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von kevin22    erstellt: 09.03.2010    letztes Update: 11.04.2010    Geschichte, Abenteuer / P12    (abgebrochen)
Soo und weiter geht's.... (Grüße alle Leser und Schwarzleser)

In Windeseile hatte Rick die Distanz zwischen den Tischen überbrückt und stand nun direkt vor der Nische von dem Unbekannten und Ricks Chef Manson.
„Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?“, fragte Daniels und versuchte möglichst nüchtern zu klingen.
„Wird ja wohl auch Zeit das Sie hier antanzen!“, pöbelte Manson stark angetrunken los, erhob sich und zerrte an Ricks T-Shirt, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
„Eigentlich meinte ich nicht Sie, Chef, sondern Ihren „Geschäftspartner“.“, stellte der Beamte klar und sah sich den Geschäftsmann, der noch am Tisch saß, genauer an.
„Was sagen Sie da?! Ich glaube ich höre nicht recht! Ich bin Ihr Vorgesetzter und nicht die Ratte da!“, brüllte Mason seinem Unterstellten ins Ohr und zog somit wieder den aufmerksamen Blick des Barkeepers auf sich.
„Sir, ich rate Ihnen tunlichst, sich mal ganz schnell wieder zu beruhigen. Sehen Sie, die Sache ist die: wenn Sie nicht bald wieder zur Vernunft kommen, sehe ich mich gezwungen, Maßnahmen gegen Sie zu ergreifen, da ihr „Kontrahent“ hier ja einen ziemlich unschuldigen Eindruck macht und sie somit der einzigste Störenfried hier sind.“, begann Rick seine Erklärung.
„Haben Sie den Verstand verloren? Dafür werde ich Sie feuern!“, schrie Manson zurück – der Alkohol sprach aus ihm und das wusste auch sein Unterstellter:
„Sie haben sich nicht mehr unter Kontrolle, Polizeidirektor Manson! Dies ist die letzte Warnung, beruhigen Sie sich oder ich werde dafür Sorge tragen, dass Sie in einer Ausnüchterungszelle landen!“, drohte ihm Daniels im Flüsterton an.
„Das reicht!“, brüllte Manson und fiddelte bereits mit dem Holster seiner Dienstwaffe, als es nun auch Daniels zu viel wurde.
Er mochte vielleicht angetrunken sein, aber seine Reflexe waren noch voll da. Innerhalb eines Lidschlages drückte er Manson an der Schulter nach hinten, noch während er ihm mit seinem Fuß die Beine wegzog und ihn so zu Fall brachte. Der Polizeidirektor war noch nicht mal richtig aufgeschlagen, als ihn Rick schon an der Schulter packte und ihn auf den Rücken drehte.
„Ich habe endgültig die Schnauze voll von Ihnen, Manson! Von Ihnen, Ihrem blöden Gelaber, Ihrer Sauferei, dem ständigen Rumgepöbel und auch ansonsten bin ich es einfach satt, von jedem hier verarscht zu werden, nur weil er denkt, ich könnte ihm nichts antun!“, entlud Rick seinen Stress im Flüsterton leise ins Ohr seines Vorgesetzten und ließ somit auch seinem persönlichen Unmut freien Lauf.
Mit einem schnellen Handgriff drehte der Cop Manson die Arme auf den Rücken und fixierte sie dort mit ein paar Handschellen.
„Ich hoffe das wird Ihnen eine Lektion sein.“, sagte der Beamte, wahrend er den dicklichen, ächzenden Polizeidirektor wieder auf die Beine zerrte.
Dann wandte er sich an die Kollegen, die auch im Lokal waren, und posaunte los:
„Wer hat Lust sich einen Zuschlag für ’nen Nachteinsatz zu verdienen?“
Auf der Stelle brach das reinste Durcheinander aus: jeder versuchte sich so gut es ging für den Job anzubieten und so den begehrten Zusatzverdienst zu ergattern.
„Moss, komm rüber. Das übernimmst du!“, bestimmte Daniels kurzerhand und drückte Manson zu dem jungen Beamten.
„Sperr ihn in die Ausnüchterungszelle, bis er wieder bei klarem Verstand ist und informiere die oberste Polizeidirektion... sie sollen davon erfahren. Der fette Bastard kann auch mal ’ne Abmahnung kriegen!“, wies Rick eindeutig an.
