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Geschichte: Fanfiktion
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von Chukun
erstellt: 25.04.2010
letztes Update: 25.04.2010
Geschichte, Abenteuer / P12
(fertiggestellt)
Kapitel 1: Der Schatten
Ein Schrei durchbrach die zähe Stille der Nacht. Ein Schatten durchstrich die Gassen der noch schlafenden Stadt. Irgendwann wurde er von der Dunkelheit verschluckt.
Kelly seufzte und stemmte eine Hand in die Hüfte. In der anderen Hand ruhte ein silbernes Messer. Ein Rasiermesser. Kelly atmete den Duft des frischen Blutes ein und lachte, als sie sah, wie ihre Opfer die letzten Zuckungen von sich gaben. Es war befreiend gewesen, sie mit ihren eigenen Händen ermorden zu können. Ein befriedigendes Gefühl machte sich in Kelly breit. „Nicht schlecht,
Süße!“, hörte sie eine bekannte Stimme sagen. Kelly drehte sich um und sah nichts, als Schwärze. Doch sie wusste, dass sich dort jemand verbarg. Und sie wusste auch, wer es war. „Ich hatte nur gehofft, du würdest mir noch etwas übrig lassen!“ Damit trat er aus dem Schatten der Gebäude. Die Klinge in Kellys Hand blitzte im Mondlicht. Kelly verlagerte ihr Gewicht auf den rechten Fuß. „Sorry, dass ich nicht auf dich gewartet hab’! Es hat einfach zu viel Spaß gemacht!“, antwortete das Mädchen, während er auf sie zukam, und legte den Kopf schief. Er lächelte zufrieden und nahm sich die Sonnenbrille von der Nase.
Auch er legte den Kopf schief. Einige Augenblicke lang blieben sie so stehen. Doch dann hörte Kelly ein Knacken und spürte einen stechenden Schmerz in ihrem Nacken. Blitzschnell führte sie die Hand zum Hals und lies den Kopf sinken. „Hör mal, Billy?“, fragte sie und hob den Kopf wieder. Billy hatte sich inzwischen wieder die Sonnenbrille aufgesetzt und starrte sie jetzt nett lächelnd an. „Was ist? Willst du mich wieder ausschimpfen, weil ich nicht bei dir war und dich beschützt hab’?“, antwortete er und strich Kelly mit einer behandschuhten Hand über eine kleine Schnittwunde an ihrer Wange. Komisch, sie konnte sich gar nicht daran erinnern, wie sie zugefügt worden war.
Sie überlegte kurz, während er noch immer die Hand auf ihrer Wange ruhen lies. Wie, als warte er auf eine Reaktion ihrerseits. Kelly schlug seine Hand weg und erinnerte sich plötzlich wieder. Bei ihrem ersten Treffen mit Billy-Ray Sanguin hatte er ihr diese Schnittwunde mit seinem Rasiermesser zugefügt. Und Wunden von diesem Messer heilten nicht. Ein Grund mehr es zu stehlen. Außerdem lag es so gut in der Hand. Es war klein und handlich und außerdem gehörte es ihm. „Als ob ich jemanden brauchen würde, der mich beschützt! Außerdem würdest du das nicht tun!“, sagte Kelly in gewohnt genervter Stimmlage. ‚Sei dir da mal nicht si sicher, Liebste!’, dachte Billy-Ray und schüttelte sogleich den Gedanken an seine Partnerin, die tot vor ihm lag, ab. Billy schüttelte mit dem Kopf. „Also, was ist los?“, fragte er noch einmal. „Hast du nicht auch manchmal das Gefühl, beobachtet und verfolgt zu werden?“, sagte Kelly und sah über ihre Schulter. Doch da war nichts weiter, als Dunkelheit. „Verfolgt? Nein, nicht wirklich! Außer du meinst diese süßen Mädels, die hier immer ’rumlaufen!“, antwortete Billy und bekam sogleich eine von Kelly gescheuert. Sie hasste es, wenn er solche Kommentare von sich gab. „Ts … kannst du auch mal an was Anderes denken?
Du bist wirklich unmöglich!“ Kelly legte die Fingerspitzen auf die Stirn und schüttelte mit dem Kopf. Billy verzog den Mund und kratzte sich über die Wange, welche von Kellys Handfläche getroffen worden war. „Mann, du bist immer so schön temperamentvoll nach einem Kampf!“, sagte er schließlich und lächelte wieder. „Vielleicht liegt das daran, dass du mich nach jedem Kampf provozierst!“ Kelly schüttelte noch einmal mit dem Kopf. Dann stemmte sie die linke Hand wieder in die Hüfte und streckte Billy das Rasiermesser entgegen. „Ich wusste, dass du’s hast! Warum kaufst du dir nicht ein Eigenes? Oder du klaust eines!“, sagte Billy und nahm das Messer aus Kellys ausgestreckter Hand. Dabei strich er ihr über die Handfläche. Ungewollt überkam sie ein wohliger Schauer. Und das machte sie nervös. „Ich.. mag es einfach mit deinem Messer zu morden! Das macht einfach mehr Spaß, als mit meinem Revolver! Außerdem könnte ich dir somit etwas anhängen! Immerhin stehen deine Initialen darauf!“, antwortete Kelly und wedelte mit der rechten Hand, welche sogleich von einer weiteren Hand umschlossen wurde.
Augenblicke später konnte Kelly Billys Geruch wahrnehmen. Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, und behielt schon allein deshalb den Kopf unten. Der andere Grund war … Billy dieser Idiot grinste schon wieder, wie ein verrücktes Honigkuchenpferd! Am liebsten hätte Kelly ihm wieder eine gescheuert, doch so, wie er sie jetzt festhielt, war das unmöglich. „Wollen wir?“, fragte er ganz leise und so nah an ihrem Ohr, dass sie seinen Atem spüren konnte. Kelly seufzte und antwortete: „Meinetwegen gern. Aber wenn ich wieder Erde zwischen die Zähne bekomme, leg’ ich dich um!“ Der Boden begann zu bröckeln, bevor die Beiden, in der Haltung von zwei Tangotänzern, darin verschwanden.
Der Schatten hatte sie gesehen. Hatte gesehen, was sie getan hatte. Hatte die Freude in ihren Augen gesehen, als sie diese Menschen ermordet hatte. Und er hatte gesehen, wie sie rot geworden war, als der Andere sie in seinen Armen gehalten hatte. Schnell machte er sich auf den Weg, um seinem Meister Bericht zu erstatten.
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