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von Tifla
erstellt: 07.05.2010
letztes Update: 31.08.2010
Geschichte, Allgemein / P12
(abgebrochen)
Der Abschaum der Menschheit
Was ich heute hier erzähle, hat sich nicht auf FF.de ereignet. Ich betone dies ganz deutlich. Aber dies bedeutet nicht, dass es sich nicht auch hier ereignen kann. Aber beginnen wir am Anfang ...
WildBoy 20.11 Uhr
hey bist du neu hier? *wink*
Sunshine 20.11 Uhr
jo. du? *zurück wink*
WildBoy 20.12 Uhr
nö. lunger hier jeden abend rum. scheiße langweilig heute. magste n bisschen quatschen?
Sunshine 20.13 Uhr
klar. wie heißte denn? :-)
WildBoy 20.13 Uhr
torben. du?
Sunshine 20.14 Uhr
tina. und wie alt biste?
WildBoy 20.14 Uhr
18. und du?
Sunshine 20.14 Uhr
12
WildBoy 20.14 Uhr
und was machste so?
Ungefähr so wird es angefangen haben. Ein typisches Gespräch in einem der vielen Chatrooms im Internet. Viele erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen sehr großer Beliebtheit, denn es ist einfach dort neue Leute kennen zu lernen. Es dauert nur wenige Stunden und man kann sicher sein, dass man angesprochen wird. Man muss oft nicht einmal selbst die Initiative ergreifen, dies tun andere schon und schnell ist man im Gespräch. Und welcher Teenager kennt es nicht; man lässt sich über nervige Eltern, blöde Geschwister, bescheuerte Klassenkameraden, Lehrer und über die Schule allgemein aus. Ja, das Leben kann nerven und in einem Chat findet sich sicher schnell jemand, der einem zuhört. Dies ist keine Frage des Alters, mitnichten, auch Erwachsene nutzen dieses Medium oft um Dampf abzulassen. Schnell redet man und erzählt, dabei werden immer mehr private Details preisgegeben und wenn der Mensch am anderen Ende der Leitung nicht ganz dumm ist, hat er recht schnell erfahren, in welcher Stadt man lebt und auf welche Schule man geht. Kinder und Jugendliche gehen sicher oft unbedarfter mit persönlichen Daten um als Erwachsene.
Aber bleiben wir bei dem Fall von oben. Torben wird im weiteren Verlauf des Gesprächs Interesse an Tina zeigen und diese fühlt sich geschmeichelt, da sich ein achtzehnjähriger Junge für sie interessiert. Über facebook und Twitter verbreitet, wissen es auch schnell ihre Freundinnen, Informationen suchen sich ihren Weg via Internet recht schnell. Tina und Torben verabreden sich für den kommenden Abend wieder im Chat, jetzt werden die Gespräche schon intimer. Ob Tina denn einen Freund habe, Torben sei single. Tina schickt Torben ein Bild von sich aus dem letzten Urlaub und erhält ebenfalls ein Bild zurück. Torben sieht gut aus, findet Tina. Auch Torben sagt, Tina wäre hübsch und würde schon richtig erwachsen aussehen. Jetzt ist Tina noch geschmeichelter, denn immerhin ist sie schon zwölf und wird von ihren Eltern immer noch wie ein Kind behandelt. Tina sieht das ganz anders, ein Kind ist sie schon lange nicht mehr und sie findet es toll von Torben auch erwachsen behandelt zu werden. Er scheint anders zu sein als die anderen Jungen. Tina findet sowieso, dass Jungen in ihrem Alter unreif sind und man mit denen nichts anfangen kann. Sie ist ganz aus dem Häuschen, als Torben sie fragt, ob man sich denn nicht auf ein Eis treffen könnte. Natürlich sagt Tina zu. Ihren Eltern erzählt sie nichts davon, denn in Tinas Augen sind diese absolut spießig und würden ihr nur ihre große Chance verbauen. Tina freut sich auf Torben, irgendwie ist sie sogar schon verknallt in ihn ...
Das hier beschriebene Szenario wurde natürlich von mir ausgeschmückt und teilweise erfunden, die nun folgenden Ereignisse beruhen jedoch auf Tatsachen.
Ein zwölfjähriges Mädchen, nennen wir sie weiterhin Tina, verabredet sich über einen bekannten Chatroom mit einem achtzehnjährigen Jungen, bleiben wir auch hier bei Torben. Die beiden treffen sich wirklich in der Stadt. Doch auf die zwölfjährige Tina wartet nicht der hübsche Junge, auf den sie sich so gefreut hat, sondern ein dreiunddreißigjähriger, zweifacher Familienvater. Tina ist erst einmal überrascht, jedoch gelingt es dem Mann das Mädchen zu beschwichtigen und so viel Vertrauen in ihm hervorzurufen, dass sie ihn in seine Wohnung nach Braunschweig-Lehndorf begleitet. Dort lässt er seine Maske fallen und zwang das Kind zu sexuellen Handlungen, vergewaltigte es zwei Mal. Nach dieser Tat drückte er dem Mädchen einen Zettel in die Hand, den sie unterschreiben sollte. Damit sollte sie bestätigen, dass nichts zwischen ihnen geschehen war.