„Und pass gut auf, dass er dir nicht ausbüchst.“, meinte er dann noch, als er Thomas die Handfesseln, und den daran hängenden Manson, übergab.
„Mach ich, Sir. Sie können sich auf mich verlassen!“, meinte der Auszubildende dienstbeflissen und führte seinen eigentlichen Vorgesetzten ab.

Daniels wartete noch, bis beide raus waren, dann drehte er sich in Richtung Bar und wollte bereits los gehen, als sich dieser merkwürdige Typ, mit dem sich Manson gestritten hatte, zu Wort meldete:
„Hey, vielen Dank. Sie haben mich gerettet. Kann ich Ihnen einen ausgeben?“, lud der Typ ein.
„Ja, warum nicht?“, nahm Rick an und setzte sich zu dem Geschäftsmann, genau auf den Platz, wo zuvor schon Manson gesessen hatte.
Rick wusste nicht genau, ob es ein Geschäftsmann war, aber er sah zumindest so aus: Anzug; hochgegelte, blonde Haare; funkelnde, eisblaue Augen mit einem durchdringenden Blick; gepflegtes Äußeres; deutliche Aussprache und eine Stimme so klar wie Eis.
„Sören Reithofer.“,  stellte sich der Typ vor und reichte Rick die Hand.
Aha, Deutscher.“, dachte sich Rick bloß, sagte aber stattdessen:
„Angenehm, Rick Daniels.“, und schüttelte dem Anzugträger die Hand.
Ohne weitere Worte gestikulierte Sören dem Barmann, zwei Bier klar zu machen, was dieser mit einem Nicken quittierte.
„Sie sind also Rick Daniels, interessant.“, meinte der Mitte Zwanzigjährige. Man sah ihm an, dass er noch in diesem Moment sein Profil über Daniels im Kopf aktualisierte.
In dem Moment traf auch schon der Wirt mit dem bestellten Bier ein:
„Prost die Herren.“
„Danke, die Rechnung von unserem „Helden des Tages“ übernehme ich.“, verkündete Sören edelmütig.
„Also ich muss Sie doch schon sehr bitten, das wäre echt nicht nötig gewesen.“, versuchte Rick dankend abzuwehren, wurde aber sogleich unterbrochen:
„Aber nicht doch... keine falsche Bescheidenheit. Sie werden mich schon noch früh genug in die Hölle wünschen, wenn Sie gehört haben, was ich zu sagen habe.“, meinte Sören und nahm einen Schluck seines kühlen Bieres.
„Was haben Sie mir denn zu sagen?“, fragte Daniels im Plauderton und nahm auch einen Zug aus seinem Glas.
„Sehen Sie, die Sache ist die: ich bin hier extra wegen einer höchst prekären Angelegenheit aus Deutschland angereist. Einer Angelegenheit zwischen meiner Firma und ihrem Chef, oder besser gesagt: zwischen meiner Firma und der gesamten Londoner Polizei.“, leitete der junge Karrieremensch ein.
„Ich fürchte ich verstehe nicht ganz.“, sagte der Beamte und verfluchte sich innerlich, zuvor noch so viel getrunken zu haben.
„Ja, verständlich. Sie sind mit dem Sachverhalt also noch gar nicht vertraut?“, hinterfragte Sören und blickte Daniels tief in die Augen, um herauszufinden, mit welchem Typ Mensch er sich hier überhaupt unterhielt.
„Nein, ich habe keinen Plan was sie meinen.“, gestand der Polizist aufrichtig.
„Also, der Sachverhalt ist folgender: ich bin der Sohn von Norbert Reithofer, dem Vorstandsvorsitzenden der BMW AG, und stehe bereits als sein Nachfolger fest. Als solcher obliegt es mir auch, besondere Aufgaben zu übernehmen... als Reifeprüfung wenn man so will.“, scherzte Sören locker und nippte an seinem Bier, während Rick der Kragen im enger wurde – worauf hatte sich sein Chef jetzt schon wieder eingelassen?
