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Geschichte: Freie Arbeiten
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/ Das Ende ist kalt
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von FlashPhoenix
erstellt: 17.03.2010
letztes Update: 17.03.2010
Geschichte, Drama / P12
(fertiggestellt)
„Ist es dir nicht kalt?“, fragt der Engel.
Kalt.
Von wegen.
Ich liege hier im Schnee, auf dem Rücken, sodass ich in den grauen, unendlich scheinenden Himmel hinaufblicken kann. Der Schnee kommt mir nicht kalt vor. Im Gegenteil, in meinem Innersten brodelt ein so gewaltiges Feuer, dass ich mich wundere, dass der Schnee um mich herum nicht augenblicklich zerschmilzt. Das einst so wütend rasende Feuer ist inzwischen nur noch eine dumpfe Glut, die mich allmählich auffrisst. Der Schnee ist angenehm kühl.
„Hast du schon aufgegeben?“
Obwohl ich auf die vorherige Frage keine Antwort gegeben habe, fragt der Engel beharrlich weiter.
Er steht schon sehr lange neben mir.
Seit ich nach einer langen Autofahrt in diese ländliche Gegend mitten aufs Feld gelaufen bin und mich in den Schnee fallen gelassen habe. Ich weiß nicht, wie er aussieht, ich habe mich die letzte Stunde nicht mehr bewegt und wende nicht einmal den Kopf zur Seite um ihn anzusehen. Dennoch weiß ich, dass er ein Engel ist. Wer sonst würde so aus dem Nichts auftauchen und mir in einem nebensächlichen Tonfall solche Fragen stellen? Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Meine Gedanken hängen viel mehr an der beharrlichen Glut. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem man alles hinnimmt. Auch Engel auf einem verschneiten Feld.
Ich höre ein Knirschen, das sich danach anhört, als hätte der Engel sich hingesetzt. Ich liege noch immer regungslos da und starre in den Himmel, die Arme und Beine von mir gestreckt. Die Wolkendecke ist so dicht, dass es aussieht, als würde ich in Nebel sehen. Ein Nebel wie ich ihn sehe, wenn ich an meine Zukunft denke.
Und meine Vergangenheit.
„Deine Finger spürst du schon lange nicht mehr, oder?“
Nicht nur meine Finger, meine Hände sind taub. Doch nicht erst, seit ich hier im Schnee liege. Meine Hände sind schon seit langer Zeit nicht mehr zu Handlung fähig.
Ich habe schon vor langer Zeit die Fähigkeit verloren, sie zu benutzen. Habe ich überhaupt noch Hände? Vielleicht habe ich sie nicht mehr und habe es nicht gemerkt. Wahrscheinlich habe ich deshalb mitangesehen, wie mein Leben um mich herum zerbröckelt und habe nichts dagegen getan. Nichts dagegen tun können.
„Merkst du nicht, wie kalt der Schnee ist? Wie er langsam deine Arme und Beine hochkriecht? Deinen Körper wie Ranken zu überwachsen scheint? Willst du nicht lieber aufstehen, ins Auto zurückgehen und die Heizung anstellen?“
Klingt verlockend.
Ich würde mich im Sitz vergraben, die Jacke, die ich im Auto zurückgelassen habe anziehen und allmählich wieder auftauen.
Und dann?
Was würde ich dann tun?
Die Straße nach Hause zurückfahren?
Diese Straße gab es nicht mehr für mich.
Ich könnte auch nicht mehr aufstehen. Mein Körper scheint so schwer, als hätte ich viele Jahre hier verbracht und die Wurzeln eines mächtigen Baumes umschlingen mich und haben mich zu einem Teil von ihm gemacht.
„Wieso bist du hier? Wieso bist du nicht zuhause, bei deiner Familie? Oder bei deinen Freunden?“
Familie.
Freunde.
Was tun sie wohl gerade? Vor dem Fernseher sitzen, Kaffee trinken und Nachrichten sehen. Oder sie planen den Abend, wollen mal wieder richtig feiern. Ich feiere hier unterdessen alleine und freue mich, dass die nagende Glut den Kampf verliert. Sie verhungert langsam aber sicher. Und der Schnee hilft mir dabei. Milliarden kleine Schneeflocken die mir zur Seite stehen und die Glut löschen. Ich bin also umgeben von meinen Freunden.
