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von Eldalie    erstellt: 24.04.2010    letztes Update: 19.10.2010    Geschichte, Allgemein / P16    (abgebrochen)
"Tschüss, Papa!" sate ich und griff nach meinem Rucksack.
"Bis Freitag!" Er lächelte kurz und ich stieg aus seinem Auto aus.Dann ging ich durch den Vorgarten zum Haus meiner Mutter, doch kaum hatte ich die Tür erreicht, war Papa schon mit Vollgas um die nächste Ecke gefahren. Ich klingelte und meine Mutter öffnete.
"Hey, Schätzchen, schön dich zu sehen, komm rein!" sagte sie und lächelte breit.
"Wem gehören das Auto in der EInfahrt und die Schuhe hier?" fragte ich gelangweilt. Ihr Lächeln erlosch und ich ließ meinen Rucksack fallen.

Wenn es eine Sache gibt, die man unbedingt über mich wissen muss, ist das, dass ich meine Eltern über alles hasse. Meinen Vater, weil er mich nur manchmal, mit Glück jedes zweite Wochenende zu sich nimmt und praktisch offen zugibt, dass er mich nicht aben will, meine Mutter weil sie ihn wegen irgend so einem reichen Geschäftsmann verlassen hat. Scott ist ganz okay, wenn er denn dann mal da ist. Momentan ist er irgendwo in Thailand, Geschäfte, und meine Mutter tut das, was sie immer tut, wenn er weg ist: Ihn betrügen. Am laufenden Band hat sie neue Eine-Woche-Freunde, einer unausstehlicher als der andere, und Scott weiß nichts davon.
Ich schlage ein wenig Profit daraus, denn damit ich nichts verrate, kauft Mam mir die schönsten und teuersten Sachen.
Erstaunlicherweise bin ich noch immer Einzelkind. Ich habe schon vor Jahren beschlossen, die erste Gelegenheit zu nutzen und auszuziehen.

"Sawyer." sagte sie eisig. Ich sah sie fassungslos an. "Das Buch habe ich mit sechs gelesen. Glückwunsch, ein Fanatiker."
"Er ist nicht affig und auch kein Fanatiker. Komm, ich mache dir erstmal was zu essen."
"Lieber nicht, danke." Im Moment herrschte Krieg zwischen uns, jedenfalls aus meiner Sicht. Vor zwei Wochen war ich nach Hause gekommen und hatte einen wildfremden Mann in Boxershorts gefunden und zwar in meinem Bett. Meine Mutter hatte angeblich keine Ahnung, wie er dahin gekommen war.

Sie wollte mich zwar noch aufhalten, aber als ich in die Küche kam, war es zu spät. Lässig saß ein Typ anfang, mitte dreißig am Küchentisch und blätterte gelangweilt in einer Zeitschrift. Er sah nicht erfreut aus, als ich ihn kurz ansah.
"Hallo." murmelte ich und hantierte dann lautstark mit Töpfen und Pfannen herum.
Es wunderte mich nicht sonderlich, dass auf dem Tisch leere Pizzakartons und Mr-Cluck's-Hühnchen-Verpackungen lagen, wenn meine Mutter auch nur in die Nähe einer Küche kam, sollte man das Weite suchen.

Innerhalb von zehn Minuten hatte ich mir vier Beerenpancakes gezaubert, die mein Mittagessen ersetzen mussten. Ohne den Fanatiker oder meine Mutter und ihre leisen Proteste, ich solle doch unten bleiben, zu beachten, drängte ich mich an ihr vorbei und ging auf mein Zimmer im ersten Stock. Als ich am Gästezimmer vorbeikam, fiel mein Blick zuerst auf das ungemachte Bett (Mit ZWEI Decken) und dann auf einen Koffer, der in der Ecke stand.

Der Koffer zog mich magisch an, doch ich hörte gedämpfte Stimmen und schließlich Schritte von unten und verzog mich schnell in mein Zimmer. Da ich kaum gefrühstückt hatte  verschlang ich die Pancakes innerhalb weniger Sekunden und startete dann meinen Computer.

Doch meine Mutter schien sich wirklich um mich zu bemühen, denn irgendwann am Abend zog ein Geruch nach Verbranntem nach oben und ich verdrehte die Augen. Wenn sie noch etwas Vernünftiges essen wollten, musste ich wohl oder übel ran. Also ging ich betont langsam die Treppe hinunter und scheuchte meine Mutter und ihren Typen hinaus.
Dann riss ich das Fenster auf, schmiss ihr misslungenes Gratin in den Müll und prüfte, was wir noch im Kühlschrank hatten.

Nach einer Dreiviertelstunde wurde der Gestank vom Duft meines Essens übertönt. Zufrieden kippte ich die Creme fraìche über die Pfanne, deckte den Tisch und stellte den Herd aus.
"ESSEN!" brüllte ich.

"Hmm, das riecht ja gut... Danke, Schatz." Ich lächelte ihr zu, ein kleines Lächeln, doch immerhin. Auch 'Sawyer' kam herein und ich sah, wie er sich nach einem Kochbuch umsah.
"Was ist das?" fragte er.
"Kartoffel-Pilz-Pfanne mit Creme fraìche." antwortete ich schnippisch. "Wenn es dir nicht schmecken sollte, musst du eben..."
"Yvonne!" mahnte meine Mutter. Ich verdrehte die Augen und setzte mich hin.
"Guten Apetit." Damit lud ich mir den Teller voll.

Es schien beiden zu schmecken und ich wurde sowohl von meiner Mutter als auch, wenn auch ein wenig indirekt, er sagte es nämlich erst, als ich aus der Küche war, von Sawyer gelobt. Wenigstens eine gute Sache heute.
 
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