

„Möge der beste Mann gewinnen, wobei gänzlich außer Frage steht, wer das sein wird, nicht wahr Welpe?“ Lancelot griff nach der Kanne und goss sich in seinen Humpen ein, ehe er ihn mit einem Grinsen an die Lippen setzte. „Hm… schmeckt ein wenig eigenartig.“

„Vanora hat ein neues Fass angestochen.“ erwiderte Gawain schulterzuckend. „Vielleicht hat sie irgendetwas Neues beim Brauen ausprobiert oder ihr ist etwas schief gegangen.“

Schulterzuckend leerte Lancelot seinen ersten Humpen und schenkte sich sofort nach.

Die nächste Stunde war wirklich erheiternd. Da Gawain der einzige war, der von Galahads verwässertem Ale wusste, musste er an sich halten, nicht lauthals lachend wegen der schauspielerischen Fähigkeiten seines Freundes über der Tischplatte zusammen zu brechen.
Galahads Augen irrten ein wenig wirr umher, während seine Zunge immer schleppender ging. Und obwohl Lancelot nicht wirklich besser wirkte, schien Galahad doch derjenige zu sein, der jeden Moment von seinem Stuhl kippen würde. Und eben, als Lancelot sich bereits einen neuen Humpen eingegossen hatte und dabei die Hälfte des Inhalts auf der Tischplatte verteilt hatte, erhob sich Galahad schwankend auf die Beine, öffnete den Mund als wolle er etwas sagen und sank schließlich wie ein Stein zu Boden.

„Du hast tatsächlich gewonnen, du eitler Bastard.“ grinste Bors und stieß Galahad mit seiner Stiefelspitze an. „Der Junge ist total weggetreten.“

„Ssssag ich doch!” Lancelot kam ebenfalls auf die Beine, verlor jedoch einen Moment den Halt und griff nach dem Nächstbesten in Reichweite. Tristan knurrte entrüstet auf, als er spürte, wie Lancelot eine faustvoll seines Haares umklammerte um sich halbwegs in der Geraden zu halten.

„Der Welpe kann eben nichtssss vertragen…“

Mit einer rüden Bewegung schlug Tristan Lancelots Hand weg, so dass dieser zur Seite taumelte und sich am Tisch abfangen musste.
Wäre Lancelot nicht so sturzbetrunken gewesen, hätte Tristan ihn vermutlich an Ort und Stelle umgebracht.

„Ist euer Freund in Ordnung?“ Das Barmädchen stand plötzlich vor ihnen und sah besorgt auf Galahads unbeweglichen Körper hinab. „Ich wollte nach Hause gehen, aber…“

„Ich bringe dich heim…“ Über die eigenen Füße stolpernd, fiel Lancelot um den Tisch herum und fing sich gerade noch so an den Schultern des Barmädchens ab. „Ich werde dich beschütssssen…“
Er brachte sein Gesicht so nah an das ihrige, dass sie angewidert das Gesicht verzog, als ihr sein Bieratem entgegenschlug.
„Ich werde dich beschü-schützen. Ich hab ein Schwert, weißt du? Ein grooooßes Schwert.“ Er verfiel in gackerndes Lachen und vergrub seine Stirn an ihrer Kehle.

„Das ist wirklich zu gütig von Euch, Sir.“ Eine Hand um seine Hüfte schlingend, zerrte das Barmädchen Lancelot in eine halbwegs gerade Position und buxierte ihn unsanft Richtung Ausgang, jedoch nicht ohne Gawain nochmals ein Augenzwinkern zuzuwerfen.

„Ist er weg?“ Galahad öffnete probehalber ein Auge und nickte Richtung Ausgang. „Dieser Boden ist verdammt unbequem.“

„Luft ist rein. Komm, du…“ Gawain griff grinsend nach Galahads ausgestrecktem Arm und zog seinen Freund auf die Füße.
Die Augen der anderen Ritter schienen beinahe aus ihren Höhlen zu springen.

