■
Geschichte: Fanfiktion
/ TV-Serien
/ Gossip Girl
/ Du bist du. Und ich bin...
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von randoom
erstellt: 14.06.2010
letztes Update: 14.06.2010
Kurzgeschichte, Romanze / P12
(fertiggestellt)
„Wir sind immer noch wir. Chuck und Blair. Blair und Chuck.“
Sie standen im Ballsaal und der ganze Raum strahlte, jede Menge Leute um sie herum, aber Chuck sah nur sie, wie sie diese Worte sagte und bemerkte nur das strahlen in ihren Augen.
So wie sie diese Worte gesagt hatte, hätte er Blair nur allzu gerne geglaubt. Es klang jetzt viel besser als vielleicht noch vor ein paar Tagen oder Wochen, wo sie genau deswegen beschlossen hatten eben nicht zusammen zu sein.
Und jetzt... es waren die gleichen Worte. Sie bedeuteten immer noch so unendlich viel und nun gab es nur noch mehr Bedeutung für sie. Eigentlich war Chuck nicht der Mann für große Worte. Er war der Mann für große Taten. Aber Wörter und schöne Sätze sagen, das taten die Humphreys und Serenas dieser Welt... Sie hatten kein Problem mit Liebesschwüren, mit Offenbarung von Gefühlen.
Chuck beschwichtige sich selbst. Natürlich hatte es keinen Bestand. Diese ganze Beziehungsgeschickte. Das war etwas für die, die Schwüre auf die Ewigkeit leisten konnten, nicht für die, die aus jeder Sekunde des Lebens ein Spiel machten. Aber das hier war das Time Out. Jetzt konnten Chuck und Blair wenigstens für diesen Moment zusammen sein. Vielleicht auch ein bisschen mehr, vielleicht nur jetzt, aber... nein, es war so. Die Chucks und Blairs dieser Welt sagten nicht „ich liebe dich“. Sie sagten höchstens: „Heute Nacht gehörst du mir.“
Doch es war fast so, als läge ein Fluch auf der Familie Bass. Als wäre Chuck selbst von einer schwarzen Macht beseelt, die ihm keinen Moment der Ruhe, der Vertrautheit, der Liebe lassen konnte, ohne dass sie sie ihm sofort wieder weg nahm, ohne dass sie all das Gute aus ihm heraus saugte.
Die nächsten Stunden waren nur Sekundenbruchteile. Alles stellte sich auf den Kopf. Jetzt aber war alles still und schwarz um ihn herum.
Was war passiert?
Zuerst ein Gefühl von Leere. Er hatte ein Tablett mit Gläsern gegen die Wand gefegt, er hatte eine halbe Meile zu Fuß zurück gelegt. Dann – er fühlte sich grauenhaft, sein Kopf schmerzte, alles war dunkel, 26 verpasste Anrufe – 16 davon von Blair – sein Magen rebellierte, er lag mit zerknittertem Anzug auf seinem Bett und ein kleines Rinnsal tropfte aus seinem rechten Auge, floss die rechte Wange entlang und versickerte dann im Kissen, als sich Chuck langsam und nur sehr bruchstückhaft an die Ereignisse der letzten Nacht erinnerte.
Sein Vater... sein Vater würde nie wieder kommen. Er war tot. Und Chuck war schuld. Er hatte ihn angerufen und gebeten sich zu beeilen. Nur seinetwegen saß sein Vater in der Limosine, als der andere Wagen sie rammte.
Tage vergingen. Schleichend langsam, zähl wie Schleim, und zogen doch vorbei ohne viel zu ändern.
Zeit heilt keine Wunden, war ein Gedanke.
Genauso wie: Ich werde nie wieder in einer Limosine sitzen.
Knapp gefolgt von: Ich setzte mich selbst ans Steuer einer Limosine und bringe jemandes anderen Vater um /fahre selbst in einen anderen Wagen.
Alkohol und ein wenig Essen wurde in sein Zimmer gebraucht – letzteres auf die Anweisung von irgendwem. Aber er konnte eh nichts essen, er konnte nur trinken um seine Leere mit irgendwas anzufüllen, taub zu werden.
