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von Serpentarius    erstellt: 10.03.2010    letztes Update: 31.12.2011    Kurzgeschichte, Allgemein / P12    (pausiert)
Ein letztes Mal schritt Weatherby Swann über die beinahe lautlos knirschenden Holzbretter des stolzen Schiffes. Ein gütiges Lächeln zierte seine Lippen, zum ersten Mal seit der Verabschiedung Elizabeths, seiner Tochter.

Am anderen Ende saß eine Person, die einst nicht weniger stolz gewesen war als ihr Schiff.

„Ihr hättet zu Euren Eltern gehen können“, sprach Weatherby in die Windstille. Als Vater wusste er, wie sehr man sich an dem Besuch seines Kindes nach schier endloser Zeit erfreute.

Keine Antwort.

Er trat näher, legte eine Hand auf die Schulter, die plötzlich so kraftlos anmutete. Er wünschte, er würde sich umdrehen und sein Lächeln sehen.

„Ihr seid ein edler Mann, James.“

Schockiert durch eben die Worte, welche er vor langer Zeit aus dem Mund der Frau gehört hatte, die er wohl noch immer unverändert begehrte, wandte er sich tatsächlich um, in der Erwartung des Unmöglichen. Weatherby fühlte sich schuldig, als er in diese starren, matt schimmernden Augen blickte – es war ihm, als ob er soeben das letzte Stückchen Leben jenes Mannes zerstört hatte, den er wie einen Sohn liebte. Trotzdem war er bemüht, sein Lächeln aufrecht zu erhalten.

„Und Ihr wärt ein ebenso guter Schwiegersohn.“

Wenn er bis eben noch durch ihn hindurch geblickt hatte, so trafen die suchenden Augen jetzt erstmals wirklich auf die väterlichen des Gouverneurs, dem er sein Leben verschrieben hatte – in vielerlei Hinsicht. Die Lider senkten sich und er legte die Lippen aufeinander wie ein Junge, der etwas ausdrücklich Verbotenes getan hatte. Auch Weatherby presste den Mund zusammen, um seine Augen nicht von dem feuchten Schmerz zu erlösen, der von innen gegen sie drückte. Er verstand jetzt seine Fehler. Er hatte zwei junge Menschen, denen die Liebe noch etwas ganz Neues gewesen war, eine zu große Verantwortung tragen lassen.

Aus der Ferne hörte er die Glocke der Flying Dutchman. Vorsichtig legte er die andere Hand um den im blauen Marinerock gekleideten Arm. Dieser Blick aus den untröstlichen Augen, der stumme Schrei nach Führung und ein wenig Liebe würde Weatherby in die Schwärze begleiten, daran konnte selbst der Tod nichts ändern. Er wünschte nur, er hätte ihn früher bemerkt.

Die Glocke bat sie.

Es war nur ein Moment. Ein Moment der ungeplanten Aktion und fehlenden Manieren, der erste, seit er den Lieutenant, den Captain und Commodore kannte. Ein kurzer, seltsamer Augenblick, in dem er schlichtweg seine Arme ganz um ihn legte und ihn an sich zog, keinen höflichen Widerwillen akzeptierend, während das grüne Licht die schwarze Meeresoberfläche nach den Verschollenen der vergangenen zehn Jahren abtastete. Und er wusste nicht, ob er letztendlich doch weinte.

„Lass jetzt los, James.“
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