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von Minaechen    erstellt: 03.05.2010    letztes Update: 16.11.2010    Geschichte, Romanze / P16    (abgebrochen)
So, nach - keine ahnung wie vielen - Wochen kommt endlich das neue chap.
Bitte nicht schlagen!
Es sind dieses Mal sogar 23 Word seiten geworden.
Anstatt weniger, werden es immer mehr. -.- Deswegen hat es auch so lange gedauert. So viele Seiten zu füllen, ist nicht gerade einfach, dass kann ich euch sagen.

Jetzt ist aber schluss mit dem Gerede.
Viel Spaß mit dem neuen Chap.
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2. Kapitel
Dunkler Flieder


Ich starrte die Karte an, denn das war das Einzige, was ich tun konnte. Starrten. Wahrscheinlich müsste man Angst haben, dass mir die Augen aus dem Kopf fielen, doch das war mir egal.

Ich starrte auf die Karte.
Ich starrte auf die Schrift.
Ich starrte auf die geschriebenen Wort und deren Sinn. Kurz um.
Ich starrte auf alles.
Sollte das ein Scherz sein?
Wenn ja, dann fand ich ihn überhaupt nicht komisch.

„Oh das ist ja so süß“, quietschte es zu meiner rechten.

„Nein, es ist einfach nur schräg“, kam es von meiner linken. Die beiden hatte ich ja total vergessen.

„Wieso sollte das denn schräg sein? Ich finde es süß, dass jemand Bella anonym Blumen schickt und das nur, weil es sich nicht traut sie ihr persönlich zu geben. Wer weiß wie lange dieser jemand bereits in dich verliebt ist?! Stell es dir doch mal vor, wenn du herausfindest, um wen es sich handelt. Vielleicht ist er ja dein Traumprinz und ihr werdet nach der Schule heiraten und bis ans ende glücklich miteinander.“ Das war typisch Angela. Eine Romantikerin und Träumerin durch und durch. Wenn es nach ihr gehen würde, wäre das ganze Leben ein Fantasy-Romantik Roman.
Alle sollten glücklich und fröhlich sein. Doch leider war das Leben nicht so. Es war kalt und grausam.

„Ich weiß ja nicht...
Ich wäre vorsichtig. Mit Blumen fängt es an, mit Pralinen geht es weiter und erschossen oder erstochen endet das alles dann. Wer weiß was für ein Psycho dahinter steckt.“ Alice war wirklich aufmunternd. Sie konnte einen so richtig schön die Angst nehmen. Wer hatte nur den Sarkasmus erfunden?

Ich konnte mich nicht auf ihre Worte konzentrieren. Immer wieder las ich mir das Gedicht durch. Irgendetwas rührte sich ganz tief in mir drinnen. Ein Gefühl, welches ich bereits glaubte verloren zu haben. Meine Gefühle waren zwiegespalten.
Auf der einen Seite freute ich mich und war gerührt, dass sich jemand so viel Mühe machte und sogar noch ein Wortspiel eingebaut hatte.
Bella...
Belladonnalilie.
Auf so eine Idee musste man(n) er einmal kommen.

Doch auf der anderen Seite fürchtet ich mich ein wenig.
Was wenn Alice Recht hatte? Wenn es wirklich ein psycho oder perverser dahinter steckte? Oder wenn es nur ein Scherz von den Zicken war? Wenn sie mich vor allen bloß stellen wollten?

Diese ganze Fragerei half mir nicht weiter. Ich musste irgendwie in Erfahrung bringen, von wem die Blumen waren. Es war eine Schande, dass ich nicht vorher darüber nachgedacht hatte, denn dann hätte ich diesen Lieferburschen fragen können. Aber im Nachhinein war man ja bekanntlich immer schlauer.
Ich konnte zwar noch hoffen, dass das alles eine einmalige Sache war, aber wenn nicht, müsste ich mich auf die Socken machen und herausfinden wer dahinter steckte.

Ich hasste solche Überraschungen. Das war schon früher so und hatte sich die ganzen Jahre über nicht verändert. Wenn ich so darüber nachdachte, würde ich sagen, dass es sich sogar noch verschlimmert hatte. Die Blumen waren genau das, was ich so sehr hasste. Eine Überraschung. Ich mochte das ungewisse nicht. Es war halt... ungewiss. Man wusste nie, wie man reagieren sollte. Die Kontrolle entzog sich dann immer einem. Doch ich war ein Mensch, der lieber immer alles unter Kontrolle hatte.

Mit Alice als Freundin war man vor nichts und niemandem sicher. Wir kannten uns schon seit Jahren, eigentlich sind wir zusammen aufgewachsen, deswegen hatte ich diese kleinen Splins entwickelt. Ich hasste es shoppen zu gehen, da solche 'Ausflüge' mit ihr immer in einer Katastrophe endeten. Entweder sie schlägerte sich mit irgendeinem Weib um die letzten Paar Schuhe oder sie kaufte so viel ein, dass es nicht mehr in den Wagen passte. Eines musste man dabei aber bedenken. Al fuhr immer mit einem rießen Jeep zum einkaufen.

Mein zweiter Splin war diese Überraschungs-Kiste. Alice liebte es Leute zu überraschen. Doch leider waren diese 'Überraschungen' nicht immer harmlos. Es waren bereits einige peinliche Aktionen dabei.
Einmal hatte sie Angela zum Geburtstag Reizwäsche gekauft und sie das Päckchen vor allen auspacken lassen. Angs Eltern waren ebenfalls anwesend.
Das hatte Angela ihr bis heute noch nicht verziehen. Noch heute, drei Jahre später, wurde sie rot und tötete Alice mit ihren Blicken.

Ich an ihrer Stelle wäre nicht bei Todesblicken geblieben. Ich hätte sie aufgehängt und Pinata schlagen mit ihr gespielt. Das wahrscheinlich peinlichste an der ganzen Aktion war aber, dass Angelas Eltern gar nicht wussten, dass sie mit Ben zusammen war, aber nach Alice Geschenk und Kommentaren, konnten sie sich den Rest denken. So weit ich wusste, schwirrte ein gewisser Satz immer noch in Angelas Kopf herum: „Damit werdet ihr euren Spaß haben, nicht wahr Ben?“ Wenn mich nicht alles täuschte, war bei dem Geschenk sogar noch eine Peitsche dabei.

Ich sagte es ja bereits...
Lieber die Kontrolle über so etwas haben, als sich von so etwas überraschen zu lassen. Alice versuchte so etwas ähnliches auch bei mir, doch ich konnte sie gerade noch rechtzeitig davon abhalten.

„Ich will dein Träumen nicht unterbrechen, aber wir sollten uns langsam auf den Weg zum Unterricht machen“, unterbrach Angela meine furchterregenden Gedanken. Ich wollte nicht wissen, was sich Alice dieses Jahr ausgedacht hatte. In nur ein paar Monaten hätte ich Geburtstag und es grauste mich bereits jetzt davor.

„Ja, wahrscheinlich hast du Recht, aber ich habe überhaupt keine Lust. Mrs. Dwayer wartet sicher nur darauf, mich in irgendeiner Weise fertig machen zu können. Gestern wurde sie ja fast aus gewaltsam aus dem Laden geworfen, da wäre ich auch sauer auf den Schuldigen.“

„So schlimm kann es nicht werden. Schließlich ist die ganze Klasse anwesend. Ich glaube kaum, dass sie sich dann traut irgend ein böses Wort von sich zu geben.“ Genau nach diesem Satz bemerkte ich, dass Alice mir die letzten Jahre nicht einmal zugehört hatte.

„Wenn du nur einmal dein Aufmerksamkeit auf mich gelenkt hättest, während ich sprach, dann wüsstest du, dass sie das nur noch mehr anstachelt. Sie hat einfach Spaß daran, mich zu quälen.“

„Glaubst du nicht, dass es ein einfacher Racheakt sein wird, also wegen gestern?“ Tja, Angela glaubte immer noch an den Weihnachtsmann.

„Eher ist es ein Racheakt, wegen meiner Geburt. Ich glaube, dass sie immer noch nicht verkraftet hat.“

„Kann sein...
Naja, wir sollten uns jetzt wirklich beeilen. Der Unterricht fängt bald an.“ Ich schaute schnell auf meine Armbanduhr und stellte erschrocken fest, dass Angela Recht hatte.
Schnell packten wir unsere Sachen zusammen und teilten uns auf. Da jede von uns eine andere Richtung musste, verabschiedeten wir uns noch schnell und eilten davon. Mit diesem Päckchen fiel ich natürlich auf, doch ich hatte im Moment wirklich ganz andere Sorgen. Ich durfte auf gar keinen Fall zu spät kommen, denn das wäre für meine Kunstlehrerin ein gefundenes Fressen.

Ich schaffte es tatsächlich rechtzeitig und vor allen Dingen heil am Klassenzimmer an zu kommen. Das ich den ganzen Weg über nicht ein einziges mal gestolpert bin, was bei der Größe des Kartons schon beinahe an ein Wunder grenzte, war wirklich die Ausnahme der Ausnahmen. Nie hätte ich gedacht, das ich ein paar Meter laufen konnte, ohne auf die Nase zu fallen.
Schnell stieß ich die Tür zu meiner persönlichen Hölle auf und trat ein. Es saßen schon fast alle auf ihrem Platz, jedoch fehlten immer noch ein oder zwei meiner Mitschüler. Kaum schaute ich wieder nach vorne, schon funkelte mir das personifizierte Böse entgegen.

„Ah, Ms. Swan besitzt also die Güte und beehrt uns mit ihrer Anwesenheit“ Mrs. Dwayers Antwort triefte nur so vor Sarkasmus. Doch der Unterricht hatte noch nicht begonnen, also konnte sie mir den Buckel runter rutschen.

Ich es waren noch mindestens fünf Minuten, bis es ein zweites Mal klingeln würde und somit offiziell der Unterrichts beginn eingeläutet werden würde. Ich würde mich von dieser Hexe deswegen nicht provozieren lassen. Da konnte sie sich auf den Kopf stellen. Selbst wenn sie wie ein Affe im Zirkus mit Bällen jonglieren würde, würde ich es schaffen sie zu ignorieren. Inzwischen hatte ich diese Fähigkeit perfektioniert.

