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von Keyla    erstellt: 25.03.2010    letztes Update: 29.12.2010    Geschichte, Abenteuer / P12    (fertiggestellt)
Tjaja, ich bin ja so fies^^... So, hier geht es nun weiter. Und es werden auch gleich ein paar Fragen dazu geklärt. Ein herzliches Dankeschön an Qantaga, P Gwainbenn und Sanni95 für ihre Reviews. Ich hoffe, eure Fragen werden hier zum Großteil geklärt ;)
Lg Keyla
PS: Viel Spaß beim lesen :)


Vita

issmutig schlängelte ich mich zwischen den Pflanzen hindurch, die hier draußen ungehindert wucherten. Die Machete, die ich an meinem Gürtel trug, benutzte ich nicht. Zum einen, weil Gerry einen breiten Weg geschlagen hatte, zum anderen, weil ich fand, dass man seinen Weg auch so durch das Dickicht finden konnte.
Missmutig war ich, weil Gerry meinte mich in genau dem Moment zu stören, da ich einen unglaublich schönen Schmetterling beobachtet und fotografiert hatte. Verdammt noch mal, was konnte denn so wichtig sein, dass man mir meine einstündige Pause nahm, die ich zu gerne hier draußen verbrachte und Pflanzen und Tiere beobachtete.
Der Weg war nicht sonderlich lang, doch hinter mit hörte ich Gerry schon schnaufen. Genervt verdrehte ich die Augen. Der Kerl hatte zwar Muskeln wie Arnold Schwarzenegger, doch mehr als aufgeblasene Luftballons waren sie nicht. Er hatte immer nur immenses Krafttraining gemacht, was zwar zu dicken Muskeln, jedoch zu keinerlei Ausdauer führt.
„Sir, was ist denn los?“, fragte ich, als ich an der alten Hütte angekommen war, die uns auch schon bei längeren Exkursionen als Schlaf- und Kochplatz gedient hatte. Mein Professor stand am Gaskocher und rührte in der Suppe, die unserer sechs Personen großen Gruppe als Mittagessen diente.
„Ein Anruf ist für dich gekommen. Soll wohl ein dringender Notfall sein, sagte die Dame…Sie sagte irgendwas von Regen, glaub ich“, erklärte er schulternzuckend.
„Regen?“, hakte ich skeptisch nach. Was sollte das…? Oh Gott! „Rain? Hat sie Rain gesagt?“
„Ähm, ja genau. Regen. Sie sagte, dass irgendwas mit dem Regen sei. Ist das eine Professorin, die sich mit dem Wetter beschäftigt?“ Wieder zuckte er mit den Schultern.
„Oh mein GOTT!“, rief ich und schlug die Hände vors Gesicht. „Das Baby! Das Baby kommt!“
„Baby? Welches…Was hat ein Baby mit Regen zu tun?“ Die Verwirrung stand meinem Professor deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Rain ist der Spitzname einer Freundin. Einer…eigentlich meiner Schwester, wenn man es…“ Ich war aufgeregt. Nein, nicht nur aufgeregt. Ich war zappelig. Das Baby kam!
„Ach ja. Jetzt erinnere ich mich wieder. Sie haben von ihr erzählt“, erinnerte er sich endlich und ein Lächeln trat auf sein Gesicht. Er wusste, dass ich eine Mutantin bin. Sein eigener Sohn war einer.
„Professor, ich weiß…die Forschung, aber…“, stammelte ich und sah ihn flehendlich an.
Sein Lächeln verwandelte sich in ein breites Grinsen. „Natürlich! Billy? Bring Vita zum Flughafen. Ich bestell dir gleich eine Karte für den nächsten Flug zum Festland.“
„Zwei bitte! Quappe muss auch mit!“, rief ich und war schon in die Hütte gelaufen, um meine Sachen zu holen. „Und vielen Dank!“
So schnell ich konnte lief ich zum Wagen, den Billy schon gestartet hatte. Ich sprang hinein und los ging die rasante Fahrt zur Hauptstadt Hawaiis.

Billy brachte mich zuallererst zu der kleinen Campusbude, die Quappe und ich bezogen. Dort packte ich schnell ein paar Sachen von ihr und mir in zwei Taschen und raste auch schon wieder hinaus.
Unser nächster Stopp hieß Strand. Und zwar nicht irgendein Strand. Er zählte zu den beliebtesten. Nicht sehr weit von den beliebtesten Hotels und der Innenstadt entfernt. Hier war eine wunderbare Bucht, die mit ihrem weißen Sand nur dazu einlud, sich hinzulegen und erst dann aufzustehen, wenn die Sonne unterging.
