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Geschichte: Freie Arbeiten
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von Gingirott
erstellt: 15.03.2010
letztes Update: 07.06.2010
Geschichte, Übernatürlich, Humor / P12
(abgebrochen)
Ich hätte nie gedacht, dass Sterben SO einfach ist. Nicht, dass ich es drauf angelegt hätte, aber jetzt, da es ja ohnehin zu spät ist, kann ich das ganze nüchtern von oben betrachten. Ich bin körperlos und schwebe, wie ein leichter Windhauch in der Luft. Ich fühle mich so leicht und frei wie noch nie. So müssen Federn sich fühlen, wenn sie Gefühle hätten. Ich kann durch meinen Arm hindurch auf die Szenerie unter mir blicken - krass, ich bin transparent. Ich bin genau so, wie Geister im Buche beschrieben werden. Ich hatte nur mit meinem Fahrrad schnell noch was einkaufen gehen wollen und plötzlich - BUMM - hat mich ein roter Audi erwischt und zehn Meter durch die Luft geschleudert. Ich bin unglücklich gelandet, vielleicht hätte ich den Sturz noch überleben können, habe ich aber nicht. Der Baum war im Weg. Naja, Shit happens. Der Fahrer steht völlig unter Schock, geschieht ihm Recht, schließlich hat er mich gerade zu Brei gefahren ... es ist ziemlich dunkel, vielleicht hat er mich nicht gesehen - meine Lichter am Fahrrad haben noch nie funktioniert. Vielleicht ist er ja auch betrunken? Wer weiß, wichtig ist, was am Ende rauskommt. Und ich bin mir sicher, dass ich tot bin. Sonst würde ich das hier nicht so nüchtern betrachten können, stimmt's? Ich wusste ja, dass es irgendwann so weit sein würde, nur schade, dass ich mit gerade 20 sterben musste und dass ich nicht auf spektakulärere Art und Weise den Löffel abgegeben habe. Ich wollte nächsten Monat Bunjee - Jumpen gehen. DAS wäre doch DIE Gelegenheit gewesen. Aber irgendwie ...
... warum bin ich eigentlich noch hier? Müsste nicht schon längst das weiße Licht gekommen sein, das mich in die andere Welt hinüber geleitet, oder irgendein längst verstorbener Verwandter, der mich abholt und mit dem ich mir dann eine schöne Ewigkeit im Jenseits mache?
Ich kann genau sehen, dass der Notarzt mit Blaulicht und Sirene die Straße runterbrettert, irgendwelche neugierigen Nachbarn aus ihren Fenstern schauen und wahrscheinlich genau das Selbe sehen, was ich von hier oben auch sehe. Meinen Körper, über und über mit Blut besudelt, das glaube ich aus einer Platzwunde aus meinem Kopf kommt, meine in komischen Winkeln abgespreizten Gliedmaßen, meine zerrissene Kleidung. Ich bin beinahe schon stolz, weil ich irgendwie doch eine relativ spektakuläre Leiche abgebe. Ein junger Rettungsassistent beugt sich über meinen ziemlich verdrehten und geschundenen Körper, der neben dem Baum liegt, der mir in den Weg gekommen ist und streicht mir die Haare aus dem Gesicht. Eine völlig unnötige Geste - ist der etwa pervers oder sowas? Er fühlt meinen Puls, schüttelt kurz den Kopf und ruft dann nach irgendjemanden namens Rolf. Besagter Rolf kommt mit einem merkwürdigen Gerät in der Hand herbeigelaufen, eilt durch die Dunkelheit und stolpert dabei beinahe - Trottel. Anscheinend hat der es nicht mal drauf das Leben eines einfachen Mädchens zu retten. Ich erkenne das Gerät als Defibrilator - So'n Herzding, wisst ihr? - noch bevor sie die Schockwellen durch meinen Körper jagen, weiß ich, dass es eh schon zu spät ist.
"Hallo ihr Deppen da unten! Ich bin TOT! Mausetot. Kümmert euch lieber um den idiotischen Autofahrer, der hyperventiliert nämlich gerade."
Erstaunlich wie schnell ich mich mit meinem Tod abgefunden habe. Aber was soll ich machen. Kaum habe ich es realisiert, ist mir bewusst geworden, dass ich es nicht ändern kann. Der Tod ist unausweichlich ... und er holt uns alle.
Sie hören mich nicht. Komisch, oder? Wie lustig, selbst als Tote habe ich meinen schrecklich nervtötenden Sarkasmus nicht verloren. Aber wieso auch. Ich bin ja immer noch die Selbe, nur halt ohne Herzschlag.
Plötzlich packt mich so ein merkwürdiges Ziehen, so als hätte mich jemand an den Füßen gepackt und wollte mich wieder auf den Boden der Realität zurückholen. Ich merke schnell, dass das mit dem bescheuerten Defi zusammenhängt, aber das Ziehen ist nicht stark genug. Es zieht zwar an mir und bringt mich wieder ein bisschen näher an meinen Körper, aber es ist nicht stark genug - ich bin stärker, HAHA! Okay, falscher Triumph hier. Vielleicht sollte ich freiwillig wieder zurück gehen? Ich schwebe wieder an meinen Körper heran und schrecke beinahe zurück, als ich genauer erkenne, wie schlimm ich eigentlich wirklich verletzt bin. Ein Würgen weicht aus meiner Kehle und ich wende den Blick schnell ab. Will ich wirklich wieder in diesen schrottigen Körper zurück? Naja, einen Versuch ist es ja vielleicht wert. Ich beuge mich neben dem Rettungsassistenten, der gerade versucht mich wiederzubeleben, vor und berühre einmal kurz meinen gebrochenen Arm. Vielleicht komme ich ja so zurück? Alles was passiert, ist nichts. Ich fasse durch meinen Körper hindurch auf direktem Wege ins Gras rein und spüre nichts.
Im selben Moment schüttelt Rolf den Kopf und schaltet den Defi aus.
"Nichts zu machen. Sie ist tot"
Dann ist es jetzt also offiziell. Ich bin tot.
Die beiden Rettungsassistenten erheben sich und eilen rüber zu dem Autofahrer, der fassungslos auf meine Leiche starrt.
"Tja, Idiot, sieh her, was du angerichtet hast", meine ich bitter, strecke dem Fahrer die Zunge raus und erhebe mich dann wieder. Wobei ich eigentlich nicht richtig saß, sondern nur ein kleines Stück über dem Boden schwebte. Ich strecke mich einmal, höre meine Gelenke knacken - wie geht denn das? Ich bin doch nur Luft, oder? - und sehe mich dann um.
"Na dann ... lass mich mal einen Weg aus dieser Welt hier finden", murmle ich zu mir selbst und mache mich auf den Weg ...
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