Weitere Gedanken waberten in seinem halb vernebelten, alkoholisierten Unterbewusstsein herum. Lily Van der Woodsen. Sie war es. Nicht er war Schuld, sondern sie und dieser Humphrey, die sich mal wieder überall einmischen mussten und alles zerstörten. Alles zerstört hatten, was er noch an Familie hatte
Der Alkohol floss weiter in Strömen. Chuck stellte das Handy immer wieder aus. Stellte es wieder an. Wartete. Kein Anruf seines Vaters – nie wieder. Sie hatten sich nicht oft gesehen, aber manchmal hatte Bart seinen Sohn angerufen. Jede Menge Anrufe von Blair – alle ignoriert.
Der tag der Beerdigung kam. Ein frischer Anzug wurde heraus gelegt. Aus der Reinigung, sauber. Aber Chuck fühlte sich trotzdem schmuddelig und unwohl.
Ansonsten kamen nur wieder Bruchstücke bei ihm an. Wenn er so weitermachte konnte er sich fast daran gewöhnen.
Ein Geschäft mit dem Detektiv. Unverschämter Schleimbeutel.
Eine Horde Leute, die so glücklich sein sollten – sie hatten ihre Familie ja noch. Er hatte nichts mehr. Sie sollten nicht hier sein! Sie sollten nicht „trauern“. Sie hatten kein Recht dazu! Wer hatte Bart Bass schon gekannt! Niemand, nicht mal sein eigener Sohn, aber dieser wusste doch zumindest mehr über ihn als diese Lügner und Heuchler. Heuchler wie Lily.
Er schwankte. Sechs Hände oder mehr packten ihn.
Er tobte. Die Hände ließen ihn los und Nate nahm ihn in den Klammergriff.
Er verfluchte sich selbst. In der Kirche. Alle hatten es gehört.
Er hasste sie, die ganze Bagatelle.
Und doch gab es einen unterdrückten Teil seiner selbst, der nur wünschte, irgendwer wäre bei ihm und würde ihn...
Was wäre, wenn er gestorben wäre...? Wären sie dann auch alle so heuchlerisch, so verlogen wie die Serenas und Lilys und Humphreys dieser Welt? Würde er auch von seinem Vater so betrauert werden?
Keine Klarheit – nur nacktes Geschehen. Eine Beerdigung. Eine Feier. Eine heuchelnde Menschenmasse.
Die erste Klarheit der letzten Tage oder Jahre kam erst zu spät: „Ich bin ich und du bist du. Wir sind Blair und Chuck. Chuck und Blair.“ Sie sagte es wieder und meinte es auch so. Aber war es dafür jetzt nicht viel viel zu spät? Stimmte es denn überhaupt noch?
Chuck wollte wieder weinen. Wollte Blair schlagen. … Aber. Ihre Worte erreichten ihn gar nicht mehr. Er war innerlich gestorben, als sein Vater starb. Vielleicht auch früher. Wann hatte er denn je Glück gehabt und wann wurde er denn je geliebt? Er selbst hatte ja nie – und auch wenn er wusste, dass das eine Lüge war, beharrte er noch so stark darauf – nie im Leben jemanden geliebt außer sich selbst. Die Chucks dieser Welt zeigten nun mal keine Gefühle und liebten auch nicht. Selbst wenn Chuck Bass sich in diesem Moment nach Blair Waldorf verzehrte, dass ihm jede Faser seines Körpers, den er längst betäubt zu haben glaubte, schmerzte; sich so verzehrte, wie noch nie nach jemandem.
„ich liebe dich.“ Noch ein Stich mit dem Messer der Grausamkeit. Wollte das Schicksal ihn noch mehr strafen als eh schon? In seinem Innern gähnende Leere und Taubheit, wie bei einem abgestorbenen Arm oder Bein – nur halt im Herzen.
Er hätte ihr so gerne das gleiche gesagt, konnte es aber nicht. - das hätte er doch, oder?
Zumindest der alte Chuck hatte das gewollt.
Der, der manchmal Nachts nicht einschlafen konnte, weil er überlegte, wie es wohl war, es Blair zu sagen, oder wenn sie es ihm sagte. Wie er sie dann küssen wollte, wie er sie an sich drücken wollte.
Der Chuck, der auch schon mal freiwillig den nur halb gestimmten Flügel aufklappte, um sentimentales Klimpern zu probieren.