„Eine dieser Aufgaben war die Bearbeitung eines Großauftrages der Londoner Polizei. Nun ist es aber so, dass mich nicht nur meine Abstammung für den Posten als Vorstandsvorsitzenden qualifiziert, sondern das da auch Leistung dahinter steckt, verstehen Sie?“, vergewisserte sich der junge Mann gegenüber dem leicht angetrunkenen Ex-Rennfahrer noch mal sicherheitshalber.

„Ja, versteh schon. Sie wollen mir erzählen, dass Sie nicht nur vermögend sind und aus einem guten Elternhaus stammen, sondern auch ein schlauer Bursche sind und das Sie diese Eigenschaft zum Firmenchef prädestiniert.“, gab Rick noch mal in Kurzform wieder.
„Exakt.“, bestätigte Sören und schnippste dabei kurz mit den Fingern, um Daniels’ Erkenntnis zu untermauern, bevor er fortfuhr:
„Zum Chef des wohl bedeutendsten und innovativsten deutschen Automobilherstellers auf internationaler Ebene, was Technik, Fahrkomfort, Verarbeitung, Entwicklung und Leistung betrifft. Nachhaltigkeit und Langlebigkeit stehen für uns dabei genauso im Vordergrund, wie die Fahrfreude und die Zufriedenheit des Kunden. Sie werden keine andere Marke finden, die jemals unsere Grundwerte so aufrichtig aufgreift und auch in die Tat umsetzt, wie die unsere. Wir sind die Wegbereiter des 21.Jahrhunderts auf automobiler Ebene, eine Art Richtungsweiser für die gesamte Branche. Und das seit nunmehr fast 100Jahren. Uns verarscht man nicht einfach so.“
„Sparen Sie sich Ihre Produktwerbung, ich bin nicht interessiert. Mir ist der Ruf von BMW durchaus bekannt, trotzdem Danke. Was ist nun mit diesem „Großauftrag der Londoner Polizei“ und was meinen Sie mit „uns verarscht man nicht einfach so“?“, kam Daniels zum Thema zurück.
„Oh, Verzeihung. Habe ich mich wieder wie der Verkäufer angehört, der die alteingesessenen Audi- und Mercedesfahrer überzeugen will? – das ist mir überaus peinlich.“, entschuldigte sich der Deutsche knapp, verdrängte dann aber sein hässliches Grinsen schnell wieder:
„Worauf ich jedenfalls hinaus will, ich lasse mich nicht zum Narren halten. Und genau das hat ihr Boss versucht. Es ist mir vollkommen egal, wenn sich eine ganze Nation über mich lustig macht. Ja, mir wäre es sogar vollkommen gleichgültig, wenn mich die ganze Welt belächeln wollte. Aber mit meinem Unternehmen verstehe ich keinen Spaß! Niemand legt sich ungestraft mit BMW an und erst recht nicht einfach so zum Spaß!“, sagte der Karrieremensch jetzt todernst, seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern.
„Kein Problem. Aber nun sagen Sie mir doch endlich mal, worum es hier eigentlich geht?“, verstand Rick immer noch nicht so ganz und wollte, dass dieser „zukünftige Geschäftsleiter“ endlich mal zum Punkt kam und nahm zur Stärkung einen weiteren Hieb seines Bieres.
„Es geht um eine Großbestellung in Millionenhöhe, die ihr Polizeidirektor Manson da aufgegeben hat.“, gab Sören endlich Preis.
„Aja? Interessant, eigentlich sind wir voll und ganz ausgestattet – auf der Höhe der Zeit sozusagen. Was sollte Manson bitteschön dazu veranlasst haben, eine Wagenlieferung im sieben- oder gar achtstelligen Bereich zu ordern?“, hinterfragte Rick abermals.
„Sehen Sie und genau das selbe habe ich mich auch gefragt, als der Auftrag auf meinem Schreibtisch lag. Doch es war alles stimmig. Ich habe die Sache zwar noch mehrmals überprüft und rückgefragt, aber alles schien korrekt zu sein. Nun müssen Sie wissen, wir gehen mit Behörden anders um, als wie mit Privatpersonen – das ist eine ganze andere Vertrauensbasis. Wir liefern wie vorher fest vereinbart hochkarätige Polizeifahrzeuge und die Behörde zahlt im Gegenzug dazu pünktlich und ganz selbstverständlich den abgemachten Preis.“, erklärte der Deutsche weiter und machte dann eine kurze Pause.

