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Geschichte: Freie Arbeiten
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von Colada
erstellt: 13.04.2010
letztes Update: 13.04.2010
Geschichte, Allgemein / P12
(fertiggestellt)
Schon seit Einbruch des Winters war es schwierig gewesen etwas Essbares für die Tiere aufzutreiben aber jetzt schien es unmöglich ihnen, außer dem gelagerten Heu, noch etwas Frisches anzubieten.
Doch die Tiere waren es gewohnt, denn so verlief es jedes Jahr.
In ihren Ställen eingepfercht, und fast von der Menschenwelt abgeschnitten, kauten die zottigen, braunen Rentiere gelangweilt auf dem Stroh herum oder lagen dicht aneinandergedrängt und dösten vor sich hin.
Wie gut, dass die Menschen ihnen im Winter ihre Ruhe ließen, so konnten sie tun und lassen, was sie wollten – zumindest im Ansatz, denn diese Stallungen boten nicht gerade viel Raum für anderweitige Aktionen, ausgenommen Essen oder Schlafen.
Für eine Herde von knapp 30 Tieren reichte der Platz jedoch gut aus.
„Wenn doch nur endlich wieder Frühling wäre!“, ertönte es plötzlich aus einer Ecke des Stalls.
„Sie es doch mal so: Im Winter gibt es viel mehr Möglichkeiten zu schlafen, als im Sommer!“
Ein Schnauben ging durch die Herde – Das war mal wieder typisch Cloudy.
Naja, schließlich hatte jeder hier so seine Vorlieben und die des ewig faulen Cloudy war nun einmal das Schlafen.
„Wer weiß, ob der Frühling überhaupt wiederkommt…“ piepste eine verängstigte Stimme
„Es schneit schon seit Wochen unaufhörlich!“
Viele der älteren Tiere prusteten los und konnten sich vor Lachen kaum noch auf ihren vier Beinen halten.
Das schien die Kleine namens Blume nur noch mehr zu verunsichern, denn sie versteckte ihren Kopf nun im weichen Fell ihrer Mutter, die den anderen Herdenmitgliedern derweil wütende Blicke zuwarf. „Ihr wisst doch genau, wie leicht man sie erschrecken kann, also hört auf mit dem Unfug!“
So ging es hier Tag für Tag zu.
Die Streitereien und Kinkerlitzchen waren alle hier längst gewohnt und langsam begann sich eine gewisse Vorfreude in die Gemüter der Tiere einzuschleichen, denn in vier Tagen war endlich Weihnachten!
Für Freya allerdings bedeutete dieser Tag noch viel mehr,
da endlich ihr Fohlen geboren würde.
Sie schnaubte leise und ließ ihren Kopf dann in das weiche Stroh sinken.
Vier Tage lang würde sie diesen Brocken noch in sich herumtragen müssen, doch eigentlich machte ihr das wenig aus.
Es war ihr erstes Fohlen und somit etwas ganz Besonderes!
Die Rentierstute warf dem großen Braunen, der nur wenige Meter entfernt stand, freudige Blicke zu.
Auch dem Vater des Kindes konnte man ansehen, dass er stolz war, auch wenn Odin von Natur aus ein ziemlich stolzes Tier war.
Freya zuckte unwillkürlich zusammen als ein kalter Windzug durch die Dachbalken pfiff und ihr einen eisigen Schauer den Rücken hinunter jagte, doch blitzschnell war Odin an ihrere Seite und bedeckte die werdende Mutter mit warmen Stroh, sodass sie friedlich einschlummern konnte.
Markerschütternde Schreie ließen die ganze Herde in sich zusammenfahren.
Schon seit fast zwei Stunden lag die arme Freya in den Wehen und brannte darauf ihr Kind zu gebären.
Alle Tiere hatten sich in der Nähe der Stute versammelt und wollten dabie sein, wenn das Weihnachtsfohlen das Licht der Welt erblickte.
“Du, Mama?”
Blume zupfte am Fell ihrer Mutter herum bis sie die gewünschte Aufmerksamkeit bekam.
“Bin ich auch ein besonderes Fohlen?”
“Natürlich!”, meinte sie und wandte sich dem Spektakel vor ihr wieder zu, denn es schien endlich loszugehen.
