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von Swansong
erstellt: 08.03.2010
letztes Update: 03.01.2011
Geschichte, Abenteuer / P6
(abgebrochen)
Der Hutmacher stemmte seinen Kopf traurig auf seine Handfläche und starrte in die Luft. Seine sonst so strahlend grünen Augen waren vor lauter Depressionen ein mattes dunkelgrün.
Um ihn herum auf dem Tisch standen sehr viele Hüte in verschiedenen Größen und Formen, doch sie alle hatten die selbe Farbe: weiß. Und sie alle waren unfertig oder schlampig fabriziert, was sehr ungewöhnlich für die Arbeiten des Hutmachers war. Lose Fäden hingen an den Krempen hinab, teilweise fielen sie wegen schlampiger Naht auseinander, waren schief geschnitten und genäht und schienen entweder viel zu groß oder viel zu klein für den Kopf eines Menschen zu sein. Die Stimmung des Hutmachers spiegelte sich in den Hüten wieder. Sie waren furchtbar.
Ein paar Meter neben dem Kopf des Hutmachers entstand plötzlich ein in der Luft schwebender Mund- ein grinsender Mund mit scharfen Zähnen. Der Hutmacher schien aber zu sehr mit seinen trüben Gedanken beschäftigt zu sein, um es zu bemerken.
„Solltest du nicht arbeiten?“ fragte der grinsende Mund in einer tiefen, ruhigen und irgendwie ärgernden Stimme.
Der Hutmacher brauchte eine Weile um zu antworten. Er sah weder auf, noch veränderten sich seine Gesichtszüge. „Wozu arbeiten, wenn meine Welt nur aus Qualen und Schmerzen besteht?“ sagte er in düsterer, trauriger Stimme.
Um den schwebenden Mund herum entstand nun der Rest des Katzengesichts, der den Hutmacher neugierig betrachtete. Die türkisen Streifen in seinem grauen Fell schimmerten leicht, als er sich bewegte. „Sei nicht so melodramatisch, Hutmacher. Beende lieber diesen Hut.“ Die Grinsekatze lies einen noch nicht fertig gestellten Hut mit großer Krempe in die Luft wedeln und auf seinem Kopf landen. Es war einer der wenigen, die noch halbwegs tragbar und nicht ganz so grässlich waren.
„Was sind Hüte schon, wenn ich ganz alleine auf dieser Welt bin.“ grummelte er und starrte weiter vor sich hin.
Der Grinser verdrehte seine Augen, obwohl er innerlich ziemlich überrascht war. Es war nicht normal, dass der Hutmacher so über Hüte sprach. Sie waren sonst immer sein ein und alles. „Du bist mit ganz Wunderland befreundet, Hutmacher.“
„Was für eine grausame Welt...“ Grinser lies den Hut zurück auf den Tisch fallen und machte nun seinen ganzen runden Körper sichtbar. Dann lies er sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen vor dem Hutmacher schweben und sah ihn mit gehobenen Brauen an. Er wusste, dass wenn er ihn weiter ärgerte, würde er bald eine Reaktion aus ihm hervor locken können.
„Das hier ist deine Welt- die Wunderwelt. Wo anders würdest du nicht zurecht finden. Dafür hast du einfach zu sehr deinen Verstand verloren. Und außerdem ist es immer sehr nervig, wenn du so niedergeschlagen bist.“
„Ich bin noch nie so niedergeschlagen gewesen.“
„Natürlich. Jedes Mal wenn an deinem Hut ein Faden gerissen ist, bist du so depressiv geworden.“ grinste er und sah ihn erwartungsvoll aus schmalen Augen an.
Jetzt schnappte der Hutmacher aus seiner starren Trance und starrte Grinser wütend an. Die Katze hatte Recht gehabt, irgendwann musste er reagieren.
