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von pekuxumi    erstellt: 08.04.2010    letztes Update: 15.07.2010    Geschichte, Drama / P16    (abgebrochen)
STARING AT THE SUN

Chapter two


Am nächsten Morgen waren schliesslich ca. 400 Engel Mika-chans Aufruf gefolgt, mehr, als Mariel und sein Gefolge erwartet hatten. 20% der Gesamtkraft des Heeres bedeutete eine verdammt große Lücke im Auffangplan des Südtores, eine Lücke, die es zu füllen galt.
Dazu kam noch, dass die Kraft von Mika-chan fehlte, der als Element mit seiner Feuerkraft und Stärke ein fester Bestandteil der Armeepläne gewesen war.

Mariel entschied darum, ein Element mit einem anderen zu ersetzen. So sehr ich mich auch mühte, ihm zu erklären, dass Feuer und Windkraft zwei verschiedene Arten von Energie waren, ihm war nicht abzuhelfen. Er vertrat die unfassbar dämliche Ansicht, dass ich die verletzten Soldaten ja vor Ort heilen konnte, und damit insgesamt eine höhere Kampfkraft erzeugen würde.
Jaaa, klar.

Schlussendlich willigte ich ein. Ein Engel aus seinem Beraterkreis schlug vor, statt mir die verletzten Soldaten, die ich noch nicht heilen konnte, einzusetzen. Auch wenn Mika-chan etwas anderes behauptete, ich besaß ein gewisses Maß an Verantwortungsgefühl für meine Patienten.
Ich konnte mich ja immer noch in einer Luftblase verbarrikadieren, sollte ich tatsächlich ins Kampfgeschehen hineingezogen werden.

Und so fand ich mich auf dem Schachbrett wieder, vom rückendeckenden Turm zum wertlosen Bauer degradiert. Die Soldaten um mich herum musterten mich argwöhnisch, einige kannten mich schon aus dem Lazarett, andere hatten mich noch nie gesehen.
Es schien, als würde eine Ewigkeit vergehen, bis etwas passierte. Immer wieder riefen höhere Engel, dass wir uns bereit machen sollten, nur um festzustellen, dass doch nichts passierte.
Dazu kam noch, dass ich glücklicherweise nicht ganz vorne an der Front stehen musste, sondern inmitten der Armee. Ich wusste nicht, wieviele Männer hinter mir standen, oder was vor mir geschah.

„Aufgeregt, wa?“, lachte mich einer der Engel neben mir an. Er war ein großer, derber Kerl, dem drei Zähne fehlten. Sein langes Schwert balancierte er auf der Schulter und in seinen Stiefeln konnte ich kleine, spitze Messer entdecken.
Ich lächelte schwach. Mir war nicht nach Konversation.

„Wenn ich dir 'nen Tipp geben darf, Junge...“, sagte er und wartete nicht auf meine Antwort ab, „nie nach oben. Egal wie panisch du wirst, flüchte nie nach oben.“

Ich nickte nur; hätte ich gesprochen, wäre meine Stimme im Getöse, das auf einmal einsetzte, untergegangen. Es fing an.

Zuerst hörte ich das Gebrüll weit entfernt, dann kam es näher und auf einmal stand ich mitten drin.
Plötzlich klirrten Schwerter um mich herum, nichts blieb länger als eine Millisekunde auf einem Fleck stehen, und ein widerliche Dämon rannte in der Menge genau auf mich zu.
...rannte genau auf mich... eh?!!
Bevor ich mich ducken konnte, hatte der grobe Engel mich zur Seite gestoßen und mit einem Schlag den Dämon in zwei Hälften geschlagen. Zeit zum Dank blieb nicht, denn sofort wirbelte er herum und hieb auf den nächsten ein.

Ein verspäteter Adrenalinschub durchfuhr meinen Körper und ein Schutzwall aus Wind und Luftpartikeln schloss sich um mich. Der nächste Dämon, der auf mich einschlug, wurde wie von unsichtbarer Hand in die Höhe geschleudert und landete genau auf der erhobenen Schwertspitze seines Kollegen.
„Jetzt geht’s erst los!“, rief ein Engel neben mir, und tatsächlich war das eben nur ein Vorgeschmack gewesen: innerhalb eines Momentes war der Platz um mich herum aufs grausamste geschrumpft, Schreie ertönten und der Geruch von Blut traf mich viel zu unerwartet. Ich spürte eine Berührung an meinem Rücken, drehte mich um und schleuderte einen panischen Windkeil. Ich traf einen Engel. Das Schwert eines Dämonen traf mich mit der flachen Seite mitten ins Gesicht und schleuderte mich zu Boden. Nur noch Stiefel um mich herum. Panik ergriff mich und ohne nachzudenken schoss ich mit ausgefahrenen Flügeln nach oben und schwebte zwei Meter über dem Kampffeld.
Sofort verstand ich, warum mich der Engel gewarnt hatte. In Sekundenschnelle war ich zur leuchtenden Zielscheibe von Speeren und Pfeilen geworden. Hätte der Wind mich nicht beschützt hätten mich die Dämonen als Schaschlik in die Hölle nehmen können.

Von meinem Element geschützt, traute ich mich einige Sekunden zu verschnaufen, und wahrscheinlich war es diese Pause, die uns vor einem schlimmen Schicksal bewahrte.

Ich überblickte das Schlachtfeld aus der Vogelperspektive und gewann einen Überblick, den ein normaler Fußsoldat nie bekommen hätte.

