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von Emma Ginaer    erstellt: 01.04.2010    letztes Update: 01.04.2010    Geschichte, Humor / P6    (abgebrochen)
Eines Morgens in einem kleinen französischen Dörfchen.
„Gaston, wir müssen los in die Schule!“ Ein kleiner Junge mit knolliger Nase klopft unsicher an die Tür eines Hauses.
„Klopf ruhig ein bisschen lauter.“, ermutigt ihn die rundliche Frau, die vor dem Haus Wäsche aufhängt.

Das Gartentor quietscht, von einem plötzlichen Windstoß bewegt und ein noch nicht festgestecktes Tuch landet auf dem Rasen. „Ach, so ein Ärger! Jetzt kann ich es nochmal waschen.“, seufzt die Frau.
Der Junge klopft erneut, diesmal etwas energischer. „Gaston, bitte! Die Lehrerin schimpft sonst bestimmt wieder!“

Plötzlich wird die Tür aufgerissen, so dass er beinahe vorneüber fällt. „Lass sie schimpfen, Lefou! Wer groß und stark werden will, darf auf ein ausgiebiges Frühstück schließlich nicht verzichten!“ Ein für sein Alter recht breitschultriger und kräftiger Junge stapft mit hoch erhobenem Haupt aus dem Haus, an Lefou vorbei und auf das Gartentor zu.
„Viel Spass in der Schule ihr zwei!“, ruft die Wäsche aufhängende Frau und Gaston winkt ihr zu. „Bis nachher, Mutter!“

Lächelnd schaut sie den Jungen hinterher und freut sich über ihren Sohn, der sich so prächtig entwickelt. Stolz malt sie sich aus, was für ein stattlicher Mann wohl mal aus ihm werden wird, während sie das schmutzige Tuch wieder einpackt und zurück ins Haus bringt.

„Lefou, du bist so langsam! Beweg deine kurzen Beine und beeil dich! Wegen dir kommen wir zu spät!“
Der kleine Junge schnaubt. Ist er etwas Schuld daran, dass sie so spät losgegangen sind? Ganz sicher nicht. Aber er traut sich nicht, zu widersprechen. Mit Gaston muss man sich gut stellen, denn er hat noch nie eine Prügelei verloren. Außerdem ist er gut einen Kopf größer. Da hat Lefou überhaupt keine Chance.

Die kleine Dorfschule liegt nahe am Waldrand, beschattet von einigen hohen Tannen, die im Wind rauschen. Die beiden Jungen rennen den Weg zum Schultor entlang und stürmen durch den Eingang, der zu ihrem Glück noch nicht geschlossen war.
„Das war wirklich knapp!“, schnauft Lefou und stützt sich auf seine Knie.
Gaston lacht. „Du bist ein Schwächling, so schnell bist du aus der Puste!“ Er ärgert den kleineren Jungen weiter mit Sticheleien bis die Lehrerin den Raum betritt und um Ruhe bittet.
Als sich die Klasse langsam beruhigt, bemerkt Gaston, dass die Lehrerin nicht alleine hereingekommen ist, sondern ein junges Mädchen mitgebracht hat.

„Hey, Lefou, kennst du die?“, raunt er seinem Kumpel zu. Der schüttelt den Kopf und schaut neugierig nach vorne. Auch die anderen Schüler recken die Hälse, um einen Blick auf das unbekannte Mädchen werfen zu können.

Die Lehrerin räuspert sich. „Wir haben eine neue Schülerin. Stell dich vor, meine Kleine!“
Schüchtern streicht das Mädchen ihre braunen Haare aus dem Gesicht. „Mein Name ist Belle und ich bin mit meinem Vater vor Kurzem hergezogen.“
Die Lehrerin nickt und lächelt. „Vielen Dank, Belle. Und ihr Kinder seid bitte freundlich zu ihr.“
Das Mädchen setzt sich an einen freien Platz in der ersten Reihe und packt ihre Schreibsachen aus.

Gaston lässt sie keine Sekunde aus den Augen. „Belle...“, flüstert er so leise, dass es nur der direkt neben ihm sitzende Lefou hören kann. „Ich glaube, das ist die Tochter von diesem Erfinder!“, flüstert er mit vielsagendem Unterton zurück.
Gaston schaut ihn verdutzt an. „Erfinder? Nie von einem gehört.“
Lefou seufzt und klärt ihn so unauffällig und still wie möglich über den neuen Bewohner des Dorfes auf. Darüber, dass er seltsame Maschinen baut, dass die Nachbarn manchmal mitten in der Nacht durch einen Knall geweckt wurden und dass der Bäcker ihn für einen durchgeknallten Spinner hält.
Gaston winkt ab. Der Vater mag ein Trottel sein, aber dieses Mädchen ist faszinierend.
„Nach der Schule werde ich sie fragen, ob sie mit uns am Fluss spielen will.“, erklärt er seinem Freund. „Und sie wird ganz beeindruckt sein von meinen ...“ Bevor ein seinen Satz beenden konnte, knallt ein Lineal auf seinen Tisch.

„Gaston! Lefou! Eine Stunde Nachsitzen nach der Schule!“ Die strenge Stimme der Lehrerin tönt durch den mucksmäuschenstillen Klassenraum.
Die beiden Jungen schauen zu Boden. Gaston ärgert sich innerlich über die Blamage. Das ist kein guter Einstieg bei der Neuen, da ist er sich sicher.
Verstohlen blickt er zu ihr herüber, doch im Gegensatz zu den anderen Schülern der Klasse, die ihn unentwegt anstarren, ist ihr Blick auf das aufgeschlagene Buch in ihrem Schoß geheftet. Vielleicht hat er ja Glück und sie hat gar nichts mitbekommen? Nach der Schule mit ihr zu sprechen, das kann er sich allerdings nun aus dem Kopf schlagen. Wie ärgerlich! Und das alles nur, weil Lefou so ein Schwätzer ist!
 
 
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