„Schön blöd, wenn man als Autohersteller dann tatsächlich blind auf die angebliche „Zahlungsfähigkeit“ der jeweiligen Behörde reinfällt... erst recht bei so hohen Beträgen.“, sprach der Blondhaarige leicht verbittert weiter und trank einen kurzen Schluck.
„Oh, na das hätte ich Ihnen aber schon vorher sagen können, dass unser Etat bis auf weiteres für dieses und die kommenden fünfzehn Jahre restlos aufgebraucht ist, was den automobilen Sektor anbelangt. Wir könnten uns jetzt nicht mal einen außerplanmäßigen Ölwechsel leisten, der nicht im Wartungsvertrag drin steht. Anders ist es, wenn bei einer Verfolgung was zu Bruch geht – das würden wir ersetzt kriegen.“, erklärte Rick leicht amüsiert die derzeitige Finanzlage der Londoner Polizei.
Es war ihm ein Rätsel, dass gerade so ein großer „Betrieb“ wie BMW keinen Überblick darüber hatte, was sich ein Staat, oder besser noch gesagt eine Behörde, denn nun wirklich leisten konnte und was nicht.
„Tja, als „Außenstehender“ haben wir leider keinen Einblick in solche Dinge und, ob Sie es nun glauben oder nicht, dass brauchten wir bis jetzt auch nicht.“, sprach der Junior-Chef der bayrischen Motorenwerke weiter.
„Sprich Manson hat bestellt, Sie haben die Bestellung abgearbeitet und wollten gerade liefern, als Sie dann erst erkannten, dass Manson gar nicht zahlen konnte?“, rekapitulierte Daniels.
„Um Gottes Willen, das wäre ja eine Katastrophe gewesen, wenn wir die ganzen Einsatzfahrzeuge schon gefertigt hätten! Nein nein, es war viel mehr so, dass Polizeidirektor Manson die Bestellung mit dem Vorwand aufgab, die alten Vauxhall Omegas, Vectras und sogar die halbneuen Astras abschaffen zu wollen. Zusätzlich sollten auch die ältern Volvos ersetzt werden. Ein durchaus willkommenes Unterfangen in der jetzigen Wirtschaftskrise für einen Konzern wie dem unseren.“, verdeutlichte der Deutsche und fuhr dann mit seiner Geschichte fort:
„Dementsprechend groß fiel natürlich auch die Bestellung aus... weit über 300Fahrzeuge in allen Klassen: Limousinen, Kombis, City-Flitzer, Geländewagen, Motorräder... das ganze Programm. Es waren sogar fünf 6er Coupés dabei... mit Topmotorisierung.“
300 Polizeifahrzeuge?“, fragte Rick völlig verstört dazwischen – das musste er noch einmal hören, sonst würde er es nicht glauben.
„Aber ja. Um genau zu sein 336 Fahrzeuge sogar. Alles komplett auf den Behördendienst umgerüstete und fabrikneue Modelle – mit großem Service- und Wartungsvertrag. Die Anzahlung war bereits beschlossene Sache und alle Beteiligten rechneten fest damit, dass das Geschäft so auch über die Bühne laufen würde.“, erzählte Reithofer Junior weiter.
„Und dann hat Manson den Rückzieher gemacht.“, vermutete der Polizist und traf genau ins Schwarze:
„Rückzieher beschreibt es nicht mal annährend!“, beklagte sich Sören und suchte kurz nach einer besseren Umschreibung.

Als ihm aber nach einer Weile auch nichts besseres einfiel, berichtete er weiter:
„Ihr Boss hat uns richtig schön auflaufen lassen! Am Tag der Zahlung kam nur ein Fax mit dem Inhalt: der Preis wäre entschieden zu hoch; man wolle vom Vertrag zurücktreten.“
„Ja und? Wo ist das Problem?“, begriff der Beamte nicht.
„Das Problem ist, dass der Vertrag bereits unter Dach und Fach war.“, begründete der zukünftige Vorstandsvorsitzende.
„Und da gibt es keine Klausel, die den Rücktritt vom Vertrag in Notsituationen ermöglicht?“, fragte Daniels nach, weil er das Problem bereits erahnte – sie sollten und mussten nun sogar zahlen, wenn die Geschichte so stimmte, wie sie der Typ eben erzählt hatte.
