Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
«
 
von skat    erstellt: 14.03.2010    letztes Update: 13.04.2010    Geschichte, Drama / P16    (abgebrochen, keine anonymen Reviews)
Das Heft landete vor ihrer Nase und die Stimme ihrer Deutschlehrerin drang an ihr Ohr. „Eine sehr schöne Arbeit, Lisa. Du hast die Argumente der Gegenthese zwar nicht allzu ausführlich beschrieben, aber die Ausführung der These und die klare und übersichtliche Gliederung sind äußerst lobenswert.“ Lisa senkte den Kopf und öffnete ihr Arbeitsheft. Es war ihr peinlich so gelobt zu werden vor allen Mitschülern. Aber das Thema war auch sehr einfach für sie gewesen. „Ist Doping im Profisport ein Problem?“ Klar, dass sie als Tochter eines Fußballprofis da eine Meinung zu hatte und außerdem hatte sie viel über die Dopingskandale im Radsport gelesen. Caro, die neben ihr saß und die Arbeit nicht mitgeschrieben hatte, stupste sie an. „Auf, jetzt zeig schon was für eine Note…“ Bei jedem anderen bekam Lisa auf solche Forderungen hin eine Krise, aber ihre beste Freundin durfte das. Sie blätterte weiter und unter ihrer Arbeit prangte eine rote eins minus. Caro schlug ihr anerkennend auf die Schulter. „Mann, du Glückskind…. Wetten ich schreibe wieder eine vier?“
„Wetten dass nicht? Die ist doch zu faul ne neue Arbeit zu konzipieren, du kriegst bestimmt die gleiche Arbeit wie wir. Also lies dir einfach meine gut durch, dann packst du das schon.“ Sie schob ihr Heft über den Tisch und sah sie auffordernd an.

Mit geschickten Fingern schnitt sie die Paprika in mundgerechte Stücke. Dann warf Franziska die Paprika in den Topf und ließ das Essen noch einen Moment köcheln. Heute Abend hatte sie Nachtdienst. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch ganz schön lange durchhalten musste. Sven kam in die Küche. Ihr Mann stellte seine Trainingstasche auf den Boden und sah sie flüchtig an. „Welche Strecke fährst du heute?“ – „S 8 oder S9, auf jeden Fall wieder den Flughafen.“ Sie gähnte. „Mach nicht so lang heute.“ Er küsste sie sanft und umarmte sie, wie immer wenn er zur Therapie und zum Training musste. „Ich liebe dich, Schatz. Pass auf dich auf.“ Dann nahm er seine Tasche, zog im Eingangsbereich seine dicke Winterjacke mit dem Aufdruck seines Vereins an und setzte die Mütze auf. „Bis dann.“ Er öffnete die Tür, trat hinaus in das Schneegestöber und blickte am Tor noch einmal hinauf zum Anwesen, was er sein eigen nennen konnte. „Auf Wiedersehen“, sagte er leise und sah durch eines der Fenster seine Tochter Louise am Schreibtisch sitzen. „Tschüss, meine Kleine.“

Die Bremsen seines Fahrrads quietschten, als Ben vor dem Tor des heimischen Anwesens bremste. Er wohnte bei seinem deutlich älteren Bruder Sven, da er sich eine eigene Bude nicht leisten konnte. Das er so hart bremsen musste, lag daran, dass Sven gerade gedankenverloren hinauf zum Haus blickte. „Hey, was steckst du so starr hier rum?“
Sven drehte sich erschrocken zu Ben, der eigentlich Benedikt hieß, und er versuchte zu grinsen, was ihm jedoch nicht so recht gelang. „Das Haus ist schön geworden, findest du nicht?“ Ben nickte. „Ja, aber die Renovierung ist doch schon ein halbes Jahr her…“ Dann stockte er. Sein Bruder hatte das manchmal. Er war depressiv, und deshalb in Behandlung. Plötzlich begann er Sachen festzustellen, die schon seit einer gefühlten Ewigkeit so waren. Viel wusste Ben nicht über Depressionen, aber er war für Lisa und Louise eine Art Zweitvater geworden, seit Sven unter Depressionen litt. Ihm fiel das nicht schwer und Sven hatte sich nie darüber beklagt.
„Ich muss zur Therapie und zum Training. Machs gut, Benedikt.“ Er drückte seinen Bruder kurz, dann stieg er in seinen schwarzen A8 und fuhr los. Sein Bruder blieb einen Moment verwirrt stehen und blickte der Limousine hinterher. Benedikt. So nannte ihn schon seit langer Zeit keiner mehr.

Louise legte ihren Stift zur Seite und schlug das Matheheft zu. Endlich fertig mit den Hausaufgaben. Sie stand auf und ging zu ihrem Playmobilzoo, den sie ganz alleine gebaut hatte. Immer wieder baute sie um und spielte trotzdem immer wieder das gleiche. Vater, Mutter, Kind im Zoo. Während sie spielte, kam ihre Mutter Franziska herein und sah sich die Hausaufgaben ihrer kleinen Tochter an. „Louise, was ist denn elf minus eins?“ – „Neun.“ – „Nein… wie viele Spieler sind denn auf dem Feld, wenn der Papa nicht dabei ist?“ – „Zehn.“ Die Mutter schüttelt den Kopf. „Und warum schreibst du das dann nicht richtig dahin?“


____________________

reviews? würde mich freuen.
«
 
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311