Geschichte: Fanfiktion / TV-Serien / Lost / Im Schatten
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von Feelicitas Lefay    erstellt: 22.03.2010    letztes Update: 20.06.2010    Geschichte, Allgemein / P16    (abgebrochen)
Im Schatten
Charaktere: Jacob, Samuel, OC, OtherOC's, die Insel
Spoiler: 6. Staffel


Im Schatten

Als ich den Sand unter mir spürte, dachte ich noch an einen dieser seltenen Träume in denen man die Dinge anfassen kann und sie fühlen sich so echt wie die Wirklichkeit an. Doch dieser Traum konzentrierte sich nicht nur auf meinen Tastsinn, ich hörte ein schrilles tierhaftes Kreischen, das mal mehr von der einen und dann doch von der anderen Seite zu kommen schien und dann war da noch ein kühler Hauch, der über meine Kehrseite strich und mir die Haare gegen die Nase wehte.
Daraufhin wusste ich, es konnte kein Traum sein und blickte auf. Das war ein Fehler, das Blut fuhr mir in die Ohren und ich fühlte mich wie erschlagen, zudem war es gleißend hell um mich und das Einzigste was ich sah war tiefes Grün. Für einen Moment dachte ich noch, das ich am Rheinuferstrand beim Sonnenbaden eingeschlafen sein musste, und verfluchte es mir einen Höllensonnenbrand eingehandelt zu haben, doch noch ehe sich meine Augen an die Helligkeit angepasst hatten und ich mich mühsam aufrichtete, wurde mir klar, das es doch gerade Januar sein musste. Und selbst wenn nicht, wenn ich seit Monaten oder so Anmesie gehabt haben sollte, dann erklärte es überhaupt nicht was ich sah und ich wünschte mir nichts mehr als das mir jemand Erleuchtung über das was vorzugehen schien schenken würde. Ein einfacher Grund, der mir erklären konnte, warum ich sogar auf den Bikini verzichtet hatte, sich vor mir eine Wand von Palmen erstreckte und ein paar Meter hinter mir nichts war, außer ein paar Vögel und jede menge Meer.

Ich muss zu diesen Zeitpunkt wohl schon einen fortgeschrittenen Sonnenstich gehabt haben, oder der Schock hat mir den Rest gegeben. Was genau ich gedacht habe in diesen ersten Stunden nachdem ich begriffen hatte, das überhaupt nicht mehr in Ordnung zu sein schien, weiß ich nicht mehr. Nur noch das es mir unheimlich wichtig war, aus der Sonne zu kommen, aber keinen Schritt in den Dschungel tun zu wollen, bleibt mir noch bis heute im Gedächtnis.
So richtig mitbekommen habe ich eigentlich erst, als dieses hochaufragende Gebäude in der Ferne in mein Blickfeld fiel. Es war schon ziemlich dunkel, die Dämmerung war kürzer als alle die ich vorher sah, als ich den Abhang erreicht und hochgestolpert war. Je näher ich kam umso mehr fiel mir auf, das der Turm einer rudimentären Aussichtsplattform für Besucher nicht unähnlich war. Ich schlussfolgerte, das ich wohl im Hinterland von einer dieser Touristenburgen feststecken musste. Egal was geschehen war, ich würde bald jemanden finden, der mir helfen konnte und Erklärungen für mich bereit hielt. Ich fühlte mich etwas besser. Ich träumte schon von kalten Getränken, einer dicken Schicht Apres-sun creme und einer Armada von Hotelangestellten die mir jeden Wunsch erfüllen würden, weil sie sich fürchten mussten, das ich sie auf viel Geld verklage. Ich war mir sicher, irgendwie würde alles wieder gut werden.

Diese Aussicht beruhigte mich und als ich entkräftet am Turm ankam, entschloss ich bis zum Morgen an diesem Ort zu verweilen und dann weiter nach Rettung Ausschau zu halten. Es war schon ein wenig gruselig den dunkel klaffenden Eingang zu betreten und die grob behauten Steinstufen hinaufzusteigen, doch die Nacht ungeschützt nahe am Dschungel zu verbringen war noch viel unheimlicher. Ich war froh als wieder ein wenig Helligkeit in meine Augen fiel und ich das Treppenende erreichte. Die Empore war bis auf eine Säule in der Mitte des Raumes und einen großen Haufen in einer Ecke, Holzstücke, alles Gerümpel soweit ich das in der Finsternis erkennen konnte, leer. Nach der anstrengenden Treppe, hatte ich fest auf ein paar zur Verfügung stehende Sitzbänke für müde Touristen gerechnet, doch dort sah es eher so aus, als ob der Sperrmüll mal dringend benötigt würde. Im dem Moment war mir das auch gleich und ich tastete mich nur noch an der Wand entlang um eine freie Ecke zu finden um mit einen schweren Stöhnen nieder zu sinken und mich zusammen zu kuscheln. Jäh stöhnte ich auf, weil mein Sonnenbrand schmerzhaft an der Wand vorbei schrubbte.
Der Wind sog kühl und mit monotonen Klang über meinen Kopf hinweg und in der Ferne knackten die Stämme der Palmen und ich war so fertig und durstig, aber daran konnte ich nichts tun. Obwohl ich es nicht vorgehabt hatte und eigentlich den offenen Treppenaufgang im Auge behalten wollte, nickte ich irgendwann weg und fiel bald schon in den tiefen Schlaf der Erschöpfung.  