Ihre Bösartigkeit perlte einfach von mir ab und das schien ihr überhaupt nicht zu passen. Von Tag zu Tag wurde sie fieser. Es würde mich nicht wundern, wenn sie nach der Schule mit einem Besen heimfliegen würde. Eine schwarze Katze hatte sie bereits, so weit ich wusste und was die Warzen anging, so wollte ich es nicht wissen.

„Wie die Eltern, nur mit dem kleinen und feinen Unterschied, dass die ja nicht mehr leben.“ Ich stolperte. Das hatte ich beim besten Willen nicht erwartet. Wie konnte man nur so bösartig sein?

Mir stiegen die Tränen in die Augen, doch ich unterdrückte sie sofort wieder. Ich würde sie nicht sehen lassen, wie sehr mich ihre Worte trafen. Meine Eltern waren nun mal ein leidiges Thema.
Schnell zählte ich gedanklich bis zehn und ging dann zu meinem Platz. Dieses Mal schaffte ich es ohne Unterbrechung.

Kaum saß ich, kam Embry hereingestürmt. Gerade noch im richtigen Augenblick, denn keine zwei Sekunden später klingelte es ein letztes Mal und der Unterricht begann. Drei Sekunden nach dem Klingeln, kamen Mike und Lucas durch die Tür gerannt. Das hätten sie sich allerdings sparen können, denn sie wurden von Mrs. Dwayer sofort wieder aus dem Raum geschmissen, mit dem Kommentar, dass sie zu spät seien und es eine Erwähnung im Zeugnis geben würde. Natürlich gab es lautstarke Proteste von den beiden, doch diese Frau hatte kein Herz, packte die beiden am Kragen und schmiss sie buchstäblich raus. Embry, der recht weit vorne saß, grinste blöd und rieb sich schadenfroh die Hände. Ja, Schadenfreude war immer noch die schönste Freude.

Ich hatte die Blumen inzwischen auf dem Tisch abgestellt, da ich Angst hatte, dass einer drauf steigen würde. Manche machten es sogar mit Absicht. Einfach nur so zum Spaß.

Ich konnte zwar die Schreckschraube vorne aus meinen Gedanken aussperren, aber leider funktionierte das nicht mit den Blumen. Immer wieder wanderte mein Blick zu ihnen. Irgendetwas an diesem 'Geschenk' passte mir ganz und gar nicht.
Diese Karte machte mich stuzig. Ich war mir ganz sicher, dass ich dich Schrift kannte. Ich hatte sie schon sehr oft gesehen, das wusste ich. Dennoch kam ich nicht darauf, wo. Das war wie verhext. Je mehr ich mich erinnern wollte, desto weniger funktionierte es. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass mein Gehirn diese Information nicht verarbeiten wollte.
Woher nur? Woher kannte ich diese Schrift? All diese Fragen, die in meinem Kopf herumschwirrten, würden mich irgendwann noch einmal ins Grab bringen.

Ich hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, doch plötzlich stand Mrs. Dwayer neben mir und ich zuckte erschrocken zusammen.

„Ms. Swan, es wäre überaus reizend, wenn sie uns mitteilen würden, was ihre Aufmerksamkeit so stark in Anspruch nimmt. Mein Unterricht scheint es ja nicht zu sein.“ Bevor ich auch nur blinzeln konnte, hatte sie sich mein Päckchen gekrallt und schüttelte es nahe an ihrem Ohr. So wie es Kinder zu Weihnachten unterm Baum taten. Nur hatten wir nicht Weihnachten und es war auch kein Geschenk für sie.

Ohne den leisesten Hauch von Skrupel hob sie den Deckel und begutachtete den Inhalt.

„Hey! Das dürfen Sie nicht! Das ist Privatsphäre!“ Über meinen Protest konnte sie nur schmunzeln. Ich wusste, dass es verdammt mickrig klang. Doch ich konnte nicht mehr machen, schließlich war sie meine Lehrerin.

„Ach wie niedlich! Wie viele Männer mussten Sie denn über sich rutschen lassen, bis Sie diese Blumen bekamen?“ Ich starrte sie geschockt an. Was zum Teufel bildete sich diese Frau eigentlich ein? „Na los! Antworten Sie mir! Drei? Vier? Mehr? Würde mich nicht wundern.“

„Mrs. Dwayer, Sie gehen zu weit! So können Sie doch nicht mit einer Schülerin sprechen!“ Embry war aufgesprungen und verteidigte mich. Wir waren zwar nicht die aller besten Freunde, doch wir verstanden uns recht gut, deswegen war ich ihm überaus dankbar für sein Engagement. Vor allem deswegen, weil ich noch zu geschockt war um einen vernünftigen Gedanken zu fassen.

„Ich kann in meinem Unterricht mit den Schülern sprechen, wie ich will. Setzen Sie sich und geben Sie ruhe, sonst werde ich Sie für eine Zeit lang suspendieren.“ Sie würdigte ihn keines Blickes, denn sie hatte die Augen die ganze Zeit auf mich gerichtet. Ich wusste, dass sie mich provozieren wollte, doch ich würde mich nicht darauf einlassen. Den Gefallen würde ich ihr nicht tun. Jedenfalls hatte ich die Hoffnung, dass es so sein würde.

„Aber...“

„Schon gut Embry“, unterbrach ich ihn. Ich wollte nicht, dass er wegen mir Probleme bekam. Denn wenn er einmal damit anfangen würde, dann würde Mr. Dwayer sich auch an ihn hängen und ihn nicht mehr in Ruhe lassen. Das wollte ich um jeden Preis verhindern. „Setz' dich. Du brauchst dir um mich keine Sorgen zu machen.“ Ich konnte seinen Blick auf mir spüren, denn auch ich schaute ihn nicht an. Ich würde nicht diejenige sein, die den Blickkontakt abreißen würde. Ich hörte, wie er seinen Stuhl zurecht rückte und sich setzte.

„Mr. Call scheint Ihnen ebenfalls verfallen zu sein. Haben Sie ihn etwa auch rangelassen?“ Ihre Stimme triefte nur so vor Hass und Bösartigkeit. Wie konnte ein Mensch nur so sein? „Das wird ihrem Liebhaber aus der Blumenhandlung aber nicht gefallen. Oder haben sie sich alles abgesprochen? Dein einen Tag der eine und den anderen Tag der zweite? Na Sie scheinen ja eine vielbeschäftigte Frau zu sein. Kein Wunder, dass ihre Noten so miserabel sind.
Da sieht man es mal wieder, was dabei herauskommt, wenn Eltern die Erziehung schweifen lassen. Ms. Swan erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn Sie es geschafft haben ihre Noten zu verbessern, können Sie sich vergnügen, bis Sie nicht mehr geradeaus laufen können.“ Ich ballte die Hände zu Fäusten.

Ich war nie ein gewalttätiger Mensch. Ich war immer der Überzeugung, dass man alles friedlich klären konnte und keine Gewalt nötig war. Der friedliche Weg war immer der angenehmste. Doch genau in diesem Moment hatte ich einfach nur noch den Wunsch, ihr meine Faust ins Gesicht zu rammen.
Was fiel ihr ein, meine Eltern zu beleidigen und zu kritisieren?! Sie hatte überhaupt kein Recht dazu!

Mrs. Dwayers Blick wanderte den Karton rauf und runter und dann bemerkte sie, zu meinem Pech, dass kleine Kärtchen. Sie schnappte es sich, öffnete es, las es durch und fing schallend an zu lachen.

„Oh Gott...“Erneut wurde sie von einem Lachkramp geschüttelt. „Dieser Typ muss ja blind wie ein Maulwurf sein. Welcher Mann, der noch völlig bei Verstand ist, schickt so einen Vers ausgerechnet an Sie? Das muss ein Scherz sein. So dumm ist doch kein Mensch.“ Ich schluckte meine bissigen Kommentare herunter. Ich musste mich nicht vor ihr rechtfertigen, aber leider sprach sie genau meine Gedanken aus. Naja zum Teil. Ich glaubte auch immer noch, dass es sich um ein Missverständnis handelte. Wer sollte mir auch solche schönen Blumen schicken? „Oh man“ Sie wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Es gibt schon Geistesgestörte auf dieser Welt. Aber wen wundert es, dass Sie genau nach Ihren Eltern kommen? Zu nichts zu gebrauchen und billig. Eine Nutte für den privaten Gebrauch. Genau wie die Mutter.“ Ich zitterte vor Wut. Jetzt reichte es mir endgültig.

Jahre lang hatte sie mich fertig gemacht, wo es nur ging. Meine Arbeiten kritisiert, mein Verhalten missbilligt oder sich einfach nur über mich lustig gemacht. Gut und schön. Ich konnte damit leben. Doch wenn sie sich jetzt auf meine Eltern warf, dann hörte der Spaß auf. Niemand beleidigte meine Eltern.

„Ihre Mutter hat schließlich auch für jeden die Beine breit gemacht. Das ist auch der einzige Grund, warum Charlie bei ihr blieb.“ Während sie sprach, hatte sie die Karte wieder herein geschmissen, sich umgedreht und wieder auf den Weg zur Tafel gemacht.

Ich knallte meine Faust auf den Tisch und sprang auf. Alle in der Klasse zuckten zusammen und starrten mich entsetzt an. So ein Verhalten waren sie nicht von mir gewohnt, doch ich konnte darauf  überhaupt keine Rücksicht nehmen. In mir brodelte es . Dieses Mal ging sie eindeutig zu weit. Selbst wenn ich von der Schule geschmissen werden würde. So etwas konnte ich nicht auf meiner Familie sitzen lassen.

„Sie haben kein Recht, so über meine Familie zu reden.“ Meine Stimme bebte vor Zorn. Mrs. Dwayer blieb stehen und drehte sich langsam zu mir um. Sie war es nicht gewohnt, dass ihr jemand widersprach. Ganz besonders ich nicht. All die Jahre hatte ich ihre Gemeinheiten hingenommen, doch das würde ich mir nicht länger bieten lassen.

„Wie war das gerade?“

„Sie haben mich schon verstanden! Sie sollten sich vielleicht mal an die eigene Nase fassen.“ Die ganze Klasse fing an zu tuscheln. Ich wusste etwas über Mr. Dwayer, was sie sich noch nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen vorstellen könnten.

