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von Eldalie
erstellt: 24.04.2010
letztes Update: 19.10.2010
Geschichte, Allgemein / P16
(abgebrochen)
Auch heute versteckte ich die Mappen und Bücher, die ich für den Unterricht brauchte, in einem Karton unter meinem Bett, packte mir ein paar Sachen zu Essen und Geld ein und fuhr dann mit dem Fahrrad auf gut Glück los.
"Wie war die Schule, Schätzchen?"
"Nenn mich nicht immer Schätzchen."
"Wie war es denn?"
"Ganz okay. Kevin ist heute total ausgerastet und hat Mrs Coultes getreten. Jetzt fliegt er von der Schule." Ich nahm mir einen Joghurt aus dem Kühlschrank.
"Wer war nochmal Kevin?" Ich verdrehte die Augen. Ich hatte ihn zwar längere Zeit nicht gesehen, doch da er sich seit der Junior High nicht verändert hatte, war es eh egal.
"Groß, bullig, braune Haare, Eltern beide Kanadier. Geht ihr aus?"
"Ja, tun wir. Was dagegen, Cookie?"
"Ich habe nicht mit dir gesprochen, Tommie." spuckte ich. "Oh, genau, verzeih mir, ich vergaß. 'Sawyer'. Also, wenn dann das Telefon klingelt, sage ich Scott bescheid, dass du dich schon hingelegt hast, weil du dich nicht gut fühlst. Viel Spaß." Scott tat mir leid und ich nahm mir jedes Mal, wenn Mam wieder einen anderen anschleppte, fest vor, ihm bescheid zu sagen und log ihn dann doch wieder an.
Als die Tür endlich ins Schloss gefallen war und ich sein Auto wegfahren gesehen hatte, ging ich hoch und betrachtete den schwarzen Koffer. Er war nicht verstaubt, also würde es auch nicht auffallen, wenn ich ihn anfasste. Vorsichtig ließ ich die Schnallen nach oben schnappen-Nichts passierte. Erst jetzt bemerkte ich das kleine Schloss.
"Ein bisschen Fummelei also, Sawyer..." Doch bevor ich einen Draht zur Hilfe zog, sah ich mich genau im Zimmer um und überprüfte schließlich die Taschen einer auf dem Boden liegenden Hose. Dort wurde ich fündig, und nachdem ich das Portemonee ausgekippt hatte, hatte ich den Schlüssel in der Hand. Nach kurzem Zögern blätterte ich seinen Pass durch und lächelte.
Vorsichtig drehte ich den Schlüssel und es klickte leise.
In dem Koffer war Geld. Bündelweise. Misstrauisch blätterte ich eines der oberen durch...
"Du mieses Schwein." wisperte ich. Dann machte sich ein Lächeln auf meinem Gesicht breit und ich zog von drei Geldbündeln das echte Geld ab, so dass man das Zeitungspapier sehen konnte. Für das eld würde ich wohl noch eine Verwendung finden, zuerst musste sich der Keim eines Planes, der sich in meinem Kopf breit gemacht hatte, ein wenig weiterentwickeln.
Ich blieb wach, bis ich die Schlüssel unten in der Haustür hörte. Mam war sturzbesoffen und kicherte hysterisch. Als die beiden im Schlafzimmer verschwunden waren, schlich ich mich wieder nach unten, schloss die Haustür ab, genau wie alle anderen, und nahm sämtliche Schlüssel an mich. Morgen würde meine Mutter einen solchen Kater haben, dass ich froh wäre, wenn sie Nachmittags wieder stehen könnte.
Hellwach lag ich im Bett und wieder lächelte ich, als ich Schritte auf der Treppe hörte. Mit den Geldscheinen und einer Minidose Haarspray bewaffnet folgte ich Sawyer. Er war vollkommen angezogen und fluchte leise, als die Tür nicht aufging. Hektisch suchte er einen Schlüssel, was ich amüsiert vom Treppenabsatz verfolgte.
"Suchst du den hier?" fragte ich schließlich spöttisch. Erschrocken sah er zu mir auf und ich setzte mich auf die oberste Stufe.
