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von Elbenstein1978    erstellt: 15.06.2010    letztes Update: 14.03.2011    Geschichte, Mystery / P18 Slash    (fertiggestellt)
Hallo liebe Leser/rinnen!


Ich freue mich riesig über die positive Resonanz des Prologs und auch über die vielen Favoriteneinträge *ganz platt bin*
Und natürlich ein großes DANKE an Adrian Malfoy, Dylia, SIvra, Zuckerdrache, mimaja, Reina-Reni, neomoon, Tayet Black, hermione-twin, Avada, snake of slytherin, MissYve und Mondengel für eure Revies *knuddel*

Heute gibt es auch einen ganz besonderen Grund, warum ich früher poste, denn neomoon hat Geburtstag und zu diesem Anlass widme ich ihr dieses Kapitel :-)


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Das erste Kapitel für Dich zum Gedenken

möchte ich am Geburtstag Dir schenken.

Ich hoffe Du findest mein Geschenk wunderbar,

es möge erfreuen Dich über’s ganze Jahr.



Alles Gute zum Geburtstag neomoon *knuddel*


Liebe Grüße Elbenstein




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1. Kapitel


Ein nervendes Klopf Klopf Klopf hämmerte hinter Harrys Stirn und Schläfen und wurde stärker. Grummelnd nahm er die Kopfschmerzen zur Kenntnis und hatte keinerlei Bedürfnis die Augen zu öffnen. Die Dunkelheit tat ihm gut, aber da täuschte sich der Gryffindor. Kaum erwachte sein Verstand träge zu neuem Leben, sah er sofort wieder die Große Halle vor sich. Sie war in Zwielicht getaucht und vor ihm erhob sich ein unheilvoller Schatten: Voldemort. Das Ungeheuer fixierte ihn mit rot glühenden Augen, während das Gesicht zu einer höhnischen Fratze verzogen war. Er entblößte seine Zähne zu einem tödlichen Lächeln und …

Alarmiert riss Harry die Augen auf und blickte an eine weiße Decke. Sofort wurde er vom herein fallenden Sonnenlicht geblendet und in Windeseile steckte er seinen Kopf unter die Bettdecke. Dabei raste sein Puls und er atmete hektisch. Erst nach ein paar Minuten hatte er sich etwas beruhigt und war umso verwirrter, weil er im Bett lag. Vorsichtig lugte er unter der Decke hervor und erkannte durch halb zusammengekniffe Lider sein eigenes Schlafzimmer wieder. Doch wie war das möglich? Seine Verwirrung wuchs, denn das Letzte woran er sich erinnerte, war das Zaubereiministerium. Zusammen mit Hermine und Blaise wollte er zu Malfoys Anhörung gehen, aber warum lag er dann ausgezogen im Bett?

Irritiert setzte er sich auf und massierte sich die Schläfen, um wenigstens ein bisschen Linderung gegen die Kopfschmerzen zu bekommen. Es half, aber er benötigte dringend einen Schmerztrank oder eine Aspirin, ganz egal was, Hauptsache es half. Schließlich schweifte sein Blick durchs Zimmer und er bemerkte, dass es genauso aussah, wie er es verlassen hatte. Als Harry jedoch zum Digitalwecker auf dem Nachttisch schielte, zeigten die grün leuchtenden Zahlen acht Uhr morgens. Verflucht, wie war das nur möglich? Hatte er möglicherweise bloß von seinen Freunden und dem Ministerium geträumt? Die Antwort bekam er durch den Anblick der zwei Scotchflaschen, die ebenfalls auf dem Nachttisch standen. Eine war leer, die andere noch voll.

„Das kann doch nicht wahr sein“, nuschelte Harry und versuchte den Anflug von Panik zu unterdrücken.

Das war schon wieder ein Morgen der mit einem totalen Blackout begann und er konnte sich nicht einmal erinnern, wie er nach Hause gekommen und wann er mit dem Trinken angefangen hatte. Er sollte wirklich mit dem Alkohol aufhören, sagte er sich stumm und massierte sich die Schläfen. Alleine wegen den quälenden Kopfschmerzen sollte er die Hände davon lassen. Vielleicht wäre es das Beste, wenn er Blaise doch nach Schlaftränken fragen würde, die verursachten wenigstens keine Filmrisse in großem Ausmaß.

Eine sehr gute Idee, dachte Harry stöhnend und krabbelte umständlich unter seiner kuscheligen Bettdecke hervor. Auf wackligen Beinen wankte er zum Badezimmer, wobei er sich fest vornahm bei Blaise vorbeizuschauen. Er benötigte so schnell wie möglich einen Anti-Katertrank.

Eine halbe Stunde später trat Harry nach einer belebenden Dusche und nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen in den Flur und schnüffelte. Es roch eindeutig nach frischem Kaffee. Verdutzt runzelte er die Stirn, denn immerhin wohnte er alleine im Grimmauldplatz, Kreacher arbeitete seit der Renovierung in Hogwarts. Das bedeutete dann wohl Hermine musste ihm Frühstück gemacht haben, denn nur sie und Blaise besaßen die Erlaubnis ungefragt sein Haus zu betreten. Aber wieso hatte sie nicht nach ihm gerufen und geweckt? Schulterzuckend huschte er ins Schlafzimmer und schlich kurz darauf angezogen die Treppe nach unten. Heute trug er etwas bequemes, eine Bluejeans, ein graues T-Shirt mit modernem Aufdruck und schwarze Sneaker. Seine Haare waren immer noch feucht, doch es war Sommer und er konnte sie ohne Probleme lufttrocknen lassen, außerdem ließen sie ihn so ein wenig draufgängerisch erscheinen.

Von der Küche drang klapperndes Geschirrrücken zu ihm in den Flur und der Duft von frischem Kaffee mischte sich mit Rühreiern und Speck, was seine Schritte beschleunigte. Hermine war ein Engel auf Erden, dachte er lächelnd. Sie wusste immer was er brauchte. Im Türrahmen kam er zum stehen und meinte fröhlich: „Hermine-“, die restlichen Worte blieben ihm sprichwörtlich im Hals stecken.