„Da muss ich Sie enttäuschen, Ms Swan. Meine Weste ist rein.“ Sie hatte schon etwas von einer Psychopathin. Gut, dass ich sie vor der gesamten Klasse bloß stellte und nicht alleine. Wer weiß, was sie sonst mit mir gemacht hätte.

„Niemand ist perfekt“, sagte ich Augenrollend. „Ich mache auch Fehler und das gleiche gilt für Sie.“

„Ja, es stimmt. Sie machen Fehler.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir der zweite Teil des Satzes nicht gefallen würde. „Ihr größter Fehler war es, überhaupt auf die Welt zu kommen. So etwas wie dich hätte man abtreiben sollen. Naja... fast hätte es ja auch geklappt, nicht wahr?“ Ich hatte die Nase gestrichen voll. Alles war vergessen. Jeder der um mich herum stand, verschwand und ich konzentrierte mich nur noch auf die Frau, die ein paar Meter von mir entfernt stand.

„Sie sind doch krank! Sie sind doch nicht mehr ganz richtig im Kopf! Wie konnten Sie meine Mutter während ihrer Schwangerschaft die Treppe runter stoßen?!“ Die gesamte Klasse hielt den Atem an. „Wissen sie eigentlich, was alles passieren hätte können?! Wollten Sie sie umbringen?!“ Ich konnte nicht mehr. Wie konnte man nur so Verantwortungslos sein?! Ich merkte selber, dass ich von mal zu mal immer lauter wurde.

„Ja! Ja genau das wollte ich!“, schrie Mr. Dwayer zurück. „Diese Schlampe hat mir meine große Liebe ausgespannt! Charlie und ich waren überglücklich zusammen! Doch dann kam Renee, mit ihren kurzen Röckchen und ihren Ausschnitten, aus denen mit Silikon vollgepumpte Melonen heraussprangen. Die Männer waren schon damals Schwanzgesteuert, dass hatte sich in den letzten Jahren nur verschlimmert. Kein Wunder also, dass Charlie darauf angesprungen ist. Sie hatte null Charakter. Nach dem Studium wollten die beiden auch noch heiraten. Das war mein Traum. Charlie und ich gehörten zusammen. Nicht diese Großstadtussi! Ein Jahr nach ihrer Hochzeit wurde dieses Flittchen auch noch Schwanger. Wenn ich mir vorstelle, dass Charlie mit dieser Hure geschlafen hatte, dann kommt mir immer noch die Galle hoch.

Tja, deswegen mussten Sie und Renee verschwinden. Charlie war nicht glücklich mit euch, dass hat man ihm angesehen. Er hatte bemerkt, dass er einen Fehler gemacht hatte, als er mich verließ und sich auf Renee eingelassen hatte. Er wollte zu mir zurück, doch ihr standet im Weg. Charlie konnte keine Schwangere Frau verlassen, deswegen musstet ihr verschwinden. Die Treppe war die einfachste Lösung. Ich wusste, wann sie zu ihrem Atemübungskurs ging. Es war ein leichtes ihr aufzulauern. Es ging ganz schnell. Ein kleiner Schubs genügte und sie segelte die Treppen herunter. Wäre es, wenn Sie sich nicht wie ein Parasit festgesetzt hätten. Ihr größter Fehler war es, auf die Welt zu kommen. Ohne Sie hätten sich Renee und Charlie getrennt. Vielleicht wäre ich sogar deine Mami.“ Ich war geschockt. Sie zeigte keinerlei Reue. Sie schien auch noch stolz auf ihre Tat zu sein. Diese Frau war doch geistig nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Wie konnte man so eine Frau nur in einer Schule arbeiten lassen? Sie war doch gemeingefährlich!
Selbst die Klasse schien über ihr Geständnis geschockt zu sein. Mrs. Dwayer hatte anscheinend vergessen, wo sie hier war.

„Sie sind doch krank! Sie sind versessen. Charlie wäre nie zu Ihnen zurück gekommen! Er hat meine Mom geliebt!“

„Pha! Geliebt! Das ich nicht lache! Er hat sich einfach nur verpflichtet gefühlt!“

„Nein eben nicht!
Sie haben Charlie doch schon seit Jahren belästigt. Egal wo er hinging, egal wo er war, Sie waren auch da. Er hatte Ihnen oft genug gesagt, dass er nichts von Ihnen will, doch sie waren wie besessen. Sie haben ihn regelrecht gestalkt. Mein Dad wollte nie etwas von Ihnen.“

„Charlie ist mit mir ausgegangen und das nicht nur einmal. Wir haben uns geliebt! Wir waren wie für einander geschaffen.“

„Nein waren Sie nicht!“ Jetzt war ich diejenige, die schrie. Diese Frau musste einer doch endlich zur Vernunft bringen. „Mein Vater ist nur mit Ihnen ausgegangen, in der Hoffnung, dass Sie dann endlich bemerken würden, dass Sie eben nicht für ihn bestimmt sind. Er hat allerdings genau das Gegenteil davon erreicht. Sie waren erst recht versessen deswegen.
Nachdem Sie versucht haben meine Mutter und mich umzubringen, empfanden es meine Eltern für sicherer die Stadt zu verlassen. Sie alleine tragen die Schuld daran, dass wir umgezogen sind. Sie sind auch selber Schuld daran, dass Charlie überhaupt nichts von Ihnen wissen wollte. Er wollte Sie nicht einmal als Bekannte in Erinnerung behalten, was mich kein bisschen wundert.“

Meine Eltern hatten mir alles erzählt was damals passiert war. Diese Frau hätte mich beinahe umgebracht und das alles nur, weil sie nicht zurechnungsfähig war. Die Ärzte damals hatten es selber gesagt. Es war ein Wunder, dass ich den Sturz überlebt hatte. Ich konnte von Glück reden, dass mein kleiner 'Kokon', wie der Arzt es nannte, überraschend fest und stabil war, denn sonst hätte es schwere Folgen haben können und das nicht nur für mich.

„Dieses Flittchen hat mir meinen Mann gestohlen! Ich könnte deine Mutter sein!“, schrie sie und klang schon ganz hysterisch. Sie und meine Mutter? Niemals!

„Nein könnten Sie nicht! Ich würde niemals so ein durchgeknalltes Weibsbild wie Sie eines sind, als meine akzeptieren!
Und wagen Sie es nicht meine Muttern noch einmal als Flittchen zu bezeichnen, sonst lernen Sie mich mal so richtig kennen!
Gehen Sie zu einem Psychologen, Sie sind doch nicht mehr ganz dicht!“ Ich konnte einfach nicht mehr. Das alles war zu viel für mich. Ich schnappte mir meine Sachen, hob den Deckel von meinem Karton auf, den Mr. Dwayer auf den Boden geschmissen hatte, auf, schloß das Päckchen wieder, nahm alles und verschwand schnellstens aus diesem Raum.

Es interessierte mich nicht, dass ich eigentlich noch Unterricht hätte, denn ich wusste, dass ich den so wie so nicht durchhalten würde. Ich rannte schon fast nach Hause. Imme wieder stieß ich mit Menschen zusammen, doch ich konnte mich weder Entschuldigen noch es verhindern. Die ganze Zeit brannten mir die Tränen in den Augen. Ich konnte immer noch nicht fassen, was gerade passiert war. Ich konnte nicht mehr in ihren Unterricht gehen. Das würde ich nicht durchstehen.

Kaum an meiner Wohnungstür angelangt – ich hatte noch nicht einmal bemerkt, dass ich bereits im Hausflur stand – schloss ich die Tür auf und betrat schnellst möglich meine Wohnung. Ich pfefferte alle meine Habseligkeiten in eine Ecke und eilte zum Telefon. Meine Finger wählten wie von selbst Edwards Nummer. Nach nur ein paar mal klingeln, ging er endlich ran.

„Hey süße, hast du schon aus oder hast du schon wieder etwas vergessen?“ Ich konnte ein Grinsen in seiner Stimme hören.

Es tat so gut seine sanfte Stimme zu hören. Sie war ungemein beruhigend. So als würde mir jemand eine warme Decke aus Geborgenheit überwerfen. Es klang zwar kitschig und wie ein Abklatsch eines billigen Schundromans, aber es fühlte sich wirklich so an.

„Weder noch“, schniefte ich. Ich wusste, es war ein Fehler ihn hören zu lassen, dass es mir nicht gut ging, doch ich konnte das schluchzen nicht zurückhalten.

„Was ist denn los?“ Natürlich wurde er sofort hellhörig. Er sorgte sich so sehr um mich, das mochte ich so an ihm.

„Bist du im Laden?“ Ich wollte das ungern am Telefon besprechen. Das hatte mich einfach zu sehr aufgewühlt.

„Ja“

„Dann komme ich am besten jetzt gleich vorbei und erzähle dir alles.“

„Gut, dann warte ich mit einer großen Tafel Schokolade auf dich.“ Ich musste lächeln. Ich sagte ja bereits, ein Engel auf Erden.

„Ich glaube, eine wird bei weitem nicht reichen.“

„So schlimm?“ Seine Stimme wurde noch sanfter, wenn das überhaupt noch möglich war.

„Schlimmer. Also bis gleich.“ Ich legte auf und nahm mir schnell eine andere Tasche aus dem Schrank und stopfte alle meine Sachen hinein. Schlüssel, Handy, Geldbeutel... Als ich endlich alle meine Sachen beieinander hatte, eilte ich zur Tür und war schon fast draußen, als mir noch etwas einfiel. Ich nahm die Blumen mit dem Karton in die Küche und legte sie auf die Anrichte.

Eine Vase in meiner Wohnung zu finden war wirklich nicht einfach, schlussendlich fand ich aber doch noch eine und füllte sie mit Wasser. Vorsichtig nahm ich die Blumen aus dem Päckchen und steckte sie in die Vase. Augenblicklich verteilten sie ihren angenehmen Duft in meiner Küche.
Irgendwann würde ich schon noch herausfinden, wer und vor allen Dingen warum mir derjenige Blumen geschickt hatte. Ich nahm die Vase wieder von der Anrichte, ging mit ihr ins Wohnzimmer und stellte sie auf den Tisch.