„Natürlich gibt es so eine Klausel, aber die setzt gegenseitige Einverständnisnahme voraus. Und nach alledem, was sich dieser Manson noch alles so angemaßt hat, war diese Einverständnisnahme nicht gegeben.“, schnitt Sören nur knapp an und wollte eigentlich gar nicht näher auf den Teil der Geschichte eingehen, bis Rick dann trotzdem fragte:
„Manson ist bei Ihnen ausgerastet?“
„Das könnte man so sagen. Er behauptete, wir wären nicht mal annährend im Stande, „echte“ Autos, die zum Polizeidienst taugen, zu bauen und fuhr mit einer ganzen Reihe von diffamierenden Behauptungen über unsere Firma fort. Er beleidigte sogar ernsthaft unser Image!“, drückte der Bayer den Sachverhalt jetzt etwas expliziter aus, aber Daniels war das immer noch nicht genau genug:
„Ich kenne Manson nun schon lange genug, um zu wissen, dass er gerne mal einen kleinen Aufstand anzettelt oder auch mal mit Schlamm um sich wirft, allerdings kenne ich ihn auch gut genug, um zu wissen, dass er niemals völlig grundlos austickt. Also, was war bei Ihnen der Anlass für seinen Ausraster?“
„Sie müssen wissen, dass wir es für gewöhnlich nicht nötig haben, jemanden unbedingt eines unserer Automobile aufzuschwatzen. Genauso wie wir es nicht für nötig erachten, jedem Kauf-Interessenten jahrelang hinterher zuhechten, bis seine Kauf-Entscheidung feststeht. Wenn jemand, der total verarmt ist, unbedingt einen 5er GT haben will, heißt das noch lange nicht, dass wir die 50Cent von demjenigen auch wirklich nötig haben und nur für ihn einen Extra-Leasing-Vertrag ausarbeiten. Verstehen Sie? Die Kundschaft entscheidet sich für eines unserer Modelle – fein... aber das heißt noch lange nicht, dass Sie es auch von uns bekommt.“, versuchte Sören zu erklären.
„Versteh schon... Sie befinden sich in der glücklichen Lage, sich Ihre Käufer aussuchen zu können und nicht auf jeden Pimperling angewiesen sein zu müssen.“, vollzog der Cop nach.
„Genau.“, rief der Deutsche, begeistert über die schnelle Auffassungsgabe des Ex-Rennfahrers, aus.

„Und an der Stelle haben Sie dann schätzungsweise mit Ihrer Regel gebrochen und haben Manson angebettelt, den Vertrag bestehen zu lassen.“, vermutete der Brite weiterhin.
„Nun, das ist... komplex.“, erwiderte der bayrische Geschäftsmann nur grob.
„Inwiefern?“, wollte Daniels wissen und bekam nach einiger Bedenkzeit die Antwort:
„Tja, es ist ein Leichtes, einen Kunden abzuwickeln, der sowieso nie die Mittel für eines unserer Fahrzeuge aufbringen könnte. Und selbst wenn, es handelt sich dann nur um ein einziges Fahrzeug, dass uns durch die Rippen gegangen ist. Aber ein Großauftrag, in der Größenordnung wie ihn Manson erteilt hat, kommt nur alle 30Jahre... höchstens. Wie ich Eingangs schon erwähnt hatte, handelt es sich dabei um ein Geschäft, das man sich zu Zeiten der Wirtschaftskrise nicht entgehen lassen kann.“
„Also haben Sie versucht, Manson die Sache wieder schmackhaft zu machen und irgendwann ist er ausgerastet.“, kombinierte Rick.
„Ja, so in etwa... das war’s dann jedenfalls mit der „gegenseitigen Einverständnisnahme“ zur Vertrags-Annullierung. Dumm gelaufen.“, schloss Reithofer Junior ab und kippte sich den letzten Schluck seines Bieres hinter.
„Kann man wohl so sagen. Und Sie sind jetzt hier, um das „Einverständnis“ wiederherzustellen?“, erkundigte sich Rick und trank auch sein Bier aus.
