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von Efraimstochter    erstellt: 08.03.2010    letztes Update: 02.04.2010    Geschichte, Romanze / P16    (fertiggestellt)
Verlieben für Anfänger 2

Severus nahm gerade voller Vorfreude die letzte Abzweigung zu seinen Räumlichkeiten, als er wie vom Blitz getroffen stehen blieb.

Verdammt, das hatte er völlig vergessen! Er schlug sich mit der flachen Hand gegen seine Stirn!

Heute war ja die nachträgliche Geburtstagsfeier des Pottersohnes James und seine Töchter würden ihren alten Vater überhaupt nicht sehnsüchtig erwarten, sondern sich mit Kesselkuchen, Siruptorte und sonstigen Leckereien aus der Küche von Molly und Ginny Weasley vollstopfen, bevor sie dort hundemüde und mit vollen Bäuchen alle übereinander in einem Bett liegend, einschlafen würden. Kinderorgie sozusagen! Mist!

Deutlich langsamer und mit entschieden weniger Vorfreude legte er auch die letzten Meter zurück und betrat seine privaten Räume. Dort hängte er seine Robe unbedacht an die verwaiste Gardarobe und entfachte seufzend den kalten Kamin. Voller Selbstmitleid schaute er sich im leeren Raum um, er hatte sich wirklich auf Eileens Buch gefreut.

Nun ja, er straffte seinen Rücken. In ca. einer Stunde würde seine Frau zurückkommen, dann ständen wenigstens die anderen Optionen des Abends noch zur Debatte. Das Grinsen kam zurück und er rieb sich die Hände. Orgien konnten nicht nur Kinder feiern!

Derweil würde er es sich schon mal auf der Couch bequem machen. Ein gutes Glas Wein und etwas Purcell oder Elgar würden das Warten erträglicher machen.

Damals, am 2. Januar 2002 hatte er seine neue Meisterschülerin nicht so freudig erwartet. Ein sehr slytherinsches Grinsen trat auf sein Gesicht. Ganz im Gegenteil!

Die ersten Wochen und Monate in ihrer Lehrzeit waren mit Sicherheit weder die einfachsten, noch die leichtesten oder die angenehmsten im Leben der Hermine Granger gewesen.

Nein, ganz gewiss nicht, und das war allein sein Verdienst gewesen, denn er hatte mit großer Akribie dafür Sorge getragen, ihr das Leben so schwer wie irgend möglich zu machen. Denn dann, so sein schlauer Plan, würde sie vielleicht doch bald – besser heute als morgen – aufgeben und ihn endlich wieder in Ruhe lassen!

Seine Vorgehensweise dabei war wenig subtil. Warum auch, sie hatte diesen Job unbedingt gewollt, nicht er!

Es begann damit, dass er an ihrem ersten Tag einfach nicht da war. Anstatt seine neue Meisterschülerin zu begrüßen, hatte er einige sehr amüsante Stunden in der Winkelgasse und später am Abend auch in der verschwiegenen Nebenstraße der Nokturngasse verbracht. Die Damen dort waren willig, das Butterbier billig und vor allem kümmerte sich keiner um ihn.

Während er sich mit einer Frau, deren Namen ihn nicht interessiert hatte, eingehender beschäftigte, malte er sich in lebhaften Farben aus, wie diese impertinente Person, die er jetzt zwei volle Jahre am Hals hatte, umsonst klopfend in den kalten, klammen Kerkergängen herumstand und am Ende müde und frustriert auf ihren Koffer sackte. Sie würde vielleicht sogar einen kleinen Heulkrampf bekommen und sich einen Schnupften holen!
Wie wunderbar!

Netterweise kam hinzu, dass er davon gehört hatte, dass sich Minerva McGonagall ebenfalls außer Haus befinden würde. Sonst hätte er sich sein Fernbleiben auch nicht erlauben können.

Erst spät in der Nacht machte er sich auf den Heimweg und war schon etwas enttäuscht, als er Miss Granger weder auf dem Gang vor seiner Türe, noch sonst irgendwo entdecken konnte. Nun, vielleicht war ihr inzwischen aufgegangen, wie hirnverbrannt ihre Idee gewesen war.

Nun, um es sogleich zu sagen, das war natürlich nicht der Fall, wäre ja auch zu schön gewesen.

Vielmehr wurde er am nächsten Morgen durch ein unerträglich frohes „Guten Morgen, Sir!“ aus den beschaulichen Betrachtungen seines Frühstücktoasts gerissen. Er versuchte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen zu ignorieren, was ebenfalls misslang, denn sie ließ sich gut gelaunt neben ihn auf den Stuhl gleiten.