Eiskalt lief es mir den Rücken herab.

Mika-chan hatte Recht gehabt. Das war nicht der große Angriff der Dämonen. Auch wenn unter mir und soweit ich blicken konnte eine erbitterte Schlacht tobte, war der Horizont nicht erfüllt von Dämonen, die ins Gemetzel drängten. Es wurden nur soviel Dämonen geschickt, wie gebraucht wurden um uns eine Weile abzulenken.

Mika-chan!!

Sofort schoss ich, begleitet und geschützt vom Wind, zurück zum Hauptquartier.

In Richtung Osten konnte ich verschwommen eine dunkle Masse erkennen, die gegen die östliche Wand drängte.

***

Die Größe unserer Armee war schliesslich unser Vorteil. Sobald der Befehl ertönte, erhoben sich alle Engel und flogen beschleunigt durch allen Wind, den ich aufbringen konnte, zum Osttor. Viele fielen Speeren und Pfeilen zum Opfer, aber im Endeffekt erreichten fast alle die horrende Schlacht im Osten, bei der schon von Weitem die eingekesselte Gruppe unserer Männer sichtbar war.

Die Engel fielen von der Flanke in die Armee ein und konnte durch einen Überraschungsmoment Boden gut machen. Während tausende Engel gegen tausende Dämonen kämpften, flog ich weiter, mitten hinein den verlorenen Kreis des ersten Kampfbataillon.

Die meisten Dämonen hatten sich auf die einfallenden Engel gestürzt und als ich landete, waren nur noch relativ wenige Feinde da, die mein Wind wegfegen musste.

Als ich landete, standen noch ca. 80 Männer von 400. Einige jubelten mir zu als sie mich erkannten, die meisten aber stürzten dem aktuellen Kampfgeschehen hinterher. Eine rothaarige Feuerkugel entdeckte ich nirgends.

Ein verletzter Engel packte mich am Bein. Ich kniete nieder um ihn zu untersuchen.
„Michael-sama hatte Recht..“, flüsterte er und stöhnte auf, als ich meine Hand auf die klaffende Wunde an seiner rechten Seiten legte. Ich nickte grimmig. Meine Kräfte analysierten die Wunde -Fleisch und Sehnen verletzt, keine wichtigen Organe, dafür aber Blutgefäße geschädigt- und ich begann, meine Energie auf ihn zu übertragen. Die Blutgefäße schlossen sich, und das Fleisch wuchs wieder zusammen. Sofort wurde der Engel munter.

„Raphael-sama..!“, japste er, aber ich hatte keine Zeit für Dankesreden.

„Hilf mir, Überlebende zu finden!“, befahl ich ihm, und sofort stand er auf. Etwas unsicher erst, dann aber rannte er los und ließ sich neben einem Gefallenen nieder. Er stand wieder auf und rannte weiter. Tot.
Unter Konzentration erschuf ich einen Luftwall um das kleine Schlachtfeld. Ich war Arzt, kein Soldat. Ich brauchte meine Ruhe um zu arbeiten. Dämonen, die meinen schnuckeligen Kopf aufspießen wollten während ich heilte, konnte ich gar nicht brauchen.

Ich hetzte in die andere Richtung. Zu meinen Füßen lagen tote Dämonen und Pfützen voller Blut, nicht nur einmal wäre ich beinahe in eine spitze Waffe, oder Scherben davon, getreten. Einige Überlebenden riefen nach mir. Ich heilte sie alle, doch es waren nicht viele.

Nervös musste ich zugeben, dass es kaum Verletzte gab. Die meisten Engel waren im Kampf gestorben oder schon ihren Wunden erlegen. Keine Spur von Michael.

Der erste Engel rief mich, und ich breitete meine Flügel aus und flog zu ihm. Keine hundert Meter entfernt tobte noch immer eine Schlacht, aber ich hatte keine Augen dafür. Einige der Dämonenleichen, die ich überflog, waren furchtbar verbrannt, teilweise verkohlt. Eindeutig Mika-chans Werk, doch von selbigem keine Spur.

Ich landete neben dem geheilten Engel, zu seinen Füßen lagen drei Überlebende, einer davon schon fast tot.
Ich heilte alle drei. Schwer verletzt wie sie waren, fühlte ich den Verlust von Energie sofort.
Einer von ihnen sah mich panisch an.
„Raphael- dono“, fing er an zu flüstern, aber ich winkte ab. Als ich mich umdrehen wollte, packte er mich am Ärmel.
„Michael-samas Schwert!“
Ich schnellte herum. Er deutete auf ein verdrecktes, blutiges Schwert, dass keine zehn Meter entfernt von uns im Boden steckte.

Als ich mich näherte, konnte ich blutige Fingerabdrücke am Stiel erkennen.
Mika-chan liebte dieses Schwert. Einmal hatte er mich überredet, vier Stunden lang in einem Dämonenwald nach dem verdammten Ding zu suchen, weil er es im Kampf verloren hatte.

Vielleicht hatte er es verloren und war nur mit seinem Feuer ins große Getümmel gestürzt. Genug Macht hatte er damit wahrlich.

Gegen Abend verebbte der Kampf um das Osttor, die Dämonen zogen sich fluchend zurück. Sie hinterließen einen riesigen Haufen zuckender, blutender Engel, Dämonen und Berge von Toten.
Mika-chan war nicht unter den Verletzten aufgetaucht.


„Wir werden dich brauchen, Raphael..“
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