Plötzlich raste Harrys Puls und die Verwirrung stand ihm groß ins Gesicht geschrieben. Wie war das möglich? Was war passiert? Das konnte doch unmöglich wahr sein! Wieso stand ein junger Mann am Herd in seiner Küche und briet Eier und Speck in der Pfanne an? Doch schlimmer als diese Erkenntnis war, es handelte sich nicht um irgendein jungen Mann!

Der Mann schien Harry bemerkt zu haben, denn er drehte sich betont langsam um. Sein Gesicht wirkte ausdruckslos, aber das ablehnende Funkeln in den sturmgrauen Augen sprach Bände. Verachtung, Verwirrung und Überraschung lagen in dem Blick, der den Schwarzhaarigen förmlich durchbohrte.

„Das Frühstück ist fertig“, sagte der junge Mann schnarrend und lief auf Harry zu. Neben ihm blieb er stehen und flüsterte: „Ich hab schon gegessen und so lange du mich nicht brauchst bin ich in meinem Zimmer.“

In jenem Moment war der Gryffindor zu keiner Reaktion fähig. Vielmehr rang er um seine Fassung und konzentrierte sich auf seine Atmung. Ruhig einatmen und ausatmen, dann dasselbe von vorne und weiter, immer weiter. Schlagartig verschwanden auch seine Kopfschmerzen, dafür glaubte er sich in einem Albtraum. Warum bei allen Göttern war Draco Malfoy in seiner Küche gewesen und hatte für ihn Frühstück gemacht?

Mit einem Mal löste sich seine Starre in Nichts auf und er wirbelte zu Malfoy herum, aber der war bereits nach oben verschwunden. Wieso wollte der Slytherin eigentlich auf sein Zimmer gehen? Malfoy wohnte hier nicht, nicht solange er hier wohnte. Harry wollte ihm gerade hinterher rennen, als ihm der Geruch von verbrannten Rühreiern in die Nase stieg. Mit zwei gekonnten Hechtsprüngen war er am Herd und zog mit einem Topflappen die gusseiserne Pfanne von der Herdplatte. Danach landete sie scheppernd samt Inhalt und begleitet von Harrys lautem Fluchen in der Spüle, worauf er das verbrannte Etwas in kaltem Wasser ertränkte.

„Verdammt, Malfoy! Du bist ein Arsch!“, keifte er ärgerlich und drehte das Wasser wieder ab.

Hastig lief er zur Hintertür, die von der Küche in den angrenzenden Garten führte und riss sie auf, um den Gestank zu vertreiben. Im selben Augenblick schuhute es und eine Eule kam auf ihn zugeflogen, in ihren Krallen den allmorgendlichen Tagespropheten. Geistesgegenwärtig nahm er die Zeitung entgegen und reichte der Eule einen Eulenkeks aus einer Dose, die unmittelbar auf der Fensterbank neben der Tür stand; die letzten Überbleibsel seiner geliebten Hedwig. Immer noch schimpfend sah Harry dem Tier nach und versuchte zu begreifen, warum Malfoy in seinem Haus war. In all seiner Verzweiflung, weil er sich an überhaupt nichts erinnern konnte, goss er sich frischen Kaffee in einen großen Becher und setzte sich mit dem Tagespropheten an den Tisch. Doch er saß nicht einmal richtig und erschrak von neuem, als ihm die heutige Schlagzeile ins Auge stach.

Held-der-Zaubererwelt fordert Lebensschuld ein!

„Was soll denn der Mist?“, fragte er sich laut und krallte missvergnügt seine Finger in die Zeitung.
Um seinem Schock mehr Nahrung zu verleihen, sah er ungläubig neben dem Artikel groß ein Bild von sich, klein daneben blickte ihn ein resigniert dreinblickender Blonder an. Dann las er aufgeregt.

In der gestrigen Anhörung des Todesser-Nachwuchses aus der schwarzmagischen Reinblutfamilie Malfoy, sprich Draco Lucius Malfoy, sorgte unser Held – Harry James Potter – für einen Aufruhr. Ich kann Ihnen exklusiv berichten, dass ein Fall eingetreten ist, der seit zweihundert Jahren seinesgleichen in der Geschichte der Hexen und Zauberer in Großbritannien sucht.
Nach einer gründlichen Anhörung, wobei Mr Potter zu Gunsten des Angeklagten ausgesagt hatte, wurde Mr Malfoy jr. von den schwerwiegenden Punkten während des Krieges für unschuldig befunden. Doch wegen des Tragens des Dunklen Mals hat ihn das Zaubereiministerium schuldig gesprochen.
Durch die Aussage unseres Helden kam dabei ans Licht, dass Mr Potter Mr Malfoy jr. zwei Mal das Leben gerettet hat. Darauf basierend plädierte unser Held auf den Paragraphen 178 Absatz 3.4 des Zauberergesetzes auf die Einlösung einer Lebensschuld. Dieser alte Paragraph ist nach sorgfältiger Untersuchung am gestrigen Mittag durch eine Sondereinheit des Zauberergamonts für rechtens erklärt worden. Das daraus resultierte Urteil lautete am Ende, dass Mr Malfoy jr. für die nächsten fünf Jahre in der Lebensschuld von unserem geschätzten Harry Potter steht. Jeweils zweieinhalb Jahre für eine Lebensschuld.
Weitere Details hierzu finden Sie auf Seite 7 und 9.

Ihre Mofilda Redgreen

Immer noch erschüttert blätterte Harry nervös auf die genannten Seiten um. Aber was er dort erfuhr befriedigte ihn keineswegs. Dort wurde lediglich weitschweifend über den Paragraphen und dessen Entstehungsgeschichte berichtet, doch keine einzige Zeile enthielt einen Hinweis darauf, was diese Lebensschuld in der Realität bedeutete. Nur eines wusste er, Malfoy wohnte bei ihm und hatte ihm Frühstück zubereitet. Verdammt! Was sollte das alles und warum konnte er sich an rein gar nichts von alledem erinnern? Es war schier zum Haare raufen! Am liebsten hätte er seine Verzweiflung laut herausgeschrien.