Mein Wohnzimmer, welches ich einfach provisorisch eingerichtet hatte, bekam durch die Blumen Persönlichkeit.
Ich hatte hier weder Farbe an den Wänden, noch waren irgendwo Bilder zu sehen. Eigentlich war ich der Typ Frau, der am liebsten überall Bilder und Fotos hängen hatte, doch hier her passte es nicht wirklich. Es kam mir so falsch vor, in dieser Wohnung irgendein Foto aufzuhängen. Ich fühlte mich hier einfach nicht zu Hause. Es war, als wäre ich in einer fremden Wohnung, die ich eigentlich nicht kannte.

Ich warf noch einmal einen Blick auf mein Wohnzimmer und verließ dann die Wohnung. Ich war ungern hier. Hier fühlte ich mich immer so alleine und verlassen.

Ich lief wieder zurück in die Küche und packte den Karton um ihn unten wegzuschmeißen. Nachdem das auch geschafft war, eilte ich zur Bushaltestelle. Gerade noch rechtzeitig erwischte ich den Bus und setzte mich ganz hinten hin. Während der gesamten Fahrt schaute ich aus dem Fenster und hing meinen Gedanken nach.

*~*


Erschöpft stieg ich aus dem Bus. Fast hätte ich die Haltestelle verpasst, denn ich war zu tief in Gedanken versunken. Wäre Jim – der Busfahrer – nicht gewesen, wäre ich wahrscheinlich noch viel weiter gefahren. Jim wusste, wohin ich wollte, schließlich fuhr ich diese Strecke seit fünf Jahren fast täglich.

Eine kleine Klingel über der Tür kündigte meine Eintreten an. Ich liebte diese Klingle. Manchmal machte ich die Tür auf und zu, nur um Edward ein bisschen zu ärgern. Ganz besonders machte es Spaß, wenn er hinten im Lager war und dann nach vorne eilte um die neuen Kunden zu begrüßen. Zu 90 Prozent sah er mein grinsendes Gesicht. Ich wäre schon so oft durch seine Blicke getötet worden.

„Bells!“ Edward sprang über den Tresen und kam auf mich zugeeilt.

„Hey! Stör mpf...“ mehr konnte ich nicht sagen, denn er hatte mich an seine Brust gedrückt. „Wenn du mich umbringen willst, dann mach so weiter“, kam es gedämpft von mir.

„Wie bitte? Wie kommst du...“ Er trat einen Schritt zurück um mich anschauen zu können und ich konnte endlich wieder ungehindert atmen. Ich schnappte regelrecht nach Luft.

„Du hättest mich fast erstickt“, sagte ich immer noch keuchend.

„Oh“

„Oh? Ist das alles was du zu sagen hast?! Oh?!?“

„Na wenn du schon so schimpfen kannst, kann der Tag ja nicht so schlimm gewesen sein!“ Und schon hatte er mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

„Doch kann es“, kam es bedrückt von mir.

„Na los! Lass uns nach hinten gehen. Dort können wir dann in aller Ruhe reden, Kaffee trinken und Schokolade essen.“ Edward nahm mich bei der Hand und führte mich in die kleine Kaffeeküche. „Kaffee und Schokolade klang verdammt gut.

Nachdem wir uns gesetzt hatten, fing ich gleich an, von Anfang an zu erzählen. Die Blumen ließ ich allerdings aus. Ich hatte keine Ahnung warum, doch irgendwie war es mir unangenehm mit ihm darüber zu reden.

*~*


Gebannt schaute ich Edward an, der wiederum mich mit offenem Mund anstarrte. Und das schon seit geschlagenen 10 Minuten. Inzwischen hatte ich mit meinem Handy ein Bild von diesem Gesicht gemacht, da man ihn nicht sehr oft mit so einem Gesichtsausdruck erwischte und es als Hintergrundbild gewählt. Ich hatte ihm Papierkügelchen in den Mund geworfen und am liebsten hätte ich ihm noch die Nägel lackiert, aber ich hatte leider keinen Nagellack dabei.

„Muss man irgendwo eine Münze einwerfen, damit du wieder funktionierst oder gibt es irgendwo einen bestimmten Knopf?“ Ich bekam kein Antwort. „Vielleicht arbeitest du ja, so wie diese Plastikbabys. Man muss nur den richtigen Schlüssel finden. Hast du das Handbuch hier irgendwo versteckt?“ Wieder nichts.

„Langsam wird es mir echt zu blöd. Ich gehe jetzt.“ Er blinzelte noch nicht einmal. Vielleicht habe ich ihm einen Herzinfarkt bereitet. „Edward?“ Ich beugte mich über den Tisch und fühlte seinen Puls. Diese Berührung schien ihn aus seiner Trance zu reisen. Zu erst blinzelte er, dann schüttelte er den Kopf, als wolle er die Gedanken verjagen und als er etwas sagen wollte, merkte er, dass er noch etwas im Mund hatte.

Schnell spuckte er die Papierbällchen aus und schaute mich grimmig an. „Was? Du warst nicht ansprechbar. Das musste ich einfach ausnutzen. Wer weiß wann es mal wieder der Fall sein wird.“

„Ist das alles, was du zu sagen hast?“ Ich überlegte kurz.

„Dir würden auch kleine Zöpfe in den Haaren stehen. Das nächste mal muss ich Haargummis mitbringen.“ Das ich nicht vorher auf die Idee gekommen bin. Edward schaute mich durch dringlich an. „Ach so, du meinst zu der anderen Sache... Nein habe ich nicht. Ich habe meine Sachen gepackt und bin abgehauen. Mehr gibt es nicht zu erzählen.“

*~*


„Ich verstehe das nicht!“ Nachdem ich ihm alles erzählt hatte, sprang er auf und lief wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her.

„Was? Was Mrs. Dwayer gesagt hat oder weil ich abgehauen bin?“ Ich kann mir vor wie bei einem Tennismatch. Mein Kopf ging von links nach rechts und von rechts nach links, währen ich Edward beim auf und ab laufen beobachtete.

„Weder noch. Warum lässt die Schule so eine 'Person'“, wobei er Person aussprach wie ein Schimpfwort „überhaupt bei sich arbeiten?! Hat sich den bisher niemand beschwert?!“

„Doch, aber sie haben keinen Ersatz für sie. Niemand will den Job übernehmen...
Könntest du dich bitte endlich wieder hinsetzen?! Du treibst mich mit deinem hin und her gerenne noch in den Wahnsinn!“, gab ich leicht gereizt von mir.

„Tut mir leid, aber ich kann einfach nicht verstehen, warum die Schule so etwas zulässt. Sie müssen doch sehne, was sie damit den Schülern antun.“ Edward setzte sich wieder an den Tisch.

Ich schaute wehmütig auf die leere Schokoladenverpackung. Warum musste die beste Schokolade der Welt auch irgendwann zu Ende gehen?
Plötzlich zog Edward hinter seinem Rücken eine weitere Tafel hervor. Ich grinste ihn überglücklich an und machte mich gleich über diese süße Versuchung her.

„Tja, anscheinend haben sie überhaupt keine Probleme damit, uns so zu quälen.

„Und was willst du jetzt machen?“ Ich zuckte mit den Schultern.

„Auswandern?“ Er schaute mich wieder grimmig an.

„Schon gut“, ich hob abwehrend die Hände. Um ehrlich zu sein, hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte. „Wahrscheinlich werde ich morgen so wie so zum Direktor gerufen, und wenn er mich nicht rauswirft, weil ich die restlichen Stunden geschwänzt hatte, dann kann ich nur hoffen, dass Mrs. Dwayers Gedächtnis sie im Stich lässt und sie alles vergessen lässt, was gestern passiert ist.“ Na das konnte ja eine Standpauke werden. Nichts hasste unser Direktor mehr, als Schwänzer.

„Na dann kannst du doch alles mit ihm besprechen und ihn alles erzählen.“ Edward schien sehr euphorisch drauf zu sein. Ich hingegen war realistisch.

„Warum? Damit ich mir anhören kann, dass sie es leider nicht ändern können, weil niemand den Job machen will? Bei dieser Bezahlung wunderte es mich kein bisschen. Da würde ich auch nicht arbeiten wollen.“ Die Lehrer arbeiteten zu einem absoluten Hungerlohn. Kein Wunder also, dass so viele Kündigten oder erst gar nicht anfangen wollten.

„Das hießt Sackgasse?“

„One Way Ticket und zwar direkt in die Hölle“, bestätigte ich. „Ich wünschte, man könnte sie einfach austauschen. Selbst wenn es einer von der Addams Family wäre, (http://www.gattolane.com/2009/inspiration/addams.jpg Die Addams Family, immer noch eine super Serie^^) könnte die Wahl nicht besser fallen.“ Nur leider hatte ich keinen Flaschengeist, der mir alle meine Wünsche erfüllen könnte, also würde meine Bitte ungehört bleiben.

„Ach Süße, wer weiß, vielleicht passiert ja noch etwas, mit dem du nicht gerechnet hättest.“ Zum Beispiel, dass mir jemand anonymes Blumen schickte? Beinahe hätte ich wirklich diese Frage gestellt, konnte mich aber selber gerade noch daran hindern.
„Was haben Mariah Carey und Whitney Huston noch einmal gesungen? Ach ja...
There can be miracles, when you believe...” (http://www.youtube.com/watch?v=Pu6ua2R5UH8 Mariah Carey und Whitney Huston – When you believe) Jetzt fing er auch noch an zu singen. Ich hatte eindeutig genug von diesem Tag.

„Ja ja, nur leider ist kein Wunder passiert und die beiden machen immer noch Musik, also kannst du dir denken wie viel diese 'Wunder' wert sind“, gab ich genervt von mir.

„Schon gut“ Edward schaute mich schon wieder komisch an.

„Was? Wenn er mich so anschaute, machte er mir Angst.

„Mach dich fertig, wir gehen aus“, meinte er nach einem kurzen schweigen und stand dann mit diesen Worten auf und ging wieder nach vorne in den Verkaufsraum.