„Da Sie gestern verhindert waren, nehme ich an, dass Sie heute etwas Zeit für mich erübrigen können, Professor, ich habe da nämlich noch das ein oder andere mit Ihnen abzustimmen“, plauderte sie munter drauf los, nachdem sie sich Tee eingeschenkt und nach einem Toast gegriffen hatte.

Sein bedrohliches Knurren schien ihr Antwort genug zu sein, denn sie fuhr heiter fort: „Professor Flytwick war so freundlich mir eine Unterkunft zu organisieren“, sie biss herzhaft in ihr Brot, „Er ist wirklich ein sehr begabter Zauberkunstmeister, die Räume sind toll!“, ein freches Glitzern trat in ihre Augen, „sie liegen übrigens genau neben Ihren, Sir, mit direktem Zugang zu Ihrem Büro und Labor. Praktisch, nicht wahr?“

Sie schien es tatsächlich zu genießen ihn zu provozieren, unglaublich! Er würde sich wohl mehr anstrengen müssen sie zu vergraulen, aber als Erstes würde er Filius den kurzen Hals umdrehen.

Und wie er sich angestrengt hatte! Ha!

Seine Strategie war so einfach, wie wirkungsvoll gewesen. Er hatte sie neben ihren Aufgaben an und für die Uni so mit Aufträgen und Anforderungen zugeschüttet, dass sie regelmäßig über ihre Arbeit am Schreibtisch oder zweimal auch stehend am Labortisch einschlief. Er machte sich jedes Mal die Freude sie mehr als unsanft zu wecken und es dabei natürlich nicht zu versäumen, immer wieder ihre Eignung als Tränkemeister grundsätzlich in Frage zu stellen.

Sie war zudem nicht an die viele körperliche Arbeit gewöhnt, die er kreativer Weise immer wieder für sie fand. Große Kessel ließ er sie ohne Magie schleppen, Zutaten mussten natürlich auch bei meterhohem Schnee aus dem verbotenen Wald geholt werden und selbstverständlich durften schwere Bücherstapel unter keinen Umständen schwerelos gezaubert oder geschrumpft werden.

Er musste grinsen, als ihm wieder einfiel, dass er es in ihrer zweiten Woche für unabdingbar gehalten hatte, den Schrumpftrank von ihr per Hand 5 Stunden lang ohne Unterbrechung umrühren zu lassen. Klar, dass für evtl. Pausen keine Zeit blieb, lediglich für ihre Notdurft war er großmütiger Weise dazu bereit, für sie einzuspringen. Der Muskelkater am nächsten Tag war herrlich gewesen. Leider hatte Poppy viel zu schnell für Linderung gesorgt.

Nur zu gerne hätte er sie mit solchen Aktionen weiter gefordert, denn sie zeigten erste Wirkung: Sie war zu müde für blödsinnige Scherze, fröhliche Konversation und vorlaute Bemerkungen, schlief regelmäßig übers Essen ein, wenn sie sich überhaupt mal die Zeit zum Essen nahm und die dunklen Ringe unter ihren gereizten Augen würden sie sicherlich bald einsehen lassen, dass es eine vollkommen dämliche Idee gewesen war, bei ihm die Meisterlehrzeit zu absolvieren.

Aber natürlich gab diese elende, sture Besserwisserin nicht auf. Ganz im Gegenteil, sie hatte ihm vielmehr den Zauberstab an den Hals gehalten, jedenfalls im übertragenen Sinne.

Es war irgendwann Mitte März gewesen, nach einigen sehr vergnüglichen Wochen mit ihr, als sie ihn um ein Gespräch bat. Innerlich rieb er sich schon die Hände.

Er ließ sie, wie immer, vor seinem Schreibtisch stehen, ohne ihr einen Platz anzubieten, als er sich voller Vorfreude schwungvoll in seinen Stuhl setzte und sie unschuldig fragend anschaute.

Sie räusperte sich und fuhr sich etwas fahrig durch ihr ziemlich wildes Haar. Zum Kämmen hatte es offensichtlich heute Morgen nicht gereicht.

„Es ist so, Professor“, sie schloss einen Augenblick die geröteten Augen, „machen wir uns nichts vor, Sie wissen, dass ich nicht aufgeben werde und ich weiß, dass Sie nicht aufgeben werden.“ Sie verlagerte ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. „Daher möchte ich Sie nun über meine weiteren Schritte in Kenntnis setzen.“

„Wie überaus freundlich von Ihnen, Miss Granger!“ säuselte er, ihre vermeintliche Niederlage bereits im Vorfeld genießend.

„Ich will nur fair sein, damit Sie nachher nicht behaupten, davon nichts gewusst zu haben, Sir!“ Sie kramte in ihrer Tasche, zog ein kleines Fläschchen heraus, in der sich eine rosafarbene Flüssigkeit befand und stellte es vor sich auf seinen Schreibtisch.