Verletzt, verängstig und verstört vertraut sich Tina noch am selben Tag ihren Eltern an, diese verständigen sofort die Polizei, die den Mann noch am Abend verhaftet.
Heute, 31. August 2010, fiel nach nur einem Verhandlungstag das Urteil vor dem Landgericht in Braunschweig. Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren. Das Geständnis des Täters wirkte sich jedoch strafmildernd aus und er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Ein Einzelfall? Nein, sicher nicht. Das Internet ist eine Spielwiese für Pädophile. Die schützende Anonymität ruft ein Gefühl von Sicherheit hervor und hilft einfach und schnell in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu kommen. Eine falsche Identität legt man sich schnell zu und besonders Kinder, und auch noch viele Jugendliche, nutzen das Medium Internet auf naive Art und Weise. Wenn man sich die bisherigen Kapitel dieser Kolumne durchliest, dann wird man feststellen, dass sogar gestandene Erwachsene ordentlich hinters Licht geführt werden können und es durchaus Zeit braucht, diese Spinner zu entlarven, welche sich einen Spaß daraus machen andere zu belügen und zu verletzen. Wie einfach ist es dann ein Kind zu belügen, oder einem Jugendlichen falsche Geschichten zu erzählen?
Hier sind die Eltern in der Pflicht, denn Kindern und Jugendlichen muss klar gemacht werden, welche Risiken das Internet birgt. Als Faustregel sollte gelten:
Kinder dürfen sich niemals mit Chatbekanntschaften treffen, jedenfalls nicht, wenn die Eltern nicht dabei sind. Jugendliche sollten ebenfalls nicht alleine zu Treffen gehen, eine Freundin oder einen Freund als Begleitung mitzunehmen ist ein absolutes Muss. Ein Treffen sollte immer auf neutralem Boden stattfinden, an einem Ort, an dem sich viele Menschen befinden. Auch Erwachsene sollten vorsichtig sein. Es ist ratsam jemand zu sagen, wann und wo man sich mit jemandem trifft. Man sollte auch schon einmal miteinander telefoniert haben und Namen sowie die Adresse kennen. Auch hier empfiehlt es sich einen neutralen Ort zu wählen. Liegt die Stadt in der man jemand anderen treffen möchte weit entfernt und macht dies eine Übernachtung notwendig, dann sollte man die andere Person schon eine Zeit lang kennen und trotzdem genug Geld bei sich haben, um sich ein Hotelzimmer nehmen zu können. Ein Kontrollanruf des besten Freundes oder der besten Freundin ist ebenfalls ratsam. Vorsicht sollte an oberster Stelle stehen!
Menschen die sich eine falsche Identität aufbauen und gezielt mit anderen in Kontakt treten, führen immer irgendetwas unseriöses im Schilde, oder versuchen etwas zu verbergen. Und sei es nur die Tatsache, dass sie gewöhnlich sind und eben nichts besonderes. Natürlich wird nicht jeder von diesen Spinner versuchen einen zu vergewaltigen, aber ein negativer Hintergedanke ist anzunehmen. Erwachsene, die unter falschem Namen und einer falschen Altersangabe mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt treten, müssen sofort dem Betreiber der entsprechenden Internetplattform gemeldet und angezeigt werden, auch wenn es nicht zu einem sexuellen Übergriff gekommen ist. Man erkennt den Abschaum der Menschheit oft erst dann, wenn er vor einem steht.
Auch dies bringt mich wieder zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche besonderen Schutz bedürfen und Eltern kontrollieren müssen, was ihre Sprösslinge im Internet so treiben. Im wahren Leben schaut man sich ja auch an, mit wem das eigene Kind verkehrt und aus wem der Freundeskreis besteht. Und wenn man als Erwachsener wirklich persönlicheren Kontakt mit anderen hat und die Gespräche regelmäßiger werden und auch den privaten und intimen Bereich betreffen, dann muss man sich die Frage stellen, mit wem man eigentlich redet. Denn wenn man sich nicht gerade in einem Selbsthilfeforum befindet, in welchem es Ziel ist Leuten die Möglichkeit zu geben, sich anonym ihre Probleme von der Seele reden zu können, dann muss man eine gewisse Skepsis an den Tag legen, wenn Leute ein zu großes Geheimnis aus ihrer Identität machen.
Der heute in Braunschweig verhandelte Fall ist sicher einer der möglich schlimmsten Fälle, aber es kann immer und überall vorkommen. Dem sollte man sich bewusst sein. Es braucht keine wirkliche Kontaktbörse um an solche Kreaturen zu geraten.
Harald Kriegler, Schriftsetzer und Autor, sagte einmal:
„Die Menschen, denen man blind vertrauen möchte, sollte man sich vorher genau ansehen.“
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