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von PrinceRa    erstellt: 05.04.2010    letztes Update: 05.04.2010    Geschichte, Drama / P12    (fertiggestellt)
Memory

Wie jeden Abend stand er an ihrem Grab. Es war nun genau drei Jahre her. Am selben Tag vor drei Jahren verlor seine Partnerin ihr Leben. Verlor er seine Liebe. Und trotz dieser Jahre hatte er nie vergessen, wie sehr er sie liebte, wie sehr er es immer noch tat. Die Erinnerung an ihren Tod verfolgte ihn nicht nur bis hierher, sondern überall hin, bis in seine Träume.

Wie konnte er es zulassen? Er hatte ihr doch immer versprochen, sie zu beschützen. Und nun? Er machte sich Vorwürfe. Anfangs war er doch noch dagegen gewesen, sie in seine Welt zu lassen, in diese Welt des Verbrechens, der Gewalt und der Kriminalität. Sein Job, Verbrecher zu jagen und hinter Gitter zu bringen, war nicht der leichteste und definitiv nicht ungefährlich. Aber sie hatte trotz ihres jungen Alters bewiesen, dass sie es schaffte. Ihr Spürsinn war ebenso ausgeprägt wie der des Detektivs. Dennoch konnte sie dieser Spürsinn nicht retten.
Für ihn lief alles wie in Zeitlupe ab. Die beiden standen in einer Sackgasse, der Kriminelle an der Wand. Bis er sich plötzlich umdrehte, seine Waffe zog und auf sie schoss. Die Kugel durchschnitt die Luft wie ein frisch geschmiedetes und geschärftes Schwert, ehe sie mit voller Wucht in ihre Brust eindrang. Die Zeit stand still. Sie hielt die Luft an. In ihrem Gesicht stand der pure Schock, mit aufgerissenen, braunen Augen. Dann wandte sie ihren Kopf nach unten auf die Einschussstelle. Ihr Blick traf schließlich den des Detektivs, ehe sie mit Tränen in den Augen zusammensackte.
Es war ihm egal. Ob dieser Mörder nun frei war oder nicht, er würde ihn wieder finden. Seine Gedanken waren bei seiner Partnerin, die dort so leblos am Boden lag. In den Jahren, die sie gemeinsam Fälle lösten, hatten sich bei ihm Gefühle entwickelt, Gefühle, die dort eigentlich nichts zu suchen hatten. Nicht bei seiner Partnerin. Denn genau hier war die Grenze, sie war seine Partnerin und eine Beziehung hätte die beiden nur eingeschränkt. Er wusste, dass sie ihn nicht liebte, es war ihm einfach klar. Zwar hatte er keine Beweise, dass sie ihn nicht liebte,  aber er redete sich ein, welche zu besitzen. So jemand wie sie würde nie jemanden wie ihn lieben. Da war er sich sicher.
Vorsichtig hob er ihren leblosen Körper vom kalten Asphalt auf. Das Blut seiner Partnerin tränkte sein schlohweißes Hemd und färbte es dunkelrot. Der Kriminelle war schon längst über alle Berge. Es war ihm egal. In seinem Hirn rasten die Gedanken, um einen winzigen Funken Hoffnung zu finden. Aber es war nutzlos. Er wusste, dass sie nie wieder die Welt der Lebenden betreten konnte. Sie war gegangen, endgültig. So oft hatte sie dem Tod ins Auge geblickt, so oft war sie von seiner Klinge gesprungen. Doch der Tod lernte dazu, jedes Mal. Und dieses eine Mal schaffte er es, sie zurück auf seine Klinge zu ziehen und dort zu behalten. Der Tod hatte gewonnen.

Er schüttelte den Kopf. Verdrängte die Erinnerung. Den Kriminellen hatte der Detektiv gejagt und gefangen. So wie immer. Dennoch kündigte er seinen Job, auch wenn alle ihm nachsagten, dass er der Beste war.  Er konnte einfach nicht mehr.
Sein Weg führte ihn zwischen den Grabsteinen hindurch bis zum Ausgang des Friedhofes. Ein kleiner Trampelpfad lenkte ihn den Hügel hinab, auf dem der Todesacker lag. Wenig später erreichte ein sanftes Rauschen seine Ohren. Vor ihm spielte sich wie fast jeden Abend ein wunderschönes, faszinierendes Szenario ab, sodass er für einen Moment seine Sorgen vergaß.
Der Mond spiegelte sich auf dem von leichten Wogen gezierten Meer, welches seine sanften Wellen gegen die Klippe schob. Ein angenehmer Westwind umtanzte seinen Körper. Einzelne Bojen vollbrachten einen langsamen Tanz. Er sah wie hypnotisiert dem Schauspiel zu, welches ihm geboten wurde.
„Es ist Zeit“, hauchte eine Stimme, eisig, kaum hörbar.
Der Detektiv erwachte aus seiner Trance, realisierte die Stimme, die nun erst richtig zu ihm durchdrang, vollendete die wenigen Schritte und fiel. Das Meer kam näher zu ihm, der Wind drang unter seinen Mantel.
„Endlich kann ich dich wieder sehen“
Lächelnd schloss der Mann die Augen, nickte und fand schließlich sein Grab in den Wellen des vom Mond silbrig glänzenden Meeres.  


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