„Hä?“ Mehr fiel mir in dieser Sekunde nicht ein. Schnell hatte ich mich wider gefangen und lief ihm nach. „Was soll das heißen wir gehen aus?“

„Zuerst gehen wir essen und dann will ich dir was zeigen, was bisher noch keiner zu Gesicht bekommen hat.“ Der schien ja bester Laune deswegen zu sein.

„Und was ist mit dem Laden? Du kannst ihn doch nicht schon wieder schließen!“ Irgendwann würde ihn der Besitzer Mr. Weed noch rauswerfen und das nur wegen mir.

„Doch kann ich. Falls du es vergessen haben solltest, er hat einen Narren an dir gefressen. Wenn ich ihm also sage, dass es dir nicht gut ging, was glaubst du, wie schnell er mir verzeihen würde?“ Wahrscheinlich würde er Edward sogar noch zwei Wochen Urlaub geben, nur damit er ganz sicher gehen konnte, dass es mir wieder besser ging.

„Touché“, grummelte ich.

„Siehste!“ Selbstgefälliges Arschloch. Das er immer angeben musste, wenn er mal Recht hatte-

„Wo willst du überhaupt mit mir hin?“ Wenn schon nicht so, dann eben anders.

„Das Restaurant, darfst du dir aussuchen, aber was wir danach machen, bleibt mein kleines Geheimnis.“

„Ach wie großzügig!“ Vielleicht sollte ich meinen Namen in Sarkasmus ändern. Bella Sarkasmus. Passt ganz wunderbar.

„Du weißt doch, ich bin immer großzügig“, grinste er überheblich.

„Als ob!“, murmelte ich vor mich hin, drehte mich um und ging wieder nach hinten um meine Sachen zu packen, so wie es mir befohlen wurde. Ein Entkommen gab es so wie so nicht.

„Wie war das?“ Was musste dieser Typ auch so ein gutes Gehör haben?

„Nichts“, rief ich zurück und eilte davon

*~*


Ich hatte mich für italienisch entschieden, zwar wollte mich Edward in einen noblen Laden schleppen, doch ich dirigierte ihn erfolgreich zu einer gewöhnlichen Pizzeria. Man(n) musste es ja nicht gleich übertreiben. Pizza war nun mal Pizza. Egal ob sie mit biologischen oder Tiefgefrorenem zubereite Gemüse zubereitet wurde. Als ob man das Biogemüse nicht chemisch düngen und bespritzen würde.

Wir hatten uns in die hinterste Ecke verkrochen und diskutierten noch lange, was ich mit meiner Kunstlehrerin machen sollte. Wir redeten noch so lange darüber, bis mir das Thema zum Hals raushing. Eine Lösung fanden wir so wie so nicht. Ich wollte einfach nicht mehr über dieses leidige Thema sprechen, sondern einfach nur noch den Tag mit Edward genießen. Bei ihm konnte ich abschalten und alle Sorgen einfach Sorgen sein lassen und mich frei fühlen.

Nachdem wir gegessen hatten, entschuldigte sich Ed kurz, da er noch einen wichtigen Anruf tätigen musste. Ich fragte mich zwar worum es ging, aber ich wollte ihm seine Privatsphäre lassen. Schnell verschwand Edward in Richtung Toiletten um zu telefonieren. Also ich konnte mir einen angenehmeren Ort zum Telefonieren vorstellen, als die Klos.
Während Eddie telefonierte, schaute ich mich in der Pizzeria um. Die unterschiedlichsten Altersgruppen waren hier vertreten.

Wenn ich Psychologie studieren würde, würde ich sagen, hier sind die unterschiedlichsten Lebenszyklen eines Menschen vorhanden.

Am Anfang haben wir die kleine Familie. Glückliches, frisch verliebtes Liebespaar mit einem kleinen, süßen Baby. Alles scheint noch rosig zu sein und die Zukunft wunderbar und noch alles offen.
Darauf folgt die kleine Familie mit älterem Kind. Sie hören sich liebevoll an, was der Sprössling zu erzählen hat, da sie selber kaum noch Themen finden. Der Alltag nimmt die Familie immer mehr in Anspruch.

Die Kindheit ist schon fast vorbei und somit werden kleine Rebellen geboren. Die Eltern versuchen auf den Mini – Rebell einzureden, doch es geht zum einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Hier stehen die Eltern auf verlorenem Posten.
Der Teenager würde lieber zur nächsten Gruppe gehören. Die, die nur aus dem Freundeskreis bestand. Kein Elternteil, der einem einredete, dass man im Leben nichts erreichen würde.

Anschließend gab es zwei Möglichkeiten, wie das Leben weitergehen könnte.
Die Erste steht vor der Theke und verhandelt mit dem Besitzer, damit der mit dem Preis runterging, da er nicht genug Geld hatte. Das Leben eines Obdachlosen ist wirklich nicht leicht. Von manchen Menschen wurde man als Abschaum der Nation betitelt von anderen wurde man einfach nur bespuckt.
Die Zweite Variante wäre der Geschäftsmann. Hochnäsig, mit dem Glauben, er wäre etwas besseres. Er hatte zwar eine rießige Wohnung und verdiente gut, doch ihm fehlte der Partner an der Seite.

In der hintersten Ecke saß der 'Sportvernatiker'. Er verkroch sich nach hinten, damit ihn seine Frau nicht beim Fast Food Essen erwischte. Tja der 'Sportler' wusste wie man es machte.

Ich musste grinsen. Als ob man es danach nicht auf der Wage sehen würde. Er läuft fast täglich mehrere Meilen, so hatte es jedenfalls den Anschein und nimmt anstatt ab, immer mehr zu.

„Was gibt es denn da zu grinsen?“ Edward war anscheinend fertig mit seinem Telefonat, da er sich wieder an unseren Tisch setzte.

„Nichts, schon gut“ Er warf einen schnellen Blick durch den Raum und blieb ebenfalls an dem Sportler hängen.

„Der Sportvernatiker, der sich vor seiner Frau versteckt?“ Jetzt grinste er auch.

„Ich frage mich nur, wie ihr Männer denken könnt, dass wir nicht dahinter kommen? Haltet ihr uns für so blöd und naiv?“ Das war mir wirklich ein Rätsel. Wieso glaubten Männer alles tun zu können, was sie wollten und wann sie wollten? Glaubten sie denn wirklich, dass wir nicht dahinter kommen würden?

„Die meisten Männer kamen ihre Frauen nicht wirklich. Sie glauben, wenn sie eine Information haben, dann bleibt sie bis ans Ende ihrer Tage so. Doch das ist nicht der Fall.
Ein Freund von mir, mal eine kleine Theorie aufgestellt.

Nimm 20 Männer, 20 Frauen und stelle ihnen ein paar Fragen. Zum Beispiel die lieblings Farbe und Haarfarbe usw.
Nach vier Jahren oder mehr, rufen sie wieder zusammen und frage sie das selbe noch einmal. 90 Prozent der Männer geben die gleiche Antwort, wie beim ersten Mal.
90 Prozent der Frauen ändern ihre Angaben. (AN: Keine Ahnung ob es stimmt. Habe diese Theorie einfach mal aufgestellt XD)

Und genau das können Männer nicht nachvollziehen, deswegen sind sie in den meisten Situationen maßlos überfordert.“ Ich schaute ihn verdutzt an. Seit wann war aus ihm so ein psychologischer Typ Mann geworden?

„Was ist? Ich interessiere mich halt für so etwas.“

„Aha“ Unter meinem Blick fing er langsam an nervös auf dem Stuhl hin und her zu rutschen.

„Dann kannst du mir ja auch sicher sagen, warum Männer, wenn sie krank sind, jammern wie kleine Kinder. Als würde die Welt unter gehen“ Na jetzt war ich gespannt was er dazu sagen würde.

„Weißt du, ich kann zwar nur raten, aber ich würde sagen, dass es daran liegt, weil wir es nicht gewohnt sind.“ Verwirrt runzelte ich die Stirn. „Wir sind Diejenigen, die die Frauen beschützen dafür müssen wir stark sein. Wir sind es nicht gewohnt durch eine Krankheit flach zu liegen, deswegen geht für uns eine Welt unter. Doch wenn wir eine Frau an der Seite habe, die uns hegt und pflegt, dann jammern wir, um noch mehr von dieser Pflege zu bekommen.“

„Verdammte Simulanten!“

„Hey! Es ist wirklich schön von einer hübschen Frau umsorgt zu werden.“ Da fiel mir doch gerade etwas entscheidendes ein.

„So wie du letzten Monat?“ Ich hob eine Augenbraue.

„Nun ja... nein... doch...“ Sein stottern verstärkte meine Vorahnung.

„Edward!“ Er hörte die Warnung in meiner Stimme.

„Tut mir leid! Es war die einzige Möglichkeit die Fürsorge einer hübschen Frau genießen zu können.“

„Oh du verdammter...!“

„Sssshhhhhttttt!!!! Es sind Kinder anwesend!“ Schnell schaute er sich um, um sich zu vergewissern, dass kein Kind meinen kleinen beinahe Ausbruch mitbekommen hatte. „Wenn du dich so verhälst, bist du kein gutes Vorbild.“ Edward wollte mich tadeln? Er?! MICH?!! ,

„Jetzt hörst du mir mal gut zu, du aufgeblasener Frauenversteher,“ Er schluckte geräuschvoll. „Du brauchst mir hier gar nicht von wegen schlechtem Vorbild anfangen“, fuhr ich leise zischend fort. „Wer hat den ein paar zehnjährigen beigebracht, wie man mit Karten ums Geld trickst?“ Ich schaute ihn abwartend an.

„Das war was völlig...“

„Nein! Es ist nichts anderes. Also fang' hier nicht mit schlechtem Vorbild an. Und eines kannst du mir glauben, so wie du mich vor einem Monat herum gescheucht und mir erzählt hast, du wärst krank, so werde ich dich auch irgendwann einmal erwischen. Und einer Sache kannst du dir sicher sein... Es wir dir überhaupt kein Spaß.“ Jetzt schaute er mich verängstigt an.