„Du!“ rief er, während sich seine Augen orange färbten. Er holte aus, um nach der schwebenden Katze zu schlagen, doch diese grinste nur zufrieden und löste sich in Luft auf, wodurch die Hand des Hutmachers ins Leere schlug. „Feigling! Zeig dich! Du Feigling!“ der Hutmacher schnaubte wütend, als er das geisterhafte Lachen der Grinsekatze im Raum umher huschen hörte. „Du Feigling! Ich werde-“
Der Hutmacher wurde unterbrochen, als die Türen aufschwangen und die weiße Königin ein trat. Wie immer trug sie ein ruhiges, liebevolles Lächeln auf den Lippen, als sie mit dieser für sie so typischen Art zu tänzeln statt zu laufen, durch den Raum glitt. Als sie den Hutmacher sah, blieb sie stehen und sah sich um.
„Königin.“ sagte der Hutmacher fast etwas beschämt. Er fühlte sich immer sehr schuldig, wenn er wütend wurde und zum bösen Hutmacher wurde. Sie lächelte nur unbeirrt und tänzelte hinüber zu dem Tisch, auf dem die Hüte ruhten und darauf warteten, endlich fertig gestellt zu werden. „Es tut mir Leid.“ murmelte er und betrachtete sie mit hängenden Schultern.
Sie drehte sich von dem Tisch weg in seine Richtung und lächelte ihn an. „Aber Hutmacher, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Das bist du. Dafür mögen dich alle deine Freunde. Es gehört zu dir, genauso wie einst diese verrückte Übermut zu dir gehört hat.“ sie lächelte, doch in ihren Worten lag ein leiser Vorwurf, wodurch sich die Miene des Hutmachers verfinsterte. Sie lächelte noch ein wenig mehr und seufzte dann mit einer streckenden Bewegung, bevor sie zurück zum Tisch wirbelte und sich die vielen Hüte anschaute. „Deine Arbeit ist in letzter Zeit etwas...“ sie legte den Kopf schief, als sie über das richtige Wort nachdachte. „...sonderbar geworden...“ sagte sie und Hutmacher trat an ihre Seite, um sich die Hüte anzusehen. Die beiden standen dort und besahen die Hüte, der Blick der Königin etwas besorgt und der Blick des Hutmachers missmutig. Einer der Hüte fiel auseinander und die Einzelteile kullerten zu Boden. Traurig betrachtete er den Haufen Stoff neben seinen Füßen.
Die Königin holte tief Luft und faltete ihre Hände vor ihr. „Hutmacher, ich bin sehr besorgt. So kann das nicht weitergehen.“
Er seufzte und lies sich in seinen geflickten Sessel fallen. „Tut mir Leid... es ist nur-“
„Alice?“ fragte sie und lächelte verständnisvoll. „Wir alle vermissen unsere Heldin. Aber du musst dich zusammenreißen...“ sie sah sich um. „...und die Hüte in Ordnung bringen.“
Er sah sie an und hob dann die Schultern. Er nickte ein wenig und rückte an den Tisch, um sich wieder an die Arbeit zu machen.
Die Königin verließ den Raum, als hinter ihr die Nähmaschine gestartet wurde. Als sie die Türen wieder schloss und sich umdrehte, schwebte die Grinsekatze vor ihr in der Luft. Sie zuckte zusammen, lies sich das Erschrecken aber nicht anmerken, als sie sprach. „Grinser, welch eine Freude, dich zu sehen.“
„Meine Königin.“ grinste er und verbeugte sich spielerisch. Dann wurde sein Grinsen etwas ernster, als er sich in der Luft auf den Bauch drehte und seinen Kopf in die Hände stützte. Sie liefen nebeneinander durch den langen Gang. Sie tänzelte, er flog. „Die Lage des Hutmachers ist nicht gut.“ sagte er.
Sie nickte mit besorgtem Blick. „Aber was können wir schon tun?“
„Sie zurück ins Unterland holen?“
Sie zögerte und sah ihn dann traurig an. „Nein. Wir haben ihr Leben schon einmal völlig durcheinander gebracht. Das können wir nicht noch einmal tun. Wir haben nicht das Recht dazu.“
Der Grinser betrachtete sie aus dem Augenwinkel. Stimmte das? Vielleicht wollte Alice ja zurück.
Sie schwiegen eine ganze Weile.
„Könnten wir nur Absolem um Rat fragen...“ murmelte er und zum ersten Mal schien er in diesem Moment wirklich traurig zu sein.
„Wie wahr.“ murmelte sie nachdenklich. „Wie wahr...“
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