„Du bist allein. Allein hier draußen in der Kälte. Das hast du dir so ausgesucht, es muss nicht so sein.“
Der Engel ist hartnäckig.
Zum ersten Mal antworte ich, so leise wie der Wind und doch weiß ich, dass der Engel mich deutlich versteht.
„Ich bin nicht alleine. Du stehst bei mir und redest mir ins Gewissen.“
Ich hatte mir die ländliche Einsamkeit ausgesucht.
Doch selbst diese ist mir nicht vergönnt. Ich hatte den Engel nicht gebeten seit Stunden bei mir zu sein. Ich wollte nichts weiter hören als den Wind, der unaufhaltsam über das Feld flüstert.
„Meine Aufgabe ist es nicht, dir ins Gewissen zu reden. Das tust du selbst.“
Ich schweige.
Meine Lippen sind ungewöhnlich schwer, das Sprechen fällt schwer. Schon das Denken fällt schwer. Die eiskalten Wurzeln sind noch dicker, noch schwerer geworden und drücken meinen Körper noch weiter in den kalten Schnee, scheinen mich in die Erde ziehen zu wollen.
Jetzt, da die Glut beinahe gestorben ist, fühle ich die Kälte. Doch sie ist nicht unangenehm. Es ist eine friedliche Kälte. Die Glut nagt nicht länger an mir und an ihre Stelle tritt der Frieden, den ich vor vielen Jahren verloren habe. Der Nebel lichtet sich. Die Wolkendecke bricht an einer Stelle auf und ein schwacher, hoffnungsvoller Sonnenstrahl zeigt sich zurückhaltungsvoll.
Schließlich ringen sich meine Lippen ein paar Worte ab. „Wieso bist du dann hier?“
„Die Straße nach Hause ist dir versperrt. Du wirst eine andere nehmen und ich werde dich geleiten.“
Der Nebel ist nun verschwunden, der feine Strahl wird breiter und fröhlicher und die Erde fordert den Teil zurück, den sie einst gab. Der mächtige Baum soll weiterwachsen.
Nach langer Zeit spüre ich meine Hände wieder, als die warmen Finger des gesichtslosen Engels meine finden, um mich auf die unbekannte Straße zu führen.
Kalt.
Von wegen.
Ich liege hier im Schnee, auf dem Rücken, sodass ich in den grauen, unendlich scheinenden Himmel hinaufblicken kann. Der Schnee kommt mir nicht kalt vor. Im Gegenteil, in meinem Innersten brodelt ein so gewaltiges Feuer, dass ich mich wundere, dass der Schnee um mich herum nicht augenblicklich zerschmilzt. Das einst so wütend rasende Feuer ist inzwischen nur noch eine dumpfe Glut, die mich allmählich auffrisst. Der Schnee ist angenehm kühl.
„Hast du schon aufgegeben?“
Obwohl ich auf die vorherige Frage keine Antwort gegeben habe, fragt der Engel beharrlich weiter.
Er steht schon sehr lange neben mir.
Seit ich nach einer langen Autofahrt in diese ländliche Gegend mitten aufs Feld gelaufen bin und mich in den Schnee fallen gelassen habe. Ich weiß nicht, wie er aussieht, ich habe mich die letzte Stunde nicht mehr bewegt und wende nicht einmal den Kopf zur Seite um ihn anzusehen. Dennoch weiß ich, dass er ein Engel ist. Wer sonst würde so aus dem Nichts auftauchen und mir in einem nebensächlichen Tonfall solche Fragen stellen? Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Meine Gedanken hängen viel mehr an der beharrlichen Glut. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem man alles hinnimmt. Auch Engel auf einem verschneiten Feld.
Ich höre ein Knirschen, das sich danach anhört, als hätte der Engel sich hingesetzt. Ich liege noch immer regungslos da und starre in den Himmel, die Arme und Beine von mir gestreckt. Die Wolkendecke ist so dicht, dass es aussieht, als würde ich in Nebel sehen. Ein Nebel wie ich ihn sehe, wenn ich an meine Zukunft denke.
Und meine Vergangenheit.