***

Als ich erwachte war es schon heller Tag. Mühsam regte ich meine verspannten Knochen. In der Nacht hatte ich mich wohl auf der Seite zusammen gekrümmt um meinen Sonnenbrand zu meiden und nicht zu viel der kalten Luft abzubekommen und war so auf dem Steinboden liegen geblieben.  Mein Mund war geschwollen und die Spucke eingetrocknet, so das sie Salzkrusten bildete. Ich hatte so einen Durst, das es wohl wehtun würde, etwas zu trinken. Auch eine Erfahrung, die ich nie machen wollte. Vorsichtig kratzte ich das Salz von meinen Mundwinkel.
Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, das ich nicht alleine war. In etwa drei Meter Entfernung saß ein Mann, auf einem Holzstapel und betrachtete mich nachdenklich auf eine Art, so als würde er schon eine ganze Weile ruhig verharren um mich anzusehen. Mir war bewusst, das er mich im unbekleideten Zustand sah, aber auch das er nicht wirklich etwas mit mir und meiner Lage anfangen konnte, doch das machte mir nichts aus. Irgendetwas in seinen Augen sagte mir, das ich keine Angst zu haben bräuchte, das mir nichts geschehen würde.
Er hielt einen sorgfältigen, anstand gebührenden Abstand und blickte quasi durch mich hindurch. Der Mann hatte wunderschöne blaue Augen, bemerkte ich und es war verrückt, aber für einen Moment konnte ich kaum meinen Blick loslösen.
Vorsichtig setzte ich mich aufrecht und blickte ihn auffordernd an, doch er sagte nichts und es tat seiner Beschäftigung keinen Abbruch. Es wirkte, als würde er es gar nicht richtig wahrnehmen, das ich ihn ebenfalls betrachtete. Er war offensichtlich nicht erfreut, über das was er sah. Aber das hatte ich auch nicht direkt erwartet. Irgendwas war hier fürchterlich schief gelaufen und ich war ein Problem, das Scherereien verursachte. Für die Reiseleitung eine Klage und für ihn, das ich seine Zeit beanspruchte.  Was immer er auch bevor er mich entdeckte für den Tag vorgehabt hatte, ich hatte es ihm versaut. Er musste mir helfen, schließlich konnte er mich doch nicht einfach so sitzen lassen – oder konnte er doch?  
Merkwürdiger Typ, aber es hätte schlimmer kommen können. Nach seiner Kleidung und Aussehen zu urteilen, seine hellen Augen und das naturblonde Haar mit deutlichen Bartansatz, stammte er wohl weder von Geburt an hierher noch erschien er mir zum Hotelpersonal oder den Touristen zu gehören. Er trug eine helle Tunika aus Leinen und eine Hose aus ähnlichen Stoff. Alles ziemlich öko, selbst seine helle Umhängetasche war hundert Prozent Naturfaser. Der Mann wirkte eher wie ein Aussteiger, einer dieser Öko-Hippies die im Süden ohne einen einzigen Cent in der Tasche hängen geblieben sind und sich mit betteln und Rauschmittelgenuss die Zeit vertreiben. Ein echtes Relikt der 68er konnte er nicht sein, er schien mir gerade mal 10 bis 15 Jahre über. Ob seine Augen wohl so blau erschienen, weil er völlig zugedröhnt war?
Ein unglaublicher Gedanke mit Potenzial eine einleuchtende Erklärung für all das hier zu bieten kam mir auf. Ich war offensichtlich auf einer alternativen Urlaubsreise, was auch immer mich dazu getrieben hatte, und nachdem ich bei den gemeinsamen Kommunen Sitzkreisen schon tagelang zu viele Pilzdämpfe oder sonstiges Teufelszeug mitkonsumiert hatte, so das ich gar nicht mehr wissen konnte, wo oben oder unten, geschweige überhaupt wo ich überhaupt war, musste ich wohl in der gestrigen Nacht völlig verschütt gegangen sein, bis ich mich schließlich nach dem ersten Abflauen des Rausches in der ungetrübten Luft des Strandes wiedergefunden hatte.