Gespanntes Schweigen herrschte zwischen den Tieren. Alle wollten einen Blick auf das im Stroh versteckte Neugeborene werfen und drängten sich immer näher an die Eltern heran, bis ein gellender Schrei die Luft zeriss. War das Fohlen etwa tot? Oder hatte Freya noch immer solche Schmerzen?
Doch als man Odins verächtliche Blicke sah, wussten alle,
dass etwas viel Schlimmeres passiert sein musste.
“Es ist weiß!” stieß plötzlich jemand aus.
“Mama, was bedeutet das?”
“Dass du auf gar keinen Fall mit diesem Fohlen spielen darfst, Blume!”
Die Kleine schien verwirrt und legte den Kopf schief.
“Aber warum denn nicht?”
“Weil es nicht zu uns gehört, und damit Basta!”
Schnell stupste die empörte Mutter ihr Fohlen vorwärts und wandte sich damit von diesem schreußlichen Anblick ab.
Das hatte es noch nie in dieser Herde gegeben!
Warum, so fragten sich alle, war ausgerechnet dieses eigentlich besondere Fohlen mit solch einer falschen Fellfarbe geplagt? Jedes gewöhnliche Rentier war braun und dieses wich mit dem
weißen Fell einfach von der Norm ab.
Nur was sollte man nun unternhemen?
“Dann muss es eben spüren, dass es nicht dazugehört!” Odin war außer sich vor Wut und stampfte mit den Hufen auf dem Boden herum, als wolle er sein Kind zertrampeln.
“Aber einen Namen müssen wir ihm schon geben...”
“Winter” meldete sich die Mutter zu Wort.
“Dann wird er Winter heißen...” Freya war noch viel zu erschöpft um den Ernst der Lage zu begreifen, doch das sollte sich schon wenige Stunden später ändern.
Müde lag der kleine Winter in einer dunklen Ecke des Stalls und hielt sich so gut wie möglich im Stroh verborgen. Schon fast den ganzen, öden Tag hatte er hier schweigend verbracht.
Wie gut, dass er nicht mehr von seiner Mutter abhängig war,
sie würde ihm sowieso keine Milch mehr geben.
Also war Winter schon früh gezwungen gewesen sich an das trockene Stroh zu gewöhnen, bis er endlich das saftige Gras auf der Frühlingsweide hatte fressen können.
Natürlich war er der Herde dabei nicht zu nahe gekommen, denn das ließen sie nicht durchgehen.
Man hatte den Kleinen schon immer spüren lassen, was es hieß anders zu sein.
Es war mittlerweile Ende Oktober und bald würde es zu schneien beginnen.
Das bedeutete, dass er mit der Herde die ganzen Wintermonate über hier im Stall gefangen war.
Es war einfach schrecklich.
Und es war schrecklich niemanden zu haben, der einen mochte und beachtete.
Winter wünschte sich immer wieder, wenigstens einen einzigen Freund zu haben, doch dieser Wunsch würde ihm wohl niemals erfüllt werden.
Die alte Granny hatte ihn nicht so behandelt wie die anderen.
Zwar war sie alt und gebrechlich geworden, aber sie war eine herzensgute Stute gewesen.
Manchmal hatte sie den Außenseiter sogar in Schutz genommen, doch nach ihrem Tod vor mehr als 2 Monaten war Winter auch dieses kleine Stückchen Geborgenheit genommen worden.
Und so lebte er allein vor sich hin.
Es musste ziemlich kalt draussen sein, denn die Scheibe des Stalls war beschlagen.
Wie sehr wünschte Winter sich nun draussen zu sein und im Schnee herumtollen zu können, aber da er hier drinnen gefangen war wurde daraus nichts.
Wieder einmal lag er zusammengekauert in seiner Ecke und beobachtete den draußen wütenden Schneesturm, während die übrigen Herdenmitglieder auf der anderen Seite versammelt standen und das wenige Heu, das noch übrig war, verzehrten. Bald müssten die Menschen Neues herankarren, es würde wirklich nicht mehr lange ausreichen.
Und da kam Winter plötzlich der rettende Einfall.