Gerade als er etwas sagen wollte, kam der Kellner mit der Rechnung. Ich brauchte unbedingt frische Luft sonst würde ich da drinnen noch anfangen zu schreien. Also nahm ich meine Tasche und ging raus. Edward bemerkte das und beeilte sich mit dem zahlen. Anscheinend hatte er Angst, dass ich abhauen würde. Draußen angekommen, atmete ich ein paar mal tief durch und machte mich dann auf den Weg zum Wagen, der ein paar Blocks weiter weg stand, weil wir keinen Parkplatz gefunden hatten.

„Bella!“ ich dachte nicht einmal daran, mich umzudrehen. „Jetzt warte doch mal!“ Schnaufend kam er bei mir an und packte mich beim Handgelenk. „Es tut mir leid. Das wollte ich nicht.“

„Du weißt ganz genau, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn man mich belügt! Von dir habe ich das am wenigsten erwartet.“ Edward schaute mich verletzt an. Ich wusste, dass ich zu hart mit ihm ins Gericht ging, aber ich hasste es, wenn man mich belog. Das war schon immer so gewesen.

Selbst damals, als ich erfahren hatte, dass der Weihnachtsmann, der Osterhase und die Zahnfee nicht existierten und meine Eltern mich belogen hatten, habe ich drei Wochen nicht mehr mit ihnen geredet. Egal was sie taten oder mir kauften. Sie waren schon regelrecht am verzweifeln. Seit damals hatten sie nicht mehr gewagt, mich zu belügen.

„Bella es tut mir wirklich Leid. Ich schwöre dir, ich werde dich nie mehr belügen.“ Jetzt setzte er auch noch den Hundeblick ein, den Alice ihm beigebracht hatte.

„Vergiss es! Der Hundeblick funktioniert bei mir nicht!“ Doch klappte er und das wusste er ganz genau, denn er fing auch noch an, wie eine Welpe zu winseln. „Hör auf damit!“ Ich schaute demonstrativ in eine andere Richtung. Jedenfalls versuchte ich es, doch er schob sich immer wieder in mein Blickfeld. „Ich werde dir nicht verzeihen!“ Jetzt winselte er noch gequälter.
„Oh na gut! Ausnahmsweise!“ Das quittierte er mit einem breiten Grinsen. „Du verbringst eindeutig zu viel Zeit mit Alice. Sie bringt dir unnötige Sachen bei“, grummelte ich vor mich hin.

„So unnötig finde ich sie nicht.“

„Das ist mir schon klar, schließlich kannst du mich damit um den Finger wickeln, nicht wahr?“ Jetzt grinste er wieder dümmlich.

„Na los. Ich will dir doch noch etwas zeigen. Und frag nicht, denn du wirst keine Antwort auf die Frage 'Wo fahren wir den hin' bekommen.“ Er kannte mich inzwischen einfach zu gut.

„Klugscheißer“, murrte ich

„Das habe ich gehört!“ Er stand zwar einige Meter von mir weg, trotzdem hört er alles. Warum musste dieser Mann auch so gute Ohren haben.

„Hey! Hat dir niemand beigebracht, dass man(n) keine Lady auf der Straße zurück lässt?“, rief ich ihm hinterher und beeilte mich, um ihn einzuholen.

„Diese Stunde habe ich anscheinend geschwänzt.“

„Sieht ganz so aus.“

Am Auto angelangt hielt er mir, wie immer, die Tür auf. Ich warf mich regelrecht auf den Platz und schnallte mich an. Die Frage wohin er wolle, durfte ich ja nicht stellen, also blieb es im Auto still und wir beiden genossen es einfach. Mit ihm zu reden war leicht, mit ihm zu schweigen noch leichter.
Edward und ich konnten tun, was immer wir wollten. Es war nie unangenehm. Wir ergänzten uns einfach perfekt. Ich war meistens der ernste Typ, er hingegen nahm alles locker und riss mich durch seine gute Laune einfach mit.

Plötzlich hielt Edward an und schaltete den Motor aus. Ich schaute mich um und erkannte den Stadt Park. Was zum Teufel sollten wir denn hier?!
Ich schaute Edward fragend an. Wurde das jetzt so eine Aktion wie in einem schlechten Teen-Horror Film werden? Der gut aussehende Typ stellte sich als psychopathischer Serienkiller heraus, der junge Studentinnen bevorzugte?

„Schau nicht so misstrauisch! Dir wird nichts passieren, das verspreche ich dir.“ Ich schaute Edward noch einmal an. Egal was er gesagt hätte, ich wäre ihm so oder so wie ein treues Schaf hinterher gerannt.

Ich stieg aus und wartete, bis Ed sein Auto abgeschlossen hatte. Er wusste ja, wo er hin wollte, doch ich war auf ihn angewiesen. Also, wenn ich nicht wieder kommen würde, hoffte ich, dass Alice einen Suchtrupp losschicken würde. Doch die Wahrscheinlichkeit war sehr gering. Alice würde eher die Vermutung aufstellen, dass ich mit Edward durchgebrannt war. Auf ihre Hilfe konnte ich also nicht zählen.

„Komm. Hier müssen wir entlang.“ Edward scheuchte mich immer tiefer in den Park hinein. Also wenn er mich abschlachten wollte, dann wäre jetzt der perfekte Augenblick. Doch anstatt sich umzudrehen, ein Messer heraus zu holen und mich zu erstechen, ging er immer weiter.
Wo wollte er nur mit mir hin? Im hinteren Teil des Parks waren fast nur Baustellen. Dort wurden die Gärten erst noch gebaut und fertig gestellt. Insgesamt gab es dort drei Gärten oder eher Parks. Jeder von ihnen war riesig. So weit es bekannt war, sollten im ersten lauter Kirschbäume stehen. Also eine kleine Anlehnung an die Japanischen Kirschbaumparks. Im zweiten sollten Magnolienbäume gepflanzt werden. Doch vom dritten lagen noch keinerlei Infos vor.

„Wir sind da.“
Wie ich es mir gedacht hatte. Wir standen vor dem dritten Parkeingang. Doch weiter kamen wir nicht, da der Zugang mit einem schweren Eisentor verriegelt war. Durchgang? Unmöglich!

„Und weiter? Soll ich mir jetzt etwa das Tor anschauen? Wirklich solide gemacht. Egal wer es da hingestellt hat verdient meinen Respekt.“

„Darum geht es doch gar nicht, sondern viel mehr darum, was dahinter ist. Und genau das will ich dir zeigen.“

„Und wie? Ist ja nicht so, als wenn du denn...“ Er klimperte mit ihnen vor meiner Nase herum „...Schlüssel hättest“, beendete ich meinen überflüssigen Satz. „Woher hast du eigentlich den Schlüssel? Edward, wenn es ein krummes Ding ist, möchte ich nichts damit zu tun haben.“ Ich drohte ihm mit meinem Zeigefinger.

„Natürlich nicht! Was denkst du denn von mir! Nein, unser Blumenladen sollte sich etwas aussuchen. Also Blumen, die hier gepflanzt werden sollen.“

„OK. Und für welche habt ihr euch entschieden?“ Ich konnte nicht leugnen, dass ich nicht neugierig war.

„Genau das werde ich dir zeigen.“ Er suchte den passenden Schlüssel heraus und sperrte auf. Das Eisentor schien nicht nur vom Aussehen her schwer zu sein, sondern war es anscheinend tatsächlich. Edward musste ganz schön Kraft anwenden, um es zu bewegen. Kaum war genug Platz, schlüpften wir rein und Edward schloss das Tor wieder und sperrte ab.

„Damit wir keine ungebetenen Gäste bekommen, denn der Park wird erst nächstes Jahr eröffnet“, erklärte er mir auf meinen fragenden Blick hin.
Er führte mich noch ein kurzes Stück weiter und dann roch ich es schon. Von Schritt zu Schritt wurde der Geruch intensiver. Dann bogen wir um eine Ecke und ich erstarrte in der Bewegung.

„Das ist unglaublich!“, hauchte ich.

„Gefällt es dir?“ Was für eine dumme Frage.

„Gefallen? Das ist der absolute Hammer! Wie kann es einem den nicht gefallen?“ Ich schaute mich um und inhalierte den Geruch.

Überall um uns herum standen rießige Fliederbäume. In allen Farben, Formen und Größen. Es sah einfach umwerfend aus. Egal wohin man schaute, sah man diese wunderschön duftenden Blüten. Ich liebte diesen Geruch. Man konnte sie schon aus einigen Metern Entfernung riechen. Ich war wie berauscht. Ich konnte mich einfach nicht satt sehen. Ich lief von Baum zu Baum und schnupperte an den Blüten. Jede hatte ihren eigenen Geruch, doch irgendwie waren sie auch alle gleich.

„Mr. Weed hatte diese Idee auch sofort gefallen. Er weiß ja, wie sehr du den Duft von Fliedern liebst.“ Ja ich vergötterte ihn nahezu. Moment!

„Was soll das heißen?“ Ich drehte mich zu ihm um. „Habt ihr das etwa...?“

„Nur für dich getan?“, schloss er meinen Satz. „Ja. Ich weiß, dass du erst in ein paar Monaten Geburtstag hast, aber das hier ist mein, besser gesagt unser, Geschenk an dich.“ Er kramte in seiner Tasche herum und zog einen zweiten Schlüsselbund heraus, jedoch war an diesem eine kleine rote Schleife angebracht. Edward reichte ihn mir, doch da ich mich nicht bewegen konnte, trat er ein paar Schritte an mich heran und nahm meine Hand. Er legt mir den Schlüssel hinein und schloss meine Finger darum. Ich konnte Ed die ganze Zeit nur anstarren. „Du kannst jederzeit hier her kommen. Die Eisentür, wird in den nächsten Tagen durch eine andere, leichtere ersetzt und es wird am Eingang auch noch eine kleine Tafel angebracht. Mit deinem Namen, aber das dauert noch ein bisschen.“ Ich starrte ich immer noch an wie blöd. Das konnte doch jetzt nicht wirklich passieren oder? „Hey, du sagst ja gar nichts. Gefällt es dir dein Geschenk etwa nicht?“

„Mein...“, quiekte ich. Meine Stimmte hatte schlapp gemacht. Ich fragte mich, ob ich jemals diesen Schock überwinden würde.

„Ja, es ist dein Geschenk“, sagte er sanft lächelnd.