„Schon in Ordnung.“ Gawain hieb Galahad auf die Schulter, als dieser sich auf seinen alten Platz sinken ließ und grinsend seinen Humpen leerte. „Jetzt können wir es euch ja erklären.“

Das Gelächter, in das Bors ausbrach, kaum dass er in den Plan eingeweiht war, war so markerschütternd, dass alle noch anwesenden Gäste sich zu ihnen umwandten. Selbst Tristan und Dagonet gestatteten sich ein breites Grinsen.
Doch noch ehe die drei Gawain oder Galahad mit Fragen bestürmen konnten, war das Barmädchen zurück. Sie war außer Atem und Schweiß glänzte auf ihrer Stirn.

„Er schläft wie ein Säugling.“ erklärte sie atemlos und lächelte kurz. „Wie ein ziemlich haariger und schnarchender Säugling. Kaum hatte sein Kopf die Matratze berührt, war er auch schon weg. Für einen Moment befürchtete ich schon, er würde es nicht einmal bis dorthin schaffen…

„Sehr gut.“ Galahad grinste ihr zu und warf ihr eine weitere Münze zu. „Und Meg ist soweit?“

„Auf dem Weg, während wir miteinander sprechen.“ erwiderte das Mädchen ebenso grinsend und steckte die Münze ein. „Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass sie diese ganze Sache verdammt genießt.“

„Da geht es der guten Meg wie uns.“
Und auf Gawains Worte hin brach endgültig der gesamte Tisch in tosendes Gelächter aus.


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Zögerlich öffnete Lancelot ein Auge, nur um es in der selben Sekunde wieder zu schließen.
Das Licht war zu grell, die Geräusche zu laut.
Sein Schädel fühlte sich an, als hätte ein Pikte ihn mit der Axt gespalten, während sein Magen eigenartige Kapriolen schlug.
Noch während Lancelot sich schwor, nie wieder etwas zu trinken – oder jedenfalls nicht bis heute Abend – versuchte er sich verzweifelt daran zu erinnern, was gestern vorgefallen war.
Trübe konnte er sich an ein Wetttrinken mit Galahad erinnern. Aber noch immer waren seine Erinnerungen wie von dichtem Nebel umhüllt.
Mit viel Kraftanstrengung und dem einfachen Wunsch, sich nicht sofort übergeben zu müssen, schaffte Lancelot es tatsächlich, sich aufzusetzen.
Die Decke glitt von ihm und der kalte Luftzug ließ ihn augenblicklich erschauern. Augenblicklich erkannte er, dass er unter der Decke vollkommen nackt war.
Normalerweise, wenn er betrunken war, zog er sich nicht einmal die Stiefel aus und selbst wenn seine Waffenbrüder ihn hier her geschleift hatten, dann hätten sie ihn sicherlich nicht bis zur Haut entkleidet.
Jedenfalls hoffte er das.

Mit einem Stöhnen vergrub er das Gesicht in den Händen, als er spürte, wie sich seine letzte Malzeit ihren Weg nach oben bahnte.

„Alles in Ordnung, Schätzchen?“

Lancelot machte einen riesigen Satz aus dem Bett und landete halb in der nebenbeistehenden Kleidertruhe.

„Es tut mir leid, ich…“ Lancelot war gänzlich sprachlos über die Gestalt, die da neben ihm im Bett gelegen hatte.
Die Frau, oder jedenfalls glaubte er, dass sie einmal einer Frau ähnlich gesehen haben musste, lächelte verführerisch aus ihrem zahnlosen Mund zu ihm auf.
Wobei das Wort „verführerisch“ eine ganz neue Bedeutung bekam.

Auch sie war, wie Lancelot, vollkommen nackt und Lancelot konnte von Glück sagen, dass man bei all den Falten nicht so viel erkennen konnte.
Wie alt musste dieses alte Weibstück sein? Achtzig?! Konnte man so alt überhaupt werden?

Sie wickelte sich eine ihrer wenigen weißen Haarsträhnen um einen krummen Finger und beobachtete ihn mit glänzenden Augen. Ihre Augen glitten eindeutig ein Stück zu tief, so dass Lancelot instinktiv die Hände vor sein Gemächt brachte.

„Bist du bereits für mehr, Liebster?“

Vor Schock geradezu erstarrt, war Lancelot unfähig zu sprechen. Diese Alte war nackt. Und er… er war auch nackt. Mit ihr. In einem Bett.
Oh bei den Göttern! Er hatte doch nicht…
Nein! Nein das konnte nicht sein.