„So war es zumindest angedacht, aber das ist ja jetzt ordentlich schief gegangen. Sehen Sie: es macht immer einen Haufen Dreck und Arbeit so einen Vertrag per Gericht annullieren zu lassen.“, begründete der Blondhaarige.
„Das glaube ich gern. So eine juristische Schlammschlacht ist bestimmt keine feine Sache für einen so großen Konzern, wie den Ihrigen.“, konnte Daniels gut verstehen.
„Darum geht es doch gar nicht.“, sagte Sören schließlich seufzend.
„Worum denn sonst?“, fragte der Cop und bekam, sogleich die Antwort:
„Das Problem ist, dass beide Seiten vertraglich gebunden sind. Ihre Londoner Polizei muss zahlen und wir müssen liefern. Tja und da liegt die Katze begraben, wie man so schön sagt.“
„Oh, jetzt dämmert’s mir... wir können nicht zahlen, weil wir keine Gelder mehr zur Verfügung haben, und in Folge dessen können Sie nichts produzieren, weil Ihnen unser Geld fehlt.“, hatte der Polizist die plötzliche Erkenntnis.
„Korrekt – so sieht’s aus. Ihr habt keine Knete und wir ruinieren uns an euch, wenn wir trotzdem versuchen würden zu liefern.“, vollendete Sören.
„Aber das ist doch Bullshit! Keiner der beiden Vertragspartner könnte auch nur den geringsten Vorteil für sich aus dieser Angelegenheit ziehen. Und wenn beide Parteien sich einig sind, dass so ein Abkommen mehr Schaden als Nutzen macht, sollte man es verwerfen.“, schlug Rick vor.
„So leicht ist das nicht.“, gab Reithofer zurück.
„Warum? Haben Sie den Vertrag mit? Wenn ja dann gehen wir jetzt raus und besorgen uns irgendwoher eine Tüte Tabak. Den Tabak wickeln wir gleichmäßig in den Vertrag ein und rauchen ihn dann ganz entspannt auf. Na, was sagen Sie?“, schlug der jetzt noch stärker angetrunkene Rick vor.
„Ich wünschte es wäre so einfach – da macht das Kartellamt nicht mit. Wenn das rauskommt, sind wir noch mehr am Arsch, als wenn wir versuchen würden, den Vertrag wenigstens halbwegs zu erfüllen.“, erwiderte der Deutsche einfach nur und dann legte sich Totenstille zwischen die beiden.

„Es gibt jetzt nur noch einen Ausweg.“, sagte der junge, bayrische Geschäftsmann dann nach einiger Zeit.
„Welchen?“, wollte der Schotte wissen.
„Einen Wettstreit. Das ganze rührt noch von frühsten Urzeiten her und wurde seitdem noch nicht entfernt.“, erklärte Sören und stieß Daniels somit auf die nächste Frage:
„Welche Art Wettstreit und was soll das bringen?“
„Nun, es ist recht simpel. Da ihr Chef uns ja unterstellt hat, wir würden schlechtere Polizeiautos bauen als die Britin, wird sich darauf auch der Wettstreit beziehen. Eigentlich müssten wir Manson dankbar sein, dass er so die Kontrolle verloren hat, sonst wäre die Option mit dem Duell nicht drin gewesen.“, sprach der Blondhaarige weiter.
„Duell? Etwa wie im Mittelalter?“, fragte Daniels verdutzt und bekam prompt die Antwort:
„So in etwa... wie gesagt da rührt die ganze Geschichte noch her. Aber wir werden die Sache keinesfalls unter den „Hauptverursachen“ austragen lassen. Ich meine es würde doch zu keinem Ergebnis führen, meinen gebrechlichen Vater und ihren korpulenten Boss jeweils in einen Rennwagen zu setzen und dann noch zu erwarten, dass einer von beiden auch nur eine Runde überlebt.“
„Da haben Sie wohl recht. Und wie dachten Sie sich das ganze?“, fragte der Cop interessiert nach.
„Ich dachte mir, wir lassen einfach ein paar ebenbürtige Fahrer gegeneinander antreten, weil es ja darum geht, wer die besseren Polizeiautos baut und nicht darum, wer die besseren Fahrer hat. Wenn Sie also als mehrfacher Weltmeister für die Londoner fahren würden, müsste ich einen unserer besten Werksfahrer ins Rennen schicken – so einfach ist das.“, erklärte Sören anschaulich.