Stattdessen begnügte er sich damit, wütend den Tagespropheten zu zerknüllen und in die nächste beste Ecke zu feuern. Anschließend stürzte er den Inhalt seiner Kaffeetasse herunter, bis er frustriert vom Stuhl aufsprang. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Das war sicherlich ein Scherz von Hermine und Blaise! Was denn sonst! Aber wenn es ein Scherz war, wieso kamen nicht alle aus ihren Verstecken gesprungen und lachten? Harry seufzte laut und stand wie ein begossener Pudel in der Küche und wartete, wartete und wartete. Noch immer wartete der Gryffindor und dachte, es könnte nicht schlimmer werden, da wurde es schlimmer. Niemand kam zu ihm gerannt und klärte ihn auf. Um seinen Frust weiter zu steigern, kehrten nun auch wieder diese verdammten Kopfschmerzen zurück.

Stöhnend ließ er sich auf den Stuhl fallen und starrte auf das Honigglas, als würde es ihm die richtigen Antworten liefern. Er konnte sich einfach keinen vernünftigen Reim auf all das machen, weder auf seine Blackouts, noch auf diesen komischen Paragraphen, von dem er zuvor noch niemals etwas gehört oder gelesen hatte. Am liebsten hätte er Hermine gefragt, aber von dieser Idee kam er recht schnell wieder ab. Sie würde höchstwahrscheinlich unangenehme Fragen stellen und ihm Vorwürfe wegen seines Alkoholkonsums machen. Blaise fiel aus denselben Gründen aus. Denn wenn er und Hermine etwas gemeinsam hatten, dann war es ihr unheimlicher Drang nach Wissen. Somit gab es nur noch sein Vorgesetzter in der Aurorenabteilung, obwohl die beste Lösung vermutlich wäre, den Slytherin direkt auszufragen. Aber ausgerechnet vor einem Malfoy wollte er sich keine Blöße geben, also was sollte er tun?

Dieses Problem rückte in den Hintergrund, als plötzlich besagter blonder Schlangenliebhaber im Türrahmen erschien und den Schwarzhaarigen missgelaunt beobachtete. Ohne eine Wort zu sagen räumte er den Tisch ab und wusch doch tatsächlich das Geschirr von Hand. Es wirkte anfänglich noch etwas unbeholfen. Harry schaute ihm dabei schweigend zu, weil er einfach nicht wusste, was er sagen oder denken sollte. Als der Blonde schließlich fertig war, sah er ihn fragend an.

„Hast du noch eine Aufgabe für mich, Potter?“

„Ähm …“, antwortete er und überlegte. „Du könntest mir vielleicht erklären, was es mit der Lebensschuld auf sich hat“, schoss es aus seinem Mund, bevor er es verhindern konnte.

Draco legte die Stirn in Falten und fixierte sein Gegenüber, als hätte er den Verstand verloren. Dabei bemerkte er zu seiner eigenen Freude, dass sein früherer Schuldfeind sich offenbar unbehaglich fühlte. Das war das Mindeste was er empfinden sollte, dachte er und beschloss auf Konfrontationskurs zu gehen. „Potter, du bist echt durchgeknallt. Gestern lieferst du noch eine riesige Show in der Anhörung ab und erzählst allen groß und breit von diesem bescheuerten Schwur, dass die Idioten danach stundenlang diskutieren, und jetzt fragst du mich allen ernstes danach. Reicht es nicht, dass du mich jetzt fünf Jahre herumkommandieren kannst? Du bist echt das letz-“

„Ich habe nicht von Herumkommandieren gesprochen“, unterbrach Harry den triefenden Sarkasmus und versuchte nicht wütend zu werden. „Ich will nur wissen, was es bedeutet, nicht mehr und nicht weniger.“ Dann seufzte er und rieb sich wieder die Schläfen. „Und auch wenn es dich nichts angeht …“, sprach er weiter, „… aber ich hatte einen beschissenen Albtraum und hab noch beschissener geschlafen. Mein Schädel hämmert, als wäre darin ein Presslufthammer eingesperrt und jetzt will ich nur eine Frage von dir beantwortet haben. Vergiss einfach was ich gestern sagte und erklär es mir einfach. Wenn du nicht willst, kann ich dich aber gerne herumkommandieren.“

Für einige Momente herrschte absolute Stille. Draco sah Harry an und ließ die Worte auf sich wirken. Das alles konnte nicht wahr sein! Was hatte er nur getan um das hier zu verdienen? Das Ministerium hatte ihn gestern tatsächlich freigesprochen und wegen dem verfluchten Dunklen Mal hätte er lediglich weitere sechs Monate im Kerker verbracht, um als freier Mann entlassen zu werden. Stattdessen musste ihm das Wrack von einem Helden diese Schmach auferlegen! Schließlich sprach er laut: „Hör mir gut zu, denn ich werde es nur einmal sagen und ich tu das auch nur, damit du nicht auf die Idee kommst mich noch mal danach zu fragen.“ Seine Wut mischte sich mit Ironie. Er verschränkte die Arme vor der Brust und fuhr hochmütig fort. „Wegen dir musste ich nur vor der Anhörungsjury den magischen Schwur der Lebensschuld schwören, der mich jetzt verfluchte fünf Jahre verpflichtet dir, meinem ach so tollen Potter, immer und überall zu dienen. Wegen dir darf ich diesen verdammten Ort nur zwei Stunden am Tag verlassen und besitze wegen dem Schwur keinerlei Rechte mehr. Und das Schönste an der ganzen Sache ist immer noch, sobald ich gegen einen Befehl von dir verstoße, dann verursacht der Schwur unglaubliche Schmerzen, was dir wohl am meisten Spaß macht. Mit dem Schreien und Befehle erteilen hat es ja schon gestern gut funktioniert, nicht wahr. Aber glaub mir, du wirst mich niemals winseln sehen, dazu wirst du mich nicht bekommen, niemals! Hast du dich jetzt genug in deiner Überlegenheit gesuhlt? Wie krank bist du eigentlich, Potter? Beim nächsten Mal sauf dich wenigsten nicht besinnungslos.“ Nachdem er geendet hatte sah er Harry herausfordernd an.

