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Geschichte: Fanfiktion
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von Chukun
erstellt: 25.04.2010
letztes Update: 25.04.2010
Geschichte, Mystery / P12
(fertiggestellt)
Sie saß da, wie angewurzelt. Wie ein lebloses Ding, welches man irgendwo abgestellt hatte, weil man es gerade nicht gebraucht hatte, nur um es nach einer Zeit wieder zu vergessen. Das Licht spiegelte sich in ihren glänzenden Haaren wider. Die Lippen waren so tiefrot, wie das dunkelste Blut. Die Augen waren so klar, dass sie aus Glas hätten sein können. Sie war wie eine Schaufensterpuppe in einem Geschäft. Nur dazu da, um die neueste Mode den gierigen Blicken der Menschen zu präsentieren. Und doch lebte sie. Sie war einer von ihnen. Eine von den Menschen. Von den Lebendigen.
„Wie geht es dir?“, fragte ein Mann. Das Mädchen starrte weiter vor sich hin. Der Mann betrachtete sie von allen Seiten und wiederholte seine Frage noch einmal, doch wieder bekam er keine Antwort. „Es ist zwecklos, Billy!“, ertönte eine andere Stimme. Ein weiterer Mann trat aus den Schatten der Wände hervor und legte die Hände auf die Schultern des Mädchens.
„Wir haben schon alles ausprobiert, aber sie macht dicht, wie ein rostiges Scheunentor!“ „Wieso? Was ist mit ihr passiert? Ich meine, da muss man doch etwas tun können!“, erwiderte Billy energisch und kniete sich vor das Mädchen. „Es sieht dir gar nicht ähnlich, so führsorglich zu sein!“ Billy sah ihn wütend an und der Andere nahm schlagartig seine Hände von den Schultern des Mädchens. „Das Einzige, was wir im Moment tun können, ist abzuwarten, ob sie jemals wieder etwas tun kann!“ „Das ist nicht genug, Gallow!“, sagte Billy und sah zu Boden, um seine Wut zu unterdrücken. Das Mädchen machte den Mund auf, so als wolle sie etwas dazu beitragen. Gallow und Billy sahen sie erwartungsvoll an, doch so schnell, wie sie den Mund geöffnet hatte, schloss sie ihn wieder. Enttäuscht sah Billy wieder zu Boden. Gallow seufzte und schritt zur Tür.
„Ich glaube nicht, dass wir heute noch sonderlich viele Fortschritte machen werden. Machen wir Schluss für heute!“, sagte er und ging hinaus. Billy blieb auf dem Boden knien. „Wieso? Wer hat dir das angetan?“, sagte er leise und eigentlich an sich selber gerichtet. Doch das Mädchen antwortete unvermittelt. Es war nur ein Wort, aber es reichte aus, um Billy zu verstehen zu geben. „Schatten!“, sagte sie. Billy sah auf und brachte sein Gesicht nahe an das ihre. „Dunkelheit … Schmerz. Überall Stimmen!“, brachte sie noch hervor, bevor sie endgültig verstummte. Billy konnte ihren Atem auf seinem Gesicht spüren, so nahe war er ihr. Er überlegte, was der zweite Hinweis bedeuten könnte.
Plötzlich sah er einen Einstich an ihrem Hals. Er war so präzise, dass er nicht die Hauptschlagader getroffen hatte. Und doch hatte er eine betäubende Wirkung entfesselt. Billy kannte nur einen, der diese Technik benutzte. Und das war Gallow. Der Mann, der sie angeblich vor den Angreifern gerettet hatte. Billy legte die Hand unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. „War er das? Kelly war es Gallow gewesen?“, fragte er sie. Kelly nickte leicht. Jetzt hatte er die Gewissheit, die er brauchte. Schnell stand er auf, lief zur Tür und sah noch einmal zu Kelly zurück, welche noch immer regungslos auf dem Stuhl in der Mitte des Raumes saß. Billy gefiel es nicht, sie schon wieder alleine zu lassen, doch es ging nicht anders. Schweren Herzens verließ er den Raum.