„Versteh schon und was dann? Was wenn wir gewinnen und ihr verliert, oder auch andersrum?“, wollte Daniels nach einer kurzen Zeit dann wissen.
„Wenn euer Verein gewinnt, ist der Vertrag hinfällig und euer Gesicht ist gewahrt. Wenn ihr aber verliert und wir gewinnen, werdet ihr jeden einzelnen Penny abzahlen, der im Vertrag steht, und wenn ihr daran zu Grunde geht...“, formulierte der Bayer die Wettkampfbestimmungen.
„Darauf läuft es hinaus? Gewinnt oder geht unter? Ich denke wenn wir nicht zahlen können, dann könnt ihr auch nichts produzieren und werdet somit auch in Mitleidenschaft gezogen?“, fragte Rick von den plötzlich verhärteten Fronten überrascht.
„Genau darauf läuft es hinaus. Von den paar Pfund, die ihr noch in der Kasse habt, werden wir zum Schein ’nen 1er bauen.“, spottete Sören.
„Ja, ist klar. Und wie läuft das genau?“, wollte der Cop jetzt wissen.
„Wir treffen uns in, sagen wir vier Tagen. Genau, in vier Tagen um Punkt dreizehn Uhr. Ich werde euch sogar entgegenkommen: wir machen das ganze auf eurer Teststrecke aus!“, legte der zukünftige CEO fest.
„Ok, ist gebongt. Wenn wir dafür dann aus dem Knebelvertrag kommen...“, ging Daniels missmutig auf die Sache ein.
„Oh, der Gewinner wird sich sicherlich auch im Glanze der Öffentlichkeit präsentieren können. Solche Aktionen sind immer äußerst werbewirksam.“, erklärte der Bayer.
„Ja, klar. Also, bringen Sie irgendeinen BMW auf den Test-Track und ich komme mit einem Wagen aus unserem Arsenal?“, hinterfragte Rick nochmals sicherheitshalber.
„Nein, nicht irgendeinem Wagen... einem britischen. Das die Italiener Autos bauen können, die schneller sind als unsere weiß ich, jetzt sollt ihr es aber zeigen.“, stellte Sören klar.
„Also nur was Britisches?“, fragte der Beamte.
„Genau. Ihr könnt euch auch selber was bauen. Voraussetzung ist aber, dass alle beteiligten Firmen britisch sind, alle Teile von hier kommen und auch der Motor zumindest in den UK überarbeitet wurde... einen Chevy Bigblock können wir immerhin auch in Amerika abziehen, also passt gut auf, was ihr macht! Wir werden euch auch einen „Spion“ schicken, der aufpasst, dass ihr euch an die Wettkampfbestimmungen haltet. Ach ja, und versucht bloß nicht mit diesem neuen Kit-Car, diesem „Barabus“, anzutreten! An dem haben die Britin jetzt 15Jahre rumgebastelt, dass er 400km/h schafft, diese Entwicklungsphase zählt nicht und wäre unfair uns gegenüber. Ach ja, das geht ja eh nicht, weil da ist ja auch ein amerikanischer Blubber-Motor drin – damit ist das wohl hinfällig.“, kündigte der Blondhaarige an.
„Ja, klar doch... Ist uns wenigstens die Karosserie freigestellt?“, wollte Rick abschließend wissen.
„Aber sicher doch, wir sind doch keine Unmenschen... Hey, wissen Sie was? Ich erlaube Ihnen ganz genau ein Unternehmen, das nicht britisch ist... zum Ausgleich für Barabus. Aber keine deutsche Firma und auch keine Itaker oder so... was kleines halt.“, sagte der Deutsche zum Schluss und Rick bestätigte nur kurz:
„Abgemacht. Wir sehen uns dann Montag um dreizehn Uhr?“
„Vollkommen korrekt.“, schloss Sören ab und schlug mit Rick ein – der Wettstreit hatte begonnen und hatte von nun an volle Gültigkeit.