Doch der Gryffindor saß da und konnte es einfach nicht fassen. Das ganze war total absurd! Eigentlich war er froh gewesen nichts mehr mit Malfoy und dessen Familie zu tun zu haben, dann sollte er sich ausgerechnet Draco Malfoy für fünf Jahre auf die Pelle binden? Es lief eindeutig etwas verkehrt und allmählich vermutete er, es lag alles an seinen verfluchten Blackouts. Das Problem war allerdings, er konnte sich niemandem anvertrauen und um Hilfe bitten, außer …

„Hast du noch eine Aufgabe für mich?“, drang Dracos Frage an sein Ohr und unterbrach seine Gedanken.

„Ja“, antwortete er und stand auf. „Du sagst, du darfst zwei Stunden aus dem Haus?“

Zögerlich nickte der Blonde und fragte sich, ob sein Gegenüber schon immer so begriffsstutzig gewesen war. Aber an diese vergangene Zeit wollte er vor dem Gryffindor nicht denken, umso mehr konzentrierte er sich auf seine Enttäuschung, die sich mit innerlichem Zorn mischte.

„Gut …“, meinte Harry und kam einen Schritt näher. „Dann kauf mir in der Apotheke um die Ecke einen Großpackung Aspirin.“ Am liebsten wäre er selbst gegangen, frische Luft hätte seinem brummenden Schädel gut getan, aber er brauchte ganz dringend Zeit für sich alleine im Haus. Noch immer hatte er nicht wirklich verstanden was passiert war, umso mehr wollte er es herausfinden.

„Du willst mich so auf die Straße schicken?“ Draco schaute wenig begeistert an sich herunter. Noch weniger behagte es ihm alleine in die Muggelwelt zu gehen, eine Welt die er bisher nicht kannte und für seinen Geschmack auch nicht kennen lernen wollte. Schon der gestrige Crashkurs in einigen Muggeldingen war ihm nicht geheuer gewesen, obwohl er es geschafft hatte heute Morgen Kaffee zu kochen. Seine plötzliche Beklommenheit verschleierte er schnell hinter einem höhnischen Grinsen.

Aber Harry hatte ihn bereits durchschaut. Es war nur ein leichtes Zittern gewesen, es reichte jedoch aus, um ihm einen merkwürdigen Stich in der Magengegend zu versetzen, obwohl er im ersten Moment versucht war etwas Abwertendes zu erwidern. Vielmehr glaubte er zu wissen, dass Malfoy sich genauso fühlen musste wie er sich damals, als er das erste Mal die Zaubererwelt zu Gesicht bekam. Er war ängstlich, aber auch neugierig gewesen. „Hast du denn keine Klamotten?“, fragte er stattdessen.

„Ich hatte mal welche.“

„Und wo sind sie jetzt?“

Draco zuckte mit den Schultern und meinte: „Bei meiner Inhaftierung hab ich die hier bekommen“, dabei zupfte er mit den Fingern an seiner schmutzigen Baumwollkleidung. „Keine Ahnung was die Idioten mit meinem Zeug gemacht haben.“

„Hmmmm“, überlegte Harry und irgendetwas in ihm fühlte mit dem Blonden. In seinem derzeitigen Aufzug konnte er auf keinen Fall unter die Leute da draußen gehen und obwohl es ein unpassender Zeitpunkt war, musste er an seine Zeit bei den Dursleys denken. Dort hatte er immer die alten, abgetragenen und viel zu großen Hemden, Hosen, T-Shirts und Pullover von seinem Cousin Dudley tragen müssen, die auf verquere Weise dieser grauen Kerkerkluft gleichkam, aber zumindest hatte er damals Schuhe besessen. Da kam ihm eine Idee, sogar zwei, und er fand sie beide gut. „Sag mal, wir zwei sind doch fast gleich groß?“

„Die Betonung liegt auf fast, Potter. Warum fragst du?“

„Dann komm mit“, grinste der Schwarzhaarige amüsiert.

Ohne auf Dracos irritierten Gesichtsausdruck zu achten ging er voraus und mit ihm in den ersten Stock. Vor Harrys viertürigem Kleiderschrank blieben sie stehen. Sofort wühlte er sich durch seine Klamotten, die seit dem Einzug in den Grimmauldplatz neu und modisch waren. Nach längerem Suchen tauchte er mit einer frischen Boxershorts, Strümpfen, einer hellen Bluejeans und einem schwarzen T-Shirt wieder auf. Immer noch grinsend drehte er sich um und drückte Draco die Sachen einfach in die Hände. „Das dürfte dir passen und unten im Flur stehen Turnschuhe, die dürften auch gehen.“

„Das ist nicht dein Ernst, Potter?“ Draco starrte entsetzt auf die Kleidung, die er unbemerkt krampfhaft festhielt. Dabei wog die Überraschung schwerer als der Gedanke, Kleider des Goldjungen anzuziehen.

„Das ist mein voller Ernst“, lachte der Gryffindor und aus einem Reflex heraus klopfte er ihm kumpelhaft auf die Schulter. Als er sich dessen bewusst wurde, machte er eilig einen Schritt zurück und biss sich nervös auf die Unterlippe. Das hatte er nicht gewollt.

Nun war es an dem ehemaligen Slytherin sich ein Lachen zu verkneifen. Gestört hatte es ihn merkwürdigerweise nicht, denn zum ersten Mal seit Monaten fasste ihn jemand auf freundliche Art an und nicht, weil er ihn durch irgendeinen dunklen Gang vorandrängte, ihn dabei schlug und dazu beleidigende Kommentare von sich gab. „Ich ziehe doch nicht deine Klamotten an“, beschwerte er sich schließlich und hätte sie Harry am liebsten vor die Füße geworfen, aber etwas hinderte ihn daran.