Für einen kurzen Moment sah ich mich völlig high durch den Dschungel hoppeln und Blumen pflücken, wobei ich mir nach und nach die Kleider vom Leib riss. Oder war ich etwa die ganze Zeit schon nackig wie Mutter Natur mich schuf?
Für einen Moment glaubte ich daran, doch so verrückt das hier auch alles war, ich war nicht der Mensch, der sich eines Tages nackt und ohne Erinnerung, hunderte Kilometer von zu hause wiederfinden konnte.
Ich alleine im Hippie-Nudisten-Club-Robinson? Wenn ich sonst schon nichts mehr wusste, ich wog gute 220 Pfund, da brauchte ich nur an mir herab zu sehen um das nicht zu vergessen. Und überhaupt - nein, auf keinen Fall.
Immerhin, was nicht für mich stimmte, konnte für mein Gegenüber doch wahr sein.
Er schien sich dazu entschlossen zu haben mich nicht weiter zu ignorieren und lächelte, als er sich abwandte und erhob. Nicht aus Freundlichkeit, eher weil es in so einer Situation höflich war. Ich schloss daraus, das wir uns wohl doch kennen mussten, sicher konnte ich aber auch nicht sein. In der Regel war es so: wer mich kannte, der war selten dazu fähig mir mehr als dieses kurze Mundwinkelhochziehen zu schenken und das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Mein Blick folgte ihm beunruhigt, ich fürchtete kurzzeitig, das er sich seiner Verantwortung entziehen wollte und einfach abhaute, doch er schien sich allmählich damit zu arrangieren, das seine ursprünglichen Pläne einer Änderung unterworfen waren. Er sah sich kurz um und fing dann an, sich zwischen dem Gerümpel zu schaffen zu machen bis er ein Stück Tuch hervor zog und es mir zuwarf. Ich bemerkte wieder, das er offensichtlich nicht zu nahe kommen wollte, wer wollte es ihm auch verdenken, der Stempel des sexuellen Belästigers wurde man nur schwer wieder los und es gab noch einige andere möglichen Gründe, die mir aber egal sein konnten. Doch für einen Moment nahm ich Anstoß, als ich das doch recht große Stoffstück, es bestand aus gröberen sackähnlichen Gewebe, auseinander zog. Mein Gegenüber musste doch gewusst haben, das hier so was herum lag. Ich war aber mehr auf mich selber sauer, hätte ich das Ding doch am Abend zuvor gefunden müsste ich mich nicht von diesen heruntergekommenen Kerl taxieren lassen. Aber nun gab es mir das Gefühl, vollkommen auf ihn angewiesen zu sein und ihn viiiieelll Dankbarkeit zu schulden, was echt nicht toll war, wenn er denselben Eindruck gewann. Meine Verstimmung stieg, doch ich blieb es nicht lange. Wenn der Mann das war, für das ich ihn hielt, dann würde es wohl keine Rolle spielen ob ich wie erschaffen vor ihm saß, oder wie ich sonst aussah. Er war wahrscheinlich so in seine eigenen Sphären vertieft, das er kaum an so was als erstes dachte. Ich konnte froh sein, wenn er denn überhaupt wusste, wo wir waren. Vielleicht war er ebenso ein Opfer wie ich.
Nicht zuletzt, weil er mich vorerst auf dem Hals hatte. Andererseits hatte er doch jetzt was seinen Freunden zu erzählen, also konnte es doch nicht so schlimm für ihn sein.
Ich wickelte mir mit Rücksicht auf meine gepeinigte Rückseite das Tuch um und dachte, vielleicht sollte ich ihm von meiner Theorie erzählen, dann hätten wir schnell das Eis gebrochen.
Mir fiel auf, das ich noch keinen Ton hervorgebracht hatte, was wohl eher meiner Art entsprach, als die Variante ein durchgeknallter Öko-Freak zu sein.  