"Was zum Teufel..."
Ich wedelte mit den Scheinen in der Luft herum und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hätte er mich am liebsten erwürgt.
"Mam weiß nichts davon. Und du brauchst nicht leise zu sein, die würde auch eine Bombe die auf unser Haus fällt nicht aufwecken. Ich hatte es ja schon mit vielen miesen Typen zu tun, aber du... Sawyer."
"Was willst du?" Bedrohlich kam er näher. "Wieso sollte ich das durchgehen lassen? Deine Mutter schläft, ich bin älter und stärker als du..."
"Hat dir schonmal jemand Haarspray in die Augen gesprüht? Tut verdammt weh und auf den Dosen steht hinten immer drauf, Augenkontakt sei zu vermeiden." Jetzt zog ich auch die Haarsprayflasche.
"Ach ja, eine Sache noch. Mädchen schlägt man nicht, aber ich glaube nicht, dass dich das beeindruckt. Ich will hier raus. Ich hasse dieses Leben, will raus hier. Entweder, du nimmst mich mit, oder ich verpfeife dich an die Polizei." Er begann, zu lachen.
"Du meinst, das wäre so einfach? Und selbst wenn, wieso sollte ich das tun? Du bringst mir nichts."
"Es wird dich nicht interessieren, aber ich habe einen Freund, der mir schon drei verschiedene Schülerausweise gemacht hat und auch Pässe fälscht, was natürlich teurer ist. Ich habe noch nie für irgendwas gearbeitet und mein Taschengeld ist mäßig, aber der Laptop und einiges an Schmuck, was ich besitze, habe ich fast immer selber gekauft. Ich bin nicht dumm. Hast du gedacht, Mam wüsste was? Nix da, die ist viel zu naiv. Ich gehe praktisch seit einem halben Jahr nicht mehr zur Schule, was soll ich hier noch? Immer auf Scotts Anrufe warten?"
Er schien ein wenig perplex und ich sah ihn so ruhig wie möglich an, den einen Finger auf dem Haarspray.
"Wo sind diese Schülerausweise?" Innerlich jubelte ich, das konnte nur was Gutes heißen.
"Moment..." Ich führte ihn in mein Zimmer und kramte den Karton unter meinem Bett hervor.
Er musterte die Dinger ein wenig kritisch und verglich mit meinem echten.
"Wie lange dauert es, einen machen zu lassen?"
"Wenn ich Sage jetzt anrufen würde, hätte ich ihn morgen Abend."
"Toller Typ, so spät noch Geschäfte zu machen."
"Sage ist ein Idiot. Aber ein Genie, was solche Sachen angeht." Ich tippte Sages Nummer in mein Handy ein und bestellte einen Pass und einen Schülerausweis auf den Namen Caroline Ford.
"Pack schnell ein paar Sachen und rück gefälligst den Schlüssel raus."
"Wieso wolltest du eigentlich jetzt weg? Hast du gemerkt, das was fehlt oder Mams Kreditkarte?"
"Beides." Er grinste. "Ich habe die ganze Brieftasche."
"Ich habe auch den Pin."
"Wieso hasst du sie so?"
"Weil sie sich einen feuchten Kehricht für mich interessiert und ich eigentlich ein Ausrutscher war. Sie war eine der ersten ihrer Generation, die mit siebzehn ein Kind hatten. Mein Vater ist auch ein Arschloch, also was solls?"
So viel wie möglich stopfte ich in meinen Rucksack, ganz nach unten einen kleinen Stofffuchs. Meine gesamten Ersparnisse und alles an Geld, das ich irgendwie hier hatte, kam ebenfalls mit und am Ende kritzelte ich noch hastig eine kurze Nachricht für Mam.
Ich denke, du wirst es nicht verstehen, aber es ist besser so, glaub mir. Wir sind verschiedene Menschen, leben in verschiedenen Welten. Sei nicht all zu traurig und mach bitte endlich mit Scott Schluss, das geht so nicht weiter. Die Schlüssel sind alle unten in der Schublade. Bis in einem anderen Leben, Yvonne
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