„Was ist das?“, wollte er wissen und zog die Augenbrauen zusammen.

Sie hielt seinem Blick stand, allein ihr schneller, flacher Atem zeigte ihre innerliche Anspannung.

„Mein Körper hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass er mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht braucht um sich zu regenerieren. Wenn ich sie ihm gebe, schaffe ich aber die mir von der Uni und Ihnen gestellten Aufgaben nicht.“

„Sehr tragisch, wirklich!“, gleich kamen ihm die Tränen. Oder auch nicht!

Ohne auf seinen Kommentar zu achten, sprach sie ruhig weiter: „Ich komme aus diesem Dilemma nur heraus, wenn ich die Regeneration beschleunige.“ Sie schluckte und schaute dann auf das kleine Fläschchen, „darum habe ich gestern, an meinem freien Tag, einen Trank gebraut, der dies erledigt.“

„Was soll das für ein Trank sein?“, fragte er gelangweilt und versuchte gekonnt seine Allarmiertheit zu verbergen. Es gab nur wenige Tränke die diese Wirkung erzeugen konnten und alle waren sie schwarzmagisch und brandgefährlich!

„Sie kennen ihn vielleicht, er heißt Sempervitalis.“ Jetzt schaute sie ihm wieder direkt in seine schwarzen Augen und reckte das Kinn trotzig vor.

Seine Hände verkrampften sich um die Stuhllehne und er merkte deutlich, wie wilder Zorn in ihm hervorwirbelte. Da hatte sich diese kleine Wahnsinnige natürlich den potentesten von allen herausgefischt und natürlich auch den mit den schlimmsten Konsequenzen.

„Ihnen ist aber schon klar, Miss Granger“, zischte er, „dass dieser Trank üble Nebenwirkungen hat, wovon Haarausfall noch das Harmloseste ist?“

Sie seufzte leise. „Natürlich Sir, ich habe vorher gründlich recherchiert.“

„Natürlich haben Sie das!“, ätze er, was für eine Neuigkeit! „Dann wissen Sie doch auch, dass dieser Trank jede erschlichene Stunde in Tagen, Wochen und Jahren zurück fordert. Sie werden am Krückstock gehen und eine zahnlose Hexe sein, bevor sie Ihren Abschluss gemacht haben!“ Sie war doch total verrückt.

„Ich habe es durchgerechnet, Sir. Es müsste möglich sein, die wöchentliche Einnahme auf 2 Flaschen zu beschränken. In den Sommerferien und nach meinem freien Tag brauche ich ihn nicht. Alles zusammen würde es 10 Jahre kosten.“  

10 Jahre? Sie war allen Ernstes bereit, 10 Jahre ihres Lebens für diese Lehrzeit zu opfern.
Nur mit größter Mühe und Selbstbeherrschung, hielt er sich davon ab, ihr Gewalt anzutun.

„Sie starrköpfige, fanatische Irre!“, zischte er fast unhörbar, weil er seine Kiefernknochen so fest aufeinander presste.

„Wie bitte?“, hatte sie auch noch die Frechheit zu fragen. In ihm schlug ein Schalter um. Mit ungebremster Wut schlug er mit der flachen Hand auf die Schreibtischplatte. Sie zuckte erschrocken zurück.
 
„Und was jetzt?“, brüllte er, so gerne würde er sie jetzt schütteln, „Warum kommen Sie dann her, wenn Sie alles so gut recherchiert haben? Warum haben Sie die Stirn sich hier her zu stellen und mir höflich mitzuteilen, was Sie demnächst beabsichtigen?“ Er war aufgesprungen und kam langsam bedrohlich auf sie zu, „Warum, Miss Oberschlau, tun Sie es nicht einfach? Soll ich jetzt etwa klein bei geben, mich um Sie sorgen und das kleine, dumme Mädchen früher zu Bett schicken?“

„Nein, Sir“, sie wich nicht zurück.

„Ach nein, und was dann?“, nur wenige Zentimeter vor ihr blieb er stehen und seine Emotionen verzerrten seine Gesichtszüge.

„Ich werde nicht aufgeben! Ich wollte nur, dass Sie es wissen!“, ihre Stimme zitterte und er sah deutlich das Flackern in ihren Augen.

„Gut!“, er schaute sie eine Weile angewidert an, „Ich weiß es jetzt, sie können gehen!“

Sie griff mit zittriger Hand nach dem Fläschchen und steckte es in die Tasche zurück.

„Sie lassen mir keine Wahl, Professor“, murmelte sie, als sie sich umdrehte um den Raum zu verlassen.

„Irrtum, Miss Granger!“, spi er ihr hinterher, „Man hat immer eine Wahl!“

An diesem Abend verwüstete er sein Büro zum ersten Mal.
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