„Stell dich nicht an wie eine Dramaqueen, der ein Fingernagel abgebrochen ist“, kicherte Harry und schüttelte den Kopf. „Du kannst auch gerne in deinem jetzigen Aufzug da rausgehen, aber das würde ich dir nicht empfehlen. Wenn du so vor die Tür gehst, wirst du bestimmt gleich verhaftet wegen Erregen öffentlichen Ärgernisses und ich weiß, dir gefällt doch der Gedanke, dass ich nicht in deiner Nähe bin, das sieht man. Also stell dich nicht an und zieh die Sachen an, ich dreh mich auch um.“

Draco starrte den Gryffindor an, als wäre er ein giftgrüner Alien mit rosaroten Punkten im Gesicht. Er musste sich eindeutig verhört haben, was anderes konnte nicht sein. „Könntest du vielleicht so freundlich sein und nicht ständig in Rätseln sprechen?“

„Rätsel?“ Ein großes Fragezeichen schwebte über Harrys Kopf.

„Tu nicht so“, erwiderte der Blonde leicht wütend. „Warum bist du plötzlich so stink freundlich? Welches kranke Spiel spielst du? Denn das ist alles, aber nicht lustig!“

Was meinte er jetzt schon wieder? fragte sich Harry und schaute irritiert drein.

Draco seufzte, dann funkelte er sein Gegenüber streitlustig an, obwohl er wusste wie gefährlich das war, er konnte sich nicht wehren. Aber einem Potter würde er sich niemals beugen. „Gestern machst du noch einen auf Bigboss und erzählst mir groß und breit etwas von Gehorsam und dass ich endlich das bekommen habe, was ich verdiene und jetzt drückst du mir einfach deine Sachen in die Hand und machst, als wäre gar nichts gewesen. Dann soll ich auch noch für dich in die Muggelwelt. Man, Potter … hörst du dir öfters auch mal selbst zu?“

Harrys Fragezeichen wuchs, denn wie sollte es anders sein, er konnte sich immer noch nicht an gestern erinnern. Er benötigte dringend Hilfe und über das Wochenende musste noch dringender eine Lösung des Problems her. Doch dazu brauchte er zuerst einen klaren Kopf, frei von diesen nervenden Schmerzen und ohne Alkohol. Schließlich versuchte er erst einmal Draco zu beruhigen, was ihm selbst auch nicht schaden würde. „Okay … okay … ich gebe ja zu, dass ich gestern anscheinend eine Menge Mist verzapft hab“, bedeutete er, was der Blonde mit einem Schnauben beantwortete. „Wie wär’s denn, wir beide vergessen was ich gesagt und getan hab und wir fangen noch mal von vorne an. Den Schwur werde ich aber kaum rückgängig machen können.“

Der letzte Satz klang für Draco eher wie eine Frage statt nach einer Feststellung, was ihn nur mehr verwirrte. Er wurde seit der Anhörung aus dem Gryffindor nicht schlau, er verhielt sich äußerst seltsam. In Hogwarts hatte er wenigstens seinen Feind gekannt, aber nun hatte sich alles verändert. Dabei war er sich über seine Sache absolut im Klaren, heute wirkte Potter mehr wie Potter, als einen Tag zuvor. Woran es lag, konnte er sich nicht erklären. Nachdem ihn zwei Zauberer der Polizeibrigade vom Ministerium zum Grimmauldplatz gebracht hatten, hatte sein Gegenüber ihm noch ziemlich deutlich gemacht, was er tun durfte und was nicht. Anschließend hatte er ihm sein künftiges Zimmer gezeigt und war danach in seinem eigenen verschwunden. So meinte er aus einem Impuls heraus laut: „Aus dir soll einer schlau werden. Es wundert mich ehrlich, dass Granger bei dir noch einen Durchblick behält. Bei deinen verschiedenen Meinungen bekommt man irgendwann ein Schleudertrauma.“ Die Wut war darauf vorerst wieder verraucht.

Harry senkte ein wenig verlegen den Kopf und bekam plötzlich einen blendenden Einfall, um seinen neuen Untermieter – genau das sah er in ihm – noch weiter zu beruhigen und sich gleich mit. „Mir geht es seit dem Tod des Schlangengesichts und all den anderen echt beschissen. Das ist zwar keine vernünftige Erklärung, aber es ist so.“ Nebenher glaubte er den Blonden nicken zu sehen, doch der Eindruck verschwand genauso schnell, wie er kam. „Ich fühl mich seitdem ein bisschen neben der Spur. Was mich da gestern geritten hat, kann ich ehrlich gesagt nicht erklären, aber wenn du mal genau nachdenkst, meinst du die Zaubererwelt würde dich sofort mit Kusshand wieder aufnehmen? Dein Vater hat den Dementorenkuss bekommen und sitzt als ein atmendes Etwas in seiner Zelle in Askaban …“, was er innerlich als ein gerechtes Urteil für Lucius Malfoys Taten ansah, „… und du bist sein Sohn. Ganz Großbritannien weiß das. Überleg doch, dir würde höchstwahrscheinlich nicht einmal jemand Arbeit geben. Sie sehen in dir nur den Sohn von Voldemorts Rechter Hand. Stellt dir doch nur mal vor, du läufst offen durch die Winkelgasse und sie sehen dich. Ich glaube kaum, dass einer dabei ruhig zusieht und …“

„Ist das deine schäbige Ausrede?“, unterbrach ihn Draco überraschenderweise sehr ernst.

„Das ist keine Ausrede, sondern eine Tatsache“, meinte Harry genauso ernst.