Ich kramte in meinem Rucksack nach dem Fernglas, das ich immer bei mir trug. Billy hielt an der Promenade und ließ mich raus. „Sei in dreißig Minuten wieder hier“, orderte ich an und er nickte grinsend. Ich wusste genau, dass er seiner Campusliebe einen schnellen Besuch abstatten würde.
Eigentlich benötigte ich den Feldstecher nicht. Schon von hier aus erkannte ich Quappe, die elegante Saltos mit den Delfinen zur Show stellte. Nur, dass es keine Show war. Jedenfalls nicht für sie und die fünf Freunde, mit denen sie sich auf diese Weise Gehör verschaffen wollte.
Ich entdeckte Leon, der den Stand übernommen hatte. Schnell lief ich auf ihn zu.
„Vita? Was…? Willst du etwa auch etwas spenden?“ Grinsend hielt er mit den Spendenkorb hin, der schon halb gefüllt war mit Geldscheinen und Münzen.
„Ich brauche Quappe. Sofort!“, rief ich atemlos und deutete zum Wasser.
„Wieso denn? Warte noch eine halbe Stunde, dann sind wir fertig. Heute läuft die Show wieder ausgezeichnet. Nicht mehr viel und wir können wieder einen befreien“, erklärte er mit glühenden Wangen.
„So viel habt ihr schon wieder?“, fragte ich ungläubig und vergaß für einen Moment den eigentlichen Grund, warum ich hier war.
„Ja! Immerhin ist Hauptsaison und unsere Aufklärungsflyer kommen auch echt gut an. Wir haben uns auch schon überlegt, ob wir uns nicht einen Hörsaal mieten und dort eine Infoveranstaltung machen.“ Er redete sich in Rage.
„Das Baby kommt!“, unterbrach ich seinen Redefluss. Er stockte, sah mich ungläubig an und nickte schließlich. Er nahm zwei Fahnen, die er in einer Kiste liegen hatte, und wedelte damit wild herum.
Augenblicklich hörte Quappe auf, mit den Delfinen zu schwimmen. Erst sah schien sie verwirrt, doch dann schwamm sie mit kräftigen Zügen ans Ufer, wo eine Gruppe Menschen sie sofort umringten.
Ich war ihr entgegen gelaufen und zerrte sie durch die Menschen durch. Wir hatten keine Zeit zu verlieren. Der Professor hatte mir eine Sms geschrieben, in der stand, dass unser Flug in weniger als einer halben Stunde ging. Billy hatte ich auch schon angerufen und zurückbeordert.
„Was ist den los?“, fragte Quappe panisch. Bei uns hieß Aufregung und Eile nur selten etwas Gutes, doch nun…
„Das Baby kommt!“, rief ich glücklich und winkte Billy zu, der die Promenade entlanggefahren kam. „Ich hab unsere Sachen schon gepackt. Der Flug geht in einer halben Stunde, also hopp!“

Es ging alles verdammt schnell. Wir rannten durch die Halle zum Gepäckschalter und anschließend den verdammt langen weg zu den Kontrollen und zum Gate.
Erst im Flugzeug kamen wir dazu, uns auszuruhen. Quappe schlief sogar sofort ein, obwohl ihre Haare noch immer feucht waren und sie eigentlich nichts anderes trug als die Shorts und das bauchfreie Top, die sie immer zum Schwimmen trug. Dazu ein paar Sandalen, die noch voller Sand waren.
Der Flug dauerte mehrere Stunden und wir durchquerten zwei Zeitzonen. Ich hatte also Zeit genug, über die letzten Jahre nachzudenken. Die Jahre, die wir im Internat und nun schon an der Uni verbracht hatten.
Sage und schreibe sieben Jahre war das jetzt schon her. Quappe, Future und ich waren nun schon 25 Jahre alt und Rain 23. Kaum zu glauben. Obwohl ich schon längst volljährig war, fühlte ich mich manchmal immer noch wie das Kind, das von seiner Mutter verstoßen worden war, weil es ein Mutant war. Dann sehnte ich mich wieder nach den guten alten Zeiten in der Hütte, wo wir zu viert zusammengelebt hatten, anstatt jetzt nur noch zwei. Quappe und ich.
Ich sah hinunter zum Meer, das sich strahlend blau bis zum Horizont erstreckte und spürte auf einmal das gleiche Gefühl, wie ich es damals gespürt hatte, als wir uns getrennt hatten. Damals, als Quappe und ich in den Flieger gestiegen waren und Future, Rain und Marlow zum Abschied zu gewunken hatten. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Das es eigentlich nicht richtig war. Wir waren eine Familie und gehörten zusammen, doch…wir mussten jeder unseren eigenen Weg gehen. Und so oft es eben ging, hatten wir uns wiedergesehen. Einmal hatte Rain uns sogar einen Überraschungsbesuch auf Hawaii abgestattet.
