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Strangers In The Night
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von angel-on-the-moon    erstellt: 25.04.2010    letztes Update: 04.08.2010    Romanze / P18     305 Reviews
Titel: 27 – live fast, love hard, die young
Autor: angel-on-the-moon
Kurzbeschreibung: 2 Menschen, 1 Nacht und die Frage: Wofür lebst du? Auszug: „Langsam verblassen? Tun wir das?“ Ich war mir nicht sicher, ob ich Edwards Meinung teilen konnte. „Von dem Moment unserer Geburt an sterben wir. Mit jeder Sekunde ein wenig mehr.“ Er hatte die Augen wieder geöffnet und sah mich an. „Wir sind dem Tod jetzt näher, als wir es jemals zuvor waren.“
Genre: Romanze/Drama
Banner: http://www.abload.de/img/27vuax.jpg
Disclaimer: Mir gehört nichts. Verdammt! Nur die Idee zu dieser Spinnerei.










  27  

- live fast, love hard, die young –




Eine zufällige Begegnung, oft nur ein flüchtiges Treffen, hat selten die Macht unser Leben zu beeinflussen. Wir vergessen die Menschen, die unseren Weg kreuzen, schneller, als wir vielleicht wollen. Aber manche Begegnungen haben die Kraft, unser Leben umzukehren, uns einen Weg aufzuzeigen, der uns bis dahin verborgen schien.



*



Ich begegnete Edward Cullen am 14.01.2009, in Terminal 3 des La Guardia Flughafens von New York City. Um genau 22.46 Uhr.


Vor wenigen Minuten hatte mir die wenig freundliche und völlig überforderte Flughafenangestellte mitgeteilt, dass für heute alle weiteren Flüge gestrichen worden waren. Ein Unwetter wütete über Boston, war auf dem Weg nach Providence und würde laut den Wetterexperten auch keinen Halt vor New York machen.
Großartig. Somit saß ich fest. Eingepfercht zwischen anderen Wartenden, die genauso glücklich aussahen wie ich. Ich schulterte meine viel zu vollgestopfte, dunkelblaue Reisetasche und bahnte mir einen Weg über Koffer, Beine, Kinder, bis ich einen freien Sitzplatz nah am Fenster, in der hintersten Ecke des Terminals erreicht hatte.
Der hellgraue Hartschalensitz war so unbequem wie er aussah.
Müde, genervt und hungrig zog ich mein Handy aus der Tasche, um meiner Mutter eine kurze Nachricht zu schicken. Vermutlich schlief sie schon, aber falls nicht sollte sie wenigstens wissen, wo ich steckte. Ein Kind seiner Eltern blieb man immer, auch mit 26 Jahren hatte sich nichts daran geändert.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es gerade mal viertel vor elf war und ich somit noch mindestens acht Stunden in dieser Halle würde verbringen müssen. Ich löste den Knoten, mit dem ich meine Strickjacke um meine Hüfte gebunden hatte, und schlüpfte hinein. Mir war furchtbar kalt, was aber auch einfach an Übermüdung oder dem Hunger liegen konnte. Gerade wollte ich meine Beine anziehen, meine Tasche auf den freien Platz neben mich wuchten, als eine freundliche, sonore Stimme erklang.

„Ist hier noch frei?“ Eine Hand, lange schlanke Finger, tauchten in meinem Sichtfeld auf, die auf den Sitz neben mir zeigten.
„Sicher.“
„Danke. Ich bin froh, dass ich nicht irgendwo da hinten zwischen den Müttern und den Säuglingen sitzen muss.“ Die Stimme lachte leise. „Ich bin Edward.“
Ich hob den Blick und sah in das Gesicht mir gegenüber. Blitzende grüne Augen, gerahmt von kleinen Lachfalten, endlos lange Wimpern, wie man sie bei einem Mann nie erwarten würde und für die jede Frau getötet hätte, eine fein geschwungene Nase, hohe Wangenknochen und dazu ein Lächeln, was vermutlich die Arktis zum Schmelzen würde bringen können. Auf dem Kopf ein Basecap der Red Sox.



„Die Sox? In New York? Mutig.“ Ich deutete auf meine Reisetasche, an der ein Aufnäher der einzig waren Baseballmannschaft befestigt war – der New York Yankees.
„Schickst du mich jetzt in diese Muttermilchhölle, nur weil ich einen besseren Geschmack habe als du?“
Ich wollte gerade lautstark protestieren, niemand sagte ungestraft etwas gegen meine Yankees, als mich erneut dieses Grinsen traf. „Darf ich bleiben?“
Wie konnte ich jemandem, der so lächelte, etwas abschlagen? „Kein Wort gegen DiMagio oder Babe Ruth.“
„Okay, auch wenn die beiden-“
Ich warf ihm einen tödlichen Blick zu und dieser Edward hob abwehrend die Hände. „Ich bin schon still.“