„Erwartest du jetzt, dass ich dir dankbar die Füße küsse?“ Und schon schlich sich Dracos Sarkasmus in den Vordergrund, wobei er stolz seine Schultern straffte. „Das kannst du vergessen! Ich füge mich lediglich, weil mir nichts anderes übrig bleibt, nicht mehr und nicht weniger.“

„Zur Kenntnis genommen“, nickte der Gryffindor und konnte sogar den Standpunkt seines Gegenübers verstehen. Aber umso wichtiger war es, dass sie beide miteinander auskommen mussten, zumindest so lange bis er mehr von alledem in Erfahrung gebracht hatte. „Mehr verlange ich im Moment auch gar nicht. Also was ist, fangen wir noch einmal von vorne an?“ Darauf lächelte er, denn die Ironie fand er amüsant.

„Das ist dein voller Ernst?“ Draco konnte es sich nicht erklären, aber ihm gefiel der Vorschlag und glaubte den Worten. Doch das würde er Potter niemals direkt auf die Nase binden. Immerhin musste er versuchen das Beste aus seiner Situation zu machen, so bitter es ihm auch aufstieß.

„Jepp!“, antwortete Harry. „Trotzdem ist es besser, wenn du jetzt die Klamotten anziehst.“

Draco seufzte und nickte resigniert. „Keine Ahnung warum, aber ich bin einverstanden.“ Dann überlegte er und meinte: „Los, dreh dich um“, womit er sich seinem Schicksal fügte. Gleichzeitig freute er sich die schmutzige Einheitskleidung endlich loszuwerden, was er selbstverständlich verschwieg. Mit eindeutiger Geste unterstrich er seine Worte noch und wartete, bis der Schwarzhaarige mit dem Rücken zu ihm stand.

Harry folgte der indirekten Aufforderung, obwohl er derjenige sein sollte, der laut dem Lebensschwur der die Befehle gab. Aber dafür hatte ihn plötzlich ein Ehrgeiz gepackt sich mit seinem ehemaligen unbeliebten Mitschüler zu verstehen, wo dieser plötzlich herkam konnte er nicht sagen. Es war endlich an der Zeit mit den kindischen Streitereien, Verwünschungen und Hassdrohungen aufzuhören. Aus diesem Alter waren sie entwachsen, dafür war zu viel passiert und sie sollten beide über ihren eigenen Schatten springen. Doch kaum hatte er diesen Vorsatz gefasst, wurde er von dem Anblick im mannshohen Spiegel deutlich ablenkt, der sich in der Innenseite der immer noch offenen Schranktür befand. Er musste schmunzeln, als er Dracos nackten Hintern sah.

Bei allen verdammten Schlangengesichtern, diesen Anblick hätte er niemals im Leben erwartet. Umso überraschter war er, dass er weiter starrte und sich nicht einmal dafür schämte. Immerhin hatte er erst vor kurzem herausgefunden, dass er Männer gerne ansah, aber letztendlich war er für alles offen. Trotzdem war das im Spiegel der Hintern des gefallenen Eisprinzen von Slytherin! Was also tat er da? Leider wurde er von der mageren Statur ein weiteres Mal abgelenkt. Durch die Gefängniskluft hatte es nicht so schlimm ausgesehen wie jetzt. Schlimmer fand er nur noch die alten und neueren Striemen und blauen Flecken auf dem Rücken und den Armen, wobei er ein mulmiges Gefühl in der Magengegend spürte.

Eilig schlüpfte Draco in die Boxershorts, zog die Strümpfe und die Bluejeans an und zum Schluss das T-Shirt. Die Hosenbeine waren ein kleines Stück zu kurz, ansonsten passten ihm die Sachen einigermaßen, obgleich sie zu weit waren. Als er schließlich fertig war, räusperte er sich. „Na, hat dir gefallen was du gesehen hast, Potter?“ Das verschmitzte Lächeln stahl sich von alleine auf sein Gesicht.

„Bitte was?“ Harry wirbelte ertappt herum und versuchte unschuldig auszusehen.

„Jetzt tu doch nicht so“, lächelte Draco immer noch listig. „Ich hab dein Blick gespürt.“

„Welchen Blick?“, wich der Gryffindor aus, obwohl er ein breites Grinsen zu unterdrücken versuchte.

„Na, der Spiegel ist bestimmt keine Dekoration, außer du hast dich darin selbst bewundert …“, deutete der Blonde mit dem Kinn auf die Schranktür mit dem Innenspiegel, „… was ich allerdings stark bezweifele.“

„Werd nicht frech!“, wehrte sich Harry halbherzig und grinste schließlich offen. „Was kann ich denn dafür, wenn du so stehst, dass ich dich sehe.“

„Haaa! Du gibst es zu“, schmunzelte Draco frech zurück. „Du hättest ja die Tür schließen oder zur Seite gehen können. Hat dir mein Arsch wenigstens gefallen?“ Während er sprach nahm er eine kecke Körperhaltung an, ein Bein stellte er ein Stück nach vorne und verschränkte die Arme herausfordernd vor der Brust.

Im ersten Moment war Harry überfahren worden, doch dann wurde er von den glänzend sturmgrauen Augen gefangen genommen. In ihnen spiegelte sich der Schalk, aber auch etwas anderes, etwas was er nicht einzuordnen vermochte. Dann verschränkte er ebenfalls die Arme und spielte das Spielchen gerne mit. „Jetzt tu aber nicht so, als wäre es der erste Männerarsch den ich sehe.“

Bevor Draco antwortete, schaute er geradewegs in ein funkelndes Smaragdgrün, das ihn für einen Sekundenbruchteil in den Bann zog. Es verwirrte ihn ungemein, was an diesem Morgen eigentlich nichts Ungewöhnliches mehr war, doch so einen Blick hatte er niemals erwartet, ganz zu schweigen, dass er gewohnt wäre solch einen Blick geschenkt zu bekommen, nicht von Harry Potter. Aber gerade deswegen begann es ihm zu gefallen und übte einen gewissen Reiz auf ihn aus. „Somit gibst du zu, schon mehrere Hintern genauer in Augenschein genommen zu haben. Interessant!“

„Quatsch!“, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. „Hast du die ganzen Quidditchspiele vergessen?“

„Ausrede, Potter!“, lachte Draco.