„Edward so etwas kannst du doch nicht machen. Ich kann das nicht annehmen.“ Das war doch zu viel. Natürlich war es ein super süße Idee, aber das war doch niemals real. Bald werde ich in meinem Bett aufwachen und furchtbar enttäuscht sein, weil es Edward in meinem Leben nicht gab.

„Bella... Das ist eine Kleinigkeit. Und ich werde nicht zu lassen, dass du es ausschlägst. Sonst bin ich beleidigt.“ Ich wusste, dass er es Ernst meinte, deswegen gab ich mich geschlagen. Ausnahmsweise.

Ich überbrückte die letzten paar Schritte und umarmte ihn dankbar. Ich hatte noch nie etwas so schönes und wertvolles geschenkte bekommen. Leider konnte ich es ihm nicht sagen, da sich meine Stimme wieder verdünnisiert hatte. Wahrscheinlich lag sie ganz weite hinten neben meinen eingeschlossenen Gefühlen.

Ich wusste nicht, ob ich jemals wider jemand lieben könnte. Die Frage war auch, ob ich das überhaupt wollte. Jeden Menschen, den ich geliebt hatte, hatte ich verloren. Ich würde es nicht noch einmal durchhalten. Deswegen hatte ich alle meine Gefühle in den Hintergrund gedrängt. Edward war jedoch eine Person, die mit Gewalt versuchte diese Gefühle wieder an den Tag zu bringen. Leider gelang es ihm sogar Stück für Stück.

Inzwischen hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren, deswegen wusste ich auch nicht, wie lange wir so da standen und uns umarmten. Doch irgendwann lösten wir uns widerwillig von einander. Ich könnte noch ewig so mit Edward zusammen stehen.

„Wir sollten langsam gehen, denn es wird kalt.“ Ich nickte nur bestätigend, denn ich traute meiner Stimme nicht. Mich wollte nicht, dass dieser Tag endete. Es schien alles so irreal. Alle meine Sorgen waren vergessen und nur der Moment zählte.

Gemütlich gingen wir den ganzen Weg zurück. Wir hatten es nicht eilig und wir mussten auch nicht reden. Wir genossen einfach nur die gemeinsame Zeit.
Kaum saßen wir im Auto, fielen mir die Augen zu. Ich war einfach nur erschöpft. Der ganze Tag hatte mich mehr geschlaucht, als ich gedacht hätte.

*~*


Ich hatte schon immer einen ruhigen und festen Schlaf, deswegen wachte ich erst auf, als ich etwas weiches unter mir spürte. Mühsam machte ich die Augen auf und schaute sofort in die grünen von Edward.

„Schlaf weiter. Du bist müde. Wir sehen uns morgen, kleines“, flüstere er mir sanft zu. Anschließend beugte er sich runter und küsste mich auf die Stirn. Ich sah es zwar nicht, da mir wieder die Augen zu gefallen waren, aber ich spürte den Kuss, denn meine Stirn fing an leicht zu kribbeln. Weiter damit befassen konnte ich dann doch nicht, denn im nächsten Augenblick driftete ich ins Traumland davon.

*~*


Für meinen Geschmack viel zu früh wurde ich von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen. Immer noch tierisch müde schaltete ich das nervige Teil ab und überlegte mir, ob ich heute nicht doch blau machen sollte.

Ich hätte heute wieder Kunst bei Mrs. Dwayer. Mit der Aktion gestern, hatte ich mir selber ein Ei gelegt. Sie würde mich in der Luft zerreißen. Also war es beschlossene Sache. Ich würde heute im Bett liegen bleiben.
Kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst und mich wieder in die Kissen gekuschelt, klingelte mein Handy. Ich nahm es von der Kommode und ging ran ohne aufs Display zu schauen. Zwei Sekunden später verfluchte ich mich für meinen Leichtsinn.

„Du wirst heute nicht schwänzen! Du gehst da hin und zweigst ihr, wer hier der Boss ist.“

„Du verdammter Stalker! Woher zum Teufel weißt du, was ich vor hatte?!“
Ich konnte das selbstgefällige Grinsen aus seiner Stimme heraus hören.

„Zu deinem Pech, kenne ich dich einfach zu gut. Du hast deinen barschen Ton gleich bereut, als du durch die Tür aus dem Klassenzimmer gestürmt bist. Jetzt, da das aber raus ist, willst du dich verkriechen und in Selbstmitleid baden. Du hast vor so lange zu warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Stimmt's oder habe ich Recht?“

„Großmaul“ Das Edward immer so angeben musste.

„Diese Antwort genügt mir voll und ganz. Also beweg' deinen Knackarsch aus dem Bett und zur Schule. Erzähl mir dann, wie es gelaufen ist.“

„Ja, ja“, grummelte ich.

„Bella...“ Er wollte mir noch Drohen, doch ich hatte bereits aufgelegt. Seine Drohungen kannte ich inzwischen auswendig. Ich würde es zwar später bereuen, einfach so aufgelegt zu haben, aber im Moment hatte ich einfach nicht den Nerv um mit überhaupt jemandem zu sprechen. Ich war nun mal kein Morgenmensch.

Edwards Befehl folge leistend, stand ich auf und schlurfte ins Bad. Warum konnte die Schule nicht erst am Nachmittag anfangen? Man könnte dann wenigstens ausschlafen.
Nachdem die Körperpflege erledigt war, verließ ich das Bad und ging, nur im Handtuch bekleidet auf den Balkon. Das war inzwischen zur Tradition geworden. Jeden Morgen trat ich auf den Balkon und prüfte die Temperatur. Die Wetterberichte konnten mir viel erzählen, doch es fühlte sich doch immer anders an. Es konnten zwar 20 Grad sein, aber wenn ein kalter Wind wehte, nütze mir die Temperaturanzeige auch nichts. So konnte ich es immer selber feststellen, was und wie viel ich anziehen musste. Es war heute sehr angenehm, doch von Zeit zu Zeit wehte ein leichter Wind.

Ich durchstöberte meinen Schrank so lange, bis ich was passendes gefunden hatte ( http://www.polyvore.com/bella_say_it_with_flowers/set?id=20014346 ). Fertig angezogen, nahm ich meine Tasche, die seit gestern in der Ecke lag und ging mit ihr in die Küche. Edward hatte meine zweite Tasche auf dem Küchentisch abgelegt und ich packte schnell meine Sachen aus der einen in die andere. Nachdem das auch geschafft war, nahm ich alle meine Sachen und verließ meine Wohnung.

Der Duft, der Blumen, hatte sich in der gesamten Wohnung ausgebreitet und verfolgte mich jetzt auch noch bis zur Schule. Kaum hatte ich das Schulgelände betreten, lagen alle Blicke auf mir. War ja klar. Ich schloss kurz die Augen, atmete tief durch und setzte meinen Weg ins Schulgebäude fort. Ich wollte nicht hier sein, wo mich jeder anglotzte, als wäre ich ein Tier im Zoo. Es war mir schon klar gewesen, dass sich so etwas schnell herumsprechen würde, doch ich hatte die Hoffnung gehabt, dass ich wenigstens ein paar Tage hätte, bis sie sich auf mich stürzen würden.

In ein paar Metern Entfernung, konnte ich Angela und Alice heiß über etwas diskutieren sehen. Zielstrebig ging ich auf die beiden zu. Als ich nur noch ein paar Schritte von ihnen entfernt war, schauten sie in meine Richtung und die Augen der beiden wurden riesig.

„Bella!“, kam es gleichzeitig von ihnen. Wenn ich nicht so eine schlechte Laune hätte, würde ich jetzt darüber lachen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du heute kommst“, gab Alice ganz offen zu.

„Hatte ich auch gar nicht vor, aber ich wurde dazu gezwungen“, gab ich mürrisch von mir, als mir wieder einfiel, dass Edward mir gedroht hatte.

„Edward, hä?“ Alice grinste schadenfroh.

„Ja ja, lach du nur.“ Ich seufzte und strich mir über das Gesicht. „Ich würde jetzt lieber im Bett liegen, als hier zu sein und mich darauf vorbereiten zu müssen, Mrs. Dwayer von Angesicht zu Angesicht treten zu müssen. Gott, ich habe richtig schiss davor. Sie hat sich gestern aufgeführt wie einen Irre.“ Ich bekam eine Gänsehaut, als ich daran dachte.

„Ja, wir haben es gehört. Embry hat es uns erzählt, deswegen haben wir auch nicht angerufen, denn wir dachten uns schon, dass du bei Edward bist.“

Ich musste lächeln, als ich an die Zeit mit Edward dachte. Ich hatte es immer noch nicht verarbeitet, dass er mir einen Fliederpark geschenkt hatte.

„Deinem Grinsen nach zu urteilen, war es ein schöner Nachmittag?“ Alice grinste spitzbübisch. Ich wusste, worauf sie hinaus wollte, doch ich würde mich nicht von ihr provozieren lassen.

„Ja, war es“, und dann erzählte ich ihnen, was gestern noch alles passiert war, nachdem ich die Schule verlassen hatte. Während ich redete, liefen wir langsam zum Schulgebäude. Als wir die Schule betraten, war ich fertig mit meinem Monolog. Die beiden starrten mich an, als hätten sie mich vorher noch nie gesehen.

„Red' keinen Scheiß! Einen ganzen Park?“ Angela war die erste, die sich wieder gefangen hatte. Kaum hatte sie ausgesprochen, starrten Alice und ich sie an. So eine Redeweise hatten wir bei Ang noch nie gehört. „Was? Ihr zwei färbt ganz gewaltig ab“, rechtfertigte sie sich. Ich schüttelte belustigt den Kopf.

„Doch es ist wirklich wahr.“ Wir wollten gerade in den Unterricht gehen, als wir von Mrs. Cope daran gehindert wurden.

„Ms. Swan, der Direktor verlangt nach Ihnen.“ Mrs. Cope war eine mürrische, alte Schreckschraube. Sie schien Kinder überhaupt nicht ausstehen zu können. Da fragte man sich doch, warum sie dann ausgerechnet in einer Schule arbeitete. Aber ich hätte es mir ja denken können, dass  Mrs. Dwayer es nicht auf sich sitzen lässt.
Ich schaute schnell zu meinen Freundinnen und die warfen mir einen mitleidigen Blick zu.
Ich folgte Mrs. Cope ins Direktorat und bekam von Schritt zu Schritt , immer mehr Panik. Die Blicke der anderen Schüler, trugen nicht gerade zu meinem Wohlbefinden bei. Ich konnte nur hoffen, dass der Direx nicht zu streng mit mir sein würde.