Mit einer zitternden Hand griff er nach der Decke und wickelte sich so schnell es ging darin ein.

„Wie, du willst mich schon verlassen? Wieso auf einmal so schüchtern, Bübchen? Letzte Nacht hast du mir doch bereits bewiesen, was für ein lüsterner und unzüchtiger Ritter du sein kannst. Und was für ein langes Schwert du doch hast.“ Sie streckte ihre runzlige und knöcherne Hand nach ihm aus, doch ehe sie ihn berühren konnte, zuckte Lancelot zurück, als habe ihn eine Wespe gestochen. Er taumelte gegen die Wand in seinem Rücken, kam ins Schwanken und verlor den Halt samt Decke.

„Ich…ich…“ Er rappelte sich mühselig auf die Beine und zog die Decke abermals um seine Hüften.

„Wie, du willst deiner Meg nicht einmal ein Abschiedsküsschen geben?“ Sie sah tatsächlich verletzt aus, ehe sie die Lippen spitze. „Nicht ein einziges? Nach all dem, was ich gestern Nacht für dich getan hab?“

Das war zu viel. Mit einem überstürzten Sprung war Lancelot bei der Türe und riss sie in seiner verzweifelten Flucht zu heftig auf.
Krachend schlug sie auf die Steinwand und fiel hinter Lancelot wieder schmetternd ins Schloss, doch dieser hörte das schon nicht mehr. Als wären alle Dämonen hinter ihm her wollte er die Flucht ergreifen, bemerkte jedoch zu spät, dass seine Decke sich in der wieder geschlossenen Türe verhakt hatte.
Er hörte, wie sich die Alte drinnen aus dem Bett schwang und auflachte: „Lancelot, ein Stück deiner Decke ist noch hier drin. Komm doch herein und gib mir ein Küsschen, dann bekommst du sie auch wieder.“

Mit einem entsetzten Schrei ließ Lancelot die Decke los und floh nackt, wie am Tage seiner Geburt, den Gang hinunter. Als er endlich die Türe zum Hof aufriss und ins grelle Sonnenlicht taumelte, brandete ihm kreischender Applaus entgegen.
Gawain und Galahad lagen einander vor Lachen weinend in den Armen und auch Bors hielt sich den Bauch, als könne er keinen Moment länger lachend auf den Beinen bleiben.
Selbst Tristan, von dem man normalerweise keine Regung erhielt, grinste breit hinter seinem Zottelschopf hervor.

„Bedeck dich wenigstens, Lancelot.“ Mit einem Mal stand Vanora vor ihm. Ihre Augen rutschten ein wenig zu tief für Lancelots Geschmack, ehe sie schmal grinste und ihm ein Geschirrtuch zuwarf. „Du hast ohnehin nichts, was es zu zeigen lohnen würde.“

Mit dem schmalen Geschirrtuch notdürftig seine Blöße bedeckend, fühlte Lancelot wie seine Wangen einen satten Rotton annahmen.

„Ich hab dir doch gesagt, dass es bald keine Frauen mehr gibt, du doch noch nicht hattest, Lancelot. Aber dass du gleich auf alte Damen wie Meg zurück greifst…“ Gawain wischte sich grinsend die Tränen aus den Augen.

Bors, ebenfalls von Lachern geschüttelt, sah auf: „Ich habe ja gehört, dass reife Frauen verdammt gut im Bett sein sollen? Aber gleich so alte? Lancelot, du musst mir das jetzt aus erster Hand erzählen.“

Etwas Unverständliches stammelnd, wich Lancelot zurück, riss die Türe hinter sich abermals auf und stolperte zurück in Richtung Sicherheit.
Das Gelächter der Ritter, der Barmädchen und Diener verfolgte ihn noch eine scheinbare Ewigkeit.

Sein kleines „Zwischenspiel“ mit Meg, der Großmutter des Barmädchens, brachte ihn zwar nicht gänzlich von seinem leichtlebigen Liebesleben ab, aber von jenem Tag an, brauchte es nur ein beinahe lautlos gemurmeltes „Großmutters Liebhaber“ und seine großspurigen Reden verstummen so schnell, wie sie gekommen waren.



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