„Wenn du meinst“, grinste Harry breiter und schämte sich keineswegs. „Aber wenn du mir deinen Arsch so präsentierst, kann ich doch nichts dafür.“

„Vergiss nicht, dass ist auch noch ein adliger Arsch.“

„Dafür sah er aber ganz normal aus.“ Jetzt musste Harry laut lachen.

„Du weißt nicht was gut ist.“ Es wirkte keine Spur Ärger in Dracos Stimme, viel eher amüsierte er sich köstlich.

„Na, das werde ich noch sehen.“

Darauf lachten beide und keiner schleuderte dem anderen etwas Abfälliges entgegen. Sie hatten einfach nur Spaß und es interessierte sie nicht, wer ihnen gegenüberstand. Erst als Harry Bauchschmerzen bekam und nach Luft schnappte, beruhigten sie sich allmählich.

„Ist dir eigentlich bewusst, dass wir eine Diskussion über Ärsche führen?“, grinste er schelmisch.

„Schon“, lachte Draco und versuchte sich in den Griff zu bekommen. „Aber wenigstens reden wir über meinen.“

Der Schwarzhaarige nickte amüsiert. „Aber ich brauch trotzdem dringend Aspirin.“

„Was ist das eigentlich?“ Dracos Frage klang aufrichtig neugierig, obwohl er sich niemals im Leben erträumt hätte, den Gryffindor nach Muggeldingen auszufragen.

„Das ist die Muggelantwort auf einen mittelstarken Schmerztrank und für meinen Geschmack genauso wirksam.“ Schließlich räusperte er sich und winkte dem Blonden zu ihm nach unten in den Flur zu folgen. „Probier die Turnschuhe mal und wenn sie passen, darfst du zum ersten Mal eine Muggelapotheke von Innen sehen.“

Ob es Harry Potters Ernst war, schluckte Draco geflissentlich herunter, er wusste es einfach. Seine Furcht alleine nach draußen zu gehen, behielt er ebenfalls für sich. Aber dafür schlich sich ein anderer Gedanke in den Vordergrund. Potter ließ ihn tatsächlich ohne Aufsicht losziehen und gab ihm gleichzeitig die Gelegenheit ein wenig alleine zu sein. So fügte er sich stillschweigend und war seltsamerweise erleichtert, dass ihm die Turnschuhe passten, obwohl sie ausgerechnet Potter gehörten.

„Hier, nimm’ die zwanzig Pfund, das ist mehr als genug“, reichte Harry ihm am Schluss das Geld und öffnete die Haustür. „Da vorne an der Kreuzung nach rechts und dann die Straße entlang. Jennings ist nicht zu übersehen.“

Ein wenig zerstreut nickte Draco und lief mit dem Muggelgeld in der Tasche die paar Stufen nach unten und hielt auf dem Bürgersteig an. Er drehte sich um, doch der Gryffindor hatte die Tür bereits geschlossen und war verschwunden. Seufzend drehte er sich wieder dem Gehweg zu und spazierte langsam los. Sein Blick schweifte dabei von links nach rechts und auch wenn er es höchstwahrscheinlich niemals zugeben würde, er fand es plötzlich sehr spannend. Dabei vergaß er sogar das kleine Manko keinen Zauberstab bei sich zu tragen und somit wehrlos war. Zauberstablose Magie beherrschte er nicht, aber Muggel würden ihn ohnehin keinen Zauberfluch aufhalsen, ganz abgesehen davon, dass sie ihn nicht kannten. Diese Anonymität gefiel ihm und umso interessierter beobachtete er die vorbeifahrenden Autos. Sie rochen absonderlich, was er mit einer angeekelten Miene quittierte. Die Muggel auf der anderen Straßenseite sahen mit den seltsamen Dingen in den Ohren komisch aus und als ein Mann in ein kleines, silbernes Etwas sprach, schüttelte Draco nur den Kopf. Da wirkte der gegenüberliegende Park mit den Schatten spendenden Bäumen richtig einladend. Trotzdem lief er weiter und machte an der folgenden Kreuzung Bekanntschaft mit jugendlichen Skateboardfahrern, die ihn fast über den Haufen gefahren hätten, worauf er ihnen laut fluchend Verwünschungen hinterher rief. Davon abgesehen, dass keiner von ihnen etwas mit knallrümpfigen Krötern, Horklumps, Kitzpurfel und Glumbumble etwas anfangen konnte, und wurde lediglich wie ein Wahnsinniger angesehen. Am Ende erreichte er zum Glück wohlbehalten die Muggelapotheke und atmete erleichtert tief ein und aus.