„Gehen Sie rein. Er wartet bereits auf Sie“, riss mich Mrs. Copes Stimme aus meinen Gedanken. Ich nickte schnell uns sie verschwand wieder. Nach kurzem zögern klopfte ich an die Tür. Da bei dem Lärm, der hier herrschte nichts zu hören war, trat ich kurze Zeit später ein. Mr. Kane saß hinter seinem Schreibtisch und schaute erst auf, als ich die Tür wieder geschlossen hatte.

„Ah, Ms. Swan! Ich habe Sie bereits erwartet. Setzen Sie sich.“ Er zeigte auf den Stuhl vor seinem Tisch. Während ich mich setzte, räumte er noch schnell ein paar Papiere auf. „So... Ich möchte ehrlich mit Ihnen sein.“ Da hörte sich schon mal nicht gut an. Wahrscheinlich würde er mir jetzt sagen, dass sie mich von der Schule werfen würden. „Mrs. Dwayers Verhalten war unzulässig und unentschuldbar. Ich kann verstehen, dass Sie so darauf reagiert haben.“ Hä?! „Wir werden natürlich so etwas nicht dulden.“ Doppel Hä?! „Aber ich hoffen, dass Ihr Ausraster sich auch nicht mehr wiederholen wird.“ Er schaute mich abwartend an.

„Na- Natürlich nicht.“ ich stotterte wie eine Blöde durch die Gegend, denn ich hatte immer noch nicht verarbeitet, was er da gerade gesagt hatte. Sollte das heißen, dass ich ohne Strafe davon kam?

„Ich werde Sie nur verwarnen. Es wird weder einen Eintrag ins Zeugnis noch in die Schulakte geben, aber...“, er stoppte. Ich konnte mir denken, worum es ging.

„Aber Sie können Mrs. Dwayer nicht feuern, da Sie keinen Ersatz für sie haben, richtig?“ Mr. Kane seufzte entkräftet.

„Ja, leider bedeutet es genau das. Glauben Sie mir, Ms. Swan, mir gefällt es genau so wenig wie Ihnen, aber ich kann da leider nichts machen. Sie und eine Menge anderer Schüler, brauchen für ihr Studium nun mal die Kunstnoten, deswegen kann ich nicht die einzige Person kündigen, die bereit ist diesen Job zu übernehmen. Ich wünschte ich könnte Ihnen andere, bessere, Nachrichten mitteilen.“ Ich sah die Reue in seinen Augen, er wollte mir tatsächlich helfen, konnte es aber nicht. Ich wollte ihn anschreien, ich wollte ihm meine bissigen Kommentare an den Kopf werfen, doch ich brachte es einfach nicht über mich.

Ich schloss meine Augen. Die Zeit bis zu meinem Abschluss, würde der absolute Albtraum werden. Mrs. Dwayer würde mir das Leben nicht nur schwer machen, sie würde es mir zur Hölle machen. Ich war so was von erledigt. Ich könnte mir gleich ein Grab neben das meiner Eltern schaufeln können und mich reinlegen. Ich müsste nur noch warten, bis sie mich zu schaufelte.

„Es tut mir wirklich leid, Ms. Swan.“

„Mir auch, glauben Sie mir. Mir auch.“, damit erhob ich mich und verließ den Raum.

Ach war das Leben nicht schön? Denen, die es so wie so schon schwer hatten, wurde es noch schwerer gemacht. So in der Art, wenn schon mal Salz in der Wunde ist, schick eine zweite Ladung gleich hinterher.

*~*


Das war ja mal so etwas von klar gewesen. Natürlich vergingen die Ersten vier Unterrichtsstunden, schneller als man schauen konnte und schon war wieder Mittagspause. Nach der Pause, wartete Satan höchst persönlich auf mich. Wie sollte ich das nur überstehen?!

Ich saß wie immer mit den Mädels draußen und erzählte ihnen, was der Direktor mir versucht hatte beizubringen.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst?!“, rief Alice aufgebracht. „Nach allem, was diese Hexe gesagt hatte?! Ist dieser Idiot den jetzt völlig übergeschnappt?! Das kann er doch nicht machen!“ Alice drehte jetzt völlig durch. So sauer hatte ich sie noch nie erlebt. Da musste man regelrecht Angst haben, dass sie gleich losstürmte und die Kommentare, die ich zurückgehalten hatte, los werden würde.

„Ich kann ihn ja irgendwo verstehen.“ Das konnte ich wirklich.

„WAS?! Bist du jetzt völlig...“, ich unterbrach sie, in dem ich meine Hand hob.

„Alice, was würdest du den tun? Du hast eine Irre, die Kunst in mehreren Klassen unterrichtet und für wenig Geld arbeitet. Jetzt kommen mehrere Studenten zu dir und beschweren sich über genau diese Person. Du sitzt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite, willst du dass beste für die Schüler und sie vor so einer Frau schützen, aber auf der anderen Seite, hast du das Problem, dass du keinen Ersatz für sie hast. Doch die Schüler, die genau dieses Fach brauchen, um an den Prüfungen teilnehmen zu können. Also? Was würdest du tun? Die Frau feuern um die Schüler schützen und sie dann bei den Prüfungen ins offene Messer laufen lassen, oder die Lehrerin notgedrungen behalten und hoffen, dass nichts schlimmes mehr passiert?“ Natürlich war das eine scheiß Entscheidung, aber leider konnte man nichts dagegen tun.

„Ich könnte diesen Entschluss nicht fällen“, meldete sich heute Angela das Erste mal zu Wort. „Weder das eine, noch das andere ist eine gute Idee.“

Gerade als Alice wieder anfangen wollte zu schimpfen, stand ein Mann neben uns. Es war der selbe, der mir auch gestern das Päckchen gebracht hatte. Dieses mal hatte er wieder eines dabei, nur dieses war breiter.

„Ms. Swan, ich habe heute wieder was für Sie. Könnten sie bitte unterschreiben?“ Er hielt mir das Päckchen und das Klemmbrett entgegen. Ich nahm beides entgegen und unterschrieb schnell. Doch das alles bekam ich nicht wirklich mit, denn meine Gedanken kreisten wieder um das Paket. Das durfte doch nicht wahr sein! Schon wieder eines? Bevor ich dem Lieferboten die Bestätigung wieder zurück gab, prüfte ich den Lieferschein noch schnell. Außer meinem Namen, der Adresse der Schule und das Logo des Blumenladens stand nichts drauf.

„Dürfte ich Sie vielleicht etwas fragen?“, fragte ich an den Boten gewandt, der nur stumm nickte. Der war ja nicht wirklich gesprächig. „Wissen Sie vielleicht den Namen, desjenigen, der mir diese Blumen schickt?“ Er zuckte mit den Schultern.

„Wenn es nicht auf dem Lieferschein steht, habe ich keine Ahnung. Tut mir Leid.“ So ein Mist, wäre ja auch zu schön gewesen.

„Ach kommen Sie schon! Sie müssen doch etwas wissen!“, pflaumte ihn Alice an.

„Ich bin nur der Bote! Wenn es nicht drauf steht, dann kann ich es Ihnen auch nicht sagen!“, verteidigte er sich vehement.

„Aber wenn Sie etwas herausfinden, dann sagen Sie mir bitte bescheid, ja?“ Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass sich derjenige verplappern würde.

„Natürlich“, damit verabschiedete er sich und eilte davon.

Jetzt lag es hier, direkt vor mir und ich wusste nicht, was ich machen und wie ich mich verhalten sollte. Meine Hände zitterten, als ich den Deckel hob und mir ein vertrauter Geruch in die Nase stieg. Er kam mir deswegen so vertraut vor, weil ich ihn gestern hundert mal intensiver gerochen hatte.

Dieses Mal hatte mir der Unbekannte Flieder geschickt.
Dunklen Flieder.

„Und?“, fragend schaute mich Angela an. „Was bedeuten sie?“

„Mein Herz gehört dir“, hauchte ich überwältigt.

„Da ist wieder eine Karte dabei“, wies mich Alice darauf hin. Immer noch baff und mit zittrigen Händen, griff ich nach der Karte und öffnete sie.


Ich schenke Dir mein Herz
Mit Worten auszudrücken,
was ich für Dich empfinde,
fällt mir schwer.
Darum nimm einfach
mein Herz
und lies darin;
es ist ein offenes Buch
für Dich.
Du wirst dort mehr
liebe zu Dir finden,
als ich es mit Worten
ja sagen könnte.
Du wirst dort sehen,
wie glücklich ich mit Dir bin.
Ich schenke Dir mein Herz
denn es gehört seit langem
schon Dir.  

(Erwin (Teddy) König)


„Na das wird ja immer besser“, störte Alice diesen Moment. Die beiden starrten, über meine Schultern, genau so die Karte an wie ich.
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Mit den Worten des italienischen Trainers
"Ich habe fertig"

So, es ist - wie üblich - Noch nicht Beta gelesen, da Erdbeerchen in den Urlaub fährt.
Doch ich wollte euch nicht noch länger warten lassen. Wer fehler findet, scheisst sie bitte weg XD

Ich danke euch viel mals für die 19 Reviews. Ich habe mich tierisch gefreut, dass euch das erste Chap gefallen hat.^^
Da wir inzwischen auf 60 in der Favo liste sind, nein ich verlange keine 60 Reviews, sondern nur 25. Das sollte doch zu schaffen sein, meint ihr nicht? ^^

So noch eine kleine Ankündigung am Rande, ich habe mir eine Blogseite für Say it with Flowers eingerichtet. Dort werde ich immer ein bild mit der Blume für das nächste Chap reinstellen und vielleicht noch so kleine Hintergrund Infos. Würde mich auf jeden fall freuen, wenn ihr mal vorbeischauen würdet^^

http://minaechen-sayitwithflowers.blogspot.com/

Habe mir Mühe gegeben und hoffe es gefällt euch.

GLG Minaechen
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