Der Chuck, der hoffte, dass aus tausend mal „Heute Nacht bist du mein“ ein „jeden Tag bin ich dein“ werden konnte.
Aber der war fort.
Er gab er keine der Antworten, die er sich jemals ausgemalt hatte. Er gab ihr Forschheit, Lüge und zugleich die Wahrheit. Er brauchte ihre Liebe nicht.
Ein Einsteigen.
Ein Wegfahren.
Ein Treffen mit der Übergage eines Umschlags.
Darin: Eine Information.
Danach ein Treffen mit dem Feuer im Rücken und dem Eis im Innern.
„Chuck, dein Vater hat es nie gelernt. Es sind nur die Leute von Bedeutung, die dich lieben.“
Lilys Worte ließen das Eis nicht schmelzen. Dafür war nichts stark genug. Aber sie knackten es und hinterließen einen kleinen Riss, der die andere Realität durch ließ. Die, die bisher nicht existiert hatte und zugleich omni-präsent auf ihn drückte. Es gab tatsächlich Leute, die von Bedeutung waren. Vielleicht. Er musste es herausfinden.
Etwas Klarheit.
Ein brennender Umschlag und ein Entschluss.
Chuck wartete wieder. Vielleicht lange, vielleicht kurz. Er hatte inzwischen gelernt zu warten. Aber dieses Mal wartete er nicht, dass alles vorüber ging. Dieses Mal wartete das etwas passierte. Auch wenn er sich gleichzeitig wünschte, dass es niemals so weit war. Es würde das Ende werden.
Chuck fühlte nach. Der Zettel in seiner Tasche war noch da.
Sie war zu gut für ihn. Blair liebte ihn, sie hatte es selbst gesagt, wenn er sie hasste, wie er alle anderen auch hasste.
Sie gab ihm das, was er brauchte.
Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene.
Gib mir das, was ich brauche, nicht das was ich will.
Wäre es nicht das Ende gewesen, hätte Chuck über diesen sentimentalen, trivialen Spruch gelacht und ihn verspottet.
Als Blair ins Zimmer trat – es war fast ein bisschen wie ein Knoten, der sich löste.
Sie umarmte ihn, hielt ihn, liebte ihn. Ohne Worte, ohne Küsse, ohne Leidenschaft, aber intensiver als jemals zuvor.
Was hätte er nur darum gegeben, sie das gleiche fühlen zu lassen.
Was hätte er nur darum gegeben ihre Liebe auch zu verdienen.
Es war doch eine Lüge. Sie wusste nicht, was geschehen sollte, was er ihr wieder antun würde. Aber es sollte das letzte Mal sein, damit sie sich nicht weiter quälte. Er würde es nie schaffen, ihr zu geben, was sie verdiente. Also würde er all seine Liebe, die irgendwo versteckt war, und das musste sie, sonst wäre er nicht jetzt hier, zusammenkratzen und ihr zeigen. Damit sie sich keine Vorwürfe machte. Damit sie ihn vielleicht verstand.
Er berührte ihren Arm und hoffte, dass sie wusste, dass er nirgendwo lieber sein wollte als hier. Warum er ihr damit diese Lüge versprach, nicht jeden Tag, nur diese Nacht. Die Lüge von ihm geliebt zu werden.
Chuck ließ sich wiegen. Er fühlte sich unglaublich schlecht und unbeschreiblich gut zugleich.
Das Eis in seinem Körper schmolz und der Zettel in seiner Tasche brannte, brannte sich durch seine Tasche in seine Haut.
„Wir sind nicht mehr wir. Längst nicht mehr.“, schoss es Chuck durch den Kopf. „Blair, du bist immer noch du. Doch Chuck, ich, bin nicht mehr ich.“
Er versuchte sich einzuprägen, wie sie roch.
Er wollte sich merken, wie es sich anfühlte, wenn sie ihre Hand auf seine legte, wenn sie über seine Wange strich.
Er malte ein Bild von ihr in seinem Kopf und legte es in eine Schublade, denn er würde sie nie wieder so anschauen können.
Er würde sie nie wieder so haben können. Nicht für jeden Tag und nicht einmal mehr für eine einzige Nacht.
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