„Deine Finger spürst du schon lange nicht mehr, oder?“
Nicht nur meine Finger, meine Hände sind taub. Doch nicht erst, seit ich hier im Schnee liege. Meine Hände sind schon seit langer Zeit nicht mehr zu Handlung fähig.
Ich habe schon vor langer Zeit die Fähigkeit verloren, sie zu benutzen. Habe ich überhaupt noch Hände? Vielleicht habe ich sie nicht mehr und habe es nicht gemerkt. Wahrscheinlich habe ich deshalb mitangesehen, wie mein Leben um mich herum zerbröckelt und habe nichts dagegen getan. Nichts dagegen tun können.
„Merkst du nicht, wie kalt der Schnee ist? Wie er langsam deine Arme und Beine hochkriecht? Deinen Körper wie Ranken zu überwachsen scheint? Willst du nicht lieber aufstehen, ins Auto zurückgehen und die Heizung anstellen?“
Klingt verlockend.
Ich würde mich im Sitz vergraben, die Jacke, die ich im Auto zurückgelassen habe anziehen und allmählich wieder auftauen.
Und dann?
Was würde ich dann tun?
Die Straße nach Hause zurückfahren?
Diese Straße gab es nicht mehr für mich.
Ich könnte auch nicht mehr aufstehen. Mein Körper scheint so schwer, als hätte ich viele Jahre hier verbracht und die Wurzeln eines mächtigen Baumes umschlingen mich und haben mich zu einem Teil von ihm gemacht.
„Wieso bist du hier? Wieso bist du nicht zuhause, bei deiner Familie? Oder bei deinen Freunden?“
Familie.
Freunde.
Was tun sie wohl gerade? Vor dem Fernseher sitzen, Kaffee trinken und Nachrichten sehen. Oder sie planen den Abend, wollen mal wieder richtig feiern. Ich feiere hier unterdessen alleine und freue mich, dass die nagende Glut den Kampf verliert. Sie verhungert langsam aber sicher. Und der Schnee hilft mir dabei. Milliarden kleine Schneeflocken die mir zur Seite stehen und die Glut löschen. Ich bin also umgeben von meinen Freunden.
„Du bist allein. Allein hier draußen in der Kälte. Das hast du dir so ausgesucht, es muss nicht so sein.“
Der Engel ist hartnäckig.
Zum ersten Mal antworte ich, so leise wie der Wind und doch weiß ich, dass der Engel mich deutlich versteht.
„Ich bin nicht alleine. Du stehst bei mir und redest mir ins Gewissen.“
Ich hatte mir die ländliche Einsamkeit ausgesucht.
Doch selbst diese ist mir nicht vergönnt. Ich hatte den Engel nicht gebeten seit Stunden bei mir zu sein. Ich wollte nichts weiter hören als den Wind, der unaufhaltsam über das Feld flüstert.
„Meine Aufgabe ist es nicht, dir ins Gewissen zu reden. Das tust du selbst.“
Ich schweige.
Meine Lippen sind ungewöhnlich schwer, das Sprechen fällt schwer. Schon das Denken fällt schwer. Die eiskalten Wurzeln sind noch dicker, noch schwerer geworden und drücken meinen Körper noch weiter in den kalten Schnee, scheinen mich in die Erde ziehen zu wollen.
Jetzt, da die Glut beinahe gestorben ist, fühle ich die Kälte. Doch sie ist nicht unangenehm. Es ist eine friedliche Kälte. Die Glut nagt nicht länger an mir und an ihre Stelle tritt der Frieden, den ich vor vielen Jahren verloren habe. Der Nebel lichtet sich. Die Wolkendecke bricht an einer Stelle auf und ein schwacher, hoffnungsvoller Sonnenstrahl zeigt sich zurückhaltungsvoll.
Schließlich ringen sich meine Lippen ein paar Worte ab. „Wieso bist du dann hier?“
„Die Straße nach Hause ist dir versperrt. Du wirst eine andere nehmen und ich werde dich geleiten.“
Der Nebel ist nun verschwunden, der feine Strahl wird breiter und fröhlicher und die Erde fordert den Teil zurück, den sie einst gab. Der mächtige Baum soll weiterwachsen.
Nach langer Zeit spüre ich meine Hände wieder, als die warmen Finger des gesichtslosen Engels meine finden, um mich auf die unbekannte Straße zu führen.
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