Warum Hawaii? Hawaii ist für uns das, was es in den Fünfzigern und Sechzigern für schwarze war. Dort konnten farbige und weiße offiziell heiraten. Und dort lebten schwarz und weiß zusammen. Friedlich.
Genauso ist es nun für viele Mutanten eine Zuflucht. Manche Universitäten lehnen noch immer Mutanten ab, natürlich nicht offiziell – meist unter dem Vorwand kein Platz zu haben oder die Person entspreche nicht dem Leistungsniveau. Doch die University of Hawaii System war die erste Universität, die Mutanten zuließ. Und das schon seit fünfzehn Jahren!
Nachdem wir alle unseren Abschluss gemacht hatten, hatten Quappe und ich tatsächlich ein kleines Stipendium für die Universität auf Hawaii bekommen. Es reichte gerade aus, dass wir uns zu zweit auf dem Campus ein Zimmer nehmen konnten und noch etwas für Lebensmittel blieb. Für Bücher und sonstige Utensilien mussten wir während der Semesterferien immer arbeiten. So auch diese. Unsere letzten Ferien.
Da beneidete ich doch Future, die ein Elektrofachgeschäft aufgebaut hatte. Ihren Fabel für alles Elektrische hatte sie schon, als wir damals zusammen gelebt hatten. Schließlich war sie diejenige, die uns auf die hirnrissige Idee gebracht hatte, einen Fernseher vom Schrottplatz zu klauen.
Ihr Laden lief gut, zumal sie auch kaputte Geräte reparierte. Vor allem Fernseher und Radios. Schon seltsam. Meistens wurden die kaputten Sachen weggeschmissen und neue herangeschafft, doch Future hatte es irgendwie geschafft, die Geräte meist sogar noch ein klein wenig zu verbessern. Bessere Lautsprecher, einfachere Speicherung von Radiosendern. Sie besaß Talent und das lebte sie voll aus.
Ihre zweite Liebe galt weiterhin der Gitarre. Weiß der Teufel, wie sie es geschafft hat, aber sie hat ihre alte Gitarre – die, die wir damals auf dem Flohmarkt gekauft hatten – wieder. Unverkennbar durch all die Sticker. Sie spielt mittwochabends immer in einer Kneipe, in die viele Mutanten gehen.
Oh ja, und dann war da noch Rain, unser kleiner Sonnenschein. Sie und Marlow passten zusammen, wie Sommer und Eis. Vorher war Marlow jemand gewesen, den man an einer normalen Highschool herumschubste. Trotz seiner Größe. Er war zurückgezogen und ein Einzelgänger. Schwieg alles lieber in sich hinein. Bis Rain kam. Bis er sie fast in einem Albtraum getötet hatte und ich sie noch so gerade eben hatte retten können.
Er hätte sich nach der Entschuldigung sicherlich wieder in sein Schneckenhaus zurückgezogen, doch wenn Rain erst mal jemanden in ihr Herz geschlossen hatte, war sie ihm ein treuer Freund und Zuhörer. Ja, unsere Rain hatte aller Welt gezeigt, dass sie nicht das sozial schwache Mädchen war, als das dieser Psychologe damals sie eingestuft hatte.
Und nun wuchs das Ergebnis ihrer Fürsorge in ihr selbst heran!
Ich wurde in meinen Tagträumen unterbrochen, als das Flugzeug sich bereit machte, zu landen. Kaum zu glauben, ich hatte tatsächlich den ganzen Flug über gegrübelt.
Logan wollte uns abholen. Verzweifelt hielten wir in der Wartehalle nach ihm Ausschau, doch es wäre nicht Logan gewesen, wenn er pünktlich gewesen wäre. Nach fünf Minuten kam er dann. Viel zu früh für ihn. Niemals kam er unter zehn Minuten zu spät – außer natürlich im Unterricht.
„Ist das Baby schon da?“, rief ich und lief ihm entgegen.
Abrupt blieb er stehen. „Das Baby?“ Er schien verwirrt.
„Na, das Baby kommt doch! Storm sagte, dass irgendetwas mit Rain sei. Also, ist das Baby schon da?“ Wie konnte er nur so verpeilt sein? Oder war etwa etwas mit dem Baby? Gott, war es nicht noch zu früh? „Gott, es sind doch noch drei Wochen bis zum Termin! Ist das Baby…?“
„Vita!“, riss er mich aus meinem beginnenden Redeschwall und packte meine Handgelenke. „Es ist nichts mit dem Baby. Rain ist entführt worden!“
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