„Danke.“ äußerte ich verlegen in seine Richtung. Meine Stimme war leise, kaum mehr als ein Wispern. Auch wenn ich genervt wirkte, ich war es hauptsächlich, weil ich gerne im Boden versinken wollte. Er sagte immer noch nichts.
Langsam erhob ich mich behutsam auf die Beine und schwankte kurz als der Kreislauf stockte, konnte mich aber noch an der Wand abstützen. Der Mann machte keine Anstalten mir aufzuhelfen, oder eine haltende Hand zu reichen, doch auch  so verging der Schwindel ohne das ich mein Tuch loslassen musste. Gut für mich, eine Peinlichkeit weniger und ich hatte wohl auch keinen Sonnenstich.  Gut für ihn, sonst hätte er mich noch tragen müssen.
Vielleicht sollte ich mich einfach um den Verstand quatschen, dann würde ich es sicher schaffen ihn zu nerven, bevor er es konnte und ich nicht mehr weiter wusste. Er würde mir sehr bald den Rückweg zeigen und ich käme umso schneller hier weg und bräuchte mir keine weiteren Gedanken um diese Eskapade zu machen.
Doch irgendetwas hielt mich davon ab es so zu machen. Ich sammelte alle Spucke zusammen und machte mich auf zur anderen Seite der Empore zu gehen.
Der Mann machte mir großzügig Platz und ich bedankte mich wieder leise, als ich vorbeischlupfte. Jetzt im Tageslicht kam mir das hier weniger wie ein Aussichtsturm vor. Wofür die große Spiegelplatte war, über die das Tuch gehangen hatte, welches ich nun um mich hielt, wusste ich nicht, doch ich hatte vor meinen Nutzen daraus zu ziehen.
„Wir kennen uns wohl nicht.“ stellte ich verlegen fest, als ich versuchte seinen mir folgenden Blick zu ignorieren: „Ich bin Jessica und ich habe keine Ahnung, was-“
Beim Anblick meines Spiegelbildes verstummte ich, denn mich traf der Schlag- zumindest beinahe. Meine Lippen waren aufgesprungen. Zudem hatte ich einen verbrannten Scheitel, der sich über meinen schütteren, farblosen da rausgewachsenen Ansatz ausbreitete und sich herrlich mit dem rot des Restes biss. Mein Haar war filzig und es hingen kleine gelbliche Samenkapseln oder so drin, das war mir noch gar nicht aufgefallen. Langsam drehte ich meinen Rücken zum Rahmen, doch als wäre es nicht schon genug, fand ich nicht nur den Sonnenbrand gefühlten fünften Grades wieder, sondern Schräg über meinen Rücken zog sich ein unregelmäßiger dunkler Strich, etwa dreißig Zentimeter lang und teilweise bis an die zehn Zentimeter breit. Was hatte ich nur gemacht? Das sah so aus, als hätte man mir mit irgendwas etwas übergezogen.
Mein Blick traf argwöhnig auf seinen, doch er sah es offensichtlich auch erst jetzt und sein nicht zu deutender Ausdruck machte mich noch verlegener.Wie sollte ich erklären was ich selber nicht verstand? Hatte er eigentlich schon einen Ton von sich gegeben? Einerseits war mir seine Wortkargheit recht, Tee trinken oder über den Frieden in der Welt diskutieren, wollte ich auch nicht, doch  es machte mich nervös. Ich hatte vergessen, was ich sagen wollte und tat vorerst, als wäre er gar nicht da. Ich zog mir das Tuch fester, um es an der Seite verknoten zu können und endlich die Hände frei zu bekommen und ich fragte mich, was ich jetzt tun sollte.
Gerade wollte ich ihn wieder ansprechen, doch als ob er meine Gedanken nachvollziehen konnte stand er schon am Fuß der Treppe und deutete mir mit einen Handwink, das ich mitkommen konnte.
Und dann ging er einfach und seine Schritte verklangen in die Ferne, ließen mich alleine mit der Entscheidung, zu bleiben oder mit zugehen.
Ich stockte, ich war mir gar nicht mehr sicher, ob ich raus wollte. Zum ersten Mal kam mir in den Sinn, das es doch recht einleuchtend war, das ein Fremder, der mir in der Südsee begegnete überhaupt kein deutsch verstehen würde. Ich hätte es wenigstens auf Englisch oder meinen kümmerlichen Resten von Schulfranzösisch probieren sollen um mich nicht als die dumme deutsche Touristin zu verraten, die ich in seinen Augen wohl war.
Da war es ganz aus und ich war mir sicher, das es nicht noch miserabler werden konnte. Meine Beine stemmten sich regelrecht für einen Moment gegen den Steinboden und weigerten sich einen Schritt zu tun. Aber mir war klar, ich durfte nicht alleine bleiben. Warum also musste es nur so kompliziert sein, fragte ich mich, als ich meine kurzentschlossene Entschluss nutzte um ins halbdunkle Treppenhaus hinabzusteigen und dem Mann zu folgen.  

Fortsetzung folgt...
 
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