Zur selben Zeit forschte Harry nervös in seinem Haus nach irgendwelchen Hinweisen, die ihm weiteren Aufschluss zu seinem gestrigen Blackout lieferten. Aber er fand nichts! Frustriert marschierte er zuerst vom Flur in die Küche, wo er sich eine Flasche Buttebier aus dem Kühlschrank nahm und damit ins Wohnzimmer ging. Dort sah alles aus, wie es sein sollte. Die große weiße Ledercouch und die beiden Sessel standen in der Mitte des Raumes und flankierten einen Glascouchtisch. Die helle Holzschrankwand mit einem Flachbildschirm, der Musikanlage und dem neuen DVD-Player vervollständigte das Bild. In der einen Ecke gab es noch die Bar, wo bereits einige Flaschen Hochprozentiges fehlten. Gegenüber an der anderen Wand beobachtete er das große Regal mit allerlei Muggelbüchern und einigen Zaubererratgebern, die ihm Hermine zum Einzug geschenkt hatte, wo sich dazwischen ein paar DVD-Hüllen einreihten. Das alles war ihm allerdings keine Hilfe. Seufzend öffnete Harry die Butterbierflasche, trank einen großen Schluck und ging in den ersten Stock. Im Schlafzimmer musste er nicht suchen, da gab es nur seinen Schrank, einen Sessel und das breite Doppelbett. Im Badezimmer nebenan entdeckte er bis auf den leeren Schrank, in dem er die Anti-Katertränke und Schmerztränke aufbewahrte, auch nichts Neues. Lediglich die Klamotten von gestern lagen wie schon vorhin in einer Ecke auf dem gefliesten Boden. Wieder nahm er einen Schluck Butterbier und schaute kurz in die anderen zwei Zimmer auf demselben Stockwerk nach. Doch beide waren leer, nur der beige Teppichboden und die weißen Wände begrüßten ihn. Schließlich machte Harry sich auf den Weg ein Stockwerk weiter nach oben. Wie er nur zu gut wusste gab es hier zwei Gästezimmer und ein weiteres Bad. Neugierig wie er nun mal war, suchte er Dracos Zimmer auf. Allerdings war auch hier die Enttäuschung groß. Dracos Bett mit der sonnengelben, modernen Bettwäsche war ordentlich glatt gestrichen und ein aufgeschlagenes Buch lag mit den Seiten nach unten auf dem Nachttisch. Schnell erkannte er, dass das Buch zu Hermines Geschenken gehörte und umso überraschter war er, denn Draco Malfoy hatte sich für eine Fantasylektüre entschieden: Herr der Ringe. Ein anschließender Blick in die Kommode präsentierte ihm eine gähnende Leere, wie er es bereits geahnt hatte und er fühlte sich irgendwie ein wenig übel. Dieses Gefühl konnte er nicht einmal einordnen und dachte dabei an das Gespräch im Schlafzimmer zurück. Das wiederum erinnerte ihn auch an seine Idee und die wollte er unbedingt in die Tat umsetzen. Sein unfreiwilliger Untermieter brauchte dringend eigene Kleidung und das so schnell wie möglich. Er konnte nicht die ganze Zeit in seinen Klamotten herumlaufen.

Schnell war Harrys Entschluss gefasst und er verzichtete vorerst auf das Aspirin. Im Eiltempo rannte er nach unten, kritzelte eine Notiz auf einen Zettelt und legte ihn gut sichtbar neben das Telefon auf der Kommode ab. Mit einigen hundert Pfund in der Hosentasche apparierte er in eine Seitengasse von Londons angesagten Einkaufsstraßen. Genau dort hatte er auch seine eigenen Klamotten gekauft und wenn er berücksichtigte, welche Sachen der Slytherin von ihm gerade trug, wusste er auch dessen Größe. Motiviert von einem unerklärlichen Ehrgeiz, stürzte sich der Gryffindor in das erste Geschäft. Die Tatsache, dass es für seinen früheren Schulfeind und den Sohn eines Mörders war, ignorierte er geflissentlich, immerhin konnte dieser nicht ständig Harrys Klamotten anziehen.

Eine geschlagene Stunde und mehrere Geschäfte später, apparierte er mit mehreren Einkaufstüten wieder nach Hause, wo er nur ein leeres Haus vor fand. Sichtlich irritiert suchte er den Blonden und fand ihn letztendlich griesgrämig vor der Haustür auf der Schwelle sitzen.

„Na, auch schon da“, brummte Draco, drückte Harry eine kleine Papiertüte in die Hand und marschierte in den Flur.

„Oh sorry, ich hatte ganz vergessen, dass du ohne Schlüssel nicht ins Haus kannst“, seufzte der Schwarzhaarige reuevoll. „Aber dafür hab ich dir was besorgt.“

„Ach, vergiss es“, giftete Draco zurück und wartete, bis der Gryffindor vor ihm stand. „Soll ich noch etwas für dich tun, oder kann ich in mein Zimmer?“ Seine gute Laune von vorhin und der äußerst interessante Ausflug in die Muggelwelt waren weit nach hinten gerückt.

„Ähm … danke für die Aspirin“, presste Harry beschämt heraus. Er sehnte die lockere Atmosphäre herbei, allerdings wusste er auch, dass er schuldig in allen nicht ausgesprochenen Anklagepunkten war. „Du kannst gerne hoch gehen, wenn etwas ist, rufe ich dich. Aber bitte nimm die Tüten mit, die Sachen gehören jetzt dir.“

Skeptisch zog Draco eine Augenbraue hoch und beäugte die Einkaufstüten, die ihm sein Gegenüber entgegen hielt. Was sollte er dazu sagen? Was sollte er vor allem darüber denken? Er wusste es nicht, umso mehr wollte er nur gerne seine Ruhe genießen. „Was ist das?“

„Ähm … nun ja“, stammelte Harry und versuchte nicht ganz wie ein Idiot dazustehen, wie er aus dem Blick aus den sturmgrauen Augen herauslesen konnte. „Du hast doch gesagt, du hast nichts zum anziehen. Da dachte ich, … ähm … ich schaffe da einfach mal Abhilfe. Eigentlich müsste alles passen und wenn nicht, dann tausche ich es am Montag einfach um.“

Weiterhin misstrauisch musterte Draco den Schwarzhaarigen und war überrascht, doch das zeigte er ihm nicht. „Gut, danke“, sagte er schlicht und schnappte sich die Tüten. Mit großen Schritten eilte er die Treppen nach oben.

Harry blieb zurück und beschloss, sich erst einmal dem Aspirin und seinen inzwischen abgeflauten Kopfschmerzen zu widmen. Er war ja so ein Idiot!



~~~ nächstes Kapitel folgt ~~~




Die ersten Geheimnisse sind gelüftet, aber was sagt ihr dazu?
So schnell kommt man zu einem neuen Untermieter *lach* obwohl ich zugeben muss, mir tun die zwei Süßen schon leid. Wie es weiter geht, erfahrt ihr natürlich im nächsten Kapitel *smile*

Viele liebe Grüße
Eure Elbi


Am Ende ein DANKE an alle, die meine Fanfictions „Schrei, wenn du kannst“, „Sträflingskarneval“ und „Verhängnisvolle Gier“ beim diesjährigen „Fanfiction General Award 2010“ nominiert haben. Ich war total sprachlos, als ich es gelesen hatte.

Bis heute Abend um 22 Uhr könnt ihr noch vorbei schauen und für eure Lieblingsgeschichten stimmen!


http://www.ff-general-award.de
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