Reithofer Junior stand bereits auf, als er dann noch sagte:
„Warum wechseln Sie nicht schnell noch die Seiten? Einen guten Fahrer wie Sie könnten wir sicherlich gut gebrauchen in unserem Team.“
„Tut mir leid, aber ich habe meine Bestimmung in der Londoner Polizei gefunden. Glauben Sie mir, als ich meine Rennfahrerkarriere beendet habe, hat man sich förmlich nach mir zerrissen... auch Ihre „Firma“. Aber das beste Angebot kam von London und das wird es für mich auch immer bleiben – das beste Angebot.“, erklärte Rick stolz.
„Ja, schade. Jemanden mit Ihrer Loyalität findet man heut zu Tage schwer... da beglückwünsche ich doch Ihren Chef. Tja dann, viel Glück! Wir sehen uns in vier Tagen – nicht vergessen.“, damit verschwand der Deutsche und ließ Rick alleine am Tisch sitzen.

„Scheiße.“, sagte er leise nach einer Weile zu sich selbst. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Wenn er diesen irrsinnigen Wettstreit nicht gewann, wäre die gesamte Londoner Polizei pleite, am Ende, finito. Aber es gab keinen anderen Weg...
Manson, dafür kille ich dich irgendwann.“, dachte sich der Polizist dann.
Er hätte seinen Vorgesetzten dafür erschlagen können, so einen Scheiß verzapft zu haben. Am besten war aber immer noch, dass Rick diesen Müll jetzt auch noch selber ausbaden durfte, obwohl er eigentlich gar nichts damit zu tun hatte – ganz große klasse.
Egal, nichts wie nach Hause. Morgen kann ein langer Tag werden... ich muss immerhin noch ein komplettes Team organisieren, an einen Rennwagen rankommen und mich für das Rennen in vier Tagen fit machen.“, dachte er sich dann.
Doch dann erinnerte er sich ganz plötzlich wieder daran, dass es zu Hause ja auch noch so einige Probleme gab:
Jenna du Miststück, bete lieber, dass du verschwunden bist, wenn ich wieder komme! Sonst gibt es heute echt noch Tote!“, kam es Daniels so in den Gedanken, als er sich an seine fremdgehende Frau erinnerte, die er erst vorhin erwischt hatte.
Halt mal. Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich auch nicht in die Bar gekommen, um mich volllaufen zu lassen, dann hätte ich niemals den Streit zwischen Manson und diesem BMW-Fatzke mitbekommen... dann bräuchte ich jetzt auch nicht dieses Scheiß-Rennen fahren. Na Klasse: du kleine Schlampe bist an echt allem schuld.“, halluzinierte der Alkohol im Kopf des Beamten weiter, obwohl er auch so „rangemusst“ hätte, wenn er heute Abend nicht hier gewesen wäre.
Trotz alledem hätte er jetzt nur halb so viele Probleme gehabt, wenn er seine Frau schon früher verlassen hätte. Doch er liebte sie... er liebte sie auch jetzt, nach allem was war, immer noch. Sein Unterbewusstsein hatte es stets verdrängt, wie sie sein hart verdientes Geld zum Fenster rauswarf. Immer verschloss er die Augen vor Dingen, die selbst ein Blinder sah. Wie sie sich mit „Freunden“ traf, erst spät Abends mit fadenscheinigen Ausreden nach Hause kam und wie ein Skandal den nächsten jagte. Sie brauchte ihn schon lange nicht mehr... nur noch sein Geld und seinen guten Ruf. Es war schon lange aus, nur er wollte das nie wahr haben. Vorbei... es gab jetzt kein zurück mehr. Das musste Rick jetzt halt wohl mal durchstehen und das nahm er sich auch ganz fest vor: einen Schlussstrich ziehen, ein für alle mal. Er wünschte sich, er könnte noch was ändern, aber es ging nicht mehr... zu spät – wie so oft im Leben. Was geschehen war, war geschehen und ließ sich auch nicht wieder rückgängig machen. Nichts auf der Welt würde das jemals wieder gerade rücken können... für Daniels blieb nur noch die Flucht nach vorne.
Und so stand er auf und machte sich auf den Heimweg, um dort noch den trostlosen Erinnerungen, vergangener, fröhlicherer Tage nachzuhängen.

to be continued…

Bis hierhin, weiter geht es vermutlich in ein - zwei Wochen, bis dahin noch viel Spaß,
kevin22
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