Ich hatte mich gerade zurück gelehnt und die Augen geschlossen, als er neben mir anfing, lautstark in seinem überdimensionalen Rucksack zu wühlen. Zu Tage beförderte er einen dicken Wälzer, mit dem man vermutlich jemanden würde erschlagen können. „Krieg und Frieden“, wie ich mit einem Blinzeln feststellte. Angewidert verzog ich das Gesicht.
„Tolstoi? Du musst eine masochistische Ader haben.“
Er zuckte mit den Schultern. „Eigentlich ist dieses Buch wirklich schrecklich.“
„Warum liest du es dann?“
„Es gehört zu den Dingen, die ich in meinem Leben noch tun will.“ Edward zog eine Brille aus der Brusttasche seines Hemdes und begann in diesem russischen Folterinstrument zu blättern.
„Noch?“ Ich betrachtete ihn von oben bis unten. Er sah nicht krank aus, strotzte vor Kraft. Er war sicherlich nicht viel älter als ich.
„Wusstest du, dass es unzählige Menschen gibt, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind? Ich will nichts riskieren.“ Er zwinkerte mir zu, bevor er sich wieder seinem Buch zuwandte.
Das war, gelinde gesagt, verrückt und ich hatte keine Ahnung, wovon er überhaupt sprach. „Du glaubst, dass du mit 27 stirbst?“
„Nein.“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Aber die Möglichkeit besteht und wenn es so sein sollte, will ich alles richtig gemacht haben.“
Ob er seine Medikamente nicht eingenommen hatte? Vielleicht war er ein gefährlicher Irrer, der irgendwo ausgebrochen war? Aber er sah harmlos aus, soweit ich das beurteilen konnte.
„Was sind das für Leute, die mit 27 gestorben sind? Freunde von dir?“ Ich wollte nicht unsensibel sein, aber wir hatten noch einige Stunden vor uns und mit irgendwem zu reden, war sicherlich angenehmer, als einfach nur den Fußboden anzustarren.
„Freunde nicht direkt.“ Er wirkte nachdenklich. „Doch, vielleicht kann man sie irgendwie auch als Freunde bezeichnen.“
Das hier wurde immer mysteriöser und ich immer neugieriger. „Was für... Menschen waren das?“
„Ich wette, dass du sie alle kennst.“ Edward zog seinen iPod aus der Tasche und hielt mir einen der Ohrstöpsel hin. „Hier.“
Ich zögerte, nahm ihn entgegen und mit einem mulmigen Gefühl steckte ich mir das Ding ins linke Ohr. Irgendwie war das verdammt eklig, auch wenn er frisch geduscht und nicht wie ein Penner wirkte.


Und dann lernte ich sie kennen – all die kreativen Köpfe, die der Tod viel zu früh aus dem Leben gerissen hatte.


Janis Joplin, Sängerin, starb im Alter von 27 Jahren vermutlich an einer Überdosis Heroin, bis heute waren die genauen Umstände ungeklärt. Sie war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Brian Jones, Mitbegründer der „Rolling Stones“, ertrank im Alter von 27 Jahren.
Jimmy Hendrix, Gitarrist, erstickte im Alter von 27 in der Nacht nach einem Konzert in London.
Jim Morrison, Sänger der legendären Band „The Doors“, starb unter bis heute nicht geklärten Umständen im Alter von 27 Jahren in Paris.
Kurt Cobain, Leadsänger der Band „Nirvana“, erschoss sich im Alter von 27 Jahren selbst.


„Der Club 27?“ Ich musterte ihn durchdringend, als ich ihm seinen iPod zurückgab.
„Ja.“ Er verstaute den Player wieder in seiner Tasche und warf mir einen Seitenblick zu. „Ich habe nicht vor mir den Kopf wegzublasen oder mich zu Tode zu koksen, aber man weiß nie, was kommt.“
„Und deswegen... liest du Tolstoi?“
„Unter anderem. Es gibt eine ganze Liste von Dingen, die ich gemacht haben will, bevor es vorbei ist. Und die arbeite ich gerade ab.“ Er hielt mir eine Packung Oreos hin.
Mein knurrender Magen würde es ihm danken. „Und dazu gehören auch fettige, ungesunde Süßigkeiten?“
„Nein, auf die stehe ich schon seit meiner Geburt.“ Edward grinste, öffnete seine eigene Packung mit den Zähnen und lehnte sich in seinem Sitz zurück.
„Danke“, nuschelte ich mit vollem Mund. „Das war meine Rettung.“

Wir aßen still vor uns hin, die Geräuschkulisse um uns herum ignorierend, die aber schon erträglicher als noch vor einer Stunde war. Die meisten anderen Wartenden versuchten irgendwie zu schlafen. Einige lagen auf dem Boden, andere machten es sich auf den Sitzen so bequem wie möglich.
„Diese Sache mit der 27.“ Ich schluckte den letzten Rest des Kekses herunter. „Wie alt bist du eigentlich?“
Er zog sich das Basecap vom Kopf und zum Vorschein kam die merkwürdigste Haarfarbe, die ich jemals gesehen hatte. „Ich bin 26.“
 
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