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von Eldalie    erstellt: 11.04.2010    letztes Update: 07.09.2010    Geschichte, Mystery / P16    (abgebrochen)
Auf der Straße werde ich immer angeguckt. Meistens sind die Blicke der Leute mitleidig, ein paar sind auch bewundernd. Immer, wenn ich mich deswegen bei meiner besten, und ehrlich gesagt einzigen, Freundin Beth beschwere, sagt sie entweder, ich soll die Klappe halten oder ich wäre selber Schuld.

So ist Beth, redet nie um den heßen Brei herum, sagt immer was sie denkt. Sie ist klein und ein wenig untersetzt, hat dicke braune Haare und lustige, braune Augen.
Ich hingegen bin zierlch, ebenfalls klein. Ich kann essen, was ich will, ich werde immer die 'Topmodelfigur' wie Beth es nennt behalten. Auch wenn ich mir manchmal ein bisschen mehr auf den Rippen wünsche. Das ist einer der Punkte, wegen denen ich angestarrt werde.
Meine Augen sind grau, sturmgrau, und ich habe Porzellanhaut, blass und dünn, das sind Punkt Nummer zwei.
Punkt drei, er trägt siebzig Prozent dazu bei, ist meine Frisur. Ich habe nämlich keine. Seit längerer Zeit rasiere ich mir den Kopf und mir gefällt es. Ich will keine Aufmerksamkeit aber die ist leider mit der Glatze verbunden.


Konzentriert schrieb ich, das mittlerweile zu gut zwei Dritteln mit meinen Worten gefüllte Heft wollte ich so schnell wie möglich bei einem Verlag einschicken. Es sollte ein Krimi werden, aht sich aber mit der Zeit leider in eine Horrorgeschichte verwandelt.
Jemand ließ sich neben mir in einer Wolke aus Zigarettengestank auf den Sitz fallen und rempelte mich dabei an. Mein Kugelschreiber rutschte aus und prompt wurde die fast voll beschriebene Seite von einem langen Strich, der einmal quer über das Blatt verlief, geziert.

"Vielen Dank auch, das ist wichtig." sagte ich bissig. Er setzte ein herablassendes Lächeln auf und ich zog wütend die Kapuze meines Pullovers zurecht.
"Gern geschehen, Püppchen. Soll ich dich jetzt um Verzeihung anbetteln?" Ich verdrehte nur stumm die Augen und das Flugzeug rollte an. Ich machte ein Kreuz an der oberen Ecke des Blocks und schlug ihn zu. Hastig öffnete ich mein Notizbuch und begann wieder, zu schreiben.
Blonde, strähnige Haare, ungefähr zehn Zentimeter, blaue Augen, Dreitagebart, ca 1,85 Meter, Texas, Raucher
So entstanden die meisten meiner Figuren.

Ein wenig später holte ich einen weiteren Block hervor, hundert Seiten Notenpapier, und begann mit geübten Bewegungen, eine neue Melodie aufzuschreiben. Der Texaner blätterte gelangweilt in einer Zeitschrift.

Langsam fielen meine Augen zu und ich fiel in einen angenehm ruhigen Schlaf. Bis plötzlich in meinem Traum ein wunderschöner Strand voller Trümmer zu sehen war. Flugzeugtrümmer.

Ich schreckte auf, als das Flugzeug ein Stück absackte, leichte Turbulenzen angeblich. Meine Finger hatten sich, ohne dass ich auch nur das kleinste bisschen davon mitbekommen hätte, in die Armlehne gekrallt.
"Hey, Püppchen, wieder wach? Hattest wohl einen Albtraum, hm?"
"Dieses Flugzeug wird abstürzen." sagte ich tonlos, mit weit aufgerissenen Augen. Meine Kapuze war mir vom Kopf gerutscht und ich spürte seinen Blick förmlich. Für einen Moment war ein Hauch von Angst in seinen Augen zu erkennen, doch dann hatte er sich wieder gefangen.

"Na klar, und ich bin die Königin von England." Er schüttelte lachend den Kopf, doch ich konnte mir nicht einmal ein Lächeln abzwingen. Es ist nur ein Traum. Es ist nur ein Traum. redete ich mir ein, während ich meine Kapuze wieder auf den Kopf zog. Es-Ist-Nur-Ein-Traum!
Genau wie vor zwei Jahren, als es auch nur ein Traum war.


"Papa? Ich bin's, Lilith."
"Guten morgen Mäuschen, ich habe nicht viel Zeit, was ist denn?"
"Ich hatte..." Ich stockte. Die Sache mit dem Traum würde sich nicht gut anhören und das einzige, was mein Vater vielleicht unternehmen würde, wäre mich in die Psychatrie zu stecken. "Ich habe ein schlimmes Gefühl. Bitte, geh heute nicht zur Arbeit."
"Lilith, was soll das? Weißt du, wie viel so ein telefonat kostet?"
"Es ist mein Ernst, Papa. Bleib zuhause." Er schwieg einen Moment und ich machte einen anderen Versuch. "Dann eben nicht. Aber sei bitte, bitte vorsichtig, okay?"
"Okay, ich passe auf." Im Hintergrund hörte ich meine kleine Schwester Serafina rufen und mein Vater legte auf.

Obwohl ich mich gegen den Schlaf wehrte, legte er sich doch wie eine dunkle Decke über mich und trug mich fort, ins Land der Träume.
 
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