„Was meinst du damit? Glaubst du etwa, dass ich etwas mit Kellys merkwürdigen Verhalten zu tun habe?“, fragte Gallow bestürzt. „Ich glaube es nicht nur. Ich weiß es!“, antwortete Billy ruhig und gelassen. Er lehnte sich an die Wand gegenüber Gallows Schreibtisch und verschränkte die Arme vor der Brust. Gallow lachte. „Und was gibt dir diese Gewissheit?“ Billy zeigte auf eine Stelle hinter Gallow. Dieser sah verwirrt über seine Schulter. Er lachte erneut, dieses Mal jedoch mit einem besorgten Unterton. „Ich habe es bemerkt! Du hast zwei Schatten!“, sagte Billy, unbeirrt ob der Besorgnis Gallows. Gallow sah ihn nur verduzt an. „Du hast dir Kellys Schatten angeeignet, da du wusstest, dass dieser die Quelle ihrer Macht ist!“, fuhr er fort.
Nun sah Gallow ganz und gar nicht mehr verwirrt aus. Er stand auf und ging um seinen Schreibtisch herum. „Wirklich bemerkenswert, Billy! Wie hast du das nur herausgefunden?“, fragte Gallow mit einem hämischen Lächeln auf den Lippen. „Sie hat es mir gesagt. Zumindest hat sie es angedeutet! Der Rest war reine Spekulation. Und du hast dummerweise alles zugegeben!“, antwortete Billy. Gallow knurrte verärgert und griff nach einer langen Nadel, welche an seinem Gürtel befestigt war. Damit ging er sofort auf Billy los. Dieser wich zur Seite und verpasste ihm einen Tritt in die Rippen. Gallow schrie entsetzt auf und drehte sich zu Billy um. Er lächelte und zog sein Rasiermesser aus der Tasche seines Mantels. Während er es aufklappte, wich er einem erneuten Angriff von Gallow aus. Erneut knurrte Gallow wie ein wütender Gorilla. Plötzlich ging die Tür auf und Billy wurde nach vorne katapultiert. Verwirrt sah er über seine Schulter und erblickte Kelly, die vollkommen teilnahmslos im Türrahmen stand. In ihrer Hand befand sich ein Messer, das dem in Billys Hand bis auf das letzte Metallkörnchen glich.
Selbst Billys Initialen waren darauf. „Was machst du denn hier?“, fragte Billy verwundert, lief auf Kelly zu und schüttelte sie kräftig. Alles, was sie tat, war Billy wegzuschieben und auf Gallow zuzulaufen. Doch nicht, wie ein normaler Mensch. Ihr Gang glich einer Marionette, dessen Meister noch ein Anfänger war. Langsam und schleppend ging Kelly weiter und hob die Hand mit dem Messer. „Was willst du? Glaubst du, du könntest mich besiegen? In deinem Zustand? Hah!“, sagte Gallow im spöttischen Ton. Kelly lief unbeirrt weiter und stach zu, doch Gallow wich aus. Da hatte sich auch Billy wieder gefasst und griff ebenfalls an. Gallow hatte Schwierigkeiten den Messerstichen auszuweichen, da sie von beiden Seiten auf ihn niederprasselten. Wurde der Eine zurückgeschlagen, griff der Andere an und umgekehrt. Doch nach einer Zeit war Gallow so sehr erschöpft, dass er nicht mehr ausweichen konnte. Ein letzter Messerstreich von Seitens Billys, lies Gallow zusammensinken. Und da lag er. Vollkommen regungslos und mit einer sehr flachen Atmung. „Wir.. haben es geschafft!“, keuchte Billy triumphierend und sah zu Kelly.
Diese stand emotionslos neben ihm und starrte ihren bewusstlosen Chef an. Ein Schauer durchzuckte ihren Körper und stach sich in ihr Herz. Plötzlich verlief ihre Atmung schneller. Ihre Augen bekamen wieder einen natürlichen Glanz und starrten nicht nur leer in der Gegend umher. „Ja… wir haben es geschafft! Von heute an werden wir nicht mehr von ihm abhängig sein!“, sagte Kelly unverwandt und deutete auf Gallow hinab. Billy nickte und lächelte. Gemeinsam verließen sie sein Arbeitszimmer und ließen ihn blutend und leidend zurück.
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