Den Blick auf das Stalltor gerichtet stand das weiße Rentier aufgeregt in seiner Ecke.
Bald würde es losgehen, dann wäre er endlich frei!
Und wie auf Kommando ertönte ein hohles Klopfen an den Türflügeln, dass die Menschen ankündigte.
Dann wurde die große, hölzerne Tür aufgestoßen und helles Licht drang in den Stall.
Jetzt!
Mit einem Aufschrei preschte Winter dem Tor entgegen und kämpfte sich gegen
den kalten Luftstrom vorwärts.
Die Menschen schrien ihm etwas hinterher, doch das war ihm egal.
Er war frei und weg von seiner Herde, die ihn so sehr hasste!
Dieses Glücksgefühl trug ihn einige Kilometer weit in den Wald hinein, bis er plötzlich langsamer wurde und schließlich stehen blieb. Wo sollte er denn jetzt nur hin? Er hatte sein zu Hause verlassen und war mir nichts, dir nichts drauflos gelaufen.
Ein wenig niedergeschlagen blickte er sich nach einem Unterschlupf um, als er plötzlich etwas entdeckte, mit dem er nicht gerechnet hatte.
Keine 100 Meter vor ihm stand eine braune Rentierstute und starrte ihn äußerst interessiert an.
Winter zögerte. Es war niemand aus seiner Herde, soviel stand fest.
Schließlich gewann die Neugier die Oberhand und der Weiße setzte sich in Bewegung.
Ein Blick aus warmen Augen musterte ihn als er vor der Braunen stehenblieb.
“Jemanden wie dich habe ich noch nie gesehen”, erklang dann eine hohe, glockenhelle Stimme.
Fand ihn denn etwa jeder abscheulich? Galt er etwa in der ganzen Rentierwelt als eine Schande?
“Wie heißt du?” Der Weiße schüttelte seine Gedanken ab.
“Winter”, antwortete er matt und blickte den glitzernden Schnee an
bis die Stute ihn anstupste und in seine traurigen Augen sah.
“Ich bin Lilly!”
In ihrem Blick sah der Weiße, das etwas an ihr anders war als an den Rentieren seiner Herde.
Sie hatte nicht diese kalten, verächtlichen Augen - nein, ihre wirkten warm und liebevoll.
Nach einem kurzen Schweigen fragte Lilly, was er hier machte, und so erzählte er ihr die Geschichte, die ihn hierher getrieben hatte.
“Das ist schrecklich...” flüsterte die Stute nachdem er mit seiner
kleinlauten Erzählung geendet hatte.
“Dabei bist du etwas ganz Besonderes!”
Winters Herz machte einen großen Hüpfer.
Sie hielt ihn, den Außenseiter, für etwas Besonderes?
“Sag mal, wenn alles so ist, wie du es sagtest...Ist dann nicht heute dein Geburtstag?”
Winter nickte betrübt. Ja, es war tatsächlich Weihnachten.
“Alles Gute – von Herzen!”
“Danke, Lilly!”
Glücklich sah er sie an.
Es waren nur ein paar kleine Worte und trotzdem fühlte er sich mit einem Mal so
geborgen und verstanden wie nie zuvor.
“Ich mus jetzt gehen, Winter. Lebe wohl, mein Freund!” flüsterte die Braune dann ganz plötzlich und wandte sich um.
“Warte!” Der Weiße lief ihr eilig nach und zwang sie zum Anhalten.
“Ich will nicht, dass du gehst! Und...wohin gehst du überhaupt?”
“Ich gehe an einen Ort, an dem niemand so behandelt wird wie du, Winter.”
“Dann nimm mich mit”, sagte er voller Entschlossenheit trat noch näher an die Stute heran.
“Wenn du es wirklich willst, dann folge mir zum Nordpol; Folge mir zum Haus des Weihnachtsmannes!”
Und so begab es sich schließlich, dass der Außenseiter mit dem weißen Fell mit seiner neuen Gefährtin zum Nordpol reiste und dort eines der Rentiere des Weihnachtsmannes wurde. Und niemals hatte Winter seine Entscheidung in dieser Weihnachtsnacht bereut, denn dort wo er nun lebte war er endlich etwas ganz Besonderes.
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